Kapitel 21

Hermine saß weiter geschockt auf dem Untersuchungstisch. Das kratzende Geräusch von Heilerin Strouds Schreibfeder in Hermines Akte vermischte sich mit dem monotonem Ticken der Uhr.

Hermines Mund fühlte sich trocken an und sie hatte Schwierigkeiten zu schlucken; sie hatte einen sauren Geschmack im Mund. Sie versuchte gleichmäßig zu atmen aber sie bemerkte wie sich ihre Kehle zuzog und sie konnte nichts machen, außer da zu sitzen und zu versuchen nicht bewusstlos zu werden, bei dem Gedanken daran, an Lucius Malfoy übergeben zu werden.

Lucius Malfoy, der wahnsinnig war; noch viel wahnsinniger als Bellatrix Lestrange es jemals gewesen ist. Der der immer die Regel gebrochen und Grenzen überschritten hat und es trotzdem geschafft hat mit seiner Sprachgewandtheit seine eigene Haut zu retten. Der Arthur Weasley hätte töten können, aber sich stattdessen dazu entschieden hat, ihn auf so eine Art zu verfluche, dass er den Verstand des Familienoberhaupts der Weasley Familie zerstört wurde und sein Körper intakt geblieben war, damit sich seine Familie um ihn kümmern musste und ihn betrauern konnte; ein hilfloser kindlicher Schatten eines wundervollen, großzügigen Vaters. Der George mit einer furchtbaren Form des Nekrose Fluchs getroffen hat, sodass Hermine dazu gezwungen war, sein Bein an der Hüfte abzuschneiden, während er noch bei Bewusstsein gewesen war. Der Ron vor Hermines Augen umgebracht hatte, während er die ganze Zeit gelacht hat.

Hermine hatte das Gefühl, dass sie gleich ohnmächtig werden würde oder einfach durchdrehen und das Schreien anfangen würde. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und das Zimmer verschwamm vor ihren Augen.

Sie fing das Zittern an.

„Was ist los?", fragte Heilerin Stroud.

Hermine zuckte zusammen.

„Sie – haben gerade damit gedroht mich an Lucius Malfoy zu übergeben."

„Ich habe die Hoffnung, dass es nicht dazu kommen wird.", sagte Heilerin Stroud mit gleichgültiger Stimme.

„Und wenn es aber dazu kommt?"

„Nun wir können ihn überwachen lassen, falls es zu große Bedenken darüber geben sollte, dass Lucius sich im Griff behalten kann. Schade, dass ich dir diesen Monat keinen Fruchtbarkeitstrank geben kann. Ich werde ein paar Tränke senden lassen, die die Dinge etwas vereinfachen und die Chancen auf Erfolg erhöhen sollten."

Hermine blieb still und sagte nicht nochmal etwas. Sie fühlte sich so krank vor Stress, dass sie das Gefühl hatte davon vergiftete zu werden.

Malfoy kam später am Abend wieder und sie starrte ihn teilnahmslos an. Sein Ausdruck war hart; angespannter Kiefer und kalte, hartherzige Augen, die aber auch müde schienen. Er war wahrscheinlich wieder dabei das letzte Mitglied des Ordens zu jagen. Oder er hatte vielleicht einfach Angst, dass sein Vater sie voreilig umbringen würde.

Sie beobachtete ihn, und versuchte aus seinem Gesichtsausdruck abzulesen, warum zur Hölle er irgendetwas tun würde, um absichtlich eine Schwangerschaft zu vermeiden. Hermine fiel keine Erklärung dafür ein. Sie ging es immer und immer wieder in Gedanken durch aber konnte nichts finden, dass Sinn ergeben würde.

Sie ging die Möglichkeiten durch.

Es könnte sein, weil er die Idee, sie als biologische Mutter seiner Kinder zu haben, so verwerflich fand, aber Hermine bezweifelte, dass das das Problem war. Mal abgesehen davon, dass er sie Schlammblut nannte, als ob es ihr eigentlicher Name war, schien er sich nicht besonders viel für die Blutreinheit zu interessieren. Er behandelte weder Voldemorts Sieg als Testament für die Reinblut Überlegenheit noch ihr dreckiges Blut als Grund für ihre Gefangenschaft. Wann auch immer er von Krieg sprach, dann bezeichnete er es immer als Seiten, die sich hauptsächlich durch Idealismus vs. Realismus unterschieden.

Hermines Erfahrung nach, waren Fanatiker von ihrem Fanatismus besessen. Draco Malfoy in Hogwarts, hat immer den Fanatismus seines Vaters nachgeplappert. Der Draco Malfoy in der Gegenwart – Hermine war sich nicht sicher, von was er besessen war.

Von Hermine, wenn man Astoria glauben konnte.

Hermine wusste nicht was sie glauben sollte.

Er hatte immer die perfekte Antwort parat und überzeugende Entschuldigungen für sein Verhalten.

Warum sollte er nicht wollen, dass sie schwanger wird? Sie konnte nichts finden, das strategisch Sinn ergeben würde.

Sie wollte nicht schwanger werden, aber jetzt, wo sie wusste zu welchen Mitteln Heilerin Stroud und Voldemort greifen würden, um sicherzustellen, dass sie es wurde...

Sie fühlte sich noch immer schrecklich angewidert von dem Gedanken, dass Malfoy sie auf einem Bett ‚nehmen' würde, mit ‚weniger Distanziertheit'; dass sie schwanger werden würde; dass sie nicht schwanger werden würde und an Lucius übergeben werden würde...

Keine guten Optionen; nur welche die immer und immer schlimmer wurden, bis sie dachte, dass sie schlussendlich einen mentalen Zusammenbruch bekommen würde.

Sie konnte nicht aufhören darüber nachzudenken und jedes Mal, wenn sie die Möglichkeiten durchging, bekam sie das Gefühl sich gleich übergeben zu müssen.

Malfoy führte einen Diagnostik Zauber über ihrem Auge aus und analysierte ihn.

„Wie viel kannst du in der Zwischenzeit sehen?", fragte er.

Hermine lachte abrupt auf.

Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal gelacht hatte. Es sind wahrscheinlich Jahre vergangen. Aber die Frage war so witzig. Urkomisch sogar.

Alles in ihrem Leben war der komplette und absolute Horror und irgendwie war Malfoys größte Sorge ihr Augenlicht. Er hielt sie in seinem Haus gefangen, vergewaltigte sie auf Befehl hin und er machte sich Sorgen um ihr Sehvermögen.

Sie konnte nicht das Lachen aufhören. Es ging immer weiter und weiter und wurde immer mehr hysterisch und dann lachte sie nicht mehr, sie fing das Weinen an. Sie weinte und weinte und weinte, während sie auf der Kante ihres Bette vor und zurück wippte und Malfoy stand die ganze Zeit einfach nur da und schaute sie an, ausdruckslos.

Sie brauchte zwanzig Minuten, bis sie endlich dazu in der Lage war, das Weinen aufzuhören. Dann saß sie einfach nur da, hatte Schluckauf und hielt ihre Hände über ihre Augen, als sie versuchte zu atmen. Sie fühlte sich, als ob sie im Innern hohl war; als ob sie alles in ihrem Inneren rausgeschluchzt hat und alles was von ihr übrig war, ist die Hülle.

Endlich schaffte sie es still zu sein, bis auf ein paar vereinzelte Schnapper nach Luft, als sie auf ihre Füße starrte.

„Geht's besser?"

Ihr Mundwinkel zuckte, als sie müde mit den Schultern zuckte.

„So gut es eben geht.", sagte sie. Sie schaute auf seine Hände und bemerkte wie seine Finger leicht zuckten. Sie schaute zu ihm nach oben

„Für war wurdest du dieses Mal gefoltert?", fragte sie. Er grinste, als er seinen Zauberstab in seinem Ärmel verschwinden ließ. „Du hast offensichtlich nicht die Nachrichten verfolgt in letzter Zeit. Die Öffentlichkeit hat es irgendwie geschafft, durch ihre gewaltige Intelligenz, herauszufinden, dass ich der Hohe General bin, sogar ohne die Bestätigung des Tagespropheten."

Diese Neuigkeiten weckten ihre Neugierde. „Wegen Montague?"

Er zuckte mit den Schultern. „Es könnte damit zu tun haben, aber ich nehme eher an, dass es mit meinem Erscheinen, in Rumänien zusammen mit dem Besuch des Hohen Generals zusammen hängt. Die Presse in manchen Ländern von Europa ist wesentlich weniger gut kontrolliert als sie in Großbritannien. Wenn eine Zeitung erst einmal anfängt etwas zu schreiben, dann braucht es nicht lange, bis es sich verbreitet. Ich werde nun öffentlich dafür gewürdigt Voldemorts Schützling zu sein. Die zu vorige Anonymität, ist natürlich zu meinem Schutz gewesen.

„Natürlich.", sagte Hermine. „Aber du wurdest dafür bestraft."

„Andere Leute sind tot.", sagte er mit eisigen Augen. „Ich wurde lediglich gezüchtigt."

„Also nur zwei Minuten des Crutiatus Fluchs?", sagte Hermine bissig.

„Fünf."

Hermine spürte, wie sie vor Schock bleich wurde, als sie zu im aufsah. Er schenkte ihr ein dünnes Lächeln.

„Mach dir um mich keine Sorgen, meine gewissenhafte kleine Heilerin. Es ist schon Tage her. Ich werde es überleben."

Es gab eine kurze Pause.

„Warum hast du Montague umgebracht?", fragte sie. Sie hat Tagelang im Bett gelegen und hat sich darüber Gedanken gemacht. Wenn er Montague töten wollte, warum hat er es nicht sofort getan? Warum öffentlich?

Malfoy grinste. „Ich hab mich schon gewundert, wann du diese Frage endlich stellen wirst. Ich dachte es war offensichtlich. Er hat offenkundig und absichtlich in meinen Auftrag eingegriffen, obwohl er wiederholt davor gewarnt wurde, dass er sich nicht an dir, auf irgendeine Weise, zu schaffen machen darf. Ich hätte es offizieller gemacht, aber mit meinem Ausflug hatte ich leider nicht mehr Zeit."

„Also hast du ihn mitten in St Mungos umgebracht?", sagte sie und schaute ihn zweifelnd an.

„Nun ich hatte versucht ihn in seinem Zimmer umzubringen, aber er hat probiert wegzurennen. Ich musste improvisieren.", Malfoys Miene blieb unverändert. „Wenn du dann mit all deinen Fragen fertig bist, ich glaube es steht eine Legilimentik Sitzung an."

Er ging nicht durch ihre Auge. Hermine wusste nicht, ob es irgendeine Heilkunde Literatur darüber gab, Legilimentik nach einer Augenverletzung anzuwenden, aber Malfoy hat sich anscheinend dazu entschieden, es nicht zu riskieren und ging einfach durch ihren Schädel.

Es tat etwas mehr weh als sonst, aber als er sich seinen Weg hindurch erzwungen hat ließ der Schmerz etwas nach. Hermine wünschte sich, dass es einen Weg geben würde sich abzuschotten, wenn er durch ihre Gedanken ging, aber Legilimentik schliff ihr Opfer durch die Erinnerungen mit durch. Wo auch immer Malfoy in ihrem Kopf hinging, Hermine folgte.

Sie hatte keine neuen unverschlossenen Erinnerungen, nur neuere Wiederholungen der alten, vor allem von der, in der Ginny weinte. Sie hatte das Gefühl, dass sie jede Nacht davon träumte. Immer die gleiche Erinnerung. Sie hörte immer an derselben Stelle auf.

Es schien fast, als ob er zögerte, bevor er zu ihren aktuellsten Erinnerungen überging. Die über Montague. Über Astoria. Über Strouds Fragen vor und nach seiner Ankunft.

Als er sich endlich aus Hermines Bewusstsein zurück zog, fühlte sich, als ob sie in sich selbst zusammengefallen war. Alles nochmal zu erleben war so traumatisch, dass sie ihren Kiefer so fest zusammenpresste, bis sie das Gefühl hatte, ihre Zähne würden gleich, bei dem Versuch nicht innerlich zu zerfallen, zerbrechen.

Sie drehte sich auf die Seite und rollte sich zu einem Ball zusammen.

Malfoy seufzte, das Geräusch war kaum zu hören, aber er sagte kein Wort. Er blieb noch einen kurzen Moment länger, bis sie hören konnte, wie er ging.

Sie lag im Bett und versuchte nicht nachzudenken; sie wünschte sich, dass sie ihre Gedanken abschalten konnte.

Die Frucht verschlang sie wie ein Umhang; wie der Hauch eines Geistes, hing sie unabwendbar über ihr.

Sie konnte sie nicht loswerden. Sie versuchte es auch kaum.

Am Tag nach Strouds Besuch verließ sie ihr Zimmer zum ersten Mal seit der Frühlingsanfangsfeier. Sie blieb im Nordflügel, sie wanderte ziellos umher. Still. Sie glitt von Zimmer zu Zimmer. Von Fenster zu Fenster.

Als sich ihr Auge immer weiter erholte, konnte sie endlich scharf genug sehen, um zu erkennen, dass der Frühling angefangen hatte sich über das Anwesen auszubreiten. Die kalte, graue englische Landschaft fing an einen leichten Hauch von grün zu bekommen, dass an den Spitzen der Äste hervor spitzelte und sich vorsichtig aus dem dunklen Erdboden kam.

Dabei zuzusehen, wie der Frühling sich langsam ausbreitete, fühlte sich fast wie Hoffnung an.

Außer – dass der Platz in Hermine, an dem ihre Hoffnung mal gewesen ist, sich jetzt wie ein tiefes Loch anfühlte. Als ob jemand hineingegriffen und etwas aus ihrem Kern ihres Daseins herausgeschnitten hatte. Wo Hoffnung einmal aufgeblüht war, war jetzt nur noch etwas Schmerzhaftes und Verfaulendes.

Aber dennoch – der Frühling war wunderschön anzusehen.

Es fühlte sich überraschen an, dass es noch immer etwas Schönes, Unbeflecktes in dieser Welt gab. So Gegensätzlich.

Es war nicht rational. Rational wusste Hermine, dass Voldemorts Herrschaft nicht die Sterne im Nachthimmel auslöschen würde oder die Fibonacci Sequenz zerstören würde, oder die ersten Krokusse des Frühlings zerstören würde. Aber trotzdem überraschte es sie, dass sie die Schönheit noch erkennen konnte.

Irgendwie hatte sie angenommen, dass die hässliche Kälte in ihrem Leben bedeutete, dass es nur noch hässliche Kälte und grausame Schönheit um sie herum gab.

Als sie nach draußen über das Anwesen blickte, wie es anfing sich mit neuem Leben zu schmücken, zog sich etwas in Hermines Inneren zusammen.

Falls sie ein Kind haben sollte... würde es wunderschön sein. Unbefleckt. Blass und rosa. Mit vertrauensvollen Augen, die nur Güte erwarten würden. Mit Händen, die nach jedem greifen würden, der versuchte es zu erreichen. Ein Baby wäre wunderschön. So rein wie der Frühling. So süß wie der Sommer.

Und dann würde man es ihr wegnehmen. Hermine würde sterben und ihr Baby würde zurück gelassen werden; es würde trainiert und verletzt und im Innern so verdreht werden, bis es ein kaltes, grausames Monster war, so wie Malfoy und Astoria und alle anderen Todesser.

Hermine riss sich von Fenster los, vor dem sie stand und beeilte sich in Richtung der inneren Zimmer des Nordflügels zu gehen. Zimmer ohne Fenster. Sie wollte nicht über den Frühling nachdenken, oder ihr Leben, oder Kinder, oder Schönheit, oder Güte.

Sie wollte nicht über schöne Dinge nachdenke, die einmal waren, aber jetzt nicht mehr existierten. Oder die Schönheit, die noch immer existierte. Es machte das Grauen nur schlimmer, bis es ihr körperlich weh tat zu denken – zu atmen – zu leben.

Wenn man nur sterben könnte, indem man es sich inbrünstig wünschte.

Sie konnte nicht essen. Sie brachte kaum etwas Wasser hinunter. Als fünf Tränke mit einer Notiz von Heilerin Stroud ankamen, räumte sie sie in einen der Badezimmerschränke.

Die Furcht zog sich immer enger um ihr Herz, Tag für Tag; mit dem Wissen, dass ihre nächste Fruchtbarkeitsperiode immer und immer näher kam.

Malfoy kam unerwartet in ihr Zimmer und sie brach fast in Tränen aus.

Er war so angespannt, als ob er gleich platzen würde, als er sie anschaute.

Sie stand auf, als ob sie von Blitz getroffen wurde und erstarrte.

Es herrschte eine Stille und Malfoy sah so unbehaglicher aus, wie sie ihn noch nie gesehen hatte.

„Ich dachte, es würde es nur schlimmer machen, wenn ich vorher Bescheid gegen würde.", sagte Malfoy, als er sie vorsichtig beobachtete.

„Ich – hab mich nicht vorbereitet.", murmelte sie und schaute von ihm weg.

„Du duscht jeden Morgen. Ich verlange nicht, dass du übermäßig gewaschen bist." Seine Stimme war schneidend, wie die Klinge eines Messers.

Das Portrait erzählte ihm anscheinend immer noch alles was sie tat.

Hermine stand weiter da und starrte ihn an. Es fühlte sich wie die erste Nacht an, als sie in seinem Zimmer gewesen ist; sie versuchte nicht zu Zittern und fragte sich, ob sie einfach nach drüber gehen und sich in ihr Bett legen sollte.

Wollte er sie lieber am Fußende oder in der Mitte haben?

„Nimm das hier.", sagte er und holte ein Fläschchen mit irgendeinem Trank aus seinen Roben und hielt es ihr hin.

Sie nahm es entgegen und schaute sich die Konsistenz und Farbe an, bevor sie den Korken entfernte. Ein Beruhigungstrank.

Er beobachtete, wie sie ihn schluckte.

Sie spürte, wie der Trank das Wirken anfing, als sich ihr Kiefer und ihre Schultern entspannten und das zugeschnürte Gefühl in ihrer Kehle sich etwas löste. Der Knoten in ihrem Magen, der sich in den letzten zwölf Tagen mehr und mehr zusammengezogen hat, lockerte sich leicht.

Als Hermine ihren Beruhigungstrank nahm, griff Malfoy erneut in seine Robe und holte einen zweiten Trank hervor. Sie war überrascht, als sie sah, dass er ihn selber nahm.

Es schien nicht ein weiteres Fläschchen des Trunk des Friedens zu sein. Malfoy schien noch angespannter und wütender, nachdem er ihn genommen hatte.

Ein Libido Trank? Es ist Hermine nie in den Sinn gekommen, dass er etwas nehmen könnte. Hat er immer etwas genommen? Außer in der aller ersten Nacht, hat sie ihn in keinen der Nächten angeschaut. Selbst da hätte er etwas nehmen könnten, als ihr Rücken ihm zugewandt war.

Warum brauchte er einen Trank? Stroud hat ihn als perfekt zeugungskräftig bezeichnet. Außergewöhnlich gut sogar.

Vergewaltigung war wirklich nicht sein Ding.

„Muss –? Muss ich –? Soll ich in die Mitte oder an den Rand des Bettes?", zwang sich Hermine zu fragen.

Er starrte sie an.

„Mitte.", sagte er endlich mit knapper Stimme. „Da ich ja die Anweisung habe weniger distanziert zu sein."

Hermine drehte sich Richtung Bett.

Ihr Bett.

In dem sie jede Nacht schlief.

Der einzige Ort, den sie übrig hatte, der ihr etwas Tost und Sicherheit spendete.

Ihr Bett.

Wo sie gleich – gleich? Konnte man es Vergewaltigung nennen, wenn es ihr lieber war, dass es er und nicht sein Vater war?

Sie bis sich auf die Lippe und schluckte schwer, als sie zum Bett lief und versuchte nicht das Weinen anzufangen.

Sie ließ sich auf der Kante nieder und rutschte dann nach hinten, zur ungefähren Mitte und legte sich flach hin. Malfoy kam einen Moment später auf sie zu.

Er legte seine äußeren Roben ab, er trug nur noch ein Shirt und eine Hose.

Sie versteifte sich sofort, als er näher kam, sie versuchte nicht mit den Zähnen zu knirschen, als sie ihren Kiefer anspannte. Sie kämpfte darum nicht zu hyperventilieren als er ihr immer näher kam und sie schaute ihn mit großen, erschrockenen Augen an.

Ihr Anblick schien etwas in ihm auszulösen.

„Mach einfach deine Augen zu.", zischte er. „Ich werde dir nicht wehtun."

Sie zwang sich dazu die Augen zu zumachen und versuchte sich darauf zu konzentrieren ihren Atem unter Kontrolle zu bekommen, als sie spürte wie sich die Matratze bewegte. Sie konnte ihn riechen; der beißende Geruch von Waldboden, stieg ihr plötzlich in die Nase, als sie versuchte nicht zu hyperventilieren.

Er pausierte kurz, dann spürte sie wie er ihre Roben zur Seite schob und sich zwischen ihren Beinen platzierte.

Zwischen ihre Beine. Wie Montague.

Sie schluchzte mit zusammengepressten Zähnen und zuckte zurück. Ihr Körper war so angespannt, dass sie zitterte. Sie spüren wie sich ihre Nägel in das Fleisch ihrer Handballen gruben, als sie sie stärker und stärker zu Fäusten ballte.

„Ich werde dir nicht weh tun.", flüsterte Malfoy in der Nähe ihres linken Ohres.

Sie nickte kurz zur Bestätigung. Besser als Lucius. Gott – sie konnte nicht mal darüber nachdenken. Sie zuckte zusammen und unterdrückte ein weiteres Schluchzen. Die versuchte krampfhaft sich zu entspannen.

„Atme – einfach."

Sie hörte, wie er den Gleitgel Zauber murmelte, kurz bevor er in sie glitt.

Sie versuchte sich auf ihren Atem zu konzentrieren. Sie zwang sich dazu genau das Gefühl zu spüren, wie sich ihr Brustkorb ausdehnte und wieder zusammenzog. Oder ihre Nägel in ihren Handballen.

Sie konnte Malfoys Atem auf ihrem Gesicht zu spüren. Das Gewicht seines Körpers auf ihrem. Seine Länge in ihr.

Sie wollte nichts davon spüren. Sie konnte es nicht nicht spüren. Er war überall. Umgab sie. Das Gefühl von ihm in ihr und sein Gewicht auf ihr waren unausweichlich real. Sie konnte sich nicht so loslösen, wie sie es sich auf dem Tisch angewöhnt hatte.

Sie wollte ihn darum betteln aufzuhören.

Besser als Lucius. Besser als Lucius.

Sie wollte einfach das es aufhörte.

Sie tat es nicht bewusst, aber sie bemerkte wie Tränen aus ihren Augenwinkeln über ihre Wangen liefen, als sie darum kämpfte nicht unter ihm zu schluchzen.

Endlich versteifte er sich und kam.

Sobald er dies tat, stieß er sich von ihr und dem Bett ab.

Hermine öffnete ihre Augen und versuchte ihre Atmung zu beruhigen. Als sie auf dem Bett lag, hörte sie würgende Geräusche aus dem Badezimmer.

Während sie da lag, hörte sie wie die Toilettenspülung betätigt wurde und dann für einige Minuten das Geräusch von Wasser, das aus dem Wasserhahn lief.

Sie versuchte sich aufzusetzen und nicht über die Tatsache nachzudenken, dass sie sich nicht bewegen durfte. Nicht über die körperliche Erfahrung nachzudenken, die sie gerade erlebt hatte.

Er hat versucht so rücksichtsvoll wie möglich zu sein.

Es war bizarr. Er war eine kalte, gleichgültige, mörderische Person, der ganz gelassen einer Person die Eingeweide herausreißen konnte, aber Vergewaltigung überschritt eine Grenze.

Hat er sich immer danach übergeben? Oder ist es schlimmer gewesen, dadurch dass er sie anschauen musste?

Vielleicht ist jemanden etwas zugestoßen, den er gekannt hat. Jemand der ihm nahe stand. Vielleicht hatte es etwas mit seinen Fähigkeiten, die den Todesfluchs betrafen, zu tun.

Er kam wieder aus dem Badezimmer. Seine angespannte Miene schien abgeschwächt, so als ob er sie nicht aufrecht erhalten konnte. Er sah blass und erschöpft aus und er sah mehr traumatisiert aus, als sie ihn je zuvor gesehen hatte.

Er ist noch nie zuvor danach geblieben. Er ist immer gegangen, bevor sie ihn sehen konnte. Vielleicht sah er danach immer so aus.

Er schien – besorgt um sie. Nicht dass er tatsächlich fragte, aber er beobachtete sie vorsichtig quer durch das Zimmer hindurch.

„Es tut mir leid.", hörte sie sich selbst sagen. Sie blinzelte.

Warum entschuldigte sie sich bei Malfoy? Es war, als ob ihr die Worte einfach rausgerutscht waren. Er schaute sie überrascht an. Sie versuchte es klar zu stellen.

„Weil ich geweint habe. Du warst – " Sie wusste nicht, wie sie ihn beschreiben sollte. Nicht der schlimmste Vergewaltiger?

„Es hat mich – nur alles – es hat mich an Montague erinnern.", sagte sie schließlich und schaute weg.

„Hoffentlich wird es morgen leichter.", sagte er mit schwerer Stimme. Dann rief er seine Roben herbei und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer.

Hermine lag da und beobachtete wie sich die Zeiger der Uhr langsam über das Ziffernblatt bewegten. Als Zehn Minuten vorbei waren, bewegte sie sich nicht. Vielleicht wenn sie länger wartete würde sie schwanger werden, und dann musste sie nicht länger da liegen und es ertragen –

Sie war sich nicht sicher, wie sie das bezeichnen konnte, was Malfoy mit ihr gemacht hat.

Auch wenn man das generelle Konzept als Vergewaltigung bezeichnen konnte, hatte sie das Gefühl, dass es nicht komplett erfasste, was passiert ist. Es war nicht sex haben, oder vögeln oder ficken oder bumsen nicht mal ‚nehmen'. Kopulieren beschrieb es wohl am besten, zu mindestens auf dem Tisch. Aber jetzt – es fühlte sich zu real an und verbunden und elendig für sie beide an, um diese klinische Bezeichnung zu verwenden.

Es gab keine Worte dafür.

Sie würde kein Probleme damit haben für den Rest ihres Lebens nicht mehr von einem Mann angefasst zu werden. Sie wollte nicht daran denken, dass Malfoy wiederkommen und es alles morgen nochmal tun würde.

Der Gedanke von Leben, dass sich in ihr bewegen würde, machte sie krank vor Grauen. Der Gedanke das es nicht –

Sie konnte Malfoy ertragen. Die glaubte nicht, dass sie Lucius ertragen konnte.

Sie drehte sich auf die Seite und schlief auf ihrer Decke ein.