Kapitel 20
„Draco, wie bist du hier hergekommen?", keifte Astoria, sobald sie wieder bei Bewusstsein war. Sie fasste sich mit einer Hand behutsam an ihre Seite, als sie in den Stuhl zurücksank.
„Ich musste wegen dir quer durch Europa apparieren.", sagte er mit einem tiefen Knurren.
Die Wut in seiner Stimme konnte man fast spüren.
Hermine versteifte sich. Über-Kontinentale Apparition war – fast unmöglich. Man musste entweder so oft springen, dass die Magie der Person erschöpft wurde und sie aufhören musste, oder so eine geballte Konzentration an Magie benutzen, dass es praktisch unmöglich war zu überleben. Die meisten Leute die mehr als ein paar Länder weit apparierten, zersplinterten sich selbst zu Tode. Wenn Malfoy tatsächlich so weit appariert ist, sollte er vor magischer Erschöpfung fast tot sein.
In diesem Fall war es kein Wunder, dass das Anwesen gebebt hat. Die Kraft und Konzentration, um erfolgreich so einen Sprung zu vollführen, würde wie die Schockwellen einer Schallbombe explodieren. Es gab vermutlich einen Raum im Haus der komplett zerstört wurde.
„Das – das sollte komplett unmöglich sein.", stammelte Astoria.
„Unterschätzt du deinen Ehemann, Tori?", sagte er mit einem kalten, mörderischen Unterton. „Nicht sehr ehefraulich von dir."
„Oh, bist du wegen mir hier?" Astorias Stimme war boshaft. „Nein. Bist du nicht. Du bist wegen dem Schlammblut hier. Du hast mich verhext. Mich in eine Wand geschleudert. Du hast Graham Montague umgebracht und alles wegen dem Schlammblut."
„Ja das habe ich.", sagte Malfoy. „Ich habe all diese Dinge getan, weil sie das letzte Mitglied des Orden des Phoenix ist und das heißt, dass sie, im Gegensatz zu dir, wichtig ist; unendlich wichtiger wie du es bist. Und um einiges wichtiger als Montague. Wusstest du, dass der Dunkle Lord sie regelmäßig zu sich bringen lässt, um ihre Erinnerungen zu durchsuchen? Die Augen sind für Legilimentik recht wichtig."
Astoria wurde immer blasser und Malfoy sprach mit seiner kalten, tödlichen Stimme weiter. „Ich habe versucht geduldig mit dir zu sein, Astoria. Ich war dazu gewillt dein unmögliches Verhalten und deine erbärmlichen Sabotage Versuche zu übersehen, aber abgesehen davon, dass du halbwegs dekorativ bist, bist du nutzlos für mich. Wenn du es jemals wieder wagen solltest in ihre Nähe zu kommen oder mit ihr zu sprechen oder deinen Status als Herrin dieses Anwesens dazu zu benutzen, durch irgendwelche meiner Schutzzauber zu brechen, dann werde ich dich töten. Und ich werde es langsam tun; vielleicht über ein oder zwei Abende. Das ist keine Drohung. Es ist ein Versprechen. Geh. Mir. Aus. Den. Augen."
Astoria stieß einen verängstigten Schluchzer aus und floh aus dem Zimmer.
Malfoy atmete für ein paar Sekunden tief durch, bevor er sich wieder zu Hermine umdrehte.
Er ging langsam auf sie zu, dann kniete er sich hin und hob ihr Gesicht wieder an, um ihre Augen anzusehen.
„Deine Pupillen haben unterschiedliche Größen.", sagte er nach einem Moment. „Wenn ich die Diptams Essenz aufgetragen habe, werde ich nach einem Spezialisten schicken, um zu schauen ob noch etwas getan werden kann."
Hermine starrte ihn an.
„Du brauchst meine Augen nicht um Legilimentik durchzuführen.", sagte sie mit hölzerner Stimme. „Auf diesem Weg ist es nur einfacher. Es macht nichts, ob ich auf einem Auge blind bin oder nicht."
Sie spürte wie die Finger auf ihrem Gesicht leicht zuckten, als sich sein Kiefer anspannte.
„Ich sehe es als einen Gegenstand der Bequemlichkeit.", sagte er nach einer kurzen Pause.
Sein Daumen striff federleicht über ihren Wangenknochen.
Sie schaute zu ihm zurück. Er wirkte ausgemergelt, oder vielleicht schien es auch nur so wegen ihrer verschwommenen Sicht.
„Wie bist du von Rumänien hier her appariert?", fragte sie.
Er schenkte ihr ein müdes Grinsen. „Die Fähigkeit hab ich als Kompliment von Dunklen Lord erhalten. Obwohl – er damals glaube ich keine Ahnung davon hatte. Es ist ursprünglich als Bestrafung angedacht gewesen."
Hermine zog ihre Augenbrauen zusammen. Sie hatte keine Ahnung, welche Art von Bestrafung es als Nebeneffekt haben würde, dass man Über-Kontinental apparieren konnte. Irgendeine Art von schrecklicher, obskurer, Dunkler Magie.
„Welche Art von Fluch –?"
„Es ist kein Fluch gewesen, es war ein Ritual und keines, über das ich diskutieren möchte.", sagte er und schnitt ihr abrupt das Wort ab.
„Woher wusstest du, dass ich die Zauber kannte?", sagte sie, als er sie weiter anstarrte.
„Du warst eine Heilerin." Er zuckte mit den Schultern. „Wenn ich dich ins St Mungos Krankenhaus appariert hätte, ich habe angenommen, dass der Druck dein Auge zerstört hätte. Es kam auf Schnelligkeit an."
„Wo hast du gelernt zu heilen?", fragte sie, als sie sich an all die Zauber und Diagnostiken zurück erinnerte, die er sofort gewusst hatte.
Ein Grinsen zog an seinem Mundwinkel.
„Ich bin Jahrelang ein General gewesen, ich habe ein paar Dinge währenddessen aufgeschnappt. Es war eine offensichtlich nützliche Fähigkeit."
„Nicht für jeden." Hermine hat so oft versucht, den Mitgliedern des Ordens ein bisschen mehr als nur die grundlegenden Notfall Sprüche beizubringen, aber die meisten sind sehr zurückhaltend gewesen, Sachen zu lernen, die über Episkey hinaus gingen.
„Ja. Ich war auf der Sieger Seite, wir haben offensichtlich bessere strategische Entscheidungen getroffen.", sagte er mit kühler Stimme, als er seine Hände zurückzog.
„Der Diagnose Spruch, den du kanntest, war ungewöhnlich.", sagte Hermine und ignorierte seinen Kommentar.
„Es war ein langer Krieg.", er kniete immer noch vor ihr.
Hermine blickte kurz nach unten in ihren Schoß, dann schaute sie wieder zu ihm auf. Sie fing an durch die eingeschränkte Sicht, Kopfweh zu bekommen, das sich von ihren Schläfen aus ausbreitete.
„Du – hast ein natürliches Talent fürs Heilen. In einem anderen Leben hättest du ein Heiler sein könnten.", sagte sie.
„Eine der großen Ironien des Lebens.", sagte er und schaute von ihr weg. Sie meinte zu sehen, wie sein Mundwinkel leicht zuckte. Aber vielleicht spielte ihr ihre Sicht auch nur einen Streich.
„Ich nehme an das ist es." Hermine schaute wieder nach unten auf ihre Hände. Ihre Fingerspitzen waren voller Blut. Genauso wie seine.
Mit einem Plopp Geräusch tauchte Topsy, mit einem kleinen Fläschchen Diptams Essenz, wieder auf, die sie Malfoy überreichte.
„Stell sicher, dass die Tür repariert wird.", wies Malfoy die Elfe an, er schaute sie kaum an, als er sich zu Hermine zurück drehte.
Hermine versuchte unsicher aufzustehen.
„Ich sollte – ich sollte mich hinlegen, damit es nicht rausläuft.", sagte sie. Ihr Gleichgewicht fühlte sich nicht richtig an und ihre Hände und Arme zitterten und wollten ihr Gewicht nicht tragen. Sie sackte auf den Boden zurück und biss sich vor Frustration in die Unterlippe; vielleicht sollte sie sich einfach auf den Boden legen.
Eine Hand schloss sich um ihren Ellbogen und zog sie auf die Füße.
„Ich werde mich nicht am Boden über dich lehnen.", sagte Malfoy mit kalter Stimme, als er sie durchs Zimmer zog und sie dann zu ihrem Bett führte. „Leg dich hier hin."
Sie tastete nach dem Bett hinter sich und legte sich hinein. Sie schob die Kissen auf die Seite und legte sich flach hin.
Malfoy lehnte sich über sie, mit dem Fläschchen in einer Hand. Sein Gesicht rückte immer wieder aus ihrem Fokus, jedes Mal, wenn sie blinzelte. Dunkel. Hell. Dunkel. Hell.
„Wie viele Tropfen?", fragte er. Hermine zögerte.
Diptams Essenz war teuer. Wenn sie eine Heilerin wäre müsste sie sich die Essenz gut einteilen; vorsichtig den Nutzen gegen die Kosten abwägen.
„Ein Tropfen alle zwei Stunden für die nächsten paar Tage wäre ideal. Aber eine einzelne Dosis mit drei Tropfen würde es auch tun.", sagte sie schließlich.
„Würden was tun?", sagte er.
„Ich werde wahrscheinlich Umrisse ausmachen können und Farben innerhalb von ein paar Metern.", sagte sie.
Malfoy lehnte sich nach vorne und benutze seine rechte Hand, um ihr linkes Auge vorsichtig auf zu halten, während er einen Tropfen der Essenz in ihr Auge tropfen ließ. Es brannte. Hermine schloss sofort ihre Augen, um sich davon abzuhalten den Tropfen wegzublinzeln.
Die Hand auf ihrem Gesicht verschwand.
„Ich werde in zwei Stunden zurück sein. Und ich werde sicher stellen, dass Astoria nicht wieder her kommen kann."
Sie hörte wie sich seine Schritte entfernten und sie hob ihre Hand an, um ihr linkes Auge zu zuhalten, damit sie beobachten konnte, wie er weg lief.
Er taumelte leicht, als er an der Tür war, so als ob er etwas unsicher auf den Beinen war.
Hermine schloss wieder ihre Augen und lag still da, sie versuchte sich vom Weinen abzuhalten.
Nicht weinen. Nicht weinen, sagte sie zu sich selbst. Es wäre eine Verschwendung der Diptams Essenz.
Malfoy tauchte zwei Stunden später wieder mit einem Spezialisten auf; ein älterer Herr, der in Limetten Grünen Roben gekleidet war. Der Gesichtsausdruck des Heilers war angespannt, aber er schien entschlossen, sein Unbehagen zu verstecken. Er schaute Hermine nur kurz an.
„Sklera Punktionen sind recht heikle Angelegenheiten.", sagte der Heiler mit einer pipsigen Stimme, als er sich einen Stuhl neben ihrem Bett herzauberte und zu Malfoy zurück schaute. „Oft kann man nicht mehr viel tun. Grundlegende Heilungszauber können nicht viel dazu beitragen, die Sehkraft zu erhalten. Wir müssen schauen, womit wir arbeiten können. Sie war diejenige, die ihnen gesagt hat, welche Zauber sie verwenden sollen?"
Malfoy nickte kurz und lehnte sich gegen die Wand.
Der Heiler drehte sich zu Hermine und benutzte einen Okular Diagnostik Spruch, den sie nicht kannte.
Hermine starrte auf die farbigen Bänder, die über ihrem Kopf schwebten, aber sie wusste nicht, wie man sie deutete. Der Heiler war für einige Minuten leise, als er die Diagnostik veränderte und studierte.
„Das – ist ein außergewöhnlich gutes Heilungsergebnis.", sagte der Heiler mit überraschter Stimme, als er einem Band einen letzten Stoß mit seiner Zauberstabspitze verpasste und kleine Lichtfunken aufblitzen ließ. Die Bänder flackerten und drehten sich als Antwort darauf.
„Welchen Spruch hast du ihn benutzen lassen?", fragte der Heiler, als er endlich in Hermines Gesicht blickte.
„Sklera Sanentur.", sagte sie.
Seine Augenbrauen schossen in die Höhe. „Du hättest vermutlich dein Sehvermögen verloren, wenn du einen allgemeineren Spruch verwendet hättest. Wo hast du es gelernt so zu heilen?", fragte er mit einem bewunderten Unterton.
„Österreich, Frankreich, Albanien und Dänemark.", sagte Hermine, ihre Stimme war kleinlaut. „Ich bin viel rumgereist. Mein Fachgebiet war die Heilung von Dunklen Künsten und Unfallverletzungen."
„Wirklich?", der herablassende Ton in der Stimme des Heilers verschwand und er beobachtete Hermine nachdenklich. „Ich habe mich beworben, um in Albanien zu studieren. Damals in '64. Sie haben mich nicht genommen, meine Zauberstabarbeit war nicht präzise genug. Wunderschönes Krankenhaus. Deren Abteilung für alte Magie war die beste in ganz Europa."
„Das war sie.", sagte Hermine ihre Stimme klang wehmütig.
„Eine Schande wie die Terroristen es während des Krieges zerstört haben.", sagte der Heiler. „Aber nun gut.", er beäugte Hermines Klamotten und ihre Handgelenke und seine Lippen verzogen sich. „Ich nehme an du warst eine von ihnen."
„Keinen von denen, die Krankenhäuser angegriffen haben.", sagte Hermine.
Es ist eine beliebte Taktik von Voldemort gewesen; Orte anzugreifen die neutraler Boden waren und es dann auf die Widerstandsterroristen zu schieben. Es hat geholfen, um die Öffentlichkeit auf Voldemorts Seite zu ziehen und es hat den Winderstand weiter in den Untergrund getrieben.
Hermine erinnerte sich daran, als sie die Nachricht bekommen hatten, dass das albanische Krankenhaus in die Luft gejagt wurde. Es hat fast keine Überlebenden gegeben; alle Heiler, die Hermine unterrichtet hatten, sind unter den Trümmern gestorben.
Der Widerstand in Albanien ist kurz danach untergegangen.
Der Spezialist machte damit weiter das Abbild über Hermine für ein paar weitere Minuten zu begutachten, bevor er es mit einer Bewegung seines Zauberstabes verschwinden ließ. Er führte ein paar Zauber aus, Hermine spürte, wie sie sich in ihr ausbreiteten und ein kaltes Gefühl im vorderen Teil ihres Gehirns verursachten. Der Heiler lehnte sich nach vorne und ließ einen Tropfen von Diptams Essenz in ihr Auge fallen.
„Ich denke, dass du dich wahrscheinlich wieder komplett erholen wirst. Nicht zu viel Licht und wende einen Tropfen der Diptams Essenz alle zwei Stunden untertags und ein extra Tropfen kurz vor dem Schlafengehen, für die nächsten zwei Wochen, an. Wenn du das tust, solltest du kaum oder gar keine Langzeitschäden deines Sehvermögens davon tragen."
Hermine beobachtete mit einem Auge, wie er aufstand, sich zu Malfoy drehte und wichtigtuerisch seine Roben glatt strich.
„Ich muss schon sagen, das ist eine außergewöhnliche kleine Heilerin, die sie da haben. Als sie mir erzählt haben, was passiert ist, bin ich fast davon ausgegangen, dass sie fast blind auf ihrem Auge sein würde. Sanentur Zauber sind sehr unbekannt und verletzungsspezifisch. Es ist beeindruckend, dass sie noch so bei Verstand war, um den angemessenen Spruch für diese besondere Art von Stichverletzung zu finden."
„Ziemlich Glück gehabt.", sagte Malfoy ausdruckslos. „Empfehlen sie noch irgendetwas anderes? Ich habe die strenge Anweisung, dass sie in einem guten körperlichen Zustand bleiben muss. Ich will nicht, dass etwas übersehen wird."
„Nun – eventuell kühle Kompressen. Diptams Essenz funktioniert am besten in den Augen, wenn die Temperatur niedrig gehalten wird. Und – ah – um. Nährstoffreiches Essen. Hühnerbrühe und solche Dinge. Um den Körper beim Heilungsprozess zu unterstützen. Sie weiß das bestimmt."
„Nun gut.", sagte Malfoy, richtete sich auf und deutete auf Hermines Zimmertür, die die Hauselfen repariert hatten.
Der Heiler schaute noch einmal auf Hermine hinunter.
„Wirklich außergewöhnlich.", sagte er noch einmal mit verwunderter Stimme. „Schade. So eine Verschwendung von Talent."
„Hmm.", brummte Malfoy nur.
„Und sie Sir. Wirklich bemerkenswert, wie sie die Sprüche so genau ausführen konnten. Eine sehr beeindruckende Zusammenarbeit. Sie könnten selbst ein Heiler sein."
„Das wird mir immer wieder gesagt.", sagte Malfoy mit einem falschen Lächeln. „Glauben sie St Mungos stellt mich noch ein, nachdem ich jemanden in ihrem Wartebereich umgebracht habe?"
Der Heiler wurde blass. „Nun – Was ich meine ist –"
„Wenn es nichts Weiteres gibt, dann begleite ich sie jetzt nach draußen.", schnitt Malfoy ihm das Wort ab und schritt aus dem Zimmer.
Hermine verbrachte die nächsten paar Tage hauptsächlich im Bett. Ein Hauself kam alle zwei Stunden mit einem Fläschchen Diptams Essenz und beobachtete, wie sie einen Tropfen in ihr Auge gab, und ploppte dann wieder weg.
Nach vier Tagen war ihr Sehvermögen in einer Armlänge Abstand wieder fast ganz hergestellt, aber darüber hinaus wurden die Dinge unscharf und es tat weh sich zu fokussieren.
Malfoy kam nicht wieder, aber Hermine glaubte seine Schritte im Flur zu hören.
Dann kam Heilerin Stroud.
„Ich habe gehört das du einen eher unglücklichen Monat hattest.", sagte Stroud, während sie einen Untersuchungstisch herbei holte und darauf wartete, dass Hermine her kam.
Hermine sagte nichts, als sie zum Tisch lief und sich auf die Kante niederließ. Stroud holte ein Fläschchen Veritaserum hervor und Hermine öffnete ihren Mund und akzeptierte den Tropfen auf ihrer Zunge.
Stroud führte einen generellen Diagnostik Zauber über Hermine aus und studierte ihn. Hermines Auge ging es besser. Der Natriumspiegel war normal. Ihr Cortisolspiegel war extrem hoch.
Er war immer hoch, aber man konnte einen deutlichen Anstieg erkennen.
Stroud seufzte und schrieb etwas in Hermines Akte nieder, bevor sie den Schwangerschaftsnachweis Zauber durchführte.
Hermine wusste bereits was das Ergebnis des Zaubers sein würde. Sie starrte angestrengt auf die Uhr an der Wand. Ihre ungleichmäßige Sehkraft führte dazu, dass sie die Zahlen und nicht einmal die Zeiger erkennen konnte, außer sie schloss ihr linkes Auge.
Es folgte eine lange Stille. So lange, das Hermine schlussendlich zurück schaute und sah, dass Heilerin Stroud eine detailliertere Diagnostik ihres Fortpflanzungssystems herbei gezaubert hatte.
Hermine konnte nicht alle Abbildungen genau erkennen aber genug, um zu sehen, dass es nichts Ungewöhnliches daran zu sehen gab. Sie schaute nach oben in Heilerin Strouds Gesicht.
Es war verschwommen, aber Hermine konnte dennoch die bekannte angespannte Verärgerung um den Mund der Frau erkennen, als sie die Diagnostik weiter mit ihrem Zauberstab veränderte.
„Du bist immer noch nicht schwanger.", sagte Stroud matt.
Die Worte waren beides ein Vorwurf und eine Verurteilung.
Hermine zuckte nicht zusammen oder blinzelte. Heilerin Stroud fuhr fort. „Du bist eine der wenigen die immer noch nicht schwanger ist. Und im Falle der andern ist es, weil die – Männer selbst Probleme haben."
Sie pausierte kurz. Heilerin Stroud schien zu erwarten, dass sie sich verteidigte.
„Vielleicht hat der Hohe General auch Probleme.", sagte Hermine schlussendlich.
„Das hat er nicht. Ich habe ihn in der Zwischenzeit mehrere Male persönlich untersucht. Er ist perfekt zeugungskräftig und fruchtbar. Außergewöhnlich gut sogar."
Hermine kämpfte dagegen an, bei dem Gedanken wie Malfoy von Stroud untersucht wurde, ihren Mund vor Belustigung zu verziehen. Er musste es bestimmt lieben, dachte sie sich.
Nach außen hin ließ sich Hermine nichts anmerken. Heilerin Stroud seufzte erneut.
„Wie macht er es? Bleibst du danach liegen, so wie es dir befohlen wurde? Wäscht du dich danach?"
Die Fragen waren misstrauisch.
Hermine spürte wie sich ihre Wangen rot verfärbten, als sie die Fragen beantworten musste.
„Da ist eine Uhr an der Wand. Ich warte immer die bestimmte Zeit ab, bevor ich mich bewege. Ich befolge alle Waschanweisungen. Das Portrait kann es bestätigen."
Heilerin Strouds Augen waren zusammengekniffen.
„Und wie nimmt er dich?"
Hermine starrte angestrengt auf die verschwommene Uhr, bis ihr Kopf das Pochen anfing.
„Auf einem Tisch."
„Was?", sagte Heilerin Stroud mit scharfem Ton.
„Er – er zaubert einen Tisch in die Mitte des Raumes. Und ich muss mich darüber lehnen."
„Er nimmt dich von hinten?"
Hermine spürte, wie ihre Wangen und Ohren glühten. „Ja. Er ist sehr – klinisch mit der ganzen Sache."
„Wie oft am Tag?"
„Einmal pro Tag. Fünf Tage lang."
Es herrschte eine lange Stille.
„Nun –", sagte Heilerin Stroud endlich. Dann beugte sie sich nach vorne und tippte eine der Fesseln an Hermines Handgelenk zwei Mal mit ihrem Zauberstab an. Sie konnte eine sofortige Woge der Hitze spüren.
Eine Minute später konnte man einen lauten Schlag an der Tür hören und Malfoy kam herein, er sah kälter aus als Hermine ihn je gesehen hat. Sie konnte kaum sein Gesicht erkennen als er auf Heilerin Stroud zulief. Sie schloss ihr linkes Auge, damit sie klar sehen konnte.
„Sie haben mich gerufen.", sagte er.
„Sie ist noch immer nicht schwanger.", verkündete Heilerin Stroud.
Malfoy schaute weder überrascht, noch enttäuscht über die Neuigkeiten.
„Wie unglücklich.", sagte er kühl.
„Allerdings. Es fängt an ungewöhnlich zu werden. Ich kann keinen Grund dafür finden."
Heilerin Strouds Augen waren verengt als sie Malfoy anschaute.
Hermines Interesse wurde plötzlich geweckt. Hatte Heilerin Stroud den Verdacht, dass Malfoy versuchte es zu vermeiden, Hermine zu schwängern? Tat er das? Warum würde er das tun? Er sollte verzweifelt versuchen sie zu schwängern. Wenn nicht für einen Erben, dann zu mindestens für die Hoffnung, dass die kompatible Magie endlich durch die Magie brechen würde, die Hermines Erinnerungen beschützten.
„Der Dunkle Lord wird eventuell Gründe zur Beunruhigung haben, wenn sie weiterhin nicht schwanger wird. Wie sie wissen, ist sein Wunsch zweiseitig."
„Allerdings. Dem bin ich mir bewusst.", sagte Malfoy, ein gefährlicher Unterton schlich sich in seine Stimme.
„Dann sollten sie keine Einwände haben, wenn ich ein paar Vorschläge mache, wie man die Erfolgschancen erhöhen kann."
Malfoy senkte seinen Kopf. „Alles zu Diensten für den Dunklen Lord."
„Keine Tische mehr.", sagte Heilerin Stroud mit einem spitzem Unterton.
Etwas flackerte in Malfoys Augen auf, vermutlich Verärgerung.
„Wenn es sein muss."
„Und sie sollten sie in einer liegenden Position haben.", sagte Heilerin Stroud und hob ihr Kinn an. „Mit weniger Distanziertheit."
Ein spöttisches Lachen kam über Malfoys Lippen, aber bevor er irgendetwas sagen konnte, fügte Stroud hinzu, „Magische Schwangerschaften sind komplexer als nur der biologische Prozess der Befruchtung. Manchmal benötigt es eine Verbindung. Wenn das nicht so wäre, könnten wir Muggel Vorgehensweisen verwenden mit einem viel größeren Erfolg für alle."
„Ach wirklich? Verdanken alle anderen schwangeren Leihmütter, die sie betreuen, ihren Zustand der Verbindung, die sie mit dem Erzeuger des Kindes haben?", sagte Malfoy gekünstelt.
„Sie ist außergewöhnlich mit ihrer Magie, so wie sie es ebenfalls sind.", sagte Stroud, ihr Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Laut einigen Theorien benötigt solch eine Macht mehr – Überzeugung – um den Funken des Lebens zu erschaffen. Außer sie können mir eine andere Erklärung dafür geben."
Sie schaute Malfoy an und er schaute, ohne zu blinzeln, zurück.
Hermine war sich sicher, dass Stroud Malfoy verdächtigte etwas zu tun, das eine Schwangerschaft verhinderte.
„Also gut."
„Sehr schön.", sagte Stroud, auf ihren Lippen breitete sich ein Lächeln aus. „Immerhin ist es dem Dunklen Lord sehr wichtig Erfolg mit diesen Erinnerungen zu haben. Wenn die Befruchtungsversuche weiterhin fehlschlagen sollten, würden wir uns eventuell dazu gezwungen sehen, einen anderen ‚Erzeuger' zu finden."
„Ich dachte, wenn man Magische Schwangerschaften verwendet, um die Erinnerungen zu befreien, muss der Vater der Legiliment sein oder es kann zu einer Fehlgeburt führen.", sagte Malfoy mit schneidender Stimme.
„Das stimmt. Die magisch-genetische Ähnlichkeit ist wichtig. Wie dem auch sei, müsste es nicht zwingend eine elterliche Verbindung sein. Halb-Geschwister, zum Beispiel, könnten eine andere Option sein. Ich habe Gerüchte gehört, dass ihr Vater vielleicht nach Großbritannien zurück geholt werden soll."
Hermine spürte, wie ihr schwindelig wurde und sich ihre Kehle zuschnürte, als sie da Gefühlt bekam sich übergeben zu müssen. Malfoys Ausdruck blieb der gleiche, aber er wurde blasser, sichtbar, sogar mit Hermines verschwommenem Sehvermögen.
Heilerin Stroud fuhr fort und ihre Stimme hatte etwas stichelndes an sich. „Ich habe diese Möglichkeit noch nicht dem Dunklen Lord vorgeschlagen. Bis jetzt. Aber ich weiß, wie begierig er Erfolg sehen will. Es wäre eine Enttäuschung für mich, wenn ich diesen Vorschlag machen müsste. Als Wissenschaftlerin, muss ich gestehen, kann ich es kaum erwarten das Produkt zweier so einzigartig mächtiger Individuen zu sehen. Aber... meine Loyalität gilt dem Dunklen Lord, deshalb sehe ich keine andere Möglichkeit, als ihm alternative Lösungsmöglichkeiten anzubieten, wenn es nach sechs Monaten noch immer keine Schwangerschaft gibt."
„Natürlich.", sein Ton war ruhig aber seine Stimme hatte etwas an sich, das Hermine als eiskalte Rage identifizierte. „Gibt es sonst noch was?"
„Nein nichts mehr Hoher General. Vielen Dank für ihre Zeit.", sagte Heilerin Stroud. Malfoy drehte sich auf dem Absatz um und verschwand durch die Tür.
