VII. Der Einstige und Künftige Ritter
Ab Anfang Dezember kommt das Leben im Schloss und in der Stadt über Nacht zum Erliegen, als ganz Camelot unter einer dicken, weißen Schneedecke begraben wird. Der Sturm setzt mitten in der Nacht ein und als Arthur am nächsten Morgen aus dem Fenster blickt, kann er nichts als weißen Schnee auf den Zinnen der Türme, den Bäumen und den Wiesen und Feldern rund um das Schloss entdecken.
Aithusa gefällt diese neue Entwicklung überhaupt nicht und sie weigert sich von diesem Tag an standhaft auch nur eine Klaue aus den Mauern des Schlosses hinaus zu setzen. Stattdessen verbringt sie beinahe jeden freien Moment zusammengerollt auf dem Schaffell vor dem Kamin in Arthurs Räumen und schläft.
Das Training der Ritter wird bis auf Weiteres ausgesetzt und da es sonst während der kalten Jahreszeit nichts zu tun gibt, beschäftigt Arthur sich damit die Korrespondenzen für den kommenden Frühling vorzubereiten, die abgeschickt werden sollen, sobald das Wetter es zulässt. Außerdem gibt es scheinbar endlosen Sitzungen des Rates und der Ritter der Tafelrunde zusammen, bei denen über die Ereignisse des vergangenen Jahres geredet wird und Pläne für das kommende Jahr besprochen werden.
Arthur hat den Kopf auf eine Hand gestützt und versucht seine Kopfschmerzen zu ignorieren, während er sein Bestes tut Lady Evaines Ausführungen bezüglich der Vorbereitungen für das Julfest zu folgen. Sein ganzer Körper schmerzt und er fühlt sich elend, obwohl er weiß, dass er vollkommen gesund ist. Die Symptome, die er spürt, kommen von Merlin, der sich eine Erkältung eingefangen hat und Arthur verflucht zum ersten Mal die Verbindung zwischen ihnen. Während der ersten beiden Tage hat Merlin es noch geschafft das meiste der Auswirkungen seiner Erkältung von Arthur fern zu halten, aber seit heute Morgen gelingt ihm das nicht mehr.
Arthur schließt die Augen und versucht, das Kitzeln in seine Nase zu ignorieren, doch er scheitert und niest schließlich laut. Als er die Augen wieder öffnet, bemerkt er, dass Lady Evaine verstummt ist und dass ihm alle in der Runde besorgte Blicke zuwerfen.
„Sire, geht es Euch gut?", fragt Gaius und anscheinend kann Arthur doch nicht so gut verbergen, wie elend er sich fühlt.
„Ja Gaius, es geht mir gut. Macht Euch keine Sorgen", antwortet Arthur.
„Es sieht ganz so aus, als ob du dir dieselbe Erkältung eingefangen hast wie Merlin. Wahrscheinlich hat er dich angesteckt", meint Gwaine und Arthur rollte mit Augen, bevor er ihm einen vernichtenden Blick zuwirft.
Gwaine sieht ihn daraufhin verständnislos an und hebt abwehrend die Hände.
„Wenn Ihr wollt, kann ich Euch etwas geben, das die Symptome lindert, Sire", bietet Gaius an, aber Arthur schüttelt den Kopf.
Er bezweifelt, dass es irgendetwas nutzen würde, einen von Gaius Tränken einzunehmen, da er nicht derjenige ist, der die Erkältung hat, sondern nur über seine Verbindung zu Merlin die Auswirkungen davon spürt. Außerdem weiß er, dass Gaius' Tränke in diesem Fall ohnehin nicht viel helfen würden, denn er hat sich gerade erst heute Morgen Merlins Gejammer darüber anhören müssen, warum sie trotz Gaius' und Alice' Wissen und Merlins Magie nicht in der Lage sind ein wirksames Mittel gegen eine einfache Erkältung herzustellen.
„Es geht mir gut, Gaius. Es ist nichts, wirklich", bekräftigt Arthur.
Gerade als Arthur noch etwas hinzufügen will, um Gaius davon zu überzeugen, dass es ihm wirklich gut geht, kitzelt es ihn erneut in der Nase und bevor er es verhindern kann, muss er erneut laut niesen. Kurz bevor er seine Augen schließen muss, sieht er jedoch zu seinem Entsetzen, wie der Becher mit gewässertem Wein, der links vor ihm auf der runden Tafel steht, sich bewegt und einen kleinen Sprung macht. Arthur presst seine Augen fest zusammen, denn er spürt das Kribbeln der Magie in sich und er weiß, dass seine Augen golden aufleuchten. Im nächsten Moment hört er das Klappern von Zinn auf Stein und als er seine Augen wieder öffnet, ist er sich sicher, dass sein Geheimnis, Merlins Magie benutzen zu können, jetzt kein Geheimnis mehr ist.
„Es tut mir schrecklich leid, Sire. Wie überaus ungeschickt von mir", sagt Leon jedoch links neben ihm und als Arthur den Kopf dreht, sieht er, dass Leon versucht, mit seinem Umhang die kleine Pfütze aus gewässertem Wein auf der Tafel aufzuwischen.
Arthur wird klar, dass Leon geistesgegenwärtig so getan hat, als ob er den Becher, der durch Arthurs unbewussten Einsatz von Magie in Bewegung geraten ist, umgestoßen und schnell wieder aufgestellt hätte. Ein kurzer Blick in die Runde, lässt Arthur aufatmen, da niemand erstaunt zu ihm hinübersieht, sondern alle Blicke auf Leon und sein Missgeschick gerichtet sind. Allerdings war dieser Zwischenfall gerade eben für Arthurs Geschmack etwas zu knapp und wenn die Erkältung dafür sorgt, dass er spontan Magie wirkt, ohne dass er es verhindern kann, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sein Geheimnis tatsächlich keines mehr ist.
Arthur schnieft etwas übertrieben und blinzelt ein paar Mal. „Also gut, vielleicht hat Merlin mich wirklich angesteckt", lenkt er ein. „Ich denke, ich werde mich in meine Gemächer zurückziehen, bevor ich noch jemand anderen anstecke. Was das Julfest angeht, habe ich vollstes Vertrauen in Euch, Lady Evaine."
„Vielen Dank, Sire", antwortet Lady Evaine und Arthur steht von seinem Platz am Tisch auf. Als er den Mitgliedern seines Rates noch einmal zunickt, erhebt sich Leon ebenfalls von seinem Stuhl.
„Ich werde einem der Diener Bescheid sagen, dass sie einen Lappen bringen sollen", sagt er in die Runde, bevor er Arthur in Richtung Tür folgt.
Nachdem sie die Ratshalle verlassen haben und ein Stück den Korridor entlang gegangen sind, wirft Arthur Leon einen kurzen Seitenblick zu und nickt vielsagend. „Danke, dass du so schnell reagiert hast."
„Natürlich, Sire. Wir wollen schließlich nicht, dass ein ganzer Becher gewässerter Wein quer über die runde Tafel verteilt wird."
Arthur schmunzelt, während sie um eine Ecke biegen.
Leon wirft ihm schließlich einen Blick von der Seite her zu. „Geht es dir gut?", fragt er leise und als Arthur die Besorgnis in seiner Stimme hört, seufzt er.
„Ja, und wenn ich nicht diese verdammte Verbindung zu Merlin hätte, dann würde es mir noch viel besser gehen."
„Hat Merlins Magie ihm auch schon Probleme gemacht?", fragt Leon erstaunt.
„Heute Morgen noch nicht. Und so etwas ist auch noch nie zuvor passiert. Ich meine, Merlin hatte schon oft eine Erkältung, aber seine Magie hat deswegen nie ein Eigenleben entwickelt."
Leon runzelt die Stirn. „Glaubst du, dass es mehr sein könnte als eine bloße Erkältung?"
Arthur schüttelt den Kopf. „Ich denke nicht. Gaius hätte es bemerkt, wenn dass der Fall wäre. Ich glaube einfach, dass diese Erkältung Merlin ziemlich stark getroffen hat."
„Dann lass uns hoffen, dass er nicht versehentlich das Schloss in Brand setzt", meint Leon mit einem scherzhaften Tonfall, aber Arthur wirft ihm einen unheilvollen Blick zu.
Merlin hebt den Kopf, als die Tür geöffnet wird und er erwartet, Arthur zu sehen, doch stattdessen betritt Gwen das Zimmer. Sie hat einen kleinen Tonbecher in der Hand und schließt vorsichtig die Tür, darauf bedacht den Inhalt des Bechers nicht zu verschütten. Sie lächelt Merlin aufmunternd an, als sie durch das Vorzimmer zum Bett hinüber geht.
Merlin seufzt und lässt den Kopf wieder nach hinten in die hinter ihm aufgetürmten Kissen sinken. Sein ganzer Körper tut weh, er bekommt kaum Luft durch seine verstopfte Nase, und sein Kopf pulsiert mit einem beständigen Pochen. „Gwen, ich habe dir doch gesagt, dass du nicht herkommen sollst. Ich werde dich anstecken."
Gwen schüttelt jedoch entschieden den Kopf. „Unsinn, das wirst du nicht. Und jemand muss sich schließlich um dich kümmern, wenn Arthur den ganzen Morgen mit Sitzungen des Rates beschäftigt ist. Und Gaius hat gesagt, dass du viel trinken sollst, also habe ich dir etwas gebracht, das meine Mutter mir und Elyan immer gegeben hat, wenn wir krank waren. Es ist Kamille, Rosmarin und Salbei mit heißem Wasser aufgegossen und mit ein wenig Honig versetzt."
„Das ist wirklich nett von dir, Gwen, aber ich bin nicht sicher, ob aufgebrühte Kräuter helfen werden, wenn schon Gaius' Tränke keine Wirkung hatten", antwortet Merlin kläglich, als Gwen sich auf die Kante das großen Himmelbettes setzt.
„Versuch es einfach. Es ist zumindest Flüssigkeit und vielleicht wird deine Nase durch die Dämpfe wieder etwas freier."
Gwen reicht Merlin den dampfenden Tonbecher und Merlin setzt sich wieder etwas auf, bevor er den Becher entgegennimmt. Er führt ihn an die Lippen, bläst einige Male auf die Oberfläche der Flüssigkeit und nimmt dann vorsichtige einen Schluck. Der heiße Kräuteraufguss schmeckt hauptsächlich nach Salbei und nachdem Merlin ein paar kleine Schlucke getrunken hat und ihm die Dämpfe in die Nase gestiegen sind, bekommt er tatsächlich wieder etwas mehr Luft.
„Danke, Gwen", sagt Merlin mit einem Lächeln und Gwen strahlt ihn glücklich an. Bevor sie jedoch antworten kann, wird die Tür geöffnet und beide drehen den Kopf.
Arthur betritt seine Räume und Gwen erhebt sich von ihrem Platz an Merlins Bettkante und neigt kurz aber respektvoll den Kopf. „Guten Morgen, Arthur."
Arthur lächelt Gwen ein wenig gezwungen an und erwidert die Begrüßung, während Merlin sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann und einen weiteren Schluck aus seinem Becher trinkt. Arthur hat Gwen mittlerweile abgewöhnen können ihn mit seinem Titel anzusprechen, wenn sie unter sich sind, aber abgesehen davon verhält sich Gwen ihm gegenüber immer noch äußerst förmlich.
„Ist die Ratssitzung schon vorbei?", fragt Merlin, als Arthur seinen Mantel ablegt und über eine Stuhllehne hängt.
„Nicht wirklich", entgegnet Arthur. „Aber es sieht so aus, als ob du mich angesteckt hast, und deshalb bin ich gegangen, nachdem alles Wichtige ohnehin schon besprochen worden ist."
Arthur wirft Merlin einen vielsagenden Blick zu und Merlin zieht die Augenbrauen zusammen. An diesem Morgen ist Arthur noch vollkommen gesund gewesen. Dann wird ihm jedoch klar, dass er Arthur wohl nicht tatsächlich mit seiner Erkältung angesteckt hat, sondern dass Arthur die Auswirkungen über ihre Verbindung hinweg spürt und Merlin anscheinend nicht länger in der Lage ist ihn davon abzuschirmen.
Merlin verzieht das Gesicht und wirft Arthur einen gequälten Blick zu. „Es tut mir leid. Ich habe es nicht einmal bemerkt."
„Schon gut, es ist nicht deine Schuld", antwortet Arthur, während er zum Bett hinüber geht. „Aber das bedeutet, dass ich ebenfalls im Bett bleiben werde, bis es uns beiden wieder besser geht."
Während Merlin überlegt, was er tun könnte, um die Verbindung zwischen ihnen so weit zu unterdrücken, dass Arthur nicht länger die Auswirkungen seiner Erkältung abbekommt, spürt er, wie es ihn in der Nase kitzelt. Er hebt eine Hand vors Gesicht und merkt gerade noch, wie ihm jemand, vermutlich Gwen, eilig den Becher aus der anderen Hand nimmt, bevor er die Augen schließen muss und laut niest.
„Merlin!"
Merlin öffnet die Augen wieder, blinzelt ein paar Mal und sieht überrascht auf, als er den anklagenden Ton in Gwens Stimme hört.
„Tut mir leid, ich musste niesen, ich konnte es nicht zurückhalten", antwortet er, aber Gwen schüttelt den Kopf.
„Nein, das habe ich doch nicht gemeint. Sieh nur."
Sie hält ihre flache Hand unter den Becher und dreht ihn dann auf den Kopf. Merlin will protestieren und streckt bereits die Hände aus, aber statt heißer Flüssigkeit fällt ein gefrorener Block aus dem Becher und landet in Gwens Handfläche.
Merlin sieht verwirrt auf das gefrorene Wasser. „Das war ich nicht."
Gwen legt den Kopf schief. „Wenn es dir nicht schmeckt, hättest du es auch einfach sagen können."
„Nein!", erwidert Merlin bestimmt. „Es ist sehr gut, ich bekomme langsam tatsächlich wieder etwas Luft durch meine Nase."
Gwen sieht ihn prüfend an, glaubt ihm jedoch scheinbar, denn ihr Blick wird einen Moment darauf besorgt. „Du hast das nicht getan?"
Merlin zuckt mit den Schultern. „Na ja, offensichtlich schon, aber ich wollte es nicht tun."
Während Merlin noch versucht, zu verstehen, was gerade passiert ist, schaltet sich Arthur in das Gespräch ein. „Was war denn in dem Becher?"
„Kamille, Rosmarin und Salbei mit heißem Wasser aufgegossen und mit ein wenig Honig", antwortet Gwen.
„Na ja, Merlin kann es einfach wieder erwärmen und flüssigmachen", meint Arthur und wirft Gwen ein Lächeln zu. „Danke, dass du dich um ihn gekümmert hast."
Gwen erwidert das Lächeln und lässt dann den gefrorenen Block zurück in den Becher rutschen. „Ich hoffe, es geht dir bald wieder besser, Merlin. Und Euch auch Arthur", sagt sie dann aufmunternd und stellt den Tonbecher auf den Nachttisch, bevor sie das Zimmer durchquert und den Raum wieder verlässt.
Arthur sieht ihr noch einen Augenblick lang hinterher, setzt sich dann auf den Platz, an dem Gwen zuvor gesessen hat, und greift nach dem Becher. Er hält ihn in beiden Händen und konzentriert sich, als er nach Merlins Magie greift. Einen Moment darauf steig erneut Dampf aus dem Becher auf. Mit einem Grinsen reicht Arthur den Becher an Merlin, der auf die heiße Flüssigkeit sieht und dann den Kopf schüttelt.
„Ich habe keine Ahnung, wie das passiert ist", meint er erneut und Arthur schnaubt amüsiert.
„Aber ich. Anscheinend bringt die Erkältung deine Magie aus dem Gleichgewicht und lässt sie ein Eigenleben entwickeln. Etwas ganz Ähnliches ist mir gerade mitten unter der Ratssitzung passiert. Ich musste niesen und mein Becher mit gewässertem Wein hat plötzlich einen Satz gemacht."
Merlin sieht ihn alarmiert an, aber Arthur redet bereits weiter. „Leon hat es bemerkt und geistesgegenwärtig so getan, als ob er den Becher versehentlich umgestoßen hätte. Ich bin ziemlich sicher, dass niemand mitbekommen hat, was wirklich passiert ist."
Merlin stößt die Luft aus, die er unweigerlich angehalten hat und schüttelt dann kläglich den Kopf. „Es tut mir leid. Ich habe noch nie die Kontrolle über meine Magie verloren, wenn ich krank gewesen bin", entschuldigt er sich, aber Arthur zuckt mit den Schultern.
„Tja, diese Erkältung scheint dich ziemlich schlimm erwischt zu haben, wie es aussieht", sagt er und sieht Merlin dann kurz prüfend an. „Du bist dir sicher, dass es nur eine Erkältung ist oder?"
Merlin lächelt schmal. „Ja, ich bin sicher."
„Also gut, dann werde ich einfach hierbleiben und so tun, als ob du mich mit deiner Erkältung angesteckt hättest. Rutsch rüber."
Mit diesen Worten geht Arthur um das Bett herum, zieht seine Stiefel und seine Hose aus und schlägt die Decke zurück, bevor er auf seiner Seite zu Merlin ins Bett steigt und sich an ihn kuschelt.
In den kommenden Wochen werden die Nächte mit jedem Tag länger und die Tage zum Leidwesen aller damit immer kürzer. Gleichzeitig beginnen die Vorbereitung für die Wintersonnwende und das bevorstehende Julfest. Das ganze Schloss wird mit Winterbeeren und Efeu dekoriert, um die Natur einzuladen mit den Menschen zusammen das bevorstehende Ende der dunklen Jahreszeit und den Beginn der helleren Tage zu feiern.
Mordred, Sefa und Ruadan machen sich zusammen mit Merlin der druidischen Tradition gemäß in den Wald auf, um Mistelzweige von den Bäumen zu schneiden und sie als göttliche Saat im Schloss über die Türen und Torbögen zu hängen. Im Schlosshof und in den Straßen der Stadt werden bei Einbruch der Nacht Feuerkörbe entzündet, um ein wenig Wärme zu spenden und die Dunkelheit zu vertreiben, so gut es geht.
Einen Tag vor dem Tag der Wintersonnwende bringen die Holzfäller den traditionellen Julbaum ins Schloss, eine große Tanne, die aus dem Wald östlich des Schlosses stammt. Der Stamm des Baumes wird in viel kleine Holzscheite geschlagen und die ersten davon werden anschließend im großen Kamin im Thronsaal aufgeschichtet. Dort wird das Holz feierlich dekoriert und am Abend des Julfestes vor dem Festmahl mit einem Stück des letztjährigen Julbaums, das speziell für diesen Anlass aufbewahrt wurde, angezündet.
Zwölf Tage lang brennt das Feuer im großen Kamin des Thronsaals mit dem Holz des Julbaums weiter, und trotz des harten Winters, der Camelot immer noch fest im Griff hat, fühlt Arthur sich während dieser Tage so glücklich wie schon seit Jahren nicht mehr. Das Julfest im Kreis seiner Ritter, seiner Freunde und mit Morgana und Merlin an seiner Seite zu feiern, erfüllt ihn mit unsagbarere Freude und tiefer Dankbarkeit.
Während der Tage der Winterfeierlichkeiten laden Hunith und Balinor Merlin und Arthur zum Abendessen in ihr neues Haus in der Stadt ein und Balinor erzählt ihnen Geschichten aus der Zeit vor Arthurs Geburt. Die Feuer der Feuerkörbe in den Straßen sind bereits fast heruntergebrannt, als sich Merlin und Arthur an diesem Abend auf den Weg zurück ins Schloss machen und Arthur träumt von Drachen, die das Land bevölkern und von Magiern und Druiden, die mit ihrer Magie erstaunliche Zauber wirken.
Nach zwölf Tagen, am Ende der Winterfeierlichkeiten, wird das Feuer im Thronsaal des Schlosses am Ende eines weiteren Festmahls wieder gelöscht und mit neuer Zuversicht sehen die Menschen den letzten Wochen des Winters entgegen, während sie darauf warten, dass der Frühling wieder Einzug im Land hält.
Sefa seufzt entmutigt, als der Federkiel, der vor ihr in der Luft schweben sollte, zum wiederholten Male zurück auf den Tisch fällt. „Das ist einfach nicht gerecht!"
Sie wirft einen Blick zu Mordred neben sich, der im Gegensatz zu ihr keine Probleme damit hat, seine eigene Feder ein paar handbreit über der Tischoberfläche in Merlins Turmzimmer schweben zu lassen. Selbst als Mordred den Kopf dreht und Sefa einen mitleidigen Blick zu wirft, wackelt die Feder in der Luft nicht im Geringsten.
„Du wirst es schon noch schaffen, du brauchst nur noch ein bisschen mehr Übung", versucht Merlin sie aufzumuntern, aber Sefa zieht einen Schmollmund.
„Mordred kann es, ohne üben zu müssen", sagt sie und Mordred lässt daraufhin seine Feder zurück auf den Tisch sinken und sieht etwas schuldbewusst drein.
Bevor Merlin jedoch etwas erwidern kann, verschränkt Sefa die Arme vor der Brust und sieht ihn trotzig an. „Ich habe keine Lust mehr."
Merlin wirft ihr ein mildes Lächeln zu. „Aber wie willst du eine Zauberin werden, wenn du deine Magie nicht benutzen kannst?"
„Ich will überhaupt keine Zauberin mehr werden", entgegnet Sefa und reckt ihr Kinn nach vorne.
Merlin sieht sie überrascht an. „Was möchtest du denn dann werden?"
„Ich will Heilerin werden, genauso wie Gaius und Alice."
Ein liebevolles Lächeln tritt auf Merlins Lippen. „Na gut, aber du würdest eine noch viel bessere Heilerin sein, wenn du dazu deine Magie benutzen kannst."
Sefa wirft ihm einen vernichtenden Blick zu. „Aber ich muss mit Sicherheit keine dumme Feder schweben lassen!"
Bevor Merlin darauf etwas erwidern kann, meldet sich Mordred zu Wort. „Ich will auch kein Zauberer mehr werden", verkündet er.
Merlin zieht die Augenbrauen nach oben. „Seit wann?"
„Seit jetzt", antwortet Mordred.
Merlin sieht ihn amüsiert an. „Nun, und was willst du jetzt werden?"
„Ich will ein Ritter werden", antwortet Mordred entschieden.
Merlin starrt den kleinen Jungen daraufhin für einen Moment lang an und er hätte sich eigentlich denken können, welche Antwort Mordred ihm geben würde. Um jedoch keine zu lange Pause entstehen zu lassen, schiebt Merlin seine Gefühle in dieser Sache vorerst bei Seite.
„Du kannst werden, was immer du willst. Ihr beide könnt das", sagt er. „Aber jetzt ist es erst einmal wichtig, dass ihr lernt, eure Magie zu kontrollieren und zu benutzen. Sie ist ein Teil von euch, und sie kann euch von großem Nutzen sein, ganz gleich ob ihr in der Zukunft eine Heilerin oder ein Ritter sein werdet. Du hast allerdings Recht, Sefa, du wirst vermutlich keine Federn schweben lassen müssen, das ist nur eine Übung. Je mehr ihr übt eure Magie zu benutzen, desto leicht wird es euch fallen und desto komplexere Zauber könnt ihr wirken."
Sefa verzieht das Gesicht, als Merlin geendet hat und er sieht ihr an, dass sie weiß, dass er recht hat, es sich aber nicht eingestehen will.
Er lächelt nachsichtig. „Wie wäre es damit: Anstatt vier Mal in der Woche Magie zu üben, machen wir es nur noch drei Mal und Sefa kann Gaius und Alice zwei Mal die Woche zur Hand gehen und ich werde Arthur fragen, ob du anfangen kannst mit den Rittern zu trainieren, Mordred."
Mordred sieht Merlin mit großen Augen an, während Sefa eifrig nickt. „Ja, bitte!", sagt sie begeistert.
Merlin lächelt. „Also gut, aber ich möchte nicht, dass ihr eure Übungen in Magie, die ich und Nimueh euch aufgeben, vernachlässigt und genauso wenig dürfen eure Geschichts- und Lesestunden bei Geoffrey und Lady Evaine zu kurz kommen", gibt Merlin ihnen mit einem mahnenden Blick zu verstehen und beide Kinder nicken folgsam.
Merlin sieht die Zwei noch einen Moment lang an, dann steht er von seinem Stuhl auf. Es ist schon spät und er weiß, dass er von den beiden heute keine große Konzentration mehr erwarten kann. „Ich denke, das ist genug für heute. Ihr könnt gehen."
Sefa und Mordred sehen erleichtert aus und klettern von ihren Stühlen hinunter, bevor sie auf ein Nicken von Merlin hin eilig das Turmzimmer verlassen und die Tür hintern ihnen ins Schloss fällt.
Merlin sieht ihnen kurz nach und schüttelt den Kopf. Dann schlägt er eines der Bücher auf dem Tisch zu und bringt es zurück zu seinem Platz in einem der Regale an der Wand. Als er es zwischen die anderen Bücher stellt, hört er, wie die Tür hinter ihm wieder aufgeht.
Merlin zieht überrascht die Augenbrauen zusammen. „Habt ihr eure Meinung geändert?" Als er sich jedoch einen Moment darauf umdreht, sieht er, dass es nicht Mordred und Sefa sind, sondern Arthur, der das Turmzimmer betritt und die Tür hinter sich wieder schließt.
„Wie bitte?", fragt er, während er den Raum durchquert.
Merlin winkt ab. „Nicht du. Sefa und Mordred. Sie haben mir gerade gesagt, dass Magie blöd ist und dass sie nicht mehr üben wollen. Sefa will Heilerin werden und Mordred möchte ein Ritter werden und anscheinend braucht man dazu keine Magie."
Arthur zieht die Augenbrauen nach oben, schließt dann jedoch für einen Moment die Augen und schüttelt den Kopf. „Damit hätten wir wohl rechnen sollen", sagt er und damit meint er zweifellos Mordred.
Merlin lächelt ein wenig gequält. „Ja, vermutlich."
Nach einem Augenblick zuckt Arthur jedoch gleichmütig mit den Schultern. „Na ja, wenn Mordred ein Ritter werden will, dann kann er anfangen mit Lancelot und Gwaine zu trainieren und wenn er 14 ist, kann er als Knappe anfangen."
Merlin sieht Arthur forschend an. „Willst du wirklich, dass Mordred einer deiner Ritter wird?"
Arthur nickt, ohne zu zögern. „Sicher, warum nicht? Er war sehr geschickt mit dem Schwert und es ist bestimmt ein großer Vorteil gleichzeitig Magie im Kampf benutzen zu können. Und dieses Mal wird er nicht im Geheimen meinen Tod planen, was ich auch als positiv ansehe."
Merlin schnaubt und schüttelt den Kopf. Arthur sieht ihn mit einem schiefen Grinsen an und auf Merlins Gesicht tritt ebenfalls ein Grinsen.
„Jetzt müssen wir nur noch einen Lehrling für Geoffrey finden", meint Arthur schließlich mit einem Seufzen.
Merlin sieht ihn zweifelnd an. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir jemals jemanden finden werden, der eine dermaßene Faszination für Bücher und alte Schriften hat."
„Du magst doch auch Bücher", bemerkt Arthur.
Merlin rollte mit den Augen. „Ja, schon. Wenn sie nützliche Informationen enthalten. Aber ich habe wirklich nicht das geringste Interesse an den Chroniken jeder noch so unbedeutenden adligen Familie in Camelot."
Arthur versucht, sich ein Grinsen zu verkneifen, scheitert aber. „Wir werden schon noch jemanden finden. So schwer kann es nicht sein."
„Hoffen wir es. Aber falls Geoffrey sterben sollte, bevor wir jemanden finden, dann werde ich dich daran erinnern, dass ich prophezeit habe, dass wir niemals jemanden finden werden."
Arthur stößt die Tür zu seinen Räumen mit weitaus mehr Schwung auf als nötig, aber Merlin, der nur ein paar Schritte hinter ihm ist, fängt die Tür mit einer Handbewegung und einem kurzen Zauber ab, bevor sie gegen die Steinwand krachen kann.
Während Merlin die Tür hinter ihnen schließt, geht Arthur zum Kamin hinüber und stützt sich mit einer Hand an dem Mauervorsprung ab, seinen Blick in die Flammen gerichtet und die Zähne zusammengebissen. Merlin mustert ihn schweigend, während er unweit des Tisches stehen bleibt, um Arthur die Möglichkeit zu geben, seine Gedanken zu ordnen.
Draußen ist es gerade einmal Nachmittag, aber dunkle Wolken hängen draußen am Himmel und es ist den ganzen Tag über nie wirklich hell geworden.
Schließlich schüttelt Arthur den Kopf und dreht sich zu Merlin um, während er die Hände in die Luft wirft. „Ich kann es einfach nicht glauben. Das Ganze ist vollkommen lächerlich."
„Na ja, sie habe nicht ganz unrecht", antwortet Merlin so neutral wie möglich. Ihnen war klar, dass dieses Thema irgendwann zur Sprache kommen würde, sie haben es nur nicht so bald erwartet.
Es geht um den Rat und um den Vorschlag, der während der Sitzung kurz zuvor in den Raum gestellt worden ist. Lord Allendale hat unterschwellig anklingen lassen, ob sie denn nicht im kommenden Jahr das Turnier in Camelot oder eine andere Feierlichkeit dazu nutzen wollten, vielleicht eine oder auch zwei Prinzessinnen der umliegenden Königreiche einzuladen. Geoffrey und Lady Odilia haben diesem Vorschlag begeistert zugestimmt, aber Arthurs eisiger Blick hat sie dazu gebracht das Thema nicht weiter zu vertiefen und es stattdessen besser noch einmal bei einer der kommenden Sitzungen aufgreifen zu wollen.
Arthur schnaubt abfällig und wirft Merlin einen missgelaunten Blick zu. „Was soll das denn bitte heißen?"
Merlin zuckt ungerührt mit den Schultern. „Es soll nur heißen, dass sie in gewisser Weise Recht haben und das weißt du."
Arthur stemmt die Hände in die Hüften und legt den Kopf schief. „Ach, weiß ich das?"
Merlin rollt mit den Augen und er will zu einer Antwort ansetzen, aber Arthur hebt einen Zeigefinger und kommt ihm zuvor.
„Und sag jetzt nicht, dass es an der Zeit ist, dass ich mich darum kümmere, dass Camelot einen Erben bekommt. Ich bin gerade einmal seit sechs Monaten König. Mein Vater war fünf Jahre lang König von Camelot, bevor er meine Mutter geheiratet hat. Und außerdem habe ich Morgana. Sie ist Prinzessin von Camelot und wenn mir irgendetwas passieren sollte – was nicht passieren wird, weil wir miteinander verbunden sind und du vermutlich unsterblich bist - wird sie eine wunderbare Königin sein."
Merlin nickt beschwichtigend. „Natürlich wird sie das. Und ich sage ja nicht, dass ich die Idee, dass du jetzt schon heiraten sollst, unterstütze, ich will damit nur sagen, dass dein Rat nicht unrecht hat. Morgana ist Prinzessin, aber sie ist auch nicht verheiratet und Uther hat keine Geschwister und das bedeutet, dass es außer Morgana keinen möglichen Thronfolger gibt. Die Mitglieder deines Rates machen sich einfach Sorgen, dass alles, was den Vater und du erreicht habt, wieder zerbrechen könnte. Und sie können schließlich nicht wissen, dass du und ich aller Voraussicht nach nicht sterben können."
Arthur verschränkt die Arme vor der Brust. „Dann sollten sie sich darüber Sorgen machen, ohne mich damit zu behelligen."
„Du willst wirklich, dass sie hinter deinem Rücken intrigieren?", fragt Merlin und Arthur stöhnt gequält auf.
„Nein, natürlich nicht", sagt er mit einem Seufzen. „Es ist nur, dass… wir haben gewusst, dass dieses Thema irgendwann aufkommen würde. Ich dachte nur, wir hätten mehr Zeit. Ich bin gerade erst volljährig geworden." Er sieht Merlin einen Moment lang an, bevor er zum Tisch geht und sich auf einen der Stühle fallen lässt.
Merlin setzt sich neben ihn und zuckt mit den Schultern. „Das spielt jetzt keine Rolle mehr. Wir wussten, dass es früher oder später dazu kommen würde und wir waren uns beide einig, dass wir heiraten und Kinder bekommen müssen. Jetzt wird es eben früher als später sein. Selbst wenn wir ewig leben, kannst du nicht für immer König von Camelot bleiben und falls wir doch irgendwann sterben und die Drachen dann noch existieren, muss auch die Linie der Drachenmeister fortbestehen."
Arthur nickt nachdenklich, seinen Blick auf die Tischplatte gerichtet.
Merlin beobachtet ihn einen Moment lang und zuckt dann mit den Schultern. „Und wenn du wirklich keine Prinzessin nach Camelot einladen möchtest, dann bist du immer noch der Könige und du kannst deinem Rat einfach sagen, dass sie dich mal kreuzweise können."
Arthur schmunzelt leise und sieht Merlin dann mit einem schiefen Lächeln an. „Weißt du, manchmal bin ich wirklich versucht, genau das zu tun."
„Ich würde zu gerne ihre Gesichter sehen, wenn du das wirklich machst. Vermutlich würde Lord Allendales Kopf explodieren", meint Merlin mit einem Grinsen und sie fangen beide an zu lachen.
Schließlich schüttelt Arthur immer noch mit einem amüsierten Ausdruck auf dem Gesicht den Kopf. „Das hebe ich mir allerdings für einen anderen Anlass auf. Jedenfalls solange wie sie mich nicht offen bedrängen zu heiraten. Wir brauchen tatsächlich einen Grund, um Prinzessin Elena aus Gawant bald nach Camelot einzuladen, damit du die Sidhe in ihr töten kannst."
Merlin nickt nachdenklich. „Ja, das stimmt." Dann setzt er einen entschlossenen Gesichtsausdruck auf und sieht Arthur auffordernd an. „Aber lass uns doch einfach mal überlegen, mit welcher Prinzessin aus den benachbarten Königreichen du dir eine Ehe vorstellten könntest."
Arthur zieht die Augenbrauen nach oben. „Ich habe nicht vor einfach irgendeine Prinzessin zu heiraten. Ich muss den Rest meines Lebens – zumindest meines Lebens in Camelot - mit ihr verbringen. Wir müssen den Rest unseres Lebens in Camelot mit ihr verbringen, und das heißt, dass wir eine Frau auswählen müssen, die akzeptieren kann, dass ich dich immer lieben werde und dass du immer an meiner Seite sein wirst, denn ich werde dich nicht verstecken."
Arthur sieht Merlin entschlossen an und Merlin erwidert den Blick mit einem sanften Lächeln, bevor er eine Hand über die Ecke des Tisches zu Arthur ausstreckt. Arthur ergreift Merlins Hand und verschränkt ihre Finger ineinander, während er mit dem Daumen über Merlins Handrücken streicht.
„Das wird nicht einfach", gibt Merlin zu bedenken, aber Arthur zuckt mit den Schultern.
„Vielleicht nicht, aber das ist der einzige Weg, wie es funktionieren kann. Ich kann meiner zukünftigen Königin versprechen, dass ich sie niemals betrügen werde und dass ich keine andere Frau in mein Bett holen werde, aber sie wird mich mit dir teilen müssen."
Merlin nickt. „Das Gleiche gilt für die Frau, die ich heiraten werde."
Arthur lächelt. „Dann lass uns hoffen, dass wir beide Frauen finden, in die wir uns verlieben können und dass diese Frauen akzeptieren können, dass es immer jemanden neben ihnen geben wird."
Ein Grinsen tritt auf Merlins Gesicht. „Na ja vielleicht finden sie das auch gar nicht so schlecht."
Arthur sieht ihn fragend an und das Grinsen auf Merlins Gesicht wird noch eine Spur breiter. „Sie bekommen zwei für einen. Wir sind ziemlich gut darin geworden zu teilen, findest du nicht?"
Arthur zieht erstaunt die Augenbrauen nach oben. „Du willst meine zukünftige Königin in unser Bett holen?"
„Warum nicht?", antwortet Merlin und zuckt mit den Schultern. „Es ist nur gerecht, würde ich sagen."
Arthur denkt einen Moment lang darüber nach. „Vermutlich hast du recht", meint er schließlich. „Und falls sich meine zukünftige Königin in jemand anderen verlieben sollte, dann ist es nur gerecht, wenn ich eine solche Beziehung ebenfalls erlaube. Solange es keine unehelichen Kinder gibt, natürlich."
„Dabei kann ich mit ein wenig Magie behilflich sein. Aber vielleicht muss ich das gar nicht und sie verliebt sich ja in dich. Du bist eine sehr liebenswürdige Person, das kann ich bezeugen", sagt Merlin und Arthur lacht leise.
Dann setzt Merlin ein gutmütiges Grinsen auf. „Also dann, in welche Prinzessin der anderen Königreiche könntest du dich verlieben?", fragt er. „Lass uns mit Prinzessin Elena aus Gawant anfangen. Sie war nett, nachdem ich die Sidhe in ihr getötet hatte."
Arthur legt den Kopf schief und zieht die Augenbrauen zusammen, spielt aber mit. „Ja, aber das war es auch schon. Ich hatte keine Gefühle für sie und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir je mehr als Freunde sei könnten."
Merlin zuckt mit den Schultern. „In Ordnung. König Olafs Tochter Vivian."
Arthur schnaubt und verzieht das Gesicht. „Nicht einmal, wenn sie die letzte Frau auf der Welt wäre. Sie mag ja sehr schön sein, aber sie war unglaublich unhöflich und oberflächlich und arrogant und nicht zu vergessen, dass ich Olaf vermutlich mein halbes Königreich abtreten müsste, bevor er sie mir zur Frau gibt." Arthur schüttelt entschieden den Kopf. „Die nächste."
Merlin überlegt einen Moment lang. „Prinzessin Ingrith aus Kent."
Arthur wirft Merlin einen zweifelnden Blick zu. „Sie ist dreizehn."
„Und in fünf Jahren wird sie achtzehn sein", entgegnet Merlin leichthin.
Arthur schüttelt den Kopf. „Ich habe sie noch nie getroffen."
„Dazu bleibt dir ja noch genug Zeit", meint Merlin, aber Arthur sieht nicht so aus, als ob er sich überzeugen lassen würden. „Na gut, machen wir mit der Nächsten weiter. Prinzessin Mithian aus Nemeth. Sie ist nur vier Jahre jünger als du und damals hatte es so ausgesehen, als ob du sehr von ihr angetan gewesen wärst."
Arthur überlegt einen Moment lang und Merlin sieht, wie ein kleines Lächeln auf Arthurs Lippen erscheint, als er an seine Begegnung mit Prinzessin Mithian zurückdenkt. Damals hatte Arthur vorgehabt sie zu heiraten, um eine Grenzstreitigkeit mit ihrem Vater König Rodor beizulegen. Außerdem hatte er versucht sich von Gwens Verrat abzulenken, aber letztendlich hatte er erkannt, dass er immer noch in Gwen verliebt gewesen war und die Verlobung mit Mithian wieder gelöst.
„Es wäre wirklich schwer gewesen, nicht von ihr angetan zu sein", meint Arthur schließlich. „Sie war wunderschön und intelligent und sie liebte die Jagd und das Reiten. Und sie war freundlich und liebenswürdig. Ich erinnere mich noch daran, dass ich am Anfang ein paar ziemlich unbeholfene und vollkommen unangebrachte Dinge getan habe und sie hat nicht mal mit der Wimper gezuckt. Ich denke, ich hätte sie lieben können, wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht schon in Guinevere verliebt gewesen wäre."
Merlin verzieht das Gesicht und sieht verlegen auf die Tischplatte vor sich, als er daran denkt, wie er damals versucht hat, Arthur in Prinzessin Mithians Augen so unattraktiv wie möglich erscheinen zu lassen, damit sie die Verlobung von sich aus wieder lösen würde.
„Was?", fragt Arthur daraufhin misstrauisch.
Merlin zuckt mit den Schultern. „Na ja, ich wusste, dass du immer noch in Gwen verliebt warst und ich wollte, dass du glücklich bist, also konnte ich nicht zulassen, dass du Mithian heiratest. Und vielleicht habe ich versucht, es so einzurichten, dass sie von sich aus Abstand von einer Heirat nehmen würde…"
Arthur zieht die Augenbrauen nach oben und sieht Merlin fassungslos an, als ihm anscheinend klar wird, dass Merlin für seine Missgeschicke in Mithians Gegenwart verantwortlich gewesen ist. „Du hast mich dazu gebracht, dass ich beim Abendessen Suppe über mich geschüttet habe und du hast mich später beim Picknick rülpsen lassen!"
„Ja, aber es hat nicht funktioniert, oder?", verteidigt sich Merlin. „Mithian hatte kein Problem damit – sie hat sogar stolz demonstriert, dass sie noch lauter rülpsen kann als du. Vermutlich hat es ihr gezeigt, dass du auch nur ein Mensch bist und nicht der perfekte Prinz, den jeder in dir gesehen hat."
Arthur schüttelt den Kopf. „Das ist einfach unglaublich! Du kannst froh, dass ich dir damals nicht auf die Schliche gekommen bin, sonst hätte ich dich dafür eine ganze Woche an den Pranger stellen lassen."
Merlin mustert Arthur zweifelnd, aber Arthur sieht ihn vielsagend an und nickt zum Zeichen dafür, dass er das tatsächlich getan hätte.
Schließlich schüttelt Arthur den Kopf und atmet ein Mal tief durch. „Also gut, dann werde ich Mithian und ihren Vater zum Turnier diesen Frühling nach Camelot einladen. Und dann werden wir sehen, ob sie immer noch dieselbe Person ist wie damals." Er sieht für einen Moment nachdenklich drein, bevor er Merlin mit erhobenem Zeigefinger ins Auge fasst. „Und keine faulen Tricks dieses Mal."
Merlin legt sich eine Hand auf die Brust und nickt feierlich. „Ich verspreche es."
Arthur sieht ihn aus schmalen Augen heraus an. „Mhm, und vergiss es ja nicht."
„Oder was?", fragt Merlin und ein spöttisches Grinsen tritt auf sein Gesicht. „Du stellst mich an Pranger?"
Arthur mustert ihn nachdenklich an, dann legt er den Kopf schief und grinst schelmisch. „Vielleicht mache ich das wirklich. Es war immer ein sehr schöner Anblick, musst du wissen. Du, vorne über gebeugt, unfähig wegzulaufen. Ich bin ziemlich versucht die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen, wenn ich ehrlich bin. Und ich bin sicher Lancelot, Gwaine und Leon würden es auch sehr zu schätzen wissen, deinen Hintern derart in Szene gesetzt zu sehen."
„Ja, aber du würdest mich nicht wirklich an den Pranger stellen, nicht wahr?", fragt Merlin, der sich mit einem Mal nicht mehr ganz sicher ist, wie weit Arthur dieses Spiel wirklich treiben würde.
Arthur schüttelt den Kopf, aber das Grinsen auf seinem Gesicht bleibt. „Nicht öffentlich auf dem Marktplatz, nein. Aber hier, in meinen Räumen, mit meinen Rittern, vielleicht schon."
Merlin grinst schief, und nachdem er nun beruhigt ist, dass Arthur ihn nicht tatsächlich an den Pranger stellen würde, findet er die Idee eigentlich ziemlich reizvoll. „Nun ja, das könntest du auch tun, ohne, dass ich mir etwas zu Schulden kommen lassen, weißt du? Es klingt nicht wirklich nach einer Strafe."
Arthur grinst ebenfalls. „Sei vorsichtig, Merlin. Sobald ich die Fesseln um deine Handgelenke schließen würde, könntest du dich nicht mehr befreien. Wenn du dich erinnern kannst, deine Magie wurde für mich erschaffen und sie wird dir nicht helfen, freizukommen, solange ich es nicht erlaube."
Das Grinsen auf Merlins Gesicht wird lediglich eine Spur breiter, da das für ihn immer noch nicht nach etwas Unangenehmen klingt. „Ich glaube, ich lasse es drauf ankommen."
