Kapitel 7

Die folgenden drei Tage verliefen ziemlich ähnlich. Der Tisch erschien jeden Abend um genau sieben Uhr dreißig. Hermine ging hinüber und lehnte sich immer ein paar Minuten vor acht darüber. Malfoy kam rein – lieferte ab – und ging, ohne ein Wort zu sagen.

Hermine sagte sich selbst Gedichte vor und versuchte ihre Gedanken so weit wie möglich zu abschweifen zu lassen. Nur um nicht darüber nachzudenken, was gerade mit ihrem Körper passierte.

Sie war nicht dort. Sie lag über dem Tisch, weil sie müde war. Sie zog mit ihren Fingern die Maserung des Holzes nach. Vielleicht war es Eiche. Oder Walnuss.

Sobald sie erlaubt war den Tisch zu verlassen, kletterte sie ins Bett und betete darum einzuschlafen. Sie durfte sich erst am nächsten Morgen waschen und sie wollte die Flüssigkeit zwischen ihren Beinen nicht spüren.

Sie versuchte nicht darüber nachzudenken. Nicht, während es passierte. Nicht danach. Nicht am nächsten Morgen. Sie versuchte – einfach nicht darüber nachzudenken.

Sie konnte ja eh nichts dagegen tun.

Sie versuchte es in eine Ecke ihres Verstandes zu verdrängen. Ihren Geist so weit wie möglich von ihrem Körper zu entfernen und ihn dort zu belassen.

Als sie am Morgen nach dem fünften Tag aufwachte, wollte sie vor Erleichterung weinen – immerhin war es für jetzt erstmal – vorbei. Das tote Gefühl des Grauens, das in ihrem Bauch festsaß, wurde etwas schwächer.

Sie stand auf und badete. Sie schrubbte jeden Zentimeter ihres Körpers rituell. Dann stand sie zögernd vor ihrer Zimmertür.

Sie würde raus gehen. Sie würde aus ihrem Zimmer kommen und mindestens... vier Zimmer erkunden. Vier der anderen Zimmer entlang des Flures.

Sie war fest entschlossen. Sie würde jeden Zentimeter untersuchen und schauen, ob sie eine mögliche Waffe finden würde, mit der sie Malfoy töten konnte.

Sie hatte sich seinen Tod vielfach und auf kreativste Art und Weise in den letzten paar Tagen vorgestellt. Sie hat sich selbst damit Überwasser gehalten, sich vorzustellen, wie das Licht in seinen Augen erlosch. Sie würde alles dafür geben, ihm eine Klinge durch sein kaltes Herz zu rammen.

Sie würde sich auch mit Erwürgen oder Gift zufriedengeben.

Neben Voldemort und Antonin Dolohov, gab es niemand anderen, dem sie den Tod so sehr wünschte wie Malfoy.

Dolohov ist der führende Entwickler in Voldemorts Fluch Abteilung gewesen. Die schlimmsten aller Flüche, die während des Krieges hervorgebracht wurden, gingen auf seine Kappe. Hermine wunderte sich, ob er noch am Leben war, ob er immer noch neue Methoden entwickelte, um Leute mit grausamer Langsamkeit umzubringen.

Nun Dolohov und Malfoy lagen nah beieinander. Hermine war sich nicht sicher, wen der beiden sie lieber tot sehen würde. Wahrscheinlich aber immer noch Dolohov, nahm sie an. Selbst wenn die Leichenanzahl gleich wäre, immerhin war Malfoy nicht so ein Sadist.

Sie öffnete die Tür und ging nach draußen. Sie stoppte nicht um die Tür wieder hinter sich zu zuziehen. Sie gab sich selber keine Zeit zu erstarren. Sie beeilte sich den Flur entlang in das nächstgelegenste Zimmer.

Als sie die Tür schloss, lehnte sie ihre Stirn gegen den Rahmen und zwang sich selbst zu atmen. Tiefe, langsame Atemzüge. Sie ließ die Luft bis in die Spitzen ihrer Lunge strömen und dann wieder raus, bis sie bis acht gezählt hatte.

Ihre Schultern zitterten und ihre Finger zuckten. Sie drehte sich entschlossen um, um das Zimmer zu erkunden. Es sah fast genau gleich aus wie ihres, aber mit zwei Stühlen und einer Chaiselongue.

Sie blickte sich um und nahm alle Details in sich auf. Während sie das tat, hätte sie fast geflucht, als sie ein Gemälde an der Wand entdeckte. Es war ein Holländisches Stillleben. Ein Tisch mit Blumen und Früchten. Neben dem Tisch stand die Hexe, vom Portrait aus Hermines Zimmer. Sie beobachtete Hermine mit einer leicht herausfordernden Miene.

Hermine wollte etwas gegen das Gemälde werfen, aber sie ballte ihre Hände zu Fäusten und zwang sich nicht zu reagieren. Sie ging langsam durch den Raum. Blickte in den Kleiderschrank. Unter das Bett. In das Badezimmer. Sie schlüpfte hinter die Winter Vorhänge und blickte über einen anderen Teil den Hecken Labyrinths.

Sie überprüfte die Dielen, aber keine schien auch nur zu quietschen.

Natürlich würde es nicht einfach sein.

Sie atmete tief durch und zwang sich dazu langsam ins nächste Zimmer zu gehen.

Es war fast genau gleich. Das Portrait folgte ihr und beobachtete sie weiter, indem sie sich auf einer Picknickdecke neben einem Fluss nieder ließ in einem Gemälde im impressionistischen Stil. Sie knabberte anmutig an einem Stück Käse, während sie Hermine weiter studierte.

Das dritte Zimmer was das Angenehmste. Nicht das es irgendetwas nützliches beinhaltete, aber im Badezimmer war eine Dusche. Hermines Herz macht einen kleinen Hüpfer. Sie wollte unbedingt duschen.

Ihre Haare in einer Badewanne waschen zu müssen war nur eines der wenigen Dinge, das sie in ihrem Leben hasste.

Als sie im der Krankenabteilung in Hogwarts aufgewacht ist, nachdem sie bewusstlos geworden war, ist es schrecklich gewesen, den Schmutz der letzten Monate loszuwerden. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie sich das letzte Mal richtig die Haare gewaschen hatte.

Sie ging ins nächste Zimmer. Sie machte weiter. Ihre Panik Attacken schienen sich im Schach zu halten, wenn sie von Zimmer zu Zimmer ging. Sie brachte sich selbst dazu langsam bis vier zu zählen beim Ein- und Ausatmen.

Es war hautsächlich der Flur, der ihr Probleme bereitete. Das Riesige offene, ungewisse, ...

Einzelne Zimmer waren abgegrenzt. Aushaltbar.

Sie arbeitete sich durch alle offenen Zimmer im Flur. Das Einzige was sie fand, was auch nur im entferntestem nützlich sein konnte, war ein Schürhaken – den sie nicht anfassen konnte.

Sie machte sich auf den Weg zurück in ihr Zimmer und rollte sich im Sessel am Fenster zusammen.

Sie fühlte sich ratlos. Was sollte sie tun?

Sie schloss ihre Augen.

Ihr Inneres zog sich zusammen. Sie musste näher an Malfoy rankommen.

Er war das, was einer Lösung am ähnlichsten kam. Solange er ein Mysterium blieb, hatte sie keine Chance vorauszusagen, wann und wann nicht er vorsichtig sein würde.

Er wirkte penibel. Sie konnte nichts kaputt machen. Ein Gemälde hing in jedem Zimmer und Badezimmer. Aber niemand war perfekt. Jeder hat irgendwelche Schwächen und sie würde Malfoys finden und dass würde sein Ende bedeuten.

Es würde natürlich ein Spiel wie Katz und Maus sein.

Jede Schwäche, die sie rausfinden würde, würde er sofort in ihren Gedanken finden. Wenn sie nichts über ihn wusste und nur Vermutungen anstellte, würde er es dennoch in ihren Gedanken finden. Der Trick würde sein, ihn gut genug kennen zu lernen, um schneller zu sein als er sie stoppen konnte.

Der Gedanke sich in seiner Nähe aufzuhalten, war furchterregend.

Sie zischte leise durch ihre Zähne und zog ihre Beine noch näher zu sich heran. Nur der Gedanke, in Malfoys Sichtweite zu sein, schickte ein nadelartiges Gefühl des Schreckens ihre Wirbelsäule hinunter und sammelte sich in ihrem unteren Rücken Bereich.

Sie vergrub ihr Gesicht im Sessel.

Sie würde es tun.

Sie würde.

Nur – noch nicht jetzt.

Sie braucht noch ein paar Tage, um sich zu überwinden. Um Abstand davon zu gewinnen, was sie in den letzten fünf Tagen zu ertragen hatte.

Vielleicht Übermorgen.

Malfoy gab ihr keine Zeit, um Abstand zu gewinnen oder sich zu überwinden. Er kam in ihr Zimmer gelaufen, als sie gerade ihr Mittagessen fertig hatte und sie war so entsetzt, dass sie fast aufgeschrien hätte.

Er stand da und starrte sie für ein paar Sekunden an, während sie sich an die Lehne des Sessels klammerte und versuchte sich nicht zu ducken.

Warum war er hier? Was wollte er? Würde er sie wieder vergewaltigen?

Ihr Finger zuckten und krampften, als sie versuchte sich zu beruhigen

Seine kalten, blassen Augen glitten über sie, als sb er versuchte jedes Detail von ihr in sich aufzunehmen. Etwas flackerte in ihnen auf, als er sah, wie sich ihr Hände verkrampften. Es verschwand schnell wieder in der standhaften, aufmerksamen Kälte.

Wie eine Viper, kurz bevor sie angriff.

„Du hast dich nicht an die Anweisungen gehalten.", sagte er, nachdem er sie für eine Minute beobachtet hatte.

Hermine starrte ihn verständnislos an.

War sie nicht erlaubt in die anderen Zimmer zu gehen? Das hatte ihr niemand gesagt. Er hatte gesagt, dass sie aus ihrem Zimmer gehen durfte. Sie bemerkte, als sich ihr Magen verknotete – dass es wahrscheinlich eine Falle gewesen ist. Um ihm eine Möglichkeit zu geben sie zu bestrafen.

Es fühlte sich an, als ob etwas in ihrer Kehle feststeckte, als sie versuchte ihre Angst herunter zu schlucken und versuchte sich auszumalen, was er mit ihr machen würde.

„Du solltest jeden Tag für eine Stunde nach draußen gehen.", sagte er zur Klarstellung, seine Lippen verzogen sich leicht. „Wie ich sehe verlässt du kaum dein Zimmer, also sind diese Anweisungen offensichtlich von dir ignoriert worden. Ich werde nicht zulassen, dass deine mentale Instabilität, meine Fähigkeiten, den Anweisungen meines Meisters zu folgen, beeinträchtigt.

Er gestikulierte streng Richtung Tür, machte eine Pause und blicke wieder zu ihr.

„Hast du einen Mantel?"

Hermine schüttelte leicht ihren Kopf. Er schnitt eine Grimasse und verdrehte seine Augen.

„Ich nehme an dich Erfrierungen erleiden zu lassen, würde als Vernachlässigung und Folter gelten.", sagte er mit einem Seufzer. Er zog seinen Zauberstab raus und holte mit einem Schwung seines Zauberstabes einen schweren, dunkelroten Mantel herbei, den er ihr zuwarf.

„Komm!" Er stolzierte aus dem Zimmer und den Gang hinunter.

Sie folgte ihm automatisch, als er die Haupttreppe des Flügels hinunter ging und nach draußen auf eine große Veranda trat.

Hermine schnappte nach Luft, als sie nach draußen ging und die eisige Brise auf ihrem Gesicht spürte. Sie biss auf ihre Lippe und versuchte sich zu beruhigen, als sie im Türrahmen stand.

Er drehte sich scharf zu ihr um.

„Was?", fragte er, seine stählernen Augen verengten sich.

„Ich bin nicht mehr draußen gewesen, seit Harry gestorben ist.", sagte sie mit leicht brüchiger Stimme. „Ich hatte vergessen, sie es sich anfühlt."

Er starrte sie für einige Sekunden an, bevor er schnaubte und sich wieder abwand.

„Eine Stunde. Geh.", sagte er, beschwor sich einen Stuhl herauf und holte eine Zeitung aus dem Nichts herbei.

Hermines Augen fielen sofort auf die Überschrift sie sie ausmachen konnte. Sie war so hungrig nach Informationen, dass dies ihre Aufmerksamkeit mehr auf sich zog als das plötzliche im Freien sein.

Repopulationsversuch im vollen Gange! Schrien die Worte ganz oben.

Sie spürte, wie sich etwas in ihrem Inneren verdrehte, sie presste ihre Lippen zusammen und schaute weg. Malfoy bemerkte ihren Blick.

„Willst du es dir ansehen?" fragte er gedehnt, sodass ihre Haut kribbelte. Sie hörte wie sich die Zeitung auseinanderfaltete und schaute rüber, um ein Bild von sich selbst zu finden, bewusstlos in einem Krankenhausbett, auf dem Titelblatt des Tagespropheten.

Sie erstarre vor Entsetzen.

„Potters Schlammblut ist eine der ersten Leihmütter, die der Dunkle Lord ausgewählt hat, um die Magische Bevölkerung wieder zu vergrößern.", das war die Zusammenfassung unter der Überschrift.

Malfoy sah sie mit einem Grinsen an.

„Schau ich komm auch drin vor." Sein Mund verformte sich zu einem dünnen, boshaften Lächeln und seine Augen glitzerten, als er auf ein Bild von sich selbst zeigte etwas weiter unten im Artikel. „Nur falls es irgendjemanden in der Welt interessiert, wer dich gerade vögelt und wo du bist."

Hermine fühlte sich, als ob sie sich gleich in den Blauen Übertopf der Fichte neben der Tür übergeben musste.

„Ich finde es ist eine ziemlich offensichtliche Falle.", fügte Malfoy mit einem Seufzen hinzu, er schaute von ihr weg und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er öffnete die Zeitung mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck. „Aber nun ja, dein Winderstand ist noch nie für seine Intelligenz bekannt gewesen. Etwas unscheinbareres wäre ihnen wahrscheinlich entgangen. Der Dunkle Lord ist recht zuversichtlich, dass falls noch jemand übrig sein sollte, sie sich moralisch dazu verpflichten fühlen würden, dich zu retten, so wie Potter es immer getan hat."

Oh Gott, ...

Die ganze Welt wusste, dass Voldemort sie zu Malfoys Sexsklaven für das Repopulationsprogramm gemacht hatte. Sie wurde als Köder benutzt.

Hermine taumelte zurück und fühlte sich schwindelig. Sie musste von Malfoy und seiner Grausamkeit wegkommen, bevor sie durchdrehte. Sie schlug ihre Hände über dem Mund zusammen, als sie den Kies Pfad hinunter stolperte.

„Falls du dich im Hecken Labyrinth verläufst, schicke ich meine Hunde, um dich wieder raus zu zerren." Malfoys Stimme schien sie zu verfolgen.

Sie rannte.

Sie ist seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gerannt, aber sie hatte sich in ihrer Zelle recht fit gehalten. Die ganzen Hampelmänner und die Liegestützen. Alles was sie getan hatte, um ihre Gedanken abzuschalten.

Sie musste ihre Gedanken los werden.

Sie konnte nicht nachdenken. Sie musste sich bewegen, bis sie nicht mehr konnte.

Sie sprintete den Weg hinunter, bis er in eine kleine Straße überging. Sie beschleunigte. Die Hecken, die sich um sie herum auftürmten, fühlten sich erdrückend an.

Alles erdrückte sie.

Ihre Hände schnellten nach oben und öffneten den Mantel, den Malfoy ihr gegeben hatte. Sie spürte, wie der Wind ihn davon riss.

Sie würde lieber frieren.

Sie rannte und rannte, bis sie das Ende der Hecken erreicht hatte und die Straße sich durch eine Reihe von Feldern zog. Sie rannte weiter. Denn wenn sie anhalten würde, würde sie nachdenken. Wenn sie nachdenken würde, würde sie weinen. Sie durfte nicht weinen. Nicht bis sie einen Weg gefunden hat, um zu überleben und die noch übrigen Mitglieder des Ordens davon abzuhalten sie zu retten.

Oh Gott.

Oh Gott, ...

Sie stoppte endlich.

Ihre Lunge fühlte sich an, als ob sie verbrennen würde. Das stechende, brennende Bedürfnis nach Sauerstoff, war schneidend in ihrer Brust. Ihr ganzer Körper war in Schweiß gebadet und er wurde schnell eiskalt auf ihrer Haut. Sie spürte ein Stechen in ihrer Seite. Ihre Schuhe hingen nur noch in Fetzten. Ihr Rock war mit Schlamm vollgesogen.

Sie drehte sich keuchend um und schaure, wo sie war.

Das Malfoy Anwesen schien endlos. Graue Hügel mit totem Winter Gras und dunklen Flecken laubloser Bäume in der Ferne, die sich gegen den grauen Himmel abhoben.

Es fühlte sich so an, als ob alle Farben aus der Welt verschwunden waren. Außer sie selbst. Sie stand in Scharlachrot da. Sie hob sich von der Monotonie ab.

Sie presste ihre Hände über ihren Mund zusammen, als sie weiter keuchte und nach Luft schnappte.

Als sie sich endlich etwas erholt hatte, wurde sie sich bewusst, wie kalt ihr wurde. Es ging ein scharfer Wind, der durch ihre dünnen Klamotten wehte. Ihre Hände versteiften sich und wurden weiß. Sie spürte, wie ihre Wangen und Nasenspitze anfingen langsam weh zu tun. Sie spürte eine Eiseskälte in ihren Zehen, die langsam ihr Beine hinauf wanderte, als sie die Strümpfe mit Wasser vollsogen.

Sie drehte sich, um dahin zurückzuschauen, wo sie hergekommen war. Die Hecken sahen klein aus in der Ferne.

Sie presste ihre eiskalten Hände für einige Minuten auf ihre Augen. Sie versuchte nachzudenken.

Es gab nichts. Nichts anderes was sie tun konnte.

Ihr Plan blieb der gleiche. Nichts hatte sich verändert.

Ihrer Situation war genau die gleiche, wie die Nacht zuvor. Der einzige Unterschied war, dass sich ihr Wissen leicht erweitert hatte. Die Optionen waren noch genauso limitiert; das Risiko hat sich schlichtweg erhöht.

Sie machte sich langsam auf den Rückweg.

Sie bezweifelte, dass Malfoy wirklich Hunde hinter ihr herschicken würde. Von einem Hund zerfleischt zu werden, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.

Die wunderte sich, ob die Fesseln ihr erlauben würden, sich gegen einen Tierangriff zu wehren. Falls sie wirklich verzweifelt war zu sterben, konnte sie sich vielleicht in den Weg einer tödlichen Kreatur schmeißen. Jemand abscheuliches wie Malfoy hatte vielleicht sowas wie einen Mantikor irgendwo auf seinem Anwesen versteckt. Oder falls es Fallen für die eventuellen Retter gab, konnte sie sich vielleicht in eine davon schmeißen.

Ihre Zähne fingen das Klappern an, als sie weiter den Weg Richtung Hecken hinab lief. Sie war zu müde, um noch einmal zu rennen und sich selbst aufzuwärmen.

Sie schlang ihre Arme um sich selbst und ging weiter.

Sie ist nicht auf den Gedanken gekommen, dass Voldemort den Repopulationsversuch öffentlich machen würde. Im Nachhinein war es jedoch offensichtlich. Es war kein Geheimnis, das man so einfach vertuschen konnte, wenn man zweiundsiebzig Leihmütter auf die angesehensten Zauberer Familien in ganz Großbritannien verteilte. Besser es gleich ganz offen darzulegen.

Sie fragte sich was Malfoy davon hielt, öffentlich mit ihr in Verbindung gebracht zu werden. Das Schlammblut, dass er schon während ihrer Schulzeit so sehr hasste, die jetzt die Mutter seiner Kinder sein würde. Und die Welt würde es wissen.

Er war seinem Meister fast sklavisch untergeben, er rationalisierte es wahrscheinlich irgendwie. Dachte sie zu sich mit Spott.

Die Anzahl der Möglichkeiten, wie sie ihn hassen konnte, machten sie fast sprachlos. Jedes Mal, wenn sie ihn sah, fand sie einen neuen Aspekt, der dazu beitrug, warum er einen langsamen, grauenvollen Tod verdiente.

Die scharfen Steine des Kies Weges schnitten schlussendlich komplett durch die Sohle ihrer Schuhe. Ihre Füße fingen das Bluten an, als sie die Hecken erreichte. Sie zog sie aus und schmiss sie in die Hecke, wo sie stecken blieben. Das rot hob sich stark vom grün ab.

Sie ging weiter. Zitternd.

Als sie es endlich zum Anwesen zurückschaffte und ums Eck lief, sah sie das Malfoy immer noch da war, er las ein Buch. Die Zeitung achtlos zur Seite geworfen.

Sie stoppte. Zögerte. Sie wollte sich nicht mit ihm unterhalten, aber ihr war eiskalt. Sie wusste nicht, wie sie sonst nach drinnen kommen sollte.

Ihre Bewegung oder Farbe muss Malfoys Aufmerksamkeit erregt haben. Er schaute auf und starrte sie entsetzt an, während er ihren verwahrlosten Zustand betrachtete. Dann zog er eine Augenbraue hoch und grinste.

„Du nimmst deinen Namen wohl wörtlich, ich sehe schon. Blut rot und Schlamm." Er lachte für einen Moment in sich hinein, bevor sich sein Ausdruck wieder verhärtete. „Du hättest deinen Mantel nicht verlieren sollen. Du hast immer noch," er schaute auf seine Armbanduhr, „zehn Minuten bevor du wieder nach drinnen darfst."

Hermine sank vor Elend in sich zusammen und ging um die Seite des Anwesend herum. Sie fand einen Platz, der wenigstens halbwegs windgeschützt war und rollte sich an der Wand zu einem Ball zusammen. Sie versuchte ihre Körperwärme zu speichern.

Ihr war so kalt.

Das Zittern hatte aufgehört, sie wurde extrem müde.

Was – bemerkte sie vage – auf Hypothermie hindeutete.

Hermine hat nie wirkliche Unterkühlungen während des Krieges behandelt. Nur die Variante, die man von Dementoren hervor gerufen wurde.

Zauberer hatten normalerweise nicht mit Hypothermie zu tun. Wärmezauber waren so einfach, dass die meisten Schüler aus dem ersten Jahr sie schon durchführen konnten. Outdoorklamotten von Zauberern, hatten solche Zauber normalerweise mit eingearbeitet.

Aber – wenn sie wartete...würde sie vielleicht davon sterben.

Es würde all ihre Probleme lösen.

Sie zog sich noch näher an die Wand des Anwesens und schloss ihre Augen. Sie atmete langsam.

Die Dinge verschwammen langsam ineinander.

„Kreativ.", Malfoys harsche Stimme brach durch den Nebel in ihrem Kopf.

Etwas unangenehm Warmes traf ihren Körper. Sie erstarrte und schrie kurz auf. Sie realisierte, dass er sie mit einem Wärmezauber belegt hatte. Der extreme Kontrast der Temperaturen schmerzte als die Magie auf ihre Haut traf.

Malfoy war schon wieder auf dem Rückweg, als sie aufschaute.

Ekelhafter Bastard. Er hat sie nur gerade so viel aufgewärmt, dass es genug war, um sie vor der Unterkühlung zu bewahren, aber nicht genug um sie von der Eiseskälte, die sie verspürte, zu schützen.

Sie kauerte sich wieder an der Wand zusammen und versuchte zu schätzen, wann zehn Minuten vorbei wären. Der Schmerz ihrer kalten Hände und Füße zog sich bis in ihre Knochen.

Sie bereute es sehr, dass sie nicht wusste, wo ihr Mantel gelandet war. Anscheinend hatte sie doch noch etwas Gryffindor Gemüt in sich übrig. Nur genug, um ab und zu wahnsinnig dumme Sachen zu tun. Jetzt wo ihre Wut und Angst abgeklungen war, konnte sie ihre idiotische Impulsivität besser einschätzen.

Zu versuchen, es Malfoy heimzuzahlen, indem sie sich weigerte, seine Hilfe anzunehmen, die er ihr entgegenbringen musste, schadete niemandem außer ihr selbst. Es war, als ob sie das Essen verweigern würde. Sich selbst zu schwächen, um ihm zu zeigen, dass sie immer noch stur sein konnte, war das genaue Gegenteil von dem, was sie tun sollte. Er würde nicht unvorsichtig werden, wenn er dachte, dass sie immer noch Kampfgeist hatte.

Damit schnitt sie sich nur ins eigene Fleisch.

Sie stöhnte und schlug ihren Kopf gegen die Mauer des Anwesens.

Eine Minute später zog das Geräusch von knirschendem Kies ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie schaute nach oben, um Malfoy zu entdecken, der wieder auf sie zukam.

Sein Ausdruck war so kalt wie der Wind.

Er streckte seinen Arm aus und ließ den Mantel vor ihre Füße fallen.

„Du hast ihn gefunden.", sagte sie und schaute nach unten.

„Magie. Der Accio Spruch ist recht nützlich, zumindest für die von uns die ihn noch benutzen können.", sagte er mit einem fiesen Grinsen. „Stehst du auf oder muss ich dich hinter mir her schleifen? Ich habe bessere Dinge zu tun, als dich zu beaufsichtigen. Es sind immer noch so viele Menschen am Leben. Einige der Hauselfen habe ich auch schon länger nicht mehr getreten."

Er grinste sie dünn an.

Hermine biss sich auf die Zunge. Hob ihren Mandel auf, zog sich hoch und wickelte ihn um sich. Er drehte sich auf dem Absatz um und schritt zur Veranda zurück. Er wartete an der Tür auf sie.

Als sie ihn erreichte, bemerkte sie, dass er etwas blass war und auf den Boden hinter ihr blickte. Sie drehte sich um und bemerkte, dass ihre Füße blutige Fußabdrücke auf dem weißen Marmor hinterlassen haben. Er wirkte fast nachdenklich, als er sie betrachtete.

„Bist du überrascht, dass unser Blut gleich aussieht?" fragte sie mit ruhiger Stimme.

Er schnaubte.

„Alles Blut sieht gleich aus. Das Blut meiner Hunde hat die gleiche Farbe. Genauso wie meine Hauselfen. Die Frage der Überlegenheit, wird mit Macht beantwortet. Und da ich der Herrscher über diese Ländlichkeiten, den Hauselfen und dir bin, glaube ich, dass die Antwort auf deine Frage klar ist."

„Und doch bin ich diejenige, die dir Nachkommen verschaffen soll.", sagte sie und traf seinen Blick mit ihrem eigenen kalten Gesichtsausdruck.

„Das ist wegen Astorias Versagen, nicht meinem eigenen." Sagte er und kräuselte leicht seine Lippen. Er zog seinen Zauberstab hervor und ließ das Blut auf dem Marmor verschwinden. Dann seufzte er und verdrehte seine Augen.

„Ich schätze, ich kann dich nicht die Teppiche ruinieren lassen, obwohl es sehr belustigend wäre dich weiter bluten zu sehen."

Er schwang seinen Zauberstab und zielte auf ihre Füße, während er ein paar achtlose Heilungszauber sprach. Er ließ den Schlamm verschwinden, der am Saum ihrer Roben hing.

„Ich nehme an, dass dein Gehirn noch so weit funktioniert, dass du den Weg zurück in dein Zimmer findest. Wenn nicht kannst du irgendwo am Boden schlafen." Er verschwand mit einem Plop.

Hermine stand ein paar Sekunden alleine vor der Tür. Ihr war kalt aber –

Sie ging schnell hinüber und hob die Kopie des Tagespropheten auf, die immer noch am Boden lag. Sie schlüpfte durch die Tür, sie ging nur so weit rein, dass sie der beißenden Kälte entkommen konnte, bevor sie hastig die Zeitung aufschlug und jedes bisschen Informationen verschlang, dass sie darin finden konnte.