XIII. Nicht wie der Vater

„Also bist du letzten Endes doch ein Adliger", sagt Percival und schüttelt mit einem amüsierten Ausdruck auf dem Gesicht den Kopf. Er sitzt zusammen mit Elyan und Galahad an einem runden Holztisch, der in einem der Zimmer steht, die Königin Annis den Rittern zur Verfügung gestellt hat.

Gwaine sieht Percival verständnislos an. „Ich habe euch doch erzählt, dass mein Vater ein Ritter in Caerleons Armee gewesen ist."

Percival zuckt mit den Schultern und trinkt einen Schluck aus dem Becher, der vor ihm auf dem Tisch steht, während Elyan etwas schuldbewusst dreinschaut.

„Ja schon, aber wir haben dir das nicht wirklich geglaubt, weil… naja, weil du du bist", sagt Elyan mit einer vagen Handbewegung.

Gwaine, der neben dem Tisch steht, stemmt die Hände in die Hüften. „Was soll das denn bitte heißen?", fragt er empört.

Lancelot kann sich ein Schmunzeln nicht länger verkneifen, während er die Szene vor sich beobachtet. Er hat sich gegen einen Tisch an der Wand gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt, während er selbst ebenfalls noch nicht ganze glauben kann, was er kurz zuvor im Thronsaal der Burg über Gwaine erfahren hat. Auch er ist sich sicher gewesen, dass Gwaine sich einen Scherz mit ihnen erlaubt hatte, als er ihnen von seinem Vater erzählt hat. Im Nachhinein betrachtet, hätte er es wohl besser wissen müssen. Gwaine schert sich nicht darum, was andere von ihm denken und soweit Lancelot weiß, hat er es nur ihrem kleinen Kreis erzählt und nicht den älteren Rittern, von denen es immer noch einige gibt, die keine Gelegenheit auslassen Percival, Elyan, Tristan, Isolde und Gwaine spüren zu lassen, dass sie es in ihren Augen nicht verdienen Ritter zu sein. Es sind Blicke oder Worte mit denen sie ihre Verachtung kundtun, nie etwas, das man als offen feindselig bezeichnen könnte, denn Arthur hat klargestellt, dass er die Ritter der Tafelrunde und auch Tristan und Isolde über alle Maßen schätzt.

Lancelots sieht zu Boden, als in ihm wieder das Gefühl von Schuld aufsteigt, weil er bis jetzt alle in dem Glauben gelassen hat, dass er ein Adliger sei. Er würde gerne sagen, dass er es getan hat, um geheim zu halten, dass Arthur das Gesetz für ihn gebrochen hat, als er ihn zum Ritter geschlagen hat, aber im Grunde hat Lancelot es getan, weil er ein Feigling ist, und er die Achtung, die er bei den älteren Rittern genießt, nicht verlieren wollte. Er weiß, dass es ihren kleinen Kreis, der aus den Rittern der Tafelrunde und einigen anderen besteht, nicht kümmern würde zu erfahren, dass er in Wirklichkeit ein Bürgerlicher ist, aber bis jetzt hat er nicht den Mut aufbringen können ihnen die Wahrheit zu sagen.

„Naja du bist einfach nicht besonders… adlig", sagt Galahad auf Gwaines Frage hin und er zuckt mit den Schulten, als ob das erklären würde, warum alle seine Geschichte für einen Scherz gehalten haben.

Gwaine schnaubt. „Ich wurde nicht als Adliger erzogen, ich hatte nur zufällig einen Vater, der von adligem Blut war."

„Und der der Bruder von König Caerleon gewesen ist, was dich zu einem Prinzen macht", sagt Lancelot stellvertretend für die anderen, denn genau das ist es, um das es hier geht.

Gwaine rollt mit den Augen. „Was spielt das für eine Rolle? Ich bin immer noch ich. Und du bist auch von adliger Herkunft, Lancelot, also was soll das ganze überhaupt?"

Lancelot zögert noch einen Augenblick lang, bevor er antwortet. „Ja, nur dass ich das nicht bin."

Die andere sehen ihn überrascht an.

„Was bist du nicht?", fragt Elyan schließlich verwirrt und Lancelot atmet ein Mal tief durch.

„Ich bin kein Adliger, weil ich nicht der fünfte Sohn von Lord Morian von Daventry bin. Ich weiß überhaupt nicht wer das ist. Arthur hat sich das ausgedacht und Merlin hat die Dokumente gefälscht, damit ich ein Ritter werden konnte, ohne dass Arthur damals schon so kurz nach seiner Krönung den Kodex der Ritter hatte ändern müssen."

Lancelot sieht argwöhnisch in die Runde seiner Freunde, aber auf ihren Gesichtern sieht er, dass keiner ihn für seine Lüge verurteilt. Ihnen ist es egal, ob er ein Adliger ist oder nicht und sie verstehen, warum Lancelot seine wahre Herkunft bis jetzt geheim gehalten hat, sei es um Arthur zu beschützen, oder weil er einfach bisher nicht den Mut aufgebracht hat es ihnen zu erzählen.

„Wo kommst du dann her?", fragt Percival neugierig.

Lancelot zuckt mit den Schultern. „Aus einem kleinen Dorf an der Grenze zu Mercia. Meine Eltern sind Bauern. Ich habe von einem alten Söldner, der mit seiner Frau und seiner Tochter in unserem Dorf gelebt hat, gelernt wie man mit dem Schwert umgeht."

Elyan schnaubt und schüttelt dann mit einem Grinsen auf dem Gesicht den Kopf. „Der, von dem wir dachten, er sei ein Adliger, ist ein Bürgerlicher und der, von dem wir dachten, er ist ein Bürgerlicher, ist in Wahrheit ein Prinz. Hat noch jemand hier eine geheime Herkunft, die er bis jetzt verschwiegen hat?" Er sieht erwartungsvoll in die Runde, aber Galahad und Percival schütteln den Kopf.

„Mein Vater ist Bauer", sagt Percival. „Und wir alle kennen Galahads Tante, also gibt es auch da keine Überraschungen."

Für einen Moment herrscht Stille im Zimmer, während alle ihren Gedanken nachhängen, bis Elyan Gwaine ansieht. „Warum hast du Arthur jetzt die Wahrheit erzählt?"

Gwaine seufzt schwer. „Ich musste es tun. Es bestand die Möglichkeit, dass mich hier jemand erkennen würde, auch wenn es nicht sehr wahrscheinlich gewesen ist. Ich wollte einfach nicht, dass er es auf diese Weise herausfindet. Das hätte er nicht verdient." Gwaine schnaubt und schüttelt den Kopf. „Und dann ist er auf die Idee gekommen, dass mich Annis als Prinz von Gwynedd anerkennen könnte und ich als Fundament für den Friedensvertrag zwischen Gwynedd und Camelot Morgana heiraten soll."

„Morgana hat sich damit einverstanden erklärt, hoffe ich doch?", fragt Galahad misstrauisch.

Gwaine rollt mit den Augen. „Ja, natürlich hat sie das. Arthur hegt genauso wenig einen Todeswunsch wie ich."

Percival lacht leise und trinkt einen Schluck aus seinem Becher, während Elyan sich ein Grinsen nicht verkneifen kann.

„Und außerdem", fährt Gwaine fort und ein Grinsen tritt auf sein Gesicht. „Morgana und ich treffen uns seit einiger Zeit."

Lancelot sieht ihn überrascht an. „Also ist sie die Dame von der du uns nichts erzählen wolltest? Aber das hat kurz nach dem Turnier diesen Frühling angefangen, als sie dich im Halbfinale besiegt hat."

Gwaine zuckt mit den Schultern und sein Grinsen wird noch eine Spur breiter. „Was soll ich sagen? Ich mag Frauen, die stark und wild sind, so wird es nie langweilig im Bett, wenn ihr wisst, was ich meine." Er wackelt mit den Augenbrauen und Lancelot spürt wie er rot im Gesicht wird, während Elyan und Percival anfangen zu lachen.

„Es wundert mich, dass Arthur dir nicht den Kopf abgeschlagen hat, als du ihm gesagt hast, dass du mit Morgana schläfst", meint Elyan mit einem Kopfschütteln.

Gwaine verzieht das Gesicht. „Er wusste es bereits. Er hat uns… naja vor einige Zeit zusammen im Bett erwischt. Und es war ziemlich knapp; dass er mir nicht den Kopf abgeschlagen hat, meine ich."

Lancelot und die anderen sehen Gwaine ungläubig an, bis Percival schallend anfängt zu lachen.

„Nur du, mein Freund", sagt er und prostet Gwaine mit seinem Becher zu.

Gwaine grinst verlegen und fährt sich mit einer Hand durch die Haare.

„Also wirst du jetzt der Prinz von Gwynedd und der Gemahl der Prinzessin von Camelot", fasst Lancelot schließlich zusammen.

Gwaine nickt. „Sieht ganz so aus. Es sei denn einer von euch hat ein Problem damit?", fragt er herausfordernd und sieht in die Runde seiner Freunde.

Percival leert seinen Becher mit einem letzten Zug und zuckt dann mit den Schultern. „Von mir aus. Aber ich denke ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir dich nicht Sire oder Eure Hoheit nennen werden."

Annis' Männer führen Merlin, Arthur und Gwaine zu der Halle, in der sie bereits zuvor gewesen sind. Es ist mittlerweile dunkel draußen und Arthur, Merlin und die Ritter haben die vergangenen Stunden in den Räumen, die Königin Annis ihnen zur Verfügung gestellt hat, verbracht, während sie darauf gewartet haben, dass Annis und ihre Berater eine Entscheidung treffen.

Nun scheint diese Entscheidung gefallen zu sein und daraus, dass Annis nur ihn, Merlin und Gwaine zu sich gebeten hat, schließt Arthur, dass sie ihren Rat davon überzeugen konnte, auf Arthurs Bedingungen einzugehen. Annis ist eine kluge Frau, der das Schicksal ihres Volkes sehr am Herzen liegt und genau deswegen weiß Arthur, dass sie Gwynedd besser regieren wird, als Caerleon es bisher getan hat.

Als die Türen der großen Halle geöffnet werden, sieht Arthur, dass in der Mitte ein großer Tisch aufgestellt worden ist, auf dem sich mehrere Teller und Schalen mit Speisen befinden. Annis sitzt am Kopfende des Tisches und außer ihr ist nur ein Diener, ein junger Mann mit blonden Haaren, im Raum.

Die Männer, die Arthur, Merlin und Gwaine hierher gebracht haben, bleiben am Eingang zur Halle stehen und schließen die großen Holztüren hinter ihnen.

„Bitte, nehmt Platz", fordert Annis sie auf und Arthur, Merlin und Gwaine nehmen auf den Stühlen zu beiden Seiten des Tisches Platz.

Der Diener, der hinter Annis steht, tritt heran und schenkt ihnen allen ein dünnes Bier aus einem Krug ein, bevor er den Krug auf den Tisch stellt und dann die Halle durch eine kleine Tür an der Seite verlässt.

„Ich hoffe, die Räume, die ich Euch zur Verfügung gestellt habe, sind zu Eurer Zufriedenheit", erkundigt sich Annis höflich und nimmt als erste einen Schluck aus ihrem Becher.

Arthur nickt und trinkt ebenfalls einen Schluck. „Das sind sie. Habt viele Dank. Ich nehme an, Ihr und Eure Berater seid zu einer Entscheidung gelangt, die darin besteht, dass Gwynedd und Camelot in Zukunft Verbündete sein werden."

Annis stellt den Becher bei Seite und sieht Arthur geradewegs an. „Das Stimmt. Ganz gleich was mein Ehemann in der Vergangenheit getan hat", sagt sie und ihr Blick wandert bei diesen Worten zu Gwaine hinüber. „Ich liebe ihn und ich möchte, dass er wohlbehalten an meine Seite zurückkehrt. Er wird nicht länger König von Gwynedd sein und Ihr werdet im Gegenzug dafür Euren Anspruch auf die Gebiete zwischen den Dörfern Stonedown und Everwick westlich des Flusses aufgeben."

„So wie ich es versprochen habe", entgegnet Arthur mit einem Nicken.

„Es gibt allerdings noch eine Sache, die der Klärung bedarf", fährt Annis fort und der Ausdruck auf ihrem Gesicht ist ernst. „Ich habe keine Kinder und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird. Und obwohl ich es zu schätzen weiß, dass Ihr Gareths Sohn zu uns zurückgebracht habt und ich ihn als Prinzen von Gwynedd anerkennen werde, so wie es sein Recht ist, werde ich Gwaine nicht zum Thronfolger krönen."

„Den Göttern sei Dank", stößt Gwaine erleichtert hervor und Annis dreht den Kopf zu ihm, um ihn mit einem erstaunten Blick anzusehen.

Merlin kann sich ein leises Schnauben nicht verkneifen und Arthur bleibt nichts Anderes übrig, als mit einem Seufzen den Kopf zu schütteln. Zwar spielt es im Grund keine Rolle, da er ohnehin nicht vorgehabt hat, darauf zu bestehen, dass Gwaine als Thronfolger von Gwynedd eingesetzt wird, aber er nimmt sich fest vor Lady Evaine und Lord Allendale zu bitten, Gwaine für die Zukunft in höfischer Etikette und Verhandlungstaktiken zu unterweisen.

Gwaine, dem bewusstwird, dass er seine Reaktion besser hätte verbergen sollen, verzieht das Gesicht und er hat den Anstand verlegen den Blick auf die Tischplatte zu richten. „Tut mir leid, ich wollte nicht…", beginnt er, aber Arthur unterbricht ihn.

„Schon gut", sagt er, bevor er sich wieder an Annis wendet. „Euer Hoheit, ich hatte nie die Absicht die Thronfolge Eures Reiches zu kontrollieren und Gwaine hat kein Verlangen danach König zu werden. Ich weiß wie wichtig Familie ist und die Heirat zwischen Gwaine und Morgana soll ein Zeichen für Euer Volk sein, dass wir die aufrichtige Absicht haben, unsere beiden Länder zu Verbündeten zu machen, indem wir unsere Familien vereinen. Ich bin sicher, Ihr werdet mit weiser Überlegungen einen Nachfolger für den Thron von Gwynedd auswählen."

Annis sieht Arthur mit einem nicht zu deutenden Ausdruck auf dem Gesicht an und der Moment zieht sich in die Länge, bis sie schließlich kaum merklich den Kopf schüttelt. „Ihr seid nicht was ich erwartet habe, Arthur Pendragon. Ich kann es nicht erklären, aber Ihr seid sehr weise für Euer junges Alter."

Arthur lächelt schmal und gibt Annis die Antwort, die er auf diese Feststellung hin bereits einige Male gegeben hat. „Ich bin nicht mein Vater", sagt er bestimmt. „Und ich will Frieden für ganz Albion."

Annis sieht ihn prüfend an. „Ich habe über die Jahre hinweg viele Männer von Frieden sprechen hören, aber sie alle wollten dieses Ziel erreichen, indem sie der Herrscher über ein gewaltiges Reichen werden und versucht haben jeden zu töten, der sich ihnen in den Weg stellt."

Arthur begegnet Annis Blick gelassen. „Wie ich bereits gesagt habe, ich habe nicht den Wunsch Euer Königreich zu übernehmen und die Tatsache, dass ich es könnte, ohne das Leben eines einzigen meiner Soldaten zu gefährden, sollte Euch Beweis genug dafür sein."

Annis mustert Arthur für einen weiteren langen Moment und Arthur glaubt, dass sie langsam beginnt seinen Worten tatsächlich Glauben zu schenken. Dann ist der Augenblick vorüber und Annis macht eine einladende Geste zu den Speisen auf dem Tisch vor ihnen. „Bitte, esst."

Arthur greift nach einer der Platten mit kaltem Braten und nimmt einige Scheiben herunter, bevor er nach einem Stück Brot greift. Merlin und Gwaine greifen ebenfalls zu und nachdem sie alle zu essen begonnen haben, ist es Annis, die eine Unterhaltung beginnt und das Wort an Gwaine richtet.

„Also Gwaine, wie kam es, dass Ihr ein Ritter von Camelot geworden seid?"

Gwaine beeilt sich hastig den Bissen Käse, den er gerade im Mund hat, hinunter zu schlucken und ein verlegenes Grinsen tritt auf sein Gesicht. Statt einer Antwort wirft er Arthur jedoch einen fragenden Blick zu.

Arthur lächelt schmal und überlegt einen Moment lang, ob er Annis diese Geschichte erzählen soll, aber er beschließt, dass es wohl nicht schaden kann.

„Er hat mir in einer Tavernenschlägerei das Leben gerettet", antwortet Arthur schließlich.

Was auch immer Annis für eine Antwort erwartet hat, ihr Gesichtsausdruck macht deutlich, dass es das mit Sicherheit nicht gewesen ist.

Arthur erlaubt sich ein amüsiertes Lächeln, als er an den Tag zurückdenkt, an dem er und Merlin Gwaine in dieser Zeit zum ersten Mal getroffen haben. „Eine Gruppe von Banditen hat in einem kleinen Dorf, in dem Merlin und ich auf einem Jagdausflug Raste gemacht haben, Geld von der Besitzerin der Taverne erpresst. Ich beschloss einzugreifen und da ich und Merlin an diesem Tag allein und unerkannt unterwegs waren, fanden wir uns schnell in der Unterzahl wieder. Gwaine hat uns seine Hilfe angeboten ohne zu wissen, wer ich war und am Ende hat er mir das Leben gerettet, indem er ein Messer abgefangen hat, das mich ansonsten in den Bauch getroffen hätte."

Annis sieht erstaunt zu Gwaine hinüber, der verlegen grinst und mit den Schultern zuckt. „Was soll ich sagen? Ich verabscheue Rüpel, die andere Menschen tyrannisieren und ich habe eine Schwäche dafür scheinbar aussichtslose Situationen ins Gegenteil umzukehren."

Annis schmunzelt amüsiert und schüttelt den Kopf, während sie Gwaine anerkennend ansieht. „Was habt Ihr in dem Dorf gemacht?"

Gwaine zuckt erneut mit den Schultern. „Nichts von Bedeutung. Ich war nur auf der Durchreise. Nachdem meine Schwester gestorben ist, habe ich Gawant verlassen und mich für ein paar Jahre einer Söldnertruppe angeschlossen. Sie haben mir alles beigebracht, was ich über das Kämpfen weiß. Später bin ich dann alleine durch Camelot und Mercia gereist auf der Suche nach Arbeit."

Annis mustert ihn eindringlich. „Warum seid Ihr nie nach Gwynedd zurückgekehrt?"

Gwaine schiebt für einen Augenblick mit seiner Gabel ein Stück Fleisch auf seinem Teller von einer Seite zur anderen, bevor er antwortet. „Ich wollte kein Adliger sein, ich hatte alles was ich brauchte: Mein Schwert und meine Freiheit um überall hinzugehen wo ich wollte und das zu tun was mir gerade in den Sinn kam."

„Bis Ihr Arthur nach Camelot gefolgt seid und ein Ritter wurdet", stellt Annis fest und Gwaine nickt.

„Ja, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, als er mir gesagt hat, dass er der König von Camelot ist, dachte ich, er wäre verrückt und ich bin Merlin und ihm nur aus dem Grund nach Camelot gefolgt, weil ich sehen wollte, ob sie Arthur für seine Dreistigkeit aufknüpfen würden."

Annis sieht zu Arthur hinüber und als Arthur diese Geschichte mit einem Nicken bestätigt, beginnt sie amüsiert zu lachen, bevor sie den Kopf schüttelt. „Ich mag Euch, Gwaine. Euer Herz ist am rechten Fleck und Ihr kümmert Euch nicht darum, was andere von Euch denken. Carys und Gareth wären stolz auf den Mann, der aus Euch geworden ist."

Gwaine sieht erstaunt aus, als Annis das sagt, und er versucht seine Verlegenheit damit zu überspielen, dass er seinen Becher vom Tisch nimmt und in die Höhe hält. „Auf meine Eltern, Gareth und Carys."

Annis, Arthur und Merlin heben ebenfalls ihre Becher an und Annis tauscht einen kurzen Blick mit Arthur, als sie auf Gwaines Eltern anstoßen und ihre Becher dann wieder zurück auf dem Tisch stellen.

„Ich muss sagen, ich bin erstaunt, dass Ihr Euren Zauberer zusammen mit Gwaine weggeschickt habt. Habt ihr denn keine Angst, dass ich mich dazu entschließen könnte, Euch doch noch in den Kerker werfen zu lassen?"

Annis sieht Arthur im Schein der herunterbrennenden Kerzen auf dem Tisch interessiert an.

Arthur schmunzelt leise. „Nein, das habe ich nicht. Und Merlin genauso wenig, sonst wäre er nicht gegangen."

Es ist bereits spät und Annis und Arthur sitzen alleine am Tisch in der großen Halle. Das Essen ist schon vor einiger Zeit von den Dienern abgeräumt worden und Gwaine und Merlin haben sich zurückgezogen, um Arthur und Annis von Herrscher zu Herrscher reden zu lassen.

Annis lächelt schmal und trinkt einen Schluck aus ihrem Becher. „Ich habe Uther nie gemocht. Er mag seinem Volk ein guter König gewesen sein, aber er war halsstarrig und arrogant."

Wieder mustert Annis Arthur aufmerksam, so als ob sie darauf warten würde, dass Arthur seinen Vater verteidigt.

Arthur jedoch nickt lediglich knapp. „Da habt Ihr Recht. Und das sind Charakterzüge, die sich bei vielen Herrscher wiederfinden lassen. Euer Ehemann ist diesbezüglich keine Ausnahme."

„Aber Ihr schon", antwortet Annis mit einer hochgezogenen Augenbraue.

Arthur schüttelt mit einem amüsierten Lächeln den Kopf. „Oh, gewiss nicht. Ich bin nur klug genug, um auf meine Freunde und Berater zu hören, wenn sie mir sagen, dass ich mich wie ein aufgeblasener Arsch benehme, anstatt ihnen die Köpfe für ihre Direktheit abschlagen zu lassen."

Annis sieht ihn erneut mit diesem Blick an, als ob sie versuchen würde sich einen Reim auf ihn zu machen, es ihr aber nicht ganz gelingen würde. Arthur kann es ihr nicht verdenken, denn sie kann schließlich nicht wissen, dass seine Besonnenheit daraus resultiert, dass er alle seine Fehler in einer anderen Zeit bereits gemacht und schmerzlich aus ihnen gelernt hat.

„Ich war überrascht, als mich die Nachricht erreicht hat, dass Ihr nach Eurer Krönung die Strafen auf Magie in Eurem Königreich aufgehoben und einen Hofzauberer ernannt hattet", sagt Annis als nächstes. „Zuerst dachte ich, es wäre eine List, um auch noch den letzten Zauberer in Camelot aus seinem Versteck zu locken."

Arthur erwidert Annis' Blick unverwandt, denn er ist nicht im mindesten verwundet, dass sie diesen Gedanken gehabt hat. Nachdem Uther damit begonnen hatte die Alte Religion abzulehnen und die Druiden aus Camelot zu vertreiben, war es damals zum Streit mit Caerleons Vater gekommen, der sich geweigert hatte, Magie auch in seinem Königreich unter Todesstrafe zu stellen. Camelot brauchte Gwynedd zu diesem Zeitpunkt jedoch noch zu sehr um einen Krieg zu riskieren und so herrschte eine Zeit lang ein angespannter Frieden. Erst als Uther mit der großen Säuberung begann und Caerleon nach dem Tod seiner Vaters König wurde, wiederholte Uther seine Forderung und drohte damit Caerleon gewaltsam dazu zu zwingen Magie in Gwynedd zu verbieten. Caerleon erklärte ihm daraufhin den Krieg und obwohl Uther es schaffte Caerleon zu besiegen, fügte Caerleons Armee Camelots in der Schlacht von Denaria erhebliche Verluste zu und so blieb Uther nichts Anderes übrig, als sich schließlich zurück zu ziehen und Caerleons Widerstand zu dulden.

Annis dreht ihren Becher in den Fingern und schüttelt nachdenklich und ein wenig verwundert den Kopf. „Ich war davon überzeugt, dass es eine List sein musste, um Magie in Eurem Königreich ein für alle Mal auszurotten, aber jetzt, da ich Euch mit Eurem Hofzauberer gesehen habe, weiß ich es besser. Ihr vertraut ihm mit Eurem Leben und dem Leben Eurer Ritter."

Arthur nickt. „Das tue ich, weil ich mir seiner Loyalität sicher sein kann."

Die Gewissheit mit der Arthur diese Worte sagt, scheint Annis zu überraschen, denn sie zieht die Augenbrauen nach oben. „Niemand kann sich der Loyalität eines anderen Menschen je wirklich vollkommen sicher sein."

„In diesem Fall jedoch kann ich es", entgegnet Arthur mit einem Lächeln auf den Lippen. „Er hat mir öfter das Leben gerettet, als ich zählen kann. Und das bereits zu der Zeit als er noch mein Diener gewesen ist und er hat nie etwas dafür verlangt, obwohl ich ihn am Anfang furchtbar behandelt habe. Er teilt meine Vision von einem friedlichen Albion und er wird mich dabei unterstützen diese Ziel zu erreichen."

Annis sieht ihn ungläubig an. „Euer Vater hat Magie mit jeder Faser seines Körpers gehasst und er hat hunderte von Zauberern getötet. Wie kann ein Zauber so großes Vertrauen in einen Pendragon setzen?"

Arthur schmunzelt. „Diese Frage habe ich mir früher auch gestellt, das könnt Ihr mir glauben. Merlin hat sich einfach zu entschlossen an mich zu glauben und dieser Glaube hat mich zu einem besseren Menschen gemacht."

„Was er heute getan hat, war keine gewöhnliche Magie", sagt Annis nach einem Moment und mustert Arthur mit einem eindringlichen Blick.

„Nein, das war es nicht", antwortet er, doch dabei lässt er es bewenden, ohne zu einer weiteren Erklärung anzusetzen.

Annis sieht ihn nachdenklich an, und schließlich stellt sie ihren Becher bei Seite. „Es ist schon spät und es war ein ereignisreicher Tag."

Arthur nickt und erhebt sich von seinem Stuhl. „Dann werde ich mich jetzt in die Gemächer zurückziehen, die Ihr uns zur Verfügung gestellt habt. Ich wünsche Euch eine gute Nacht Königin Annis."

Arthur neigt den Kopf und Annis erwidert die Geste, bevor er sich umdreht und die Halle verlässt, um Annis ihren Gedanken zu überlassen.

Am nächsten Morgen kontaktiert Merlin Morgana mit einem Zauber, der es ihm erlaubt durch den Spiegel auf Morganas Spiegeltisch mit ihr zu sprechen. Morgana hat an jedem Morgen, seitdem Arthur, Merlin und die Ritter Camelot verlassen haben, auf eine Nachricht gewartet und als Merlin ihr mitteilt, dass Annis bereit ist, Arthurs Forderungen zu akzeptieren, brechen Tristan, Isolde, Ector und Morgause auf, um Caerleon nach Gwynedd zu eskortieren. Caerleons Männer, die Arthur gefangen genommen hat, werden zur gleichen Zeit freigelassen und mit etwas Proviant versorgt, damit sie sich zu Fuß auf den Weg zurück nach Gwynedd machen können.

Währenddessen beginnen Arthur und Annis die Einzelheiten des Friedensvertrages zwischen Camelot und Gwynedd festzulegen und es dauert keinen Tag, bis die Schreiber das endgültige Dokument aufsetzen können. Der Grund dafür ist, dass Arthur die Bedingungen des Vertrages diktiert und Annis nur wenig Spielraum für Verhandlungen lässt, aber da der Vertrag für beide Seiten gleichermaßen vorteilhaft ist und niemand als Verlierer dasteht, hat Arthur keine Bedenken deswegen.

Die Abende und die Nächte verbringen Arthur, Gwaine und Merlin damit zusammen mit Annis bis tief in die Nacht am Feuer des Kamins in der großen Halle zu sitzen und zu reden. Arthur hat Annis immer sehr geschätzt und er erzählt ihr von seinem Plan eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes für ganz Albion zu schaffen. Zwar hat sie gesehen über welche Macht Merlin verfügt und wie bedingungslos er Arthur ergeben ist, aber sie hält Arthurs Vorhaben noch immer für Wunschdenken, auch wenn sie zu höflich ist, um es ihm direkt ins Gesicht zu sagen.

Annis versucht außerdem Gwaine besser kennen zu lernen und eine von Annis' Vertrauten, die Frau mit den blonden, am Kopf entlang geflochtenen Haaren, setzt sich an einem Abend zu ihnen und erzählt, dass sie damals eine Freundin von Gwaines Mutter gewesen ist.

Während des Abendessens am dritten Tag nach Arthurs Ankunft in Annis' Burg, geht die Tür auf und eine Wache tritt mit einer Verbeugung vor sie. „Meine Königin, die Wachposten haben Reiter im Osten ausgemacht. Sie sind in Camelots Farben gekleidet und der… Eurer Gemahl ist bei Ihnen."

Annis übergeht die Tatsache, dass der Mann beinahe ‚der König' gesagt hätte und nickt. „Viele Dank, ich werde in Kürze da sein."

Der Mann verbeugt sich und verlässt den Raum wieder, während Annis überrascht zu Arthur hinüber sieht. „Sie sind schneller hier, als ich erwartet hatte."

Arthur nickt. „Ich habe meiner Schwester gesagt, dass Ihr Euren Mann so schnell wie möglich wieder an Eurer Seite haben wollt. Ich bin sicher meine Ritter sind so schnell geritten wie sie konnten, ohne die Pferde zu überanstrengen."

Annis richtet ihren Blick auf den Tisch und nickt, tief in Gedanken versunken, bevor sie wieder aufsieht. „Mit Eurer Zustimmung würde ich gerne zunächst alleine mit meinem Mann sprechen, wenn er hier eintrifft."

„Natürlich, Euer Hoheit", antwortet Arthur ohne zu zögern. „Wir werden uns derweil in unsere Gemächer zurückziehen." Er steht von seinem Stuhl auf und Merlin und die Ritter tun es ihm gleich, bevor sie die Halle verlassen und in Arthurs und Merlins Zimmer gehen.

Während Lancelot die Tür hinter ihnen schließt, lässt sich Gwaine auf einen Stuhl fallen und mustert Arthur neugierig. „Du siehst nicht sehr besorgt darüber aus, dass Caerleon wieder in Gwynedd ist."

„Stimmt, das bin auch nicht", entgegnet Arthur gelassen.

Gwaine hebt die Augenbrauen. „Huh. Und warum ist das so?"

„Weil wir von Caerleon nichts zu befürchten haben", antwortet Merlin. „Wir haben ihn mit demselben Zauber belegt, den wir schon bei Lot und beim Sarrum von Amata benutzt haben."

Die andere tauschen erstaunte Blicke und Elyan macht eine Handbewegung. „Warum dann all das hier? Warum verhandelt Ihr mit Annis und sorgt dafür, dass sie die alleinige Herrscherin über Gwynedd wird und dass Gwaine und Morgana heiraten, wenn Ihr Caerleon einfach hättet befehlen können den Friedensvertrag zu unterzeichnen?"

Bevor Arthur jedoch antworten kann, ergreift Galahad das Wort. „Weil das nicht besonders glaubhaft gewesen wäre."

Alle Blicke richten sich auf ihn und Galahad zieht ein wenig verlegen den Kopf ein, bevor er mit den Schultern zuckt. „Jeder weiß, dass Caerleon die Pendragons und Arthur hasst. Wenn er sich urplötzlich dazu bereiterklärt hätte einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, nachdem er mehrere Angriffe auf Camelots Grenze geführt hat, wäre das sehr schwer zu erklären gewesen. Vielleicht hätten sich seine Leute sogar gegen ihn aufgelehnt, weil sie gelglaubt hätte, er wäre schwach."

Arthur mustert Galahad einen Moment lang. Der junge Ritter ist nicht nur ein ernst zu nehmender Schwertkämpfer geworden, aufgrund seiner Adligen Herkunft hat er auch das nötige Verständnis für die Ränkespiele bei Hof.

„Galahad hat vollkommen Recht", sagt Arthur schließlich. „Wir mussten Caerleon aber dennoch mit dem Zauber belegen, um zu verhindern, dass er für den Rest seines Lebens versucht würde gegen mich zu intrigieren und eine Rebellion anzuzetteln. Er wird selbstverständlich außer sich sein, wenn Annis ihm eröffnet, was genau meine Bedingungen für den Friedensvertrag gewesen sind, aber er wird nicht versuchen seine verbliebenen Unterstützer aufzuhetzen und die Macht wieder an sich zu reißen."

Lancelot zieht die Augenbrauen zusammen und er sieht zuerst Arthur und dann Merlin forschend an. „Was ist mit Annis? Steht sie auch unter diesem Zauber?"

Arthur schüttelt den Kopf. „Nein, das war nicht nötig. Ich wusste, dass sie meinen Forderungen höchstwahrscheinlich nachkommen würde. Sie ist eine kluge Frau und ihr Volk liegt ihr sehr am Herzen. Ich hätte jedoch nicht gezögert auch sie mit dem Zauber zu belegen, wenn ich keine andere Wahl gehabt hätte."

Er lässt seinen Blick über seine Ritter wandern und er sieht jeden einzelnen von ihnen noch einmal eindringlich an. „Die Zeit des Friedens, zu der ich Albion führen will, ist zu wichtig, als dass ich Risiken eingehen könnte."

„Kann ich sie jetzt wieder absetzen?", fragt Gwaine mit einem flehentlichen Blick an Arthur gewandt, nachdem die letzten Türme der Burg und die Klippen auf denen sie erbaut wurde, hinter einem Hügel verschwunden sind.

Arthur rollt mit den Augen. Gwaine redet von seiner Krone, die er, seitdem Königin Annis sie ihm bei der Zeremonie heute Morgen auf den Kopf gesetzt hat, trägt. Der Ring aus Gold ist gerade einmal so breit wie zwei Finger, mit filigranen Ornamenten und verhältnismäßig schlicht, aber der bloße Gedanken daran, eine Krone auf dem Kopf zu tragen, bereitet Gwaine sichtlich Unbehagen.

„Ja, das kannst du. Aber sobald wir in Camelot ankommen, wirst du sie wieder aufsetzen, damit die Menschen wissen, dass du jetzt der Prinz von Gwynedd bist. Und bis zur Hochzeit in drei Wochen wirst du die Krone ununterbrochen tragen, damit sich alle an deinen neuen Status gewöhnen können", teilt Arthur ihm entschieden mit.

Gwaine verzieht das Gesicht, während er die Krone abnimmt und in seine Satteltasche steckt. „Das ist ungerecht!"

„Oh ja, dein Leben ist wirklich unerträglich hart", meint Percival mitfühlend, doch das Grinsen auf seinem Gesicht macht seinen Tonfall vollkommen zu Nichte.

Elyan hat ebenfalls ein breites Grinsen auf dem Gesicht. „Es ist eine wahre Zumutung zum Prinzen ernannt zu werden und dann auch noch eine Prinzessin heiraten zu müssen."

Lancelot prustet los, als er es nicht mehr schafft sich zusammen zu reißen und Gwaine versucht daraufhin sich zu ihm hinüber zu beugen und ihm einen Schlag auf die Schulter zu versetzen. Lancelot lenkt sein Pferd eilig zur Seite, sodass er außer Reichweite ist und Elyan hält Gwaine von der anderen Seite her fest.

„Hey, du bist jetzt ein Prinz. Du kannst nicht einfach deine Untertanen schlagen, das gehört sich nicht", verkündet Elyan und Merlin schnaubt, als er das hört.

Arthur versucht sich ein Grinsen zu verkneifen, scheitert aber kläglich.

Lancelot hebt derweil mahnend einen Finger. „Damit eins vollkommen klar ist", sagt er an Gwaine und auch an Elyan gewandt. „Ich bin ganz gewisse nicht dein Untertan. Du bist der Prinz von Gwynedd und ich bin ein Ritter von Camelot und selbst wenn du in drei Wochen Morgana heiratest, kannst du es dir gleich aus dem Kopf schlagen uns Befehle erteilen zu wollen."

Percival nickt bekräftigend. „Da stimme ich Lancelot voll und ganz zu. Und wir haben dir schon gesagt, dass wir dich nicht Sire nennen werden, also…"

Gwaine stöhnt leidgeplagt auf und schüttelt den Kopf. „Ich sehe schon wie es ist. Ich trage all die Verpflichtungen eines Prinzen ohne den Vorteil zu haben jemanden herumkommandieren zu können."

„Oh, du kannst herumkommandieren wen immer du willst, nur uns nicht ", meint Percival amüsiert.

Gwaine schlägt sich eine Hand auf die Brust, als ob er davon tief getroffen wäre, während er den Kopf zu Percival herumdreht. „Das ist Hochverrat!"

Arthur schnaubt, während die anderen Lachen. Dann lenkt er Hengroen neben Gwaine und legt ihm eine Hand auf die Schulter. „Nimm es nicht so schwer, Gwaine. Du bist jetzt zwar der Prinz von Gwynedd, aber bis auf offizielle Empfänge hast du keinerlei Verpflichtungen. Es ist ja nicht so, als ob du dich darauf vorbereiten müsstest ein Königreich zu regieren, weder Gwynedd noch Camelot. Das ist Morgans Aufgabe. Du wirst ein paar Wochen jedes Jahr zusammen mit Morgana in Gwynedd verbringen, aber ansonsten wird sich für dich nichts ändern. Du bist immer noch ein Ritter von Camelot und sobald du Morgana geheiratet hast, wird alles wieder seinen gewohnten Gang gehen. Und selbst wenn dich einige Leute von jetzt an anders behandeln, bin ich mir sicher, dass die anderen Ritter eine Ausnahme machen werden und dafür sorgen, dass dir dein neuer Status nicht zu Kopf steigt. Und ich und Morgana werden dir nach wie vor beim Training in den Arsch treten."

Die Tür zu Morganas Räumen wird von Innen ein Stück weit geöffnet und Guineveres Kopf erscheint im Türspalt. Sie wirft einen prüfenden Blick nach draußen und auf Arthur, der vor der Tür steht.

Arthur hebt die Hände und grinst. „Ich bin nicht Gwaine", versichert er.

Guinevere erwidert sein Grinsen. „Dann dürft Ihr wohl reinkommen." Sie tritt bei Seite und lässt Arthur hinein, bevor sie die Tür hinter ihm wieder schließt.

Morgana steht am Fenster, als Arthur den Raum betritt und er bleibt für einen Moment stehen, als sie sich zu ihm umdreht. Morgana sieht atemberaubend schön aus. Das Kleid, das sie trägt, ist in schlichtem Weiß gehalten und fällt von der Taille abwärts in weichen Wellen bis zum Boden hinunter. Die Ärmel sind an den Schultern gerafft und an den Oberarmen ist ein handbreiter Streifen mit einer goldenen Stickerei im Muster sich rankender Blumen verziert, zwischen denen rote Edelsteine eingenäht sind. Kurz darunter sind die Ärmel geschlitzt und reichen noch beinahe bis zum Saum des Kleides hinunter. Der Ausschnitt vorne ist rechteckig und über Morganas Busen befindet sich ebenfalls eine Stickerei aus Gold mit weiteren roten Edelsteinen. Um Morganas Hüften liegt ein schmaler y-förmiger Stoffgürtel ganz mit Gold durchwebt, der bis zum Saum des Kleides reicht und in gleichmäßigen Abständen vor drei großen, in Gold eingefassten und ebenfalls roten Edelsteinen beschwert wird. [14]

„Du siehst atemberaubend aus", sagt Arthur, als er seine Stimme wiedergefunden hat und Morgana lächelt.

Guinevere ist derweil zu dem kleinen Spiegeltisch hinübergegangen und greift nach einem dünnen Kamm und einigen Haarnadeln, die dort liegen. Anscheinend war sie mit Morganas Frisur noch nicht ganz fertig, als Arthur an der Tür geklopft hat. Morgana geht zu dem Tisch hinüber und setzt sich auf den Hocker, damit Guinevere sich wieder um ihre Haare kümmern kann.

„Das halbe Königreich ist hier", sagt Morgana dann mit einem ungläubigen Kopfschütteln und sieht durch den Spiegel zu Arthur, der hinter ihr steht.

Arthur lacht leise. Er hat die Menschen gesehen, die draußen auf dem Schlosshof stehen und darauf warten nach der Trauung im Thronsaal einen Blick auf Prinzessin Morgana und ihren Ehemann Prinz Gwaine von Gwynedd werfen zu können.

„Bist du nervös?", fragt er scherzhaft und Morgana rollt mit den Augen, bevor sie jedoch kurz ihren Blick sinken lässt und Arthur dann verlegen ansieht.

„Vielleicht ein bisschen", gibt sie zu.

Arthur lächelt aufmunternd. „Dafür gibt es keinen Grund. Du siehst absolut hinreißend aus und Gwaine verehrt dich ohnehin bereits wie eine Göttin."

Morgana lächelt verschmitzt, während Guinevere damit beginnt, kleine weiße Blüten in den Teil von Morganas Haaren zu stecken, der zu kunstvollen Zöpfen geflochten ist.

Morgana beobachtet Guinevere einen Moment lang dabei, dann sucht sie durch den Spiegel wieder Arthurs Blick und sieht ihn eindringlich an. „Ich will, dass du weißt, dass ich dir das niemals verzeihen werde."

Arthur sieht sie überrascht an. „Was denn?"

„Dass du mich aus politischen Gründen mit einem Prinzen verheiratest, obwohl du versprochen hattest, genau das nicht zu tun." Nach einem Moment zucken ihre Mundwinkle jedoch und Arthur lacht amüsiert, als ihm klar wird, dass Morgana ihm nicht wirklich Vorwürfe macht.

„Na schön", antwortet er. „Wenn du dich dann besser fühlst, den Mann, den du liebst zu heiraten, dann werde ich mit Freuden die Schuld für diese Hochzeit auf mich nehmen."

Morgana nickt knapp, während Guinevere hinter ihr versucht sich ein Grinsen verkneift.

„Gut. Ich wollte nur, dass du das weißt", entgegnet Morgana.

Arthur grinst und nickt nachsichtig. „Ich habe es zur Kenntnis genommen."

Guinevere steckt die letzte Blume in Morganas Haare, bevor sie nach einem goldenen Diadem greift, das ebenfalls mit mehreren roten Edelsteinen besetzt ist und es Morgana auf den Kopf setzt. Sie sieht Morgana noch einmal prüfend an, zupft eine von Morganas Locken zu Recht und nickt dann, bevor sie einen Schritt nach hinten macht. „Das war's. Ihr seid fertig."

Morgana betrachtet sich noch einen Moment lang im Spiegel und atmet dann ein Mal tief durch, bevor sie aufsteht. Sie dreht sich zu Arthur und Guinevere um und nickt entschieden. „Also gut. Dann los."

Arthur lächelt und bietet ihr seinen Arm an, den Morgana ergreift und zusammen mit Guinevere machen sie sich auf den Weg nach unten in den Thronsaal.

Die großen Türen der Halle sind geöffnet und als Morgana und Arthur im Eingang des Thronsaals erscheinen, beginnen die Fanfarenbläser neben der Tür zu spielen, um die Braut anzukündigen. Die wartenden Menschen, die zu beiden Seite der festlich geschmückten Halle stehen, drehen die Köpfe und Morgana lächelt, als sich alle Blicke auf sie richten. Arthur führt sie nach vorne zum Kopfende der Halle, wo Gwaine und Geoffrey auf sie warten. Gemeinsam steigen Arthur und Morgana die Stufen nach oben und Arthur übergibt seine Schwester an Gwaine, bevor er sich zu Uther und Merlin in die erste Reihe der versammelten Menschen stellt.

Die Klänge der Fanfaren verstummen, während Morgana und Gwaine sich an den Händen nehmen und einander im Schein, der durch die Fenster fallenden Sonnenstrahlen, ein glückliches Lächeln zuwerfen.

„Milords, Ladies und Gentlemen von Camelot und Gwynedd, wir haben uns heute hier versammelt, um durch den uralten Ritus zwei Menschen aneinander zu binden und die Vereinigung von Prinz Gwaine von Gwynedd und Prinzessin Morgana von Camelot zu zelebrieren", sagt Geoffrey für alle Anwesenden gut hörbar, bevor er sich an Gwaine wendet. „Ist es Euer Wunsch, Prinz Gwaine, Eins mit dieser Frau zu werden?"

Gwaine nickt, ohne seinen Blick von Morgana abzuwenden. „Das ist es."

Morgana lächelt strahlend.

„Und ist es Euer Wunsch, Prinzessin Morgana, Eins mit diesem Mann zu werden?", fragt Geoffrey und Morgana nickt ebenfalls.

„Das ist es."

„Widerspricht jemand in diesem Saal?", fragt Geoffrey schließlich die versammelten Menschen, doch niemand sagt etwas und Arthur kann auf allen Gesichtern in der Menge nur Glück und Freude sehen.

Geoffrey nickt schließlich und ein Diener tritt zu ihm, der ihm ein rotes, besticktes Kissen entgegenhält. Darauf liegt eine Ranke aus Efeu mit weißen Blüten, die zwischen die grünen Blätter gebunden wurden und Geoffrey wickelt die Ranke um Gwaines und Morganas Hände. „Indem ich diese Ranke um eure Hände binde, verbinde ich damit auch eure Herzen für alle Ewigkeit."

„Ich, Gwaine, Sohn von Gareth aus dem Clan Gruffydd und von Carys aus dem Clan Baynon, Prinz von Gwynedd", beginnt Gwaine, „werde nicht versuchen, dich in irgendeiner Weise zu verändern und ich werde dich respektieren, so wie ich mich selbst respektiere."

Morgana lächelt, bevor sie die Worte ebenfalls spricht. „Ich, Morgana, Tochter von Uther Pendragon und Vivienne von Hereford, Prinzessin von Camelot werde nicht versuchen, dich in irgendeiner Weise zu verändern und ich werde dich respektieren, so wie ich mich selbst respektiere."

Geoffrey nickt und breitet dann seine Arme aus. „Ich erkläre euch hiermit zu Mann und Frau."

Gwaine und Morgana beugen sich zueinander nach vorne und küssen sich, während die Menge zu klatschen beginnt.

Arthur wirft einen kurzen Blick zu Merlin neben sich, der ein breites Grinsen auf dem Gesicht hat und anschließend sieht Arthur zu Königin Annis auf der anderen Seite der Halle hinüber. Sie bemerkt seinen Blick und auch auf ihrem Gesicht liegt ein glücklicher Ausdruck, während sie kaum merklich nickt. Arthur erwidert das Nicken, bevor er Morgana und Gwaine nachsieht, die zum Ausgang der Halle gehen, um sich auf dem Balkon den Menschen zu zeigen, die bereits im Schlosshof gespannt darauf warten die Prinzessin und ihren Ehemann nach der Trauung bejubeln zu dürfen.


[14] Morganas Hochzeitskleid: www (Punkt) pinterest (Punkt) de/pin/447404544209898416/