Kapitel 22

Am nächsten Morgen schleppte sich Hermine aus dem Bett und in das Badezimmer mit Dusche den Gang runter. Das heiße Wasser, das auf sie nieder prasselte und sie umgab, war das einzige, zu dem sie Zugang hatte, das körperlichem Trost am ähnlichsten kam.

Sie schloss ihre Augen und stand einfach da, nach einer Weile sank sie auf den Boden und umarmte ihre Knie, während sie ihre Augen zu kniff und versuchte nicht über die letzte Nacht nachzudenken.

Sie konzentrierte sich auf ihre Dusche.

Eine der Sachen die am wenigsten wertgeschätzt wird, wenn man Magie hatte, war die niemals endende Menge an warmen Wasser. Die Temperatur schwankte nie oder sank ab. Es strömte dampfend auf sie nieder. Wenn sie einen ganzen Tag hier sitzen würde, würde das Wasser immer noch heiß aus dem Duschkopf kommen.

Als sie sich endlich dazu zwang es abzudrehen und aus der Dusche zu klettern, stand sie mitten im dampfigen Badezimmer und versuchte die Motivation zu finden, sich abzutrocknen und anzuziehen.

Sie hat sich noch nie so unmotiviert gefühlt. Zu existieren erschien wie eine so unfaire Anforderung.

Hermine würde alles für ein Buch tun – alles um etwas anderes als die Zeitung zu lesen. Die Nachrichten hingen ihr zu Hals raus.

Vielleicht würde sie einen Spaziergang machen. Sie ist seit der Frühlingsanfangsfeier nicht mehr draußen gewesen. Sie war sich nicht sicher ob sie jemals wieder in die Nähe der Hecken gehen konnte, aber vielleicht schaffte sie es auf einem der Wege langzugehen. Sie konnte die Knospen an den Bäumen untersuchen. Die Osterglocken zählen. Irgendetwas.

Sie lief, in ein Handtuch eingewickelt, aus dem Badezimmer und den kalten Flur entlang. Wieder zurück in ihrem Zimmer, ging sie zur Kommode und zog ein frisches Set Roben heraus.

Sie legte sie auf dem Bett bereit und ließ das Handtuch fallen und betrachtete sich selbst.

Sie Narben die Montague hinterlassen hatte, waren alle verblasst. Es gab eine Stelle auf der Innenseite ihrer rechten Brust, die sich immer noch vernarbt anfühlte.

Hermine fuhr mit ihren Fingern gedankenverloren darüber. Die Wunde ist so tief gewesen, dass sie wahrscheinliche spezifischere Zauber zur Heilung erfordert hätte. Die Stelle fühlte sich straff an.

Sie ist so tief gewesen, dass der Schaden nicht nur im Hautgewebe gewesen ist. Geläufige Heilungszauber waren dafür gemacht Haut und Muskeln zu reparieren. Es gab wahrscheinlich einen speziellen Zauber, um Brustgewebe zu heilen, aber Hermine konnte sich spontan nicht daran erinnern. Sie schloss ihre Augen und versuchte sich zurück zu erinnern, um heraus zu finden, ob sie es jemals gelernt hatte.

Sie konnte sich an ein großes Buch mit Heilungszaubern erinnern. Sie hat es für mehrere Jahre dauerhaft mit sich herumgetragen. Klein geschrumpft, damit es in ihre Tasche passte, immer griffbereit. Voll mit Blutflecken und Tränken, die verschüttet wurden und in die Seiten eingezogen waren, als sie zu viel zu tun hatte, um sie gleich verschwinden zu lassen. Die Ecken waren eingeknickt, um besonders wichtige Abschnitte zu markieren. So viele eingeknickte Seiten. Die Ränder waren mit ihren eigenen Notizen vollgekritzelt.

Es ist das erste gewesen, was sie nach Dumbledores Tod gekauft hatte. Sie erinnerte sich an die große Eule die in die Große Halle in Hogwarts geflogen kam und es vor sie fallen hat lassen.

Alle anderen haben davon geredet Dumbledores Armee wieder ins Leben zu rufen. Bücher über Verteidigungsmagie zu kaufen. Aber Hermine hat sich der Heilkunst zugewand. Es ist der Anfang des Auseinanderlebens gewesen, der Abstand, der langsam zwischen ihr und allen gleichaltrigen im Widerstand, entstanden ist.

Als sie darauf gedrillt wurden, Schild Zauber und Betäubungszauber zu lernen, ist sie zu Madam Pomfrey gegangen und hat nach einer Ausbildung gefragt.

Sie hat fast alle ihre Tage mit Madam Pomfrey verbracht, hat jeden Heilungszauber und fortgeschrittenen Diagnostik Zauber auswendig gelernt, den die Schuloberin ihr beibringen konnte. Sie lernte auf welche Zeichen und Symptome sie achten musste.

Heilkunst ist sehr präzise Zauberarbeit – sehr genau. Man musste die Fähigkeit besitzen Ablenkungen auszublenden und sich zu fokussieren, man musste dazu in der Lage seine extrem feine Nuancen an Magie zu lenken. Den richtigen Zauberspruch zu ermitteln, die Ausführung zu perfektionieren, um dann sein Vorhaben mit Präzision durchzuführen.

Heiler benutzten keine tatsächlichen Skalpelle aber magisch gesehen, war die mentale Genauigkeit und die Zauberstabarbeit damit vergleichbar.

Hermine hat eine Abbildung der Menschlichen Anatomie nach der anderen auswendig gelernt. Sie hat sich genau darauf abgerichtet jedes Detail, dass ihre Augen in einer Diagnostik erfassen musste, zu erkennen und wahrzunehmen; Puzzleteile an Informationen, die neu angeordnet werden müssen, damit man herausfinden kann was nicht stimmt.

Dann an den Abenden, ist sie nach unten in die Kerker gegangen, um Zaubertränke mit Snape zu studieren.

Wann immer sie mit Heilkunde und Zaubertränken fertig gewesen ist, hat sie sich in eine Ecke der Bibliothek zurück gezogen, ein Buch nach dem andern durchwühlt, um nützliche Zaubersprüche für Harry zu finden. Bis sie dort eingeschlafen ist.

Langsam ist sie immer weiter von ihren Freunden abgedriftet.

Sie sind alle so rechtsschaffend wütend und dennoch optimistisch nach Dumbledores Tod gewesen. Sie schienen von einem Funken der Gewissheit angetrieben zu werden, den Hermine, wie es schien, nicht in sich entfachen konnte, noch nicht mal zu Beginn des Krieges. Je mehr sie gelernt hat, desto mehr schien ihre Zuversicht über den Ausgang des Krieges geschrumpft zu sein. Niemand anderes schien es wertgeschätzt zu haben, wie schwer es war Menschen am Leben zu erhalten.

Als sie es nicht geschafft hat deren Zuversicht zu teilen, haben sie sich gekränkt gefühlt. Sie war Harrys beste Freundin, warum glaubte sie nicht an ihn? Glaubte sie das sie schlauer war als sie? Sie hat es nicht mal mehr geschafft, einen Patronus hervorzurufen. Vielleicht wenn sie mehr Zeit damit verbringen würde Verteidigungszauber zu üben, würde sie nicht so viel Trübsal blasen.

Es war nicht so, dass die anderen sie nicht ernst nahmen, aber ihre Ansichten waren sehr engstirnig. Es war das Licht geben die Dunkelheit, Gut gegen Böse. Das Licht gewann immer. Schau dir die Geschichten an, schau dir die Geschichtsbücher an. Ja es würden Menschen sterben, aber das wäre aus einem guten Grund; ein Tod den es sich zu sterben lohnt. Sie hatten keine Angst dafür zu sterben.

Irgendwann hat Hermine aufgehört zu reden und hat sich mit ihren Büchern zurückgezogen. Es machte keinen Sinn anzumerken, dass die Geschichtsbücher von den Siegern geschrieben wurden. Oder dass es ganz viele Kriege in der Muggel Welt gab, wo Leben nur eine andere Form von Munition waren; wo Schlachten nichts bedeutet haben, außer eine neue Liste an Todesopfern zu erschaffen; eine neue Reihe Gräber.

Vielleicht brauchten sie es solche Dinge zu glauben, aber Hermine konnte es nicht. Sie musste sich vorbereiten. Sie vergrub sich selbst in der Heilkunde, den Zaubertränken und Büchern, bis das Zaubereiministerium fiel und der Krieg offiziell begann.

Dann wurde sie überstürzt nach Frankreich gebracht, um zu studieren. Dann Albanien, als Frankreich zu gefährlich wurde. Dann Dänemark. Dann – Österreich? Nein.

Ist sie noch irgendwo anders gewesen, bevor sie nach Österreich ist? Es fühlte sich an, als ob da eine Lücke war. Etwas verschwommenes. Hermine drängte und stieß gegen die Lücke in ihrer Erinnerung. Da gab es noch irgendwo, irgendwo anders wo sie zum Studieren hin gegangen ist. Wo hätte es sein können? Warum würde sie es vergessen? Sie zwang ihre Gedanken in Richtung des Verschwommenen und es war eine Düsterheit. Ein schwaches, goldenes Licht, das einer Lampe entsprang, Staub, der Geruch von altem trockenem Papier und eine dünne Kette einer Halskette in ihren Händen.

Nichts anderes. Die stieß stärker dagegen, aber die Erinnerung verschwand wieder in die Tiefen ihres Bewusstseins. Sie konnte sich an nichts anderes erinnern.

Genauso wie sie sich nicht an den Zauber erinnern konnte, um Brustgewebe zu heilen.

Sie seufzte und ließ ihre Hände von dem vernarbten Gewebe nach unten sinken.

Die Fehlerhaftigkeit ihrer Gedächtnisses, brachte sie zunehmend aus der Fassung.

Manchmal war sie sich nicht mal mehr sicher, ob sie noch wusste, wer sie während des Krieges gewesen ist. Sie erinnerte sich daran eine Heilerin gewesen zu sein. Nur eine Heilerin und Zaubertrank Meisterin.

An irgendeinem Punkt muss sie sich von dieser Person wegentwickelt haben und sie wusste nicht, wie oder wann es passiert ist.

Wann ist sie zu jemanden geworden, den Voldemort als gefährlich bezeichnen würde? Eine Person, die ein halbes Gefängnis in Schutt und Asche gelegen hat. Die Dementoren verbrannt und Graham Montague mit einem vergifteten Messer erstochen hat?

Hermine hatte keine Idee, wo diese Version ihrer selbst hergekommen war. Sie fand es schwierig zu glauben, dass diese Person jemals existiert hat.

Irgendwie ist diese mysteriöse Person, von der Dunkelheit in den Tiefen von Hogwarts, verschluck worden. Ohne die Informationen aus zweiter Hand von Voldemort, Malfoy und Montague, würde sie nicht einmal wissen, dass diese Person existiert hat. Sie würde wahrscheinlich sogar denken, dass es eine Art Täuschung von ihnen war, wenn sie nicht so viele Narben haben würde, für die sie keine Erklärung hatte.

Sie schaute nach unten auf ihr linkes Handgelenk, sie ließ ihre Fingerspitzen über die zerstreuten, silberlichen Narben auf ihrem Sternum und ihrem Schlüsselbein gleiten und dann über die lange, dünne Spur der Narbe zwischen ihrer siebten und achten Rippe.

Heilerin Stroud sagte, dass die Fügungszustände in ihrem Gedächtnis keine Dissoziation oder multiplen Persönlichkeiten waren, aber Hermine hatte eher das Gefühl, dass es so sein musste. Hermine, wie sie sich selbst kannte, hätte niemals ein halbes Gefängnis in Schutt und Asche gelegt und unzählige Leute umgebracht, um einzubrechen. Nicht mal für Ginny. Hermine hätte niemals, bei einem Fluchtversuch, alle anderen als Kollateral-Schaden angesehen. Sie wusste nicht, wie man den Himmel mit brennenden Dementoren füllte. Sie hat noch nie ein vergiftetes Messer bei sich getragen, geschweige denn gelernt, wie man jemanden damit erstach.

Es gab etwas tiefliegendes in ihrer Unwissenheit und sie wusste nicht, wie sie es hervorbringen konnte.

Sie zog ihre Roben an und ging nach unten und lungerte in der Nähe der Verandatür herum. Die Luft war warm und roch nach Lehm, mit einer leichte Spur von Süße. Die Wiesen waren von einem Blütenmeer aus Gelben Narzissen und Schwertlilien überzogen, das in der letzten Woche aufgetaucht seine muss. Die Vögel zwitscherten.

So als ob die Außenwelt sich verwandelt hatte, während Hermine in ihrem verdunkelten Zimmer gelegen ist. Die Natur hat ihr Totenhemd fallen lassen und hat aufgehört die Kälte und Trübsinn aus Hermines Leben widerzuspiegeln. Die Welt hat sie hinter sich gelassen. Sie ist wieder lebendig geworden, aber Hermine war noch immer in einem kalten, tödlichen Käfig gefangen.

Sie drehte sich um und ging wieder nach drinnen.

Sie wollte nicht das Aufblühen des Frühlings spüren; nicht auf ihrer Haut oder in ihrem Blut. Sie wollte nicht über das Aufblühen von Leben nachdenken. Nicht um sie herum. Nicht in ihr selbst.

Topsy erschien vor dem Abendessen.

„Sie soll sich jetzt fertig machen.", quietschte die Hauselfe.

Es war Stunden früher, Malfoy ist zuvor noch nie so früh zu ihr gekommen. Hermine hatte keine Ahnung was die plötzliche Änderung hervor gerufen haben könnte. Jedes bisschen Unvorhersehbarkeit machte es nur noch schlimmer. Ihr wurde ganz kalt vor Grauen.

Sie ging ins Badezimmer und badete. Als sie sich mit zitternden Händen abtrocknete, erinnerte sie sich an die Tränke, die Heilerin Stroud hat schicken lassen. Sie ist die Nacht zuvor so nervös gewesen, dass sie sie ganz vergessen hatte.

Nachdem sie sich angezogen hatte, ging sie und nahm eine der Fläschchen aus dem Badezimmerschrank. Es war nicht der Trank des Friedens; die Farbe und Konsistenz waren ihr unbekannt. Sie roch daran. Der Geruch war würzig in ihrer Nase, leicht zitrusartig und pfeffrig. Sie ließ einen Tropfen auf ihre Fingerspitze fallen und probierte ihn. Er fühlte sich warum und leicht süßlich auf ihrer Zunge an.

Sie wartete für eine Minute. Sie spürte, wie ihr etwas weniger kalt vor Angst wurde.

Sie schluckte ihn und er fühlte sich heiß an, als er in ihren Magen hinunter glitt. Als der Trank ihren Magen erreichte, schien die Hitze sich in ihrem ganzen Körper auszubreiten.

Ihre Haut kribbelte und wurde fast schmerzhaft empfindlich. Hermine erstarre und schnappe vor Schrecken nach Luft und torkelte nach vorne, sie starrte mit aufgerissenen Augen in den Spiegel. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Pupillen waren erweitert, als sie ihr Spiegelbild anschaute. Sie presste die Hände über ihrem Mund zusammen und stolperte nach hinten.

Stroud hat ihr einen Lust Trunk gegeben.

Hermine wollte in Tränen ausbrechen, als sie versuchte sich zu beruhigen und die Auswirkungen des Trankes los zu werden, die sich gerade durch sie hindurch brannten.

Das konnte nicht passieren.

Es war einfach nur unfassbar grausam.

Hermines Hände zitterten und sie versuchte über eine Lösung nachdenken. Irgendetwas, um den Trank zu neutralisieren. Sie schnappte sich das Glas von der Ablage des Waschbeckens und trank es in einem Zug aus, in der Hoffnung den Trank aus ihrem System zu schwemmen. Es funktionierte nicht. Die Hitze, die durch ihren Körper wanderte, schien weiter nach unten zu sinken, sie fing an in ihren unteren abdominal Bereich auszustrahlen.

Sie ging in ihr Zimmer. Sie verstand nicht, warum Stroud so etwas tun würde.

Malfoy indirekt damit zu beschuldigen, in den Erfolg des Züchtungsprogramms einzugreifen, war eine Sache aber Hermine reinzulegen, sich selbst mit einem Lust Trunk zu dosieren, war ein ganz neues Level an Herzlosigkeit.

Hermine kletterte unruhig in ihr Bett, legte sich auf den Rücken und schloss ihre Augen. Wenn sie einfach still liegen blieb und sich konzentrierte, dann würde vielleicht alles gut sein.

Das Klicken der Tür ließ sie zusammenzucken.

Sie öffnete ihre Augen und sah wie Malfoy dort stand, kalt und angespannt, als er seine äußeren Roben öffnete und sie von seinen Schultern rutschen ließ. Er beobachtete sie, als er das Zimmer durchquerte, er drapierte die Klamotten am Rand des Bettes und schaute auf sie herab.

„Willst du wieder einen Beruhigungstrank?", sagte er.

Es war möglich, dass der Beruhigungstrank helfen würde. Hermine nahm an, dass er vielleicht, die körperliche Reaktion, die sich gerade durch ihren Körper brannte, abschwächen konnte. Sie nickte knapp und setzte sich hin.

Sie nahm das Fläschchen aus seiner Hand, ihre Finger steiften sich und sie musste sich auf die Zunge beißen, um nicht nach Luft zu schnappen.

Sie zog den Korken heraus und trank alles aus, während Malfoy seinen eigenen Trank nahm.

Der Trunk des Friedens verschlimmerte die Auswirkungen nur noch. Statt die Symptome abzuschwächen, entspannte er ihren Körper nur noch mehr in das warme Gefühl hinein. Sie ließ das Fläschchen auf das Bett fallen, als sie versuchte es ihm zurück zu geben.

Sie schlug die Hände über dem Mund zusammen und brach in Tränen aus. Malfoy starrte sie für einen Moment an.

„Was ist los?", verlangte er zu wissen.

„Heilerin Stroud hat ein Set an Tränken schicken lassen, sie sagte, es ist dafür da um die Dinge zu vereinfachen.", sagte sie, sie wischte die Tränen weg und starrte bestimmt nach unten auf das Bettlacken. „Ich hab sie gestern vergessen, aber ich hab heute einen genommen, kurz bevor du gekommen bist. Ich dachte er wäre für die Angst. So schien es, als ich einen Tropfen probiert habe. Es ist ja nicht so als ob ich Zauberspruch Analysen durchführen könnte. Also hab ich ihn genommen aber –", sie musste kurz schlucken. „Es war ein Aphrodisiakum."

Es herrschte eine geschockte Stille.

„Du bist ein Idiot.", sagte Malfoy schlussendlich. „Nimmst du einfach alles, ohne Fragen zu stellen?"

Hermine zuckte zusammen.

„Das letzte Mal, als ich dich gefragte habe, was es für ein Trank war, der mir geschickt wurde, hast du mich aus reinen Gehässigkeit dazu gezwungen, ihn zu trinken. Hätte ich annehmen sollen, dass es dieses Mal anders sein würde?"

Malfoy war still. Die Wut, die von ihm ausging, war fast spürbar. Wie die Wogen an Hitze, die von einer Flamme ausgingen, die Luft um ihn herum schien fast zu flimmern, als er da stand und wütend auf sie hinunter blickte.

„Du bist ein Idiot.", sagte er noch einmal.

Hermine wollte sich zu einem Ball zusammenrollen.

Die Hitze in ihrer Mitte war ablenkend beständig und ihr ganzer Körper fühlte sich zu warm und empfindlich an. Sie fühlte sich hohl im Inneren. Sie wollte berührt werden. Es ist so lange her, seit sie jemand berührt hat...

Nein. Nein. Nein.

Sie holte tief und zittrig Luft. „Kannst du nicht bis später heute Abend warten? Ich bin mir sicher, dass die Wirkung in ein paar Stunden nachlassen wird."

„Ich kann nicht. Ich muss unerwartet nach Frankreich heute Abend. Deswegen bin ich heute schon früher hergekommen, ich werde erst morgen spätabends wieder auf das Anwesen zurück kommen.", sagte Malfoy.

Hermine stieß einen leisen Schluchzer aus.

„Okay.", sagte sie erstickt und zwang sich dazu, sich wieder zurück aufs Bett zu legen. „Bring es einfach – hinter dich."

Sie kniff ihre Augen zusammen und versuchte sich darauf zu konzentrieren von Tausend rückwärts zu zählen, während sie jedes Mal die abgezogene Zahl verdoppelte.

Minus eins.

Neunhundertneunundneunzig.

Minus zwei.

Neunhundertsiebenundneunzig.

Minus vier.

Neunhundertdreiundneunzig.

Minus acht.

Neunhundertfünfundachtzig.

Sie spürte, wie Malfoy ihre Roben auf die Seite schob.

Minus sechzehn.

Neunhundertneunundsiebzig.

Minus zweiunddreißig.

Malfoys Finger in der Nähe ihrer Mitte ließen plötzlich ihre ganze Konzentration dahinschwinden und sie stieß ein unterdrücktes Stöhnen aus und riss ihre Augen auf.

Malfoy schaute mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen auf sie hinunter.

Sie starrte ihn an. Sie hat ihn vorher noch nie wirklich als jemand anziehendes betrachtet. Mal abgesehen von den fünf Monaten, die er sie über einen Tisch gebeugt hat, ist ihr der sexuelle Teil vom ihn nie wirklich aufgefallen. Er war kalt und gefährlich. Er war schön aber nur vom Aussehen her, wie eine Marmor Statue. Niemand heißblütiges. Niemand mit dem sie irgendeine Form von körperlichen Kontakt wollte.

Sie wollte nie von ihm auf diese Art angefasst werden.

Jetzt wollte sie seine Lippen auf ihren spüren. Seine Hände auf ihr. Sein Gewicht, dem sie die Nacht zuvor so verzweifelt entkommen wollte – sie wollte es spüren; dass er sich über sie lehnte. Sich gegen sie presste.

Das Gefühl der Erregung in ihrer Mitte, war betäubend. Sie hatte noch die das Bedürfnis verspürt, jemanden in sich haben zu müssen, aber als sie so da lag, hatte sie das Gefühl gleich das Schreien anzufangen, wenn er sie nicht gleich berühren würde.

Sie hatte nicht gedacht, dass die zweite Nacht noch schlimmer werden konnte als die erste, aber es war tausend Mal schlimmer.

Sie zwang sich dazu wieder ihre Augen zu schließen, damit sie aufhörte sein Gesicht zu beobachten; sie hörte auf sich über all die Details Gedanken zu machen, die sie zuvor nicht an ihm bemerkt hatte. Seine Haare und seine kantigen Wangenknochen, die Intensität seiner Augen, seine dünnen Lippen und seine geraden weißen Zähne, die definierte Linie seines Kiefers und blasser Nacken, der aus dem schwarzen Kragen seines Hemdes kam.

„Beweg dich einfach.", sagte sie, sie weinte fast, weil es sie so viel Anstrengung kostete, sich nicht einfach selbst zu bewegen.

Einen Moment später spürte sie wie er in sie stieß und sie bewegte sofort ihre Hüften nach vorne, um ihn tiefer in sich zu spüren.

Sie vergrub ihre Gesicht in ihren Händen und versuchte ihre Gedanken loszureißen, während sie gegen ihre Handflächen keuchte und sie sich verdorben fühlte.

Sie zitterte.

Sie konnte nur dran denken, wie sehr sie wollte, dass er sich in ihr bewegte. Hart und schnell.

Es formte sich immer wieder ein neues Wimmern in ihrer Kehle und sie konnte es nicht unterdrücken. Sie versuchte so bewegungslos wie möglich zu sein, sodass ihr ganzer Körper erschauderte, von dem Versuch keine Reaktion zu zeigen.

Die Spirale der Lust zog sich immer und immer weiter in ihrem Inneren zusammen. Sie biss ihre Lippen zusammen. Sie würde nicht nachgeben.

Sie musste es nur aushalten. Er würde bald kommen und dann währe es vorbei. Dann konnte sie die Wirkung des Trankes einfach so abklingen lassen. Seine Stöße wurden länger und härter, so wie sie es wurden, wenn er fast fertig war. Er wurde etwas schneller und sie biss sich fest auf die Zunge, als sie versuchte sich zusammenzureißen.

Und dann-

Brach es über sie mit einem verzweifelten Schluchzen.

Ihr ganzer Körper zog sich um ihn herum zusammen. Sie konnte spüren, wie er sich anspannte und zuckte, als er noch ein paar Mal in sie stieß und er dann mit einem gequältem Stöhnen erschauderte.

Nach einem kurzen Moment riss er sich von ihr los, sie konnte kaum schnell genug ihre Augen öffnen, um zu sehen, wie er sich seine Roben griff und direkt aus ihrem Zimmer apparierte. Sie konnte einen Blick auf sein Gesicht erhaschen, kurz bevor er verschwand, er sah aschefahl aus, als ob er kurz davor war bewusstlos zu werden.

Sie lag auf ihrem Bett und weinte, als ihr Kopf langsam wieder klarer wurde. Die Realität begann langsam, so bitter wie Gift, auf sie einzuprasseln, als sie verarbeitete, was gerade passiert war.

Sie hat eben ihren ersten Orgasmus gehabt, soweit sie sich erinnern konnte.

Sie wusste nicht, ob sie noch eine Jungfrau gewesen ist, bevor sie zu Malfoy geschickt wurde. Wenn sie es nicht mehr gewesen ist, dann ist die Erinnerung daran wie sie sie verloren hat, aus ihren Erinnerungen verschwunden. Es schien wie eine seltsame Wahl, wenn sie sich dazu entschieden haben sollte, diese Information zu beschützen. Also hat sie wahrscheinlich keinen Sex während des Krieges gehabt.

Alles fühlte sich fremd an. Nichts hat ihr irgendwelche Anzeichen gegeben, dass ihr Körper mit solchen Dingen vertraut gewesen ist.

Der Lust Trunk hat die Dinge geändert. Sie hatte die Befürchtung, dass es dauerhaft war. Er hat ihren Körper auf einen ganz neue Seite dieser körperlichen Interventionen, die in ihr geruht hat, aufmerksam gemacht.

Hermine lag da und bewegte zehn Minuten lang nicht.

Als die Zeit endlich vorbei war, stand sie auf und ging ins Badezimmer. Sie zog jeden einzelnen der verbliebenen Tränke aus dem Schrank und schüttete sie ins Waschbecken, bevor sie die Fläschchen in den Abfalleimer warf.

Als sie aufschaute, war das Portrait da und beobachtete sie im Spiegel. Immer beobachtend. Immer schweigend.

Hermine schenkte ihr ein verbittertes Lächeln und ließ sich auf den Boden fallen.

Die blasse Hexe beobachtete Hermine.

Hermine fühlte sich kalt, als ob sie einen Schock bekam. Sie rollte sich zusammen, sie umarmte ihre Knie und versuchte zu atmen.

Sie wurde verrückt.

Sie wurde verrückt.

Sie konnte nicht weiter festhalten. Sie wusste nicht einmal, warum sie noch festhielt. Warum sie nicht einfach losgelassen hat, als sie in Hogwarts eingesperrt gewesen ist.

Das Malfoy Anwesen war schlimmer.

Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Sie konnte die Flüssigkeit von sich selbst und Malfoy auf ihren Oberschenkeln spüren.

Sie schlief auf dem Boden ein.