Kapitel 9

Malfoy redete die restliche Stunde nicht mehr mit ihr. Er zog ein Buch aus seinem Mantel und begann zu lesen, anscheinend ohne, dass die Eiseskälte ihm etwas anhaben konnte.

Hermine schloss ihre Augen für ein paar Minuten, um ihr Herz davon abzuhalten, nur beim bloßen Anblick den Himmels verrückt zu spielen.

Sie würde darüber hinwegkommen.

Es war ihr egal was sie dafür tun musste.

Die Tage verschwammen ineinander.

Malfoy erschien täglich, direkt nach dem Mittagessen und führte sie nach draußen auf die Veranda. Als sie dort ankamen, ignorierte er sie normalerweise, indem er ein Buch oder den Tagespropheten las. Hermine lief normalerweise unruhig auf der Veranda herum, sie versuchte den Nerv zu finden spazieren zu gehen. Die schaffte es die Marmor Stufen hinunter aber erstarrte, bevor sie des Kies erreichte.

Anders wie im Flur schien sie hier nicht einfach darüber hinwegzukommen. Es war eine Grenze, die sie nicht überschreiten konnte. Die rationalen Teile ihres Verstanden kamen einfach stotternd zum Stehen.

Also setzte sie sich auf die Stufen, sammelte Steinchen in ihrer Hand und warf sie dann einzeln, soweit sie konnte, wieder davon. Oder ordnete sie zu Runden oder Bildern an.

Es gab nichts anderes zu tun.

Malfoy redete nie mit ihr, also konnte sie auch nicht mit ihm reden. Nicht dass sie es wollte aber die Demütigung, dass sie trotzdem seine Erlaubnis dafür bräuchte.

Die Tatsache, dass Malfoy keine Angestellten brauchte, hieß wohl, dass nicht erwartet wurde, dass sie etwas anderes tat als zu existieren. Sie gaben ihr keinerlei Mittel sich irgendwie zu beschäftigen. Keine Bücher, kein Papier nicht mal ein Stück Schnur. Ihr war fast genauso langweilig auf dem Anwesen, wie es ihr in ihrer Zelle in Hogwarts gewesen ist. Nur das sie noch zusätzlich von einem abwertend schauenden Portrait wie besessen beobachtet wurde und das sie wusste, dass außerhalb ihrer Tür ein Herrenhaus darauf wartete erkundet zu werden, wenn sie sich dazu überwinden konnte.

Hermine hat alle Schlafzimmer auf ihrem Flur mehrfach erforscht. Sie hat das Hecken Labyrinth durch alle Fenster studiert und war sich fast sicher, dass sie einen Weg hindurchfinden würde.

Hermine hat versucht den Nerv zu finden die Treppe hinunter zu gehen und die anderen Stockwerke zu erkunden. Sie ist mit Malfoy schon fast neun Mal durchs Erdgeschoss gelaufen. Dennoch konnte sie sich nicht dazu überwinden, es alleine zu tun.

Nach acht Tagen kam Malfoy nicht nach dem Mittagessen zu ihr. Stattdessen kam Heilerin Stroud durch die Tür von Hermines Zimmer gelaufen.

Hermine stand still da und beobachtete wie die Frau einen Untersuchungstisch mitten im Zimmer herbeizauberte.

Jede Person, die Hermine hasste, schien sie auf einen Tisch zu zwingen. Voldemort. Malfoy. Stroud. Hermine lief hinüber, bevor sie dazu gezwungen werden konnte und lies sich am Rand des Tisches nieder.

„Mach deinen Mund auf.", wies Heilerin Stroud sie an.

Hermines Mund öffnete sich automatisch und Heilerin Stroud hob ein Fläschchen an und entleerte es in Hermines Mund. Als sie das Fläschchen wieder verstaute konnte sie einen Blick auf den Inhalt erhaschen und sie versteifte sich. Veritaserum.

Das war wohl ein Weg einen Arzttermin effizient zu machen – die Testpersonen vom Lügen abhalten. Hermine verstand den Sinn dahinter aber nicht so ganz. Die Fesseln machten sie ja schon gehorsam; Heilerin Stroud hätte ihr einfach die Anweisung geben können die Wahrheit zu sagen.

Heilerin Stroud schien den Ausdruck auf Hermines Gesicht zu bemerken.

„Es vereinfacht Dinge.", sagte Stroud und schwang ihren Zauberstab. „Wenn der Hohe General dich angewiesen hätte über etwas zu lügen, könnte es zu einem Konflikt kommen. So ist deine Ehrlichkeit nicht deine Schuld."

Hermine nickte. Das ergab Sinn.

„Hmm. Noch nicht schwanger. Ich denke es wäre zu viel gewesen jetzt schon damit zu rechnen."

Hermine brach vor Erleichterung fast zusammen. Dann erinnerte sie sich aber daran, dass das hieß, dass Malfoy wieder an fünf Tagen kommen würde, um sie über einen Tisch zu nehmen und ihre Erleichterung verschwand ganz schnell wieder.

„Schauen sie mich an, Miss Granger.", wies Heilerin Stroud sie an, „Hat sie irgendjemand verletzt, seit sie hier sind?"

Hermine starrte die Frau standhaft an und ihr Mund antwortete wie von selbst.

„Ich wurde körperlich fünf Mal vergewaltigt und geistig zwei Mal."

Heilerin Stroud sah unbeeindruckt, aber nachdenklich aus.

„Ist die Legilimentik schmerzhaft?"

„Ja."

„Hmm. Ich werde eine Notiz darüber festhalten. Dir wurde keine anderer Schaden zugefügt?"

„Nein."

„Sehr gut. Das ist eine Erleichterung. Es gab einige – Probleme mit ein paar der anderen."

Hermine fühlte, wie sich Entsetzen über sie ausbreitete wie die Berührungen eines Geistes.

„Sind – sind die anderen okay?", krächzte sie.

„Oh ja. Wir haben uns um alles gekümmert. Einige der Männer müssen nur daran erinnert werden, dass man ihnen das Geschenk, des Dunklen Lords, auch wieder wegnehmen kann, wenn sie sich nicht richtig darum kümmern.", sagte Heilerin Stroud. Man konnte einen Hauch von Sympathie oder Schuld in ihrer Miene erkennen, als sie ihren Zauberstab weiter über Hermine bewegte.

Hermine wollte mit ihren Händen nach drüben fassen und der Frau den Hals umdrehen. Ihre Hände zitterten, als sie damit zu kämpfen hatte sich zurück zu halten.

Heilerin Stroud zeigte sich von Hermines offensichtlichen Wut unbeeindruckt. Sie führte einen Diagnostik Zauber über Hermines Unterbauch aus.

„Keine Einrisse. Das ist erleichternd. Das wäre problematisch geworden. Ich hätte früher kommen sollen, um nachzusehen, aber ich hatte so viel zu tun. Einen Überblick über alle Unterbringungen zu behalten, war anstrengender als ich gedacht hatte."

Heilerin Stroud schien von Hermine zu erwarten, dass sie Mitgefühl zeigte. Hermine blickte starr zur Uhr und antwortete nicht.

„Dein körperlicher Zustand hat sich jedoch etwas verschlechtert. Gehst du täglich nach draußen, um Übungen zu machen?", fragte Heilerin Stroud mit einem irritierten Gesichtsausdruck.

Hermine spannte sich an; ihre Brust verengte sich als sie versuchte zu atmen und die Frage so gleichgültig wie möglich zu beantworten.

„Nein – anfangs nicht. Aber der Hohe General hat angefangen sicherzustellen, dass ich raus gehe."

„Bewegst du dich? Lange Spaziergänge sich wichtig für deine Verfassung."

„Ich – kann nicht."

Heilerin Stroud starrte Hermine an. „Du kannst nicht?"

Hermine biss sich auf ihre Lippe und zögerte. „Ich habe Panikattacken – schon alleine aus diesem Zimmer hier zu gehen ist schwer. Der Hohe General nimmt mich mit auf die Veranda für eine Stunde, aber ich – ich kann nicht – ich kann nicht... Ich weiß nicht – es ist so – so –"

Hermine schnappte nach Luft als sie versuchte es zu beschreiben. Sogar mit dem Veritaserum, hatte sie Probleme ihre Angst in Worte zu fassen. Sie kämpfte damit die Welle an Wut und Verzweiflung unter Kontrolle zu bringen, die sie wegen diesem irrationalen Hindernis verspürte, dass sie nicht selbst überwinden konnte.

Sie presste ihre Lippen zusammen aber sie verzogen sich trotzdem. Sie konnte den Druck in ihren Wangen und Augen spüren als sie versuchte nicht zu weinen.

„Interessant.", sagte Heilerin Stroud, während sie einige Notizen aufschrieb. „Vermutlich durch ihre Gefangenschafft. Es ist mir bis jetzt nicht in den Sinn gekommen, dass es ein Problem für sie sein könnte nach draußen zu gehen. Hmm. Ein Beruhigungstrank wäre nicht ausreichend, aber ich kann ihnen auch nichts Dauerhaftes zur Angstlinderung geben; das würde eine mögliche Schwangerschaft negativ beeinflussen. Vielleicht etwas für nur kurze Zeit, dass ihnen hilft sich anzupassen. Da muss ich erst noch nachschauen."

Hermine sagte nichts.

„Du wirst täglich mit Hygieneartikeln für deinen Zyklus versorgt werden.", fügte Stroud hinzu, als sie damit weiter machte ihre Notizen aufzuschreiben. Ein Gedanke schien ihr in den Sinn zu kommen und sie schaute Hermine interessiert an. „Was – was haben sie gemacht, als du im Gefängnis warst?"

„Ich habe einfach geblutet.", sagte Hermine. „Sie haben die Zelle sauber gehalten, aber mir wurde nichts zur Verfügung gestellt."

Heilerin Stroud schüttelte missbilligend ihren Kopf. Als ob sie Umbridge moralisch überlegen wären, wenn es zu Hermines Behandlung kam.

„Gibt es noch irgendetwas anderes, von dem sie denken, dass ich es wissen sollte?", fragte Heilerin Stroud Hermine.

„Ich denke das sie grausam und unmenschlich sind.", antwortete Hermine sofort.

Sie hatte nicht mal Zeit, um zu realisieren, dass die Worte aus ihrem Mund kamen; das Veritaserum hat sie einfach hervorgebracht.

Heilerin Strouds Blick flackerte für einen kurzen Moment.

„Nun, an dieser Antwort bin ich selbst schuld. Gibt es irgendetwas über ihre Gesundheit, von dem sie denken, dass ich es wissen sollte?"

Hermine dachte einen Moment nach. „Nein."

„Nun dann." Heilerin Stroud schaute noch ein letztes Mal über ihre Notizen. „Oh. Das hätte ich fast vergessen. Zieh deine Strümpfe aus."

Hermine zog sie gehorsam aus. Heilerin Stroud schaute für einen kurzen Moment über Hermines Beine und schwang dann ihren Zauberstab. Ein schneidendes, brennendes Gefühl breitete sich für einige Sekunde auf ihnen aus.

Hermine zischte leicht. Erschrocken. Als das Brennen nachließ, schaute sie nach unten und sah, dass ihre Beine rot und gereizt aussahen.

„Ein dauerhafter Haarentfernungszauber. Mehrere der Männer hatten sich beschwert. Einer von ihnen hat seiner Leihmutter einen Badezusatz zur Verfügung gestellt, aber die undankbare kleine Hexe ist mit ihrem ganzen Kopf untergetaucht und ist mit einer Glatze wiederaufgetaucht."

Heilerin Stroud reichte Hermine eine kleine Dose Murtlap-Essenz.

„Die Hautreizung sollte in ein bis zwei Tagen wieder weg sein. Ich werde mit dem Hohen General über deine Verfassung reden."

Heilerin Stroud packte Hermines Akte wieder in ihre Tasche und Hermine rutschte vom Tisch und stand unbeholfen, mit ihren Strümpfen in der einen und der Murtlap-Essenz in der anderen Hand, da. Mit einer Bewegung ihres Zauberstabes lies Heilerin Stroud den Tisch verschwinden und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer.

Malfoy kam eine halbe Stunde später in ihr Zimmer und sah noch wütender aus als sonst.

Hermine zog ihren Mantel an und folgte ihm. Als sie die Veranda erreichten schaute er zu ihr rüber und verzog das Gesicht.

„Du musst mindestens eine halbe Meile laufen."

Hermine blinzelte zu ihm hoch.

„Ich würde dich mit einem Hauselfen schicken aber Heilerin Stroud befürchtet, dass deine eigens zugefügte Gehirnverletzung eventuell dazu führen könnte, dass du einen Krampfanfall bekommst, wenn du zu überlastet bist." Er sah wütend genug aus, um etwas kaputt zu machen. „Ich muss dich von jetzt an begleiten."

Er schaute für einen Moment über seine Ländereien und fügte hinzu, „Du bist schlimmer als ein Hund."

Her stürmte die Treppen hinunter und drehte sich um als er auf dem Kiesweg stand.

„Komm." Sagte er mit kalter Stimme. Seine Augen blitzten auf und seine Lippen waren zu einer geraden Linie zusammengepresst, als er sie ansah.

Hermine schaute ihn ungläubig an. Eher würde die Hölle zufrieren, bevor Draco Malfoys Anwesenheit sie davon abhalten würde, eine Panikattacke zu bekommen.

Der Zwang der Fesseln zog sie nach vorne.

Hermine nahm einen tiefen Atemzug als sie behutsam eine Stufe nach der anderen runter lief und dann, nachdem sie einen Moment gezögert hatte, trat sie auf den Kiesweg. Sie ging vier Schritte in seine Richtung und wollte vor Wut weinen, als sie nicht einfach erstarrte.

Anscheinend war es ein kalter Tag in der Hölle.

Malfoy drehte sich auf dem Absatz um und ging den Weg entlang, während sie ihm folgte.

Es war wahrscheinlich wegen den Fesseln, überlegte sie, während sie liefen. Er hat ihr die Anweisung gegeben zu kommen, also ist sie gekommen. Die Fesseln zwangen sie dazu willig zu sein, wenn sie vergewaltig wurde. Wie auch immer der Zwang funktionierte, er war anscheinend dazu in der Lage ihre Panikattacken zu unterdrücken, genauso wie er den Drang unterdrückte Malfoy anzugreifen und ihn dann auf qualvolle und langsame Weise umzubringen.

Er spazierte an der Außenseite des Heckenlabyrinths entlang, bis sie ganz daran vorbei waren und er sie auf die Wege durch die überwinternden Rosenbeete führte.

Hermine fragte sich, ob es irgendetwas am Malfoy Anwesen gab, das sich nicht kalt, tot und steril anfühlte. Der Schotterweg hatte noch nicht Mal einen einzigen Stein der fehl am Platz wirkte. Die Rosenbüsche sind sorgfältig für den Winter zugeschnitten worden. Die Hecken zu präzisen, geraden Mauern geformt, die in den Himmel ragten.

Hermine sind formelle englische Gärten immer egal gewesen aber der des Malfoy Anwesens war der schrecklichste, den sie jemals gesehen hatte. Hecken und weißer Schotter und Blätterlose Bäume und Büsche die haargenau zugeschnitten waren.

Sie nahm an, dass es im Frühling oder Sommer weniger schlimm aussehen würde, aber in seinem momentanen Zustand, sie hatte schon Parkplätze mit einer besseren Ästhetik gesehen.

Malfoy schien auch nicht besonders dazu geneigt zu sein die Landschaft zu würdigen.

Nach dem er für eine Stunde die Wege entlanggestapft war, ging Malfoy den Weg zurück zum Haus. Als sie näher kamen glaubte Hermine zu sehen, wie sich ein Vorhang im Obergeschoss bewegte.

Malfoy brachte Hermine zu ihrem Zimmer zurück, aber anstatt wieder zu gehen als sie fort war, blieb er stehen und blickte auf sie herunter.

Hermine machte sich immer kleiner, während sie mit dem Saum ihres Mantels spielte. Wenn sie ihn einfach ignorierte würde er vielleicht verschwinden.

„Bett.", befahl er nach einem kurzen Moment.

Sie schaute erschrocken zu ihm auf und er grinste sie boshaft an als er einen Schritt auf sie zu machte.

„Außer du willst es lieber hier auf dem Boden tun.", sagte er.

Hermine bewegte sich nicht. Sie starrte ihn nur an, sie fühlte sich vor Angst wie gelähmt. Er zog seinen Zauberstab hervor und mit einer schnellen, lautlosen Bewegung, spürte Hermine, wie seine Magie sie packte und nach hinten zog, bis sie mit dem Bett zusammenstieß und sie rückwärts drauf fiel.

Malfoy schlenderte gelangweilt zu ihr hinüber. Es war ein schwaches Funkeln in seinen Augen zu sehen.

Hermine biss sich in die Lippe, um ein Wimmern zu unterdrücken und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.

Er schaute auf sie hinunter und dann presste er seine Beine zwischen ihre und lehnte sich über sie.

Hermine wünschte sich, dass sie im Bett versinken und ersticken würde. Sie wollte einfach nur schreien können. Sie wünschte sich nur ein winziges bisschen ihrer Magie zurück, damit sie sich wehren konnte.

Gehorsam. Leise. Kein Widerstand.

Sie zog ihr Kinn zu ihrer Schulter und versuchte so weit wie möglich von ihm wegzukommen.

Seine rechte Hand drückte sich neben ihrem Kopf in die Matratze und dann spürte sie die Spitze seines Zauberstabes unter ihrem Kinn.

„Schau mich an Schlammblut."

Ihr Kinn bewegte sich wie von selbst als sie ihren Kopf drehte und ihm in die Augen sah. Seine Augen waren nur wenige Zentimeter von ihren entfernt. Seine Pupillen waren verengt und das Grau seiner Iris sah wie ein Sturm aus.

Er schoss in ihren Verstand.

Sie keuchte auf vor Schock.

Sogar seine Legilimentik war kalt. Als ob man in einen eisigen See gesogen wurde. Es war ein schneidender, klarer Schmerz.

Anders als bei den Malen davor, war ihr Verstand nicht durch Trauma oder Schock vernebelt. Dadurch war dieses Erlebnis viel deutlicher. Er schoss durch ihre Erinnerungen, er gab auf alle Ansammlungen von verschlossenen Erinnerungen acht. Er versuchte in eine einzubrechen, bis ein Heulen ihren Lippen entwich.

Er bewegte sich schnell. So als ob er nur überprüfte wollte, dass sie noch nicht zugänglich waren. Nachdem er sie durchsucht hatte, ging er zur Gegenwart über.

Er schien von ihrem wachsendem Hass amüsiert zu sein. Wie verzweifelt sie ihn töten wollte. Er beobachtete, wie sie die anderen Zimmer erkundet hat, wie sie über das Malfoy Anwesen gerannt ist und wie sie gelangweilt auf den Stufen der Veranda gesessen hat. Wie sie den Tagespropheten gelesen hat. Ihre Panikattacke.

Er untersuchte ihre wiederholten Versuche sich an die Details von Dumbledores Tod zu erinnern und wie sie sich nicht an etwas erinnern konnte, dass mit dem Arm des Zauberers zu tun hatte. Dieses Detail zog sein Interesse auf sich. Er versuchte die Information zu finden, aber er konnte nicht sagen, wo in ihrem Kopf sie dieses Detail versteckt hatte.

Sie konnte eine Gereiztheit spüren, als er endlich zu ihrem Treffen mit Stroud und ihrem Spaziergang über das Anwesen überging und wie sehr sie den Garten verabscheute. Als er ihre Furcht erreichte, wie er sie zum Bett beordert hat, zog er sich aus ihren Gedanken zurück.

Er lächelte spöttisch auf sie herab.

„Lass mich dir versichern, Schlammblut, dass ich kein besonderes Interesse daran habe dich anzufassen. Ich finde deine bloße Existenz in meinem Anwesen schon erniedrigend."

„Das Gefühl beruht definitiv auf Gegenseitigkeit.", sagte Hermine mit trockener Stimme. Es war kein besonders guter Konter; ihr Kopf pochte vor Schmerzen. Es fühlte sich so an, als ob Malfoy seinen gesamten Verstand in ihren geschoben hatte und sie innerlich zerquetscht hat.

Malfoy richtete sich auf und schaute auf sie hinunter, als ob er mit einer anderen Antwort gerechnet hätte. Sie schaute zu ihm auf.

„Hast du Dumbledore wirklich umgebracht?"

Er grinste und lehnte sich gegen einen der Bettpfosten, verschränkte seine Arme und legte seinen Kopf leicht zur Seite.

„Das hast du auch irgendwie vergessen? Erinnerst du dich überhaupt an etwas nützliches? Oder vergisst du einfach schon aus Gewohnheit alles, was nicht aus einem Buch kommt?", er blickte kurz auf seine Nägel hinab und streifte sie dann gelangweilt an seinen Roben ab. „Das war wohl alles zu dem du jemals nützlich warst. Du hast nicht mal während dem Krieg gekämpft, oder? Ich habe dich auf jeden Fall nie gesehen. Du warst nicht einmal da draußen mit Potter und Weasley. Du hast dich nur versteckt. Hast deine ganze Zeit in einer Krankenabteilungen verbracht. Hast nutzlos deinen Zauberstab geschwungen, um Menschen zu retten, die am Ende tot besser dran gewesen wären."

Als sie seine Worte hörte, wich ihr das Blut so schnell aus dem Gesicht, das das Zimmer vor ihren Augen verschwamm. Sie schnappte nach Luft, als ob sie von einem Klatscher getroffen wurde.

Die vielen Male als sie Ron, Bill, George und Fred, Tonks, Remus, Ginny, Hannah, Angelina, Katie, ... geheilt hatte

Sie hatte sie für das Ende des Krieges aufgehoben. Sie hatte sie dafür aufgehoben, zu Tode gefoltert zu werden. Sie hatte sie dafür aufgehoben, versklavt und vergewaltigt zu werden.

Sie schlug die Hände über dem Mund zusammen und presste ihre Finger über ihren Lippen zusammen, bis sie die Konturen ihrer Zähne spüren konnte. Ihr ganzer Körper zitterte auf dem Bett und sie versuchte nicht zu schluchzen. Ein gedämpftes Wimmer bahnte sich einen Weg durch ihre Finger. Sie spürte ein Brennen in ihren Augen, kurz bevor Malfoys Gesicht durch die Tränen verschwamm. Sie rollte sich auf die Seite zusammen.

„Da du so begierig bist es zu wissen. Der Dunkle Lord hat mich persönlich darum gebeten Albus Dumbledore während des sechsten Jahres zu töten. Also habe ich ihm eines Freitagmorgens, als der stümperhafte Idiot in den Gängen an mir vorbeigelaufen ist, den Todesfluch direkt in den Rücken gejagt. Er ist stehen geblieben um mit ein paar Schülern aus dem ersten Jahr über Sherbert Zitronen und einem anderen ähnlich unwichtigem Thema, zu reden. Ziemlich leichtsinnig von ihm so ungeschützt zu sein. Aber das ist der Gryffindor in euch. Sie erwarten es nie, dass sich jemand dazu entschließen könnte, sie am helllichten Tage umzubringen. Ich bin mir sicher, dass er sogar wusste, dass ich versuchen würde ihn umzubringen und trotzdem hat er mir den Rücken zugedreht. Vielleicht hat er angenommen, dass ich es nicht über mich bringen würde." Er schnaubte kurz vor Verachtung, bevor er seufzte. „Das ist der Nachteil, wenn man den Todesfluch von hinten anwendet; sie verpassen diese Millisekunde, in der sie realisieren, dass sie sterben werden."

Hermine biss auf ihre Lippe, als sie Malfoys gedehntem Vortrag zuhörte. Sie hatte angenommen, dass wenn sie ihm jemals diese Frage stellen würde, dass er grausam und stolz darauf ein würde. Es schockte sie dennoch es jetzt zu hören.

„Ich nehme an dein Meister war sehr zufrieden mit dir.", sagte sie, ohne ihn anzusehen.

„Das war er, vor allem als ich ihm den Zauberstabs des alten Narr übergeben habe. Er hat mit mir und meiner Mutter zu Abend gegessen, hier auf dem Anwesen. Ich wurde zu einem seiner Schützlinge ernannt."

Seine Stimme klang fast hohl. Hermine schaute über ihre Schulter zu ihm. Er schaute nicht sie an. Seine Augen waren auf das Fenster gerichtet und er sah fast wehmütig und nachdenklich aus. Als ob er mit seinen Gedanken wo anders wäre.

Er schreckte plötzlich auf und lächelte dünn auf sie herunter.

„Soll ich dich noch mit weiteren Details versorgen?" Er zog eine Augenbraue in die Höhe, als er ihr die Frage stellte. Sein Ausdruck war mechanisch.

„Nein.", sagte sie und wandte ihren Blick wieder von seinem Gesicht ab. „Das war alles was ich wissen wollte."

„Nun gut." Er strich seine Roben glatt und wandte sich zu gehen ab. „Die Außenwelt braucht mich. Versuch keinen Krampfanfall zu haben, während ich weg bin, Schlammblut."