Kapitel 16
Mitte Februar kam Dolores Umbridge, während eines Mordanschlags auf den Zaubereiminister, ums Leben.
Eine Statue von Voldemort ist im Hogwartsgefängnis enthüllt worden, um an die letzte Schlacht zu erinnern. Gefängnisdirektorin Umbridge stand auf einem Podium neben Minister Thicknesse, während Thicknesse eine Rede, in Anwesenheit der Gefängniswärter, Reporter und ein paar Angestellte des Ministeriums, hielt. Als das Banddurchschneiden stattfand, schoss ein Armbrustpfeil aus dem Verbotenem Wand, durch die Schutzzauber, verfehlte knapp den Minister und versank Mitten in der Brust von Gefängnisdirektorin Umbridge.
Sie ist nicht direkt gestorben. Splitter einer Halskette und der Pfeil verlangsamten die Blutung. Die Wärter, die zu unwissend über einfache mittelalterliche Waffen und grundsätzliches medizinisches Verständnis waren, haben den Pfeil herausgerissen. Dann ist sie innerhalb von wenigen Minuten gestorben.
Der Mordversuch an dem bekannten Zaubereiminister, ließ eine Welle des Schocks durch die britische Gesellschaft gehen. Die Widerstandsterroristen galten als nicht mehr existent. Dass sie mit so einem spektakulären Auftritt wiederauftauchten, brachte Chaos und die Todesser dazu wieder in voller Montur auszurücken.
Voldemort nahm den Angriff als persönliche Beleidigung auf.
Montagues Besuche auf dem Anwesen wurden abrupt weniger. Astoria huschte durch das Anwesen und sah blass und paranoid aus. Hermine hörte, wie sie Malfoy mit schriller Stimme fragte, was genau er für Schutzzauber auf dem Anwesen angebracht hatte.
Wann immer Hermine einen Blick auf Malfoy erhaschen konnte, schien er etwas anzuhaben, dass wie eine Kombination von Kampfausrüstung und Jagt Gewändern aussah. Er kam regelmäßig voller Schlamm zum Anwesen zurück und er sah fahl aus vor Wut.
Hermine war begeistert.
Sie las die Neuigkeiten wie besessen durch. Die Zeitung verkündete laut drüber, wie der Mordversuch fehlgeschlagen war, Hermine fand Umbridges Tod jedoch viel passender als das eigentliche Ziel des Angriffs. Thicknesse war nur eine Marionette. Umbridges Vergehen waren ihre eigenen.
Aber die Genugtuung über die Vergeltung war nichts im Vergleich zu der Erleichterung, die sie verspürte, als sie herausfand, dass der Widerstand noch am Leben war. Hermine weinte eine halbe Stunde lang vor Glück. Sie fühlte sich unerwartet hoffnungsvoll für das erste Mal seit einer sehr langen Zeit.
Dieses Wissen gab ihr noch tagelang ein federleichtes Gefühl.
Als Heilerin Stroud wiederkam, um Hermine zu sehen, konnte man ihr deutlich ansehen, wie genervt sie damit war, dass Hermine noch immer nicht schwanger war. Sie vollführte eine Reihe an Sprüchen über Hermine und beobachtete sie nachdenklich.
„Nun, dein Natriumspiegel wird besser.", sagte Heilerin Stroud schlussendlich, nach ein paar Minuten Stille.
Hermine starrte die Uhr an und sagte nichts.
Heilerin Stroud suchte durch ihre Medizintasche und zog ein großes Fläschchen mit einer lilanen Flüssigkeit heraus.
„Trink alles aus.", wies Stroud sie an.
Hermine führte es automatisch an ihre Lippen, obwohl sie noch rausquetschte, „Was ist das?"
Heilerin Stroud wartete und antwortete erst, als Hermine das ganze Fläschchen leer getrunken hatte.
„Ein Fruchtbarkeitstrank. Es sollte nicht notwendig sein, aber ich hab keine anderen Ideen mehr. Dir werden die Nebenwirkungen nicht gefallen, nehme ich an und es erhöht die Wahrscheinlichkeiten von Schwangerschaften mit mehr als einem Kind."
Hermine spürte wie das Blut aus ihrem Gesicht wich und es fühlte sich an, als ob sie gleich vom Untersuchungstisch fallen würde. Das Fläschchen fiel aus ihrer Hand und zersplitterte am Boden. Heilerin Stroud ließ das Glasscherben sofort verschwinden.
„Du kannst geschwollene, empfindliche Brüste erwarten, Stimmungsschwankungen und eine leichte Schwellung im Unterbauch Bereich. Es kann auch zu Hitzeempfindlichkeit führen und dazu, dass eine Angstzustände zurückkommen.", sagte Heilerin Stroud, als sie weitere Notizen zu Hermines Unterlagen hinzufügte. „Ich werde dem Hohen General Bescheid geben."
Hermine Schluckte und biss sich auf die Unterlippe, als sie entschlossen auf die Uhr am anderen Ende des Zimmers schaute.
Malfoy kam an diesem Tag nicht um ihre Erinnerungen zu durchsuchen. Hermine war nicht überrascht; sie hatte es schon erwartet.
Voldemort. Jeden zweiten Monat, wenn sie nicht schwanger war.
Als Malfoy am nächsten Tag auftauchte, sah er müde und verärgert aus. Er sagte nicht eine einziges Wort, als er ihren Arm packte und mit ihr in die gewunden Tunnel apparierte, die zu Voldemorts Saal führten.
Der Saal war noch wärmer und stank nach verfaultem Fleisch. Hermine fing das Würgen an, sobald sie den Geruch einatmete. Malfoy schien immun, als er sie mit nach vorne zog und sich hinkniete, er zwang sie neben sich auf den Steinboden. Der Boden war nass, klebrig und schimmerte leicht.
Der Raum war fast komplett dunkel, nur ein paar wenige Quellen spendeten etwas Licht. Soweit Hermine es erkennen konnte, waren keine anderen Leute oder Todesser anwesend.
„Das Schlammblut, Mein Lord.", sagte Malfoy.
Man konnte einen langen, langsamen Zischlaut von dem dunklen Podium hören und plötzlich erschienen Voldemorts scharlachrote Augen.
„Bring sie nach vorne.", sagte Voldemort nach einem kurzen Moment.
Malfoy zog Hermine nach vorne und die Stufen nach oben, bevor er sie auf ihre Knie nach unten drückte. Hermine erstarrte voller Ekel.
Der Thron, auf dem Voldemort das letzte Mal saß war weg. Stattdessen ruhte er auf einem gigantischem Nest aus Pythons, die alle ineinander verschlungen waren und grob die Form eines Thrones ergaben. Sie waren unter ihm verschlugen und schlängelten sich träge umher.
Voldemort legte seinen Kopf schräg und fuhr sich mit seinen spinnenartigen Fingern über die Brust, als er Hermine nachdenklich betrachtete.
„Immer noch nicht ssschwanger.", sagte Voldemort mit einem bedrohlichen Unterton.
„Leider nicht, Mein Lord.", sagte Malfoy, seine Stimme war entschuldigend. „Wie auch immer werden sie sehen, dass der Geist-Heiler Recht hatte und Zeit alleine ausreicht, um die Erinnerungen zurückzubringen."
Voldemort stieß einen irritiertes Zischen aus und ein Python Kopf kam, aus der sich bewegendem Masse unter ihm, hervor und legte sich in seinen Schoß. Voldemort streichelte gelangweilt die Schlange und ließ sich weiter in das Nest zurücksinken.
„Halte sie fest.", befahl Voldemort Malfoy.
Hermine spürte Malfoys Knie zwischen ihren Schulterblättern und seine Hände schlossen sich um ihr Kinn und hielten ihren Kopf an Ort und Stelle fest. Hermine zitterte, als Voldemorts Rote Augen durch ihre eigenen stachen und in ihr Bewusstsein sanken.
Hermine konnte spüren wie sich Malfoys Hände um ihre Kehle und ihr Kinn schlossen, als sie vor Schmerzen erschauderte. Es fühlte sich an, als ob Voldemorts Legilimentik eine Klinge war, die durch ihre Gedanken schnitt. Sie schrie durch ihre Zähne.
Es war langsamer. Statt heißer, blendender Qual, war es ein allmählich mehr werdender heimtückischer Schmerz. Die Art die bis in die Knochen und bis in den hintersten Winkel des Gehirns vordrangen.
Voldemort riss gelangweilt ihre Erinnerungen in Stücke; wie eine Katze, die mit ihrer Beute spielte. Sie wusste nicht, dass so etwas überhaupt möglich war. Kleinigkeiten, die er als unwichtig erachtete zerstörte er, nur um zu sehen, wie sie reagieren würde. Ihre Erinnerung, wie sie Origami faltete, während ihre Eltern über östliche Mystik diskutierten, wie sie die Granianer Ställe entdeckt hatte. Er zerriss sie in winzige Stückchen, als ob sie aus Papier waren.
Sie konnte spüren, wie sie verschwanden... sie versuchte sie festzuhalten, als sie verblassten, aber sie glitten einfach davon, bis die Qual in ihrem Kopf sie vergessen ließ, was sie versuchte festzuhalten.
Er war von ihren Erinnerungen über Ginny fasziniert. Als er sich aus ihrem Bewusstsein zurückzog, brach sie zusammen und fiel gegen Malfoy, sie konnte nichts außer die wütenden roten Augen von Voldemort sehen. Konnte sie sie sehen? Oder hatten sich seinen Augen einfach in ihren Verstand eingebrannt?
Ihr Gehirn tat so sehr weh, dass sie fast erwartete, dass es anfing aus ihren Ohren zu tropfen. Durch den Nebel an Schmerzen der nicht weniger wurde, konnte sie ihren Plus spüren, der wie verrückt gegen den Druck von Malfoys Fingern pochte.
„Es ist eine Schande, dass du das Weasley Mädchen nicht lebend zurückgebracht hast.", hörte sie Voldemort energisch sagen.
„Es tut mir leid, Mein Lord, ich hatte keine Ahnung von ihrer Bedeutung. Wie sie sich bestimmt erinnern, war sie schon fast tot als ich sie aufgegriffen habe."
Hermine bewegte sich leicht und wimmerte, sie versuchte die Schmerzen abzuschütteln, damit sie besser zuhören konnte.
„Es erklärt den Angriff des Schlammbluts auf Sussex.", sagte Voldemort mit einem nachdenklichem Unterton. „Eine Selbstmordmission, um eine sterbende Freundin zu befreien. Der Orden war schon immer überraschend vorhersehbar."
„Allerdings." Die Verachtung in Malfoys Stimme war offensichtlich.
Es herrschte eine lange Stille. Malfoys Griff um Hermines Kinn lockerte sich und Hermine spürte, wie sie auf den Boden glitt. Als sie dort lag, spürte sie einen kühlen, muskulösen Strang einer Schlange, die anfing sich langsam um ihr Bein zu wickeln.
„Ich bin enttäusch von deinem ausbleibendem Erfolg, denjenigen zu finden, der für den Angriff verantwortlich ist, Hoher General.", sagte Voldemort. Eine Spur von Rage zog sich durch seine Worte.
Hermine konnte kaum atmen. Die feuchte Hitze und die Verwesung in dem Saal waren erdrückend und die Schuppen verfingen sich leicht in ihren Strümpfen als die Schlange sich weiter um ihr Bein schlang. Die Python glitt unter ihre Roben. Sie zuckte zusammen und versuchte ihr Bein wegzuziehen.
Sie konnte kaum irgendwelche Umrisse in der dunklen Halle erkennen. Ihre Unfähigkeit zu sehen, machte sie besonders aufmerksam auf die Geräusche; zischen und das leichte Schaben von sich schlängelnden Schuppen, die sich stetig neben ihr in der Dunkelheit bewegten.
„Ich werde sie nicht enttäuschen. Wenn es der Orden war, werde ich sie finden.", sagte Malfoy. Seine Stimme ruhig und entschlossen. Tödlich.
Hermine konnte spüren wie ihre Lippen zitterten und wie sich Tränen in ihren Augen sammelten. Sie spürte wie ihre Hände das Zittern anfingen, als Wut sich einen Weg durch den Schmerz bahnte. Es gab nichts was sie tun konnte. Malfoy konnte jemanden jagen und mitten in ihrem Zimmer umbringen, wenn er wollte und Hermine würde nur danebenstehen und zuschauen können. Ich hasse dich, Malfoy. Ich hasse dich. Ich hasse dich.
„Es war der Orden. Wer sonst hätte es wissen können? Der Idiot Slughorn muss es Dumbledore erzählt haben. Potter muss es gewusst haben; deshalb ist er in Hogwarts eingebrochen. Es muss jemand während der Säuberung übersehen worden sein. Jemand der für den Orden sehr wichtig gewesen ist. Nicht einer von ihren ignoranten dummen Soldaten. Ich bin mir sicher, das Schlammblut weiß wer es ist."
Während Voldemort sprach wurde das Gefühl von dunkler Magie im Raum dicker, fast so als ob die Luft selbst fest werden würde, schwere Massen drückten sich unbarmherzig auf Hermine. Sie konnte spüren, wie sich ihre Rippen unter dem Druck verbogen und wie sie brutal in den Steinboden gedrückt wurde. Sie keuchte, als sie versuchte mit einer Lunge zu atmen, die sich nicht ausdehnen konnte.
„Vielleicht, Mein Lord, wäre es von Vorteil Severus zurück zu holen.", sagte Malfoy. Seine Worte hörten sich gezwungen an. Hermine war nicht die Einzige, die zu Tode erdrückt wurde.
„Nein...", sagte Voldemorts kalte Stimme. „Rumänien ist äußerst wichtig. Es würden Fragen aufkommen, wenn wir Severus zurückholen, nur weil es einen Mordanschlag auf Thicknesse gab. Severus wird bleiben, wo er ist. Hast du herausgefunden, wie sie in den Besitz des Medaillons kam?"
Der Druck ließ etwas nach und Hermine schnappte gierig nach Luft. Die Python kroch langsam weiter ihr Bein nach oben. Sie konnte spüren wie die Schuppen, oberhalb ihres Strumpfes, über ihre nackte Haut streiften. Ein Wimmern des Ekels riss sich aus ihrer Kehle los und sie versuchte noch mehr wegzurutschen. Sie spürte wie sich eine weitere Schlange um ihren anderen Knöchel wand.
„Ich habe im Stillen ermittelt. Es gibt Fotos des Ministeriums in '95 in denen sie es schon zu tragen scheint. Sie hat angegeben, dass es ein Selwyn Erbstück war. Wie sie aber in den Besitz gekommen ist weiß keiner, wobei eine ehemalige Sekretärin der Gefängniswärterin erwähnt hat, dass es eine Gewohnheit von ihr war, Schwarzmarkthändlern von ihren Besitztümern zu befreien."
„Also weißt du gar nichts. Nicht wie der Orden es geschafft hat es aus so einer weiten Entfernung zu zerstören. Nicht wie sie geschafft haben es zu identifizieren. Nicht mal, wie sie in den Besitz gekommen ist. Gibt es irgendwas was du weißt?", knurrte Voldemort. Dann ließ er sich für einen Moment nach hinten sacken, bevor er mit einer ruhigeren, bedrohlicheren Stimme fortfuhr. „Du hast mit enttäuscht Hoher General. Ich hoffe du hast nicht vergessen, was das letzte Mal passiert ist, als du mich zutiefst enttäuscht hast. Crucio!"
Hermine spürte wie Malfoy plötzlich auf den Boden fiel. Er ist nicht einfach flach hingefallen, er ist in eine kauernde Position zusammengesackt. Sie konnte spüren, wie sein Körper unnachgiebig von der Folter zitterte, als ein tiefes, kehliges, schmerzverzerrtes Stöhnen aus ihm herausbrach.
Voldemort folterte ihn für nicht sehr lange. Nach ungefähr einer Minute hörte er auf, das Zittern neben ihr stoppte und Hermine konnte Malfoy in der Nähe ihres Ohres keuchen hören, als er sich erholte.
„Ich werde sie nicht enttäuschen, Mein Lord. Ich habe die Pfeilspitze und die Reste des Medaillons von einem Kobold untersuchen lassen.", sagte Malfoy, mit nur einem leichten Zittern in seiner Stimme, als er sich wiederaufrichtete. „Die Pfeilspitze ist aus Kobold geschmiedetem Silber gewesen, durchzogen mit einer Kombination aus dem Gift des Schwanzes eines Mantikors und Basilisken Gift. Durch das Mantikor Gift konnte der Pfeil einfach durch die Schutzzauber brechen – das Basilisken Gift hat das Medaillon zerstört."
„Hast du mögliche Quellen untersucht?" Hermine spürte das Streicheln einer Zunge auf der nackten Innenseite ihres Oberschenkels und schluchzte leise.
„Ein junger Basilisk ist einfach genug zu besiegen, für jeden Zauberer mit einer Kröte und einem Talent für Erblindungszauber und Geduld. Die Quelle für das Mantikor Gift ist hingegen fraglicher, da die meisten Zutaten heutzutage vom Ministerium überwacht werden, seit sie die Kontrolle übernommen haben. McNair hat darauf bestanden für die Ermittlung zuständig zu sein, was ungewöhnlich großzügig von ihm war. Ich habe einen seiner Assistenten privat befragt. Es stellte sich heraus, dass es seit längerem Unstimmigkeiten in den Aufzeichnungen über importierte Kreaturen gab. Der Schwarzmarkt hat in den letzten paar Jahren des Kriegs stark an Zuwachs gewonnen."
„Bring ihn zzzzzu mir.", sagte Voldemort, seine Stimme überschlug sich fast vor Wut. „Der Angriff wäre unmöglich gewesen, wenn da nicht seine Unachtsamkeit gewesen wäre. Einige meiner Diener scheinen hungrig zu werden."
„Zu ihrem Befehl, Mein Lord.", sagte Malfoy und Hermine spürte, wie er sie vom Boden hochzog.
Die Python die sich um ihr Bein geschlungen hatte, verstärkte ihren Griff und zog sie wieder nach unten. Voldemort stieß ein scharfes Zischen aus und sie ließ sie mit einem missbilligendem Zischlaut los. Als Malfoy sie aus dem Griff der Schlangen zog, kam Voldemorts Gesicht in ihr Blickfeld.
Einige der Schlangen hatten sich um ihn herum versammelt. Er war halb von Pythons bedeckt und starrte aufmerksam zu ihr hinab.
„Das Schlammblut ist mit Dunkelheit gezeichnet. Sie Schlangen können es riechen. Und sie ist fruchtbar.", sagte Voldemort, er wischte sich über seinen Lippenlosen Mund als er sie beobachtete.
Hermine starrte für einen Moment zurück, bis ihre Sicht wieder verschwamm. Sie konnte das leichte Zittern der Folter in Malfoys Griff spüren.
„Heilerin Stroud hat ihr gestern einen Trank gegeben.", sagte Malfoy. „Und was die Dunkelheit betrifft – nun, die Spuren der Zerstörung, die sie in Sussex hinterlassen hat, ließen schon vermuten, dass sie sich nicht an die Vorschriften des Ordens, keine dunkle Magie zu verwenden, gehalten hat."
Voldemort stieß ein zustimmendes Zischen aus.
„Behalte sie gut im Auge. Jetzt wo der Orden wieder aktiv ist, werden sie bestimmt für sie kommen.", sagte Voldemort.
„Sie wissen, dass ich eher sterben würde, bevor ich sie entkommen lassen würde.", sagte Malfoy mit tiefer Stimme und Hermine spürte, wie sich sein Griff um ihren Arm verstärkte.
„Ich will ihre Leichen, Hoher General. Wer auch immer das getan hat. Dieses letzte Mitglied des Ordens. Ich will deren Schädel in meiner Kollektion haben."
„Sie sollen ihn haben, so wie ich ihnen auch alle anderen gebracht habe.", sagte Malfoy.
Hermine zuckte zurück und versuchte ihren Arm loszureißen. Voldemort beobachtete sie, sie konnte die Grausamkeit und Bosheit in seinem Blick auf ihr spüren. Er öffnete seinen Mund und streckte sine Zunge raus, als ob er die Luft schmecken würde. Sein Gaumen war weiß und ohne Zähne, wie der einer Schlange und seine Zunge schimmerte leicht in dem schwachen Licht. Als er seinen Mund wieder zu machte, lehnte er sich nach vorne und stieß ein leises Zischen aus.
Sein Gesicht war nur Zentimeter von Hermines entfernt. Sie konnte den Luftzug spüren, wie er über ihr Gesicht striff. Sie war sich nicht sicher, ob er sie ablecken oder wieder Legilimentik anwenden würde. Seine blutroten Augen studierten sie für einen Moment, bevor er sich wieder in sein Nest aus Pythons zurücksinken ließ.
„Wenn das Schlammblut all ihr Geheimisse rausgerückt hat, will ich sie auch umbringen. Sie weiß zu viel, um sie weiter in Strouds Programm zu lassen. Obwohl..., wenn sie schwanger sein sollte, werde ich dir erlauben, zu warten, bis sie dir deinen Erben geboren hat."
„Wie sie es wünschen, Mein Lord.", sagte Malfoy, ohne zu zögern. Dann zog er Hermine aus dem Saal.
Als sie wieder in den Tunneln waren, verabreichte er ihr einen Schmerzlinderungstrank. Hermine machte eine höhnische Bemerkung in Gedanken, bevor sie den Trank schluckte.
Sie versuchte ihren Kopf frei zu bekommen, sie hatte immer noch Problem zu sehen. Es fühlte sich an, als ob die Luft in dem Saal sie vergiftet hat. Sie glitt langsam zu Boden. Ihr Gehirn schmerzte noch immer qualvoll, selbst mit dem Schmerzlinderungstrank. Trotzdem wimmelte es in ihr nur so vor Fragen.
„Ich hab ein Gefängnis angegriffen?", zwang sie sich zu sagen.
„Nachdem Potter gestorben ist.", hörte sie Malfoys Stimme aus der Dunkelheit. „Ein paar Stunden nach der letzten Schlacht. Du wurdest gefangengenommen, nachdem du fast die Hälfte davon platt gemacht hast, bei dem Versuch einzubrechen. Es war eine unerwartete Gegenattacke. Ich hab nur die Bericht darüber gelesen, nachdem du mir zugeteilt wurdest. Es ist eine Schande, dass dich keiner früher verhört hat. Das übermäßige Selbstvertrauen der Gewinner nehme ich an."
Hermine schaute nach oben, in die Richtung, aus der sie seine Stimme hörte. Sie konnte nur schwach seine hellen Haare ausmachen, bevor ihre Sicht wieder verschwamm. Sie lehnte ihren Kopf nach hinten an die Wand, um sich zu erholen.
„Ich war eine Heilerin...", sagte sie. „Ich hab nicht – die haben mich nicht – kämpfen lassen."
Sie zog ihre Augenbrauen zusammen, sie versuchte es nachzuvollziehen. „Aber Ginny hat es raus geschafft? Ich hab sie befreit?"
„Ja das hast du."
„Aber sie war fast tot – als du – als du sie getötet hast. Warum?", fragte sie, ihre Stimme war leise und vor Schmerz verzogen.
Es herrschte ein kurze Stille, bevor Malfoy antwortete.
„Sie war in Sussex zur experimentellen Forschung."
Eine langsame Erkenntnis des Horrors bahnte sich einen Weg aus Hermines Inneren heraus.
„Die Dolohov Fluch-Entwicklungsabteilung...", ihr Stimme zitterte und verlor sich. Sie konnte erkennen wie Malfoy in den Schatten nickte.
Hermine krümmte sich zusammen und übergab sich. Oh Gott, Ginny... Malfoy wartete, bis sie aufhörte zu würgen, bevor er sie vom Boden hochzog und zurück in ihr Zimmer auf dem Anwesen apparierte.
Das Geräusch, das sie ausstieß durch den Schmerz des Apparierens, hörte animalisch an. Sie brach zusammen und fiel gegen Malfoy. Sie entdeckte, dass sie vollgesogen in etwas war, das wie schimmernde, verfaulte Überreste aussah. Sie konnte es nur für einen kurzen Moment sehen, bevor ihre Sicht wieder verwackelte. Sie unterdrückte ein Schluchzen und versuchte blind ihre Händen an den genauso verdreckten Roben abzuwischen.
Malfoy murmelte mehrere Reinigung Zauber und der Geruch um sie herum verschwand. Er schob sie nach hinten aufs Bett.
„Drei Tage.", sagte er und sie hörte vage, wie er davon ging.
Hermine wollte wach bleiben. Damit sie trauern und das verarbeiten konnte, was sie rausgefunden hat, aber ihre Gedanken fühlten sich an, als ob sie verblassten. Sie konnte sie nicht ganz erreichen...
Sie zog an ihren Klamotten, bis sie Knöpfe absprangen und schmiss sie auf den Boden. Sie zog die Strümpfe mit ihren Zehen aus und versuchte das Gefühl von Schlangenkörpern von ihrer Haut zu rubbeln.
Es dauerte zwei Tage, bis sie wieder halbwegs normal sehen konnte. Die Schmerzen in ihrem Kopf hielten sie davon ab, irgendwelches Essen in sich zu behalten. Das Zimmer verschwamm vor ihren Augen, wenn sie versuchte sich hinzusetzten oder aufzustehen.
Sie hatte nichts zu tun, außer nachzudenken.
Als Malfoy am dritten Tag in ihr Zimmer kam, zwang sie sich dazu sich hinzusetzten und ihn ruhig anzusehen.
„Noch mehr Fragen?", sagte er kühl als er sie begutachtete.
Hermine schüttelte ihren Kopf. Er sah leicht überrascht aus.
„Nun, vielleicht eine.", sagte sie nach einer Minute.
Malfoy wartete. Sie sammelte die Stränge an Informationen zusammen; all die Unstimmigkeiten, die sie über die letzten Monate gesammelt hatte. Sie hat sie endlich zu etwas zusammenfügen können, dass Sinn ergab.
Hermine nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie das Sprechen anfing. Sie begegnete seinem Blick.
Ein Krieg ist das Leben des Menschen gegen die Bosheit des Menschen.
„Der Krieg ist zu einem Stillstand gekommen.", sagte sie. „Auch wenn er noch offiziell in Teilen Europas andauert. Er wird nicht mehr als Etwas betrachtet, das noch groß von Bedeutung ist oder viele Konsequenzen haben wird. Tatsächlich nehme ich an, basiert auf der Berichterstattung, dass wahrscheinlich sehr bald ein Waffenstillstand ausgerufen wird. In den letzten Zwei Jahren, seit Großbritannien erobert wurde, seit Harry gestorben ist gab es kaum Fortschritt."
Malfoy war still; sein Ausdruck vorsichtig verschlossen.
„Es ist fast nichts passiert, seit Harry gestorben ist. Voldemorts komplette Kampagne ist zum Stillstand gekommen, nachdem er Harry besiegt hatte. Weil...", sie zögerte nur leicht, „da war etwas, was sie zusammengehalten hat. Sie waren irgendwie miteinander verbunden, wahrscheinlich von damals, als er versucht hatte Harry als Baby umzubringen. Deshalb ist er immer wieder in Harrys Träumen aufgetaucht und ich bin mir sicher du kannst dich daran erinnern, wie Harry Parsel sprechen konnte. Deshalb hat der Todesfluch als erstes nicht funktioniert, als Voldemort versucht hat – Harry in Hogwarts zu töten – es hat als erstes nicht funktioniert –"
Hermines Stimme wackelte und sie schluckte und zwang sich dazu weiter zu sprechen. Ein neuer Schmerz machte sich langsam im hinteren Bereich ihres Kopfes breit. Sie ignorierte ihn.
„Deshalb musste er den Todesfluch nochmal auf Harry schicken. Wegen der Verbindung. Aber – es war nicht nur Harry. Die Art wie er unsterblich ist... Professor Quirrell, das Tagebuch, das dein Vater hatte, ... irgendwie muss dein Meister herausgefunden haben, wie man seine Lebenskraft an lebendige und nicht lebendige Dinge binden kann. Und der Orden wusste davon. Deshalb wusste er, dass der Angriff diesen Monat auf den Orden zurück zu führen ist und nicht auf eine neue Widerstandsgruppe. Weil der Mordversuch kein Mordversuch war. Thicknesse war nie das Ziel. Umbridge war es auch nicht. Der Anhänger, den sie manchmal anhatte. Das Medaillon. Ich hab es gesehen, als sie und ausgebildet hat. Es war seins. Eins seiner Verbindungen. Wer auch immer das letzte Mitglied des Ordens ist, hat herausgefunden was es war und hat sie umgebracht, um es zu zerstören."
Malfoy kniff seine Augen nur ein winziges Stück zusammen. Hermine legte ihren Kopf leicht schräg, als sie sich gegenseitig ansahen.
„Ich glaube ich hab die Frage überhört.", sagte Malfoy nach einem kurzen Moment.
„Ich hab sie noch nicht gestellt.", sagte Hermine gelassen, sie versuchte das Pochen in ihrem Hinterkopf, das immer stärker wurde, als ob ihr ein Skalpell durch die Schädeldecke gerammt wurde, zu ignorieren.
„Der Repopulationsversuch", sagte sie, und versuchte durch den Schmerz zu atmen, „ist nur eine Ablenkung. Eine List. Voldemort interessiert sich nicht für die magische Bevölkerung. Es ist nur ein Köder, um die Öffentlichkeit in die falsche Richtung zu lenken und um sie zu beschäftigen. Er wartet nicht darauf die Muggel zu versklaven, weil er sich um die Zauberer Demographie sorgen macht. Er macht es, um sich selbst mehr Zeit zu verschaffen; er unterhält die Massen, indem er ein öffentliches Spektakel aus den Reinblut Familien macht. Erst mit den Hochzeiten und den Fehlgeburten und jetzt mit den Leihmüttern. Der Krieg ist nicht zum Stillstand gekommen, weil er es wollte, sondern weil er keine andere Wahl hatte."
Ein Schmerz schoss durch Hermines Kopf und das Zimmer verfärbte sich vor ihren Augen in eine angsteinflößend rote Farbe, so als ob Blut vor ihren Augen herunter fliesen würde und ihren Blick trübte. Sie stieß einen gequälten Schrei aus und fing an nach vorne zu kippen. Sie zwang sich dazu zu Malfoy aufzuschauen. Er kam auf sie zu.
„Er stirbt. Oder etwa nicht?"
