Siegel der Schatten
Disclaimer: alles außer der Story gehört JKR und Takahashi-sama
Pairings: Yami/Yuugi, Harry/Draco, Seto/Joey, Ryou/Bakura/Marik, Hermine/Ron, Remus/Severus
Siegel der Schatten
30. Schattenmagier
Als die Gyffindors sowie Yuugi und seine Freunde in der Großen Halle zum Abendessen erschienen, waren die meisten Schüler schon fertig und viele verließen bereits die Haustische, um in ihre Türme zurück zu kehren. Da der Gryffindortisch an einem Ende somit relativ leer war, machten sie es sich alle kurzerhand dort bequem und fielen heißhungrig über die überaus üppigen Reste des Abendessens her. Dabei unterhielten sich insbesondere Seto und Yami weiter über die vergangenen Stunden und stellten Mutmaßungen zur besten Strategie im Kampf gegen ihre gestohlenen Monster auf. Einige Zeit später gesellten sich dann auch Remus Lupin, Severus Snape und Minerva McGonagall zu ihnen. Es war insbesondere für die drei Gryffindors ungewohnt, ihre Professoren so unzeremoniell an ihrem Haustisch sitzen zu sehen, aber dadurch kam auch irgendwie ein Gefühl der Verbundenheit auf, welches auch durch das Hinzukommen Dumbledores nicht getrübt werden konnte. Stundenlang, wie es schien, beratschlagten die Männer und Frauen die besten Wege, um die effektivsten Verteidigungszauber der Hogwartsmagie mit den stärksten Angriffszaubern der Schattenmagier zu koppeln. Schlussendlich resultierte das Theoretisieren sogar zur Veranschaulichung in Miniaturschaukämpfen der Monster gegeneinander, mit dem Gryffindortisch als Schlachtfeld. Teilweise erinnerten die Monster Harry extrem an die Miniaturdrachen der ersten Aufgabe des trimagischen Turniers. Allerdings verhielten sie sich eher so brutal, wie einige von Rons Figuren bei einer Partie Zaubererschach. Erst als Joey an Seto gelehnt einschlief und auch Hermine und Ron nur noch gähnend Vorschläge machen konnten, löste sich die Runde auf. Doch die Zauberer trennten sich hoffnungsvoller, als noch am Tag zuvor. Mit ein wenig guter Planung hatten sie eine echte Chance, diesen Kampf tatsächlich zu gewinnen. Wenn sie Glück hatten, würde der Lord gar nicht wissen, wie ihm geschah, wenn ihn Harry und Draco zusammen mit Yami und Yuugi angriffen.
Doch allen war klar, dass sie diesen Kampf nicht überstürzt herbeiführen durften. Ja, der Lord würde mit jedem Tag, der verstrich, mehr Wissen über die gefangenen Monster sammeln und mehr Wege finden, deren Macht durch seine Zauber zu erhöhen. Doch dies galt auch für die Hogwartszauberer. Mit jedem Tag der verging, würden sie mehr über das Zusammenspiel dieser so unterschiedlichen Magieformen lernen und ihre bisher nur vage ausformulierten Strategien vervollkommnen können. Und mit jedem weiteren Tag würden Harry und Draco ihre Fähigkeiten in Zusammenarbeit mit Yami und Yuugi in der Anwendung ihrer Magie in den Schatten und an der Seite der Schatten besser verstehen lernen. Denn insbesondere mit Harrys Affinität zur Schattenmagie hatten die Zauberer von Hogwarts und die Schattenmagier eine Geheimwaffe, die Voldemort niemals erahnen, geschweige denn nutzen konnte.
Und zu seinem eigenen Erstaunen musste Harry sich nicht einmal sonderlich anstrengen, um seine – erneute – Rolle als Hoffnungsträger für den Kampf gegen Voldemort zu akzeptieren. Sein ganzes Leben lang hatte er sich auf diese Rolle vorbereiten müssen und so war es nicht sehr überraschend, dass ihm der Schuh noch immer passte – auch wenn er ihn seit einem Jahr nicht mehr getragen hatte.
Da sich die meisten Schüler in den vergangenen zwei Tagen schon an die Anwesenheit der Schattenmagier in Hogwarts gewöhnt hatten, kam deren Teilnahme an den verschiedenen Unterrichtsstunden am Dienstag schon fast Normalität gleich. Yami, Yuugi, Bakura und Marik hatten sich aufgeteilt, um so viele Fächer wie möglich zeitgleich besuchen zu können – auch wenn insbesondere Yami nicht sonderlich begeistert darüber war, den Grabräuber und den Grabwächter allein auf die teils wehrlosen Schüler loszulassen. Aber dann wiederum – früher oder später würden sich Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ägyptern und den Hogwartsschülern sowieso nicht vermeiden lassen. Warum also das Unvermeidliche versuchen aufzuhalten?! Und Yami tröstete sich mit dem Wissen, dass alle Siebtklässler – denn nur deren Unterricht zu besuchen, ergab überhaupt Sinn – sich auf die eine oder andere Art effektiv zu Wehr setzen konnten. Sie waren zum einen wesentlich in der Überzahl und geübt in ihrer Magie und außerdem wussten Bakura und Marik trotz all ihrer selbstsüchtigen Verhaltensweisen dennoch, wo Grenzen zu ziehen waren.
Erwartungsgemäß waren es die Slytherins, die zuerst mit einem der Schattenmagier zusammen trafen. Das Duell zwischen 10 Slytherins um Millicent Bullstrode und Bakura war kurz aber heftig und nachdem Yami das Duell auf Setos Aufzeichnungen am Abend begutachtete hatte, konnte er nicht umhin, dem Grabräuber innerlich Beifall zu zollen. Selten hatte er den weißhaarigen Mann so hinterhältig und listenreich kämpfen sehen, wie er da seine Monster so offen wehrlos und versteckt mordlüstern einsetzte. Vermutlich war dies das erste Mal, dass die am Kampf beteiligten Slytherins so geballt ihre eigenen Medizin aus Falschheit und Bosheit verabreicht bekommen hatten.
Marik beschränkte sich eher darauf, in den Stunden der Hufflepuffs und Ravenclaws alle möglichen Verwandlungs-, Verteidigungs- und Verwirrzauber durch seine eigenen Monster- und Fallenkarten zu imitieren. Teilweise kam er nicht mal ansatzweise an die Ergebnisse der Hogwartsschüler heran, aber das frustrierte den Grabwächter nicht sonderlich. Für ihn ging es einzig und allein darum, Wissen zu erlangen, um bessere Strategien zu ermöglichen. Yuugi und Yami folgten Mariks Beispiel und am Ende des Tages hatte Seto jede Menge Daten, mit deren Hilfe er die Effekte der Monster und Fallenkarten mit denen der Zaubersprüche der Magier vergleichen konnte.
Das Abendessen stand dann erneut ganz im Zeichen von Halloween. Fratzenhafte Kürbisse schwebten durch die von Kerzen erhellte Große Halle und monströse Gerichte und giftig aussehende Getränke stellten die Haustische fast völlig zu. Angesichts des vergangenen Angriffes am Samstag hatten die Lehrer und Schüler von Hogwarts beschlossen, das eigentliche Halloween doch noch ausgiebig zu feiern. Es wurde keine offizielle Party anberaumt und auch Verkleidungen waren nirgends zu sehen. Aber die Schüler und Lehrer fanden sich zu einem zeitigen Abendessen zusammen, welches bis weit in die Nacht hinein ausgiebig mit lautem Lachen, Gesprächen und guter Stimmung fortgesetzt wurde. Es war, als wollten alle beweisen, dass sie sich nicht von Voldemorts Angriff hatten entmutigen lassen, sondern ihre Zuversicht ungebrochen war.
Natürlich konnten sich Bakura und Marik nicht zurück halten und nutzen jede Gelegenheit, die Schüler und Lehrer durch ihre eigenen Geistermonster zu erschrecken. Aber die beiden Magier mussten schnell erkennen, dass sie hier Menschen gegenüberstanden, die derartige Monster gewohnt waren und die Erscheinungen weniger als gruselig denn vielmehr als amüsante Partyunterhaltung ansahen. Das führte dazu, dass sich Bakura grummelnd zurück zog und Ryou den gemeinsamen Körper überließ. Dieser hatte anschließend umso mehr Spaß daran, mit Marik zu wetteifern, wer das gruseligste Monster in der überraschendsten Situation erscheinen lassen konnte. Alles in allem hatten sich Yami und Yuugi schon seit langem nicht mehr so köstlich amüsiert und es schien auch den meisten Zauberern um sie her ähnlich zu ergehen.
Erneut drückte beißender Wind Sturzbäche kalten Wassers gegen die alten Steinmauern. Es schien, als wolle das Wetter beweisen, dass es mächtiger als die menschgemachten Gemäuer war. Diesmal war der größte Saal jedoch bis auf einen Zauberer und seine 5 Monster leer. Die Todesser waren von ihrem Herrn in alle Richtungen ausgesandt worden. Teils mit Aufklärungsaufträgen innerhalb der Zauberergemeinschaft, teils mit fadenscheinigen Aufgaben, die jeder Hauself schneller und zumeist effektiver hätte erledigen können. Doch Voldemort wollte für die kommenden Tests keine Zeugen. Selbst Bellatrix hatte er fortgesandt, auch wenn es einige Drohungen und Flüche gekostet hatte, der anhänglichen Frau Manieren beizubringen. Nun ein wenig Spaß konnte er ja bei der ganzen Sache auch noch haben.
Nun jedoch würde er sich mit seinen neuesten Spielzeugen vertraut machen und herausfinden, was er da durch das Ritual wirklich erhalten hatte. Er hatte die mächtige Magie gespürt, die durch den Bannkreis zu ihm geflutet war, noch bevor die fünf Monster tatsächlich physisch innerhalb des Zirkels erschienen waren. Zwar ahnte er, dass da noch eine andere – mächtigere Kraft gewesen war, die das eigentliche Ziel seiner Rufe gewesen war. Doch er tröstete sich mit dem Gedanken, dass – wenn er diese Kraft nicht hatte beschwören können – niemand dazu in der Lage sein würde.
Doch die Wesen, die nun in einem lockeren Halbkreis vor ihm standen, strahlten zusammen fast annähernd so dunkle und mächtige Magie aus, wie ihm im Ritual entgangen war. Somit war der Lord mit dem Ergebnis des Rituals zumindest nicht unzufrieden. Doch was die Monster tatsächlich vermochten, blieb noch herauszufinden. Direkt nach dem Ritual hatte Voldemort einen Blend- und Vergessenszauber auf die meisten niedrigen Todesser gelegt, damit sie selbst unter härtester Befragung oder magischer Folter nicht wiederholen konnten, was in den vergangenen Stunden geschehen war. Er hatte nur seine engsten Vertrauten von diesen Flüchen verschont, denn deren Loyalität – geboren aus Angst und Machthunger – war er sich sicher. Nachdem die meisten Todesser also unwissend aus dem Schloss fortgesandt worden waren, hatte er zusammen mit seinen Vertrauten die „Beute" gesichert. Aber Voldemort traute niemandem mehr als sich selbst und daher hatte er sich darauf beschränkt, die fünf Monster mit Fesselsprüchen zu belegen und in die Kerker bringen zu lassen. Angesichts des Gehorsams, den die Monster jedem seiner Befehle entgegenbrachten, hatte er sich zwar gefragt, ob die Gefangennahme überhaupt nötig war. Aber Vorsicht war immer besser als nachträgliche Reue.
Die tatsächlichen Fähigkeiten der Monster würde er aber nun allein und ohne Zeugen austesten. Da der Lord sich zwar seiner Macht sicher war, aber auch nicht an hoffnungsloser Selbstüberschätzung litt, befreite er zum Beginn nur eines der Monster von seinen Fesseln. Es handelte sich dabei um eines der beiden menschenähnlichen Wesen, ganz in Schwarz gekleidet und ein wenig an Ninjas der asiatischen Muggelwelt erinnernd. Leichtsinn war eher eine Eigenschaft, die Harry Potter oder Dumbledore an den Tag legten und solange der Lord noch nicht die Macht dieser Wesen einschätzen konnte, wollte er sicher sein, dass er gegen seine neuen Sklaven auch gewinnen und diese in ihre Schranken weisen konnte. Nachdem die Seile, die Voldemorts Fesselfluch um die Körper der Monstren beschworen hatte, rings um den schwarzgekleideten Mann zu Boden gefallen waren, senkte der Lord die erhobene Zauberstabhand wieder und wartete ab. Wieder fiel ihm auf, was er schon direkt nach dem Ritual an diesem Ninja-Monster bemerkt hatte. Sah er es nicht genau an, schien es zu verschwimmen und eins mit der Umgebung zu sein. Auch dies erinnerte sehr an die Ninjas, die er in seinen früheren Weltreisen tatsächlich selbst einige Male als Gegner bekämpft und besiegt hatte. Doch hier spürte er noch mehr. Eine unterschwellige Dunkelheit schien nur darauf zu warten, befreit zu werden und der Lord war hoffnungsvoll, dass sich die Fähigkeiten des Wesens nicht nur auf lautloses Anschleichen und katzenhafte Bewegungen beschränken würden.
„Verstehst du meine Worte?" Die Stimme des Zauberers hallte gespenstisch laut und hohl durch das alte Schloss.
Das Monster antwortete nicht, aber der Kopf senkte sich zu einem knappen Nicken.
„Kannst du sprechen? Deinen Namen nennen?"
Das Monster antwortete erneut nicht, hob jedoch die Hand zur maskierten unteren Hälfte seines Gesichtes und zog mit einer knappen Geste das schwarze Tuch herab. Voldemort lächelte beim Anblick des vernarbten und verschlossenen Mundes höhnisch und nickte zustimmend. Das war genau nach seinem Geschmack. Ein Untertan, der selbst bei Gefangennahme keine Geheimnisse ausplaudern konnte. Wenn seine Todesser nicht ihren Mund zum Zaubern benötigen würden, hätte er einige schon längst auf ähnliche Weise verflucht.
„Gut. Eigentlich ist mir dein wahrer Name auch gleich. Ich werde dich Todesninja nennen. Akzeptierst du den Namen und meine Befehlsgewalt über dich?" Zuletzt war Voldemorts Stimme lauernd geworden und seine Hand umfasste den Zauberstab fester.
Doch das Monster nickte erneut mit einer knappen Kopfbewegung, bevor es das Tuch wieder über den verschlossenen Mund und die Nase zog.
„Ausgezeichnet. Da ich deine Fähigkeiten nicht kenne, befehle ich dir nun, mich – deinen Herrn – anzugreifen. Solltest du wider Erwarten in der Lage sein, meinen Flüchen auszuweichen, befehle ich dir außerdem unmittelbar vor dem tödlichen Schlag zu stoppen. Hast du diesen Befehl verstanden?" Eigentlich hatte der Lord den zweiten Teil des Befehls nur der Vollständigkeit halber angefügt, denn er erwartete eigentlich, dass er gegen diesen einfachen Ninja ohne Probleme siegen würde.
Doch als er Sekunden später dem Angreifer nur durch ein hastig gefluchtes „Leviatus" entgehen konnte, der ihn zwar aus der Reichweite der aus dem scheinbaren Nichts heraus geworfenen Messer brachte, aber auch unkontrolliert durch die Luft wirbeln ließ, war der Lord froh über seine Entscheidung. Das Monster war schnell. Sekunden später war der Todesninja in der Luft neben ihm und trat rücksichtslos nach Voldemorts Zauberstabhand. Ganz offensichtlich hatte das Wesen diese Waffe als die Quelle der Macht seines Herrn erkannt. Voldemort schrie erneut ein „Leviatus", konnte diesmal jedoch seine Ausweichbewegung steuern und schwebte mit zunehmender Beschleunigung seitwärts zur Hallenwand. Sofort nach dem ersten Fluch sandte der Lord noch ein „Sektumsempra" hinterher und sah befriedigt zu, wie der Ninja mitten in der Luft von unsichtbaren Messern geschnitten wurde und sich zusammenkrümmend zu Boden stürzte. Doch das Wesen erholte sich schnell und noch bevor es auf dem Boden aufschlug verschwand es buchstäblich im Nichts. Verblüfft blickte Voldemort für eine Sekunde auf den Ort, an dem der Ninja soeben noch gewesen war. Dieses Verschwinden war lautloser und unmittelbarer erfolgt, als jeder Apparierzauber. Doch der Lord hatte keine Zeit, sich groß über die Art des Verschwindezaubers zu wundern, denn nur einen Augenblick später erschien ein Schemen unmittelbar neben Voldemort an der felsigen Schlossmauer und der Ninja katapultierte sich mit einem mächtigen Tritt direkt auf ihn zu. Das Schwert, welches eine Verlängerung des ausgestreckten Armes des Ninjas darstellte, war schwarz und Voldemort sah es nur, weil im selben Moment ein Blitz über den Himmel zuckte und der Lichtreflex durch eines der Fenster auf das Metall fiel.
Reflexartig beschwor Voldemort den Cruciatus, doch das grüne Leuchten verwehte ohne Effekt in einem schwarzen Nebel, der als Antwort um das Ninja-Wesen aufwaberte. Dann war das Schwert heran, doch es wurde von den ablenkenden Verteidigungzaubern, die der Lord vorsorglich immer um sich herum aufrechterhielt abgeblockt. Statt der anvisierten Zauberstabhand, durchschnitt das Schwert nur Luft und dann kamen beide Gegner endlich unsanft auf dem Boden auf. In einer fließenden Bewegung rollte sich der Ninja ab, warf sich herum und griff erneut an, doch nun war Voldemort vorbereitet. Seinen Zauberstab in knappen aber präzisen Bewegungen führend, rief er mehr als ein Dutzend der mächtigsten Angriffszauber – hinterhältig und offensiv gleichermaßen – und dagegen hatte das Ninjawesen nichts mehr aufzubringen. Schon nach den ersten drei Sprüchen des Lords verlor der Ninja sein Schwert und am Ende des Angriffs lag er verkrümmt und geschlagen am Boden. Doch auch der Lord atmete heftig, denn dieser Kanon an mächtigen Zaubern hatte eine große Menge Konzentration und Kraft gekostet.
Abwartend und noch immer mit erhobenem Zauberstab stand der Lord in der Mitte des Raumes und wartete ab, ob sich der Ninja wieder erheben würde. Das tat dieser nach einigen Minuten, in denen nur der Sturm den leicht keuchenden Atem Voldemorts übertönte, tatsächlich. Lautlos ohne das geringste Stöhnen, aber doch mit sichtlicher Anstrengung arbeitete sich der Ninja erst auf alle Viere und anschließend in die aufrechte Position. Doch es erfolgte kein weiterer Angriff. Im Gegenteil verbeugte sich der Ninja knapp aber tief vor seinem Herrn und trat dann zurück an die Stelle, wo noch immer die Fesseln lagen, die ihm zuvor abgenommen worden waren.
Und der Lord war mehr als zufrieden. Dieses Wesen war nicht halb so mächtig, wie er, aber das hatte er auch nicht erwartet – niemand war so mächtig, wie der Dunkle Lord. Doch das Wesen hatte es geschafft, ihm mehrere Minuten lang erfolgreich Widerstand zu leisten. Das war mehr, als einige Todesser von sich behaupten konnten. Und der Ninja hatte interessante Angriffsmanöver zu bieten. Voldemort war sich sehr sicher, dass dieses lautlose Apparieren wesentlich effektiver war, als jeder Verschleierungszauber, den er über einen Portschlüssel legen konnte. Der Lord konnte es kaum erwarten, herauszufinden, was die anderen 4 Monster noch für Fähigkeiten offenbaren würden. Entschlossen drehte er sich zu dem Sauriermonster um und befreite dieses von seinen Fesseln.
Die nächsten Tage vergingen für beide Parteien des zukünftigen und unausweichlichen Kampfes wie im Flug. Während Voldemort die Fähigkeiten seiner fünf Monster, die er liebevoll seine Schoßmonster nannte, erst im Geheimen und anschließend an seinen Todessern ausprobierte, kämpften auch die Professoren von Hogwarts gegen Monster des Schattenreiches. Das Quidditchfeld war in diesen zwei Wochen der meistfrequentierte Ort des ganzen Schulgeländes - es rangierte sogar noch vor der Großen Halle. Flogen nicht gerade Schüler im Besen-Unterricht oder im Training für das nächste Quidditchspiel zwischen den Tribünen hin und her, schwirrten Funken der Magie und ab und an auch mal das eine oder andere Monster oder der eine oder andere Zauberer ohne Besen durch die Luft.
Während Voldemort entdeckte, dass die Angriffsmagie vieler seiner Todesser nicht mal annähernd gefährlich für seine Schoßhunde werden konnte, versuchten die Professoren und die entschlossensten Siebtklässler um Harry und seine Freunde, Routine in der Abwehr der Schattenmonster zu bekommen. Yami und Yuugi leiteten die lernwilligen Zauberer Hogwarts durch die Randbereiche des Schattenreiches zu ihrem Ziel und nach und nach entdeckten sie gemeinsam die besten Angriffszauber und die besten Wege, sie gegen die Schattenmonster einzusetzen – selbst solche, die durch Hermine, Remus oder selbst Dumbledore mit Verteidigungszaubern versehen worden waren. Voldemort erkannte in den endlosen Duellen, dass der Verteidigungskraft seiner Schoßhunde dennoch Grenzen gesetzt waren, denn wenn auch die niederen Todesser nicht gegen die Monster ankamen, er und Bellatrix oder Mulciper konnten unter einigen Anstrengungen auch zwei oder drei der Wesen zugleich aufhalten. Da aber selbst die niedrigsten Todesser in der Lage waren, sich gegen die Monster zumindest zu verteidigen oder vor ihnen zu verstecken, erkannte er nun auch das, was die Hogwartsmagier längst wussten – die Angriffsmacht der Monster mochte groß sein, die Verteidigungsmacht der Todesser war noch größer. Da Voldemort aber keine Lust darauf hatte, dass die zukünftige Schlacht nur darin bestehen würde, dass seine Monster Dumbledore und seine Clowns in der Defensive festnagelten und sie auf ewig in einem Patt verharren würden, testete auch er Kombinationen seiner Magie mit der der Monster aus. Einige dieser Kombinationen waren nicht erfolgreich und töteten sogar den einen oder anderen Gefolgsmann, aber Voldemort war nicht sentimental. Wer seine Zaubersprüche nicht beherrschte, war schwach und verdiente den Tod.
Die Professoren wurden derweil besser und besser darin, sich und die Schüler um sich zu schützen und zugleich immer mächtigere Angriffszauber auf Yuugis, Yamis oder Bakuras Monster zu werfen. Keiner von ihnen, nicht einmal Dumbledore schaffte es, auch nur eines der Monster zu besiegen, aber sie konnten die fremden Wesen zumindest ablenken und verlangsamen. Sie würden eine nennenswerte Verteidigungslinie abgeben, die Harry, Draco und den Schattenmagiern Zeit gab, Voldemorts Monster direkt zu besiegen. Dass Harry und Draco an erster Front stehen würden, wurde schon nach dem ersten Einsatz Dumbledores gegen Yuugis ‚Schwarzen Magier' ersichtlich. Dumbledore mochte der beste Zauberer der magischen Welt sein, doch sein Effekt auf Yamis Lieblingsmonster war nur ein Bruchteil dessen, was Harry und Draco bewirken konnten, insbesondere dann, wenn das Monster durch die herbeigerufenen Schatten fast so nah an der Realität war, wie es Voldemorts gestohlene Monster nach der Beschwörung waren. Mochte der Professor auch aus dem letzten Kampf gelernt haben und bereit sein, sich selbst sogar noch vor Harry in die Schlacht zu werfen – alle erkannten, dass dieser Plan in einem Kampf gegen Schattenmonster sinnlos sein würde. Harry war wie immer der erste Hoffnungsträger und zu Harrys Überraschung kam er selbst sogar mit am besten mit dieser Rolle zu Recht.
Das Training trug unübersehbar Früchte und Harry blickte beinahe schon euphorisch in die Zukunft und ertappte sich dabei, dass er den Kampf gegen seinen alten Todfeind fast herbei wünschte.
Und die Hogwartsschüler hatten sogar manchmal ihren Spaß während des Trainings. Denn nicht jede Trainingsstunde im Quidditchfeld war erfolgreich. Besonders, wenn statt der Monster plötzlich ein Professor mit wehenden Roben an den beobachtenden oder ebenfalls kämpfenden Schülern vorbeisegelte und unsanft im Staub landete, mussten sich die jungen Leute sowohl die Enttäuschung, als auch das Lachen verkneifen. Es war aber auch schwierig, bei einer Professor McGonagall mit schiefem Hut und aufgelöstem Haarknoten an den Ernst der Lage zu denken und nicht zu lachen.
Am amüsantesten fand Harry jedoch eine Trainingsstunde in der Dracos Pate zusammen mit Remus und Draco selbst gegen mehrere von Mariks Monstern antrat. Zu Beginn hielten sich die drei Zauberer wacker, konnten mehrere Monster sogar besiegen, obwohl Dumbledore und McGonagall sie mit Schutzzaubern belegt hatten und Harry glaubte einmal sogar ein zufriedenes Schmunzeln über Snapes Gesicht huschen zu sehen, als dieser einen Golem mit einer massiven Attacke aus Feuerzaubern in einen Steinsee verwandelte. Doch nach über einer Stunde das Kampfes schlüpfte dann doch ein Monster durch das Netz aus Abwehrzaubern, welches Remus aufgebaut hatte. Draco hielt zur gleichen Zeit drei andere Gegner in Schach und konnte dem Werwolf nicht zu Hilfe eilen. Remus wurde von dem anmutigen weißen Katzenwesen direkt angesprungen und konnte nur mit Mühe zugleich die restlichen Abwehrzauber aufrecht halten und dem Monster ausweichen. Als Mariks ‚Amethystkatze' dann mit tödlich ausgefahrenen Krallen erneut auf Remus zusprang zeigte sich, dass ein Kampf über eine Stunde hinweg doch etwas zu lang für den schmächtigen Werwolf gewesen sein musste. Remus stolperte rückwärts und fiel hilflos zu Boden. Augenblicklich rannten Yami und Yuugi an Harry vorbei und zückten zeitgleich ihre eigenen Karten, doch einer war noch schneller in seiner Reaktion. Sekunden bevor Yamis ‚Gazelle' und Yuugis ‚Keltischer Krieger' die ‚Amethystkatze' stoppen konnten, wurde diese durch einen schwarzen Schemen von der Seite angesprungen. Momente später balgten sich ein schwarzer, grimmiger Wolf und die weiße Katze knurrend und fauchend im Sand fünf Meter von Remus entfernt und die gerufenen Monster stoppten abwartend an Remus Seite. Marik hatte mittlerweile seine restlichen Monster zurück in sein Deck gerufen, doch die ‚Amethystkatze' beließ er schmunzelnd auf dem Feld. Yami und Yuugi entspannten sich ebenfalls leicht, zogen ihre Monster zurück und beobachteten genauso neugierig wie Marik, Dumbledore, McGonagall und Harry die beiden wild kämpfenden Tierwesen. Nur Remus, der sich wieder erhoben hatte, schien ernsthaft darüber nachzudenken, in den Kampf einzuschreiten. Sein Gesicht war voller Sorgenfalten und seine Hand umklammerte entschlossen den Zauberstab. Doch bevor sich der Werwolf in seinem erschöpften Zustand bereit machen konnte, seinen Partner vor dem Katzenmonster zu beschützen, sprang dieses mit eingeklemmtem Schwanz und leise winselnd drei Meter von dem schwarzen Wolf fort und presste sich auf den Boden. Snape richtete sich drohend zu seiner vollen Größe auf und ein dumpfes Grollen in seiner Kehle lies die ‚Amethystkatze' erneut winseln und sogar einen Schritt zurück kriechen. Scheinbar zufrieden mit sich selbst entspannte der Wolf seinen massigen Körper, grollte noch einmal tief, nun jedoch fast verächtlich, und trabte dann hinüber zu einem erleichterten Remus Lupin.
Halb erwartete Harry, dass Snape sich wieder in seine menschliche Form zurück verwandeln würde, um Remus unverdienter Weise für seine Unvorsichtigkeit im Kampf oder was auch immer dem Zaubertränkeprofessor als Beleidigung gerade einfiel, zu schelten. Aber dann blinzelte Harry nur überrascht, als Snape, noch immer als Wolf, Remus einfach umstieß, über ihn kletterte und ihm das Gesicht leckte. Perplex starrten alle auf den sich nur halbherzig wehrenden Remus, der leise kichernd unter dem dunklen Wolf lag und dann brachen alle ebenfalls in befreites Gelächter aus. Snape ließ sich ausnahmsweise überhaupt nicht von seiner Umgebung stören, sondern leckte weiter Remus Gesicht und die zur Abwehr erhobenen Hände ab, bevor er sich schwer auf Remus fallen ließ und diesem ein protestierendes „Uff!" entlockte, als er ihn unter sich begrub. Dann legte der Wolf seinen Kopf auf seine Pfoten und Remus blieb nichts anderes übrig als still auf dem Boden zu liegen – nur ab und an unterbrochen von einem vibrierenden Lachen.
Harry sah aber auch den liebevollen Blick, den Remus dem Wolf schenkte. Sein Freund und Mentor schien die Situation durchaus zu genießen, denn wann wurde man schon so heldenmutig und effektiv mit vollem Körpereinsatz von seinem Geliebten vor einer Gefahr gerettet. Erst als Harrys Blick zu dem lächelnden Draco wanderte und dabei die am Boden liegenden schwarzen Roben des Zaubertränkeprofessors streiften, dämmerte Harry, dass es für Snape auch einen realen Grund gab, sich nicht vor aller Augen aus seiner Animagusgestalt zurückzuverwandeln. Die meisten Animagi verwandelten sich zusammen mit ihrer Kleidung, aber scheinbar war Severus Snape einer der wenigen Animagi, die sich nur ohne Kleidung verwandeln konnten. Nachdem Harry Zeuge geworden war, wie sich Snape nach einer Stunde anstrengenden Kampfes mitten im Sprung in seine Animagusgestalt verwandelt hatte, konnte er sich diese Tatsache beim besten Willen nicht mit einem Mangel an Fähigkeiten erklären. Was allerdings blieb war die Vorstellung eines nackten Severus Snape mitten auf dem Kampfplatz und dies war ein Bild was Harry definitiv nicht sehen wollte, was ihn aber dennoch zu einem hilflosen Kichern veranlasste. Draco und Yuugi waren Harrys Blick gefolgt und während der Slytherin sein Amüsement aus Rücksicht auf seinen grimmig dreinschauenden Paten zurückhielt, kicherte Yuugi ungeniert mit dem Gryffindor um die Wette. Yami und Marik rollten nur mit den Augen, aber alle erkannten, dass an diesem Tag genug Ernsthaftigkeit ihr Denken bestimmt hatte. Einvernehmlich wurde die Trainingsstunde für beendet erklärt.
Dumbledore und McGonagall vertieften sich daraufhin in ein strategisches Gespräch mit Marik, Yuugi und Yami, während die fünf hinüber zum Schloss wanderten. Auch Harry schloss sich nach einem letzten amüsierten Blick zurück auf den Werwolf und den schwarzen Wolf den anderen an. Remus machte keinerlei Anstalten, sich unter dem Wolf befreien zu wollen, sondern sah im Gegenteil sehr zufrieden aus. Die Miene des Wolfes war jetzt unergründlich. Der letzte, der die beiden Professoren verließ, war Draco. Dieser zauberte mit einem Schlenker seines Zauberstabes die Roben seines Patens in Griffweite von Remus und beeilte sich dann, Harry nachzulaufen. Der Rotschimmer, den er auf Remus' Wangen wahrgenommen hatte deutete darauf hin, dass Snapes Nacktheit bei einer Rückverwandlung nicht der einzige Grund dafür war, dass sein Pate auf dem Körper des Professors verharrte. Als Draco Harry einholte, verriet sein peinlich berührter Blick wohl genug seiner Gedanken, denn Harry starrte nun angestrengt geradeaus. Doch dann verflocht der Gryffindor seine Hand mit der des Slytherins und gemeinsam strebten sie in das abendlich erleuchtete Schloss. In diesen verzweifelten Zeiten, in denen sie sich auf einen unerbittlichen Kampf vorbereiteten, war es doch tröstlich, dass die Liebe überall einen Weg fand.
In dieser zweiten Unterrichtsstunde zur Geschichte der Zauberei nach Yamis und Yuugis „magischem Outing" kurz vor Halloween setzten die beiden jungen Männer dort an, wo sie am Tag nach Halloween geendet hatten. Schon am letzten Mittwoch hatten die Siebtklässler der vier Häuser gespannt einem wirklichen Stück Geschichte der Zauberei gelauscht. Wenn auch nicht ihrer Zauberei.
In der Unterrichtstunde unmittelbar nach Halloween waren die staunenden Zauberer in einen großen Thronsaal getreten, über und über verziert mit Gold und wertvollen Edelsteinen. Dieses Mal hatte nicht Professor Binns mit seinem Zauberbuch die Umgebung für die Stunde erzeugt, sondern Yami hatte die Magie des Milleniumspuzzles bemüht. Neben dem ehemaligen Pharao und seinem Hikari waren an diesem Tag auch Seto, Bakura und Marik anwesend gewesen. Und zur Überraschung der Siebtklässler hatten sich in dieser Stunde auch ausnahmslos alle Professoren Hogwarts mit Ausnahme von Professor Trelawney in dem magisch veränderten Unterrichtsraum versammelt. Gerade weil Yami und Yuugi am letzten Wochenende nur grob die Geschichte des alten Ägyptens und die Rolle der Schattenspiele, Yamis und auch der Milleniumsgegenstände hatten andeuten können, hatten sie Dumbledore und die anderen Lehrer in diese Stunde eingeladen. Und dann hatten die fünf Schattenmagier die Geschichte des alten Ägyptens erzählt, wie sie wirklich geschehen war. Mittels ihrer Milleniumsgegenstände hatten sie ihre Erinnerungen an die Zeit von vor 3000 Jahren auferstehen lassen. Yami hatte von seiner Krönung berichtet, aber auch von dem Krieg, der dieser Zeit vorausgegangen war und zur Erschaffung der Milleniumsgegenstände geführt hatte. Seto hatte gemeinsam mit Marik und Bakura eindrücklich die damalige Version der Schattenduelle veranschaulicht, indem sie die Steintafeln in dem Thronsaal hatten erscheinen lassen, in welchen die alten Monster gebannt existierten, bis ein mächtiger Schattenmagier sie aufrief. Yuugi hatte dann von der großen Bedrohung durch Zorg berichtet, der als Erschaffer des Schattenreiches auch die Herrschaft über die Welt außerhalb der Schatten zu erringen versucht hatte. Yami und Seto hatten den staunenden Schülern und faszinierten Lehrern erklärt, wie der Herrscher aus den Schatten gerade die Passagen und Brücken zu nutzen versucht hatte, die durch das Aufrufen der Schattenmonster in die physische Welt mittels der Milleniumsgegenstände entstanden waren. Final hatte diese eindrucksvolle Stunde darin geendet, dass Yami mit seinem Milleniumspuzzle das Schattenreich heraufbeschworen hatte. Somit hatten alle Siebtklässler, die im Gegensatz zu den Professoren und Harry und seinen Freunden bisher noch nicht direkt in Berührung mit dem Schattenreich gekommen waren, hautnah die archaische Kraft und die Fremdheit des Reiches kennen gelernt, welches Yami und Yuugi ihre Macht gab. Allen war klar geworden, wie anders diese Magie wirklich war, aber die meisten hatten basierend auf den Erzählungen der Schattenmagier der vergangenen Stunde auch gespürt, dass das Reich der Schatten mächtig aber nicht bösartig war. Es war anders und unbekannt und Furcht einflößend, aber jeder hatte gespürt, dass Yami diese Magie auch völlig kontrollierte und nie zulassen würde, dass sie Unschuldigen ein Leid zufügte.
Dennoch waren die Schüler fragend aus dieser Stunde gekommen. Wie hatte Professor Atemu den Erschaffer einer so mächtigen Welt wie des Schattenreiches besiegen und sich diese Magie untertan machen können? Dass der ehemalige Pharao siegreich gewesen war, war allen aus den Erzählungen klar geworden, aber Yami und Yuugi hatten sich den finalen Kampf absichtlich bis zur nächsten Stunde aufgehoben. Zum einen wollten sie die Schüler ein wenig auf die Folter spannen, zum anderen würden die Hogwartszauberer erst mit ein wenig Abstand und Zeit für eigene Gedanken wirklich begreifen, wie groß die Bedrohung damals gewesen war, die Yami mit seinen Getreuen zurückgeworfen hatte. Ganz zu schweigen davon, dass Yuugi und Yami die Bedrohung von Zorg nicht nur einmal, sondern sogar zwei Mal zurückgeschlagen hatten - in jenem ultimativen Duell der Schatten innerhalb des Milleniumspuzzles, als Zorg in Form von Bakura ihre Reise in das alte Ägypten bewirkt hatte. Diesen letzten Fakt kannten bisher nur die Professoren und Harry, Draco, Ron und Hermine aus Yamis und Yuugis Erzählungen in ihrer Runde in der Großen Halle am Samstag.
In der zweiten Stunde Geschichte der Zauberei in der Woche nach Halloween versammelten sich die Schüler und Professoren nun am Fuße der Stadtmauer von Kemet und lauschten ehrfürchtig den Erzählungen Yamis und Yuugis zur Schlacht um die Herrschaft über die Schatten. Freunde und Untergebene hatten sich geopfert, Verluste wurden ertragen und überwunden und am Ende wurde der Sieg teuer aber erfolgreich erstritten. Yami rief eindrucksvoll alle drei ägyptischen Göttermonster, aber er hütete sich, das Klassenzimmer in die Schatten zu hüllen, als er dies tat. Die Macht von ‚Obelisk', ‚Slifer' und ‚Dem geflügelten Drachen des Ra' war so schon beeindruckend genug. Da musste die Bedrohung durch die Schatten nicht noch verstärkt werden. Die Schüler sollten ein Verständnis für die Härte und die Herausforderungen des damaligen Kampfes erhalten, aber sie sollten keine Furcht vor den Schattenmagiern und ihren Monstern entwickeln – nicht mehr jedenfalls, als sie sowieso schon empfanden. Respekt war hilfreich, doch Furcht konnte eine Zusammenarbeit wirkungsvoll hemmen.
„Am Ende blieb mir damals nichts anderes übrig, als Zorg zurück in die Schatten zu bannen, da selbst die drei Ägyptischen Göttermonster nicht mächtig genug waren, den Herrn der Schatten zu vernichten. Aber wie Yuugi und ich euch ja schon vor einigen Wochen versucht haben zu erklären: Schatten ist eine notwenige Kehrseite des Lichts. Das Schattenreich und seine Magie ist ein Teil des Universums – es existiert in irgendeiner Form immer - und kann daher auch nicht vernichtet werden. Aber ich konnte auch Zorg nicht alles zerstören lassen, was ich liebte und was mir teuer war. Ich hatte eine Verantwortung meinem Volk gegenüber."
Yami stockte leicht und Yuugi konnte sehen, wie er sich mental auf die kommenden Worte vorbereitete. Yuugi wusste, wie stolz der ehemalige Pharao auf seine damaligen Taten war, aber seine Heldentat hatte ihn auch sehr viel gekostet und er hatte erst vor wenigen Jahren begonnen, sein damaliges selbstgewähltes Schicksal der Verbannung wirklich zu akzeptieren.
„Die Verbannung des Erschaffers der Schatten benötigte ein Opfer und ein Siegel. Jede Magie – und besonders so mächtige – hat ihren Preis. Ich opferte meine Seele. Zorg wurde ins Reich der Schatten zurückgedrängt und der Zugang wurde durch meinen Namen versiegelt. Ich opferte alles Wissen um meinen Namen und meine Vergangenheit, damit nie wieder jemand die Pforten zum Schattenreich so weit aufstoßen konnte, wie sie damals durch den unbedachten Umgang mit der Schattenmagie waren. Mein physischer Körper wurde aufgrund dieser mächtigen Zauber vernichtet und meine Seele wurde als Wächter über den letzten Zugang zum Schattenreich im Milleniumspuzzle eingesperrt. 3000 Jahre existierte meine Seele in dieser Nicht-Form und die Magie der Schatten war vor Missbrauch geschützt."
Die Schüler und auch die Professoren hingen gebannt an Yamis Lippen und jeder sah das wehmütige Lächeln des ehemaligen Pharaos, als er an sein Opfer zurück dachte.
Yuugi konnte gar nicht anders, als Yami sowohl mental eng zu umarmen, als auch in der physischen Welt die Hand seines Geliebten zu ergreifen und beruhigend zu drücken.
‚Ich liebe dich.' Yuugis Worte drangen voller Wärme und Gefühl an Yamis Seele und dieser drehte sich in ihrer mentalen Umarmung um und küsste seinen Aibou zärtlich und dankbar. Ja, das Opfer des ehemaligen Pharaos war groß gewesen, aber die Belohnung, die er nach 3000 Jahren des Wartens erhalten hatte, war noch viel größer.
Dann erinnerte sich Yami daran, dass er nicht mehr darauf angewiesen war, Yuugi nur in ihrem Seelenraum zu küssen und die Blicke der Schüler und Professoren ignorierend, zog Yami seinen Partner zu sich und küsste ihn kurz aber heftig und voller Leidenschaft.
Scheinbar unbeeindruckt drehte sich der ehemalige Pharao dann wieder zu seinen Zuhörern um und ließ in der Luft ein Abbild des Milleniumspuzzles in seinen Einzelteilen entstehen. Yuugi hingegen konnte seine Verlegenheit angesichts dieser öffentlich zur Schau gestellten Gefühle seines Geliebten nur schwer verbergen und senkte errötend den Kopf. Teilweise jedoch auch, um sein hilflos glückliches Grinsen zu verbergen.
Yami fuhr mit fester Stimme fort das Ende des damaligen Kampfes zu berichten: „Meine Seele war in diesen Stücken des Puzzles gefangen und wurde in meinem Grab aufbewahrt. Namenlos wie es war, wurde es absichtlich von den Priestern als gefährliches Wissen aus der Geschichtsschreibung der Zeit gelöscht. Nur eingeweihte Priester durften überhaupt von der Macht der Milleniumsgegenstände, dem damaligen Geschehen und meinem Grab Kenntnis erhalten. Und dies geschah absichtlich in Rätseln und Andeutungen. Davon hatten sich über die Jahrtausende dennoch erstaunlich viele gehalten, so dass einige Archäologen, worunter auch Yuugis Großvater war, dennoch um mein Grab und ein großes, darin verborgenes Mysterium wussten. Sie kannten keine Details, aber sie wussten genug, um mein Grab zu suchen und zu versuchen, die Mysterien aus dem Vergessen der Zeit zurück zu holen."
Yami schwieg und sah Yuugi liebevoll an. Dieser hatte seinen Geliebten in den letzten Minuten nicht aus den Augen gelassen, denn er war immer wieder fasziniert, wie viel Gefühl aus Yamis Blicken sprach, wenn er über die Zeit der Entdeckung seines Grabes und seines Puzzles durch Soguroku Mutô sprach. Bedeutete dies doch, dass er seinen Seelenpartner traf und neben der Erlösung aus der Gefangenschaft auch die Liebe fand.
Als Yami nicht weiter sprach, sah sich Yuugi veranlasst, die Geschichte zu Ende zu bringen.
„Mein Großvater brachte mir das Puzzle, welches niemand seiner Forscherkollegen zusammensetzen konnte, da er wusste, wie sehr ich Spiele und Puzzle liebte. Ich war nach einiger Zeit dazu in der Lage, die Einzelteile des Milleniumspuzzles zusammen zu fügen und so konnte Yami befreit werden. Erst dadurch war es möglich, dass die Magie der Schatten wieder real in unsere Welt treten konnte. Zuvor hatten einige Forscher und Enthusiasten", Yuugi dachte mit gemischten Gefühlen an ihren früheren Gegner und mittlerweile zweifelhaften Verbündeten Pegasus, „die Steintafeln mit den Schattenmonstern als Abbilder in Form des Duelmonsters-Spiel wiederbelebt und auch die alten Regeln aufgedeckt und adaptiert. Auch die über die Jahrhunderte in Familienbesitz befindlichen oder verlorenen und neu gefundenen Milleniumsgegenstände waren bis zu diesem Zeitpunkt nur hübsche, aber harmlose Schmuckstücke ohne Macht. Erst durch die Aktivierung des Puzzles als mächtigstes der 7 Milleniumsgegenstände, entstanden wieder schmale Brücken zum Reich der Schatten. Da aber Yamis Seele für immer mit dem Puzzle verbunden ist und somit auch weiterhin den Übergang bewacht, kann es nie wieder dazu kommen, dass die Magie durch andere als uns Schattenmagier, die wir die Milleniumsgegenstände führen, beherrscht wird. Und im Gegensatz zum alten Ägypten, wissen wir um die Verantwortung, die mit der Nutzung dieser Magie einher geht. Zorg existiert weiterhin, aber durch unseren Sieg über ihn, haben wir auch die Macht erlangt, ihn im Reich der Schatten zu halten. Jetzt kann nur noch so viel Macht heraus, wie wir erlauben und wir werden eher sterben, als noch einmal eine so große Passage zu öffnen, wie sie damals im alten Ägypten durch die exzessive Nutzung der Schattenmagie entstanden ist."
Yami nickte bekräftigend. „Wir sind die Herren der Schattenmagie und wir entscheiden, für was sie genutzt wird."
Nach diesen Worten begannen die Schüler aufgeregt durcheinander zu diskutieren, denn für viele waren diese Enthüllungen völlig neu. Natürlich hatten alle mitbekommen, dass ihre neuen Lehrer keine Muggel waren und auch, dass sie und die anderen Neuankömmlinge andere Macht hatten, als die Zauberstabmagie der Hogwartszauberer. Doch welchen Umfang diese Andersartigkeit wirklich hatte, begriffen viele erst jetzt. Einige pfiffige Ravenclaw fragten auch gezielt nach den Monstern, die scheinbar durch Voldemort erbeutet worden waren und Yuugi und Yami sahen schmunzeln, wie der Schulleiter und Professor McGonagall unruhig ihre Schüler ansahen. Ganz offensichtlich hatte Professor Dumbledore gehofft, dass nicht ganz Hogwarts von diesem Geschehen erfahren hatten, auch wenn diese Hoffnung von Anfang an utopisch gewesen war. Es waren viel zu viele der Schüler der oberen Jahrgänge anwesend gewesen, als Voldemort sein Ritual in der letzten Neumondnacht gesprochen hatte. Und die Schüler waren nicht dumm und konnten eins und eins zusammenzählen – insbesondere die Ravenclaws. Angesichts der anwesenden Slytherins und der potentiellen Gefahr, dass selbst hier in Hogwarts Spione anwesend waren, antwortete Yuugi auf die Fragen nach den erbeuteten Monstern nur ausweichend. Zwar hatten die beiden mit Einverständnis der Professoren von Hogwarts in ihren Projektionszauber zur Verwandlung des Klassenzimmers in den letzten beiden Unterrichtsstunden auch einen Fallenzauber eingebaut, der verhindern würde, dass irgendwer das Erzählte an Außenstehende außerhalb von Hogwarts weitergeben konnte. Doch Wissen um die erbeuteten fünf Monster ging zu weit in die Richtung der Kampfstrategien, welche Yami und Yuugi zusammen mit Harry und Draco immer noch ausarbeiteten. Und solche Informationen konnten, auch in abstrakter Form an den Lord weitergegeben, dem Gegner wertvolle Hinweise über den zukünftigen Kampf liefern. Die Ravenclaws waren klug genug, diese unausgesprochenen Befürchtungen ebenfalls zu erahnen und fragten nicht weiter nach.
Am Ende dieser zweiten Stunde Geschichte der Zauberei entfernten sich nach den Professoren auch die Schüler immer noch in Grüppchen diskutierend und Yami und Yuugi fingen eine ganze Menge bewundernde und beeindruckte Blicke auf. Und Yuugi konnte sich nicht helfen, aber er verstand einmal mehr den Stolz, den Yami so selbstverständlich ausstrahlte. Diese komprimierte Zusammenfassung der Geschehnisse zeigte deutlich, wie allumfassend der ehemalige Pharao – und Yuugi zusammen mit ihm bei ihrem zweiten Duell mit Zorg – die Welt vor dem Untergang gerettet hatte. Da war Stolz durchaus angebracht.
Nach der Unterrichtsstunde bleiben nur noch Draco und die drei Gryffindors bei den beiden jungen Aushilfslehrern und stellten Detailfragen zu ihrem Kampf, zu den Göttermonstern und zu den Schatten selbst, die nicht für die Ohren der anderen Schüler geeignet waren. Yami und Yuugi bemühten sich aufrichtig, alle Fragen zu beantworten, aber als sich dann Draco und Hermine angesichts des zweiten Duells mit Zorg in metaphysischen Gedankenexperimenten und Theorien zu Zeitparadoxons überboten, kapitulierten sowohl Yuugi als auch kurz darauf Yami.
Auch Harry schüttelte nur noch verzweifelt den Kopf und meinte dann müde: „Ich hab Kopfschmerzen von all dem Theoretisieren. Und eigentlich haben wir schon längst wieder Unterricht. Lasst uns heute Abend weiter philosophieren, wenn ich ein paar Pasteten als Grundlage für diesen harten Tobak verdrückt habe."
Ron nickte dazu nur erleichtert und alle kamen überein, sich am Abend in der Bibliothek für eine weitere Diskussionsrunde zu treffen. Doch Draco und Hermine diskutierten noch den ganzen Weg zum nächsten Klassenraum leise und eindringlich miteinander und machten beide den Eindruck, sehr viel Spaß dabei zu haben.
Ich mag diese Szene mit Remus und Severus in seiner Animagus-Gestalt ^_^ Ihr auch?
LG. CU. Fly
