32. Onyx POV

Vor kurzem haben wir Ravenclaws das Essen beendet und sind erst in unseren Aufenthaltsraum, später in unseren Schlafsaal geführt worden. Friedlich packen wir unsere Koffer aus. Nur Azrael ist weiterhin am Essen.

Nach kurzer Zeit kommt Sahir schwer atmend in unser Zimmer und sagt Azrael, dass er wegen Liam ganz schnell mitkommen soll. Ich gehe auch mit, immerhin habe ich schon fertig ausgepackt.

Viel kann ich nicht zu dem Gespräch beisteuern, aber Azrael liebt scheinbar mein Blut. Ich biete ihm noch mehr davon an. Ich sage eigentlich nichts bis ich meinen ehemaligen Master erkenne. Ich fauche ihn an und interessanterweise sagt er nichts.

Erst als alle gegangen sind, baut sich mein ehemaliger Master von mir auf. Ich habe keine Angst vor ihm. Wie sollte ich das gelernt haben? Ich weiss ja nicht einmal welcher der Hände, die mich jeweils berührt haben, er war. Von Azrael weiss ich, dass er mich immer sehr rauh behandelt hat. Ysante hat mich bisher weder angefasst noch hat er gesprochen, also habe ich keine Ahnung. Ich hoffe immer noch, dass Ysante die Hände gehören, die fast am sanftesten sind. Die sanftesten gehören Skkylar. Er hat mich nie missbraucht. Er hat mit mir gesprochen und mich liebkost und manchmal etwas unsittlich angefasst, aber mehr nicht.

"Krümme ihm ein Haar und ich bring dich um. Es interessiert mich nicht, wie alt du sein magst", knurrt Azrael. "Das sagst gerade du? Sag mir, Onyx. Kannst du dich an meinen guten Freund Azrael erinnern? Ihr hattet einige Male das Vergnügen, wusstest du das schon?" Ich starre ihn nur an. Er war der Schlimmste. Er war der, der mir immer weh getan hat, egal wie er mich berührt hat! Und er hat mich viele Male unvorbereitet von hinten genommen.

"Ah, du wusstest also noch nicht, dass auch Azrael dich auch mehrmals vergewaltigt und auch geschwängert hat?" - "Du sagtest, du hättest einen Verhütungszauber über ihn gelegt!", sagt Azrael anklagend. "Ups. Da habe ich wohl gelogen. Aber du hast der kleinen Schlampe wohl auch nicht alles gesagt" Ich weiss nicht, was eine Schlampe ist, aber irgendwie hört es sich nicht so nett an.

"Dein armer Veela hat dich, wie auch Skkylar und mich zuvor, an deiner Stimme erkannt und gemerkt, dass du das grösste Schwein von allen bist" - "Ach ja? Dann sage es mir doch, Veela, wer war schlimmer? Dieser Mann, der dich genommen hat, ohne dich zu kennen, oder ich, der dir immer seine Wärme gegeben hat? Im Austausch gegen Sex?" - "Du. Azrael hat mir nie so weh getan wie du. Und ich wusste nie, wem die warme Hand gehört. Ich habe immer gehofft, es wäre Skkylar gewesen", sage ich mit fester Stimme, "Und ich bin nicht eine Schlampe, ich weiss zwar nicht, was es ist, aber ich bin es trotzdem nicht. Was hast du mit all meinen Kindern gemacht? Und warum habe ich so viele? Andere Veelas haben eins bis vielleicht zehn Kinder und ich habe fast 18'000!"

"Warum? Weil es mich genervt hat, immer einen Verhütungszauber über dich zu sprechen und ich zu faul bin, um dauerhafte Sprüche zu lernen, weil die viel länger sind und weil sich Babyveelablut sehr gut verkauft. Du warst eigentlich immer schwanger." - "DU HAST MEINE KINDER GETÖTET?!", kreische ich. "Ja, das hab ich wohl." - "Wie kann man so eiskalt sein und seine eigenen Kinder killen?", fragt Azrael fassungslos. "Das waren nicht meine. Die, die du von mir hattest, Onyx, habe ich benannt und leben gelassen. Du hast leider nur zwölf Dämonen hervorgebracht. Ich habe die Kinder im Dorf hingelegt. 48 sind es, um genau zu sein."

"Wie viele hat er von mir?", fragt Azrael neugierig. Mir ist schlecht. "Dreissig, vielleicht vierzig. Du hättest ihn jeweils während der Geburt sehen sollen. Er hatte jedesmal solche Angst und hat genau gewusst, dass er es nicht verhindern kann. Und sollte einer von euch etwas zu Granger sagen, könnt ihr euch sicher sein, dass ich keinerlei Schwierigkeiten haben werde, Onyx wieder unter meine Gewalt zu bringen." Ich senke den Kopf. Ich kann mich ganz genau erinnern. Ich habe irgendwann gewusst, wie viele Male Ysante seine Hand durch die Luke streckt (jeden Abend einmal), bis das Ding in meinem Bauch genug gross ist, dass es rauskommt. Die Geburten wurden nicht weniger schmerzhaft; sie blieben immer gleich:

1. Ich lag ängstlich in einer Ecke des Zimmers, weil ich genau wusste, dass es gleich los ging

2. Die Wehen kamen

3. Mir rann eine klare Flüssigkeit aus den Augen und meine Kehle machte komische Geräusche (was ich nach dem Wissensstand heute als Weinen bezeichnen würde)

4. Ich begann zu pressen

5. Das Ding kam aus meinem Bauch, manchmal machte es auch laute Geräusche, manchmal nicht

6. Mein Bauch war flach

7. Ich schob das Ding von mir weg, damit ich schlafen konnte, weil es sehr anstrengend gewesen war

8. Ich wachte wieder auf und das Ding war weg

"Du bist krank, Ysante. Ich bereue es, dich meinen Freund genannt zu haben. Was du diesem Veela angetan hast, wirst du nie wieder gut machen können. Du weisst, dass die ersten Wesen von Luzifer gerichtet und bestraft werden, wenn sie sterben"

"Azrael, ich möchte gehen", sage ich leise zu ihm. Azrael lächelt mich an und legt mir seine Hand zwischen die Schulterblätter, als ob er mich zum Vorwärtsmachen anregen wollte, aber er lässt die Hand nur ohne Druck da liegen. Er hat mich vorher noch nie ohne Kraft berührt.

Eilig verlasse ich den Krankenflügel und er folgt mir.

"Was ist eine Schlampe?" - "Oh… Das ist jemand, der freiwillig mit sehr vielen Leuten schläft und sich bezahlen lässt, aber erstens hast du es nicht freiwillig gemacht und zweitens hast du dich nicht bezahlen lassen." - "Und warum hast du mich beschützt?" - "Ich… Ich weiss es nicht…" - "Bist du etwa in mich verliebt?", frage ich lächelnd. Er sieht mich skeptisch an. "Warum sollte ich in dich verliebt sein?", fragt er schnaubend zurück. Das hört sich an, als ob man mich gar nicht lieben könnte. Aber vielleicht… kann man das wirklich nicht?

"Ich weiss nicht, aber du hast mich beschützt und das mag ich sehr." - "Na dann…" -

"Was na dann?" - "Muss es wohl so sein" - "Was?" - "Hör auf zu reden, okay?!" - "Nein! Sag mir, was du gemeint hast" - "Ja, ich mag dich!" - "Du magst mich. Aha." - "Na ja… Sehr." - "Du magst mich sehr. Aha." - "Verdammt!" - "Was?" - "Ja, ich bin in dich verliebt, zufrieden?!" - "Mehr als das. Krieg ich jetzt einen Kuss?" - "Warum solltest du von mir einen Kuss wollen?" - "Weil… uhm… weil… weil ich mehr als 3100 Jahre alt bin und noch nie geküsst wurde und weil mich dieses Gespräch erleichtert hat. Jetzt weiss ich wenigstens, dass nicht ich das Problem war, sondern dass er einfach krank ist."

Plötzlich drückt Azrael mich mit seinem Körpergewicht gegen die Wand. Seine Hände liegen neben meinem Kopf an der Wand. Er ist viel grösser als ich. "Willst du deinen ersten Kuss wirklich an mich, einen blutrünstigen Vampir, verlieren?", fragt Azrael leise. Ich weiss nicht, warum er so menschlich ist. "Ja… Ist das nicht gut?", frage ich ihn etwas unsicher. Er zuckt mit den Schultern. "Ich weiss nicht." Langsam neigt er sich zu mir runter und legt sanft seine Lippen auf meine. Erst ist es nur das, doch das reicht weder ihm noch mir. Er legt seine Arme um mich und hebt mich ein wenig hoch, damit er sich nicht so sehr bücken muss, dann streift er mit seiner Zunge über meine Lippe, als ob er rein wollte. Ich mache den Mund auf. Er schmeckt wunderbar.

Der Kuss ist langsam und sehr vorsichtig. Ich dringe mit meiner Zunge in seinen Mund ein und fahre leicht über seine Zähne. Sie sind messerscharf.

"Mach das besser nicht", flüstert Azrael, "Sonst verletze ich dich noch." Ich lächle ihn nur an. Er tut mir schon nichts. "Das war ein schöner ersten Kuss." - "Finde ich auch… Also für mich war er nicht der erste, aber der schönste. Mit einem Elfjährigen. Du Kind!" - "Du nennst mich Kind? Kind?", grinse ich ihn an. Eine Weile sieht er mich nachdenklich an. Er scheint sich zu überlegen, ob das jetzt zu frech war, aber dann kommt er wohl zum Schluss, dass es nur die Wahrheit ist und lächelt. "Werd bloss nicht frech, Veela."

"Warum bist du so menschlich?", frage ich ihn nun völlig ernst. Er sieht mir in die Augen, als er mit den Schultern zuckt. "Ich kann mir nicht vorstellen, zu einem anderen ausser dir so zu sein, aber andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, zu dir nicht so zu sein."

Sanft ergreift Azrael meine Hand und bewegt mich dazu, in den Ravenclawturm zurückzukehren. Wir müssen ein Rätsel lösen, um hinein zu kommen, aber Azrael löst es ohne Schwierigkeiten.

Wir werden direkt von Dusty begrüsst. Er umarmt mich um die Hüfte. Ich sehe, dass Amir zwischen Timmy und Aley sitzt und mich entschuldigend ansieht. "Uhi! Unsicherer Veela und böser Vampir sind zurück! Uhi! Das freut Dusty!" - "Nein, Dusty, du darfst nicht mit ihnen reden und du darfst Onyx auch nicht anfassen", sagt Amir streng. Dustys Flügel werden blau, was wohl heisst, dass er traurig ist, dann lässt er mich los und fliegt neben Amir auf das Sofa und schmollt vor sich hin. Die restlichen Anwesenden sehen Azrael geschockt an. Sirius und Timmy inklusive.

"D-... du bist ein Vampir?!", fragt ein Mädchen der älteren Jahrgänge geschockt. "Scheint so, nicht wahr?", fragt Azrael kühl. "Und warum bist du wieder erwachsen? Und warum, bei Merlins Bart, hältst du Onyx' Hand?", fragt Aley empört. "Merlin hatte keinen Bart, Aley. Liam hat Vampirblut von einem Geborenen gebraucht, weil er offensichtlich Bauchschmerzen hatte, die letztes Mal nur damit weggegangen sind, also hat Skkylar mich gebeten, ihm zu helfen."

"Und das hast du einfach getan? So nett bist du nicht", sagt Severin ungläubig. Azrael grinst breit. "Du bist ziemlich frech für einen Veela. Ich habe dafür Onyx' Blut bekommen." - "Aha. Und da habt ihr gemerkt, dass ihr nur so füreinander bestimmt seid?" - "So in etwa", sage ich wage.

"Kennt ihr euch etwa alle?!", fragt Anarcén empört. "Ja, so ziemlich", antwortet Sahir lächelnd.

"Ist dieser Liam nicht ein Hufflepuff?", fragt ein Sechstklässler abfällig. "Jep", antwortet Amir locker. "Dann hättest du ihm niemals helfen dürfen! Die Hufflepuffs sind unsere Feinde!" - "Und Liam ist unser Freund. Ich dachte, in diesem Haus wären alle klug?", fragt Azrael kühl. Sirius und Timmy bleiben ruhig.

"Willst du dich etwa mit mir anlegen?! Ich bin Vertrauensschüler!", faucht der Junge und hält Azrael seinen Stab an die Kehle. Azrael lacht entspannt und schubst mich zu Amir und Aley auf das Sofa. Timmy wollte schon aufspringen, aber Sirius hat ihn zurückgehalten.

"Ich zaubere schon 2500 Jahren länger als du, mein Freund. Ausserdem habe ich dir die Kehle rausgerissen, bevor du auch nur blinzeln kannst, also lege du dich besser nicht mit mir an. Oder mit den anderen Erstklässlern, wenn wir schon dabei sind" Der junge Ravenclaw schluckt schwer, guckt seinen Hauslehrer hilfesuchend an, bekommt von ihm einen bösen Blick und verschwindet dann.

"Azrael, ich wäre dir sehr verbunden, wenn du nicht mit solch derben Sachen drohen würdest", sagt Timmy ernst. Azrael nickt nur.

"Hey, kann mir das mal einer erklären?! Warum bist du plötzlich so alt?!", fragt Anarcén. Sahir antwortet: "Okay, ich erklär es dir. Einige von den diesjährigen Erstklässler sind schon viel älter, als sie jetzt aussehen. Das sind aus Slytherin Tom Slytherin, Skkylar Lyntiers und Liam McCroy. Skkylar ist Liams Master und Toms Master ist tot. Ach, und dann sind da noch Viola und Layla. Viola ist Iskandars und Aleys Tochter und Layla ist meine Tochter."

"Du darfst nicht 'Master' sagen, das ist nicht nett für Veelas!", ruft Anarcén. Timmy lächelt seinen Sohn liebevoll an. "Lass ihn ausreden", sagt er. "Ja, also in Gryffindor haben wir Iskandar, der ist auch noch mein Sohn, und Godric, er ist Iskandars Veela." - "Stimmt es, dass er Godric Gryffindor ist?" - "Ja, das ist richtig. Er ist übrigens noch Toms Dad und Onyx' Sohn. Und hier bei uns sind es noch Azrael, der jetzt offensichtlich mit Onyx zusammen ist." Ich grinse breit.

"Amir, das ist mein zweiter Sohn. Aley, das war mal Iskandars Veela, jetzt ist er aber mit Amir zusammen." - "Wieso?" Sahir blickt auffordernd zu Aley. Dieser murmelt: "Iskandar war sehr… brutal zu mir, also wollte ich nicht länger sein Veela sein." - "Ach so."

"Zum Schluss haben wir noch Severin, der ein Freund von uns allen ist, und mich. Wie schon gesagt, bin ich Amirs, Iskandars und Laylas Dad."

"Du bist mit Slytherins verwandt? Coooool!", meint Anarcén. "Das sind deine Eltern doch auch." - "Ja schon… Wie alt bist du?" - "Siebzig." - "Boah! Du bist ja noch älter als Granddad Dave!" - Ja… Das bin ich wohl." - "Kennst du ihn?" - "Uhm… Ja…" - "Wirklich? Er ist lieb, oder?" - "Ja…"

Ein Tag später beginnt der Unterricht. Wir lernen gleich als erstes, wie man eine Feder fliegen lässt. Ich bin sehr stolz auf mich, als ich es im ersten Versuch schaffe. Azrael lächelt mich an.

In Verteidigung gegen die dunklen Küste mit den Slytherins treffe ich zum zweiten Mal auf meinen ehemaligen Master.

"Guten Morgen, Klasse. Wir werden als erstes gleich mit einer kurzen Grundlage über die menschenartigen Wesen anfangen, damit wir alle auf demselben Stand sind. Da wir dieses Jahr ja so ausserordentlich viele Veelas unter uns haben, werden wir die gleich als erstes behandeln. Jedes Wesen behandeln wir zwei Doppelstunden lang", sagt er und verteilt uns je ein dünnes Heft. Mich sieht er immer wieder verächtlich an, aber das macht mir nun wirklich nichts aus. Ich kenne ihn ja nichtmal!

Auf der ersten Seite sind einige wichtige Punkte. Ich sehe, dass Sahir und Aley einen bedeutungsvollen Blick wechseln.

Merkmale von Veelas

1. Veelas bekommen an ihrem 16. Geburtstag weisse Flügel, die aus Federn bestehen. Diese sind sehr empfindlich und die meisten Veelas mögen es, wenn ihr Gefährte diese sanft berührt.

2. Veelas haben einen Gefährten, an den sie sich vor ihrem eigenen 16. Geburtstag oder vor dem 17. ihres Gefährten binden müssen, sonst sterben sie.

3. Veelas lieben ihren Gefährten meistens und würden alles für ihn tun.

4. Veelas müssen ihren Gefährten in der Öffentlichkeit 'Master' nennen, privat ist es seit den Veelagesetzreformen im Jahre 2020 verboten, einen Veela dazu zu zwingen.

5. Verwitwete Veelas sind die einzigen Wesen, die völlig isoliert überleben können.

Hier sehe ich ihn für einen Moment ausdruckslos an, während er mich süsslich anlächelt. Ich könnte ihn erwürgen. Mit blossen Händen.

6. Gebundene Veelas brauchen die Nähe ihres Masters, sonst erfrieren sie.

7. Veelas, die ihren Master gefunden haben, müssen nichts mehr essen oder trinken.

8. Negative Gefühle zeichnen sich bei Veelas oft durch Müdigkeit ab.

9. Veelas können nicht ohne eine schützende Kette im Sonnenlicht wandeln.

10. Veelas haben einen Charme, der alle anwesenden männlichen Wesen rasend machen kann.

"Entschuldigen Sie, Professor, aber wie kommt ein Veela zur Nähe seines Gefährten, wenn er völlig isoliert ist?", meldet sich Skkylar. Natürlich weiss er, wie das geht.

"Diese Frage habe ich schon erwartet. Ich habe hier ein Bild"

Ysante legt eine Folie auf den Beamer und ich muss an mich halten, um nicht nach Luft zu schnappen. Dieser Raum, der an die Wand geleuchtet wird, war 3000 Jahre lang meine ganze Welt. In der einen Ecke liegt ein riesiger Haufen von Decken und Kissen. Frieren musste ich also nie mehr ab dem Moment, wo ich gemerkt habe, dass mich Decken warm halten. Nebenan hängt ein Spiegel. Ich habe mich immer geweigert, da rein zu sehen, weil ich nicht wusste, wer das Ding ist, das sich darin bewegt.

"Durch die Klappe dieser Tür hat der Master des Veelas jeweils seine Hand gesteckt, damit dieser nicht erfror und…" Bla. Bla. Bla. Ich schalte ab. Ich will keinen Moment länger mit meiner Vergangenheit konfrontiert sein.

Nach der Doppelstunde behandelten mich alle wie ein rohes Ei. Keiner wagte mir so richtig in die Augen schauen oder mich anzusprechen. Azrael am Wenigsten. Sie wissen jetzt vieles. Sie sind wahrscheinlich angewidert von mir…

"Ist etwas vorgefallen?", will Timmy besorgt wissen, als ich am Abend alleine auf einem Sofa sitze und meine Freunde sich auf zwei anderen verteilt haben und mir immer wieder verstohlene Blicke zuwerfen. "Nichts, Professor", sage ich kurz angebunden. "Du kannst mich ruhig Timmy nennen." Ich nicke und stehe auf. Ich will alleine sein. Nur… Wo soll ich hin? Ich entscheide mich schliesslich für unseren Schlafsaal. Meine Hausaufgaben habe ich bereits erledigt. Nach einer halben Stunde merke ich, dass ich wirklich nichts mehr zu tun habe und gehe dann in die Bibliothek.

Nicht einmal Ric würdigt mich eines Blickes, als er mir entgegenkommt. Er sieht nur auf die andere Seite. Was habe ich nur falsch gemacht? Langsam kommen mir die Tränen und ich setze mich in einen verlassenen Leseecken.

Plötzlich höre ich Stimmen und dann umarmt mich jemand. Es ist Layla. "Was ist denn los, Onyx?", fragt sie besorgt. Als ich über ihre Schulter sehe, entdecke ich noch zwei Jungen und Viola. "I-ich weiss nicht… D-Die anderen wollen n-nicht mehr mit mir reden", stottere ich.

"Warum denn nicht?" Ich zucke mit den Schultern.

"Macht Dad da auch mit?", fragt Layla. Ich nicke. "Und Amir und Aley auch?!" Wieder nicke ich. "Komm, wir reden mit ihnen." Unwillig lasse ich mich von dem Mädchen hochziehen und in die Ravenclawtürme zurückführen. Die anderen drei folgen uns.

"Was machen Sie denn hier, Ms al Mecca?", fragt Sirius, der aufgemacht hat. "Können wir vielleicht kurz reinkommen? Wir haben hier ein verlorenes Kind." Layla tritt zur Seite, damit Sirius mich sieht. "Klar, kommen Sie rein." Die beiden Jungs ziehen es vor, draussen auf ihre Freundinnen zu warten, aber wir anderen gehen rein. Augenblicklich verstummen alle, doch dann merken sie, dass es sie nichts angeht und reden weiter. Layla und Viola zerren mich zu der Sitzgruppe, wo unsere Freunde sind.

"Was soll das?! Warum sprecht ihr nicht mehr mit Onyx?", fragt Layla. Niemand sagt was. "K-Könnt ihr mir nicht wenigstens sagen, was ich falsch gemacht habe?", frage ich meine Freunde verzweifelt. Wieder sehen alle nur irgendwo hin, nur nicht zu mir.

"Sieh mal… Wir sind nicht wütend auf dich oder so… Wir sind nur geschockt, weil dein Master so ein Arsch ist… Niemand von uns hat sich nur ansatzweise vorstellen können, wie schlechte Masters es gibt", sagte Aley schliesslich. "Meiner war jedenfalls besser als deiner!", fauche ich Aley an und will schon in mein Zimmer stürmen, doch Viola hält meinen Umhang fest. "Du redest gerade über meinen Vater, klar?!", sagt sie giftig. Ich senke hastig den Kopf. "Es tut mir Leid… Ich ertrage es einfach nicht, wenn jemand etwas Schlechtes über ihn sagt… Bitte sei jetzt nicht auch wütend… Ich habe es nicht so gemeint."

Layla drückt tröstend meine Schulter.v"Keine Angst, Onyx. Niemand ist wütend. Und Aley weiss ganz genau, dass man einen Dämonen in Anwesenheit seines Veelas nicht beleidigt. Könnt ihr euch nicht einfach alle eurem Alter entsprechend verhalten? Vor allem du, Dad!"

Azrael steht so plötzlich vor mir, dass ich erschrocken einen Satz nach hinten mache.v"Entschuldige bitte; ich wollte dich nicht erschrecken. Ich wollte sagen, dass es mir unheimlich Leid tut, wie ich dich behandelt habe. Heute wie auch früher." Sanft umarmt er mich und küsst mich auf die Stirn.

"Mir tut es auch Leid, Onyx.", murmelt Aley. Ich kann nicht anders als zu lächeln, als ich Azraels Lippen auf meiner Stirn spüre.

"Wir sind wirklich nur etwas aus der Fassung. Aber wir wollten dich nicht ausschliessen, wirklich!", sagt Sahir. Ich nicke und erfreue mich weiter an Azraels Nähe.

"Also ist alles okay?", fragt Viola. Ich lächle sie glücklich an und nicke. "Ja, danke, Viola und Layla." Viola wechselt einige Worte mit Sahir und geht dann wieder zu den Slytherinjungs raus. Layla folgt ihr sofort.

Azrael bugsiert mich auf ein Sofa und setzt sich dann neben mich, allerdings will ich noch zu Ric.

"Soll ich dich begleiten?", fragt Azrael sanft und ich nicke schnell.

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"Was wollen Sie denn hier?", fragt Professor McGonagal. "Ich… Ich möchte mit Ric reden…" Ich lasse es eher wie eine Frage klingen. "Das wird gerade nicht möglich sein. Iskandar meinte, dass sie ungestört sein wollen." - "Bitte, Professor!" McGonagal seufzt und lässt uns dann rein. "Treppe rauf und dann das erste Zimmer", ruft uns die Hauslehrerin noch hinterher.

Ric ist gerade daran, sich anzuziehen, als wir reinkommen. In seinen Haaren glitzern die Wassertropfen.

"Ric, warum hast du mir in der Bibliothek einen so abwertenden Blick zugeworfen? Du weisst doch, dass ich immer noch ich bin!", falle ich gleich mit der Tür ins Haus. "Darf ich mich wenigstens erst anziehen?" - "NEIN!" - "Okay, okay, es tut mir Leid, Dad, der Blick hat nicht wirklich dir gegolten, sondern mir. Wenn ich versucht hätte, dich zu finden, hättest du das nicht so lange aushalten müssen." - "Meine Güte, Ric! Du darfst dir doch nicht die Schuld geben! Du kannst doch nichts dafür!" - "Wofür?", fragt Cookie, der nun ebenfalls aus dem Badezimmer kommt. Er hat nur ein Tuch um die Hüfte, sonst ist er nackt. Weil er ja wieder jünger ist, hat er auch seine mollige Körperform wieder, aber das hat er wohl von Sahir. Nur sieht es bei Sahir echt süss aus.

Ich habe mich aber auch ziemlich verändert. Mein Gesicht ist runder geworden und meine Haare noch etwas kürzer. Das ist übrigens auch bei Sahir passiert. Wir haben alle gelacht (er inbegriffen), weil es so komisch ausgesehen hat, weil er nicht einmal mehr schulterlange Haare hat.

"Schon gut, Ric kann es dir nachher erklären. Ist alles in Ordnung, Onyx?", will Azrael wissen. "Ja, danke.", lächle ich ihn an.

Am nächsten Morgen winkt Skkylar uns zum Slytherintisch und logischerweise gehen wir zu ihm. Amir, Tom, natürlich Liam (wenn Skkylar da ist, kann Liam nicht weit sein), Ric, Cookie, Layla, Viola und zwei Jungs, die ich nicht kenne, aber die Layla, Viola und mich schon gestern zum Ravenclawturm begleitet haben.

"Noch mehr Gryffindors?", fragt der blonde Junge mit gehobener Augenbraue, grauen Augen und blonden Haaren. Sein Freund ist das genaue Gegenteil: Er hat noch dunklere Haut als Sahir, schwarze Haare und dunkelbraune Augen. "Ich bin ein Ravenclaw!", protestiere ich sofort und zeige auf die blaue Plakette auf meiner Schuluniform. "Immerhin heisst du doch Gryffindor, soweit ich weiss? Bist du ein direkter Nachfahre vom 'grossen' Godric Gryffindor?"

Ric versteckt sein Lachen in seiner Kaffeetasse.

"Nein", antworte ich kurz.

Layla plaudert einfach aus: "Onyx ist Godric Gryffindors Dad. Und Ric Gryffindor ist Godric Gryffindor und unser Tom hier ist Rics Sohn. Und auch Salazar Slytherins. Und Skkylar ist, oder eher war, Salazars Bruder, aber der ist leider gestorben." - "Aber… aber… aber… was… wie… wann… aber…", stottert der Blonde. Beide Slytherinjungs sehen Ric entsetzt, aber auch irgendwie bewundernd, an. Dieser isst gemütlich weiter.

"Was haben wir heute?", will Amir wissen. "Muggelkultur mit den Hufflepuffs und Zaubertränke mit den Gryffindors. Am Nachmittag haben wir dann noch Englisch wieder mit den Hufflepuffs.", antworte ich sofort. Mein Sohn verschluckt sich an seiner heissen Schokolade.

"WAS?!", ruft er. Ich mache einen verwirrten Gesichtsausdruck. Was er wohl hat?

"Die Fächer haben sich eben in den letzten Jahren weiterentwickelt. Als Luzifer halbtot war, erlebte die Zaubererwelt eine dunkle Zeit, weswegen sie sich den Muggeln zu erkennen geben mussten. Um besser zusammenarbeiten zu können wurden neue Fächer eingeführt. Und sowieso: Du hattest gestern schon Englisch!", erklärt Tom.

"Ich dachte, dass Englisch einfach das Latein ersetzt hat.", verteidigte sich Ric. "Nein, Latein kann man ab der Dritten wählen. Genau wie Wahrsagen, Arithmantik, Etikette, Französisch, Religion, Pflege magischer Geschöpfe, Griechisch und Runen", weiss Violas und Laylas blonder Slytherinfreund.

Den ganzen Tag bemängelt Ric, was sich alles geändert hat, bis Azrael irgendwann genug hat und ihn stumm hext.

Am Abend kommt die Schulleiterin zu uns. Im Schlepptau hat sie noch unseren Tränkelehrer. Draco Malfoy heisst er glaub.

"Mr Gryffindor, wenn sie vielleicht kurz ihre Freunde holen könnten?" - "Natürlich Professor, aber Sahir und Amir sind bei den Gryffindors." - "Macht nichts." Ich renne sofort in unseren Schlafsaal und hole Azrael, Severin und Aley.

"Gehen Sie bitte schon mal in die grosse Halle, meine Herren, wir haben etwas zu klären." Unter anderen Umständen hätte ich gedacht, dass die Schulleiterin wütend wäre, aber ihre Stimme war freundlich wie schon bei der Willkommensrede.

Etwas ungeduldig trete ich von einem Fuss auf den anderen, während wir auf die Schulleiterin warten, die noch die anderen am einsammeln ist. "Reisse dich zusammen, Onyx, sie wird dir schon nicht gleich den Kopf abreissen", schmunzelt Azrael und legt mir einen Arm um die Schulter, um mich nahe zu ihm zu ziehen.

"Nein, das werde ich wahrlich nicht, Mr Gryffindor. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass sie auf keinen Fall eine Identität vorspielen können, die Sie nicht sind. Selbstverständlich verstehe ich, warum sie Hogwarts nachholen wollen, aber ich finde, der Gerechtigkeit halber sollten Sie wieder Ihr wahres Alter annehmen. Es sei denn, wenn etwas dagegen spricht?" Ich habe nicht gesehen, dass Professor Granger zu uns gestossen ist und so erschrecke ich ziemlich, als sie einfach zu sprechen beginnt. Sie hat automatisch Ric angesehen, weil sie wohl denkt, dass er der Anführer der Gruppe ist. Der Zaubertranklehrer hat zehn Fläschchen auf den Tisch gestellt und ist dann gegangen.

"Ich bin mir nicht sicher, ob Samael das wirklich gut finden würde…", wirft Azrael ein.

"Wer ist Sam… bei Merlin! Sie sind doch nicht etwa… meine Güte, ist das lange her!" Verwirrt guckt Azrael in die Runde. Er ist noch nicht bei Master Satanus gewesen, als Hermine Granger bei Tizians Geburtstagsparty gewesen ist.

In dem Moment kommt Mizar zu uns. "Hey, Leute." Diese zwei Worte bringen uns alle dazu, genauso verwirrt auszuschauen wie Azrael und Schulleiterin Granger. "Du redest ja!", grinst Tom. "Ja… vor etwa fünfzehn Jahren konnte ich es plötzlich wieder. Keine Ahnung warum." Mizar zuckt planlos mit den Schultern. "Da hat Luzifer Gabriel das Licht ausgeknippst, vielleicht hast du das gespürt." - "Oh. Er ist tot? Wie ist das denn gegangen? Ich dachte immer, diese Dämonen können nicht sterben?" - "Nun ja… Er hat mit einigen anderen Dämonen Schloss Satanus angegriffen und Luzifer hat ihn umgebracht." - "Oh. Mein Beileid. Wie geht es Tizian?", fragt die Schulleiterin interessiert. "Der schmort in der wirklichen Hölle", knurrt Tom. Granger öffnet den Mund, sagt nichts und tut ihn wieder zu, dann fängt sie sich aber wieder.

"Um zum Thema zurückzukommen: Was meinen Sie damit, dass das Samael nicht wirklich gut finden würde, Mr… Morgan, richtig?" - "Richtig. Nun. Samael ist derjenige, der es möglich gemacht hat, dass wir alle Hogwarts nach- oder wiederholen können. Und er ist immer noch unser… Master, so ungerne ich das auch sage." - "Sklaverei ist im Königreich also immer noch erlaubt…", murmelt die Schulleitern zu sich selber, dann nickt sie. "Ich schicke Professor Atkinson, damit er jemanden von Ihnen auf Charon und wieder zurückbringen kann, um es abzuklären, okay?"

"Ich gehe. Dusty kann mich hinbringen", bietet Amir sofort an, doch in diesem Moment erscheint eine weisse Rauchsäule und als sie verschwindet, ist ein Pergament da.

Laut liest Sev vor: "Kommt gar nicht erst auf die Idee, mich zu fragen. Ihr habt selbst die Verantwortung (Azrael und Ric, passt gefälligst auf die Kleinen auf) und alle Entscheidungen liegen bei euch. Ausser für Layla, Amir und Viola, dort liegen sie bei Aley, Sahir und Cookie. Ach ja, Azrael, nenn mich noch einmal Samael und du wirst den Tag bereuen, an dem du für mich gestimmt hast. Geniesst eure Hogwartszeit und wir sehen uns in den Weihnachtsferien. Sam."

"Das ist sowas von unfair!", beschwert sich Layla und meint damit wohl den Umstand, dass Sahir noch für sie verantwortlich war. "Nein, junge Lady, das muss genauso sein und ich werde dieses letzte Jahr, das mir noch bleibt, schamlos ausnutzen." - "Nein, das wirst du nicht, Dad. Du bist viel zu nett für das", sagt Viola und klopft Sahir auf die Schulter.

Die Schulleiterin räuspert sich und beginnt dann wieder zu reden. "Die Tränke bewirken, dass Sie in der folgenden Nacht körperlich wieder so werden wie vor Ihrem Verjüngungstrank. Ihre Wandlung werden Sie dann haben, wenn Sie wirklich Geburtstag haben." Sie reicht jedem von uns ein Fläschchen und sofort leere ich meines. Ich kann keine sofortige Veränderung feststellen.

"Gut, das wäre es gewesen. Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Abend. Ich werden die anderen Schüler und die Professoren morgen auch noch informieren." - "Vielen Dank, Professor!", flötet Liam, ergreift Skkylars Hand und zerrt ihn hinter sich her.

"Liam!", bellt Skkylar ärgerlich. Liam hält sofort inne. "Was ist? Du wolltest doch in der Bibliothek möglichst viel über Salazar rausfinden!" - "Ich kann es nicht leiden, dass du stärker bist als ich, also sieh zu, dass ich es dir morgen nicht zurückgebe!" Liam lacht fröhlich und zieht ihn dann trotzdem hinter sich her.

"Wirst du ihn wieder verwandeln?", frage ich Azrael vorsichtig. "Ja. Sobald er wieder normal ist." - "Kannst du es nicht sein lassen? Skkylar ist so glücklich…", sage ich bettelnd. "Nein, ich kann nicht zulassen, dass er ein Grimm bleibt."

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und er beugt sich etwas zu mir, damit ich ihn was ins Ohr flüstern kann. "Wenn du ihn sein lässt, darfst du mit mir machen, was du willst, sobald ich meine Flügel habe." Er sieht mich mit grossen Augen an, dann runzelt er die Stirn. "Überlege es dir lieber fünfmal, Onyx", flüstert Azrael zurück. Die Schulleiterin ist gegangen. "Ich habe mir das heute den ganzen Tag überlegt. Ich möchte, dass du mein erster bist. Also in meinem richtigen Leben zumindest. Bitte?" - "Du weisst, dass ich rücksichtslos bin, kleiner Veela. Du solltest dir für dein erstes Mal jemanden aussuchen, der zärtlich ist und auf dich aufpasst, meinst du nicht?" Ich schüttle schnell den Kopf. Er lächelt mich an und küsst mich auf die Stirn. Die anderen sehen uns mit gemischten Gefühlen zu, bis Ric den Mund aufmacht.

"Warum, bei Merlins Bart, hat jeder gemeckert, als ich mich entschieden habe, Master al Mecca zu Diensten zu sein, und jetzt sagt keiner was?!", regt er sich auf. "Weil Onyx sich jederzeit von mir trennen kann, wenn er nicht mehr mit mir zusammensein will", antwortet Azrael ruhig.

Ric knurrt un-Veela-like und läuft davon.

Am Morgen sehe ich tatsächlich wieder so aus wie vorher. Meine Haare sind sogar nachgewachsen.

Anarcén sieht uns skeptisch an, dann erblickt er Sahir. Dieser sitzt auf seinem Bett und versucht seine Piercings wieder dahin zu tun, wo sie sonst immer waren: In seinen Brustwarzen.

"Bei Merlins Bart! Tut das nicht weh?", fragt der Junge besorgt. "Nein, aber ich schaffs nicht. Amiiiiiiiiiiiir?" Amir sieht auf und guckt seinen Dad verwirrt an. "Hm?" - "Machst du mir bitte die Piercings wieder rein?" Amir wird knallrot. "Ich dachte, du seist da… empfindlich?", fragt er vorsichtig. "Denkst du ernsthaft, dass ich das von dir verlangen würde, wenn es so wäre?", fragt Sahir belustigt. "Nein, aber es ist schon länger bekannt, dass du meist nicht nachdenkst, bevor du etwas tust oder sagst." Sahir sieht seinen Sohn böse an, reicht ihm dann aber trotzdem die Piercings.

Konzentriert beugt sich Amir über die Brust seines Vaters. Er hat die Zunge zwischen den Lippen eingeklemmt und formt seine Augen zu Schlitzen.

"Du musst sagen, wenn es weh tut…" - "Ach was. Ich komm schon klar", brummt Sahir.

Ganz vorsichtig bringt Amir die Piercings an und macht bei Sahirs Händen gleich weiter.

"Danke."

Sahir zieht sich einen schwarzen Hoodie über, auf dem ein Wappen von irgendeinem Land drauf ist und dann gehen wir in die grosse Halle.

Professor Granger winkt uns gleich zu sich nach vorne.

"Liebe Schülerinnen und Schüler. Ich habe eine Information zu verkünden…" Sie erklärt den anderen, dass wir einen Verjüngungstrank genommen haben, weil wir aus verschiedenen Gründen Hogwarts nicht besuchen oder abschliessen konnten und dass wir weiterhin als Schüler die erste Klasse besuchen werden.

Danach setzen wir uns alle an den Ravenclawtisch und frühstücken gemütlich. Anarcén kommt sofort zu uns. Er scheint sich ein wenig verloren vorzukommen. Immer wieder schielt er zu Sahir, der an seiner Kaffeetasse schlürft und sogar dabei gut aussieht.

Ich weiss, es ist dumm, aber ich bin wirklich eifersüchtig auf ihn. Er hat drei Kinder, um die er sich kümmern kann und die ihn von ganzem Herzen lieben (ich weiss, Ric mag mich auch, aber wenn ich definieren müsste, wer sich von uns um wen kümmert, dann ist es eindeutig Ric, der sich um mich kümmert).

Sahir hat auch immer mit irgendjemanden etwas wie eine Beziehung am Laufen und er sieht einfach immer elegant, süss, verführerisch oder cool aus.

Er ist auch unglaublich intelligent: Er beherrscht mehr Sprachen als ich überhaupt kenne und er ist ein so guter Magier…

"Hab ich was auf der Nase?", fragt Sahir plötzlich und ich zucke von meinen Gedanken hoch. "Nein, nein…", murmle ich schnell und senke meinen Blick auf den leeren Teller vor mir. Je mehr ich mich auf Sahir konzentriere, desto mehr verstehe ich, warum mich mein Master so behandelt hat…

Ich war einfach nicht gut genug.

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Ich habe definitiv nicht damit gerechnet, dass ich meine Flügel als erster bekomme. Es sind erst ungefähr drei Wochen vergangen, seit wir nach Hogwarts gekommen sind und nun haben wir die Nacht vom 22. zum 23. September. Mein Rücken tut höllisch weh und Timmy hat mich zur Krankenstation gebracht. Azrael ist mitgekommen und streichelt sanft über meine Haare.

"Mach dass es weg geht!", schluchze ich. Azrael lächelt sanft. "Das kann ich nicht. Kannst du dich nicht mehr an das erste Mal erinnern?" Ich schüttle den Kopf. "Ich bin schon ausgewachsen entstanden."

Leise spricht Azrael auf mich ein, dann schreie ich laut los und dann spüre ich nur noch ein Kribbeln.

"Nicht ganz so schlimm wie eine Geburt", murmle ich abschliessend. Azrael lacht leise. "Davon gehe ich aus."

"Du hast Kinder?", fragt Timmy aufgeregt. Nun beginne ich zu lachen. "Hätte ich keine Kinder, würde es dich nicht geben. Und ganz viele Leute in diesem Schloss auch nicht", kichere ich. "Wie meinst du das?", fragt Timmy irritiert. "Ich bin der erste Veela. Ich bin sozusagen der Urahne von allen Veelas hier drin. Und von fast allen Dämonen, da mein Master der erste Dämon war." - "Aber Professor Atkinson hat mal erwähnt, dass er der erste Dämon ist?" - "Das ist er auch. Er war mein Master. Und das grausamste Wesen das ich kenne." - "Verdammt. Also stimmen die Geschichten, die er immer in der ersten Verteidigungslektion erzählt? Stimmt es, dass er dich dein ganzes Leben lang eingesperrt hat?"

Ich nicke erschöpft.

"Also wenn… Wenn du ein Problem mit ihm bekommen solltest, darfst du dich gern an mich wenden. Ich werde ihn dann sofort bei der Schulleiterin melden." - "Danke." Timmy nickt kurz und steht dann auf.

"Du hast morgen frei, aber ich denke, du solltest trotzdem schlafen. Gute Nacht."

Azrael bleibt bei mir.

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"Bist du dir ganz sicher, dass ich dein Erster sein soll?", fragt mich Azrael zwei Tage später zum hundertsten Mal. Er hat mir erlaubt, dass ich mich in sein Bett legen darf und überraschenderweise hat er sich zu mir gelegt. Zum hundertsten Mal beharre ich auf meiner Entscheidung.

"Okay…", flüstert er leise, dann beginnt er mit seinen kühlen Händen meinen Körper zu streicheln. Er hat schon immer gewusst, wo ich empfindlich bin. Erschrocken zucke ich zusammen, als er meine Brustwarzen hart massiert. Ein leises Stöhnen kommt über meine Lippen bevor ich es mir verkneifen kann.

"Gut oder schlecht?", fragt Azrael besorgt. "Guuuut", seufze ich entzückt. Ich schliesse meine Augen und geniesse seine energischen Berührungen. Etwas zu fest beisst er in die Haut über meinem Schlüsselbein, aber mir schiessen tausend süsse Blitze zwischen die Beine…

Ohne viel Vorspiel versenkt er zwei, dann schnell drei Finger in mir. Immer berührt er mit seinem Daumen etwas an mir, das unheimlich empfindlich ist. Schon viele Männer haben mich genommen aber noch nie hat einer diese Stelle immer wieder berührt. Es fühlt sich so unheimlich gut an!

"Bist du bereit?", fragt er. Seine Augen sind im Jägermodus und seine Stimme ist tief und leidenschaftlich. Ich nicke vorfreudig. Ich glaube auf Wolke Sieben zu schweben, als er sich in mir versenkt. Fest kralle ich meine Fingernägel in seine Schultern, um ihn zu mir runterzuziehen. Natürlich fehlt mir dazu die nötige Kraft, aber er tut, was ich will. Er küsst mich.

Ich komme lange vor ihm. Immer hat er mich weiter massiert. Manchmal an den Brustwarzen, manchmal direkt auf der Lustperle.

"Séon…"

Nachdem ich gekommen bin, will ich eigentlich meine Beine schliessen. Jedes Mal, wenn er meine Lustperle oder sonst einen magischen Punkt an mir berührt, beginnt mein ganzer Unterleib zu brennen. Es ist nicht wirklich schmerzhaft, aber ich spüre, dass ich überreizt bin.

Trotzdem will er, dass ich nochmals komme. Und das tu ich auch. Gleichzeitig wie er.

Schwer atmend und am ganzen Körper zitternd liege ich unter ihm. Mein Gesicht ist in seiner Halskuhle vergraben. Er entzieht sich mir vorsichtig und legt sich dann neben mich.

Beruhigend streichelt er über meinen Rücken, bis ich mich beruhigt habe. Vorsichtig küsse ich ihn auf die Wange und versuche beinah, in ihn hineinzuschlüpfen.

"Bereust du es?", fragt Azrael leise. Immer noch streichelt er meinen Rücken. "Es ist perfekt… Séon." - "Bitte?", fragt Azrael, "Du hast dieses Wort früher viel gesagt. Auch, als du noch nicht sprechen konntest. Wir haben uns immer alle gefragt, was das heissen könnte." - "Ich weiss nicht, wie ich es übersetzen kann…" - "Welche Sprache ist es?" Ich zucke mit den Schultern. "Meine." - "Kannst du es umschreiben?" Ich nicke gegen seine Halsbeuge. "Wenn jemand mich nimmt und ich auch ein schönes Gefühl haben darf. Dann sag ich das." - "Dann heisst 'séon' also 'danke'?" Ich schüttle den Kopf. "Nein, nicht wirklich. Ich habe noch ein anderes Wort dafür." - "Magst du mir deine Sprache beibringen?" Eine Weile denke ich daran, einfach nein zu sagen, aber dann nicke ich. "Ich habe aber nur 16 Wörter." Azrael nickt verstehend.

"Das andere 'danke' habe ich immer dann benutzt, wenn mein Master mir seine Wärme gegeben hat. Es heisst 'vén'. Vorher habe ich mit 'suné' gesagt, dass mir kalt ist. Wenn Ysante mich angebrüllt hat - ich habe dann verstanden, dass er sauer ist - habe ich 'yénu' gesagt, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte. Wie du vielleicht weisst, hat er mich selten mal auf seiner Schoss sitzen lassen. Manchmal hat auch Skkylar mich umarmt. Um darum zu bitten habe ich 'éxy' gesagt und wenn es geklappt hat, und ich mich sicher und wohl fühlte, dann habe ich das 'véli' genannt. Und Skkylar war der einzige, der den Status 'éy' hatte. Das heisst soviel wie 'ich hab dich gern'. Und wenn er gegangen ist, habe ich 'yxé' gesagt, weil ich nicht wollte, dass er weg geht." Azrael gibt sich immer mehr Mühe, mich zu trösten, dabei bin ich gar nicht traurig. Er hat wohl ein schlechtes Gewissen.

"Ich kann mich noch an vys und voy erinnern?", fragt er. "Ja. Vys habe ich immer dann gesagt, wenn er mich geschlagen hat und ich es nicht mehr aushalten konnte. Und voy sollte irgendjemanden darauf aufmerksam machen, dass ich davon Schmerzen habe. Das hat aber in den 3000 Jahren kein einziges Mal funktioniert." - "Und was heisst yox? Das hast du immer gesagt, sobald du meine Stimme erkannt hast. Oder Ysantes, bei Skkylar aber nie." Ich senke meinen Kopf. Ich hoffe, er wird nicht wütend… "Das heisst, dass ich Angst hatte vor euch. Bist du mir jetzt böse?" - "Nein, natürlich nicht. Du hattest jeden Grund, dich vor uns zu fürchten."

"Es gibt da noch yovo. Das habe ich viele Male gebraucht. Das habe ich immer dann gesagt, wenn die Männer so wie du an mir etwas angefasst haben, das ich schön fand und es dann nicht zu Ende gebracht haben." - "Betteln?" Ich nicke. "Séon hatten wir schon, dann kommt vuxé. Das habe ich heute fast gebraucht." - "Das hast du viel gesagt, wenn ich dich… mich an dir vergangen habe…" Ich nicke. "Wie du vielleicht weisst, bin ich ein Amareveela. Amareveelas sind sehr empfindlich da unten und-..." - "Habe ich dir weh getan?!" Seine Stimme klingt schon fast panisch. "Nein! Nein, nicht wirklich. Für Amareveelas ist es nur ziemlich eine Herausforderung, gleich zweimal hintereinander zu kommen, weil wir nach dem ersten Mal zu gereizt sind. Das hat auch Sahir schon gesagt. Vuxé habe ich gesagt, wenn ich zu sehr gereizt war, um weiterzumachen, aber auch das hat kein einziges Mal geklappt. Er hat mich wirklich nicht verstanden, oder?" Diesmal ist es an Azrael, den Kopf zu schütteln.

"Was ist véyn?" - "Du hast dir viele Dinge gemerkt… Véyn heisst, dass ich Schmerzen habe." - "Aber das ist doch schon voy?" - "Nein. Voy betrifft den Schmerz nach dem Schlagen. Véyn benutzt man - benutze ich - um zu sagen, dass ich wund oder überdehnt bin. Zum Beispiel nach dem Sex oder nach einer Geburt. Éyx ist nochmals ein anderer Schmerz: Die Wehen. Und das letzte Wort - séy - habe ich kurz davor gebraucht. Wenn es nicht mehr lange bis zur Geburt ging und ich das gemerkt habe."

"Bei Merlin.", murmelt er und küsst mich in den Nacken. Ich zucke zusammen. Ich bin immer noch nicht so weit, mich wieder an einem magischen Punkt berühren zu lassen.

"Onyx?", fragt er mich fünf Minuten später. "Hm?" - "Éy und ehm… 'yénu' hiess 'es tut mir leid', oder?" Ich kichere leise und nicke. "Weiss Ric von deiner Sprache?" - "Nein. Nur Skkylar kennt meine Sprache. Aber ich habe nie jemandem was davon gesagt." - "Er hat sie erraten?

" - "Ja. Azrael, ich bin erschöpft, darf ich schlafen?" Keine Antwort. Er atmet nicht mal.

"Es tut mir Leid! Bitte sei nicht wütend auf mich, ich bleibe so lange wach wie du willst!" - "Ruhig, kleiner Veela. Wenn du selber plapperst, kannst du auch nicht schlafen. Shsht. Schlaf schön."

Ich schlafe mit dem Gesicht in seiner weichen Halsbeuge vergraben ein. Es tut gut, einen Partner zu haben.