Disclaimer: alles außer der Story gehört JKR und Takahashi-sama

Pairings: Yami/Yuugi, Harry/Draco, Seto/Joey, Ryou/Bakura/Marik, Hermine/Ron, Remus/Severus


Siegel der Schatten

31. Entdeckungen

Yuugi raufte sich die Haare und blickte frustriert auf die Häufchen zusammengeknüllter beschriebener Blätter, welche sich im Verlauf der letzten Stunde immer weiter vervielfältigt und kreisförmig um ihren kleinen Studiertisch verteilt hatten. Yami und er hatten absichtlich einen Tisch etwas abseits in der Bibliothek gewählt, denn sie hatten einen solchen Ausgang ihrer Entschlüsselungsversuche des Inneren der Kartusche befürchtet. Sie hatten die anderen Schüler in ihrer Erledigung der Hausaufgaben nicht stören und vor allem den Unmut der Bibliothekshexe nicht herausfordern wollen. Yuugi hatte aber gehofft, dass bei der Deutung des Rätsels der Kartusche irgendwann doch mal ein Erfolg eintreten würde. Stattdessen hatten sie nur immer mehr Blätter mit misslungenen Deutungen verwerfen müssen und Yuugi blickte nun demotiviert auf den ansehnlichen Haufen an sinnlosen Ideen und enttäuschenden Vermutungen, die Yami und ihn buchstäblich einkesselten.

„Wir kommen einfach nicht weiter!" Yamis dunkle Stimme klang leicht verzweifelt und Yuugi konnte nicht anders, als seine zweite Hälfte sowohl in ihre Seelenraum, als auch in echt fest zu umarmen.

Da hatten sie nun die Übersetzung des Kartuscheninneren erfolgreich angefertigt, aber die Bedeutung des Rätsels entzog sich ihnen hartnäckig. Yami und Yuugi hatten in ihrer Not sogar die Übersetzung noch mehrfach geprüft, um auch ja die richtigen Entsprechungen der ägyptischen Symbole zu finden. An einigen Stellen hatten sie die Synonyme schlussendlich als Option in der Übersetzung belassen, denn ohne die Bedeutung zu kennen, war einfach nicht klar, welches der möglichen Wörter dem Sinnzusammenhang an diesen Stellen besser entsprach. Aber das Rätsel blieb ein Rätsel. Es war klar, dass das Kartuscheninnere einen Zauberspruch enthielt, aber wie dieser Spruch einem Zauberer und hoffentlich derzeit besonders ihnen im Kampf gegen Feinde helfen sollte, begriffen der Pharao und Yuugi einfach nicht.

Yuugi rief sich noch einmal das Rätsel des Kartuschenäußeren ins Gedächtnis.

Licht und Schatten sind Teil des Lichts. Wahrheit findest du im Spiegel deiner Macht allein. Die Zeit des grauen Übergangs findest du nur durch das gemeinsame Wissen. Die Dunkelheit ist das Gefängnis des Lichts. Bis das Siegel gebrochen wird, sind beide nie getrennt.

Noch immer waren Yami und er der Meinung, dass das Licht, welches im Inneren der Kartusche – der Dunkelheit – gefangen gewesen war, im übertragenen Sinne zu verstehen war. Licht bedeutete Weisheit und Macht, aber es bedeutete für die Ägypter auch den Sieg über das Dunkle. Einige Passagen aus dem Inneren der Kartusche hatten diese Überzeugung noch verfestigt. Dort war von Licht die Rede, das aus kaltem Feuer erwachsen sollte und von machtvollen Flammen. Yami und Yuugi waren sich ziemlich sicher, dass hier mächtige Lichtmagie und Wissen um machtvolle Zaubersprüche gemeint sein musste. Da auch im Inneren der Kartusche wieder vom Spiegel der Macht gesprochen wurde, konnte nur die Magie der Zauberer gemeint sein, in deren Welt sie sich derzeit befanden. Die Kartusche war dem Vertreter dieses Zweigs der Magie von den alten Ägyptern übergeben worden – Merrat. Und nicht nur der geschichtliche Hintergrund der Kartusche selbst sprach dafür, sondern auch die ersten Textstücke des Rätsels im Inneren.

Yami und Yuugi waren sich einig, dass der Beginn des Rätsels mehr eine Art beschreibenden Begleittextes darstellte. Und hier war die Deutung relativ klar. Nach der Verbannung der Schattenmagie wurde die „Lichtmagie" als neue Form der Macht stärker und erschien von den Göttern gesandt, um die Bevölkerung zu schützen. Daher war Merrat bei seinem Besuch im alten Reich auch so ehrfürchtig behandelt und so reich beschenkt worden.

Doch ob die folgenden Passagen der Kartusche weitere Geschehnisse berichteten, eine Prophezeiung darstellten oder was davon wirklich als Hilfe gegen das immerwährende Böse dienen sollte, welches laut der Kartusche an der Grenze zum Guten entlang schlich – das blieb den beiden Rätselnden auch nach 3 Stunden voller Überlegungen in alle möglichen Richtungen verborgen.

Frustriert warf Yuugi das letzte Stück Papier auf den Tisch, welches derzeit noch mit relativ wenigen durchgestrichenen Passagen auskam. Dann ließ er den Kopf dem Papier folgen. Die Wange auf der kühlen Tischplatte abgelegt, blickte Yuugi auf ein Bücherregal direkt neben sich mit besonders verstaubten alten Buchrücken und seufzte erneut leise vor sich hin.

„Na, das sieht nicht nach einem großen Durchbruch aus!" Rons Stimme veranlasste Yuugi, den Kopf leicht anzuheben, nur um nach einer knappen Drehung die andere Wange auf der Tischplatte abzulegen. Jetzt sah er den erschöpft neben sich sitzenden Yami, wie er noch immer stirnrunzelnd einige Papiere mit teilübersetzten Passagen der Kartusche auf seiner Seite des Tisches hin und herschob. Und daneben standen drei viel zu fröhlich aussehende Gryffindorschüler und blickten mitleidig auf die beiden mutlosen jungen Männer hinab.

Yuugi antwortete nicht, aber Yami blickte nun auf und sah nacheinander Ron, Harry und Hermine an. „Die Bedeutung des alten Rätsels entzieht sich uns leider hartnäckig. Vielleicht ist die Zeit für die Entschlüsselung einfach noch nicht gekommen."

Yami so mutlos zu hören, frustrierte Yuugi noch mehr, aber er musste zugeben, dass auch er diesen Gedanken im Verlauf ihrer fruchtlosen Bemühungen in den letzten drei Stunden schon ab und an gedacht hatte. Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif, um die Weisheit der Kartusche ans Licht zu bringen. Vielleicht waren sie beide nur dazu bestimmt, die Wahrheit zu finden, nicht aber, sie zu verstehen.

Doch Hermine schüttelte knapp den Kopf. „Papperlapapp. Rätsel sind dazu da, gelöst zu werden. Vielleicht braucht ihr einfach nur ein paar frische Ideen."

Damit warf sie enthusiastisch ihre Schultasche neben den Tisch, zog sich einen Stuhl vom Nachbartisch heran und schnappte sich die teilbeschriebenen Zettel, die Yami nun vor sich abgelegt hatte. Während sich Hermine schon stirnrunzelnd in die ersten Sätze vertiefte, suchten sich auch Harry und Ron Stühle. Die bösen Blicke der Bibliothekshexe missachtend, schoben sie einen der Nachbartische unter lautem Getöse zur Seite und kurze Zeit später saßen die beiden Gryffindorschüler zwischen Yuugi und Yami.

„Dann zeigt mal her, was ihr bisher rausgefunden habt." Rons Worte ließen Hermine kurz aufblicken und sie sah ihren Freund vorwurfsvoll an.

„Ach, wenn es keine Hausaufgaben sind, entwickelst du plötzlich Elan? Wo war deine Wissbegierde vorhin bei dem Aufsatz über ‚Feyfliegen und deren Bedeutung für die Zaubertränkekunst'?"

Schuldbewusst sah Ron die Gryffindor an, fing sich aber schnell wieder und meinte achselzuckend: „Ja aber das hier könnte uns helfen, Du-weißt-schon-Wen zu besiegen und nicht nur dabei, zu verstehen, warum ein Warzenheiltrank unbedingt von grün nach blau umschlagen muss, bevor er wirksam wird."

Harry kicherte leicht, als er Hermines überraschten Blick sah, den sie mit einem schnellen Blick zurück auf die Papiere in ihrer Hand zu verstecken suchte. Mittlerweile sollte es die braunhaarige Gryffindor nicht mehr so maßlos überraschen, wenn Ron so wie eben beiläufig bewies, dass er ihren Ausführungen tatsächlich sehr aufmerksam zugehört hatte.

Auch Yuugi schien von Rons Arbeitswillen angesteckt worden zu sein, denn er hob den Kopf wieder vom Tisch, streckte seinen schmerzenden Rücken kurz und hob dann das Papier auf, welches er bei Harrys, Hermines und Rons Ankunft hatte fallen lassen.

„Hier. Das ist eine grobe Übersetzung des Kartuscheninneren. Wir wissen nur leider nicht genau, wo da der Zauberspruch gegen Voldemort versteckt ist." Damit reichte der junge Japaner Harry das Schriftstück, da dieser direkt neben ihm saß und dieser besah sich die Zeilen interessiert. Nur um Sekunden später den jungen Mann mit den dreifarbigen Haaren verwirrt anzusehen.

Yuugi seufzte angesichts des fragenden Blicks wieder frustriert und meinte dann zerknirscht: „Ja ich weiß. An einigen Stellen sind wir uns nicht mal sicher, ob wir die richtige Übersetzung getroffen haben. Es ist so unklar, ob wir hier NUR einen alten Bericht mit ein bisschen aufgepepptem Mumpitz und einem Abrakadabra-Schaueffekt drin haben, oder einen echten Zauberspruch. Yami vermutet, es könnte sich vielleicht sogar um einen Code handeln, für den wir einen Lösungsschlüssel brauchen …was?"

Yuugi stockte, als Yami sich vorbeugte, seinen Geliebten sanft lächelnd anblickte und dessen gestikulierende Hände sanft auf die Tischplatte zurückdrückte.

„Aibou. Harry hat das Rätsel doch noch gar nicht lesen können. Jetzt überfall ihn doch nicht gleich so."

Verlegen blickte Yuugi von Yami zurück zu dem noch immer fragend drein blickenden Harry. Dieser nutzte die Pause in Yuugis Redefluss nun entsprechend und hielt das Blatt hoch, welches Yuugi ihm zuvor gegeben hatte. „Bevor ich das lesen kann, müsstet ihr mir erst mal sagen, welche Sprache das ist."

Nun wurde Harry sowohl von den beiden Schattenmagiern, als auch von Hermine und Ron verwirrt angesehen und der Gryffindor konnte nur verlegen mit den Schultern zucken. „Also dass das hier kein Ägyptisch mit den seltsamen Bildersymbolen ist, das kann ich sehen – aber ich kenne die Sprache trotzdem nicht, und daher kann ich auch keinen Übersetzungszauber nutzen."

Nach diesen Worten ließ Yuugi den Kopf wieder laut vernehmlich auf den Tisch fallen, gefolgt von einem leisen „Au!" und Yami lächelte ebenfalls verlegen. „Entschuldige, Harry. Über all das Rätselraten haben wir ganz vergessen, wo wir hier sind. Durch den Übersetzungszauber des Schulleiters bei dem Ritual benutzen wir zwar in der Sprache ganz natürlich euer Englisch, aber genau deshalb haben wir gar nicht darüber nachgedacht, als wir ganz automatisch die Übersetzung ins Japanische durchführten. Durch den Sprachzauber sind die Grenzen der Sprachen irgendwie abhanden gekommen und wir haben den Unterschied gar nicht bemerkt."

Hermine nickte verstehend und Harry wunderte es auch nicht, dass die junge Frau das Japanisch problemlos hatte lesen können, Wahrscheinlich hatte sie schon eine Stunde nach Bekanntwerden der Herkunft von Yuugi Mutô und Yami Atemu einen Schnelllernzauber für Japanisch und Ägyptisch auf sich angewandt. Was Harry mehr verwunderte, war, dass auch Ron kein Problem damit zu haben schien, die Notizen ihrer beiden Geschichtslehrer zu lesen.

Der rothaarige Gryffindor blickte Harry etwas verlegen an, als dieser ihn darauf ansprach: „Als wir damals in Ägypten waren, fand ich es total spannend, diese fremde Sprache zu sehen und zu lernen. Ich hab damals gemerkt, dass ich fremde Sprachen generell ziemlich spannend finde. Nachdem Fleur…", Rons Blick ging hastig zu Hermine und schnell wieder zurück zu dem staunenden Harry, „Ich meine, als uns die Schülerinnen von Beauxbaton vorletztes Jahr besucht haben, habe ich Französisch und auch ein bisschen Russisch gelernt. Und als Yuugis Name auf der Karte in Japanisch erschien, dachte ich mir, das wäre doch mal eine interessante Sprache mit ganz anderem Alphabet."

Verlegen versenkte der rothaarige Gryffindor sich wieder in die Lektüre der Übersetzung des Kartuscheninneren, die Harry noch immer in der Hand hielt. Dieser konnte seinen besten Freund nur weiterhin staunend ansehen und fragte sich, was er denn noch so alles nicht über Ron wusste. Doch dann wurde Harry aus seinen Gedanken gerissen, als Hermine ihren Zauberstab zückte und knapp und präzise einen Sprachzauber auf ihn anwandte. Als der junge Mann nun wieder auf das Blatt in seiner Hand hinabblickte, konnte er tatsächlich die verschlungenen Schriftzeichen lesen und deren Bedeutung verstehen.

Minutenlang sprach keiner der Anwesenden ein Wort. Yuugi und Yami dachten darüber nach, wie praktisch Sprachzauber doch waren, obwohl sie dennoch das gute alte Lernen einer Sprache bevorzugten, denn dadurch lernte man die Besonderheiten und Eigenheiten einer Sprache vermutlich doch besser, als in diesem Schnellverfahren. Währenddessen lasen Harry, Hermine und Ron interessiert die Übersetzung, die die beiden Schattenmagier vom Inneren der Kartusche angefertigt hatten. Schon nach den ersten Sätzen wurde Harry klar, dass eine Übersetzung aus der Hieroglyphensprache in die komplexe Sprache der Japaner mit ihren drei Schriftsystemen Kanji, Hiragana und Katakana die Entschlüsselung des Rätsels eher erschweren musste, als vereinfachte.

Als er dies ansprach, stimmten ihm Hermine und Ron vorbehaltlos zu und Yami und Yuugi konnten sich nur verblüfft ansehen. Konnte die Erklärung für ihr dreistündiges Problem so einfach sein? Die Übersetzung ins Japanische war besonders Yuugi völlig natürlich erschienen, denn Japanisch war und blieb seine Muttersprache. Aber unter diesem neuen Gesichtspunkt betrachtet – vielleicht war ihnen die Deutung deswegen eher noch schwerer gefallen, weil eben eine Übersetzung im Japanischen immer Kanji mit seinen eigenen verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten beinhaltete. Bei einigen Hieroglyphen hatten sich aufgrund der verschiedenen Deutungsmöglichkeiten auch mehrere Kanji angeboten und so waren Yuugi und Yami teils auf sehr unterschiedliche Übersetzungen gekommen – was als Beweis noch immer in Form der zusammengeknüllten Papierhäufchen um sie her am Boden lag.

Nachdem dieses Problem nun aber einmal ausgesprochen war, gingen die fünf Zauberer nun daran, gemeinsam eine neue Übersetzung anzufertigen. Dazu sprach Hermine den Sprachzauber erneut auf Harry, diesmal jedoch mit dem Lerninhalt für Hieroglyphen. Und basierend auf dem Hieroglyphentext der Kartusche, Yamis und Yuugis Wissen über die altägyptische Sprache und deren Besonderheiten sowie der japanischen Übersetzung entstand so innerhalb der nächsten Stunde eine Übersetzung mit weit weniger Synonymen und Zweideutigkeiten in englischer Sprache.

##Das Siegel der Schatten verbannte das Böse in die graue Dunkelheit (Finsternis), auf dass Licht in die Herzen der Gläubigen zurückkehrte. Die Götter trauerten um die Flamme der Macht, die ihr kaltes vernichtendes Feuer nie wieder auf Erden werfen konnte, ohne die Dunkelheit zu befreien. Die warme Flamme der Unschuld und Gerechtigkeit (Redlichkeit) wurde den Gläubigen von den Göttern als Entschädigung für ihr Opfer gegeben. Dieses warme Licht (Weisheit/Wissen) brannte so hell und klar, wie das kalte Feuer im Angesicht der Dunkelheit gebrannt hatte. Die Orakel weissagten eine Zeit, in der das Böse an den Grenzen zum Licht (Guten) entlang schleichen würde. Sie prophezeiten, dass die Dunkelheit in die Welt zurückkehren würde. Wissen (Licht) würde die Schatten überstrahlen und doch die Dunkelheit nicht verbergen (besiegen) können. Das Böse würde den Weg aus der Dunkelheit finden, wenn das Siegel der Schatten nicht mit der Wärme der Unschuld vereint werden würde. So gaben die Götter den Gläubigen Worte der Wiedergeburt, um die Macht (Wärme) der Gerechtigkeit und die Kraft (Kälte) der Pflicht auferstehen zu lassen. Die Worte versprachen eine Fusion (Verbindung) ohne Vereinigung (Verbindung).

Flamme der Macht, leuchte getrennt (abseits). Brenne im Gleichklang, wirf Schatten geteilt. Oh kaltes Feuer, erwachse aus Dunkelheit. Oh warme Flamme, werde geboren aus Licht. Vereinigte (Verbundene) Macht (Magie) weise den Weg in die Ewigkeit. Licht, bedecke den Schatten; Schatten, erglühe im Licht.

Doch die Gläubigen verloren die Kraft der Stimme und fürchteten die Rückkehr des Bösen (Dunkelheit/Schatten/Finsternis). So suchten die Wissenden einen Weg, die Worte der Wiedergeburt zu bewahren, auf dass sie gesprochen werden konnten, wenn die Zeit der Prophezeiung gekommen ward. Die Wissenden prophezeiten die Rückkehr der Kraft der Stimme durch den Spiegel der Macht. Die Gläubigen gelobten, den Spiegel zu suchen, auf dass er ihnen ihre Flamme rettete, um so ihre große Zukunft zu sichern und das Böse in der grauen Unterwelt zu halten.##

Nachdem die Übersetzung im Englischen nun zu Papier gebracht wurde, blickten sich die fünf Minutenlang erschöpft aber zufrieden an und hingen ihren Gedanken nach.

Doch dann seufzte Yuugi erneut verzweifelt auf und warf das Papier wie zuvor in die Mitte des Tisches.

„Jetzt sind zwar die Sätze weit klarer. Und man erkennt sogar, wo der Bericht beginnt, der Zauberspruch anfängt und wo die Prophezeiung losgeht. Aber das hilft uns im Kampf gegen Voldemort immer noch nicht wirklich."

Yami konnte seinem Geliebten nur zustimmen: „Ja, es ist immer noch klar, dass der Zauber durch eure Magie gesprochen werden muss – den Spiegel der ägyptischen Schattenmagie, die damals zu meiner Zeit aus der Welt des Volkes von Kemet verschwunden ist. Aber wie soll dieses Wissen aussehen, das das Böse vernichtet? Wie soll dieser mächtige Zauber heraufbeschworen werden, mit dem Voldemort vernichtet wird."

Harry blickte Yami und Yuugi nachdenklich an und überlegte, ob nur er den Fehler in ihren Überlegungen sah. Doch Hermines Worte bestätigten ihm, dass seine Freundin in den gleichen Bahnen dachte wie er: „Woher wollten die Ägypter von damals überhaupt von Du-weißt-schon-Wem gewusst haben?"

Als Ron und Harry zustimmend nickten, sahen sich Yami und Yuugi verblüfft an. Das war ein Gedanke, der ihnen nie gekommen war. Allein die Tatsache, dass sie die Kartusche hier in Hogwarts gefunden hatten – einem Ort, wo alles mit dem Kampf gegen Voldemort zusammenhing – hatte die beiden jungen Männer gar nicht daran zweifeln lassen, dass hier eine Hilfe gegen den aktuellen Feind aufgetaucht sein musste. All ihre bisherigen Kämpfe hatten ihnen bewiesen, dass magische Gegenstände, oder Wissen um diese, niemals zufällig auftauchten, sondern immer im rechten Moment, um ihnen den Sieg über ihre Gegner zu ermöglichen. Und nun sollte die Kartusche nur Wissen enthalten, welches nichts mit ihrer derzeitigen Situation zu tun hatte?

Harry schien Yamis und Yuugis Gedankengänge zu erahnen, denn er stimmte Hermine nun zu: „Der Beginn der Kartusche ist eindeutig. Besonders nach eurer heutigen Stunde in Geschichte der Zauberei kann man das nicht missverstehen. Hier wird eindeutig von der Verbannung des Schattenreiches und des Bösen – vermutlich in Form von Zorg – gesprochen. Die kalte Flamme, die verschwunden ist, ist eure Schattenmagie. Und vermutlich ist die von den Göttern geschenkte neue, warme Flamme unsere Magie. Aber alles danach ist nur eine Prophezeiung. Die Prophezeiung eines Bösen, das versucht, zurück in diese Welt zu kommen, könnte genauso wahrscheinlich die Rückkehr von Zorg, die Auferstehung Grindelwalds, den ersten Weltkrieg der Muggel, eine Katastrophe in Form der Pest oder der biblischen Sintflut oder die Existenz von Voldemort bedeuten. Alles ist gleich wahrscheinlich und gleich unwahrscheinlich. Und glaubt mir, mit Zukunftsprophezeiungen kenne ich mich ein wenig aus. Die sind zum Zeitpunkt der Weissagung niemals eindeutig und ergeben manchmal nicht mal zum Zeitpunkt des Eintretens wirklich Sinn."

Harry dachte kurz an seine eigenen Erfahrungen mit den Prophezeiungen von Professor Trelawney. Die eine, die er direkt von ihr gehört hatte, in seinem dritten Jahr, hatte am Ende des ganzen Zeitreisewirrwars irgendwo Sinn ergeben. Die andere, ältere Prophezeiung war erst dadurch zu einer Vorhersage geworden die Harry betraf, weil Voldemorts Taten sie hatte wahr werden lassen. Hier war Bedeutung und Vorsehung während des tatsächlichen prophetischen Akts noch völlig unklar gewesen. Selbst jetzt war Harry noch nicht sicher, ob er das mit dem „denn keiner kann leben, während der andere überlebt" völlig richtig interpretierte oder ob nur sein Wunschdenken ihm die Hoffnung gab, dass dies wirklich bedeutete, dass er Chancen hatte, Voldemort wirklich selbst töten zu können.

„Ich frage euch also, woher wollten die Ägypter von damals unser Problem von jetzt kennen? Vielleicht hat wirklich ein Seher etwas Böses auferstehen sehen. Und vielleicht ruft der Zauberspruch tatsächlich zwei Feuer hervor, die das Böse verbrennen, in welcher Form auch immer. Aber dieser nebulöse Zauber ist so ähnlich, wie der Zauberspruch von Aurora Sky letzten Herbst. Vielversprechend, aber nicht praktikabel. Und wir haben doch mit unseren Magieversuchen schon wesentlich durchschlagendere Erfolge erzielt, um die von euch gestohlenen Monster wirkungsvoll bekämpfen zu können. Wenn wir an diesem Ansatz weiter arbeiten, dann haben wir eine echte Chance. Weit mehr, als mit diesem ägyptischen Zauberspruch, der schon Jahrhunderte veraltet oder erst in Jahrzehnten sinnvoll sein könnte."

Harrys Stimme war zum Ende immer eindringlicher geworden und Yuugi erinnerte sich eindrücklich, an Dracos Bericht über die Geschehnisse vor einem Jahr, als Dumbledore mithilfe einer nur halb ausgeklügelten Zauberformel Voldemort hatte besiegen wollen.

Yami sah Harry ernst an und wagte einen Widerspruch: „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass nichts ohne Bedeutung geschieht. Und die Tatsache, dass wir diese Kartusche gerade jetzt gefunden haben und als einzige öffnen konnten, während mehrere eurer Zauberer über die Jahre hinweg dies nicht konnten, lässt für mich nur den Schluss zu, dass das Rätsel wichtig ist." Als Harry schon protestieren wollte, hoben sowohl Hermine, als auch Yami beschwichtigend die Hände.

„Ich sage nicht, dass du Unrecht hast. Und da wir bei der Entschlüsselung der Bedeutung des Rätsels nicht weiter gekommen sind, obwohl wir nun eine wirklich brauchbare Übersetzung hinbekommen haben, stimme ich dir zu, dass wir uns auf dieses Rätsel nicht versteifen können und sollten. Unsere Priorität muss in dem liegen, was wir verstehen. Und das ist für Yuugi und mich unsere Schattenmagie und unsere Monster und für euch eure eigene Magie."

Yuugi wusste worauf sein Geliebter hinaus wollte und fuhr bei dessen Zögern nun fort: „Aber dennoch sollten wir das Rätsel nicht vergessen. Vielleicht haben wir wirklich noch nicht den Zeitpunkt erreicht, wo sich die Bedeutung offenbart. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Rätsel entschlüsseln werden, wenn die Zeit reif ist."

Hermine sah noch immer so aus, als wolle sie etwas hinzufügen, doch plötzlich wurden die fünf wirkungsvoll unterbrochen, als ein sehr aufgekratzter und absolut mit sich und der Welt zufrieden aussehender Joey in die Bibliothek platzte und ungeachtet der vorwurfsvollen Blicke der grauhaarigen Bibliothekshexe durch die Tischreihen auf die fünf zu gerannt kam.

„Ihr glaubt nicht, was ich gefunden hab!"


Joey blieb etwas atemlos neben Yuugi stehen, streifte mit einem verwunderten Blick die Papierhäufchen, schien aber beschlossen zu haben, dass seine Neuigkeit wichtiger als seine Neugierde war und setzte seinem initialen Statement grinsend hinterher:

„Das glaubt ihr mir ja doch nicht, wenn ihr es nicht selbst seht. Ich bin durch eure Magie ja schon viel gewohnt, aber der Raum hat mich echt verblüfft. Yuugi, Alter, komm mal mit, das muss ich dir unbedingt zeigen."

Als weder Yuugi, Yami oder die drei Gryffindors sofort Anstalten machten, Joey zu folgen, stemmte der Blonde die Hände in die Hüften und blickte vorwurfsvoll auf seinen besten Freund herab.

„Du siehst aus, als wärst du schon seit Wochen hier in der verstaubten Bibliothek an den Tisch gefesselt. Du brauchst mal Spaß! Und ich habe genau die richtige Medizin. Kommt schon Yuugi, Pharao!" Ohne weiter auf die beiden zu achten, lief Joey schon aus der Bibliothek und Yuugi konnte seinen Geliebten und auch die drei Siebtklässler nur verwirrt anschauen. Doch ihm war auch nicht entgangen, dass Joey in seiner unnachahmlich saloppen Art direkt erkannt hatte, dass Yuugi und sein Aibou mit ihren Arbeiten scheinbar an einem toten Punkt angekommen waren. Joey nahm sonst immer Rücksicht, wenn sie an einem spannenden und teils auch wichtigen Rätsel mit Potential zur Weltrettung saßen. Und auch wenn die Kartusche nicht neben den beschriebenen Blättern auf dem Tisch lag, wusste der junge Mann doch, was sich seine beiden Freunde für diesen Abend in der Bibliothek als Aufgabe gesetzt hatten. Normalerweise unterbrach Joey sie bei solchen Aufgaben nicht.

Dass er nun scheinbar wie selbstverständlich erwartete, dass Yuugi und Yami ihm folgen und ihre Studien abbrechen würden, deutete an, dass Joeys Entdeckung wirklich außergewöhnlich war und dass Yuugi und der Pharao wirklich so abgespannt aussahen, wie sie sich nach 4 Stunden nur mäßig erfolgreicher Rätselei fühlten.

Yami und Hermine schienen zu dem gleichen Schluss gekommen zu sein, denn die beiden sammelten die wichtigen Zettel mit der finalen Übersetzung in Japanisch und Englisch ein und Yami verstaute sie in den Schatten. Dann zauberte Hermine den restlichen Papiermüll über einen an der Wand stehenden Papierkorb und ließ durch einen zweiten Spruch die zerknüllten Seiten als winzige Papierschneeflocken in den Korb regnen. Zum einen war der Grund wohl die Verminderung der Abfallmenge, doch Hermines schneller Blick zu den anderen Bibliothekstischen zeigte Yuugi und Yami auch, dass sich die Schüler ebenfalls der Gefahr potentieller Spione in Hogwarts bewusst waren. Harry und Ron räumten derweil manuell ihre Stühle wieder an die richtige Stelle, warfen aber ebenfalls einen sichernden Blick umher, um sich zu vergewissern, dass niemand einen verräterischen Papierrest übersehen hatte. Als alle mit ihren Aufräumarbeiten zufrieden schienen, warf Hermine Yuugi und Yami noch einmal einen nachdenklich Blick zu, schien dann aber zu dem Schluss zu kommen, dass weitere Kommentare die Übersetzung betreffend auch bis zum nächsten Tag warten konnten. Yuugi war kurz versucht, nachzufragen, doch da steckte Joey an der anderen Seite der Bibliothek den Kopf durch die geöffnete Tür und rief halblaut: „Kommt schon, das wird spaßig!"

Leise gezischte „Psst!"-Laute waren die Folge aus allen Ecken des Saales, doch Joeys Kopf war schon wieder verschwunden und die vier jungen Männer und die junge Gryffindorzauberin beeilten sich, die Bibliothek nun endlich leise zu verlassen, bevor die entrüstete Bibliothekshexe ganz um ihren Tisch herumlaufen und sie doch noch magisch rauswerfen konnte.

Joey stand ungeduldig schon am anderen Ende des Ganges und grinste noch immer breit. Nun wurde Yuugi doch neugierig, was sein Freund da entdeckt hatte und er zog Yami enthusiastisch hinter sich her. Der Pharao konnte nur lachend den Kopf schütteln, bevor er mit Yuugi zusammen einen kurzen Spurt einlegte, um Joey zu erreichen. Als auch die drei Gryffindors aufgeschlossen hatten, führte Joey sie durch das Schloss zu seinem Ziel. Dieses befand sich drei Etagen und zwei sich bewegende Treppen weiter oben im siebten Stock. Auf dem Weg erzählte Joey, noch immer freudestrahlend, wie er von einer Horde Slytherins aus mehreren Altersstufen eine Stunde zuvor durch das Schloss verfolgt worden war. Yuugi wollte schon einen besorgten Kommentar abgeben, doch angesichts Joeys zufriedenen Grinsens verkniff sich der Japaner das. Seto hatte seinen Freund mit einigen magischen Hilfsmitteln ausgestattet, die Joey halfen, sich auch gegen einigermaßen erfahrene Magier für einige Minuten zur Wehr zu setzen. Lang genug, dass er Seto oder auch Yuugi oder Marik per Hilfsmittel in den Schatten rufen und um Hilfe bitten konnte. Dies war nicht geschehen und Yami bestätigte Yuugi in Gedanken, dass Joeys Schutzkarten und Schutzzauber alle noch vorhanden und intakt waren. Joey musste einen anderen Weg gefunden haben, die Slytherins wirkungsvoll zu bekämpfen und nun war Yuugi erst recht gespannt, wie.

Joey erzählte begeistert und bereitwillig, wie er die Slytherins mit Rauchbomben, Blendgranaten, Glibberschleim und monsterähnlichen Kreaturen besiegt hatte und Yuugi sah daraufhin Harry und seine beiden Freunde an.

„Das klingt wie Artikel aus Fred und Georges Laden!"

Harry bestätigte das: „Ja, einige der Sachen, die die beiden erfunden haben, habe ich selbst schon erfolgreich gegen Slytherins und Todesser angewendet. Für manche ihrer Erfindungen wäre ein Waffenschein nicht verkehrt. Und manches ist effektiver als viele Zauber, die ich von den Professoren oder Todessern gesehen habe."

„Ja, aber es gibt in Hogwarts ein Verbot, solche Artikel aus dem Scherzartikelladen zu verkaufen. Dumbledore hat das zu Recht erlassen, denn einiges ist wirklich gefährlich." Hermine sah besorgt aus und übersah die verlegenen Blicke von Harry und Ron hinter ihrem Rücken geflissentlich. Yuugi grinste leicht in sich hinein, als er diese Blicke sah: Da hatte wohl der eine und der andere ein heimliches Depot, was er vor der besten Freundin verborgen wissen wollte!

Joey meinte leichthin, ohne die Bedenken der Gryffindor zu bemerken: „In dem Raum gab es Tonnen von dem Zeug. Alles schön säuberlich beschriftet, damit sich jeder sofort zu Recht findet. Das war auch ziemlich praktisch. Ich hatte ja nicht wirklich Zeit, ne Bedienungsanleitung zu lesen. Wir sind gleich da."

Als sie in den nächsten Gang einbogen dämmerte Harry plötzlich, wo Joey sie hinführte und er lachte leise auf. Auch Hermine und Ron sahen sich bezeichnend an. Sie alle hatten den Gang erkannt, in dem sich der Raum der Wünsche befand. Die Zauberer bemerkten schon von weitem, dass sie sich dem Ort des Geschehens näherten, denn der bekannte Schwefelgeruch, der von Fred mit Genuss einigen seiner Werke beigemischt wurde, lag noch immer übelriechend in der Luft. Yami und Yuugi rümpften die Nase und Yami legte eilig die Hand auf das Deck an seiner Seite. Als es golden aufleuchtete, tauchte plötzlich ein kleiner Wirbelsturm auf und fegte den üblen Geruch aus dem Gang durch ein sich von Geisterhand öffnendes Fenster hinaus. Alle atmeten erleichtert auf und stiegen dann beeindruckt aber ohne Rücksicht über die am Boden liegenden Slytherins, die direkt an der Wand gegenüber des Eingangs zum Raum der Wünsche lagen. Yuugi und Ron pfiffen leicht durch die Zähne, als sie sich das Ausmaß des Kampfes besahen.

„Nicht schlecht, Mann. Wie viele Slytherins sind das? Sieben? Acht?" Ron zählte noch mal und grinste Joey an. Dieser nickte zufrieden.

„Zwei oder drei haben es geschafft, trotz ihrer Warzen wegzulaufen. Sah lustig aus, wie sie gegen die Wände geprallt sind, weil sie nicht mehr richtig gesehen haben."

Dann wandte sich Joey hoffnungsvoll an Yami: „Pharao, wenn ich eine Wagenladung davon mitnehmen könnte, dann wäre ich euch beim Endkampf eine echte Hilfe. Bitte denk drüber nach."

Doch der Japaner musste nicht erst Yamis Kopfschütteln sehen, um enttäuscht den Kopf hängen zu lassen.

„Seto würde mir nie verzeihen, wenn ich dein Leben so leichtfertig riskieren würde und das weißt du, Joey. Diese Tricks mögen dir hier geholfen haben, aber gegen die Todesser - gegen ausgebildete Zauberer - kommst du damit allein nicht an. Joey, es tut mir leid, aber du wirst diesmal nicht mit kommen können."

Yuugi nickte zu den Worten seiner anderen Hälfte zustimmend und legte Joey dann die Hand tröstend auf den Arm. Doch dieser fing sich schon wieder. Er hatte wohl selbst nicht wirklich damit gerechnet, dass Yami seinem Flehen nachgeben würde. Dennoch war Joey noch immer stolz auf seine vergangene Schlacht und so erzählte er anschaulich und an dem am Boden liegenden Beispiel, welches Wurfgeschoss er aus dem Raum in welcher Reihenfolge auf die Slytherins geworfen hatte. Yami und Yuugi gaben die erwarteten Begeisterungslaute von sich und auch Harry und Ron lachten amüsiert auf, so dass Joey ohne Probleme wieder zu seinem gut gelaunten Selbst fand. Yuugi und Yami hatten mittlerweile ebenfalls den Raum erkannt, den sie selbst schon einige Wochen zuvor benutzt hatten – wenn auch mit anderer Ausstattung. Harry setzte gerade an, Joey und den Schattenmagiern zu erklären, was genau es mit dem Raum auf sich hatte, als ein Rumoren aus der halb geöffneten Tür erklang.

Die jungen Leute sahen Joey fragend an und dieser lachte spitzbübisch.

„Oh, Marik kam vorbei, als ich gerade den letzten Slytherin zu Boden geschickt hatte. Er bewunderte mein Handwerk ebenso, wie ihr gerade und dann wollte er auf Entdeckungsreise gehen. Er ist vermutlich gerade dabei, das Lager zu plündern und die Hälfte des Raumes durch die Schatten in seine persönlichen Grabräume auszulagern. Der Grabräuber wird sich demnächst warm anziehen müssen."

Yuugi schauderte plötzlich. „Na toll, dann müssen wir in nächster Zeit ja ständig mit Nasenklammern rumlaufen, um den fürchterlichen Gestank ertragen zu können."

Joey grinste erneut und öffnete die Tür zu dem Raum zur Gänze, so dass seine beiden Freunde das Wunder erblicken konnten. Eigentlich sah der Raum recht unspektakulär aus. Regale über Regale liefen an der Wand entlang und schienen sich relativ weit fort zu setzen. Weiter jedenfalls, als der Raum, bemessen an seiner Position innerhalb Hogwarts, hätte groß sein dürfen. In den Regalen standen in Reih und Glied Holzkisten mit verschiedensten Aufschriften. Doch nahe der Tür waren dutzende Kisten aus dem Regal auf den Boden gehoben und geöffnet worden. Der Inhalt lag vor den Kisten breit verstreut herum und sah aus wie eine wilde Mischung aus Feuerwerkssortiment verschiedenster Jahrhunderte und Kulturen, dem Inhalt einer ganzen Parfümeriemanufaktur mit schlechtem Farbgeschmack sowie einem seltsamen Sportgeschäft, welches scheinbar nur Schläger- und Keulenvariationen führte. Und mitten drin stand ein begeisterter Grabwächter und schien gar nicht zu wissen, welche Kiste er als nächstes öffnen sollte.

Harry blickte über Yuugis Schulter und meinte dann: „Das erklärt, wieso der Raum noch da ist. Der Raum der Wünsche taucht nur auf, wenn jemand davor einen starken Wunsch für einen bestimmten Raum hat. Wenn mehr als eine Person davor stehen und sich verschiedene Sachen wünschen, taucht er nicht auf. Und sobald die letzte Person den Raum wieder verlässt, verschwindet der Zugang auch wieder. Ich hatte mich schon gefragt, ob Joey uns den Raum wirklich würde zeigen können. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass ist ein Portal zu Freds und Georges Lagerhallen."

Bei Harrys Worten drehte sich Marik plötzlich um, steckte sich eine Rauchbombe achtlos in die Manteltasche und kam dann mit einem seltsamen Funkeln in den Augen auf den Eingang zu.

„Sag das noch mal. Der Raum wird zu dem, was man sich wünscht?"

Harry nickte. „Man muss draußen stehen, keiner darf sich drin befinden und dann muss man sich drauf konzentrieren. Das witzige ist, dass die meisten Professoren zwar sicherlich schon mal in dem Raum waren, immerhin ist Dumbledores Büro nicht weit von hier. Aber die wenigsten kennen sein Geheimnis. Braucht man ein Klo, wird es ein Klo. Braucht man ein Versteck oder eine Waffenkammer…" Harry sprach nicht weiter, sondern zeigte nur auf den momentanen Zustand des Raumes.

Doch da wurden sie allesamt von Marik aus der Tür geschoben und der Grabwächter warf die Tür mit Schwung zu.

„Tretet mal alle ein bisschen zurück. Ich brauch dringend einen bestimmten Raum!" Sein diabolisches Grinsen passte jedoch nicht zu Harrys Vermutung, dass die Erwähnung eines Klos den Ägypter an ein bestimmtes Bedürfnis erinnert hatte. Verwirrt blickten sich Harry, Ron und Hermine an und auch Joey, Yami und Yuugi schienen nicht genau zu wissen, was in dem Kopf des Schattenmagiers vorging. Nach wenigen Sekunden flackerte die Tür kurz auf und Mariks Gesicht erhellte sich. Er schien die Veränderung innerhalb des Raumes spüren zu können, ging eilig auf die Tür zu und öffnete sie ein kleines Stück. Die anderen konnten nicht sehen, was sich in dem Raum befand, denn Marik schloss die Tür sogleich wieder, ließ sie aber nicht ganz einrasten. Dann drehte er sich mit einem seligen Lächeln um und Yuugi konnte sich einer dumpfen Ahnung nicht erwehren. Augenblicke später spürten er und Yami, wie Marik Bakura über die Schatten zu sich rief. Yuugi runzelte leicht die Stirn und fragte dann:

„Wo steckt der Grabräuber eigentlich?"

Marik lächelte fröhlich: „Oh, der wollte die Geheimgänge erkunden. Vor dem Mittag hatte er schon vier untersucht. Die restlichen drei wollte er nach der letzten Unterrichtsstunde auskundschaften. Er hofft immer noch, dass er einen mit einem Goldschatz am Ende findet. Woran manch einer halt so Freude hat." Mariks Blick schweifte über die noch immer bewusstlosen Slytherin und dann warf er einen anerkennenden Blick zu Joey.

„Das hier hätte ihm allerdings auch gefallen." Joey wurde ein wenig verlegen, denn er erntete selten bis nie Lob von Marik oder Bakura. Er wurde noch mehr überrascht, als genau dieser Grabräuber mit beschwingten Schritten um die Ecke bog und nach einem knappen Blick auf die Szene im Gang ebenfalls eine Augenbraue anerkennend nach oben zog. Lob aus zwei Richtungen, das war ja beinahe nicht zu ertragen!

Dann wandte sich Marik mit einer lockenden Stimme, die Harry und die beiden anderen Gryffindors verwundert aufblicken ließen an den Neuankömmling: „Oh, Bakulein. Ich hab was gefunden, was dich und Ryou bestimmt interessieren wird."

Marik klimperte sogar ein wenig mit den Wimpern und jetzt wurde Harry doch wirklich neugierig, welchen Raum sich Marik da gewünscht hatte. Der Grabwächter blickte seinen Partner arrogant an und ließ mit keiner Regung erkennen, ob ihn dessen Flirtversuch irgendwie bewegte. Aber als Marik die Hand auf die Türklinke legte, trat der weißhaarige Mann sofort näher und betrat noch vor dem anderen den Raum. Marik grinste zufrieden und doch ein wenig heimtückisch und Harry konnte endlich einen Blick auf den Raum werfen, als Marik hinter dem Grabräuber durch die Tür schlüpfte und bevor dieser die Tür dann mit einem heftigen Schlag hinter sich wieder zu warf.

Harry blinzelte kurz und drehte sich dann perplex zu Yami, Yuugi und Joey um. Yamis Blick war unergründlich, aber Yuugi blickte etwas verlegen drein und Joey grinste breit und genüsslich. Der Muggel war es dann auch, der zwei Schritte zu Harry ging, diesem versöhnlich auf die Schulter klopfte und fragte: "Lass mich raten: Leder und Ketten?"

Harry nickte perplex und sah hilflos zu Yuugi, der verlegen die Schultern hob. Der Raum, den Harry in diesem kurzen Augenblick gesehen hatte, war in tiefstes Rot getaucht gewesen. Die Wände hatten aus rohem Stein bestanden und waren mit Ketten, eisernen Handschellen und Lederpeitschen über und über behangen gewesen. Das hatte nach einer Folterkammer ausgesehen und….

Plötzlich dämmerte es Harry und er sah die Schattenmagier nun peinlich berührt an. Yuugi wurde noch verlegener, Yami lächelte geheimnisvoll und Joey lachte erneut laut auf. Nur Ron und Hermine sahen Harry noch immer verwirrt an, denn sie hatten keine Ahnung, was vor sich ging.

Joey meinte grinsend: „Wir kennen unsere Pappenheimer. Die stehen auf sowas."

Auf Yuugis leises „Armer Ryou!" drehte sich der blonde Japaner jedoch zu dem Duellanten um und meinte verschmitzt: „Oh das würde ich so nicht sagen. Du hättest unser Verlobungsgeschenk von Ryou sehen sollen. Von Ryou wohlgemerkt, nicht Bakura. Von dem haben wir die passende Peitsche dazu bekommen!"

Yuugi blickte Joey zweifelnd an, doch Yami lachte nun ebenfalls auf, denn er konnte sich im Gegensatz zu Yuugi sehr gut vorstellen, dass Ryou in dieser Partnerschaft durchaus eine gleichwertige Position einnehmen konnte.

Da ließ Hermine ein ersticktes Keuchen hören und sie hob die Hand zum Mund, um ihre Verblüffung zu verbergen. Der tiefe Rotton auf ihren Wangen sagte Harry, dass auch sie nun begriffen hatte, was Marik sich da für einen Raum gewünscht hatte. Ron sah als einziger noch immer verwirrt aus und Harry fragte sich verzweifelt, wie er das seinem in diesen Belangen sehr schüchternen Freund am schonendsten erklären konnte. Seufzend wandte er sich von dem Raum ab und er war ganz froh, dass die Tür schalldicht war. So genau wollte er manches gar nicht wissen.


:))))))

Lasst ein Review da. CU Fly.