Kapitel 11
Malfoy lachte schwach.
„Gefällts dir?", fragte er sie.
Sie neigte ihren Kopf leicht zur Seite. Es war leichter ihn anzuschauen, jetzt wo sie keine Furcht mehr spürte oder von ihrem Hass auf ihn überwältigt wurde. Ihr war schon noch bewusst, dass er gefährlich war, aber ihr Körper reagierte nicht mehr darauf. Kein verdrehter Magen. Kein verdreifachter Herzschlag. Er hätte auch eine Statue sein können.
„Es fühlt sich an, als ob ich tot wäre.", sagte sie.
Er nickte, als ob ihn diese Aussage nicht überraschen würde.
„Der Effekt hält nur für kurze Zeit an. In zwölf Stunden wird es wieder nachlassen. Und irgendwann wird man immun dagegen. Es sollte lange genug wirken, damit du dich an das Anwesen und die Ländlichkeiten gewöhnen kannst."
Hermine starrte zu ihm nach oben.
„Du bist so anders zu mir. Weniger gemein. Warum tust du das für mich?", sagte sie. Sie zog ihre Augenbrauen verwirrt zusammen. Anscheinend konnte sie sich noch verwirrt fühlen.
„Ich mache es nicht für dich Schlammblut.", sagte er leise in ihr Ohr. „Ich mache es für mich. Du würdest sowieso nicht reagieren."
Er richtete sich wieder auf.
„Siehst du? Nichts. Kein erhöhter Puls. Keine pochendes Herz. Ich könnte einen Irrwicht herbringen oder dich über eine Tisch beugen und du würdest nicht mal mit der Wimper zucken. Das macht keinen Spaß."
Hermine nickte nachdenklich. Wenn sie sich umbringen wollte, wäre es unter der Einwirkung des Trankes einfacher. Malfoy würde vielleicht nichts bemerken, bis es zu spät war.
Malfoy setzte eine ernste Miene auf. Er gestikulierte Richtung Tür. „Sollen wir?"
Sie holte ihren Mantel und folgte ihm dann nach draußen. Er wartete auf der Veranda und beobachtete, wie sie alleine die Treppen nach unten ging. Der Schnee ist vom Schotterweg entfernt worden, aber sie konnte dennoch schon spüren wie die Kälte in ihre Zehen kroch. Es war bitterkalt heute.
Sie zögerte einen Moment und überlegte, wo sie hingehen sollte. Dann ging sie zum Heckenlabyrinth. Auf all ihren Spaziergängen mit Malfoy sind sie hinein gegangen. Sie war recht gespannt, ob sie einen Weg hindurch finden würde.
Es war riesig. Die Hecken türmten sich über ihr auf. Es erinnerte sie an das Heckenlabyrinth des Trimagischen Turniers. Sie bezweifelte jedoch, dass Malfoys Hecken versuchen würden sie zu fressen oder sich dunkle Kreaturen darin versteckten. Sie wanderte durch die sich windenten, schlängelnden, verwinkelten Wege und dachte über den Trank nach den Malfoy sie gezwungen hat zu nehmen.
Sie hatte die Vermutung, dass er sich selbst damit dosierte, um so ein kalter und grausamer Bastard zu sein, verwarf den Gedanken aber schnell wieder. Der Todesfluch war emotional basierte Magie. Es war unmöglich, ihn mit so einer Distanziertheit durchzuführen.
Obwohl es so schien, als ob Malfoy auf verstörende Art und Weise die Regeln um den Fluch verbiegen konnte.
Sie schob das Mysterium um Malfoy und seine unendlich Quelle an Hass zur Seite, sie konnte den Trank gut gebrauchen. Sie würde mehr Fortschritt machen können, im Hinblick auf ihre Flucht, als sie im letzten Monat insgesamt gemacht hatte. So viel mehr, dass es verdächtig unachtsam von Malfoy erschien.
Sie stoppte, um abzuwägen.
Malfoy war nicht unachtsam. Egal wie sehr er hasste sie zu beaufsichtigen. Er würde nicht unachtsam sein. Es musste etwas absolut Zuverlässiges geben, das ihm genug Sicherheit gab, um sie mit so etwas Mächtigem zu dosieren. Er würde es sonst nicht riskieren, nicht mal wenn er dachte, dass sie zu beaufsichtigen, Folter gleichkam.
Wie konnte er sich dennoch sicher sein, dass sie nichts tun würde, wenn ihr Herzschlag und ihr Puls sie nicht verraten würden?
Sie hat sich erst vor kurzem fast von einem Balkon geworfen und er hat sie gerade noch so gestoppt. Er hat genau gewusst, wann er auftauchen musste...
Sie schaute auf ihre Handgelenke.
Er musste es durch die Fesseln gespürt haben. Aber wie hatte er gewusst, dass er genau dann auftauchen musste aber nicht während ihrer Panik Attacken? Ein Überwachungszauber, nicht mal ein sehr spezialisierter, könnte so genau unterscheiden.
Außer...
Malfoy würde irgendwie ihre Gedanken durch die Fesseln lesen –
Sobald ihr der Gedanke kam, wusste sie das sie richtig lag. Sie sollte von Verzweiflung verschlungen werden. Aber intellektueller Ärger war alles was sie zusammenbrachte.
Als ob seine Legilimentik nicht schon genug invasiv war; durch ihr Gedanken zu fischen, als ob sie seine eigene persönliche Austernbank wären. Sie war sich sicher, dass er durch die Fesseln irgendwie ihre Gedanken lesen konnte.
Sie hatte bemerkt, dass er nie ihre Gedanken überflog. Sie erinnerte sich daran, wie Snape das immer bei Schülern gemacht hat. Er ist durch ihre Augen eingetaucht und hat das aufgelesen, was ganz vorne stand. Malfoy hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, das zu versuchen.
Hermine drehte sich um. Sie marschierte aus dem Heckenlabyrinth und zurück zur Veranda, wo es so schien, als ob Malfoy in ein Alchemie Buch vertieft war.
Er ließ das Buch zuschnappen und schaute auf, während sie vor ihm stand. Die Hände in die Hüften gestemmt.
Sie konnte zwar nichts sagen, aber sie konnte ihn anfunkeln.
Er schien zu realisieren, dass sie nichts sagen konnte, grinste leicht und schaute bloß zurück.
„Ja?", sagte er endlich nach fast einer Minute.
„Liest du meine Gedanken?", sagte sie.
Er lächelte breit.
„Und du hast nur einen ganzen Monat gebraucht, um es zu bemerken.", sagte er spöttisch. „Wobei man dir zugestehen muss, dass du recht beschäftigt warst mit Weinen und Trübsal blasen und Angst vor Fluren und dem Himmel zu haben."
Das Gute daran keine Emotionen zu haben war, dass Malfoys Gemeinheiten sich nur wie winzige Steinchen anfühlten, die man in einen Teich schmiss. Ein kleiner, schneller Platscher in ihre mentale Undurchlässigkeit und dann war da wieder Stille und Gleichgültigkeit.
„Wie ist das möglich?", fragte sie und hob skeptisch eine Augenbraue an. Es widersetzte sich mehreren fundamentalen Gesetzen der Magie.
„Ich kann dir versichern, Schlammblut, dass ich nicht alle deine Gedanken lese. Wenn ich ständig deinen Gedankenströmen ausgesetzt wäre, würde ich mich wahrscheinlich selbst Avadern. Es verzeichnet sich nur etwas, wenn du etwas – interessantes – tust. Und es hält mich davon ab aufzutauchen, nur weil du versucht die Treppen alleine nach unten zu gehen."
Eine nicht unter Drogen gesetzte Hermine wäre vermutlich wegen seinem Spott vor Zorn rot angelaufen. Aber die gegenwärtige Hermine blinzelte nur und betrachtete die Informationen.
Also war es nichts Dauerhaftes. Das war gut zu Wissen. Wenn etwas jedoch genug Auffälligkeit verzeichnete, war es ihm irgendwie möglich Einsicht zu nehmen und ihre vordersten Gedanken zu lesen. Das – war ein Problem.
Sie beobachtete ihn. Sie musste klauen, was auch immer es war, mit dem er die überwachte. Umbridge hat es als einen Zauber beschrieben, den der Herr des Hauses trug. Hermine war sich nicht sicher was es sein könnte. Magische Objekte waren normalerweise etwas aus Metall, um die magische Verbindung zusammenzuhalten. Und sie mussten getragen werden; eine Kette oder Armreifen oder Ringe waren die üblichsten.
Malfoy schien keinen Schmuck zu tragen, nicht einmal einen Hochzeitsring. Das einzige sichtbare Stück an ihm, war der schwarze Ring an seiner rechten Hand.
Vielleicht war es das.
„Du kannst es nicht klauen.", sagte Malfoy gedehnt.
Sie schaute ihn an.
„Es ist kein Gegenstand. Es ist nicht das hier.", sagte er, er hob seine Hand an und zeigte ihr den Ring, den sie gemustert hatte. Er zog ihn sich vom Finger und warf ihn ihr zu. Sie fing ihn reflexartig auf und untersuchte ihn.
Er war aus irgendeiner Art von schwarzem Metall. Es schien keine starke magische Signatur zu haben, so wie es etwas hätte, das mit den Fesseln verbunden wäre. Aber vielleicht war es trotzdem der Ring. Er log vielleicht. Vielleicht versuchte er sie in die falsche Richtung zu lenken.
Sie wunderte sich was er tun würde, wenn sie ihn verschluckte.
Er brach in Gelächter aus.
„Verschluck ihn nicht."
Sie blickte schnell zu ihm auf und er hob wissend eine Augenbraue. Er grinste und streckte seine Hand aus. Sie ließ ihn widerstrebend in seine Hand fallen und er streifte ihn sich wieder über den Finger.
„Wie ich schon gesagt habe, ist es kein Gegenstand. Du kannst die Spur nicht stehlen. Nicht die auf dir. Sie haben Blut Magie verwendet, um die Fesseln herzustellen."
Hermine schaute ihn überrascht an.
„Ich bin in deinem Kopf?", sagte sie, ihr Mund öffnete sich eine Spalt als sie von der Erkenntnis getroffen wurde.
Sie hatten ihr Blut abgenommen.
Als sie in Hogwarts war, hatten sie ihr Röhrchen mit Blut abgenommen und Haarproben genommen. Sie hatte angenommen, dass es für Genetische Testungen war. Es war ihr nicht in den Sinn gekommen, dass sie es benutzen würden, um rituelle Blut Magie durchzuführen.
Das bedeutete, dass sie, mit ihrem Fleisch und Blut an Malfoys Bewusstsein gebunden war. Er konnte sie in seinem Hinterkopf wahrnehmen. Es war wie ein Blut Zauber auf Anwesen oder Burgen, die eine unbewusste Verbindung mit dem Herr des Hauses kreierten. Diese Blut Zauber ließen den Besitzer spüren, wenn jemand versuchte das Grundstück zu beteten oder wenn sich jemand an etwas zu schaffen machte. Hermines musste auf eine ähnliche Art und Weise in Malfoys Bewusstsein existieren.
Wenn sie nicht komplett emotionslos wäre, wäre ihr vor Entsetzen ganz kalt geworden.
Er nickte.
„Du bist Potters Schlammblut. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wurden als notwendig angesehen. Also, dann lass uns mal festhalten, wie die Dinge laufen: Ich werde immer wissen, was du tust und ich werde immer dazu in der Lage sein dich zu finden. Außer du schaffst es die Fesseln abzubekommen." Er schaute auf die Fesseln hinunter und lächelte schwach. „Ich würde liebend gerne sehen, wie du das schaffst."
Er lachte.
„Vielleicht kannst du ja damit anfangen mich zu verführen.", schlug er belustigt vor, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schaute sie von oben bis unten an. „Stiehl mir mein Herz, mit deinem Verstand und deinem Charme."
Hermine verdrehte ihre Augen.
„Ja richtig. Vielleicht morgen.", sagte sie, ihre Gedanken waren schon ganz aufgewühlt. „Nun das war erleuchtend.", sagte sie. „Ich werde dich nicht weiter beim Lesen stören."
Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück ins Heckenlabyrinth. Sie wand und schlängelte sich durch das Heckenlabyrinth, während sie nachdachte. Ihre Möglichkeiten hatten sich noch weiter verkleinert. Malfoy erwartete offensichtlich nicht, dass sie abhauen würde. Er schien nicht einmal beunruhigt darüber. Sie machte ihm keine Vorwürfe. Sie erwartete es ja nicht mal selbst.
Es ist die ganze Zeit die Hoffnung eines Narren gewesen. Jetzt fühlte es sich wie komplette Idiotie an. Sie seufzte leicht und beobachtete, wie sich ihr Atem in kleine Wolken in der kalten Luft verwandelte.
Wenn die Wirkung des Trankes nachlassen würde, würde sie sehr deprimiert sein.
Sie erkundete das gesamte Heckenlabyrinth. Ihre Füße waren vor Kälte ganz taub und voll gesogen als sie wieder herauskam. Sie humpelte leicht zurück zur Veranda. Malfoy sagte nichts, als sie an ihm vorbei nach drinnen und alleine zu ihrem Zimmer hochlief.
So emotionslos wie sie war, war es schön sich wieder mehr wie eine funktionierende Version ihrer selbst zu fühlen. Keine Trauer. Keine Depressionen oder Verzweiflung. Sie musste nicht die Angst haben, dass ihr Körper sie mit einer Panikattacke im Stich lassen würde.
Der Trank würde bestimmt schnell abhängig machen.
Nicht das Malfoy es erlauben würde. Heilerin Stroud hatte angemerkt, dass Tränke zur Angstlinderung sich negativ auf Schwangerschaften auswirken können, also würde sie ihn vermutlich nur für kurze Zeit bekommen.
Hermine wünschte sich mehr über Magische Schwangerschaften zu wissen. Es ist ein zum größten Teil übersehener Aspekt ihrer Ausbildung zur Heilerin gewesen. Wenn man ihr ein Stück Pergament und eine Schreibfeder geben würde, könnte sie einen dreißig Seiten Aufsatz über die Auswirkungen von Tränken zur Angstlinderung auf Heilungsmagie und dunkle Flüche schreiben. Aber Schwangerschaften waren vom normalen Heilen ausgeschlossen. So gut wie niemand hat während des Krieges Babys bekommen und wenn doch, haben sie das Kämpfen aufgehört und sind zu einer Hebamme gegangen.
Sie fragte sich wie der Trank wohl gemacht wurde. Sie war sich fast sicher, dass er Billywig Stachel Schleim, Baldrianwurzen und Schlafbohne enthielt. Vielleicht auch Schleim von Faultier Gehirnen. Sie erinnerte sich an den Geschmack und das Kribbeln zurück als sie ihn geschluckt hatte. Vielleicht war das eine Reaktion des Stachel Schleims zusammen mit Nieswurz-Sirup.
Es war schön etwas Neues zu haben, über das sie nachdenken konnte. Ihr Gehirn hatte sich angefühlt, als ob es sich seit dem Krieg wund gekratzt hätte. Komplett ausgehungert von neuen Informationen, die sie in Gedanken durchgehen konnte. Es war nur voller Vergangenheit. Die sie immer und immer und immer wieder durchging. Sich wunderte sich, was schiefgelaufen ist.
Ihre Vergangenheit war wie ein Mahlstein. Der sie immer wieder runterzog. Der sie unermüdlich zurückzog, sodass sie sich immer und immer wieder fragte, was schiefgelaufen ist.
Hatte sie es gewusst? Hatte sie gewusst, warum der Orden den Krieg verloren hat? Gewusst und die Informationen versteckt? Sich dazu entschieden sich selbst zu foltern, indem sie es versteckte?
Warum? Wie Malfoy schon gesagt hat, sie hatten den Krieg verloren. Was war so wichtig, dass sie es auch noch nach dem Krieg beschützen wollte? Obwohl sie wusste, dass alle die ihr etwas bedeuteten entweder in Gefangenschaft oder tot waren?
Wie bei Dumbledores Tod, fühlten sich die Details, die das Ende des Krieges umgaben, nebelig an. Sie konnte sich nicht daran erinnern, warum sie nach Hogwarts gegangen sind. Sie konnte sich nicht einmal daran erinnern, dass sie gefangen genommen wurde. Sie erinnerte sich daran, dass Harry gestorben ist. Und dann war sie in einem Käfig und musste mit ansehen, wie die Weasleys gefoltert wurden.
Sie hatte angenommen, dass sie es durch den Schock verdrängt hatte.
Hermine erkundete den gesamten Flügel des Anwesens, von oben bis unten, bevor es dunkel wurde. Den Dachboden, jeden Schrank und die Angestellten Treppen und Tunnel. Sie ging nicht durch die Zimmer, aber sie hoffte, dass wenn sie sich mit ihnen bekannt machte, dass sie später zurück kommen konnte ohne panisch zu werden oder einen nervösen Zusammenbruch zu erleiden, auch ohne den Trank.
Sie fragte sich wie viele Hauselfen die Malfoys wohl hatten. Es gab nicht einmal eine Spinnenwebe in den dunkelsten Ecken des Dachbodens.
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, fühlte es sich an, als ob jemand einen Felsbrocken auf ihre Brust gelegt hatte. Sie wurde auf ihr Bett gedrückt und sie wurde von einem Peitschenhieb an Verzweiflung übermannt, die sie am Tag davor nicht spüren konnte. Sie kämpfte darum zu atmen.
Der Aufschub von zwölf Stunden, machte alle ihre Emotionen noch schmerzhafter. Es ließ die ganze Erleichterung fraglich erscheinen. Ihr ist nicht bewusst gewesen, wie tief die Einschnitte der Trauer und Einsamkeit in ihr Inneres reichten, bis sie für kurze Zeit von dem Schmerz, den sie auslösten, befreit gewesen war.
Als sich das Gewicht davon wieder auf sie herabsenkte, fühlte sie sich, als ob sie darunter zu Staub zermahlen wurde. Sie konnte es fast spüren, wie ihre Ecken und Kanten zerbröckelten und zerbrachen. Wie sie in den Äther fielen. Es war fast nichts mehr von ihr übrig außer Schmerz.
Ihre Wirbelsäule und ihr Nacken fühlen sich überhitzt an. Wo hingegen sich der Rest ihres Körpers klamm und eiskalt anfühlte. Ihre Haut war feucht. So als ob sie den Trank über Nacht ausgeschwitzt hatte.
Sie rollte aus dem Bett und musste sich sofort heftig auf den Boden übergeben, bevor sie es überhaupt versuchen konnte, ins Badezimmer zu stürzen.
Sie brach zusammen, zitternd. Ihr Körper fühlte sich bleischwer an. Sie konnte kaum ihre Arme bewegen. Sie wollte duschen. Ihr war zu heiß und zu kalt.
Sie war durstig. Sie lechzte nach Wasser.
Sie wollte eine Umarmung.
Eine neue Welle von Einsamkeit überrollte sie so plötzlich, dass sie in Tränen ausbrach.
Sich krank und schwach zu fühlen, lies sie wieder wie ein Kind vorkommen. Verzweifelt nach ihrer Mutter, die sich um sie kümmerte und ihre Hand auf ihre Stirn legte. Um sie zu trösten.
Sie konnte sich nicht mal an ihre Mutter erinnern, aber sie vermisste sie dennoch. Sie erinnerte sich daran im Bett zu liegen und sie spürte kühle Finger auf ihrem Gesicht, wie sie eine Locke von ihrer Stirn strichen und auf ihrer Wange liegen blieben.
Als die Welle der Übelkeit endlich nachließ, schleppte sie sich ins Badezimmer und nachdem sie mehrere Gläser Wasser getrunken hatte, ließ sie sich in ein lauwarmes Bad sinken.
Es war, als ob man einen Kater hatte, während man die Grippe hatte. Wahrscheinlich fühlte sich so ein Entzug an. Hermine ist nie drogenabhängig gewesen, zu mindestens erinnerte sie sich nicht daran.
Natürlich würde Malfoy sie nicht warnen, dass sie sich wie tot fühlen würde, sobald die Wirkung des Trankes nachließ. Sie verfluchte ihn in Gedanken und hoffte, dass er es spüren konnte.
Sie wollte sich ertränken.
Als sie in ihr Zimmer zurück ging, ist der Boden geputzt worden.
Sie fühlte sich immer noch fiebrig. Sie nahm ihre Decken vom Bett und kuschelte sich darunter, als sie ihre Wange an das Fenster lehnte.
Sie fühlte sich den ganzen Tag krank und anscheinend hatte Malfoy es erwartet, denn er tauchte nicht auf und erwartete, dass sie nach draußen ging. Am nächsten Nachmittag erschien er ohne ein Wort, trotz der Dolche, die sie ihm Gedanklich entgegenwarf und er führte sie auf die Veranda. Sie stellte fest, dass der Trank sie ein bisschen akklimatisiert hatte. Sie schaffte es von der Veranda zu laufen, ohne dass sie total in Panik geriet. Sie zitterte und musste gegen das Hyperventilieren ankämpfen, aber ihre Angst verschlang sie nicht komplett. Über den Schotterweg in das Heckenlabyrinth zu kommen, war das schwierigste. Aber als sie zwischen den sich auftürmenden Eiben war, ihr Finger die Wände entlang strichen und sie sich auf das Navigieren des Weges konzentrierte, war sie dazu in der Lage einigermaßen normal zu atmen.
Als sie zur Veranda zurück ging, war Malfoy weg. Anscheinend zufrieden damit, dass er sie nicht mehr beaufsichtigen oder mit ihr laufen musste.
Der Trank erschien wieder am nächsten Morgen. Hermine verbrachte einige Stunden damit abzuwägen, ob sie ihn noch einmal nehmen sollte oder nicht. Nur der Gedanke daran noch einmal durch den Entzug zu müssen, ließ Übelkeit in ihr aufkommen. Am Ende knirschte sie ihr Zähne und stürzte ihn hinunter.
Sie schlich durch das Anwesen, wie ein Schatten und erkundete den Hauptflügel. Sie war ständig in Alarmbereitschaft für das Geräusch von Astorias Schuhen. Sie hatte die Hexe nicht wieder getroffen, seit dem Abend, als sie sie zu Malfoys Zimmer gebracht hatte. Aber sie hatte ab und zu einen Blick auf jemanden erhaschen können, der sie von den Fenstern aus beobachtete, wenn Malfoy sie mit nach draußen genommen hatte. Sie war nicht daran interessiert auszutesten, ob Astoria ihre Drohungen ernst meinte.
Sie erkundete den Großteil des Hauptflügels. Es gab so viele Türen, die verschlossen waren, dass sie feststellte, dass Malfoy das Anwesen vermutlich mit ihrem Blut verschossen hat. Er hat sie mit ihrer eigenen Blutsignatur ausgesperrt.
Dann drei Tage später tauche der Trank nicht mit dem Frühstück auf. Hermine hatte einen Vorahnung warum und brachte kaum etwas runter. Sie lief wie verrückt in ihrem Zimmer auf und ab und ging dann in die Duschen den Gang runter in einem der anderen Zimmer, um für über eine Stunde einfach nur unter dem Wasserstrahl zu sitzen, während sie versuchte das Zittern aufzuhören.
Nach dem Abendessen kam ein Hauself, um das Geschirr mitzunehmen.
„Sie soll sich jetzt fertig machen für heute Abend.", sagte er, bevor er verschwand.
Hermine saß wie festgefroren in ihrem Sessel. Sie hatte es sich schon fast gedacht. Die Bestätigung fühlte sich dennoch schlimmer an. Da sie einen zusätzlichen Monat hatte, um sich davor zu fürchten, erschien die Furcht nur noch kälter. Es fühlte sich so an, als ob jemand ihre Organe zu einem immer enger und enger werdenden Knoten zusammenzog, bis es sich so anfühlte, als ob gleich etwas zerreißen würde. Ihre Brust fühlte sich so eng an, dass sie es kaum hinbekam, gleichmäßige ruhige Atemzüge zu nehmen.
Sie ging ins Badezimmer und badete. Als sie aus der Wanne stieg, ertappte sie sich mehrfach dabei, wie sie zur Mitte des Raumes blickte. Sie hatte solche Angst davor, das Malfoy eventuell seine Vorgehensweise ändern würde. Sie bemerkte, wie sie sich selbst an die Hoffnung klammerte, dass der Tisch auftauchen würde und er nicht etwas Nobles tun würde.
Sie wollte nicht auf eine neue Art vergewaltigt werden.
Sie fing fast vor Erleichterung das Weinen an, als der Tisch um genau 7:30 Uhr erschien.
Sie wollte sich selbst Eine reinhaue. In was für einer abgefuckten Welt, war eine Frau glücklich darüber, dass sie auf eine Art und Weise vergewaltigt wurde, die ihr vertraut war?
Malfoy kam und ging für fünf Abende, ohne dass er ein Wort zu ihr sagte. Genau auf die gleiche Art, wie er es den Monat zuvorgetan hatte.
Jeden Abend klammerte Hermine sich am Tisch fest und stellte sich vor, wie sie den Trank zur Angstlinderung brauen würde. Die hatte so viel Freizeit, dass sie angefangen hatte den Trank zu rekonstruieren.
Sie versuchte es so real wie möglich zu machen. Sie versuchte sie Düfte und Gefühle zu erstellen. Sie war sehr genau bei den Details. Besessen.
Weit, weit weg vom Wackeln. Von dem Holz das sich in ihre Hüftknochen drückte. Von dem gleitenden Gefühl in ihr, sie erlaubte ihren Gedanken nicht dort hinzugehen.
Sie war nicht dort.
Sie braute einen Trank.
Sie holte einen Zinnkessel mit Hilfe einer kleinen Leiter aus dem Regal. Mit der geübten Bewegung ihres Zauberstabs rief sie eine Flamme hervor. Sie wartete, bis das Metall eine mittlere Temperatur erreicht hatte, bevor sie den Billywig Stachel Schleim hinzufügte. Sie würde das Fläschchen in ihrer rechten Hand halten und hineingießen. Der beißende Geruch würde ihr in der Nase kitzeln.
Der Zinnkessel und die Hitze würden die schwebenden Bestandteile des Stachel Schleims dazu bringen zu verdunsten, nachdem sie ihn für eine Minute gekocht hatten. Sie würde den Dampf abfüllen und als Betäubungsmittel für lokalen Wunden verwenden. Die würde ein Faultiergehirn aus einem Glas nehmen und sie würde ein langes Messer benutzen, um es in hauchdünne Scheiben zu schneiden, so dass sie fast durchsichtig waren. Das Gehirn in ihrer Hand würde schwammartig und empfindlich sein. Ihr Griff würde sehr vorsichtig und das Messer sehr scharf sein. Nach einer Minute würde sie die Temperatur zu einem niedrigen köcheln reduzieren und die Scheiben aus Faultiergehirn über die Oberfläche verteilen. Sie würde dem Stachel Schleim und dem Faultiergehirn zwei Minuten geben, um sich zu verbinden, während es langsam eine stählern blaue Farbe und eine dickflüssige Konsistenz annahm.
Währenddessen würde sie die Schlafbohnen vorbereiten. Sie würde zwanzig verwenden. Sie würde sie unter der Klinge eines silbernen Dolches zerdrücken, bevor sie den Saft gewinnen würde. Sie würde den Druck ihres Daumens auf ihren Knöcheln fühlen, wenn sie sich darauf lehnte. Sie stellte sich vor, wie es sich anfühlen würde, wenn die Bohne unter der Klinge nachgeben würde. Sobald der Saft hinzugefügt wurde, würde sie den Trank zwölf Mal im Uhrzeigersinn mit einem silbernen Brau Stab umrühren und achtzehnmal gegen den Uhrzeigersinn mit einem Aschestab. Der Trank würde abgedeckt werden und für dreiundsiebzig Stunden bei niedriger Temperatur köcheln. Das lange kochen war notwendig, um die schläfrig machenden Bestandteile des Schlafsaftes zu annullieren. Der Trank würde sich leicht grün verfärben. In der vierundsiebzigsten Stunde würde sie geschnittene Murtlap Tentakel, einen zerquetschten Blaustern, Baldrianwurzel und Pulver von Aschwinder Eiern hinzugeben. Sie würde es schnell für dreißig Sekunden zum Kochen bringen und dann einen Kälte Zauber benutzen, um die Temperatur bis kurz vor dem Gefrierpunkt sinken zu lassen. Der Trank würde eine Mitternachtsblaue Farbe und eine wässrige Konsistenz annehmen. Dann würde sie Nieswurz-Sirup über die Oberfläche gießen. Ein Tropfen pro zehn Mal langsam im Uhrzeigersinn umrühren und dann gegen den Uhrzeigersinn. Ihr Arm würde langsam müde werden. Dreißig Tropfen bis der Trank langsam dickflüssiger werden würde und an dem Aschestab kleben bleiben würde. Drei Mal mit einem Silber Stab umrühren und dann für fünf Minuten zum Köcheln bringen, bevor sie ihn von der Hitze nehmen würde und er sich ohne Magie auf Raumtemperatur abkühlen würde. Er würde dunkelgrau und sirupartig werden. Es würde fünfundzwanzig Dosen ergeben.
Sie braute den Trank jeden Abend in Gedanken. Passte Mengen und Techniken an. Kehrte die Reihenfolge um oder fügte Zutaten hinzu. Am fünften Abend war sie sich fast sicher, dass sie das komplette Rezept herausgefunden hatte.
Am sechsten Tag zwang sie sich dazu selbständig nach draußen zu gehen, da sie Angst hatte, dass Malfoy sonst auftauchen und es ihr befehlen würde.
Sie hatte sich vorgenommen ihre Agoraphobie als erstes zu bezwingen. Alle Pläne die Malfoy involvierten müssten warten, bis sie es schaffte alleine nach draußen zu gehen.
Tief im Inneren hatte sie jedoch den Verdacht, dass sie sich nur etwas vormachte und ihm aus dem Weg ging. Aber sie war ratlos, wie sie ihn dazu bringen sollte sie umzubringen, wenn sie noch nicht mal ohne seine Erlaubnis mit ihm reden konnte. Und ihn zu verführen, wie er es vorgeschlagen hatte, nun ja, die Idee war einfach nur absurd fast schon lächerlich.
Am nächsten Tag tauchte er auf, hielt sie auf dem Bett fest und durchsuchte ihre Erinnerungen. Er redete kaum mit ihr. Als er fertig war, drehte er sich einfach auf dem Absatz um und ging nach draußen.
Zwei Tage später hatte Hermine einen Traum von Alastor Moody, wie er in einer kleinen Abstellkammer vor ihr stand. Sein Auge drehte sich aufmerksam in alle Richtungen. Es fühlte sich jedoch so an, als ob sie Unterwasser waren, die Worte, die sie austauschten, waren nicht zu verstehen. Er blickte sieangestrengt an und sagte etwas, während er ihre Reaktion beobachtete. Sieerinnerte sich, dass sie sich skeptisch aber entschlossen gefühlt hatte. Moody sagte noch etwas anderes und Hermine schüttelte ihren Kopf. Er nickte kurz und als er sich umdrehte, um zu gehen hatte er eine starre Miene aufgesetzt. Sein Auge, als er zurückschaute, hatte etwas Zögerliches an sich. Alastor zögerte nie. Nachdem Alastor gegangen war, stand sie für einige Minuten alleine da.
Sie wusste nicht was der Traum bedeutete. Sie versuchte nicht zu viel darüber nachzudenken.
Hermine erkundende weiter den Hauptflügel des Anwesens. Den Portraits war es anscheinend strengstens verboten mit ihr zu sprechen. Sie beobachteten sie immer mit aufmerksamen Augen, sagten aber nie auch nur ein Wort. Sie erkundete das Heckenlabyrinth, bis sie mit geschlossenen Augen durchlaufen konnte. Sie konnte sich draußen kaum wo anders aufhalten, außer die blieb an der Mauer des Hauses.
Offene Flächen waren noch immer schwierig. Sie kam noch nicht mal von den Wänden los, wenn sie einen großen Flur entlanglief. Und sie hielt es fast nicht aus, wenn sie in den Ballsaal des Hauptflügels ging.
Nach zehn Tagen kam Heilerin Stroud wieder, um zu untersuchen, ob Hermine schwanger war. Hermine war es nicht. Hermine hat energisch in ihrem Zimmer trainiert, um ihre Wut irgendwie los zu werden. Heilerin Stroud war über die Entwicklung von Hermines körperlichem Zustand sehr erfreut.
Am nächsten Tag als Hermine zittern von ihrem Spaziergang zurückkehrte, wartete Malfoy in ihrem Zimmer auf sie, er trug seine komplette Todesser Uniform.
„Lust auf einen Ausflug, Schlammblut?"
Hermine starrte ihn an und nahm in sich auf was er anhatte. Sein Gesicht war ohne Emotionen als er auf sie zukam.
„Hast du vergessen?", fragte er, seine silbernen Augen flackerten. „Zwei Monate. Keine Schwangerschaft. Der Dunkle Lord ist gespannt drauf dich wieder zu sehen."
Er schnappte sich ihren Arm, bevor sie zurückweichen konnte und disapparierte.
