13. Dezember: Hochzeiten über Hochzeiten
„Vicky, Vicky, Vicky!", rief Teddy begeistert und klatschte in die Hände, während Andromeda vorsichtig aus dem Kamin in Shell Cottage kletterte und Teddy die Asche aus den Haaren wischte. Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, um zu sehen, ob sie auch pünktlich war, da das Wohnzimmer komplett leer war. Sonst waren immer Bill oder Fleur da, um sie zu empfangen.
„Hallo?", rief sie. „Jemand da?" Es sah ihnen nicht ähnlich, sie zu vergessen.
Sie hatte es sich gerade mit Teddy auf dem Sofa bequem gemacht, als Fleur mit gehetztem Blick im Wohnzimmer erschien. Sie hatte Victoire auf dem Arm, deren Gesicht knallrot und tränenüberströmt war.
„Bonjour, Andromeda, es tut mir so leid, isch 'abe disch völlig vergessen. Beel musste in die Bank und ein Problem mit den Kobolden lösen und Victoire ist 'eute schrecklisch bockig, isch kann sie kaum beruhigen. Und dann 'abe isch gerade noch völlig überraschende Nachrischten bekommen und isch weiß nischt …" Zu Andromedas Entsetzen brach Fleur in Tränen aus, was wiederrum Victoire zum Weinen brachte. Teddy schaute sie alle mit großen Augen verwirrt an.
Andromeda stand seufzend auf und nahm Fleur Victoire ab. Sie legte sie in den großen Laufstall in der Ecke und setzte dann Teddy neben sie. Ihr Enkel griff sofort nach Victoires Hand und färbte seine Haare blau, was Victoire so faszinierte, dass sie sofort aufhörte zu weinen und Teddy begeistert anstarrte.
Fleur schniefte. „Vielen Dank. 'eute ist einfach ein schrecklischer Tag." Andromeda tätschelte ihr beruhigend den Arm und ging dann in die Küche, um ihr einen Tee zu kochen. Tee schadete nie.
„Was ist denn los?", fragte sie besorgt, nachdem sie Fleur die Tasse Tee hingestellt hatte und sich mit ihr an ihren Esstisch gesetzt hatte.
Fleur trank einen Schluck und schaute Andromeda dann mit geröteten Augen an. „Isch bin schwanger."
„Oh, das ist doch schön", erwiderte Andromeda überrascht. Fleur schüttelte den Kopf. „Nicht? War es nicht geplant?" Fleur schüttelte erneut den Kopf.
„Mon dieu, non! Isch wollte noch warten mit einem sweiten Baby. Aber isch darf den Trank nischt nehmen, solange isch noch stille und diese blöden Sprüsche … isch 'atte ge'offt, dass isch nischt schwanger werden kann, solange isch noch stille, meine Maman 'at das immer gesagt, aber das war wohl nur ein blödes Gerüscht und jetzt … isch wollte mehr Seit 'aben, bis wir ein sweites Baby bekommen!"
„Naja, ihr habt ja noch neun Monate", scherzte Andromeda, aber Fleur starrte sie nur finster an. „Das wird schon werden, Fleur. Wenn du Hilfe brauchst, Molly ist sicher immer bereit, sich um Vicky zu kümmern, und ich kann sie auch manchmal nehmen, wenn du etwas Ruhe brauchst, Teddy wird sicher begeistert sein, wenn sie bei uns übernachtet, er hat ja einen Narren an ihr gefressen." Sie schaute zum Laufstall, wo Teddy mit einem Stoffniffler vor Victoires Gesicht herumwedelte und sie versuchte, das Kuscheltier zu greifen.
Fleurs Gesicht hellte sich auf. „Würdest du? Isch weiß, wir 'atten ausgemacht, dass er 'eute bei uns übernachten darf, aber isch kann 'eute wirklisch nischt …"
Andromeda drückte aufmunternd ihre Hand. „Du brauchst eine kleine Pause, um das alles in Ruhe mit deinem Mann zu besprechen, dann wird das schon alles werden. Nach allem, was ihr durchgemacht habt, werdet ihr das auch schaffen."
Fleur schaute sie skeptisch an und trank stumm ihren Tee aus. Dann ging sie nach oben in Victoires Zimmer, um eine Tasche zu packen, während Andromeda Teddy sagte, dass sie Victoire ausnahmsweise mit nach Hause nehmen würden. Teddy war ganz aus dem Häuschen, als er davon hörte, und erzählte Victoire begeistert von seinen Kuscheltieren, die er ihr zeigen wollte.
Als Teddy und sie nächsten Monat zur Weihnachtsfeier in den Fuchsbau kamen, war Andromeda froh, dass es Fleur mittlerweile besser mit ihrer überraschenden Schwangerschaft ging und Bill und sie die Nachricht fröhlich verkündeten. Als sie sagten, dass es wohl Zwillinge werden würden, war dann selbst Andromeda geschockt.
„Isch weiß", seufzte Fleur, als Andromeda sich schließlich zu ihr setzte. „Aber das Gute ist, nach diesen Babys ist Schluss. Isch mach das nischt noch einmal mit. Drei Kinder reichen völlig." Andromeda nickte und brachte sich schnell aus der Schusslinie, als Molly auf Fleur zukam und ihr erzählen wollte, wie sich ihre Zwillingsschwangerschaft von den anderen unterschieden hatte und worauf sie achten musste bei Zwillingen. Fleur seufzte, ließ Mollys gutgemeinte Triade aber kommentarlos über sich ergehen.
„Danke, dass du damals Vicky genommen hast", sagte Bill zu Andromeda und bot ihr etwas Punsch an, den George dem Geruch nach mit etwas Feuerwhiskey aufgepeppt hatte. Andromeda trank dankbar einen Schluck. „Fleur hat mir erzählt, wie sehr du ihr letzten Monat geholfen hast. Es tut mir so leid, dass ich an dem Tag nicht für sie da war."
„Wir sind alle manchmal etwas überfordert", winkte Andromeda ab. „Das wichtigste ist, dass ihr an einem Strang zieht und nicht alles an ihr hängen bleibt. Wenigstens können alle eure Babys in Frieden aufwachsen und werden nicht mitten im Krieg geboren."
„Ja, da ist was dran." Er seufzte. „Wenn ich an die letzten Jahre denke, komme ich mir schrecklich undankbar vor, dass ich mich überhaupt über unsere Probleme beschwere. Teddy hat seine Eltern verloren und du fast deine ganze Familie. Und wir Fred. Und da kommen wir nicht damit klar, dass wir zu schnell noch zwei weitere Babys bekommen. Vor drei Jahren waren wir ja nicht mal sicher, ob wir am nächsten Morgen wieder aufwachen werden."
Andromeda tätschelte tröstend Bills Schulter. „Ich weiß, das hat so eine Zeit so an sich. Aber nur, weil dir eure Probleme jetzt vielleicht trivialer vorkommen, sind sie trotzdem nicht weniger wichtig. Nach Teds Tod hätte ich nicht gedacht, dass mich der Hautausschlag auf dem Hintern eines Babys mal drei Nächte wachhalten würde, aber so war's." Sie zuckte mit den Schultern und Bill lachte. „Und bitte denkt dran, wenn euch die Kinder manchmal zu viel werden, ich nehme Victoire gerne für eine Nacht zu mir. Eure Familie hat mir nach dem Krieg mit Teddy so viel geholfen, das würde ich gern zurückgeben, solange ich noch die Energie für so kleine Kinder habe."
„Du hast doch Energie wie eine Zwanzigjährige", grinste Bill. Andromeda lächelte geschmeichelt.
„Weißt du, vor Teddy hab ich mir das auch eingeredet, aber man merkt schnell, dass man fünfundzwanzig Jahre älter als beim eigenen Kind ist. Und da hab ich wirklich Glück, dass er nicht so temperamentvoll ist wie Dora, sondern mehr nach Remus zu kommen scheint. Merlin sei Dank."
„Dann sollte Victoire vielleicht nicht zu dir -"
„Oh, nein, nein, nein", protestierte sie sofort. „Teddy war ganz begeistert, als sie bei uns war. Er liegt mir schon ständig in den Ohren damit, wann sie wiederkommt. Er ist ganz vernarrt in die Kleine."
„Sie ist auch wunderbar", erwiderte Bill stolz. „Kann man ihm nicht übelnehmen, dass er sich in sie verliebt hat."
„Tja, dann gewöhn dich schon mal an deinen zukünftigen Schwiegersohn", sagte sie grinsend und zwinkerte ihm zu.
„Oh, da gibt es schlimmere, die sie anschleppen könnte. Ganz bestimmt." Er verzog das Gesicht. „Aber erst in vierzig Jahren."
Andromeda lachte. „Ja sicher. Träum weiter."
Teddy war hocherfreut, dass Victoire in den nächsten Monaten oft bei ihnen zu Gast war. Ihr erstes Wort war sogar „Teddy", was ihn ganz besonders glücklich machte, auch wenn Bill und Fleur nicht ganz so begeistert davon waren. Aber je größer Fleurs Bauch wurde - und dieses Mal war er wirklich beeindruckend riesig - desto missmutiger wurde Fleur. Ganz besonders störte sie, dass die Hochzeit von Harry und Ginny noch vor der Geburt der Zwillinge stattfinden würde und sie aussehen würde wie ein Elefant.
„Ich weiß, dass der Termin für sie nicht so günstig liegt", sagte Ginny unbeschwert, als sie eine Woche vor der Hochzeit mit Teddys Festumhang vorbeischaute, um zu sehen, ob er auch passte. „Aber unsere Saison ist da gerade vorbei und mein Team kann noch dabei sein, bevor sie alle in den Urlaub fahren und das war mir ehrlich gesagt wichtiger. Außerdem ist es doch besser, als zwei neugeborene Babys unterbringen zu müssen. Ron und Hermines Trauung hat sie ja fast ganz verpasst, weil Vicky nicht aufhören wollte zu weinen." Sie machte den letzten Knopf zu und bedeutete Teddy, sich einmal zu drehen. „Du wirst ein ganz bezaubernder Ringträger sein", sagte sie überzeugt zu ihm.
„Es ist wirklich nett, dass ihr ihn miteinbezieht", erwiderte Andromeda und schoss gleich eine ganze Reihe Fotos von ihrem Enkel. Er sah wirklich fantastisch aus in seinem Umhang. Genau wie Remus, auch wenn er dunkelblaue Haare hatte.
„Natürlich, er gehört doch zur Familie", sagte Ginny selbstverständlich. „Wahrscheinlich werden wir nach der Hochzeit irgendwann in ein großes Haus ziehen, da kann er dann auch sein eigenes Zimmer haben, wenn er bei uns übernachtet."
„Wirklich?", fragte Andromeda überrascht. Bisher hatten Harry und Ginny in einer kleinen Wohnung in der Nähe der Holyhead Harpies gewohnt. Als Ginny und Hermine zurück nach Hogwarts gegangen waren, hatten Harry und Ron sich erstmal im Grimmauldplatz einquartiert, auch wenn Ron bald darauf zu George in die Wohnung über ihrem Laden gezogen war. Als Ginny dann ihren Abschluss hatte und bei den Harpies angefangen hatte zu spielen, waren sie zusammengezogen und Harry hatte den Grimmauldplatz dem Waisenhaus als neuen Wohnort angeboten, nachdem fast alle Mitglieder aus dem Orden des Phönix, die nach dem Krieg noch übrig geblieben waren, mehrere Wochen damit beschäftigt waren, die Zimmer neu zu streichen und endlich das Gemälde von Andromedas Tante von der Wand zerren konnten. Es war zu einem sehr schönen und fröhlichen Ort geworden, an dem Harry oft vorbeischaute und Teddy manchmal mitnahm, damit er mit den Kindern spielen konnte. Die Blacks hätten sich im Grab umgedreht, wenn sie gewusst hätten, was aus ihrem stolzen Familiensitz geworden wäre, ein Gedanke, der Andromeda jedes Mal aufs Neue große Freude bereitete.
„Ja. Die Wohnung wird langsam zu klein und wir wollen nicht, dass Teddy immer auf dem Sofa schlafen muss, wenn er bei uns bleibt. Und irgendwann wollen wir auch Kinder und dann wäre es schön, wenn wir ein Haus haben, in dem wir schon eine Weile gewohnt haben und nicht alles auf den letzten Drücker einrichten müssen. Außerdem hatte Harry noch nie ein eigenes großes Zuhause, in dem er sich wirklich wohlgefühlt hat. Zumindest keins, an das er sich erinnern kann." Sie kniete sich wieder hin und zog Teddy vorsichtig den Festumhang wieder aus. „Passt perfekt", sagte sie zufrieden. „Wenn wir irgendwann in den nächsten Monaten ein Haus gefunden haben, können wir sein Zimmer alle zusammen einrichten, damit es ihm auch gefällt."
„Das wäre bestimmt nett", sagte Andromeda etwas überrumpelt. Remus hätte sich bestimmt gefreut, dass Teddy in Harrys Leben so einen großen Platz einnahm. Trotzdem war ihr etwas mulmig zumute, wenn sie Ginny so reden hörte.
„Keine Sorge", sagte Ginny, als sie Andromedas Gesichtsausdruck gesehen hatte. „Wir wollen nicht, dass er mehr bei uns ist als jetzt und sein Zuhause ist immer bei dir. Wir möchten nur, dass er weiß, dass er immer einen Platz bei Harry und mir hat, seinen eigenen Platz, egal, wie sich unsere Familie verändern wird." Sie seufzte. „Ich muss immer daran denken, dass Harry die ersten zehn Jahre bei seinen Verwandten in einem kleinen Schrank unter der Treppe geschlafen hat, während sein schrecklicher Cousin zwei Zimmer für sich hatte. Und der Fuchsbau war auch immer so vollgestopft. Es war eigentlich geplant, dass ich mir ein Zimmer mit Ron teile, als Mum mit mir schwanger war, aber dann kam raus, dass ich ein Mädchen bin und Mum wollte unbedingt, dass ich mein eigenes Zimmer hab. Also haben sie für Ron den Dachboden ausgebaut und dann war Percy wieder sauer, dass Rons Zimmer größer war und Fred und George hatten auch eine Phase, in der sie am liebsten eigene Zimmer haben wollten und das war immer alles so ein Chaos. Harry hat genug Geld, dass wir uns ein großes Haus kaufen können und ich will genug Zimmer, dass jedes Kind später sein eigenes haben wird, Teddy miteingeschlossen."
„Wie viele Kinder wollt ihr denn?", fragte Andromeda perplex.
Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Auf jeden Fall zwei. Auch wenn ich sie manchmal auf den Mond hätte schießen können, ohne meine Brüder kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Vielleicht drei. Aber auf keinen Fall sieben, so wie Mum, da würde ich durchdrehen."
„Oh ja, ich war immer sehr beeindruckt, wie deine Mutter so viele Kinder im Griff hatte", erwiderte Andromeda und gab Ginny Teddys T-Shirt, das sie ihm über den Kopf zog. „Mir hat Dora immer völlig gereicht."
„Ja, wir werden es erstmal mit einem Kind ausprobieren und sehen, wie es läuft." Sie verwuschelte Teddys Haare und stand wieder auf. „Nicht jedes Kind wird so pflegeleicht sein wie Teddy hier. Aber damit lassen wir uns noch ein paar Jahre Zeit, ich würde gerne noch ein paar Jahre Quidditch spielen, bevor ich schwanger werde."
Andromeda nickte. „Guter Plan. Lasst euch ruhig etwas Zeit mit dem ersten Kind."
Ginny warf einen Blick auf ihre Armbanduhr und nickte. „Ich muss leider los, ich muss zur letzten Anprobe für mein Kleid. Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit so eine Hochzeit macht … und da macht Mum schon das meiste und wir sind ja schon die dritte Hochzeit, die im Fuchsbau stattfindet. Vielleicht hätten wir es wie Tonks und Remus machen sollen und heimlich heiraten."
„Dann wärt ihr aber ohne Familie und deine Mutter würde dich umbringen."
Sie seufzte. „Ja, das würde sie wohl." Sie beugte sich zu Teddy herunter und küsste ihn auf die Wange, bevor sie Andromeda zum Abschied zuwinkte und disapparierte.
Als Andromeda Teddy am Abend ins Bett brachte, schaute er sie neugierig an. „Wie war die Hochzeit von Mum und Dad? Mussten da auch alle so blöde Umhänge anziehen?"
Andromeda lachte. Sie hatte gewusst, dass Teddy sein Umhang nicht gefiel, auch wenn er gute Miene zum bösen Spiel gemacht hatte. „Weißt du, das kommt ganz auf die Hochzeit an. Wenn man eine so große Party feiert wie Harry und Ginny, dann ist es üblich, dass man sich richtig schick macht, weil das ein ganz besonderer Moment im Leben eines Paares ist. Aber man kann auch anziehen, was man will. Dein Großvater und ich haben damals nur mit ein paar Freunden gefeiert, da waren wir alle ganz normal angezogen."
Ted und sie hatten keinen großen Wirbel machen wollen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Also hatten sie mit Teds Familie in der Muggelwelt gefeiert und ein paar gute Freunde aus Hogwarts dazu eingeladen und dann nur die offizielle Zeremonie im Ministerium angehalten. So hatte sie sich ihre Hochzeit zwar nie vorgestellt, aber in dem Moment war es genau das gewesen, was sie wollte.
„Und meine Eltern?", fragte Teddy begierig und kuschelte sich in die Kissen, während sie ihn zudeckte.
Andromeda seufzte. „Ich weiß nicht, was die anhatten, leider hat keiner ein Foto von der Hochzeit gemacht." Teddy schaute sie enttäuscht an und sie strich ihm tröstend über die Haare. „Deine Eltern haben damals ganz spontan geheiratet, nur sie beide, weil sie zusammen sein wollten. Wir haben danach hier zuhause zusammen gegessen, das hat ihnen völlig gereicht."
Teddy verzog das Gesicht. „So ganz ohne Freunde?", sagte er skeptisch. „Ich glaube nicht, dass ich ohne Vicky heiraten möchte, sie ist doch meine beste Freundin."
Andromeda lachte. Wie niedlich. „Wenn du mal heiratest, kannst du so viele oder wenige Freunde einladen wie du willst. Ich bin mir sicher, wenn du willst, dass Victoire dabei ist, dann wird sie dabei sein. Und anziehen, was du willst."
Teddy nickte. „Gut. Schade, dass Mum und Dad kein Foto von ihrer Hochzeit haben."
Sie schluckte. „Ich weiß, mein Schatz. Aber dafür hast du ganz viele andere Fotos von ihnen." Sie zeigte auf das Bild, das auf Teddys Nachttisch stand, dass Nymphadora und Remus kurz nach der Geburt mit einem schreienden Teddy zeigte. Sie war wirklich unendlich froh, dass sie so viele Fotos gemacht hatte, damit Teddy ein paar Erinnerungen an seine Eltern hatte.
Die Hochzeit von Harry und Ginny war wunderschön. Teddy nahm seine Aufgabe sehr ernst und überreichte Harry und Ginny problemlos die Ringe. Victoire war das Blumenmädchen, auch wenn sie von Bill getragen werden musste und die Blütenblätter lieber über sich selbst ausschüttete, als sie auf den Boden zu werfen. Aber ansonsten war sie sehr brav und fing dieses Mal nicht während er Trauung an zu weinen. Dafür schnäuzte Hagrid sich so laut, dass die Gäste ständig zusammenzuckten.
Bei der Feier später fiel Teddy beinahe in Ohnmacht, weil Ginny seinen Lieblingsspieler von den Wimbourner Wespen eingeladen hatte, der ihm bereitwillig ein Autogramm gab (auch wenn Teddy noch nicht lesen konnte).
„Ginny hat gesagt, dass du überrascht warst, dass er sein eigenes Zimmer bekommen soll, wenn wir erstmal ein Haus gefunden haben", sagte Harry ein paar Stunden später, als alle gegessen hatten und die Tanzfläche überfüllt war. Ginny wurde gerade übermütig von George über das Parkett gewirbelt und wäre beinahe in Ron gestoßen, wenn Hermine ihn nicht noch rechtzeitig zur Seite gezogen hätte.
„Kümmer dich nicht weiter darum", sagte Andromeda gut gelaunt und trank noch einen Schluck Champagner. Teddy und Victoire hatten sie vor einer Weile in Ginnys altem Zimmer ins Bett gebracht und jetzt konnten sie alle in Ruhe feiern. Selbst Fleurs Laune war gut gewesen, auch wenn sie mittlerweile an einem anderen Tisch ihre geschwollenen Füße hochgelegt hatte und Bill mit immer neuen Wünschen ans Buffet schickte. „Ich hab nur nicht damit gerechnet. Aber es ist gut, dass ihr Teddy so einen großen Platz in eurem Leben einräumt, das wird ihm viel bedeuten. Und Remus auch. Es ist gut, dass Teddy nicht alleine ist."
„Natürlich ist er das nicht", erwiderte Harry. „Er hat dich, schon von der ersten Sekunde an. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mir als Kind jemanden wie dich gewünscht habe. Jemanden, der mich lieb hat und mir von meinen Eltern erzählen kann und mich nicht nur eine Missgeburt nennt." Er seufzte. „Ich hab immer ein schlechtes Gewissen, dass ich Teddy so wenig von Remus und Tonks erzählen kann, wenn er fragt."
Andromeda seufzte. Je älter er wurde, desto mehr wollte er wissen. Über Nymphadora hatte sie unzählige Geschichten, auch wenn sie sich viele für später aufhob, damit sie ihn nicht auf dumme Gedanken brachte. Nymphadora hatte wirklich viel Unsinn angestellt als kleines Mädchen. „Ich wünschte auch, dass ich mehr über Remus wüsste. Jetzt, wo Teddy fragt, fällt mir erst auf, wie wenig ich ihn eigentlich kannte. Und dann wollen wir auch noch warten, bis wir ihm erzählen, dass er ein Werwolf war. Das ist schwieriger, als ich dachte."
Harry nickte. Sie hatten alle ausführlich darüber gesprochen, wann sie Teddy von Remus' Schicksal erzählen wollten, und waren sich einig gewesen, dass er noch zu jung war, um zu verstehen, was das war und sie besser noch ein paar Jahre warten würden. Wenn sie ehrlich war, graute es ihr jetzt schon vor diesem Gespräch. Aber es erklärte so viel über Remus und Teddy hatte ein Recht darauf, es zu wissen. Aber erst später. Wenn er alt genug war.
„Ja, das ist wohl wahr. Auf jeden Fall wollte ich nur sicher gehen, dass du weißt, dass wir an unserer Beziehung zu Teddy nichts ändern wollen. Sein Platz ist bei dir. Wir wollen nur, dass er auch bei uns seine eigene Ecke hat."
„Ja, Ginny hat das schon erklärt, keine Sorge." Ein paar Momente lang war es ihr sehr merkwürdig vorgekommen, aber dann war ihr bewusst geworden, wie lächerlich sie sich aufführte. Harry und Ginny liebten Teddy, aber sie würden ihn ihr niemals wegnehmen. „Und es ist wahrscheinlich eine sehr gute Idee, damit er das später nicht in Frage stellt, wenn ihr eure eigene Familie gründet."
Harry nickte. „Teddy gehört jetzt schon dazu. Und du genauso. Molly hat uns doch alle schon längst adoptiert, da hatten wir nie eine Chance." Er grinste und Andromeda tat es ihm nach. Sie hätte nie gedacht, dass sie noch einmal zu einer reinblütgen Familie gehören würde, aber die Weasleys waren wirklich die beste Wahl. Und diese Generation konnte man nicht mal mehr als reinblütig bezeichnen, mit einer Veela, einer Muggelstämmigen und einem Halbblüter, die alle schon bei den Weasleys eingeheiratet hatten. Ganz zu schweigen von Percys neuer Freundin Audrey, die einfach alles mit großen Augen anstarrte. Anscheinend war sie ein richtiger Muggel und Andromeda konnte sich gar nicht vorstellen, wie überwältigend alles sein musste, wenn man überhaupt keine magischen Kräfte hatte. Und dann war da noch Arthur, der sich auf jeden Muggel begeistert stürzte und ihn ständig ausfragte. Glücklicherweise für Audrey hatte Harry auch seine alte Nachbarin Arabella Figg eingeladen, die sich gerne von Arthur und Beschlag nehmen ließ und so Audrey vor dem schlimmsten bewahrte.
Harry trank sein Glas Champagner leer und stand auf. „Wenn du mich entschuldigst, ich glaube meine Frau will mit mir tanzen." Er seufzte. „Schon wieder." Harry war nicht gerade der enthusiastischste Tänzer, aber Ginny war das völlig egal, als sie ihn auf die Tanzfläche zog und er ihr trotz allem bereitwillig folgte.
Einen Monat später hatten sie ein schönes großes Haus mit sehr großem Garten gefunden. Die Nachbarn waren weit genug weg, dass sie ungestört mit ihren Besen fliegen konnten und Ginny war weiterhin in der Nähe ihres Teams. Teddy war ganz begeistert, dass er ein eigenes Zimmer bekam und sich seine Möbel sogar aussuchen durfte, und Andromeda stiegen Tränen in die Augen, als er darauf bestand, dass die Wände die gleiche Farbe haben sollten wir bei ihnen zuhause. Die Farbe, auf die sich Nymphadora, Remus und sie damals geeinigt hatten. Die beiden hätten sich sehr darüber gefreut.
Kurz darauf brachte Fleur die Zwillinge Dominique und Louis zur Welt. Wie Victoire waren sie ihr wie aus dem Gesicht geschnitten, auch wenn Victoires Haare in bestimmtem Licht mittlerweile rötlich schimmerten, das einzige, was auf ihre Weasley-Gene hinwies. Fleur behauptete steif und fest, dass die Kinder alle Bills Augen hatten, aber da sie beide blaue Augen hatten, würde man das wohl nie genau sagen können. Victoire war weniger begeistert von den Babys, als Teddy es damals von Victoire gewesen war. Andromeda konnte sie gut verstehen, denn zwei Babys waren um einiges lauter als eins, auch wenn Louis etwas ruhiger war als seine Schwester, die immer die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog.
In der ersten Zeit nach der Geburt war Victoire deshalb häufig bei ihnen und jetzt, wo sie auch laufen konnte, tollte sie viel mit Teddy durch den Garten. Einmal wäre sie fast in den Teich gefallen, sodass Andromeda sich gezwungen sah, einen Schutzzauber darum zu legen, damit ihm keiner mehr zu nahekommen konnte.
Bei der Hochzeit von Percy und Audrey Ende des Jahres sah Fleur dann auch schon um einiges besser aus, weil die Zwillinge endlich durchschliefen, auch wenn sie Charlie und George bekniete, mit ihren Hochzeiten noch eine Weile zu warten, damit sie wenigstens auf deren Hochzeitsfotos gut aussah. Ein dunkler Schatten legte sich über Charlies Gesicht, während George nur mit den Schultern zuckte. Er war mit seiner Freundin Angelina da, aber schien absolut nicht bereit, solche weitreichenden Entscheidungen zu treffen.
Als die Zwillinge etwas älter wurden, war Teddy auch wieder mehr in Shell Cottage. Fleur war beinahe froh, wenn er da war, denn da er zwei Jahre älter war, konnte er manchmal für ein paar Minuten ein Auge auf die Kleinen haben, ohne dass sie sich Sorgen machen musste. Außerdem ging er mittlerweile in den Kindergarten und Andromeda konnte so ein paar Schichten im Mungos übernehmen, wo sie mit offenen Armen empfangen wurde. Ted und sie hatten genug Ersparnisse gehabt, dass sie nach dem Krieg nicht unbedingt hatte arbeiten müssen und auch wenn ihr die Arbeit mit den Patienten fehlte, konnte sie sich nicht vorstellen, Teddy alleine zu lassen, wenn sie nicht musste. Als Dora klein war, hatten Ted und sie so schnell wie mögliche ihre Karrieren in der Zauberwelt wieder aufnehmen wollen, unter anderem, weil sie das Geld brauchten, aber da es dieses Mal anders war wollte sie die erste Zeit mit Teddy genießen. Er hatte zwar seine Eltern verloren, aber sie und Harry und die Weasleys bemühten sich mit vereinten Kräften, dass er sich niemals alleine fühlen würde.
Mittlerweile sorgte sie dafür, dass Teddy nicht im Haus war, wenn Narcissa zum Tee vorbeikam. Ihre Familiengeschichte war ihr noch zu kompliziert, um sie einem vierjährigen Teddy zu erzählen. Außerdem endeten die Treffen immer noch manchmal in Streit, auch wenn sie mit den Jahren besser geworden waren, die heikelsten Themen zu umgehen. Sie redeten sehr viel über das Wetter und die besten Teesorten.
Aber manchmal kamen sie auch nicht umhin, über Familie zu sprechen. So wie zwei Monate vor Teddys fünftem Geburtstag, als Narcissa mit verkniffenem Gesichtsausdruck vor ihrer Tür stand und dann die nächsten zehn Minuten dramatisch seufzte. Andromeda wusste, dass Narcissa nur darauf wartete, dass sie sie fragte, was sie störte, aber sie genoss es ungemein, ihre Schwester zappeln zu lassen und erklärte ihr deshalb erst im Detail das Kuchenrezept, das sie gestern ausprobiert hatte und wie schwierig es war, den genauen Zeitpunkt für die Glasur hinzubekommen. Danach erzählte sie ihr bis ins kleinste Detail, wie sie die Glasur erneut machen musste, weil Teddy versucht hatte, davon zu probieren und dabei die Schüssel heruntergeworfen hatte.
Nachdem sie langsam einen Bissen Kuchen gegessen und genüsslich einen großen Schluck Tee getrunken hatte, lehnte sie sich schließlich zurück und schaute ihre Schwester mit einem engelsgleichen Lächeln an. „Und wie geht es dir, Sissy?"
Narcissa atmete erleichtert durch und holte dann tief Luft. „Schrecklich, Dromeda! Das kannst du dir gar nicht vorstellen!"
„Was ist denn passiert?", fragte Andromeda interessiert. Bei ihrer Schwester konnte das alles bedeuten, von so einer Kleinigkeit wie dass der Gärtner den Rasen nicht richtig gemäht hatte bis hin zu einer tödlichen Krankheit ihres Mannes.
„Draco will heiraten!"
„Das ist doch schön", sagte Andromeda ehrlich erfreut. „Du wolltest doch schon lange, dass er endlich heiratet."
Narcissa seufzte gequält. „Ja, aber doch nicht so! Wir haben diese Person erst letzte Woche kennen gelernt! Er hat uns überhaupt nicht um Rat gefragt, ob sie eine geeignete Wahl ist und jetzt sollen wir das einfach so akzeptieren! Es gibt doch nicht ohne Grund eine Tradition, der man zu folgen hat! Und wenn ich daran denke, mit wie vielen geeigneten Kandidatinnen ich ihn bekannt machen wollte! Und jetzt das!"
Andromeda verkniff sich ein Grinsen und fragte neugierig: „Wer ist es denn?" Es wäre herrlich, wenn Draco sich in eine Muggel verliebt hätte. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass ein Sohn von Narcissa sich freiwillig jemals in die Welt der Muggel begeben würde, also war diese Chance wohl eher gering. Und Draco war bestimmt rassistisch genug, dass er solche Gefühle nie zulassen würde, selbst wenn er jemanden kennen gelernt hätte.
„Astoria Greengrass, die jüngere Tochter der Greengrasses", erwiderte Narcissa gequält und stopfte sich vor Verzweiflung das halbe Stück Schokoladenkuchen in den Mund. „Ist das nicht grauenvoll?"
„Wieso?", fragte Andromeda stirnrunzelnd. „Sind die nicht eine reinblütige Familie? Und waren sie nicht immer in Slytherin?" Sie konnte sich nur dunkel erinnern, aber sie war sich dennoch ziemlich sicher, dass ein Greengrass zwei Jahre über Bella in Slytherin gewesen war.
„Ja, aber was für eine reinblütige Familie! Kaum alteingesessen! Gut, ziemlich wohlhabend, das spricht wohl für sie, aber längst nicht mit so einer klaren Blutlinie wie die Bullstrodes oder Parkinsons! Und angeblich auch mit einigen Familienzweigen im Ausland!" Sie erschauderte. „Das wird den guten Namen Malfoy ruinieren!"
„Ach ja?", fragte Andromeda mit hochgezogenen Augenbrauen. „Nicht Lucius' Zeit in Askaban oder seine verrückte Schwägerin?"
Narcissa schnaubte. „Ach das! Peanuts im Vergleich zu sowas! Ich habe Draco bekniet, sich die Verlobung noch einmal zu überlegen, aber der Junge will einfach nicht auf mich hören!" Sie schüttelte den Kopf. „Ich verstehe das nicht! Dabei habe ich ihn so gut erzogen!"
Andromeda verdrehte die Augen. „Du wolltest doch, dass er endlich heiratet."
„Jaah, natürlich will ich das, aber die Richtige! Und das ist diese Greengrass doch wohl kaum! Da hätte er ja gleich die Weasley-Tochter nehmen können, wenn er sich auch mit dem Pöbel zufriedengibt."
Andromeda seufzte. „Jetzt übertreib nicht so. Ginny ist schon seit fast zwei Jahren verheiratet, die hätte dein Sohn sowieso nicht bekommen."
„Als ob er sie hätte haben wollen!", protestierte Narcissa entsetzt.
„Nein, dein Sohn will ja offensichtlich Astoria Greengrass", konterte Andromeda und verschränkte die Arme vor der Brust. Lange würde sie sich dieses Gezeter nicht mehr anhören. Narcissa war immer am unmöglichsten, wenn es um ihre Familie ging. Bis zu einem gewissen Grad konnte Andromeda weghören, aber irgendwann riss auch ihr der Geduldsfaden. „Ist sie wenigstens nett? Liebt er sie?"
„Als ob es darum ginge!", widersprach Narcissa verständnislos.
„Um was denn sonst?", erwiderte Andromeda in dem gleichen Tonfall. „Heutzutage heiratet man normalerweise immer aus Liebe."
Narcissa verdrehte die Augen. „Ich bitte dich, Dromeda, jetzt sei doch nicht so naiv! Wer heiratet in unseren Kreisen schon aus Liebe? Ich jedenfalls nicht!"
„Ach nein?", fragte Andromeda ehrlich überrascht. Sie wusste, dass Narcissa schon als kleines Mädchen von den Familientraditionen und dem Fortbestand der Blutlinie besessen gewesen war und Lucius vorrangig nach diesen Kriterien ausgewählt hatte, aber sie hatte trotzdem gedacht, dass Narcissa ihn liebte. „Ich habe Ted nur aus Liebe geheiratet." Und weil sie schwanger war, aber die Schwangerschaft hatte letztendlich nur den Termin der Hochzeit beschleunigt. Sie hatte immer gewusst, dass sie Ted eines Tages heiraten würde. Er war die Liebe ihres Lebens gewesen.
„Das will ich auch hoffen, dass du unsere Blutlinie wenigstens aus Liebe besudelt hast", fauchte Narcissa. Andromeda schaute sie scharf an und Narcissa lehnte sich seufzend zurück. „Der einzige Mensch in meinem Leben, den ich bedingungslos liebe, ist Draco. Für ihn habe ich alles gemacht. Mit Severus verhandelt, Bella in meinem Haus ertragen, den Dunklen Lord belogen. Damit er überlebt. Und im Gegenzug dafür stellt er sich jetzt gegen alles, was unserer Familie wichtig ist!"
„Weil er eine Tochter aus einer reinblütigen Familie heiraten will, die seit Generationen nach Slytherin geht?", fragte Andromeda skeptisch. „Es tut mir wirklich leid, Sissy, aber ich sehe das Problem nicht. Ist es nur, weil du die Frau nicht ausgesucht hast?" Anders konnte sie sich dieses Theater nicht erklären. Auf dem Papier klang diese Astoria doch wie eine perfekte Frau für den Erben der Malfoys.
„Nein, das ist es nicht!", beharrte Narcissa. „Es gibt nur weitaus geeignetere Frauen, die ihn genauso glücklich machen könnten, wenn nicht noch glücklicher! Frauen, die in der gleichen Tradition wie er erzogen worden sind und seine Werte teilen! Nur, weil jemand reinblütig ist und in Slytherin war, heißt das noch lange nicht, dass sie auch in unsere Familie passt und es wert ist, unseren Namen zu tragen! Du kannst das nicht verstehen, du hast deiner Tochter einem Werwolf zum Fraß vorgeworfen, aber wir Malfoys haben immer noch einen Sinn für die richtigen Werte!"
Andromeda stand abrupt auf und starrte ihre Schwester schockiert an. „Jetzt bist du zu weit gegangen, Sissy, ein für allemal!" Sie ergriff den Arm ihrer Schwester und zerrte die überraschte Narcissa von ihrem Stuhl. „Ich will dir mal was sagen, Sissy! Ich habe mit meiner Tochter gar nichts gemacht, ich habe sie ihre Entscheidungen alleine treffen lassen, weil sie alt genug war, zu wissen, was sie will. War ich glücklich damit, dass sie ausgerechnet einen Werwolf geheiratet hat? Nein! Aber Remus war ein guter Mann und sie hätte es wirklich schlechter treffen können! Und wenn du dein Kind nicht verlieren willst, dann rate ich dir dringend, seine Wahl zu akzeptieren und deine Vorbehalte für dich zu behalten, denn sonst kann es ganz schnell passieren, dass er nichts mehr von dir wissen will! Lass es dir von jemandem gesagt sein, der sein Kind nie wieder sehen wird, du willst nicht, dass dir das auch passiert! Denn es ist ein schreckliches Gefühl, von dem du dir wünschen wirst, dass du es nie gefühlt hättest. Keine Tradition und Blutlinie ist das wert!" Schwer atmend blieb sie an der Haustür stehen. Narcissa schaute sie mit weitaufgerissenen Augen an. „Und wenn du meine Tochter oder den Rest meiner Familie noch einmal beleidigst, dann brauchst du dich hier nie wieder blicken lassen, haben wir uns verstanden?!"
Narcissa nickte stumm und ließ sich ohne Protest durch die Haustür schieben. Mit einem Seufzer knallte Andromeda die Haustür hinter ihr zu und schaute dann auf das gerahmte Foto, das sie und Ted und eine junge Nymphadora zeigte, das im Eingangsbereich hing. „Meine Schwester hat einen Knall", sagte sie entschuldigend zu den beiden. Zwar längst keinen so großen wie Bellatrix, aber Andromeda bezweifelte, dass Narcissas Sohn lange mit Narcissas Einstellung einverstanden sein würde. Schließlich hatte er ihren Sturkopf geerbt. Besonders weil seine Auserwählte allem Anschein nach den Kriterien der Malfoys zu entsprechen schien.
Bei ihrem nächsten Treffen erwähnte Narcissa die Familie mit keinem Wort und sie hatten einen vergnüglichen Nachmittag, an dem sie die besten Methoden fürs Rosenzüchten debattierten. In den Monaten danach beschwerte sich Narcissa öfter über die Organisation der Hochzeit und ließ weiterhin kein gutes Haar an ihrer zukünftigen Schwiegertochter, aber sie schien auch nicht den Anschein zu erwecken, dass sie die Hochzeit wirklich hätte verhindern wollen. Als später in der Hexenwoche über die Hochzeit berichtet wurde (wenn auch nicht so ausführlich wie über die von Ron und Hermine oder die von Harry und Ginny, die eine Sonderausgabe bekommen hatte), war der Artikel voll des Lobes und Narcissa wurde sogar zitiert, wie sie sich wohlwollend über das neue Ehepaar äußerte. Draco hätte Andromeda eigentlich aus Dankbarkeit die Füße küssen sollen.
TBC…
