Kapitel 12

Der Saal in dem Voldemort residierte war feucht und warm wie ein Reptilienkäfig. Irgendwo unter der Erde. Die Wände, die sie in der Dunkelheit erkennen konnte, waren aus Stein und ohne Fenster.

Tief unter der Erde.

Die Luft war dick und säuerlich. Abgestanden. Verdorben durch dunkle Magie.

Hermine brach in kalten Schweiß aus, als Malfoy sie vorwärts zog, während sie darum kämpfte loszukommen. Es war keine bewusste Entscheidung. Jede Zelle in ihrem Körper schrie, dass sie von dort abhauen sollte.

Malfoys Hand um ihren Arm war wie ein Schraubstock. Sie konnte sich nicht losreißen. Er schien sie kaum in seinem Griff wahrzunehmen.

„Mein Lord.", sagte er in einem respektvollen Ton, als er sich verbeugte. „Ich habe das Schlammblut gebracht. Wie sie es gewünscht hatte."

Seine Worte wurden von Hermines panischem, schnellem Atem untermalt, als sie versuchte die Panik zu unterdrücken. Ein erdrückendes Gewicht ließ sich plötzlich auf ihrem Rücken nieder und zwang sie dazu sich auf dem feuchten Boden niederzuwerfen. Sie konnte unter dem Druck kaum atmen und sie kämpfte darum Sauerstoff in ihre Lungen zu bekommen, als ihr Kinn hart in den steinernen Boden gedrückt wurde. Das Geräusch rasselte in ihren Ohren.

„Oh, ja." Murmelte Voldemort mit einem liebkosenden Flüstern. „Stroud hatte mich informiert, dass du sie bist jetzt noch nicht geschwängert hast."

Hermine schaute mit ihren panischen Augen nach oben, um zu sehen, von wo sie nach unten gedrückt wurde. Voldemort lehnte sich in einem großen Steinthron zurück, während er träge auf sie hinabblickte.

Er gestikulierte mit einer Hand, es befanden sich stumpfe Schuppen darauf.

„Bringt sie nach vorne.", ordnete er an.

Das Gewicht, das Hermine auf den Boden gedrückt hatte lies nach und zwei Diener zogen sie vom Boden hoch und über die Stufen des Podiums nach oben, sie zwangen sie auf die Knie vor Voldemorts Füßen.

Voldemort setzte sich nicht auf. Er drehte seine Kopf leicht und wischte sich seinen Mundwinkel ab. Hermine kniff ihre Augen zusammen, aber er fuhr trotzdem in ihren Verstand. Sein Geist in ihrem fühlte sich wie ein Brandeisen an, er verbrannte sie. Beschädigte sie. Sie schrie und schrie, bis ihre Lunge und ihre Kehle den Geist aufgaben und sie nur noch vor Qual zitterte.

Hermine hatte nicht realisiert, wie sehr der Schock aus ihrer Zelle raus zu sein, alles abgestumpft hatte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass es so sehr weh getan hat. Oder vielleicht war sich Voldemort auch nur rachsüchtig, weil sie noch nicht schwanger war.

Es fühlte sich an, als ob ihrem Bewusstsein die Haut abgezogen wurde.

Sie konnte nicht sagen, wie lang es dauerte. Eine halbe Ewigkeit. Sie fühlte sich, als ob sie mehrmals hätte sterben sollen.

Voldemort versuchte durch die Magie um ihre weggesperrten Erinnerungen zu brechen und als er endlich aufgab, ging er zu ihren aktuellsten Erinnerungen über. Ihre Ankunft auf dem Malfoy Anwesen, das erste Mal als Malfoy sie in seinem Zimmer vergewaltigt hat. Und das zweite Mal und das dritte und das vierte und das fünfte und das sechste Mal. Er ließ sie alle zehn Mal nochmal durchleben, als ob er neugierig war, wie Malfoy es getan hatte. Ihre Panik Attacken. Ihre Unterhaltungen mit Malfoy. Ihre limitierten Zusammentreffen mit Astoria. Ihre Fragen und Vermutungen und Pläne. Er ging über die Monate mit übermäßiger Grausamkeit und Neugierde.

Er zerschnitt ihren Verstand, bis sie nur noch schlapp da hing. Ihre Muskeln zu ausgelaugt, um überhaupt noch zu zittern.

Endlich zog er sich zurück und die Hände die Hermine festgehalten hatten, ließen sie auf den Boden fallen, wo sie zuckend da lag.

„Du hast das Schlammblut in der Schule gekannt." Hörte Hermine Voldemort nach einer Minute sagen.

„Allerdings, Mein Lord.", sagte Malfoy mit einem leicht spöttischem Unterton. „Eine von Potters Lieblingen."

„Sie wünscht sich schon fast verzweifelt deinem Tod. Noch mehr als sie sich meinen wünscht.", sagte Voldemort mit Belustigung.

„Das zeigt, dass sie ein Gespür dafür hat, was ich sonst noch für Möglichkeiten mit ihr habe.", sagte Malfoy affektiert.

Voldemort stieß Hermine mit seiner Zehe an. Ihre Sicht war wackelig und verschwamm immer wieder, wenn sie versuchte sich auf etwas zu fokussieren. Es war keine Dunkelheit, es war, als ob ihre Augen nicht mehr wussten, wie man sehen konnte.

„Sie ist schlau. Ich vertraue dir das du sie in guten Händen behältst, Hoher General."

„Natürlich, Mein Lord. Sie wissen, dass worauf auch immer sie mich ansetzten, ich werde Erfolg haben."

„Allerdings.", sagte Voldemort. „Es ist eine Weile her, dass du mich enttäuscht hast."

„Ich hab es ihnen geschworen, Mein Lord."

„Du bist dir bewusst, dass sie gefährlich ist.", sagte Voldemort und Hermine fühlte, wie Magie sie plötzlich nach oben zog und sie frei in der Luft hing, als er sie anstarrte, sein Gesicht vor Ekel verzogen. „Sie liegt auf der Lauer, um eine Schwäche zu finden."

„Sie haben sie sorgfältig einsperren lassen. Sie wissen, dass ich sie nicht enttäuschen werde.", sagte Malfoy respektvoll.

„Ich will, dass sie schwanger wird.", sagte Voldemort mit einem scharfen Zischen. Dann, als ob es ein nachträglicher Einfall war, fügte er hinzu. „Es beunruhigt mich, dass die Malfoy Linie noch keinen Erben hat."

„Natürlich, Mein Lord, Astoria und ich sind sehr vorsichtig, um Heilerin Strouds Anweisungen zu befolgen.", sagte Malfoy.

„Sehr gut.", sagte Voldemort, er lehnte sich noch weiter in seinen Thron zurück und tupfte nochmals seine Mundwinkel ab. „Dann bring sie zum Anwesen zurück."

Malfoy verbeugte sich und griff nach Hermines Arm, von wo sie herunterhing. Die Magie, die sie in der Luft hielt, lies sie los und sie fiel gegen ihn. Er verzog vor Eckel sein Gesicht und zog sie aus dem Saal, weg von dem widerlichen, erdrückendem Nest aus dunkler Magie.

Als sie halb den Gang runter waren drückte Malfoy sie gegen eine Wand und lies sie los. Sie sackte halb daran herunter und hob zitternd ihre Hände an, um die angetrockneten Tränen auf ihren Wangen abzuwischen. Sie konnte noch immer kaum sehen, durch den blendenden Schmerz in ihrem Kopf.

„Trink das.", forderte er sie auf, und legte ein Fläschchen mit gewöhnlichem Schmerzlinderungstrank in ihre Hand. „Sonst wirst du ohnmächtig, wenn ich mit dir appariere und es würde die Zeit, die du zur Erholung brauchst, deutlich verlängern."

Sie schluckte ihn, sie war sich ziemlich sicher, dass er sie nicht vergiften würde.

„Hat er das schon mal mit dir gemacht?", fragte sie ihn, als die Schmerzen anfingen soweit nachzulassen, dass sie wieder sprechen konnte und sein Gesicht langsam in den Fokus rückte.

Malfoy sah sie für einen Moment an. „Mehr als nur einmal.", sagte er. „Mein Ausbildung war nicht einfach."

Sie nickte.

„War das nach dem fünften Jahr?", fragte sie ihn und blickte zu ihm auf. Der Schmerz schien etwas zu verblassen, wenn sie sich auf die Fragen konzentrierte.

„Ja.", sagte er knapp.

„Deine Tante?"

„Hmm.", brummte er zustimmend, seine Augen waren verengt.

Sie starrten sich beide aufmerksam an. Es fühlte sich so an, als ob er das Einzige war, was sie sehen konnte.

„Nicht das Einzige, was du den Sommer über gelernt hast.", bemerkte sie. Seine Augen weiteten sich ein Stück.

„Brauchst du ein Geständnis, oder was? Soll ich dir alles erzählen was ich getan habe?", fragte er vorsichtig. Er ging auf sie zu, sodass er sich über sie aufbaute.

„Willst du?", sagte sie.

Er starrte sie an, als ob er etwas abwägen würde. Dann verhärtete sich sein Blick und er entfernte sich wieder.

„Warum sollte ich mit dir über irgendwas reden wollen, Schlammblut?", sagte er kalt, packte sie am Arm und zog sie hinter sich den, zu Apparations-Punkt hinunter.

Hermines Gehirn fühlte sich immer noch zerquetscht und beschädigt an. Als Malfoy in ihr Zimmer zurück apparierte, lies das Druckgefühl in ihrem Kopf sie aufschreien und zusammenbrechen. Sie musste sich übergeben, sobald sie wiederauftauchten.

„Geh ins Bett. Du hast zwei Tage Zeit, um dich zu erholen, bevor ich erwarte, dass du wieder auf den Beinen bist.", sagte er, bevor er sich zu gehen abwand. Sie hätte zu ihm aufgeschaut, wenn sie ihren Körper davon unterbrechen hätte können, zwanghaft zu würgen.

Als sich ihr Körper endlich davon überzeugt hatte, dass absolut nichts mehr in ihrem Magen war, kroch sie ins Bett und legte ihren Kopf auf ihre Arme ab.

Sie war sich nicht sicher, wann zwei Tage vergangen waren. Sie schlief, als ob sie tot war und sie konnte nicht sagen, ob Stunden oder Tage vergangen waren, als sie ohne Kopfweh aufwachte.

Als sie in ihrem Frühstück rumstocherte, kam Malfoy hereinspaziert.

„Frohe Weihnachten, Schlammblut.", sagte er affektiert, als er zu ihr hinüberblickte.

Sie starrte ihn mit leichter Überraschung an.

„Als ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst, habe ich mich dazu entschlossen, das wöchentliche Ritual, alle deine Schuhe zu ersetzen, zu beenden. Es sollte morgen ankommen. Bitte interpretiere es nicht als Zeichen meiner Zuneigung.", sagte er und lachte für einen Moment in sich hinein. Dann wurde sein Gesicht wieder kälter, als er auf sie zukam. „Es sind bereits drei Tage vergangen und du hast dein Zimmer noch nicht verlassen. Ich hoffe du bereitest mir keine Unannehmlichkeiten."

Hermine fühlte sich zu schlecht, um vor Malfoy Angst zu haben.

„Ich habe keine Möglichkeit zu wissen, was für ein Tag es ist.", sagte sie mit matter Stimme. „Vielleicht kannst du einen Kalender besorgen, als zusätzliches Geschenk für dich selbst mit hinzufügen."

Er starrte sie an.

„Du bist nicht auf die Idee gekommen einen Elfen zu fragen?", fragte er nach einem Moment.

Hermine starrte ihn an und spürte wie sich ungewollte Tränen der Erniedrigung in ihren Augenwinkeln sammelten. Ihr Mund verzog sich als sie versuchte ihn nicht bissig anzufahren oder zu weinen.

„Ich kann mit niemanden sprechen, außer man spricht zuerst mit mir.", sagte sie steif.

Malfoy erstarrte und war für eine überraschend lange Zeit leise. Ein nicht entzifferbarer Ausdruck huschte über sein Gesicht, bevor er blinzelte und leicht lachte.

„Und ich dachte schon es wäre eine Elfenrecht Sache.", sagte er mit einem Grinsen. Seine Augen sahen immer noch leicht starr aus. „Ich werde später einen Elfen schicken, um zu sehen, ob du spreche kannst, wenn der Elf es initiiert."

Er drehte sich auf dem Absatz um und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer.

Als Hermine damit fertig war in ihrem Essen rumzustochern, tauche eine Elfe auf, um das Geschirr wegzuräumen.

„Der Gebieter er will wissen, ob sie etwas braucht.", sagte sie und wich ihrem Blick aus.

„Ein Kalender, der anzeigt welcher Tag ist, wenn möglich. Und – ein Buch, egal über was."

Die Hauselfe sah unbehaglich aus.

„Ich kann gehen und einen Kalender bekommen. Aber die Gebieterin hatte gesagt, das Schlammblut darf nicht die Bücher von den Malfoys besudeln und hat sie verhexen lassen, sodass sie dein dreckiges Blut verbrennen."

Hermine schaute weg und ihr Brust verengte sich, sie biss auf ihre Lippe, damit sie nicht zitterte. Natürlich würden Malfoy oder Astoria so etwas abscheuliches tun wie sie spezifisch vom Lesen abzuhalten.

„Dann vergiss es.", sagte sie leise.

Das war eine Pause.

„Du könntest den Tagespropheten haben, wenn du es haben willst.", sagte die Elfe.

„Das – wäre schön.", sagte Hermine, ohne aufzusehen, sie wollte sich nicht zu hoffnungsvoll fühlen.

„Will das Schlammblut irgendetwas anderes?"

Hermines Mund zuckte. Sie hätte die Elfe fast gefragt, ob sie sie Hermine nennen konnte. Keiner hatte sie mehr Hermine genannt seit – seit –

Es war schwer sich daran zu erinnern.

Aber sie war sich nicht sicher, ob sie wissen wollte, ob die Elfe spezifische Anweisungen dafür hatte sie Schlammblut zu nennen. Wahrscheinlich schon. Es war einfacher nicht zu fragen.

„Nein nichts mehr.", sagte sie und sah aus dem Fenster.

Die Elfe verschwand mit einem Plopp Geräusch.

Ein Kalender hing an der Wand und eine Kopie des Tagespropheten lag am Nachmittag auf ihrem Bett, als sie zitternd von ihrem Spaziergang zurückkehrte.

25. Dezember. Es an der Wand zu sehen ließ sie für einige Momente erstarren.

Die Kopie der Zeitung bestätigte das Datum. Sie hatte Angst ihre Finger danach auszustrecken und sie zu berühren, sie erwartete fast das es sie verbrennen würde. Eine besonders ausgeklügelte Gemeinheit.

Sie ließ zögernd ihre Fingerspitzen darauf nieder. Nichts passierte.

Sie setzte sich hin und las sie von vorne bis hinten durch. Sie genoss die Wörter.

Lesen.

Sie hatte es vermisst. Das letzte Mal, als sie den Tagesprophten gelesen hatte, ist es so gehetzt gewesen.

Sie las ihn einmal langsam durch. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Jedes Wort.

Es war hauptsächlich Müll. Schlecht verschleierte Propaganda. Die politischen Nachrichten, waren fast unverständlich unter all dem ganzen Wirrwarr. Hermine fand Quidditch noch nie interessant, aber sie las sich begierig durch all die Spiel Wiederholungen, da dies die einzigen Dinge zu sein schienen, die wahrheitsgetreu berichtet wurden. Die Gesellschaftsseiten berichteten immer und immer wieder von Astoria. Ihr Name wurde in jedem Gesellschaftsartikel erwähnt.

Hermine las die Zeitung vorwärts und rückwärts. Sie suchte nach Mustern. Oder Codes. Nur für den Fall.

Am nächsten Morgen fand sie ein Paar Stiefel in ihrer Kommode, zusammen mit ihren anderen Schuhen. Malfoys „Geschenk". Sie hatte die Sohlen der dünnen Schlappen alle paar Tage durchgelaufen und durch den Schnee, waren ihre Zehen ein paar Mal fast abgefroren.

Die Stiefel waren aus Drachenleder. Als sie sie anzog, passten sie sich genau ihrer Schuhgröße an. Sie konnte spüren, dass Zauber in sie eingearbeitet waren, um ihr Füße perfekt temperiert zu halten. Sie könnte hundert Kilometer in ihnen laufen und würde nie auch nur eine Blase bekommen.

Sie schaute sie mit Verwirrung an. Sie waren – zu viel.

Wie der Mantel, den er ihr zur Verfügung gestellt hatte.

Vielleicht wusste Malfoy einfach nicht wie man normale Schuhe kaufen konnte. Vielleicht nahm er an, dass alle Stiefel aus Drachen Lederwaren und mit Temperatur Kontrolle und Polsterungszaubern versehen waren.

Malfoy als fürsorglich wahrzunehmen, wäre zu befremdlich. Sie starrte für ein paar weitere Minuten auf die Stiefel.

Sie verscheuchte die Vorstellung. Wenn Astoria einen Schoß Hund hätte, würde er bestimmt mit einem maßgeschneidertem Diamanten Halsband ausgestattet sein.

Sie war einfach nur eine gut versorgte und ausgestattete vorzeige Leihmutter, die er vögeln konnte.

Er hatte wahrscheinlich Angst, dass wenn sie sich Erfrierungen zuziehen würde und er dann wieder mehr Arbeit mit ihr hätte.

Und, da sie angeblich dafür vorgesehen war, drei Kinder zu gebären, bevor sie auf ein anderes Anwesen geschickt wurde, konnte man annehmen, dass sie für mindestens vier Jahre auf dem Malfoy Anwesen leben wird. Wahrscheinlich eher fünf oder sechs.

Wenn man bedachte, wie spärlich das Malfoy Anwesen eingerichtet ist, schien Malfoy wohl eine strikte „Kauf es einmal, kauf es fürs Leben" Philosophy zu verfolgen. Dass er ihr zwanzig Paar Schuhe in den letzten zwei Monaten kaufen musste, war wahrscheinlich etwas, dass er moralisch demütigend fand.

Auch wenn es schön sein würde, wenn ihre Füße nicht mehr für Stunden jeden Tag weh tun würden.

Die Sachen, für die sie sich selbst dankbar schätze, erschreckten sie.

Die Hauselfe erschien wieder, um das Geschirr Weg zu räumen und fragte sie, ob sie irgendetwas brauchte.

„Darf ich die die Zeitung behalten, wenn ich sie fertiggelesen habe?", fragte sie vorsichtig.

Auf diese Frage hatte die Elfe anscheinend keine Antwort vorbereitet. Sie trat von einem Fuß auf den anderen und schien abzuwägen.

„Topsy denkt schon. Sie würde sonst einfach danach verschwinden.", sagte die Elfe nach einigen Minuten. „Warum will das Schlammblut sie haben?"

Hermine zuckte mit den Schultern.

„Es gibt hier nichts zu tun. Papier zu haben, dass ich für etwas verwenden kann wäre schön. Ich nehme an das ich keinen Ball oder ein Stück Wolle haben darf."

Die Elfe nickte, Hermines Vermutung war richtig.

„Topsy muss das Zimmer sauber halten. Aber das Schlammblut kann die Zeitung benutzen, bis die nächste Zeitung erscheint.", sagte die Elfe.

„Das ist fair.", sagte Hermine zustimmend. Nicht dass sie wirklich mitentscheiden konnte.

Hermine las die Zeitung zwölf Mal durch, bevor sie sie in genaue Rechtecke zerriss. Sie hatte die Nacht zuvor damit verbracht, ein Liste zu erstellen mit Dingen, die sie vielleicht erlaubt sein würde zu haben. Sie hatte angenommen, dass sie keine Stricknadel haben durfte. Dass sie keine Wolle haben durfte ist geraten gewesen, obwohl es fraglich erschien, dass Malfoy sich darum sorgte, dass sie sich erhängen würde, ohne dass das Portrait sie rechtzeitig bemerken würde –

Vielleicht draußen. Sie musste sich genauer die Bäume des Anwesens ansehen...

Sie legte solche Pläne für kommende Tage zur Seite.

Sie dachte nicht über Selbstmord nach. Sie dachte nicht darüber nach, wie ihr Kopf immer noch pochte, so als ob Voldemort einen permanenten Schaden in ihrem Bewusstsein angerichtete hatte. Sie dachte nicht darüber nach wie Geräusche schmerzten. Oder wie ihre Hände sich wieder wegen der Uhr verkrampften. Oder, dass es sich noch traumatischer angefühlt hat, als Voldemort sie gezwungen hatte, ihre Vergewaltigungen nochmals zu durchleben, wie zu der Zeit wo es tatsächlich passiert ist. Sie dachte nicht daran, dass sie es niemals schaffen würde abzuhauen.

Sie dachte an nichts, außer vorsichtig den Tagesprophten zu zerreißen, so ruhig wie es mit ihrem krampfenden Fingern möglich war.

Das war alles.

Es war das einzige, woran sie dachte.

Als sie ein paar perfekte Rechtecke gemacht hatte, fing sie an sie zu falten. Sie fing mit Origami Kranichen an.

Sie konnte sich nicht genau daran erinnern, wo sie gelernt hatte sie zu machen. Die Fähigkeit fühlte sich wie Muskel Erinnerung an, wie sie die genauen Falzen kreierte in einer bestimmten Reihenfolge, an die sie sich nicht erinnern konnte, sie jemals gelernt zu haben.

Ihr Vater? Vielleicht?

Jemand mit wendigen, genauen Fingern. An einem Küchentisch, der sie durch die Schritte führte.

Wenn du eintausend Kraniche in einem Jahr faltest, dann hast du eine Wunsch frei.", sagte eine männliche Stimme.

Nein, dann bekommst du Glück und Fröhlichkeit.", kam eine Stimme aus dem Zimmer nebenan.

Das ist doch das gleiche."

Nicht wirklich. Ein Wunsch nimmt an, dass die Person weiß was das Beste für sie ist. Glück und Fröhlichkeit überlässt es dem Schicksal, sie an den richtigen Ort zu führen. Ich wäre viel lieber mit Glück und Fröhlichkeit gesegnet als mit nur einem einzigen Wunsch."

Okay Konfuzius. Ich ergebe mich deinem überlegenen Wissen des Mystischen."

Jetzt versuchst du mich aber mit Absicht zu provozieren. Konfuzianismus mit japanischer Mythologie zu vermischen ist eine Beleidigung der Gotteslehren. Ich werden dich nicht den Kopf unserer Tochter mit solchen Fehlinformationen füllen lassen."

Vielleicht rege ich nur ihr kritisches Denken an... Okay ich entschuldige mich aufrichtig dafür, wie schlecht erzogen sie jetzt sein wird. Ich übernehme die volle Verantwortung, wenn es dazu führen wird, dass sie von der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen wird und dazu gezwungen sein wird, die Erde als Nomade zu bewandern. In Zukunft werde ich sicherstellen, dass ich alles was ich sage vorher in der Bibliothek nachlese und mit Quellen belege."

Ja danke. Das wäre super."

Die Probleme, die man hat, wenn man jemanden heiratet, mit dem es nie langweilig wird sind, dass sie einen nicht einmal ihren Frieden lassen können, wenn man nur versucht seiner Tochter sein Lieblingshobby beizubringen. Komm her ich zeige dir wie man Mosaik Origami macht. Davon hat deine Mutter nämlich keine Ahnung. Ich habe erst einen Artikel von einem Astrophysiker gelesen, der vorgeschlagen hat, diese Technik zu verwenden, um große Membranen auf Satelliten anzubringen."

Hermine faltete Origami Kraniche, bis sich ihre Fingerspitzen wund anfühlten. Dann arrangierte sie sie auf dem Boden, sodass sie mit ihren Flügeln ausgestreckt dastanden.

Die Zeitung hatte nicht die ideale Papierdicke für Origami, aber es war etwas, das sie tun konnte. Hermine hatte schon so lange nichts mehr zu tun gehabt.

Es war sehr schade, dass japanische Mythologie nicht echte Magie war. Sie würde hunderttausende Kraniche falten, wenn es ihr nur ein bisschen Glück bringen würde.

Sie sammelte alle Kraniche auf und glättete sie. Sie ließ sie in einem ordentlichen Haufen für die Elfen liegen, damit sie sie verschwinden lassen konnten.

Sie wunderte sich wie ihre Eltern wohl gewesen waren. Was für Berufe sie hatten.

Sie hoffte, dass sie sich nicht erinnern konnte hieß, dass sie in Sicherheit waren. Dass sie sie beschützt hat, bevor der Krieg angefangen hatte.

Sie hoffte, dass sie nicht wussten, was aus ihrer Tochter geworden ist.