IX. Sir William aus Deira

Galahad und Gwaine geben ihren Pferden die Sporen, woraufhin beide Tiere, die bereits unruhig auf der Stelle getänzelt sind, nach vorne springen und von den beiden gegenüberliegenden Enden der Sandbahn auf dem Turniergelände aufeinander zu galoppieren.

Arthur beobachtet seine Ritter vom Rand der Bahn aus aufmerksam, als sie ihre Lanzen nach vorne ausrichten und sich bereit machen ihren Gegner damit vom Pferd zu stoßen. Galahads Lanze schwankt jedoch beträchtlich von einer Seite zur anderen und Arthur schüttelt genervt den Kopf.

„Du musst deine Lanze ruhig halten, Galahad!", ruft Arthur laut, doch der junge Ritter schafft es nicht, seiner Anweisung zu folgen, und schließlich verfehlt er Gwaine um ein beträchtliches Stück.

Gwaine hat bereits gesehen, das Galahad Probleme hat seine Lanze in den Händen zu behalten und er hat seine eigene Lanze nach oben gezogen, sodass beide ohne einen Treffer zu landen aneinander vorbeireiten.

Arthur seufzt schwer, als beide Ritter ihre Pferde zügeln und den Knappen ihre Lanzen und Schilde übergeben. Galahad ist sichtlich froh, den langen Stab wieder los zu sein, als er mit hochgeschobenen Visier zu Arthur hinüber trabt.

„Was bitte war das?", fragt Arthur kopfschüttelnd. „Ich dachte, du hättest den Bogen mittlerweile raus."

Galahad macht ein entmutigtes Gesicht, antwortet aber nicht.

Gwaine pariert sein Pferd neben ihnen zum Stehen durch und schiebt sein Visier hoch. „Vielleicht ist es einfach nichts für ihn", meint er und zuckt unter seiner Rüstung mit den Schultern. „Sieh es ein Arthur, er wird es beim Turnier niemals schaffen die Vorrunde überstehen."

Galahad hat sich mit diesem Schicksal offenbar bereits abgefunden. Arthur atmet ein Mal tief durch und lässt dabei hörbar die Luft entweichen. Galahad ist ein ausgezeichneter junger Ritter und Arthur sieht viel von sich selbst in ihm. Mit einem Schwert gehört er mittlerweile zu den Besten, aber was den Kampf mit der Lanze angeht, ist er ein hoffnungsloser Fall.

„Na schön", sagt Arthur resigniert. „Vielleicht kannst du es beim nächsten Mal in drei Jahren besser machen. Du bist noch jung, du hast noch Zeit."

Galahad sieht erleichtert aus und er nickt Arthur kurz zu, bevor er sein Pferd wendet und nach hinten zu den Knappen reitet, um dort sein Pferd aufräumen zu lassen.

„Nimm es nicht zu schwer, Arthur. Ich weiß, dass du den Jungen magst, aber der Kampf zu Pferde ist einfach nichts für ihn", sagt Gwaine.

Arthur seufzt erneut. „Ja, du hast ja recht. Es ist nur, dass…" Arthur lässt den Satz in der Luft hängen, aber Gwaine hat ein wissendes Grinsen auf dem Gesicht.

„Es ist nur, dass es dich in den Fingern juckt selbst am Turnier teilzunehmen. Vor allem da Ritter von überall aus den umliegenden Königreichen teilnehmen werden. Deshalb willst du, dass wenigstens einer deine Ritter das Turnier für dich gewinnt."

Es sollte Arthur ärgern, dass Gwaine ihn so leicht durchschauen kann, aber das tut es nicht. Mit jedem Tag, den das Turnier näher rückt, versucht er umso mehr sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es ihm zusetzt, dass er selbst nicht teilnehmen kann. Er hat es immer geliebt, sich mit den anderen Rittern zu messen, und zu beweisen, dass er der Stärkste und Beste von ihnen allen ist. Als König kann er das jetzt nicht mehr. Zwar konnte er es in anderen Zeit in den letzten zehn Jahren auch nicht, aber damals hat er keinen Gedanken daran verschwendet, denn es hatte echte Schlachten zu schlagen gegeben. Jetzt herrscht in Camelot Frieden und Arthur ist wieder in der Blüte seiner Jahre.

„Wer sind die nächsten?", fragt Arthur und reißt sich aus seinen Gedanken.

Das Turnier findet in zwei Tagen statt und er lässt seine Ritter an diesem letzten Trainingstag einzeln gegeneinander antreten, um die vier Ritter auszuwählen, die Camelot bei dem Turnier vertreten werden. Gwaine hat seinen Platz bereits sicher und auch Leon wird zu denjenigen gehören, die am Turnier teilnehmen werden. Was die anderen beiden Plätze angeht, wird Arthur heute Abend eine Entscheidung treffen. Die Ritter, die Arthur letztlich auswählt, sind von da an von sämtlichen Pflichten befreit, und können den morgigen Tag nutzen sich vor dem Turnier auszuruhen.

Arthur dreht den Kopf zum rechten Ende des Trainingsfeldes, um zu sehen, wo die nächsten beiden Ritter bleiben. Er traut seinen Augen jedoch nicht, als er sieht, wer in diesem Moment in voller Rüstung auf einem schwarzen Hengst in die Arena geritten kommt.

Arthur schüttelt den Kopf und hebt drohend einen Zeigefinger, als Morgana sie erreicht hat. „Oh nein, das wirst du nicht tun!"

„Was werde ich nicht tun, Bruderherz?", fragt Morgana, als sie ihr Pferd anhält und eine elegante Augenbraue nach oben zieht.

Arthur sieht Morgana scharf an. Er hat ihr erlaubt am Training für das Turnier teilzunehmen, weil er nicht mit ihr streiten wollte und sie hat ihre Sache dabei ausgesprochen gut gemacht, aber Arthur hat nicht damit gerechnet, dass sie auf die Idee kommen würde, tatsächlich am Turnier teilnehmen zu wollen.

„Du wirst nicht an dem Turnier teilnehmen", sagt Arthur entschieden. „Selbst wenn du ein Ritter wärst und keine Frau, du bist immer noch die Prinzessin von Camelot. Also selbst wenn du teilnehmen könntest, würde ich es dir nicht erlauben!"

Morgana schnaubt verächtlich und sieht Arthur verärgert an. „Ach und ich dachte, du wolltest, dass Camelot das Turnier unter allen Umständen gewinnt. Und ich bin deine beste Chance zu gewinnen, weil ich die Beste von deinen Rittern bin."

„Du bist nicht mal ein Ritter!", entgegnet Arthur aufgebracht.

Morgana sieht ihn herausfordernd an. „Nun dann solltest du mich am besten noch vor dem Turnier zum Ritter schlagen."

Arthur rollt mit den Augen und stemmt die Hände in die Hüften. „Morgana, du weißt, dass ich das nicht kann. Du bist eine Frau."

„Du hast es möglich gemacht, dass sogar Bürgerliche Ritter werden können", erwidert Morgana. „Nichts für ungut, Gwaine."

Gwaine hat die Hände über dem Vorderteil seines Sattels übereinander gelegt und beobachtet den Schlagabtausch zwischen Arthur und seiner Schwester interessiert. Er schüttelt mit einem Grinsen auf dem Gesicht den Kopf. „Kein Problem."

Arthur beachtet Gwaine nicht weiter, vor allem, da er weiß, dass Gwaine nicht einmal ein Bürgerlicher ist. Sein Vater war ein Ritter Caerleons, was Gwaine zu einem Adligen macht.

„Morgana", sagt er stattdessen, so ruhig er kann. „Camelot musste während des letzte Jahres viele Veränderungen hinnehmen. Es nun auch Frauen zu erlauben Ritter zu werden, könnte eine Veränderung zu viel sein."

„Aber wir können genauso gut kämpfen wie ihr Männer", entgegnet Morgana trotzig. „Du weißt, dass sowohl ich, als auch Morgause und Isolde es mit jedem deiner Ritter aufnehmen können."

Arthur schließt für einen Moment die Augen und sieht Morgana dann flehentlich an. „Das weiß ich, Morgana. Und die Ritter wissen es auch, weil ihr oft genug mit uns trainiert. Aber das ändert nichts. Ich kann nicht alle grundlegenden Gesetze Camelots auf einmal ändern. Und selbst wenn ich es könnte, würde ich dir trotzdem verbieten, an dem Turnier teilzunehmen, weil du die Prinzessin von Camelot bist!"

„Als du noch der Prinz warst, hast du Hunderte Male an Turnieren teilgenommen, die deinen Tod hätten bedeuten können!"

Arthur wirft die Hände in die Luft. „Das musste ich. Vater hat es von mir erwartet. Ich musste mich als Ritter beweisen, sonst hätte mich niemand ernst genommen."

„Ja und ich bin sicher, du hast es gehasst", antwortet Morgana sarkastisch und rollt mit den Augen.

„Nein, das habe ich nicht, wie du sehr gut weißt", entgegnet Arthur. „Ich habe es geliebt, mich mit anderen zu messen, weil ich der Beste bin und weil ich wollte, dass Vater stolz auf mich ist. Aber du musst niemandem etwas beweisen. Ich weiß, dass du es gerne möchtest, und glaube mir, ich kann das verstehen. Aber wenn mir etwas passieren sollte, dann wirst du Königin von Camelot sein. Du musst an das Königreich denken. Du kannst dein Leben nicht in einem Turnier riskieren, nur um zu beweisen, dass du genauso gut bist wie jeder Mann."

Morgana hat immer noch die Lippen aufeinander gepresst und sieht Arthur zerknirscht an. Sie weiß jedoch, dass er recht hat, obwohl es ihr nicht gefällt. Genauso wenig hätte es Arthur gefallen, wenn sein Vater ihm die Teilnahme an einem Turnier aus diesem Grund verboten hätte. Allerdings ist Uther immer davon überzeugt gewesen, dass Arthur der Beste ist, schließlich ist er sein Sohn und so ist er nie auf die Idee gekommen, dass Arthur bei einem Turnier womöglich verletzt oder sogar getötet werden könnte.

„Na gut, wie du willst", sagt Morgana schließlich spitz, bevor sie ihr Pferd wendet und zurück in Richtung der Stallungen trabt.

Arthur sieht ihr nach und schüttelt mit einem leisen Seufzen den Kopf. Dann fällt sein Blick auf Gwaine, der ein amüsiertes Grinsen auf dem Gesicht hat und er legt den Kopf schief. „Was?"

Gwaine zuckt mit den Schultern. „Nichts. Mach dir keine Sorgen um sie. Sie wird sich schon wieder einkriegen. Und es ist ja nicht so, als ob sie tatsächlich eine Chance gehabt hätte das Turnier zu gewinnen."

Arthur sieht Gwaine warnend an. „Lass sie das nicht hören oder sie wird dir den Kopf abreißen und das nicht mit ihrer Magie, sie wird es mit ihren bloßen Händen tun."

Gwaine lacht. Anscheinend hält er Arthurs Warnung für einen Scherz. „Na ja, sie ist ganz gut mit einem Schwert, das muss ich ihr lassen. Aber das Lanzenstechen ist noch einmal ein ganz andere Sache."

„Du solltest Morgana besser nicht unterschätzen, Gwaine", rät Arthur ihm erneut.

Gwaine grinst jedoch immer noch und zwinkert Arthur zu. „Was immer du sagst, Prinzessin. Und jetzt lass uns weiter trainieren. Leon ist schon hier und da er keinen Partner mehr hat, biete ich mich gerne an. Ich kann ohne Weiteres noch einen Durchgang machen." Dann wendet er sein Pferd und reitet wieder zu seinem Ende des Trainingsfeldes.

Arthur sieht ihm mit einem Kopfschütteln nach, bevor er zu Leon hinüber geht, um ihm noch einige Dinge zu sagen, die ihm beim gestrigen Training aufgefallen sind.

Als Arthur gefolgt von Merlin später am Nachmittag die Ratshalle betritt, wartet dort neben Leon, Lancelot und Bors dem Älteren bereits der Mann auf ihn, der verlangt hat, Arthur mit einer wichtigen Nachricht zu sprechen. Arthur erkennt ihn sofort. Sein Name ist Kelda und Uther hat ihn vor vielen Jahren in König Odins Reihen nach Cornwall geschickt, um dort die Augen und Ohren offen zu halten, für den Fall, dass Odin versuchen sollte, Camelot oder die Pendragons anzugreifen, um den Tod seines Sohnes zu rächen.

Arthur hat Odins Sohn in einem Duell getötet, nachdem Prinz Balder durch die Tore Camelots geritten kam und Arthur ohne ersichtlichen Grund herausgefordert hatte. Arthur hatte keinen Streit mit Balder oder mit Odins Familie gehabt und er hat versucht, Balder dazu zu bewegen, die Herausforderung zurückzuziehen. Der junge Prinz hatte sich jedoch geweigert und auf sein Recht, einen anderen Ritter nach dem Kodex der Ritterschaft zum Kampf auf Leben und Tod herauszufordern, bestanden. Arthur glaubt immer noch, dass Odin seinem Sohn damals irgendwie das Gefühl gegeben haben muss, sich beweisen zu müssen und um das zu tun, hatte er Arthur Pendragon im Zweikampf besiegen wollen. Balder war ein hervorragender Schwertkämpfer gewesen, doch Arthur schaffte es ihn in die Knie zu zwingen. Er weigerte sich jedoch Odins Sohn zu töten und forderte ihn ein weiteres Mal auf die Herausforderung zurückzuziehen. Balder ließ Arthur allerdings kaum ausreden, sondern griff ihn erneut an und als Arthur sich verteidigen musste, führte eine unachtsame Bewegung dazu, dass sich Arthurs Schwert durch Balders Brust bohrte.

Arthur bedauert wozu es damals bekommen ist, denn vor Balders Tod waren Camelot und Cornwall Verbündete gewesen, aber er schiebt diesen Gedanken bei Seite, als er und Merlin vor Kelda stehen bleiben. Der Mann verbeugt sich vor ihnen und noch bevor er zu sprechen beginnt, weiß Arthur bereits, warum er nach Camelot gekommen ist.

„Sire, ich bringe Nachricht aus Odins Königreich. Odin hat einen Preis auf Euren Kopf ausgesetzt."

Arthur nickt lediglich, während Leon neben ihm ungläubig schnaubt. „Das würde er doch sicherlich nicht wagen."

Kelda sieht Leon daraufhin verärgert an. „Ich war selbst dort und habe es mit meinen eigenen Ohren gehört. Der Auftragsmörder Myror hat den Auftrag angenommen."

Arthur und Merlin tauschen einen kurzen Blick und auch Merlin sieht nicht im Mindesten überrascht aus.

„Habt Ihr schon einmal von diesem Myror gehört, Sire?", fragt Lancelot, der den Blick anscheinend bemerkt hat.

Arthur überlegt einen kurzen Moment, bevor er nickt. „Ja, das habe ich. Aber Ihr müsst Euch keine Sorgen machen, er wird sein Ziel nicht erreichen."

„Ihr solltet Myror nicht unterschätzen, Sire", sagt Kelda warnend. „Er ist gnadenlos und unerschrocken. Man sagt, er sei der gefürchtetste Auftragsmörder des Landes. Vermutlich ist er bereits auf dem Weg hierher."

„Da bin ich mir sicher und ich unterschätze ihn keineswegs", entgegnet Arthur gelassen. „Ich danke Euch, Kelda. Ich weiß, dass Ihr mir diese Nachricht unter großen persönlichen Risiken gebracht habt."

Arthur nickt Sir Bors zu, der daraufhin einen kleinen Lederbeutel mit Münzen hervorholt und in Kelda zuwirft. Der Mann fängt den Beutel, bevor er sich vor Arthur verbeugt und die Kapuze seines Umhangs wieder aufsetzt. Anschließend führt Sir Bors ihn aus der Ratshalle hinaus und begleitet ihn zu den Schlosstoren.

Nachdem die Flügeltüren hinter ihnen wieder ins Schloss gefallen sind, tauscht Leon einen Blick mit Lancelot, bevor er abwartend zu Arthur sieht. „Also gut, was wissen wir hier nicht?"

„Das hier ist schon einmal passiert", erklärt Merlin. „Ich weiß, wie dieser Myror aussieht. Er wird nicht in Arthurs Nähe kommen, dafür werde ich sorgen."

„Und dann?", fragt Lancelot. „Wir könnten ihm mehr bezahlen als Odin ihm angeboten hat, dann würde er den Auftrag vielleicht nicht ausführen."

Arthur schüttelt jedoch den Kopf. „Nein, das wäre schlecht für seinen Ruf. Drauf wird er nicht eingehen."

„Na gut, dann werde ich ihn umbringen?", fragt Merlin vollkommen leidenschaftslos und während Arthur den Kopf schüttelt, bemerkt er den erstaunten Blick, mit dem Leon Merlin angesichts dieser Frage ansieht.

„Nein, nicht wenn wir es vermeiden können", antwortet Arthur. „Kannst du seine Erinnerung so verändern, dass er sich dazu entschließt, nicht länger ein Auftragsmörder sein zu wollen? Vielleicht, dass er sich in einem kleinen Dorf zur Ruhe setzen, heiraten und Kinder bekommen will?"

Merlin zuckt mit den Schultern und nickt gleichmütig. „Ja, sicher."

Leon, der Merlin nicht aus den Augen gelassen hat, starrt ihn mit großen Augen an. „Das kannst du?"

Merlin lächelt, während er erneut nickt. „Ja und ich habe es auch schon getan, zwei Mal seit wir in dieser Zeit angekommen sind, um genau zu sein."

„Wessen Gedächtnis hast du verändert?", will Lancelot daraufhin wissen.

Merlin sieht zu Arthur und auf ein Nicken hin, antwortet er Lancelot. „Das erste Mal war es ein Zauberer namens Edwin. Er wollte Uther und Gaius töten, weil seine Eltern während der Großen Säuberung hingerichtet wurden. Sie sind allerdings tatsächlich böse Zauberer gewesen, die Verbrechen begangen hatte, also ist die Hinrichtung in diesem Fall wohl gerechtfertigt gewesen. Und das zweite Mal war es ein alter Schüler von Gaius, der davon besessen gewesen ist das Grab von Ashkanar zu öffnen und Aithusas Ei zu stehlen, um den Drachen dazu zu benutzen reich und mächtig zu werden."

Arthur beobachtet Leon und Lancelot genau und obwohl beide immer noch nachdenklich aussehen, hat Merlins Erklärung den beabsichtigen Effekt gehabt. Merlin hat seine Kräfte beide Mal gegen Personen eingesetzt, die vorgehabt haben Camelot und Arthur zu schaden.

„Ich könnte Merlin helfen diesen Myror zu finden", schlägt Leon schließlich vor und zuckt mit den Schultern, während er zu Merlin sieht. „Du kannst nicht überall gleichzeitig sein und zweites Paar Augen würde unsere Chancen erhöhen."

Merlin schüttelt jedoch den Kopf. „Danke Leon, aber ich kann mit einem magischen Spiegel nach ihm suchen, also wird es kein Problem sein, ihn zu finden. Ich werde mich um Myror kümmern und du sorgst dafür, dass es während des Turniers keine anderen Zwischenfälle gibt. Da zwei Könige samt ihren Thronfolgern zu Besuch kommen, wirst du alle Hände voll zu tun haben, um ihre Sicherheit zu gewährleisten."

„Er hat Recht, Leon", sagt Arthur und Leon nickt einsichtig. Dann wendet sich Arthur an Merlin. „Aber Leon hat auch nicht unrecht. Dieser Myror ist sehr gefährlich und ich will nicht, dass du ihm alleine gegenüber trittst. Ich bin sicher, er wird eine der Wachen oder einen Diener bestechen, um herauszufinden, wie er am besten an mich herankommen kann. Und irgendjemand wird mit ihm reden, da gebe ich mich keinen falschen Illusionen hin. Und diese Person wird ihm sagen, dass er nur an mich herankommt, wenn er zuerst dich aus dem Weg räumt, was dich genauso zu einem Ziel macht wie mich. Deswegen will ich, dass Nimueh dir hilft sich um diesen Auftragsmörder zu kümmern."

Merlin legt den Kopf schief und sieht Arthur ungläubig an. „Ich brauche Nimuehs Hilfe nicht. Myror besitzt keinerlei Magie. Ich kann ohne Probleme alleine mit ihm fertig werden."

Arthur sieht Merlin jedoch eindringlich an. „Tu es mir zu Liebe, bitte."

Merlin mustert ihn einen Moment lang, bevor er mit den Schultern zuckt. „Na gut."

„Aber wie wollt ihr Nimueh erklären, woher ihr wisst, wie dieser Myror aussieht?", fragt Lancelot einen Moment darauf nachdenklich und Arthur muss zugeben, dass Lancelot damit eine berechtigte Frage stellt.

Merlin grinst jedoch. „Das sollte kein Problem sein. Sie glaubt der Kristall von Neahtid, der in Camelots Schatzkammern liegt, zeigt mir die Zukunft."

Es ist noch früh am nächsten Morgen und obwohl die Sonne erst vor Kurzem aufgegangen ist, herrscht im Schloss bereits geschäftiges Treiben. Arthur ist ebenfalls bereits auf den Beinen und auf dem Weg hinunter in die große Halle, um sich noch einmal zu vergewissern, dass alles für die Ankunft ihrer besonderen Gäste am heutigen Tag bereit ist.

Mehrere Ritter von überall aus dem Land sind bereits während der letzten Tage nach Camelot gekommen, um die Gelegenheit zu nutzen vor dem großen Turnier morgen bereits in der Arena zu trainieren. Im Laufe des Tages würden nun König Llywarch und sein Sohn Prinz Owain aus Dyfed mit einer Auswahl ihrer besten Ritter in Camelot eintreffen. Prinz Owain ist ein paar Jahre jünger als Morgana und wird deshalb nicht am Turnier teilnehmen. Er ist das jüngste von Llywarchs zwei Kindern und seine älteren Schwester Elen ist bereits mit einem Lord aus dem Süden des Königreichs verheiratet. Wenn man den Gerüchten glaubt, ist es eine rein politische Heirat gewesen, bei der es Llywarch darum ging einen Streifen Land an der Küste unter seiner Kontrolle zu behalten.

Dyfed ist ein kleines Königreich westlich von Camelot und weite Teile des Landes befinden sich direkt am Meer. Seine größte Grenze teilt sich Dyfed mit König Godwyns Königreich Gawant und Godwyn, Llywarch und Uther sind schon immer Verbündete gewesen. Arthur ist zusammen mit seinem Vater vor vielen Jahren einmal nach Dyfed gereist und er erinnert sich noch daran, wie der Wind an der rauen Küste des Landes mit ungeheurer Macht über das flache Land und die große Burg gefegt ist.

König Llywarch hat Arthur bereits wissen lassen, dass er mehrere seiner besten Ritter mitbringen wird, die Dyfed beim Turnier vertreten werden, aber Arthur ist zuversichtlich, dass einer seiner vier Ritter, die an dem Turnier teilnehmen, den Sieg davontragen wird. Gwaine ist zweifellos der beste von ihnen, aber er ist auch impulsiv und leichtsinnig, was dazu führt, dass er sich seiner Sache manchmal etwas zu sicher ist und unnötige Treffer riskiert, nur um selbst einen Treffer landen zu können. Leon ist der Besonnenste und derjenige, der stets taktisch vorgeht und neben bloßer Geschicklichkeit ist auch das in einem Wettkampf nicht zu unterschätzen. Ebenfalls große Hoffnungen setzt Arthur in Lamorak. Der Neffe von Lady Trudith hat sich als sehr geschickt mit der Lanze herausgestellt und im Gegensatz zu Lancelot, den Arthur ebenfalls ausgewählt hat, hat Lamorak keine Skrupel auch einen harten Treffer zu landen und seinen Gegner vom Pferd zu werfen. Die Ritter aus den anderen Königreichen würden es Arthurs Meinung nach sehr schwer haben sich gegen diese Vier zu behaupten und er hofft darauf, dass Camelots Ritter erst in den finalen Runden aufeinandertreffen werden, um dann den Sieg unter sich auszumachen.

Neben König Llywarch und seinem Sohn hat Arthur außerdem König Rodor und seine Tochter Prinzessin Mithian aus Nemeth, einem Königreich an der südlichen Grenze zu Camelot, eingeladen. Er hat ohnehin vorgehabt Prinzessin Mithian und ihren Vater im Laufe des Frühlings um einen Besuch in Camelot zu bitten und das Turnier gibt ihm dazu den perfekten Anlass. Zwar würde er während des Turniers nicht viel Zeit für Prinzessin Mithian haben, aber König Rodor hat bereits angekündigt, nach dem Turnier noch ein paar Tage länger in Camelot bleiben zu wollen, um mit Arthur über die Streitigkeit bezüglich des kleinen Landstriches Gedref zu verhandeln. Uther hat schon immer ältere Ansprüche auf das kleine Gebiet an der Grenze der beiden Königreiche erhoben und obwohl es seit Jahren innerhalb Camelots Grenzen liegt, leben immer noch Einwohner aus Nemeth dort. Arthur hat vor diesem Streit sehr schnell ein Ende zu setzen und Gedref an Nemeth abzutreten. König Rodor geht es hauptsächlich darum, keine Schwäche zu zeigen, weder vor Camelot noch vor seinen anderen Nachbarn. Er ist ein alter Mann und es ist sein einziger Wunsch seiner Tochter Mithian und seinem Sohn Edric ein starkes Königreich zu hinterlassen.

Das letzte Mal hat Arthur eingewilligt Prinzessin Mithian zu heiraten und Nemeth und Camelot zu vereinen, um den Streit über Gedref beizulegen und beide Königreiche zu stärken. Wenn er sich allerdings dieses Mal dazu entschließt Mithian zur Frau zu nehmen, dann wird er es aus Liebe tun und nicht um eine Jahrzehnte alte Fehde, um einen kleinen Streifen Land zu beenden. Prinzessin Mithian ist damals eine wunderschöne junge Frau gewesen, warmherzig, humorvoll, intelligent und bodenständig und Arthur glaubt, dass er sie aufrichtig hätte lieben können, wenn sein Herz damals nicht bereits Guinevere gehört hätte. Ob es auch dieses Mal so ist, wird Arthur herausfinden, wenn er in den Tagen nach dem Turnier Gelegenheit dazu hat Mithian in dieser Zeit besser kennenzulernen. In dieser Zeit ist sie gerade erst 18 Jahre alt geworden und damit um einiges jünger, als zu dem Zeitpunkt, als Arthur sie das letzte Mal kennengelernt hat.

Arthur biegt um eine Ecke und will gerade die Stufen einer Treppe hinuntersteigen, als er mit einem Mal eilige Schritte hinter sich auf dem Steinboden hört.

„Arthur!"

Arthur bleibt stehen und dreht sich um. Leon kommt zwischen einigen Dienern von der anderen Seite des Korridors auf ihn zugelaufen und bleibt neben ihm auf dem Treppenabsatz stehen. „Da bist du ja. Ich habe dich gesucht. Tristan und Isolde sind gerade von ihrer Patrouille zurückgekommen und sie haben Neuigkeiten, die du hören musst."

Arthur sieht Leon erwartungsvoll an und Leon wartet, bis eine Dienerin an ihnen vorbei die Treppe hinuntergegangen ist, bevor er weiterredet. „Anscheinend haben einige Bewohner eines Dorfes ein paar Meilen entfernt ihnen erzählt, dass sie riesige schwarze Skorpione gesehen haben, die mehrere Schafe getötet haben und in der letzten Woche immer näher an das Dorf herangekommen sind."

Arthur starrt Leon entgeistert an. „Sie haben Schafe getötet? Wie groß waren diese Skorpione dann?", fragt er, aber Leon schüttelt den Kopf.

„Ich weiß es nicht. Das ist alles, was mir Isolde im Schlosshof vorhin erzählt hat. Sie und Tristan warten in der Ratshalle auf dich."

Arthur nickt und in Gedanken versunken macht er sich dann zusammen mit Leon auf den Weg die Treppe hinunter und in die Ratshalle. Dort warten bereits Tristan und Isolde auf ihn und Leon, und sie berichten in knappen Worten, was die Dorfbewohner ihnen erzählt haben. Schließlich verschränkt Arthur die Arme vor der Brust.

„Und ihr seid euch sicher, dass diese Berichte verlässlich sind?", fragt er misstrauisch.

Isolde nickt jedoch entschlossen. „Ja, und aus diesem Grund müssen wir schnell handeln, bevor diese Kreaturen beschließen, dass die Dorfbewohner eine bessere Mahlzeit abgeben als ihre Schafe."

Arthur sieht Isolde noch einen Moment lang skeptisch an, aber die Nachricht von rieshaften Skorpionen, die so groß sind wie Pferde, ist nicht das Seltsamste, was er je gehört hat, und niemand würde sich wohl so etwas ausdenken. Damit ein Skorpion allerdings so groß werden kann, muss Magie im Spiel sein. Entweder diese Biester sind magische Kreaturen und bekommen von Natur aus diese Größe oder das Experiment eines Zauberers ist unglaublich schief gegangen. Arthur hofft, dass es sich um Ersteres handelt.

„Verdammt", flucht er leise. Er kann die Dorfbewohner nicht sich selbst überlassen, er kann aber auch nicht seine Ritter und Merlin zusammentrommeln und losreiten, um Jagd auf diese riesenhaften Skorpione zu machen - nicht während er König Rodor, König Llywarch, Prinzessin Mithian, Prinz Owain und über ein Dutzend Ritter anlässlich des Turniers in Camelot beherbergt.

Tristan scheint seine Gedanken zu erraten. „Macht Euch keine Sorgen, Arthur. Lasst uns das übernehmen. Nicht alle Ritter nehmen am Turnier teil."

Tristan meint unter anderem Isolde und sich selbst. Er hat sich rundheraus geweigert, an dem Turnier teilzunehmen, mit der Begründung, dass er für solche Ritterspiele kein Verständnis hat. Isolde ist eine Frau und kann damit von vorneherein nicht teilnehmen, da sie offiziell nicht einmal Teil der Ritterschaft werden kann. Arthur weiß, dass er auf jeden seiner Ritter zählen kann, aber damit ist es in diesem Fall nicht getan.

„Das weiß ich", antwortet er. „Aber wir brauchen Magie, um diesen Biestern beizukommen. Bei Skorpionen in der Größe von Pferden muss es sich um magische Kreaturen handeln. Ich kann Merlin allerdings im Moment nicht entbehren. Er ist mein Hofzauberer und im Laufe des Tages werden zwei Könige der benachbarten Länder eintreffen, die Camelot wegen der Veränderungen im letzten Jahr argwöhnisch beobachten."

„Wir haben noch andere mächtige Zauberer hier in Camelot", gibt Isolde zu bedenken und zuckt mit den Schultern.

Damit hat sie natürlich Recht, aber genau genommen hat keiner von ihnen Arthur je zugesagt, dass sie für ihn kämpfen würden. Sie alle haben jedoch bereits ihr Leben riskiert, um Camelot zu beschützen, als sie an Samhain mit Merlin zusammen nach Avalon geritten sind, um den Schleier zwischen den Welten zu öffnen. Eine Handvoll riesenhafter Skorpione sollte im Gegensatz dazu keine große Sache sein. Arthur würde allerdings keinem von ihnen befehlen, sich dieser Unternehmung anzuschließen. Balinor hat in Arthurs Augen seine Schuldigkeit gegenüber Camelot mehr als getan und was Ruadan angeht, muss Arthur an Sefa denken, da Ruadan es wegen des Zaubers, der ihn an Merlins Befehle bindet, nicht selbst tun kann. Und da Arthur Nimueh hierbehalten will, um nach Myror zu suchen, bleibt nur Morgause, denn Arthur braucht Morgana während des Turniers genauso an seiner Seite, wie er Merlin braucht.

Kurze Zeit darauf finden sich Morgause, Merlin und zu Arthurs Überraschung auch Morgana in der Ratshalle ein und nachdem Tristan und Isolde ihnen von den Berichten über die riesigen Skorpione erzählt haben, verfinstert sich Merlins Blick.

„Sie werden Serkets genannt. Ihr Stachel ist hochgiftig und normalerweise leben sie tief in den Wäldern. Es ist ungewöhnlich, dass sie einem der Dörfer so nahe kommen. Normalerweise verlassen sie ihr Territorium nicht."

„Das stimmt", pflichtet ihm Morgause bei. „Wir müssen herausfinden, was sie dazu gebracht hat, in die Nähe dieses Dorfes zu kommen."

Arthur nickt und atmet dann ein Mal tief durch. „Also gut, da ich Camelot im Moment nicht verlassen kann und ich Merlin hier brauche, möchte ich, dass Ihr Euch darum kümmert Morgause. Tristan, Isolde und Galahad werden Euch begleitet."

Zu seiner Überraschung schüttelt Morgause den Kopf. „Es gibt keinen Grund für Galahad uns zu begleiten. Schwerter sind vollkommen nutzlos gegen Serkets. Ich möchte allerdings Morgana mitnehmen."

Nun ist es an Arthur entschieden den Kopf zu schütteln. „Ich habe zwei der benachbarten Könige zum Turnier eingeladen. Ich brauche Morgana her in Camelot."

Morgause wirft ihm einen harten Blick zu. „Morgana ist abgesehen von Nimueh und Merlin die mächtigste von uns und wenn es tatsächlich Serkets sind, die dieses Dorf belagern, dann werde ich ihre Hilfe brauchen."

Bevor Arthur etwas erwidern kann, sieht Merlin ihn eindringlich an. „Sie hat recht, Arthur", sagt er und in Gedanken fügt er hinzu: „Ich hatte schon mit diesen Kreaturen zu tun. Und ich habe damals Kilgharrahs Hilfe gebraucht, um aus der Situation lebend wieder herauszukommen. Ich muss hierbleiben, weil wir König Llywarch und König Rodor zeigen müssen, dass ich kein wahnsinniger Zauberer bin, der dich unter seine Kontrolle gebracht hat und nun in Camelot die Fäden zieht. Aber wenn Morgause sagt, dass sie Morganas Hilfe brauchen wird, dann solltest du sie mit ihr gehen lassen. Ich bin sicher, uns fällt etwas ein, um ihre Abwesenheit zu erklären."

Arthur unterdrückt den Impuls das Gesicht zu verziehen, als Merlin so treffend auf den Punkt bringt, warum er in Camelot bleiben muss. Natürlich ist das der wahre Grund, aber Arthur möchte es lieber so sehen, dass Merlin den beiden Königen zeigen soll, dass er als Hofzauberer in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass Camelot ein friedliches und stabiles Königreich bleibt, auch wenn Magie von nun an offen praktiziert werden kann. Ganz abgesehen davon, dass Myror während des Turniers versuchen wird Arthur zu töten.

Arthur seufzt. „In Ordnung", sagt er schließlich. „Wenn ihr euch gleich auf den Weg macht, dann seid ihr vielleicht zum Festmahl am Ende des Turniers wieder da. Ich werde König Llywarch und König Rodor erzählen, dass Morgana sich um eine dringliche Angelegenheit kümmern muss, die… einen der Lords im Süden betrifft."

Morgana zieht amüsiert eine Augenbraue nach oben. „Eine dringliche Angelegenheit?"

Arthur zuckt mit den Schultern, da ihm im Moment nichts Besseres einfällt, aber ihm bleibt schließlich noch ein wenig Zeit, um sich etwas auszudenken. Dann sieht er Tristan, Isolde, Morgana und Morgause noch einmal eindringlich an.

„Bitte seid vorsichtig da draußen."

„Das sind wir", verspricht ihm Morgana und Arthur nickt, bevor er sie, Morgause, Tristan und Isolde entlässt, um sich einem echten Kampf zu stellen, während die Ritter von Camelot des Ruhmes und der Ehre wegen an dem bevorstehenden Turnier teilnehmen werden.

Als die Tür der Halle hinter ihnen wieder geschlossen wird, sieht Arthur ihnen noch einen Moment lang hinterher, bevor er sich zu Merlin umdreht, um sich ihrem anderen Problem zu widmen.

„Ist Myror schon hier in Camelot?"

Merlin schüttelt jedoch den Kopf. „Nein. Ich habe heute Morgen nach ihm gesucht, aber er ist immer noch ein paar Meilen außerhalb des Schlosses in einem kleinen Dorf. Vielleicht braucht er mehr Zeit, um sich auf den Auftrag vorzubereiten, als Kelda angenommen hat."

Arthur nickt nachdenklich, zuckt dann aber mit den Schultern. „Also gut. Behalte ihn im Auge. Sobald er einen Fuß in die Stadt setzt, will ich, dass du dich um ihn kümmerst."

Merlin nickt grimmig. „Das werde ich."

Lancelot überprüft vor den Stallungen im Schlosshof die Schnallen am Zaumzeug seiner stämmigen Fuchsstute, die diese weitere Verzögerung gelassen über sich ergehen lässt. Sein neuer Knappe Thomas steht daneben und beobachtet mit einem besorgten Blick, wie sein Herr seine Arbeit überprüft. Lancelot sieht sich als Nächstes die Schnallen am Vorderzeug des Sattels an und macht den Riemen nach kurzem Überlegen ein Loch enger. Er wirft einen Blick zu Thomas hinüber, lächelt aber. Der Junge hat keinen Fehler gemacht.

„Das Leder ist vom Gebrauch weicher geworden, deshalb sollten wir diesen Riemen in Zukunft ein Loch enger schnallen", erklärt er geduldig und er sieht, wie der Junge erleichtert aufatmet und nickt, zum Zeichen, dass er verstanden hat.

Gwaine steht ein Stück neben ihnen und wartet darauf, dass sein eigener Knappe damit fertig wird, sein Pferd zu satteln und es aus dem Stall heraus zu bringen, damit sie sich auf den Weg zur Arena hinunter machen können und vor dem Beginn der Vorrunde noch genug Zeit haben ihre Pferde aufzuwärmen. Als Lancelot ihm einen kurzen Blick zuwirft, sieht er, wie Gwaine ihn mit einem amüsierten Lächeln ansieht und den Kopf schüttelt.

„Du bist zu nachsichtig mit dem Jungen, Lancelot."

Lancelot schnaubt amüsiert. Er weiß, dass Gwaine diese Bemerkung nicht ernst meint. Sein neuer Knappe weiß das jedoch nicht und der Junge wirft einen besorgten Blick zwischen ihm und Gwaine hin und her.

„Thomas, bitte geh und sieh nach warum Gwaines Knappe solange braucht."

Der Junge nickt und läuft in den Stall hinein, dankbar der Aufmerksamkeit der beiden Ritter entkommen zu sein.

„Hör auf, meinem Knappen Angst zu machen", sagt Lancelot mit einem tadelnden Blick.

Gwaine grinst. „Aber es macht so viel Spaß ihnen Angst zu machen. Sie bekommen diese großen runden Augen, wenn sie mich ansehen und dann fühle ich mich richtig gewichtig und erwachsen. Und wenn sie Ritter werden wollen, müssen sie irgendwann aufhören, sich wie kleine verängstigte Mädchen zu benehmen."

Lancelot schüttelt missbilligend den Kopf, kann sich aber selbst ein Grinsen nicht verkneifen. Er will gerade etwas antworten, als er eine Stimme hinter sich hört.

„Guten Morgen Sir Lancelot, Sir Gwaine."

Lancelot dreht sich um und entdeckt Guinevere, die auf sie zukommt. Mit einer hastigen Geste verbeugt er sich vor ihr, als sie vor ihm stehen bleibt.

Hinter sich hört er Gwaine amüsiert schnauben. „Ich werde gehen und nachsehen, wo unsere Knappen abgeblieben sind. Guten Morgen, Gwen."

Lancelot hört, wie sich Gwaines Schritte entfernen und Guinevere hat ein verschmitztes Grinsen auf dem Gesicht, als sie Gwaine einen Moment lang nachsieht.

Lancelot kommt sich augenblicklich seltsam vor, dass er sich vor Guinevere verbeugt hat, aber er ist fest davon überzeugt, dass Guinevere es verdient wie eine echte Lady behandelt zu werden.

„Guten Morgen, Guinevere", sagt er schließlich.

Guinevere sieht ihn mit einem liebevollen Lächeln an. Sie haben über die Wintermonate hinweg sehr viel Zeit zusammen verbracht und sind sich währenddessen Stück für Stück näher gekommen. Lancelot ist immer noch überglücklich, dass Guinevere seine Gefühle erwidert, doch mit einem Mal erinnert er sich wieder an den gestrigen Abend. Er ist zu ihrem Haus gegangen, um den Abend mit ihr zu verbringen, aber Guinevere hat sich sehr wortkarg gegeben und ihn an der Tür abgewiesen. Er ist sich jedoch sicher, dass er sich die langen Stunden im Schein des Kaminfeuers, während Camelot um sie herum im Schnee versunken ist, nicht eingebildet haben kann.

Seine Gedanken müssen sich auf seinem Gesicht widergespiegelt haben, denn Guinevere sieht kurz zu Boden und ein schuldbewusster Ausdruck tritt in ihre Augen. „Ich wollte mich für mein Verhalten gestern Abend entschuldigen, Lancelot. Es ist nur so, dass ich dich nicht erwartet hatte und…" Guinevere bricht ab und verzieht das Gesicht.

Lancelot presst die Lippen aufeinander, als er glaubt, zu begreifen, was sie ihm sagen will und nickt ernst. „Ich verstehe", sagt er knapp.

Guinevere schüttelt jedoch eilig den Kopf und tritt nach vorne, um ihm eine Hand auf den Arm zu legen. „Nein, tust du nicht. Es ist nicht so, wie du denkst. Es gibt keinen anderen. Es gibt nur dich. Ich will dich nicht anlügen, aber ich kann dir nicht sagen, warum ich dich gestern nicht reinlassen konnte."

Der Ausdruck in ihren Augen ist flehentlich und Lancelot spürt, dass sie die Wahrheit sagt. Er ist überglücklich, dass sich seine schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheitet haben und er kommt sich augenblicklich schuldig vor, dass er sie verdächtigt hat ihn zu betrügen.

Lancelot greift nach Guineveres Hand an seinem Arm und führt sie zu seinen Lippen. Er küsst sanft ihren Handrücken, während er Guinevere zärtlich ansieht. „Für mich gibt es auch nur dich und das wird immer so sein."

Guinevere lächelt glücklich und nachdem Lancelot ihre Hand wieder losgelassen hat, greift sie in die Tasche ihres Kleides nach etwas zu suchen. Sie zieht ein längliches weißes Band heraus, das an den Ecken mit filigraner Spitze und einer roten Stickerei besetzt ist und sieht Lancelot dann etwas verlegen an, als sie es hochhält. „Ich dachte, du könntest es beim Turnier tragen. Als Glücksbringer."

Lancelot nimmt das Band behutsam entgegen und ein warmes, glückliches Gefühl steigt in ihm auf, während er sich das Turnierband ansieht. „Danke, Guinevere", sagt er und befestigt es an seinem Gürtel über seinem Waffenrock, damit es während des Turniers gut sichtbar ist. „Ich werde das Turnier gewinnen. Für dich."

Guinevere lächelt liebevoll. „Es ist mir nicht wichtig, ob du gewinnst oder nicht. Ich weiß bereits, dass du der mutigste und ehrenhafteste Ritter im ganzen Land bist."

Lancelot erwidert ihr Lächeln, bevor er sich zu ihr hinunter beugt und sie sanft auf die Lippen küsst. Guinevere gibt ein zufriedenes Seufzen von sich und streckt sich ihm entgegen, während Lancelot eine Hand an ihre Wange legt. Er hätte sich in diesem Kuss verlieren können, doch das Geräusch von Hufgetrappel bringt die beiden dazu, sich allzu schnell wieder voneinander zu lösen.

Als er sich umdreht, sieht er Gwaine mit seinem Pferd und den beiden Knappen wieder aus dem Stall herauskommen und als Gwaine entdeckt, wobei er Lancelot und Guinevere gerade gestört hat, wackelt er mit den Augenbrauen.

Guinevere lässt Lancelot wieder los und tritt einen Schritt zurück. Nachdem Gwaine mit seinem Pferd am Zügel neben Lancelot stehen geblieben ist, klopft er ihm kameradschaftlich auf die Schulter.

„Komm schon, lass uns gehen. Wir müssen ein Turnier bestreiten." Dann fällt sein Blick anscheinend auf das Turnierband an Lancelots Gürtel, und er gibt ein übertriebenes Seufzen zu Besten, während er Guinevere ansieht. „Ich würde dir ja zu gerne sagen, dass Lancelot das Turnier für dich gewinnen wird, Gwen, aber das kann ich leider nicht zulassen. Er hat schließlich schon dich bekommen und er muss lernen, dass er nicht alles haben kann."

Lancelot rollt mit den Augen, aber Guinevere lacht. „Wir werden sehen, wer am Ende das Turnier gewinnt", sagt sie großmütig. „Ihr seid sehr geschickt mit Eurer Lanze, Sir Gwaine, aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass Sir Lancelot in dieser Beziehung ein wahrer Meister ist."

Sie sieht Gwaine mit einem Grinsen an, während Lancelot spürt, wie ihm die Röte ins Gesicht schießt. Dann tritt Guinevere noch einmal zu ihm, stellt sich auf die Zehenspitzen und küsst Lancelot kurz auf die Lippen, bevor sie in Richtung der großen Treppe davon geht.

Merlin steigt hinter Arthur die Holzstufen zur Tribüne hinauf, während die Fanfaren unten in der Arena ihre hellen Klänge hören lassen. Hinter Merlin folgen Uther und Lady Trudith und dahinter König Rodor und Prinzessin Mithian, sowie König Llywarch und sein Sohn Prinz Owain. Den Schluss bilden die Mitglieder von Arthurs Rat sowie einige der Ritter.

Von den hohen Stangen zu beiden Seiten der Tribüne wehen die Fahnen Camelots im hellen Sonnenschein dieses Morgens und die Arena ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Sämtliche Ritter, die an dem Turnier teilnehmen, sind bereits in ihren bunten Waffenröcken unten in der Arena versammelt. Sie stehen in einer langen Reihe nebeneinander und vor jedem von ihnen steht ein Knappe, der einen kleinen Schild mit dem Wappen der jeweiligen Familie des Ritters in den Händen hält. Die Pferde neben den Rittern scharren hin und wieder unruhig mit den Hufen oder schütteln die Köpfe, während sie darauf warten, dass es losgeht.

Merlin bleibt vor seinem Stuhl zu Arthurs Linken stehen, während alle ihre Plätze einnehmen. Uther und Lady Trudith sitzen hinter Arthur, während der Stuhl rechts neben Arthur, auf dem Morgana sitzen sollte, leer bleibt. Die Fanfaren verstummen wieder und Arthur lässt seinen Blick über die versammelten Menschen und die Ritter in der Arena wandern.

„Ritter der Reiche", beginnt er. „Willkommen in Camelot. Ihr habt lange für diesen Tag trainiert. Heute werdet ihr für Ruhm und Ehre kämpfen und ihr bekommt die Gelegenheit euer Können unter Beweis zu stellen. Doch dieses Turnier ist vor allen Dingen eine Mutprobe und es wird euren Wert als Ritter bezeugen. Denn nur der Geschickteste und Furchtloseste unter euch wird sich als Sieger erweisen. Möge das Turnier beginnen!"

Arthur sieht aus den Augenwinkeln, wie Merlin seinen Blick über die Zuschauer auf der gegenüberliegenden Tribüne wandern lässt, die gespannt verfolgen, wie sich die nächsten beiden Ritter unten in der Arena bereit machen gegeneinander anzutreten. Genau wie Merlin ist sich auch Arthur sicher, dass Myror die Vorrundenkämpfe an diesem Vormittag dazu nutzen wird, sich einen Überblick zu verschaffen und einen Plan zu entwerfen, wie er am besten an ihn herankommen könnte.

Als Merlin an diesem Morgen mit seiner Magie nach dem Auftragsmörder gesucht hat, ist Myror gerade zusammen mit den Menschen, die zur Arena geströmt sind, um das Turnier zu verfolgen, durch die Tore der Stadt gekommen.

Auf der Tribüne auf der anderen Seite der Arena kann Merlin Myror jedoch anscheinend nicht entdecken und sich jetzt auf den Rängen den Adligen neben ihnen umzusehen, wäre zu auffällig, sodass Merlin schließlich seine Aufmerksamkeit wieder auf die Ritter in der Arena richtet. Arthur tut es ihm gleich und die beiden Ritter geben in diesem Moment ihren Pferden die Sporen und preschen nach vorne.

Der Ritter auf der rechten Seite, der einen grünen Waffenrock trägt und auf einem prächtigen Schimmel sitzt, kommt aus dem Königreich Kent und macht kurzen Prozess mit seinem Gegner. Er lehnt sich geschickt zur Seite und weicht der Lanze des anderen Ritters, der im Sattel eines schwarzen Pferdes sitzt, aus, während er ihn gleichzeitig mit seiner eigenen Lanze an dessen gelb und schwarzem Schild trifft. Der Ritter auf dem Rappen wird von der Wucht des Treffers nach hinten geworfen, schafft es aber, sich auf seinem Pferd zu halten und das Tier wieder zu zügeln. Das dünne, leichte Holz der Lanzenspitze hat bei dem Aufprall, genau wie für diesen Fall konzipiert, nachgegeben und ist aufgeplatzt und geborsten, sodass der Ritter keine ernsthaften Verletzungen davontragen sollte.

Die Menge jubelt und während die beiden Ritter am einen Ende der Arena kurz verschwinden und ihre Lanzen und Pferde an ihre Knappen übergeben, betreten die nächsten beiden Ritter auf der anderen Seite bereits die Bahn.

„Der Gewinner dieser Begegnung ist Sir Richard von Canterbury!", verkündet Dagonet unten in der Arena und die Menge jubelt vor Begeisterung, als der siegreiche Ritter aus Kent nun ohne seinen Helm und sein weißes Pferd noch einmal in die Bahn kommt, um sich von der Menge feiern zu lassen.

Sir Richard ist ein Mann mittleren Alters mit schwarzen Haaren und einem schwarzen Bart an Kinn und Oberlippe und er winkt dem Publikum gemessen zu. Währenddessen hängt Dagonet eine kleine schwarze Plakette neben das rote-grüne Wappen des Ritters auf die große Tafel, die anzeigt, wer bereits einen Sieg in seiner Vorrundengruppe errungen hat.

Arthur spürt Merlins Bewusstsein an seinem, als sich die nächsten beiden Ritter in der Arena bereit machen gegeneinander anzutreten. Er spürt Merlin genau genommen immer als warme Präsenz am Rande seiner Wahrnehmung, ohne sich dessen mittlerweile noch bewusst zu sein.

Ich kann Myror nirgends entdecken, aber ich bin sicher, dass er hier irgendwo sein muss", sagt Merlin, während Dagonet in der Arena die nächsten beiden Ritter ankündigt.

Arthur denkt darüber nach, während er den Rittern unten in der Arena kurz zunickt, ohne ihre Namen jedoch wirklich gehört zu haben. Er beobachtet das Duell, um nicht respektlos zu erscheinen, aber mit seinen Gedanken ist er woanders.

Such weiter. Ich werde dich heute Abend eher vom Bankett entschuldigen, damit du dich um Myror kümmern kannst. Aber bitte sei vorsichtig."

Arthur spürt die Andeutung eines Lächelns von Merlin begleitet von einem beschwichtigenden Gefühl.

Ich verspreche dir, dass ich vorsichtig sein werden. Du musst dir keine Sorgen machen. Myror ist keine wirkliche Gefahr für mich."

Arthur will gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als Dagonets Stimme mit einem Mal an seine Ohren dringt. „Der Gewinner dieser Begegnung ist Sir William aus Deira!"

Arthur richtet seine Aufmerksamkeit schlagartig wieder auf das Geschehen in der Arena, als er diesen Namen hört.

„Was?!", entfährt es ihm ungläubig und er starrt nach unten auf den Ritter mit dem blauen Waffenrock, der mit seinem Helm unter dem Arm am Rande der Bahn steht und dem Publikum unsicher zuwinkt.

Arthur traut seinen Augen nicht, als der den Mann erkennt. „Das soll doch wohl ein Scherz sein!", sagt er leise.

Er dreht den Kopf zu Merlin und starrt ihn entgeistert an, aber Arthur hat ihn anscheinend gerade erst aus seinen Gedanken gerissen, denn Merlin erwidert seinen Blick nur verwirrt.

„Was ist los?"

Arthur will zu einer Antwort ansetzen, aber er erinnert sich gerade noch rechtzeitig daran, dass sie dieses Gespräch wohl besser nicht mit Worten führen sollten.

Dieser Kerl, Sir William aus Deira ist mit absoluter Sicherheit kein Ritter!"

Merlins Blick wandert nach unten in die Bahn und als er den Mann sieht, weiten sich seine Augen. „Moment mal, ist das nicht…?"

Ja!", antwortet Arthur. „Es ist dieser Bauer, den wir in der anderen Zeit angeheuert haben, um mich in genau diesem Turnier zu spielen, damit mich niemand anders behandeln würde, weil ich der Prinz war!"

Aber was macht er hier?", fragt Merlin verwirrt. „Er kann dieses Mal nicht tatsächlich ein Ritter sein. Oder etwa doch?"

Arthur schnaubt verächtlich, als er sich an den Mann erinnert. Erst nachdem sie ihn gründlich gewaschen und ihn in anständige Kleider gesteckt hatten, hatte er halbwegs passabel ausgesehen. Das konnte aber noch lange nichts daran ändern, dass er nicht die hellste Kerze am Kronleuchter gewesen ist. Außerdem war er nichts weiter als ein armer Bauer, den sie dafür bezahlt hatten, sich bei dem Turnier als Ritter auszugeben und den ganzen Ruhm einzustreichen, während Arthur derjenige gewesen ist, der tatsächlich im Turnier gekämpft hatte. Arthur schüttelt den Kopf, bevor er seine Überlegung mit Merlin teilt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass er tatsächlich ein Ritter sein könnte. Ich meine…", doch Arthur bricht ab, als ihm mit einem Mal eine unheilvolle Ahnung kommt. „Oh nein."

Merlin sieht ihn besorgt an. „Was ist los?"

Arthur schüttelt ungläubig den Kopf, während er kaum glauben kann, zu welcher Schlussfolgerung er gerade gekommen ist. Gleichzeitig ist er sich sicher, dass es genau so sein muss.

Morgana", sagt er und selbst seine gedankliche Stimme klingt tonlos. „Sie hat genau das Gleiche getan, wie wir damals. Es gab nie irgendwelche Serkets, die in der Nähe eines Dorfes Schafe gerissen haben. Sie, Isolde und Morgause haben das alles nur erfunden! Tristan muss eingeweiht gewesen sein und ich wette Guinevere weiß ebenfalls Bescheid. Und sie haben denselben Bauern engagiert wie wir damals, um die öffentlichen Auftritte zu übernehmen. Wahrscheinlich schlafen sie auch in Guineveres Haus, genau wie wir es getan haben!"

Du meinst, Morgana nimmt als Sir William aus Deira am Turnier teil?", fragt Merlin entgeistert und Arthur nickt den nächsten beiden Rittern in der Arena geistesabwesend zu, bevor er den Kopf zu Merlin dreht und ihn grimmig ansieht.

Ich verwette meine Krone darauf." Er schnaubt fassungslos und schüttelt den Kopf. „Ich kann es einfach nicht glauben. Wenn sie tatsächlich gewinnt, wird sie sich vermutlich allen zu erkennen geben und versuchen mich dazu zu zwingen Frauen als Ritter zuzulassen. Sie ist die Prinzessin von Camelot, was hat sie sich bloß dabei gedacht?!"

Merlin sieht ihn skeptisch an. „Aber ist sie denn so gut, dass sie tatsächlich gewinnen könnte?"

Arthur schnaubt leise. „Ja, das ist sie. Sie hat es damals als wir noch Kinder waren geschafft Leon zu überreden mit ihr im Geheimen zu trainieren, weil sie beweisen wollte, dass sie mich auch im Lanzenstechen schlagen kann. Uther war außer sich, als er es herausbekommen hat und von da an hat er dafür gesorgt, dass keiner der Ritter sich mehr von Morgana überreden lassen würde, mit ihr zu üben, sei es mit einer Lanze oder mit einem Schwert. Obwohl Ritter wie Leon oder Ector in Sachen Erfahrung weit überlegen sein sollten, war sie beim Training für das Turnier während der letzten Woche ziemlich gut. Ich hätte wissen müssen, dass sie nicht einfach klein beigeben würde, als sie zur finalen Auswahl der Ritter in die Arena geritten ist. Und jetzt nimmt sie hinter meinem Rücken am Turnier teil, um allen zu beweisen, dass sie genauso gut ist wie jeder Mann!"

Merlin wirft Arthur einen prüfenden Blick zu. „Na ja, das ist sie ja auch, oder nicht?"

Darum geht es aber nicht!", erwidert Arthur aufgebracht. „Ich habe ihr gesagt, dass ich Camelot keine weitere Veränderung in diesem Ausmaß zumuten kann. Nicht nachdem ich bereits so viel in so kurzer Zeit verändert habe."

Merlin sagt einen Moment lang nichts, bis Arthur schließlich seine Stimme wieder in seinem Kopf hört. „Und was tun wir jetzt?"

Nichts", entgegnet er mit zusammengebissenen Zähnen. „Es gibt nichts, was wir tun könnten, ohne einen Skandal zu verursachen."

Ich schätze nicht, nein", gibt Merlin nachdenklich zu und Arthur richtet seinen Blick wieder nach unten auf das Geschehen in der Arena.

Den Göttern sei Dank, dass du bereits Schutzzauber auf alle Ritter, ihre Schilde und ihre Rüstungen gelegt hast. Ich glaube zwar nicht, dass Morgana unvorsichtig genug wäre, ohne einen Schutzzauber am Turnier teilzunehmen, aber sicher ist sicher."

Soll ich die Zauber noch einmal verstärken?", bietet Merlin an.

Arthur schüttelt jedoch kaum merklich den Kopf. „Oh nein. Wenn sie getroffen wird, dann geschieht es ihr nur Recht, wenn sie ein paar Prellungen davon trägt."

Während der Vorrundenkämpfe an diesem Vormittag ist Morgana noch ein weiteres Mal an der Reihe, und zwar gegen einen Ritter aus Nemeth, den sie im ersten Lanzengang aus dem Sattel wirft. Da dieser Ritter damit bereits seinen zweiten Kampf in der Vorrunde verloren hat, stehen seine Chancen schlecht, es als Sieger seiner Gruppe in die nächste Runde zu schaffen.

In jeder der vier Vorrundengruppen sind fünf Ritter, die alle gegeneinander antreten. Sobald in der Begegnung mindestens ein Punkt erreicht wird, das heißt, sobald man einen Treffer an Kopf oder Schild landet, oder seinen Gegner aus dem Sattel wirft, gewinnt man den Kampf.

Während des Mittagessens im Schloss entbrennt eine leidenschaftliche Diskussion zwischen Arthur, Prinz Owain und König Rodor darüber, welche der Teilnehmer, die sie bereits gesehen haben, wohl die größten Aussichten darauf haben könnten, das Turnier zu gewinnen. Prinz Owain vertritt die Ansicht, dass Sir William aus Deira beachtliches Geschick an den Tag gelegt hat, auch wenn er nicht aus seinem eigenen Königreich Dyfed stammt. Arthur setzt seine Hoffnungen nach wie vor in Gwaine und Lamorak, muss aber zugeben, dass Sir William aus Deira bis jetzt zwei hervorragende Kämpfe bestritten hat.

Am Nachmittag schafft Morgana es dann mit zwei weiteren überlegen Kämpfen als Siegerin in ihrer Gruppe in die nächste Runde einzuziehen. Leon, der ebenfalls in ihrer Gruppe ist, schaffte es zwar, seinen Kampf gegen Morgana zu gewinnen, aber da er selbst zuvor bereits zwei seiner Kämpfe verloren hat, konnte Morgana mit vier Siegen die meisten Punkte erringen.

Merlin dreht den Kopf zu Arthur, während die Menge Sir William aus Deira nach seinem vierten Sieg und seinem Einzug in die nächste Runde zujubelt. „Das war sehr gut."

Arthur antwortet nicht und mustert den Bauern, der mit seinem Helm unter dem Arm am Rand der Arena steht und den Menschen auf den Tribünen zuwinkt. Er ist während der letzten Male zunehmend selbstbewusster geworden, das muss Arthur ihm lassen.

Glaubst du, dass sie das Turnier tatsächlich gewinnen könnte?", fragt Merlin nach einem Moment in Gedanken.

Wir werden sehen", antwortet Arthur vage und wendet sich dann den nächsten beiden Rittern zu, die sich in der Arena bereit machen gegeneinander anzutreten.


A/N: Odins Sohn hatte keinen Namen. Balder war laut der Wikipedia in der Edda ein Sohn des Odin.

Edric als Sohn von Rodor habe ich mir ausgedacht, damit jemand das Königreich später regieren kann.