Kapitel 15

Hermine hatte wieder ihren Fruchtbaren Zeitraum erreicht.

Der Tisch erschien wieder in der Mitte ihres Zimmers und sie fühlte sich resigniert beim seinem Anblick. Es hat angefangen sich unausweichlich anzufühlen.

Unausweichlich.

Hermine stellte mit einem niederschlagendem Gefühl fest, dass sie sich an ihren Käfig gewöhnte.

Malfoy würde sie über einem Tisch vergewaltigen und der Gedanke ist für sie eine Tatsache geworden. Sogar das Wort Vergewaltigung schien nicht mal mehr wirklich als Beschreibung zu passen.

Alles fing an sich –

Weniger anzufühlen.

Körperlich und psychisch, die Furcht hat angefangen weniger zu werden, als ihr Verstand sie dazu zwang sich anzupassen. Sie fühlte sich nicht mehr so, als ob ihr gleich schlecht werden würde. Ihr Herz schlug nicht mehr wie verrückt. Das Gefühl in ihrem Magen war nicht mehr so schlimm, dass sie dachte daran ersticken zu müssen.

Ihr Verstand verdrehte sich selbst in Rationalisierungen. Versuchte sich anzupassen. Damit sie überlebte.

Wenn ihre Situation besser werden würde, wäre sie weniger dazu geneigt einen Fluchtversuch zu starten. Weniger dazu geneigt Malfoy zu provozieren.

Auf wissenschaftlicher Ebene konnte sie es verstehen. Aus der Sicht einer Heilerin, konnte sie die Physiologie und Psychologie erklären. Es war unmöglich in einem dauerhaften Zustand der Angst, des Grauens, der Frucht zu bleiben. Ihr Körper konnte sich nicht in einem konstanten Zustand von Flucht oder Kampf befinden. Sie ist dazu gezwungen sich entweder anzupassen oder sie würde wahnsinnig werden. Der Trank den Malfoy ihr verabreicht hatte, hat wahrscheinlich dazu beigetragen den Vorgang zu beschleunigen.

Die Wissenschaft dahinter zu verstehen, machte ihre Erkenntnis nicht besser. Es machte es schlimmer. Sie wusste in welche Richtung ihr Verstand ging.

Sie ‚gewöhnte sich and das Anwesen'.

Der Gedanke erschütterte sie zutiefst.

Sie starre den Tisch an und wusste nicht, was sie dagegen tun könnte. Es war ja nicht so, als ob sie ihn bekämpfen konnte. Sie konnte sich nicht noch mehr widersetzten, als sie es ohnehin schon tat.

Er tat nichts um sie zu verletzten. Wenn sie dem ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken würde – sich davon abhalten würde mit den Gedanken wo anders zu sein – würde es alles eher schlimmer als besser machen.

Sie musste abhauen. Das war alles was sie tut musste. Sie musste einen Weg finden. Kein Käfig war perfekt. Niemand war perfekt. Es musste etwas an Malfoy geben, das sie benutzen konnte. Sie musste nur rausfinden was es war.

Sie musste. Sie musste.

Sie sagte sich diesen Ansatz immer und immer vor, als sie durch das Zimmer lief und sich über den Tisch beugte. Füße auseinander.

Denk nicht darüber nach, sagte sie zu sich selbst. Schlimmere Dinge würden passieren, wenn sie sich darüber nachdenken lassen würde.

„Ich werde abhauen.", versprach sie sich selber. „Ich werde irgendwo hingehen, wo sie Leute nett und freundlich sind und wo ich frei bin."

Sie kniff ihre Augen zusammen und sagte sich dieses Versprechen immer und immer wieder vor, bis sie hörte wie die Tür aufging.

Sie beobachtete, wie die Tage im Januar an ihr vorbeizogen.

Malfoy kam für fünf Tage zu ihr. Am sechsten Tag erschien er wortlos und untersuchte ihre Erinnerungen. Er schien beschäftigt zu sein.

Sie war auf sich alleine gestellt.

Sie faltete Origami. Sie erkundete das Haus. Sie erkundete die Ländlichkeiten. Sie las die Zeitung.

Die Berichte über Kriegsgeschehnisse wurden immer weniger. Die öffentliche Faszination über die Leihmütter nahm langsam einen Großteil der Gesellschaftsseiten ein. Sie tauchen immer regelmäßiger auch in der Öffentlichkeit auf; trotteten nebenher, wurden mit in die Oper genommen; sie wurden behandelt, als ob sie exotische Haustiere wären. Die Bilder der Mädchen mit Hauben wurden immer von wildem Getratsche begleitet; war das ein kleiner Bauch oder nur die Art, wie die ihre Roben fielen? Unbekannte Zeugen sagten Sachen wie ‚es besteh die Chance, dass die Flints bis Ende des Jahres einen Neuen Namen ihrem Stammbaum hinzufügen können.'

Heilerin Stroud war kurz angebunden, was nur noch mehr Raum für Spekulationen schuf.

Hermines Panik Attacken schienen fast der Vergangenheit anzugehören. Sie hat ihre Grenzen ausgetestet und versucht sie zu erweitern. Wenn sie sich konzentrierte und sich selbst damit ablenkte Portraits zu betrachten und das Anwesen und die Ländlichkeiten zu erkunden, schaffte sie es ruhig zu bleiben; wenn sie versuchte nicht über den Krieg und über jeden der tot war nachzudenken.

Sie wurde so gut darin sich abzulenken, dass sie manchmal für einen kurzen Moment vergaß, was sie verdrängte. Sie atmete ein und erlebte einen Moment, in dem sie sich nicht gebrochen oder trauernd oder verzweifelt fühlte.

Wenn es nur ihre Einsamkeit war, die sich vor ihr erstreckte.

Die Schuldgefühle, die sie nur einen Moment später übermannten, waren so kalt und bitter wie Meereswasser.

Sie erstarrte für einen Moment und schluckte den Klos des Grauens in ihrem Hals hinunter und erneuerte das Versprechen, dass sie abhauen würde.

Aber sie konnte nicht abhauen.

Sie untersuchte das Haus von oben bis unten. Sie fand ein Set Zauberschach und spielte Spiele gegen sich selbst. Sie baute Kartentürme mit einem Stapel Karten, die sie in einer Schublade gefunden hat. Sie besuchte die Pferde.

Es gaben keinen Weg, um zu fliehen.

Sie versuchte Malfoy zu finden, schaffte es aber nie. Sie wusste ja nicht einmal, ob er im Haus war. Er hätte wo anders sein können oder nur hinter einer der Türen, die sie nicht öffnen konnte. Manchmal fühlte es sich aber so an, als ob er ihr absichtlich aus dem Weg ging.

Sie hatte keine Ahnung, wie sie Fliehen sollte.

Hermine sah Astoria immer häufiger. Das vertraute Geräusch von Absätzen in der Ferne und Hermine wurde recht geschickt darin, sofort hinter einem Vorhang oder in einem Angestellten Gang zu verschwinden.

Die Angestellten Gänge waren mit geschickt versteckten Gucklöchern versehen. Hermine nahm an, da sie nur Hauselfen in Anspruch nahmen, dass die Tunnel schon immer hauptsächlich zum Spionieren verwendet wurden. Das Anwesen war voll mit ihnen; manche waren offensichtlich andere waren verdammt gut versteck. Hermine fand sie alle. Wann immer die Dimensionen eines Raumes nicht ganz passen, machte Hermine sich an die Arbeit, sie klopfte leicht an den Wänden entlang und drückte jeden Ast im Holz und drehte an jedem Wandleuchter und an jeder Schraube, bis sie spüren konnte, wie etwas nachgab. Manche Türen tauchten auf magische Art und Weise auf andere waren aus durchdachten Mechanismen und Drehapparaten gebaut.

Astoria war kaum alleine, wenn Hermine sie sah. Sie war in der Begleitung des gleichen dunkelhaarigen Mannes mit breiten Schultern, auf den Hermine schon an Silvester einen Blick erhascht hatte. Es wurde bald deutlich, dass entweder Astoria oder ihr Geliebter etwas gegen Betten hatten. Das erste Mal als sie sie sah, war Astoria fast nackt und gegen ein Salon Fenster gepresst.

Es schien, als ob sie versuchten, in jedem Zimmer des Anwesens Sex zu haben.

Hermine gab ihr bestes ihnen aus dem Weg zu gehen. Sie wollte sich nicht wirklich vorstellen, wie Malfoy ihre Gedanken dazu verwenden würde, seine Frau dabei zu beobachten, wie sie in allen möglichen verschiedenen Positionen gevögelt wurde. Hermine belustigte der Gedanke, zuzuschauen, nur um ihn damit eins auszuwischen, aber verwarf ihn wieder; Malfoy schien es ziemlich egal zu sein was Astoria machte, es würde ihm wahrscheinlich sowieso nichts ausmachen. Es wäre nur sehr unangenehm für Hermine.

Wann immer Hermine zufällig auf Astoria mitten im Geschlechtsakt stieß, wand sie schnell ihre Augen ab und huschte wieder weg.

Einige Zeit lang traf sie das Paar kaum angezogen an, aber nach einer Weile fand sie sie komplett bekleidet vor. Hermine ist im Nordflügel durch das oberste Stockwerk gewandert, als sie sie draußen erblickte, wie sie den Schotterweg, der sich am Heckenlabyrinth entlang zog, hinunter gingen. Astoria redete angeregt und während sie sprach, drehte sich der Mann an ihrer Seite um und starrte zu Nordflügel nach oben. Als Hermine sie beobachtete, konnte sie endlich das Gesicht des Mannes erkennen.

Graham Montague.

Hermine schaute geschockt zu ihm nach unten, als er aufmerksam die unteren Fenster des Flügels absuchte. Als er seinen Kopf weiter zurücklehnte, machte Hermine schnell einen Schritt zurück und aus seinem Sichtfeld heraus.

Hermines Herz schlug plötzlich ganz schnell. Graham Montague war Astorias Geliebter. Montague der ganz ‚zufällig' in Hermines Zimmer gekommen war, an Silvester. Der erwartet hatte, dass Hermine ihn sofort erkannte.

Er hatte eine Affäre mit Astoria. Er war fast täglich auf dem Anwesen. Er suchte, mit einem Ausdruck der festen Entschlossenheit, die Fenstern ab, wo Hermines Zimmer lag.

War das alles ein Zufall? Könnte es überhaupt ein Zufall sein?

Hermine überdachte alle Szenarios, die sie sich ausmalen konnte.

Was wusste sie über ihn?

Slytherin. Ehemaliges Mitglied des Inquisitionskommandos. Schwer verletzt durch Fred and George. Irgendwann während des Krieges hat sie ihn gekannt, es aber vergessen. Er hatte eine Affäre mit Astoria. Er schien nach Hermine zu suchen.

War er ein Todesser? Hermine wusste es nicht. Er musste Voldemorts Armee beigetreten sein, außer er hat im Ministerium gearbeitet. Er schien einen zu hohen sozialen Status zu haben, um nur ein Greifer zu sein und er schien nicht allzu bekannt mit den Ministeriumsmitarbeitern auf der Neujahrs Party.

Hermine ging nochmal alles durch, an was sie sich von diesem Abend erinnern konnte. Sie ist so damit beschäftigt gewesen Malfoy und die Leihmütter zu beobachten, dass es ihr nicht aufgefallen ist, dass Astoria und Montague zur selben Zeit verschwunden waren. Als sie ihn später am Abend beobachtet hat, hatte er sich unter die Leute gemischt, er hat aber am vertrautesten mit Marcus Flint und Adrian Pucey gewirkt.

Mal abgesehen, von ihren verlorenen Erinnerungen, die den Krieg betrafen, war sich Hermine ziemlich sicher, das Flint und Pucey, wenn sie sich richtig erinnerte, Todesser der mittlernen Klasse, ohne ein Dunkles Mal waren.

Sich ein Dunkles Mal zu verdienen, galt als ausschlaggebende Ehrung; eine Aufnahme in den sorgfältig ausgewählten inneren Kreis von Voldemort. Als Voldemorts Übernahme von Europa immer sicherer wurde, hat er weniger und weniger seiner Anhänger mit dem Dunklen Mal versehen.

Das hieß also, dass die einzige logische Schlussfolgerung war, dass Montague auch ein Todesser war, ob mit oder ohne Mal, das wusste sie nicht.

Außer...

Konnte es sein –

Hermine war fast ängstlich den Gedanken zu Ende zu führen; dem Gedanken zu erlauben in ihrem Verstand zu existieren, wo Malfoy ihn finden würde, aber sie konnte sich selbst nicht stoppen ihn zu denken.

Ist Montague ein Spion für den Widerstand gewesen? Ist das der Grund gewesen, warum er versucht hatte mit ihn in Kontakt zu kommen, bevor er mit Malfoy weggegangen war?

Sie fing an Astoria und Montague genau zu beobachten, wann immer sie keinen Sex hatten. Sie spionierte ihnen durch die Geheimgänge nach und ihr Verdacht, dass Montague andere Motive hatte, um auf dem Anwesen zu sein, wurde immer stärker. Er war extrem am Haus interessiert und seinen Augen wanderten immer umher, wenn Astoria abgelenkt war.

Hermine wog das Risiko ab, auf ihn zuzugehen. Er war kaum alleine. Astoria schien nie mehr als ein paar Meter von ihm entfernt zu sein.

Wenn eine der wenigen Gelegenheiten aufkam, wo er alleine war, zögerte sie. Er schien so unbekannt. Wenn er jemand gewesen war, dem sie vertraut hatte, würde sie es doch instinktiv spüren.

Sie versuchte vernünftig zu urteilen. Wenn er tatsächlich ein Mitglied des Widerstandes war und sie zu früh auf ihn zu ging, könnte sie ihn vielleicht auffliegen lassen. Wenn er keinen Weg hatte die Fesseln zu entfernen, wäre alles umsonst.

Hermine entschied sich dazu die Zeit abzuwarten und ihn weiter zu beobachten. Lieber unbestätigte Vermutungen als irgendwas konkretes, dass Malfoy von ihr erfahren konnte.

Sie blieb unschlüssig.

Heilerin Stroud kam und fand heraus, dass Hermine schon wieder nicht schwanger war. Ihr Ausdruck schien irritiert, als sie die Diagnostik Ergebnisse betrachtete. Hermine schaute bestimmt auf die Uhr an der Wand.

„Warum ist dein Natriumspiegel so niedrig?", fragte Heilerin Stroud, nachdem sie noch ein paar mehr Tests durchgeführt hatte.

Hermine schaute zu ihr. „Mir wird kein Salz mit dem Essen zur Verfügung gestellt."

„Nicht?", sagte Heilerin Stroud überrascht. „Was bekommst du zu essen?"

Hermine zuckte mit den Schultern. „Gekochte Sachen. Gemüse und Fleisch und Eier. Und Roggenbrot."

„Warum?"

„Ich hab angenommen, dass sie die Anweisung hatten mir das zu geben. Es ist nicht so als ob ich die Freiheit habe, irgendetwas in Frage zu stellen.", sagte Hermine kalt.

„Du sollst eine Ausgewogene Diät haben. Salz eingeschlossen.", sagte Heilerin Stroud mit einem genervten Gesichtsausdruck. Sie streckte ihren Arm aus und berührte die Fesseln mit ihrer Zauberstabspitze.

Eine Minute später kam Malfoy mit einem finsteren Blick ins Zimmer.

„Sie haben mich gerufen?", sagte er.

„Ja. Gibt es einen Grund, warum sie kein Salz bekommt?", sagte Heilerin Stroud.

Malfoy blinzelte. „Salz?"

„Sie sagt, dass all ihr Essen gekocht ist und kein Salz enthält. Es fängt an ihren Natriumspiegel zu beeinflussen.", sagte Heilerin Stroud, ihre Augen verengten sich und sie schaute Malfoy an.

Malfoys Augenbrauen zogen sich überrascht nach oben.

„Die Elfen wurden angewiesen sie mit Mahlzeiten zu versorgen. Ich habe angenommen, sie würde das gleiche Bekommen, wie Astoria und ich.", sagte er. Dann spannte sich sein Kiefer an und seine Augen verengten sich. „Astoria hat die Aufgabe über das Menü zu schauen. Ich werde herausfinden, was passiert ist."

„Machen sie das. Der Dunkle Lord wird durch den fehlenden Fortschritt ungeduldig. Wir wollen nicht, dass sich irgendetwas störend auswirkt."

„Das ist richtig.", sagte Malfoy kühl und traf Heilerin Strouds Blick. „Falls es sonst nichts mehr gibt, ich muss zu meiner Arbeit zurück."

„Natürlich Hoher General, ich werde sie nicht weiter aufhalten.", sagte Heilerin Stroud, sie schenkte ihm einen letzten Blick, bevor sie sich wieder zu Hermine umdrehte.

An diesem Abend bekam Hermine ein komplettes Essen mit Beilagen und einem Frischen Salat, Gewürzen und am wichtigsten einem Salzstreuer.

Ihr war nicht mal aufgefallen, wie sehr sie Salz vermisst hatte, bis sie es endlich wiederhatte.

Es war jedoch auch nicht gerade überraschend, dass Astoria die Hauselfen angewiesen hatte sie auf eine Art Gefängnisdiät – Bauernkost? – zu setzten. Hermine war sich nicht mal sicher, was sie damit erreichen wollte. Die Frau war – seltsam. Ihre Empörung über Hermine schien sich in allem zu zeigen, mit dem sie davonkommen konnte.

Und sie ist damit davongekommen, für drei Monate; ungefähr zweihundertsiebzig Mahlzeiten. Hermine wollte nie wieder auch nur ein Stück verkochtes Gemüse essen.

Malfoy kam in Hermines Zimmer als sie fast mit essen fertig war und kam zu ihr herüber, um das Essen auf ihrem Teller zu begutachten.

„Anscheinend muss ich mich persönlich von allem überzeugen.", sagte er mit einem finsteren Blick, das Essen entsprach anscheinend seinen Vorstellungen. „Du hättest etwas sagen können."

„Wenn ich anfangen würde mich zu beschweren, dann wäre das Essen sicher nicht das erste, dass mir einfallen würde.", antwortete Hermine, während sie eine Tomate aggressiv mit ihrer Gabel aufspießte.

Er schenkte ihr ein dünnes Lächeln. „Nein. Ich nehme an das wäre es nicht."

Er ging zu Fenster und schaute nach draußen über die Landschaft, während sie fertig aß. Sie ließ sich mit Absicht Zeit und wiederholte in Gedanken alle nervigen Lieder, die sie in der Grundschule gelernt hatte.

Als sie fertig war schaute sie zu ihm rüber. Sie konnte nur sein Profil sehen und bemerkte, wie sein Blick unfokussiert wurde. Ich hoffe, du stirbst den langsamsten und grauenvollsten Tod, den es gibt, Malfoy, knurrte sie in Gedanken. Nach einem Moment blinzelte er und schaute emotionslos zu ihr herüber. Sie entgegnete seinem Blick ohne Reue.

„Hab ich mir notiert.", sagte er und gestikulierte dann Richtung Bett.

Hermine lief resigniert zum Bett und setzte sich auf die Kante, bevor sie zu ihm hochsah, sie blinzelte nicht, als seine kalten silbernen Augen ihn ihr Bewusstsein sanken.

Schlussendlich lag sie immer flach auf ihrem Rücken, wenn er endlich damit fertig war durch ihre Erinnerungen zu gehen.

Er schaute sich die Erinnerung von Ginny mehrere Male an.

Dann beobachtete er, wie sie Graham Montage nachspionierte und sich Gedanken zu ihm machte. Er zog sich aus ihrem Bewusstsein zurück.

„Montague hat sein Dunkles Mal nach der letzten Schlacht bekommen.", sagte er und schaute auf sie herab. „Es war wegen, so wurde mir gesagt, der Anerkennung von außergewöhnlichen Diensten, die er vorzuweisen hatte."

Er verzog sein Gesicht zu einem spöttischen Lächeln, als er dies sagte.

„Hast du auch außergewöhnliche Dienste vollbracht?", fragte sie, als sie zu Malfoy aufschaute. Sie hatte keine Ahnung, ob er sie über Montague anlog; ob er sich überhaupt dafür abmühen würde.

Er schaute auf hinab und ein grausames, erbarmungsloses Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Außergewöhnlicher als Montagues auf jeden Fall", sagte er. Das Grinsen erlosch. Er schaute sie weiter an; er beobachtete ihr Gesicht aufmerksam und ließ seine Augen dann über den Rest von ihr wandern.

Sein Blick schien weicher und dunkler als sonst.

Sie bemerkte verspätet, wie sie auf dem Rücken vor ihm lag. Sie spürte wie ihre Haut das Kribbeln anfing. Sie setzte sich schnell auf.

Er schaute sie noch für einen Moment an, bevor er seinen Blick abwand und an die Wand hinter ihr schaute.

„Falls du irgendwelche Hoffnungen haben solltest, die mit Montague zu tun haben, solltest du sie vergessen.", sagte er kühl. Dann drehte er sich um und ging.

Eine Woche später hatte Hermine einen neuen Traum mit Ginny.

Hermine stand in ihrem Schlafzimmer im Grimmauldplatz, als Ginny hereinkam.

Du bist früh zurück.", sagte Ginny.

Hermine schaute nach unten auf ihre Uhr.

Ich hatte Glück heute.", sagte Hermine.

Ja", sagte Ginny und sah leicht unbehaglich aus. „Uhm. Ich wollte dich – wegen etwas Fragen."

Hermine wartete.

Ginny strich sich nervös die Haare aus dem Gesicht, ihr Gesicht war markelos.

Ich – also – du weißt ja offensichtlich von Harry und mir.", sagte Ginny.

Hermine nickte kurz.

Richtig. Also. Die Sache ist die, ich wollte vorsichtig sein. Ich benutze schon den Zauberspruch dafür. Aber – da ist etwas an der Prewett Familie, sie sind nicht wie andere Zauberer Familien. Sie werden einfach irgendwie schwanger. Ron und ich waren beides Unfälle nach den Zwillingen. Also – habe ich mich gefragt, ob du mir einen Verhütungstrank machen könntest. Wenn du Zeit dafür hast. Ich war nie gut in Zaubertränke. Wenn du keine Zeit hast – dann ist das auch okay. Dann kann ich Padma fragen. Ich weiß du hast wahnsinnig viel zu tun. Ich wollte nur – ich wollte nicht das du denkst, dass ich dich nicht fragen will."

Natürlich. Ich wollte sowieso heute Abend ein paar Tränke brauen. Es ist einfach diesen Trank auch noch zu machen. Hast du irgendwelche Vorlieben für den Geschmack? Die effektivsten schmecken nicht so gut."

Es ist mir egal wie er schmeckt solange er funktioniert.", sagte Ginny sofort.

Nun, ich hab schon ein paar Fläschchen von einer Sorte da. Ich kann sie dir gleich geben, wenn du möchtest."

Du hast schon welche?" Ginny blinzelte und schaute Hermine misstrauisch an. „Hast du –?"

Hermine konnte sehen wie Ginny die Liste an möglichen Männern in Hermines Leben durchging.

Du hats nichts – mit Snape, oder?", stieß Ginny plötzlich hervor.

Hermine starrte sie mit offenem Mund an.

Oh Gott – Nein!", spuckte sie aus. „Ich bin eine Heilerin! Ich hab viele Dinge auf Vorrat. Du liebe Zeit! Was – wie kommst du überhaupt –"

Ginny sah etwas verlegen aus.

Es wirkt nur so, als ob er die einzige Person ist, mit der du dich mal länger unterhältst. Außer Fred, aber er ist mit Angelina zusammen. Mit allen anderen streitest du dich immer nur. Und nicht auf eine heiße und genervte Verwöhnungssex Art und Weise."

Das heißt noch lange nicht, dass ich mit ihm ins Bett steige.", murmelte Hermine, sie hatte das Gefühl, das ihr Gesicht gleich in Flammen aufgehen würde. „Er ist ein Kollege. Ich beratschlage mich mit ihm über Zaubertränke."

Du wirkst nur so einsam.", sagte Ginny und schaute Hermine lange an.

Hermine stutzte und starrte Ginny an.

Du redest heutzutage mit niemanden mehr.", sagte Ginny. „Du bist früher immer mit Ron und Harry zusammen gewesen. Aber sogar bevor du weggegangen bist, um eine Heilerin zu werden, schienst du immer und immer mehr alleine zu sein. Ich dachte – vielleicht hast du ja jemanden. Zugegeben, Snape wäre eine fragwürdige Wahl aus so vielen Gründen – aber, es herrscht Krieg. Es ist zu viel, egal für wen, um damit alleine fertig zu werden."

Rum zu vögeln, um zu vergessen, das ist Rons Ding. Nicht meins.", sagte Hermine steif. „Außerdem ist es ja nicht so, als ob ich kämpfen würde."

Ginny sah sie für einen Moment nachdenklich an, bevor sie sage: „Ich finde das die Krankenstation schlimmer ist als das Schlachtfeld."

Hermine schaute weg. Sie hatte sich schon öfter gefragt, ob das nicht der Fall war, aber sie hatte niemanden, dem sie diese Frage stellen konnte.

Ginny fuhr fort. „Ich muss jedes Mal daran denken, wenn ich hier bin. Auf dem Schlachtfeld – ist alles fokussiert. Selbst wenn jemand verletzt ist. Dann appariert man sie einfach weg und kommt zurück. Man gewinnt manche Schlachten. Man verliert manche. Manchmal wird man getroffen. Dann schlägt man zurück. Und man bekommt Tage frei, um sich davon zu erholen, wenn es schlimm war, oder wenn dein Kampfpartnern gestorben ist. Aber in der Krankenabteilung, da ist es so, als ob man jede Schlacht verliert. Ich bin jedes Mal mehr traumatisiert, wenn ich dort war, als ich es nach dem Kämpfen bin."

Hermine blieb still.

Und du bekommst nicht mal frei.", sagte Ginny. „Du hast bei jeder Auseinandersetzung Dienst. Sie können dich nicht entbehren, nicht mal, um zu trauern. Ich weiß, von Harry und Ron, dass du immer noch drauf drängst die dunklen Künste zu verwenden, wenn du zu den Ordens Treffen gehst. Ich stimme dir nicht zu – aber ich verstehe es. Ich verstehe, dass du den Krieg aus einem andern Blickwinkel siehst. Vermutlich aus dem schlimmsten. Deswegen – ich mein ja nur, wenn du jemanden hast, dann würde es mich sehr für dich freuen. Auch wenn es Snape ist."

Hermine verdrehte ihre Augen.

Du solltest jetzt wahrscheinlich das Reden aufhören, wenn du immer noch den Verhütungstank haben willst.", sagte Hermine mit einem strengen Blick.

Hermine wachte geschockt auf.

Ginny und Harry waren ein Paar.

Ginny und Harry sind zusammen gewesen und Hermine hatte keinerlei Erinnerung daran. Es gab nicht mal sowas wie eine Spur davon in ihren Erinnerungen. Sie hatte es komplett vergessen.

Harrys und Ginnys Beziehung war etwas, das sie vergessen hatte...

Absichtlich?

Ist es das, was Hermine versteck hatte?

Ginny war noch am Leben, als Hermine gefangen genommen wurde. Ginny ist nicht in der letzten Schlacht gewesen. Sie ist nicht neben dem Rest der Weasleys zu Tode gefoltert worden.

Hermine hatte gedacht, das Ginny noch am Leben war, bis Hannah ihr vom Hohen General erzählt hat.

Wenn Voldemort von Ginnys einzigartiger Wichtigkeit für Harry gewusst hätte, wäre ihr Tod grauenvoll gewesen. Viel schlimmer als was dem Rest der Weasleys widerfahren ist.

Hermine hätte alles dafür getan, um Ginny zu beschützen; ihre eigenen Erinnerungen weggesperrt, um sie zu verschonen.

Für Harry.

Und für Ginny selbst.

Ginny ist ihr immer eine zuverlässige Freundin während des Krieges gewesen. Sie standen sich nie sehr nah, aber es war eine zuverlässige Freundschaft, auch dann als sich tiefe Furchen in Hermines andern Freundschafen gezogen hatten. Ginny und Luna und Hermine hatten sich ein Zimmer im Grimmauldplatz geteilt, bis Luna gestorben ist.

Aber Ginny war tot. Malfoy hat sie gejagt und sie getötet.

Hermine fühlte sich, als ob ihr gleich schlecht werden würde.

War es wirklich alles so nutzlos? Hat sie ihre Vergangenheit weggesperrt, um Ginny zu beschützen, weil sie nicht wusste, dass Ginny schon tot war? Hermine wurde an Malfoy übergeben und vor Voldemort gezerrt und alles nur um jemanden zu beschützen, der schon tot war?

Und Snape.

Hermine hat sich sehr darum bemüht, seit sie frei gelassen wurde, nicht über Snape nachzudenken.

Sie hat gedacht er ist auf ihrer Seite gewesen.

Er hat sie zu einer Zaubertrank Meisterin ausgebildet. Er hat unzählige Stunden seiner persönlichen Zeit damit verbracht.

Kurz nachdem Dumbledore ermordet wurde, ist sie in den Kerker zu Snapes Tür hinabgestiegen und hat mit fester Stimme gefragt, „Wenn es eine Schlacht geben sollte, von welchen Zaubertränken sollte ich wissen, wie man sie macht? Die ich wahrscheinlich nirgendwo zu kaufen finden würde?". Anstatt eine spöttische Bemerkung zu machen, hat er sie in sein Büro eingeladen.

Bis Hogwarts geschlossen wurde, verbrachte sie jeden Abend bis spät in der Nacht in seinem Büro, sie braute einen anspruchsvolleren und komplizierteren Tank nach dem anderen. Als Hogwarts stillgelegt wurde, unterrichtete er sie weiter im Grimmauldplatz.

Der rätselhafte Mann schien langsam vor Erschöpfung zu zerfallen, als er sie unterrichtet hat. Er hat keine Energie mehr für Beleidigungen gehabt. Er ist streng und fordernd aber großzügig mit seinem Wissen gewesen. Er schien einer der wenigen Leute gewesen zu sein, der sich auf für einen langen Krieg vorbereitet hat.

Er hat ihr stapelweise seine persönlich, kommentierten Zaubertrank Texte zum Lesen in die Arme geladen und ihr Karten aufgezeichnet, wo man am besten eigenen Zutaten sammeln konnte, wenn es nur noch wenig Möglichkeiten zum Kaufen geben würde. Mitten in der Nacht und früh am Morgen hat er sie mit sich durch ganz England genommen. Er ist von einem zum nächsten Ort appariert, um ihr beizubringen, wie man die Pflanzen fand und wie man sie richtig erntete, damit die Wirkung erhalten blieb. Er hat ihr beigebracht, wie man Schlingen baute und wie man die Tiere und magischen Kreaturen möglichst schmerzlos fing und tötete.

Er hatte nicht mal was gesagt, als sie geweint hat, nachdem sie ihren ersten Murtlap getötet hatte.

Er hat sie unterrichtet, bis sie sich als Zaubertrank Meisterin qualifizierte.

Sie ist seine überzeugte Verteidigerin während des Kriegs gewesene.

Charlie Weasley hat angefangen sie dafür zu hassen, dass sie sich fast immer auf Snapes Seite schlug. Sie verteidigte Snapes Methoden und alles was er tat, was als Todesser nötig war. Sie verteidigte ihn, als Harry und Ron ihn aus dem Orden schmeißen wollten.

Sie sah in ihm mehr als nur einen Kollegen oder Mentor. Er ist jemand gewesen, dem sie voll und ganz vertraut hat.

Es ist alles nur eine List gewesen. Ein cleverer Trick. Ohne Dumbledore der für ihn einstehen würde, hat er sich eine neue Verfechterin gesucht. Er hat sie um seinen Finger gewickelt, indem er so großzügig mir seinem Wissen umgegangen ist. Er hat sich ihre Loyalität mit dem Titel der Zaubertrank Meisterin erkauft.

Dann als er erfolgreich war, hat er sie abgeschnitten. Er hätte die Chance gehabt, sie davor zu bewahren in das Züchtungsprogramm gesteckt zu werden, er hat sie aber abgelehnt. Er ist nach Rumänien abgehauen und hat sie dort zurückgelassen, um sich fortzupflanzen.

Um vergewaltigt zu werden. Sie ist so bitter und tief persönlich hintergangen worden, dass sie es kaum über sich brachte, darüber nachzudenken.

Sie stand auf und fing an die Zeitung zu lesen.