Kapitel 30 - Herz in Flammen

Die eingestürzten Mauern, die mitten in London standen, erinnerten Draco an die Schlacht von Hogwarts. Die Dachbalken des Lagerhauses waren eingebrochen und die Backsteinwand, die zur Straße hinzeigte, stand bis auf ihre Grundfesten nicht mehr, sodass Draco von der Straße aus kommend in das Innere schauen konnte. Den Zauberstab versteckte er in seinem Ärmel, sodass die Muggel, die in ihren Fahrzeugen die breite Straße entlangfuhren, nichts mitbekamen und flüsterte: „Alohomora!" Er hatte minutenlang gewartet, doch der Strom an knatternden Autos riss nicht ab.

Das Vorhängeschloss, dass die in Eile aufgestellten Bauzäune zusammenhielt, öffnete sich. Draco trat auf das Gelände und musste sogleich unter Polizeiabsperrband hinwegtauchen und hätte er nicht auf den Boden gesehen, wäre er über einen der zigtausenden verstreut liegenden Steine gestolpert. Er scharrte mit den Füßen. Der Untergrund war mit grauer Asche bedeckt.

Dies alles zeugte von einer Explosion, die vor nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben musste. Die Muggel hatten noch keine Zeit gehabt, den Schaden zu beseitigen. Natürlich, sie konnten dies nicht durch einen Zauber bewerkstelligen. Draco bückte sich und hob einen Ziegelstein auf. Schwer wog er in seiner einen Hand, während die andere den Ruß wegwischte. Seine Finger färbten sich schwarz.

Das letzte Mal, dass er zwischen Geröll und Asche gestanden hatte, war in Hogwarts gewesen. Der Raum der Wünsche war abgebrannt und nur durch Glück und Potters Hilfe hatte er es lebendig herausgeschafft…

Hogwarts, der Ort an dem die Odyssee angefangen hatte. In dem Augenblick, in dem er von Astoria aufgehalten worden war. Er seufzte und fuhr sich durch sein Haar, genauso wie der frische Wind, der von Westen her durch die Häuserblöcke wehte.

Wenn er ehrlich war, hatte die Tortur viel früher begonnen. In den Sommerferien vor dem sechsten Schuljahr hatte mit dem Empfang des dunklen Mals auch seine Kindheit geendet. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon in Askaban gewesen und hatte ihn orientierungslos zurückgelassen. Das dunkle Gefängnis hatte den stolzen Mann von Grund auf geändert. Draco hatte ihn bei seiner Rückkehr vor einem Jahr fast gar nicht wiedererkannt. Er war sehr gealtert in diesem einen einzigen Jahr und seine Gesichtszüge waren abgestumpft. Lucius Malfoy war schon immer ein ruhiger Mann gewesen, doch seitdem hatte er sich in sich und seine Gedanken regelrecht zurückgezogen. Vor allem brannte er nicht mehr für die Sache des dunklen Lords, nicht mehr für die Reinblutideologie, ihrerIdeologie, die er seinem Sohn zuvor noch so innig angedeihen lassen hatte.

Dann hatte es da noch den Auftrag gegeben, den er in seinem sechsten Schuljahr hatte erfüllen müssen. Die unheilvolle Aufgabe, einen Weg für die Todesser in die Gemäuer Hogwarts' zu finden, hatte er mit Hadern und Krämpfen geschafft, doch er hätte noch Dumbledore töten müssen.

Er hatte es nicht gekonnt. Er war nicht dazu fähig gewesen, das Leben eines anderen zu beenden. Obwohl dieser steinalt gewesen war und sicher ein erfülltes Leben gelebt hatte. Ihre Ehre als Familie blieb zerbrochen, nur weil er sich nicht traute, das zu tun, was sein Vater als langjähriger Todesser sicher schon hatte auf sich nehmen müssen.

Töten.

Morden.

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und er musste sich schütteln. Wieder war er zurück auf dem Astronomieturm und der einst wohlige Winde zog plötzlich eisig an ihm. Das ekelige Gefühl auf seiner Haut verschwand nicht, eher schien es an Raum zu gewinnen. Der Tanz, den er aufführte, wurde immer absurder und langsam wurden seine Finger taub. Jammernd sank er zu Boden und vergrub sein Gesicht in seinen Armen. Die Asche biss sich in seinem Umhang fest und ruinierte den schönen Stoff, doch es störte ihn nicht. Er wusste nicht, wie lange er in dieser Position zugebracht hatte, aber sein Kopf schoss hoch, als mehrere Autos hupten.

Draco war zu schwach gewesen. Bei der Schlacht von Hogwarts, als er es nicht schaffte, sich gegen den alten Greengrass zu verteidigen, war er genauso hilflos gewesen wie in der Nacht auf dem Turm. Dabei hatten sich Astoria und Daphne in größte Gefahr begeben, um ihn zu warnen. Im Gegenzug hatte er nicht mal den monströsen, auf sie zustürmenden Werwolf gesehen, als er in genau diese Richtung geblickt hatte. Dieser Fehler hatte Daphne in einen kümmerlichen Schlaf geschickt und ihn in die Fänge Grindelwalds.

Daphne war eine solch liebe Seele. Bereits als alle ihn als Todesser abgestempelt oder gehuldigt hatten, war sie ihm neutral begegnet. Sie hatte ihn nicht mal als Draco Malfoywahrgenommen, nein, für sie war er immer nur Draco gewesen. Daphne hatte es nicht verdient, während er, ja, er war mit seinem Versagen ungestraft davongekommen. Diese Misere, in der er sich befand, war selbst verschuldet. Wäre er bloß nicht so mit sich selbst beschäftigt gewesen.

Er spürte wie Tränen in seinen Augen aufstiegen. Gedankenlos sprang er auf und trat mit voller Kraft gegen einen Stein. Eigentlich hatte er gedacht, diesen davonfliegen zu sehen und so fluchte er, als er seinen großen Zeh knacken hörte und Schmerz das Gefühl wurde, das er am deutlichsten spürte. Wieder hatte er nicht nachgedacht. Schon wieder.

Hyperion hatte ihn belogen und was noch viel schlimmer war, Astoria auch. Dass er dem alten Greengrass nicht trauen konnte, hatte er von langer Hand gewusst. Aber Astoria? Er hatte gedacht, wenn diese keinen Groll gegen ihren Vater hegte, wenn sie auf ihn baute und sagte, er sei kein schlechter Mann, dann würde es richtig sein. Er war blind gewesen. Warum hatte er sich von seiner Liebe zu ihr blenden lassen?

Hatte er sie überhaupt geliebt? War er sich da wirklich sicher?

Er ballte seine Hände zu Fäusten.

Hatte er sich nicht noch mehr Naivität vorzuwerfen, wenn er sie nicht geliebt hatte?

Draco blickte empor und konnte an den entzweigeborstenen Dachbalken vorbei die helle Mittagssonne sehen. Es war ein viel zu schöner Tag für seine dunklen Gedanken und Selbstvorwürfe. Sie wollten so gar nicht zusammenpassen.

Er konnte sich auf niemanden verlassen. Nicht auf Astoria. Noch nicht einmal auf seine eigene Familie, denn sonst würde Dolohov wohl nicht glauben, dass er Dracos Vater wäre. Erneut lief ein kalter Schauer über seinen Rücken. So gern würde er mit dem Russen sprechen, doch genauso graute es ihm vor dieser Unterhaltung. Es war Unsinn. Völliger Wahnsinn! Jeder sah doch, dass er und Lucius Malfoy Vater und Sohn waren. Wie kam Dolohov auf solche Gedanken?

Alle hatten Geheimnisse.

Er konnte Dolohov nur dazu befragen und hoffen, dass er die Antwort ertragen könnte. Zuvor musste er ihn aber erst einmal finden.

Riddle hielt ihn gefangen… Dieser Zauberer musste talentiert sein, wenn er es geschafft hatte, Dolohov zu überwinden. Wenn er ein Muggel wäre… nein, Quatsch, kein Muggel könnte den Russen besiegt haben.

Schon wieder hupten die Autos, diesmal länger als zuvor. Eine Männerstimme brüllte zurück und Autotüren wurden zugeschlagen. Schritte näherten sich. Mit flinker Hand hatte er einen Desillusionierungszauber über sich geworfen und wartete gespannt auf die Ankunft der Männer. Von der Anzahl der Schritte hörte er, dass es mehrere sein mussten. Erleichtert atmete er auf, als er erkannte, dass es sich nur um zwei handelte. Der eine war eine Mischung aus stämmig und athletisch, als würde er Kraftsport betreiben, der andere war zwar hochgewachsen, aber gertenschlank.

„Das Gelände ist groß und überall ist Schutt. Hier könnte überall so eine Muggelmaschine stehen", sagte der Kräftige.

„Wir suchen nach Resten davon, das heißt, wir sollten nicht nur einen flüchtigen Blick über das Areal werfen."

Seufzen.

„Wie du willst."

Muggel. Draco überprüfte seinen Desillusionierungszauber, doch dieser saß einwandfrei. Vorsichtig rutschte er ein paar Schritte näher, um das Gesprochene besser belauschen zu können. War einer von ihnen Tom Riddle? Er besah die beiden Gesichter genauer und der Kräftige tat ihm den Gefallen und betrachtete die Hauswand, vor der Draco stand, eingehender. Dieser Mann kam ihm bekannt vor. Es dauerte ein paar Sekunden, in denen er beinahe danach greifen konnte, bis es ihm schließlich gelang: Das war der berühmte Quidditchspieler. Viktor Krum.

Was machte der denn hier?

Dann legte er sein Blick auf die andere Gestalt. Das dunkle Haar war raspelkurz geschnitten und der Mann, den er in die Alterskohorte seines Vaters stecken würde, tigerte unruhig hin und her. Mit wachen Augen durchstreifte er die Überreste des Gebäudes. Sein aufrechter Gang hatte etwas Erhabenes an sich, das für Draco nicht recht zu seiner einfachen Muggelkleidung passen wollte. Exzentrisch war nur sein Zylinder auf dem Kopf.

War dies Riddle?

Grindelwald hatte seine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass dieser an Ort und Stelle auftauchen würde.

„Und wenn wir die Maschinenteile gefunden haben, bringen wir sie zu Hermine und den anderen?", fragte Krum. „Oder willst du die für dich behalten?"

„Stell nicht so viele Fragen. Fang lieber an zu suchen", zischte der andere. „Aber ja, warum nicht?"

„Warum wolltest du sie dann nicht mitnehmen?"

„Du wolltest sie doch nicht mitnehmen."

„Ich wollte den Todesser nicht mitnehmen", verteidigte sich Krum.

Draco wurde unruhig. Er kannte nur eine Hermine, dafür aber unzählige Todesser. Das ergab alles gar keinen Sinn.

„Sollten wir Dolohov nochmal befragen? Immerhin haben wir die Teile in seinem Keller gefunden. Unter Veritaserum wird er doch sicher Nützliches zu sagen haben", überlegte Krum und erhielt als Antwort ein abfälliges Schnauben.

Sie sprachen von Dolohov! Dann musste vor ihm dieser Riddle stehen.

Dracos Augen folgten jeder seiner Bewegungen und er inspizierte ihn ein zweites Mal. Die aristokratische Blässe in seinem Gesicht war durch die dunklen, starken Augenbrauen durchbrochen und auf der Stirn hatten sich schon Falten gebildet, die nach außen zeigten, dass er wohl oft grübelte. Riddle wischte sich mit einer Hand über die Nase und Draco fiel auf, dass die Arme und Hände mit einem Narbengewebe überzogen waren.

Was sagte es eigentlich über Riddle aus, dass er Dolohov gefangen hielt? Er empfand kein Mitgefühl für diesen, wahrlich nicht. Doch konnte er sich eine realistische Chance ausmalen, wenn die Beiden es mit Dolohov aufgenommen hatten?

Wohl eher nicht.

Sein Fluchtinstinkt setzte ein. Bis jetzt hatte er sich noch nicht zu erkennen gegeben und es wäre ein Leichtes einfach zu verschwinden. Doch dann würde er als Verräter gelten und er wusste, dass Grindelwald eine Waffe hatte. Nicht irgendeine, sondern eine, mit der sie den dunklen Lord besiegt hatten! Ein Gift, dass einem Magier die Magie nehmen konnte. Wenn sie es in rauen Mengen herstellen könnten, wäre es möglich, die gesamte magische Gesellschaft auszurotten. Auf eine ganz eigene, bizarre Weise, an die noch nicht einmal der dunkle Lord gedacht hatte.

Draco sollte gehorchen und tun, was sie wollten. Nicht fliehen. Nicht rebellieren. Nichts würde er mehr bereuen, als seine Magie zu verlieren. Er würde dahinvegetieren… Wie sollte er so seinem Vater unter die Augen treten?

Er steckte in einem Dilemma. Kämpfen oder fliehen – es endete damit, dass er der Verlierer sein würde.

Vielleicht… könnte er sich mit Tom Riddle zusammenschließen… Dass dieser den Bund verlassen hatte, sprach für ihn. Er wusste um das Gift. Um nichts in der Welt könnte Riddle die Füße hochlegen und zusehen wollen, wie Grindelwald eben jene zerstörte. Eventuell könnte er so dem Sog des Unheils, der ihn erfasst hatte, entkommen.

„Da sind Fußspuren!" Riddles dunkle Augen schienen aus den Höhlen hervorzuspringen. „Dort in der Asche, sieh! Krum, zieh deinen Zauberstab!"

Jetzt oder nie.

Draco löste den Zauber auf und trat in Erscheinung. Fest umklammerte er seinen Zauberstab und straffte die Brust. Er würde sich nicht gleich ergeben. Vielleicht könnte er noch disapparieren, wenn es zu brenzlig werden sollte. In seinem Kopf waren so viele Fragezeichen, da war es schwer den Überblick zu behalten.

Krum streckte ihm seinen Zauberstab entgegen und wartete auf eine Bewegung. Riddle hatte sich hinter den breiten Schultern des Bulgaren positioniert.

„Schock ihn endlich!"

Krum tat, was ihm gesagt wurde und schickte einen Stupor los, den Draco aber mit einem Protego parieren konnte.

„Ich will nicht kämpfen!", rief Draco den beiden entgegen. „Können wir in Ruhe sprechen?"

„Gib mir deinen Zauberstab!", verlangte Krum. „Und dann schreite langsam auf mich zu. Mit erhobenen Händen."

Draco zögerte und beobachtete, wie Riddle dem Bulgaren etwas zuflüsterte. Dieser nickte. Als Krum die Augenbrauen hochzog und genervt aussah, gab Draco sich einen Ruck. Zitternd warf er seinen Zauberstab dem anderen entgegen und obwohl Krum versuchte, diesen aufzufangen, fiel er ihm vor die Füße. Riddle war schneller, was das Bücken anging und fischte den Zauberstab auf.

„Wer bist du und was machst du hier?", wurde er von Krum angebellt, als er die Distanz zwischen ihnen überbrückte. Riddle währenddessen hatte kein Auge für Draco, sondern drehte unentwegt den aufgesammelten Zauberstab zwischen seinen Fingern.

„Ich… Also ich wurde hergeschickt. Um..." Er konnte jetzt nicht gleich sagen, dass er Riddle gefangen nehmen sollte. Im ungünstigsten Fall würde er sich gleich einen Schockzauber einhandeln. Andere Worte musste er wählen. „Äh, ich will reden. Wirklich. Nur reden." Die Schroffheit Krums hatte ihn kalt erwischt und er ärgerte sich selbst, dass er sich so aus dem Konzept hatte bringen lassen. Ohne seinen Zauberstab fühlte er sich seltsam nackt.

„Worüber?" Riddle sah ihn an und Draco starrte gebannt in sein blasses Gesicht mit den dunklen Augen und den schmalen Lippen.

„Über… Antonin Dolohov!" Er atmete tief durch. „Und über diesen Bund aus verrückten Muggelliebhabern."

„Muggelliebhaber?", wiederholte Riddle ungläubig. „Du willst über Muggelliebhaber sprechen?"

„Wer ist er?", bellte Krum dazwischen. „Ihr scheint euch zu kennen und das gefällt mir irgendwie überhaupt nicht."

Riddles Mundwinkel zuckten. „Das ist Draco Malfoy, Krum, wie -"

„- Wie Lucius Malfoy?" Krum war entsetzt.

Draco fühlte sich ein wenig beleidigt. Das war keine normale Reaktion. „Ich bin sein Sohn." Er schluckte. Die Worte schmeckten schal auf seiner Zunge, nun, wo sie eine Lüge sein könnten.

„Sprich weiter."

„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist so viel."

„Am besten am Anfang, dass wir dir auch folgen können", zischte Riddle.

Draco zuckte zusammen. Da hatten sich aber zwei ungeduldige Seelen gefunden. „Es fing bei der Schlacht in Hogwarts an." Die anderen nickten kräftig. Davon waren sie also im Bilde. „Ich wurde entführt."

„Von wem wurdest du entführt?", warf Riddle ein.

„Von Hyperion Greengrass und dann habe ich wochenlang in einem Gebäude zugebracht und niemand hat mit mir gesprochen. Dann kam Dolohov auf mich zu und hat mir …", er suchte nach einem Wort, „ein Gift gezeigt. Dieses konnte Magie nehmen." Er studierte ihre Gesichter. Nun kam das Schwierigste. „Ich habe die Aufgabe bekommen, dich einzusammeln und wieder zurückzubringen." Er schluckte.

Riddle nahm sich Zeit zum Nachzudenken. Einige Sekunden verstrichen, in denen niemand etwas sagte oder sich auch nur rührte.

„Erzähle mehr von dem Gift", sprach Riddle dann.

Draco runzelte die Stirn. Das hatte er nicht erwartet. „Du weißt nicht, wovon ich spreche?"

„Ich habe eine Vorstellung, aber anscheinend keine so umfassende, wie du denkst."

„Man sagte mir, dass du an dem Gift mitgewirkt hast."

Riddle zischte: „Das stimmt so nicht. Es wurde an mir getestet, das würde ich aber nicht ‚mitwirken' nennen."

Da fiel es Draco wie Schuppen von den Augen. Er hatte sich hinter Krum versteckt und den Zauberstab äußerst spitz angefasst, als hätte er sich an die Berührung erst noch gewöhnen müssen. „Du hast keine Magie mehr."

„Genau." Riddle wirkte angesäuert. „Nun kannst du sicher sein, dass ich kein Squib bin, der sich einen schlechten Scherz erlaubt hat", wandte er sich kurz an Krum. „Wie hat die Prozedur ausgesehen?"

„Dolohov hat der Person, Ronald Weasley, eine Flüssigkeit gespritzt. Sie hatten ihn festgeschnallt und ich sollte währenddessen einen starken Protego aufrechterhalten, weil wohl die Möglichkeit bestand, dass bei einem Fehler alles in die Luft fliegen könnte."

Sie sahen sich um. Dolohov hatte von dem Mal erzählt, dass dies passiert war. Die eingestürzten Mauern zeugten davon. Dracos Kehle schnürte sich zu und er glaubte, den anderen ging es nicht anders. Er setzte wieder an: „Sie könnten die ganze magische Gesellschaft damit vernichten."

Riddle nickte. „Das könnten sie. Weshalb hat Dolohov dir all dies gezeigt?"

„Äh… ja. Das wüsste ich auch gern", stammelte Draco. Er bemerkte, dass man ihm nicht ganz glaubte. „Man sagte mir, dass Dolohov wollte, dass ich mitarbeite. Mitglied werde sozusagen. Warum gerade ich? Keine Ahnung..."

Durchbohrend blickte Riddle ihn an. „Lüge mich nicht an", drohte er und diese einfachen, harmlosen Worte hatten ein markerschütterndes Echo in Draco. Sie kratzten auf seiner Haut und flößten ihm Furcht ein – eine bittere Medizin. Seine Zunge hatte sich augenblicklich gelockert.

„Also doch schon, er glaubt wohl, er sei mein Vater… So ein Unsinn..."

Nun hatte sich ein Lächeln auf Riddles Lippen breit gemacht und Draco erschauderte, weil es ihn dämonisch wirken ließ. Mit einer Achtung gebietenden, hehren Stimme sprach er: „Das Bild, auf dem Narzissa vertraut mit einem anderen zu sehen war, hat ihn nicht geschockt. Anscheinend sind das alte Nachrichten für Lucius."

Draco traute seinen Ohren nicht. „Wie bitte?"

Krum seufzte und antworte: „Wir haben gerade noch deinen Vater gesehen."

„Wo?" Er spürte wie sein Herz begann zu rasen.

„Im Haus von Dolohov. Im Keller um genau zu sein. Mit Hermine und zwei von den Weasleys." Krum wirkte nicht erfreut. „Wenn ihr sie gemeinsam reinlegt, dann… dann werdet ihr dies bereuen."

„Was macht er denn da? Ich muss ihn sehen", sprudelte es aus Draco heraus.

„Das habe ich mich auch gefragt", zischte Riddle. „Du weißt es nicht?"

Vehement schüttelte Draco den Kopf.

„Wer ist alles in diesem Bund außer Dolohov?" Riddle war wie ein Bluthund, der eine Spur aufgenommen hatte. „Wer sagte dir, dass Dolohov glaube, er sei dein Vater und dass er deswegen möchte, dass du dich an seinen Straftaten beteiligst?"

„Grindelwald." Draco biss sich auf die Unterlippe, während er die Reaktionen der beiden beobachtete. Krum war einfach nur entsetzt, da gab es nicht viel zu mustern. Doch Riddle. Dieser war nicht nur erstaunt, nach einem Sekundenbruchteil hatte sich schon heiße Wut in seine Augen geschlichen.

„Ich dachte, dieser sei tot in seiner Zelle in Nurmengard aufgefunden worden? Der Prophet meldete dies vor ungefähr einem halben Jahr." Mit bebenden Schritten, doch gebührenden Abstand umkreiste Riddle ihn und positionierte sich so, dass Draco zwischen ihm und Krum stand. „Oder willst du mir erzählen, dass Grindelwald von den Toten zurückgekehrt ist?", fragte er lauernd.

Draco merkte, wie Erbitterung in ihm hochstieg und er wusste nicht, wen er anblicken sollte. „Ihr… müsst mir glauben! Ich lüge nicht! Wieso sollte ich das auch tun?", beteuerte er in die Richtung Krums. „Ich habe Grindelwald aus den Zeitungsberichten zu den Jahrestagen seines Falls erkannt."

„Willst du Hermine in eine Falle locken? Gemeinsam mit deinem Vater?" Krum verschränkte die Arme vor der Brust. „Das kannst du nicht allein geplant haben. Du bist ja noch ein halbes Kind. Wer hat dir befohlen, mich anzulügen?"

Hilfesuchend blickte Draco zu Riddle hinüber, doch dieser rührte nicht einmal den kleinen Finger, um ihm beistehen. In seinen Augen lag ein schauriger Glanz. „Niemand!", rief Draco beteuernd. Als Krum einen großen Schritt auf ihn zu machte, sprang er regelrecht in Riddles Arme.

Dieser versuchte kläglich ihn auf Abstand zu halten.

„Ich lüge nicht. Grindelwald hat mit mir gesprochen… Du musst mir glauben!" Verzweifelt packte er Riddle an den Schultern.

„Fasse mich nicht an!" Jäh wandte er sich aus seinem Griff und Ekel spiegelte sich in seinem Gesicht.

„Ich dachte, wir könnten gemeinsam gegen Grindelwald kämpfen. Er sagte zu mir, du hättest dich von ihm abgewandt. Natürlich könnte er gelogen haben, aber du bist ja auch ein Opfer von ihm..."

„Opfer? Du nennst mich ein Opfer?", zischte Riddle. „Um mich von ihm abzuwenden, müsste ich erst einmal gemeinsame Sache mit ihm gemacht haben!" Zum Ekel gesellte sich Rage. „Krum, er ist ein Todesser. Wie sein Vater. Ihm ist unter keinen Umständen zu trauen."

Krum riss Draco an seinem Arm zu sich und zog ruppig den Ärmel hoch. Draco hatte ihm nichts entgegenzusetzten. Das dunkle Mal lag prägnant wie eh und je auf seiner hellen Haut. Obwohl er es täglich sah, fesselte es seinen Blick. Dann registrierte er am Rande seiner Wahrnehmung, dass Krum den Zauberstabarm hochhob und zu einem Spruch ansetzte.

„Riddle! Bitte!" Draco fühlte sich hilflos. Es beschämte ihn, dass er einen Fremden anflehen musste.

Doch Riddle machte keine Anstalten, ihm zur Hilfe zu eilen. Im Gegenteil, es amüsierte ihn. Draco war der freudige Ausdruck in seinen Augen und das Zucken der Mundwinkel nicht entgangen.

Trotzdem war sein Flehen nicht vergebens gewesen. Krum hielt inne und für einen Augenblick war Dracos Anwesenheit völlig vergessen.

„Riddle?"

„Riddle?", wiederholte Krum ein zweites Mal.

„Er meint -", setzte Riddle hastig an.

„-Nicht Little? Sondern Riddle? Du hast nicht mal mit der Wimper gezuckt, als er dich mit Riddle angesprochen hat. … Weil Riddle dein richtiger Name ist!"

„Nein! Litt-"

„-Verarschen kann ich mich allein!" Krum war außer sich. „Ich wusste es doch. Du bist ein notorischer Lügner! Ich wüsste nicht, warum ich dir nur ein Wort glauben sollte! Euch beiden!"

Krum verpasste erst Riddle, dann Draco einen Schockzauber, in den er all seinen Zorn legte.