Kapitel 17

Hermine war im zweiten Stock des Grimmauldplatzes. Der Flur lag still da und war schwach erleuchtet; es war entweder spät am Abend oder früh am Morgen. Als sie an einem der kleineren Zimmer vorbeikam, erhaschte sie einen Blick auf eine roten Haarschopf, der über einen Schreibtisch gebeugt war. Sie zögerte und klopfte leicht an die Tür.

Hey Mione.", sagte Ron abgelenkt, als er einige Teilen auf den Karten verschob und sich abwesend mit seiner Zauberstabspitze am Kopf kratzte. Sein Gesichtsausdruck war angespannt.

Hast du eine Minute?"

Sicher." Er steckte seinen Zauberstab in seine hintere Hosentasche und blickte zu ihr auf. „Ich geh nur alles durch, was passiert ist, seit ich gegangen bin. Ziemlich viele Angriffe, als wir weg waren; du hattest bestimmt viel zu tun."

Er warf ihr einen eindringlichen Blick zu. Hermine senkte ihren Blick ab.

Ich bin mir sicher du siehst die Strategie dahinter.", sagte sie leise.

Kingsley benutzt die Horkruxe, um Harry von den Schlachten fern zu halten.", sagte er.

Hermine nickte kurz. „Du verstehst warum, oder?"

Rons Ausdruck verhärtete sich noch mehr, als er mit den Schultern zuckte und nickte.

Es bringt nichts ihn für Kleinigkeiten zu riskieren, wenn wir ihn für den letzten Schachzug brauchen. Ja. Ich versteh es. Das heißt noch lange nicht das es mir gefällt. Und manche von diesen – ", er zog ein paar Pergamentrollen zu sich her und schaute darüber. „Sie sind so ziemlich das gleiche wie Selbstmord Missionen. Mir ist nicht klar gewesen, wie sehr Kingsley auf Nummer sicher gegangen ist, wegen Harry. Zu sehen was er tun wird, wenn wir mal für eine Woche weg sind –"

Er unterbrach seinen Satz und starrte wütend nach unten auf die Berichte. „Wie hoch genau waren die Zahlen der Todesopfer, während wir weg waren?"

Hermine öffnete ihren Mund, um zu antworten, aber er schnitt ihr das Wort ab.

Du musst es mir nicht sagen. Ich kann die Zahlen hier vor mir sehen. Verdammt, das ist – das ist verfickt nochmal nicht zu fassen. Wenn Kingsley jetzt hier wäre würde ich ihm eine reinhauen."

Sein Gesicht wurde vor Wut ganz Rot.

Ron wir können es uns nicht mehr leisten auf Nummer sicher zu gehen.", sagte Hermine, ihr Magen verdrehte sich, als sie daran dachte, von wie vielen Leuten sie in den letzten paar Wochen die Augen verschlossen hat und das neue Sicherheitshospiz, mit dem sie Bill geholfen hat. „Ich bin mir nicht sicher, ob dir bewusst ist, wie tief unsere Ressourcen erschöpft sind. Wie viele Jahre denkst du, dass Harrys Verlies eine Armee versorgen kann? Die Krankenabteilung fährt schon nur noch auf Reserve. Europa wird unter Toms Herrschaft gebracht. Die einzige Option, die wir noch übrighaben, ist es Risiken einzugehen. Und wir können Harry nicht riskieren."

Ron sagte nichts. Hermine konnte sehen, wie die Muskeln in seinem Kiefer arbeiteten, als er sie anspannt und wieder entspannte.

Wir müssen die Horkruxe finden.", sagte er endlich. Hermine atmete lang und tief aus, sie hatte ängstlich die Luft angehalten und nickte.

Das müssen wir.", sagte sie. „Tom und Harry sind die Stützen. In ideologischer Hinsicht sind die Todesser zu verschieden. Toms Macht ist alles, was deren Armee zusammenhält. Wenn wir es schaffen ihn zu töten, sollte es auf lange Sicht genug interne Machtkämpfe geben, um dem Widerstand die Oberhand zu geben."

Ich denke das ist der eine Vorteil an Voldemorts Unsterblichkeit: er macht sich gar nicht erst die Mühe einen Nachfolger heranzuziehen.", sage Ron hölzern, als er über einen andern Missionsbericht schaute. Hermine konnte ihre eigenen Unterschriftdarauf sehen; die Anzahl der Verletzten, die Todesopfer ordentlich aufgelistet, unpersönliche Zahlen.

Auch wenn ich es nicht bezweifeln würde, dass die Malfoys denken, dass sie die nächsten in der Reihe wären, jetzt wo Bellatrix tot ist. Verdammte Psychopathen."

Du musst Harry davon überzeugen, dass die Horkruxe zu finden seine oberste Priorität sein muss.", sagte sie und starrte Ron unverwandt an. „Vor allem jetzt, nachdem was mit Ginny passiert ist. Ich habe die Befürchtung, dass er die Horkruxe einfach ganz ignorieren will."

Rons Ausdruck spannte sich an.

Ja.", sagte er leise.

Hermine zögerte und ging auf ihn zu.

Ron ich hoffe, was ich letzte Nacht beim Treffen gesagt habe, hat dir nicht das Gefühl gegeben, dass es deine Schuld war. Du hast Ginny gerettet. Ich konnte diese Informationen nicht zurückhalten, aber ich wollte dich damit nicht verletzen."

Passt schon.", sagte er steif. „Du hast die richtige Entscheidung getroffen."

Es tut mir leid –"

Fang nicht damit an. Ich will wirklich nicht darüber reden.", sagte er mit zittriger Stimme, die keinen Platz für Diskussionen ließ.

Hermines Augen huschten über sein Gesicht, nahmen die Anspannung um seine Augen wahr, die Spitzen seiner Ohren waren rot, während sein Gesicht so blass wurde, dass seine Sommersprossen hervorstanden, als ob es Blutspritzer wären.

Wenn sie weiter machen würde, würde er explodieren.

Hermine spürte, wie ihr das Herz in die Hose rutsche.

Okay. Nun, dann überlass ich dich mal den Berichten.", sagte sie und drehte sich zum Gehen um.

Hermine kam wieder zu Bewusstsein und spürte schummrig, wie jemand über ihr lehnte und ihren Kopf nach hinten neigte. Die rechte Seite ihres Gesichts und Körpers fühlte sich steif an. Sie konnte ihre Finger nicht bewegen und ihre Zunge tat weh, so als ob mehrfach darauf gebissen wurde.

Sie zuckte vor den Händen zurück, die auf ihr lagen und eine Person, ein Mann zog seine Hände zurück. Er machte einen Schritt von ihr weg und beobachtete sie genau. Sie schaute ihn verwirrt an. Er war blass und blond und sein Gesicht, dass voller Emotionen war, als sie ihre Augen geöffnet hatte, war jetzt undurchschaubar.

„Du hattest einen Krampfanfall.", sagte er mit ruhiger Stimme. „Anscheinend vertragen sich Fruchtbarkeitstränke und Legilimentik nicht so gut."

Er schaute nach unten auf seinen Zauberstab, den er in der Hand hielt. „Kannst du sprechen? Du hast für mehrere Minuten geschrien."

Hermine hatte Probleme damit zu schlucken. Ihre Kehle fühlte sich wund an, so als ob mehrere Minuten eine große Untertreibung gewesen ist. Sie versuchte ihren Mund zu öffnen und stellte fest, dass die Muskel auf der rechten Seite ihres Kiefers so verkrampft waren, dass sie kaum ihre Zähne auseinanderbrachte.

Sie fühlte sich ausgelaugt. Sie fühlte sich, als ob sie von einem Stromschlag getroffen wurde; ihre Muskeln und Sehnen fühlten sich an, als ob sie straffgezogen wurden, bis sie kurz davor waren abzureißen. Als sie versuchte zu Atmen, kam ein tiefes, japsendes Geräusch aus ihrer Kehle.

Sie versuchte sich zu erinnern, was passiert war. Sie versuchte sich hinzusetzten, aber ihr Körper machte nicht mit. Sie brach in Tränen aus.

„Wer bist du?", quetschte sie undeutlich durch ihre Zähne, als sie endlich das Schluchzen aufhörte. Sie schaute zu dem Mann auf, der neben ihr stand.

Eine Unzahl an Emotionen flackerte plötzlich über sein Gesicht. Er öffnete seinen Mund und schloss ihn dann bestimmt wieder und zögerte.

„Ich bin für dein Wohlergehen zuständig.", sagte er schlussendlich, sein Ausdruck war wieder undurchdringlich. Er zog ein kleines Fläschchen aus dem nichts hervor. „Du solltest das hier nehmen. Du wirst dich wahrscheinlich erinnern was passiert ist, wenn du wieder aufwachst."

Hermine zögerte und nickte dann zustimmend. Er schob eine Hand unter ihren Nacken und half dabei ihren Oberkörper aufzurichten, damit sie schlucken konnte. Sobald sie es schluckte übermannte sie ihre Erschöpfung und sie spürte, wie sie einschlief.

„Kenn ich dich?", fragte sie, als ihr die Augenlieder zufielen.

„Ich nehme an, dass tust du.", antwortete er.

Als Hermine wieder aufwachte, fühlte sich die rechte Seite ihres Körpers noch leicht verspannt an und ihre Zunge hatte das schwache Gefühl eines Heilungszaubers auf der Oberfläche.

Sie versuchte sich daran zurück zu erinnern, was passiert war.

Sie hatte mit Malfoy über Voldemort geredet, über die Horkruxe – sie konnte sich plötzlich an das Wort erinnern. Sie hat endlich ihre Frage gestellt; auch wenn es kaum eine Frage war, weil sie sich fast hundertprozentig sicher war, das Voldemort am Sterben war.

Dann hatte es sich angefühlt, als ob alles in ihrem Kopf explodiert war und das Zimmer hatte sich rot Verfärbt und dann ist sie zusammengebrochen.

Sie hatte einen Krampfanfall vor Malfoy.

Als sie dann das erste Mal aufgewacht war, war sie praktisch unbeweglich und konnte sich nicht mal an ihn erinnern. Er hat ihr einen Schlaftrunk für Traumlosen Schlaf gegeben.

Sie erinnerte sich an den kurzen Austausch von Worten zurück. ‚Für dein Wohlergehen zuständig' war eine sehr großzügige Art seine Rolle zu beschreiben. Sie schnaubte.

Sie bewegte ihre Schultern und versuchte ihren Mund aufzumachen. Ihr Kiefer war noch verspannt, aber sie konnte ihre Zähne ganz auseinander machen. Sie setzte sich behutsam auf und untersuchte sich selbst.

Sie ist behandelt worden.

Krampfanfälle waren nicht ihr Heilungsfachgebiet, aber Arthur Weasley hat ein paar milde Anfälle gehabt, nachdem er von Lucius Malfoy verflucht wurde. Sie hatte es recherchiert. Die Behandlung war ähnlich wie jemanden zu behandeln, der vom Crutiatus getroffen wurde, eine Behandlung, mit der sie nur allzu vertraut war.

Es war nicht nur ausschließlich Zauberstabheilung, sondern magisch-physikalische Therapie; man verwendete Sprüche und massierte dann die verspannten Knoten von Hand weg. Jemand hat die angefasst. Mindestens auf der ganzen rechten Seite ihres Körpers, um die Anspannungen und die Steifheit erfolgreich los zu werden. Da sie sich fast wieder normal fühlte, nahm sie an, dass sie auf beiden Seiten von ihrem Kinn bis runter zu ihren Füßen behandelt wurde.

Sie erschauderte leicht aber versuchte sich selbst zur Vernunft zu bringen.

Es war Heilkunst. Nur Heilkunst. Sie hat schon hunderte von Leuten geheilt. Sie hat Verletzungen an jeder Stelle des Körpers behandelt. Eine Verletzung war eine Verletzung. Heilen war Heilen. Es war abseits von irgendwelchen sexuellen Empfindungen. Klinisch. Körper wurden kaum als was anderes wahrgenommen als etwas, dass geheilt werden musste.

Dennoch... Der Gedanke, dass sie jemand angefasst und geheilt hatte, während sie bewusstlos in Malfoys Haus war, ließ ihr schlecht werden.

Sie bewegte sich und zischte leicht, sie schaute an sich herunter. Ihre Brüste taten weh und – waren angeschwollen. Sie starrte sie einen Moment geschockt an, bevor sie sich an die Nebeneffekte des Fruchtbarkeitstranks erinnerte, den Stroud ihr gegeben hatte. Sie verzog ihr Gesicht und krabbelte aus dem Bett.

Malfoy hatte zwar Reinigungszauber auf ihr angewendet als sie von Voldemort zurückgekommen sind, aber sie hatte nichts davon wirklich abgewaschen. Sie sammelte sich Klamotten und Handtücher zusammen und ging den Gang runter, um in dem anderen Badezimmer zu duschen.

Die lange Dusche löste auch die letzten Verspannungen in ihrem Körper. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und ließ das Wasser über sich laufen, während sie über die Erinnerung an Ron nachdachte, die sie unabsichtlich aufgebrochen hatte. Horkruxe. Und Todesopferzahlen. Und Ginny.

Es kam immer auf Ginny zurück.

Ron. Er sah so eingefallen aus. Niedergeschlagen vom Krieg. Seine Haare sind von grau durchzogen gewesen, obwohl er nicht viel älter als zweiundzwanzig hat sein können. Sie hatte diese Details vergessen. Sie hatte vergessen, wie der Krieg ihn zerfressen hatte; wie sichtbar sich der Stress in ihm abgezeichnet hatte.

Er hat Missionen mit Moody und Kingsley geplant. Er hat sein Talent für Strategien und Zauberschach genommen und gelernt, wie man es auf den Krieg anwenden konnte. Es war so stolz gewesen, als Kingsley zum ersten Mal eine seiner Strategien genehmigt hatte.

Ron, Harry und DA hatten lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass es ein langer Krieg sein würde. Sie hatten gedacht, dass sich die magischen Gemeinschaften erheben würde und sich auf die Seite des Ordens schlagen würde. Dass die Zauberwelt dadurch, dass sie Voldemorts Niederlage schon das erste Mal miterlebt hatte, mehr Vertrauen in die Kraft des Lichts setzten würde.

Aber Voldemort hat aus seinen Fehlern während des ersten Kriegs gelernt. Er war cleverer, vorsichtiger und gerissener als das erste Mal. Vor allem nach seinem Fehlschlag in der Schlacht im Zaubereiministerium. Er hat seine Schreckensherrschaft auf Muggel-Geborene, Halbblüter Familien und Blutsverräter limitiert. Er hat frühzeitig die Macht über das Ministerium übernommen und den Orden des Phoenix als Terroristengruppe deklariert. Und hat Dumbledore in der Schule des Schulleiters, von einem sechzehnjährigen Jungen umbringen lassen.

Alle Hoffnung, die die Zauberwelt vielleicht in die Kraft des Lichts gehabt hatte, wurde schnell im Keim erstickt. Muggel-Geborene und Halbblüter, waren nur ein Bruchteil der Zaubereipopulation. Es war einfach die magische Gesellschaft dazu zu bringen sich dafür zu entscheiden, einfach den Kopf unten zu halten und es dem Orden zu überlassen alleine gegen Voldemort zu kämpfen.

Es ist schwierig in einem Krieg als Terroristengruppe zu kämpfen.

Selbst wenn man genügend Geld hatte, war es schwer in die Winkelgasse zu gehen und Zugriff auf sein Verlies in Gringotts zu bekommen. Offizielle Identifikationen wurden notwendig, um egal was kaufen zu wollen, Essen oder Zutaten für Tränke; und wenn man zu viel auf einmal kaufte, zog es die Aufmerksamkeit auf sich. Nach einer Schlacht konnte man die Person ins Krankenhaus schicken, aber alle Verletzungen, die in die Zauberspruch Schadensabteilung geschickt werden mussten, verpflichteten St Mungos dazu, sie an die Abteilung für magische Strafverfolgung zu melden; verletzte Mitlieder des Widerstands wurden während ihrer Genesung wegen Terrorismus angeklagt und verhaftet und sie verschwanden in einem von Voldemorts Gefängnissen, bevor sie wieder von St Mungos entlassen werden konnten.

Der Widerstand ist nicht darauf vorbereitet gewesen, wie ausschlaggebend Voldemorts anfänglichen Einfälle sein würden. Sie hatten sich keine Vorräte gehortet. Sie haben nicht genügend Leute versteckt und viele von denen, die sie versucht hatten zu beschützen, haben sie nicht gut genug versteckt. Es gab immer einen Abschied, von dem Leute dachte, dass sie ihn noch unterbringen konnten, ein kleiner Hinweis, den die Folter von Todessern einfach aus Nachbarn herausquetschen konnte.

Den Stolz den Ron empfand, als seine Strategien zum ersten Mal verwendet wurden, verflog schnell, als er feststellte, dass es fast unmöglich war einen Plan zu erstellen, in dem es keine Opfer geben würde. Menschen waren keine wiederverwendbaren Figuren auf einem Schachfeld; wenn einer geopfert wurde, dann starben er. Auf schreckliche Art und Weise. Und selbst wenn man alles strategisch Mögliche dafür tat, um sie zu beschützen, taten sie nicht immer das was sie sollten, oder was man angenommen hat. Und selbst wenn sie es taten, dann tat es der Feind nicht.

Ron neigte dazu jeden Tod und jede Verletzung als seine persönliche Schuld anzusehen. Der Glanz des Heldentums und der Neid, den er früher für Harry übrig gehabt hat, verschwand. Der Krieg ernüchterte ihn schnell und das Verständnis fügte ihn und Harry noch näher zusammen; heilte alle Risse, die seine vergangene Eifersucht über die Jahre erschaffen hatte. Die wurden von der Schuld, Entschlossenheit und dem Idealismus vereint. Sie standen sich so nah wie Brüder.

Es gab nicht mehr viel Platz für Hermine.

Hermine seufzte und ließ ihren Kopf nach unten sinken, sie fühlte wie das Wasser an ihren Backen entlanglief. Ihre Lippen verzogen sich und zitterten, als sie sich an Hogwarts zurückerinnerte.

Harry, Ron und Hermine: Das unzertrennbare Trio... bis zu Dumbledores Tod, als Hermine Tränke und Heilkunst, statt Verteidigungsmagie mit Ron und Harry und dem Rest von Dumbledores Armee gewählt hat.

Sie verbrachte ihre Tage damit, das Heilen von Poppy Pomfrey zu lernen. Ihre Nächte verbrachte sie damit, Zaubertränke von Snape zu lernen. Ihre Freundschaft blieb auf der Strecke. Sogar ihre Noten wurden schlechter.

Sie hatte nicht viel Zeit übrig, um es Verteidigungszaubern zu widmen. Alle studierten Verteidigungsmagie. Niemand sonst schien sich um Verletzungen zu sorgen oder wie man einen Gegenfluch fand. Oder wie man Zaubertränke machen konnte, die Verletzungen heilten.

Hermine musste einen Monat lang, nach der Schlacht in der Mysteriums Abteilung, täglich zehn Tränke nehmen, um all die inneren Schäden zu reparieren, die Dolohovs nicht verbaler Fluch angerichtet hatte. Sie konnte von Glück sprechen, dass sie es überlebt hat.

Als Dumbledore nur wenige Monate später starb, ist es ihr schmerzlich bewusst geworden, wie auschlaggebend die Rolle von Heilkunst und Zaubertränken sein würde, damit der Widerstand lange genug überleben konnte, um zu gewinnen. Aber sie war die Einzige, die sich darum sorgen machte. Jeder stempelte sie als paranoid ab. Krankenhäuser waren neutraler Boden; falls jemand geheilt werden musste, dann war da immer noch St Mungos, wo man hingehen konnte.

Aber sie waren Terroristen. Krankenhäuser waren kein neutraler Boden für Terroristen.

Als Voldemort so plötzlich die Kontrolle über das Ministerium übernommen hat, war Minister Thicknesses erste Handlung, der Muggel-Erfassungs-Akt. Es war ein vorsichtig zeitlich abgepasster und strategischer Zug. Die Muggel-Geborenen und Halbblüter Auroren in der Abteilung für magische Strafverfolgung und Heiler in St Mungos wurden festgenommen und ihr Zauberstäbe wurden zerbrochen, bevor sie zum Orden flüchten konnten.

Sie wären unbezahlbare Mitglieder für den Widerstand gewesen, wenn der Orden sie rechtzeitig erreicht hätte.

Stattdessen musste die „Terror Organisation" feststellen, dass sie plötzlich von der Welt abgeschnitten waren und Poppy Pomfrey war die erfahrenste Heilerin, die sie noch hatten. Alle Widerstandskämpfer wurden zu der Internats Oberin gebracht, um von Schlachtfeld Wunden und dunklen Flüchen geheilt zu werden. Kingsley schaffte es noch zwei weitere Allgemein Heiler zu rekrutieren, um ein halbwegs funktionales Krankenhaus zu schaffen. Aber durch Voldemorts Tendenzen, ganze Zauber Familien zu bestrafen, waren die meisten Zauberer sehr zögerlich ihr ganzes Leben hinter sich zu lassen und sich dem Orden anzuschließen, wenn sie es nicht unbedingt mussten.

Der Krieg beschränkte sich hauptsächlich auf Großbritannien zu diesem Zeitpunkt. Nachdem das Britische Zaubereiministerum gestürzt wurde, nahmen Europäische Krankenhäuser, die mit dem Widerstand sympathisierten, heimlich Kontakt auf, um Training in der Heilkunst von dunkler Magie und Flüchen anzubieten. Hermine ist die einzige Person mit genug Grundtraining gewesen, die sich dafür qualifiziert hat und die der Orden entbehren konnte.

Es stand kaum zur Frage. Der Orden brauchte dringen einen Trauma Heiler, und wenn sie keinen rekrutieren konnten mussten sie eben einen neuen schaffen; Hermine war geeignet. Ihr wurde kaum Zeit gegeben sich zu verabschieden, bevor Kingsley sie aus Großbritannien geschmuggelt hat. Sie wusste nicht, wann sie wieder zurückkommen würde.

Die trainierte wie besessen für zwei Jahre. Sie hatte fast das Ende ihrer Ausbildung erreicht, als das Sicherheitskrankenhaus des Ordens, durch die Folgen eines Kampfes, entlarvt wurde. Ein Todesser hatte sich an Ernie MacMillan festgehalten, als dieser dorthin appariert ist. Als der Todesser erst einmal innerhalb der Schutzzauber war, ist er sofort verschwunden und hat weitere Todesser hingebracht.

Außer dem Fidelius Zauber, war das Krankenhaus kaum geschützt gewesen. Es gab nicht mal einen Evakuierungsplan. Keine Wachen. Es war ein Blutbad, bevor der Orden sich überhaupt versammeln und zurückschlagen konnte. Der Orden verlor die zwei Heiler, die er rekrutiert hatte, die Auszubildenden, Horace Slughorn und fast jeden verletzten Kämpfer, der dort untergebracht war.

Die Todesser ließen Ernie aus Trotz am Leben.

Der Orden musste Hermine sofort zurückholen.

Voldemort hatte Antonin Dolohov erlaubt ein Fluchentwicklungsabteilung zu errichten; neue und tödliche Flüche wurden in den Schlachten verwendet, sie fortgeschrittene Zauber Analysen benötigten, um sie zu bekämpfen. Hermines Fachgebiet. Sie brauchten außerdem jemanden der den Zaubertrank Meister ersetzen konnte und Hermine war auch dafür ausgebildet.

Innerhalb von drei Tagen, kam Kingsley persönlich in das österreichische magische Krankenhaus, in dem sie studiert hatte und brachte sie zurück nach England.

Während ihrer Abwesenheit, hatten sich Harry und Ron du einem Duo zusammengeschmiedet. Mit ihrer Rückkehr hat das Trio versucht, wieder dort anzufangen, wo es aufgehört hatte, aber in den zwei Jahre, hatten sie sich auseinandergelebt.

Hermine ist nicht der gleichen idealistischen Ansicht gewesen, dass das Licht, durch seine natürlichen Eigenschaften von Gutherzigkeit, schlussendlich den Krieg gewinnen würde. In ihren Augen wandte sich das Glück immer mehr und mehr gegen den Orden.

Von dem Moment an als sie nach England zurückgekommen war, lebte sie in der neuen Krankenabteilung, die im ersten Stock den Grimmauldplatzes eingerichtet worden war. Sie verbrachte ihre Tage und Nächte damit den Leuten beim Sterben zuzusehen; sie saß neben ihnen und erklärte ihnen so sanft wie möglich, dass sie nie wieder reden, nie wieder essen, nie wiedersehen, nie wieder laufen, sich nie wieder bewegen würden. Das sie niemals Kinder haben würden. Das ihr Partner, Ehepartner oder ihre Eltern oder Kinder gestorben sind, als sie bewusstlos waren.

Sie durchlebte jeden Tag die Nachwirkungen der Schlachten; sie atmete die Verheerung ein, bis sie darin ertrank.

Sie durfte nicht kämpfen. Sie durfte nicht mit aufs Schlachtfeld. Sie war zu wertvoll als Heilerin und Zaubertrank Meisterin. Der Orden konnte es nicht riskieren, sie zu verlieren.

Sie stand endlos in den Nachwirkungen der Kämpfe, die sie nicht beeinflussen konnte.

Also benutzte sie was sie hatte, ihre Stimme und ihre Position als Ordensmitglied. Sie benutzte ihren Sitz in den Treffen dazu dem Orden die Wichtigkeit, das Training über Verteidigungsmagie hinaus auszuweiten, nahezulegen. Sie setzte sich nicht für Folter und die Verwendung von Unverzeihlichen Flüchen ein; sie wollte einfach nur, dass den Widerstandskämpfern die ausdrückliche Erlaubnis erteilt wurde, Todesser in Notwehr zu töten.

Sie hatte nicht gedacht, dass es eine besonders schwierige Position zu vertreten sein würde, nach drei Jahren Krieg.

Doch das war sie.

Harry war unnachgiebig: sie würden keine dunkle Magie verwenden; sie würden keine Leute töten. Der Großsteil den Ordens hat sich Harry angeschlossen.

Hermine wurde als das schwarze Schaf abgestempelt. Was nach und nach die meisten ihrer Freundschaften zerstört hat.

Es ist nicht komplett überraschend gewesen, als Ginny angenommen hatte, dass Snape die einzige Person sein könnte, mit der Hermine in einer Beziehung sein hätte könnte. Ginny hatte recht. Hermine ist fast immer allein gewesen.

Hermine seufzte und drehte die Dusche ab.

Wenn sie etwas anders gemacht hätte, hätte sie den Ausgang des Krieges ändern können? Wenn sie sich mehr auf Verteidigung konzentriert hätte? Wenn sie nicht Heilkunst und Zaubertränke nachgegangen wäre? Wenn sie nicht für zwei Jahre weg gewesen wäre?

Hätte es einen Unterschied gemacht? Hätte sie damit jemanden retten können?

Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals, als sie sich an Malfoys Stichelei von vor ein paar Monaten erinnerte.

„Du hast nicht mal während dem Krieg gekämpft, oder? Ich habe dich auf jeden Fall nie gesehen. Du warst nicht einmal da draußen mit Potter und Weasley. Du hast dich nur versteckt. Hast deine ganze Zeit in Krankenabteilungen verbracht. Hast nutzlos deinen Zauberstab geschwungen, um Menschen zu retten, die am Ende tot besser dran gewesen wären."

Sie schluckte schwer und presste ihre Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, als sie aus der Dusche stieg und sich abtrocknete.

Sie hielt kurz inne und schaute ihre Reflektion an.

Sie hasste ihre Spiegelbild. Sie hasste es, es zu sehen. Sie versuchte immer ihren Blick abzuwenden, wenn sie an einem Spiegel vorbeikam. Sie erkannte die Person, die sie im Spiegel sah, kaum wieder.

In ihren Erinnerungen ist sie eingefallen, durch den Stress und die Unterernährung, gewesen. Blass, weil sie immer nur drinnen gewesen ist und Leute geheilt und Tränke gebraut hat. Ihre Haut ist bleich geworden. Ihre unzähmbaren Haare, immer sorgfältig in straffe Zöpfe geflochten, um es sicher hinter ihrem Kopf festzustecken. Knochig und mit dürren Armen und Beinen. Ihre Augen groß und dunkel, aber mit einem Feuer, dass in ihnen loderte.

Jetzt...

Ihr Gesicht war nicht länger eingefallen. Mit ausreichend Nahrung, füllte sie ihre Wangen wieder aus, sodass sie nicht mehr hohl waren. Die regelmäßigen täglichen Spaziergänge haben ihr einen leichten natürlichen Hautton gegeben. Ohne einen Kamm oder Haarbänder, konnte sie ihre Haare nur mit den Fingern kämmen und offenlassen. Es fiel in einem wilden Chaos aus Wellen und Locken bis unterhalb ihrer Ellbogen. Ihre Knie und Ellbogen und Hüftknochen und Rippen stachen nicht mehr hervor. Sie hat Muskeln durch die Übungen aufgebaut.

Sie sah gesund aus. Sogar hübsch. Normal. Wie eine Hermine aus einem anderen Leben.

Aber ihre Augen –

Ihre Augen waren tot. Es loderte kein Feuer mehr in ihnen.

Der Funke, der, wie sie fand, sie so sehr ausgemacht hatte, war verschwunden.

Sie war eine lebendige Leiche.

Sie drehte sich vom Spiegel weg und zog sich an.

Der Fruchtbarkeitstrank, beeinflusste, wie ihre Roben ihr passten. Die Knöpfe über ihrem Busen spannten und sie konnte ihre Nippel durch den Stoff erkennen. Sie ließ ihre Schultern nach vorne fallen und versuchte es zu verdecken, indem sie ihre Haare nach vorne legte.

Als sie ins Zimmer zurückkam, fand sie ein Mittagessen für sie bereitgestellt. Sie stocherte in einem Gurkensalat herum und schaute aus dem Fenster. Der Schnee war geschmolzen. Das Anwesen wurde von endlosem Grau überzogen. Sogar der Himmel war Grau.

Sie starrte noch immer aus dem Fenster, als die Tür auf ging. Sie schaute hinüber und sah, das Malfoy reingekommen war. Er hatte seine ‚Jagt' Klamotten an. Sie waren so sauber, dass sie annahm das er irgendwo hingehen wollte, und nicht gerade zurückkam. Er hielt ein Paar Handschuhe in einer Hand.

Sie fragte sich, ob das das Outfit war, das er anhatte als er Ginny, Minerva McGonagall, Alastor Moody, Neville, Dean, Seamus, Professor, Sprout, Madam Pomfrey, Professor Flitwick und Oliver Wood umgebracht hat. Er hatte es wahrscheinlich immer unter seinen Todesser Roben an.

Eisenbauch Leder, war sehr resistent gegen Magie und fast unzerstörbar, durch physikalische Einflüsse. In einem Duell, außer der Angreifer schafft es den Kopf zu treffen oder er verwendete den Todesfluch, wäre Malfoy praktisch unbesiegbar. Jemand mit Fesseln, die die Magie blockierte, hätte keinerlei Chance gegen ihn.

Aber nun ja, wann haben Slytherins schon jemals fair gekämpft?

Sein Blick traf auf ihren, von der anderen Seite des Zimmers und er beobachtete sie aufmerksam.

Sie verschränkte ihre Arme schützend vor ihrer Brust.

„Erinnerst du dich jetzt an mich?", fragte er.

„Zu meiner tiefen Enttäuschung leider schon.", sagte sie und schaute von ihm weg. Er kam langsam auf sie zu.

„Ich habe Heilerin Stroud informiert, was passiert ist. Anscheinend hat sie sich nicht die Mühe gemacht, zu verifizieren, dass der Fruchtbarkeitstrank keine negativen Reaktionen mit Legilimentik haben würde.", sagte er mit einem leichten Schnauben.

„Ich bezweifle, dass die Kombination etwas ist, das Zaubertrank Meister normalerweise untersuchen würden.", sagte Hermine trocken.

Es gab eine kurze Pause, und Malfoy zog eine Zeitung aus dem Nichts hervor und reichte sie ihr. Sie nahm sie ihm mit einem neugierigem Ausdruck aus der Hand.

„Du hast deine tägliche Lektüre anscheinend gut genutzt.", sagte er, als sie sie auseinanderfaltete.

„Friedens Gespräche in Skandinavien!" hieß es auf der Titelseite.

Sie grinste leicht in sich hinein und überflog den Artikel.

„Woher hast du es gewusst?", hackte er nach einer Minute der Stille nach.

Sie blickte von der Zeitung auf.

„Das hier?", sagte sie unschuldig und deutete auf den Artikel.

Er verdrehte seine Augen.

„Nein."

Ihr Mundwinkel zuckte.

„Ich bin eine Heilerin.", sagte sie, dann schaute sie nach unten auf ihre Handgelenke. „Oder ich war zu mindestens mal eine. Ich habe mich darauf spezialisiert dunkle Magie zu heilen. Ich kenne die Anzeichen von magischem Zerfall. Zu viel von bestimmten Arten von dunkler Magie und es verwandelt sich zu Gift im Körper. Der Körper und die Magie versuchen es zu verarbeiten. Wenn sich dunkle Magie erst einmal in den Zellen ansammelt, gibt es kein Zurück mehr. Die Magie frisst einen von innen heraus auf."

Sie legte die Zeitung auf die Seite. „Die Magie verliert dadurch natürlich nicht ihre Kraft. Er ist immer noch einer der mächtigsten Zauberer in der ganzen Welt. Aber körperlich zerfällt er. Nicht mal das ganze Einhorn Blut, das er aufnimmt und in dem er badet, kann seine Symptome erfolgreich lindern. Selbst wenn er unsterblich ist, wird er schon bald kaum noch ein Schatten sein. Er wird im Äther verschwinden. Mit Harrys tot, hat er keine Möglichkeit wiedergeboren zu werden. Wenn all seine Horkruxe zerstört wurden – wird er einfach – aufhören zu existieren."

Malfoy schaute sie gerissen an und sie hielt seinem Blick stand.

„Diese Verbindungen, sie werden Horkruxe genannt, oder?", fragte sie.

Er nickte langsam.

„Neue Erinnerung?", sagte er.

Sie nickte.

„Während dem Krampfanfall.", sagte sie und lehnte sich im Stuhl zurück. „Der Orden hat sie gejagt. Ron und Harry wurden darauf angesetzt."

„Sonst noch irgendwas?", sagte er, seine Stimme war tief und gefährlich.

„Ron war über die Zahlen der Todesopfer verärgert. Uns gingen die Mittel aus. Ich bezweifle, dass es irgendetwas ist, was du nicht eh schon wusstest.", sagte sie leise.

Sie schaute ruhig zu ihm hoch, sie erwartete, dass er sofort in ihren Verstand eindringen würde. Um es zu überprüfen. Er starrte sie nur an.

Sie schaute weg und nach einigen Minuten blickte sie zögernd wieder zu ihm auf.

Er bemerkte ihre Aufmerksamkeit und legte seinen Kopf schräg, während er eine Augenbraue hochzog.

„Kingsley Shackelbolt...", sagte sie. „Hannah hat ihn nicht erwähnt. Alle sagen immer, dass ich die Einzige bin, die vom Orden noch übrig ist, aber ich erinnern mich nicht –"

„Er ist ein paar Monate vor der letzten Schlacht gestorben.", sagte Malfoy und schaute von ihr weg. Sein Kiefer spannte sich leicht an.

Hermine hatte es fast vermutet – aber sie verspürte dennoch ein schneidendes Ziehen in ihrer Brust, als sie die Bestätigung bekam.

Sie war sich fast sicher, dass sie die Antwort auf ihre nächste Frage auch schon wusste.

„Warst du derjenige, der –?"

Er sah ihr in die Augen und nickte. „Er stand mir im Weg."