Kapitel 23
Hermine stand in der Küche von Spinner's End. Sie drehte sich langsam um, um über die Tische zu schauen, die mit Notizbüchern, vorbereiteten Zutaten und blubbernden Tränken bedeckt waren.
Hermine stoppte, als sie einen Trank bemerkte, der in einer Ecke schimmerte. Sie ging hinüber und beobachtete, wie der Dampf in Spiralen von der Oberfläche aufstieg. Sie roch heimlich daran. Der würzige, erdige Geruch von Eichen Moos, eine rauchige Note von Zeder, der beißende Geruch von oxidierenden Blättern und Pergament – nein. Sie roch noch einmal. Papyrus.
Sie ging schnell wieder einen Schritt zurück und schaute auf die anderen Kessel.
„Das ist eine ziemlich große Auswahl an Liebestränken, die du da braust.", sagte sie, sie schaute zu Severus rüber, wo er sich über einen köchelnden Kessel beugte.
„Ein neues Projekt für den Dunklen Lord. Er hat neuerdings ein Interesse daran, die Tränke als Waffe einzusetzen.", sagte Severus, er lächelte spöttisch auf die trübe, lumineszierende Flüssigkeit herab, mit der er arbeitete.
Hermine spürte, wie ihr ein Schauer über den Rücken lief. „Ist das denn möglich?"
Severus lächelte schwach und zuckte mit den Schultern. „Ich bin beides skeptisch und unmotiviert, also ziemlich wahrscheinlich nicht. Ich glaube es war eher eine vorrübergehende Idee und kein ernstgemeintes Interesse. Ich stelle nur einen flächendeckenden Bericht zusammen, falls er nochmal danach fragen sollte. Und ich mache es lieber zu Hause, statt im Labor, um sicher zu stellen, dass keiner irgendwelche bahnbrechenden Ideen mit einbringen kann."
Hermine begutachtete das Zimmer. Es gab zehn Variationen von Liebestränken und ein paar Aphrodisiaka, die sie wieder erkannte, genauso wie zusätzlich fünfzehn, die experimentell erschienen.
„Was würde einen Liebestrank, den man als Waffe einsetzen konnte, ausmachen?"
„Etwas mit außergewöhnlicher Stärke, dass nicht wiederholt verabreicht werden muss. Ich glaube er stellt sich vor es für Verhöre zu verwenden."
„Das ist – obszön.", sagte Hermine schließlich.
„Allerdings. Zum Glück oder vielleicht eher Unglück, hat er wichtigere Angelegen für Sussex geplant auf die er sich fokussieren muss."
Hermine lag noch immer auf dem kalten Boden des Badezimmers, als sie aufwachte. Sie blieb weiter liegen; wenn es eine Vorteil ihrer Depression gab, dann war es, dass sie das Schlafen einfacher machte. Es war, als ob ihr Körper aufgegeben hatte. Die Wut, die sie Monate lang herangezüchtet hatte, war verschwunden und sie blieb zurück mit Müdigkeit und Lustlosigkeit, so als ob ihr Körper zu schwer warum, um sich überhaupt über den Boden zu schleppen.
Sie konnte fast den ganzen Tag schlafen und schlafen in einem Zustand er Verzweiflung.
Sie drückte sich selbst vom Boden hoch, ging in ihr Zimmer, kroch unter die Decke in ihrem Bett; vergrub sich unter ihr und umarmte sich selbst.
Selbst ihr Gehirn fühlte sich müde und lustlos an. Als ob sogar denken zu anstrengend war.
Sie warf einen Blick auf die Uhr. Es war fast neun Uhr abends. Es stand ein Tablett mit essen neben dem Stuhl, aber sie hatte keinen Appetit.
Sie fragte sich warum Malfoy in Frankreich war; Vermutlich um noch mehr Leute umzubringen.
Würde er immer noch maskiert sein, oder würde er es offen machen? Sie wunderte sich wie er wohl aussah, wenn er den Todesfluch benutzte. Die Gesichter der meisten Menschen verzogen sich zu abscheulichen Grimassen, wenn sie den Todesfluch benutzten. Sogar Voldemorts. Aber Malfoys Hass und Wut war so kalt. Vielleicht sah er so aus, wie er ausgesehen hat, als er Montague getötet hatte.
Hermine fragte sich, ob es Absicht war, dass er als Hoher General enttarnt wurde.
Wenn Malfoy darauf hin arbeitete, Voldemort seine Macht zu entreißen, dann musste man ihn kennen. Kennen und fürchten. Enttarnt zu werden ist vielleicht ein gut kalkuliertes Risiko gewesen; er würde sich darauf verlassen, dass Voldemort eine öffentliche Figur benötigte und dass er deshalb sein Leben verschonen würde. Wenn die Lage in Rumänien tatsächlich so instabil war, wie gesagt wurde, dann konnte Voldemort Malfoy jetzt nicht töten – selbst, wenn er es wollte. Es würde ein Vakuum an Macht hinterlassen, die Todesser Armee destabilisieren und Europa die Möglichkeit geben sich frei zu kämpfen.
Es gab niemand anderen in Voldemorts Armee, der auch nur annähernd vergleichbar wäre. Voldemort hatte kommunale Regierungsfiguren, aber Malfoy war Voldemorts einzige sichtbare Stütze auf kontinentaler Ebene.
Der mächtigste General in der Armee des Dunklen Lords, das hatte Astoria gesagt. Jahrelang ein General; das hat Malfoy über sich selbst gesagt.
Hermine pausierte verwirrt. Malfoy ist ein General während des Krieges gewesen?
Sie erinnerte sich nicht daran, dann Malfoy ein General gewesen ist. Sie erinnerte sich nicht an viel von ihm, nachdem Dumbledore gestorben ist. Sie hat angenommen, dass sein Aufstieg in den Rängen gegen Ende des Krieges passiert sein muss, aber vielleicht ist das falsch gewesen. Es ist schwer gewesen, gegen Ende des Krieges noch Informationen zu bekommen. Hermine ist in den meisten strategischen Ordens Treffen nicht mit anwesend gewesen. Es muss ein Detail gewesen sein, dass sie nicht mitbekommen hatte.
Es gab so viele Dinge an Malfoy die unergründlich waren. Seine Macht. Der Grund für seinen Ehrgeiz. Die Ironie in seinem Talent für Heilkunst. Seine Fähigkeiten beim Apparieren.
Ein Ritual, als eigentliche Bestrafung...
Hermine betrachtete das Mysterium in ihren Gedanken.
Es ist wahrscheinlich das gewesen, über das Voldemort gesprochen hatte, als er darauf verwiesen hat, dass er ihn enttäuscht hat. Hermine fragte sich was zur Hölle es gewesen ist. Dunkle Magie Rituale waren generell körperlich zersetzend und geistig zerfressend. Dafür schien Malfoy in einem verdächtig, fast unnatürlich gutem Zustand zu sein.
Tatsächlich war er sogar, wenn sie mehr darüber nachfachte, auf eine unmögliche Weise bei gesundem Verstand.
Die Mengen an dunkler Magie, denen er ausgesetzt war, sowohl durch sein eigenes Benutzten als auch durch Voldemort, er sollte davon vergiftete werden. Außer er verbrachte seine ganze Zeit damit sich Reinigungsritualen zu unterziehen, seine relative Gesundheit erschien unmöglich.
Hermine ist es schon schlecht geworden, nur davon Voldemorts Saal zu betreten, während Malfoy komplett reaktionslos schien; und er ging mit Sicherheit mehrmals die Woche dort hin. Leute wurden nicht reaktionslos bei dunkler Magie. Es war wie eine vergiftende Droge. Abhängig machend. Beeinflussend.
Tödlich.
Dunkle Magier neigten dazu mehr und mehr und stärkere und stärkere Arten der Dunklen Künste zu benutzen, bis es sie zerfraß wie es bei Voldemort der Fall war oder es macht sie verrückt, wie es bei Lucius und Bellatrix der Fall war.
Aber Malfoy war unversehrt. Körperlich und geistig war er – makellos.
Und dazu in der Lage quer durch einen ganzen Kontinent zu apparieren.
Wie zur Hölle war das möglich?
Hermine drehte die Frage immer wieder in Gedanken umher, bis sie schließlich aufgab. Sie hatte nicht genügend Informationen, um Vermutungen aufzustellen.
Sie beschäftigte sich mit einem weiteren Problem.
Sie konnte nicht verstehen, wie sie selbst in all dies hinein passte. Was auch immer Malfoys Plan war, sie musste irgendwie darin vorkommen. Malfoy war zu sehr darauf bedacht sich um sie zu kümmern und sie intakt zu halten, als dass es anders sein könnte. Hermine hatte gedacht, dass er es einfach tat, weil es ihm befohlen wurde, aber sie fing an zu vermuten, dass seine Zuneigung tiefer ging als das. Er schien persönlich und emotional in die Sache involviert zu sein. Die Art wie er sie anschaute; die ungeteilte Intensität, war kaum zu verleugnen. Sie war wichtig für ihn oder seine Pläne.
Wo in seiner Strategie passe es hinein, Hermine nicht zu schwängern?
Er hasste es sie zu vergewaltigen; es schien nicht so, als ob er es ihm auch nur das winzigste Bisschen gefallen würde und auch nicht so als ob er versuchte, dass es das tat. Es machte ihn krank. Also sollte er sie nicht so schnell wie möglich schwanger haben wollen?
Außer es hatte mit ihren Erinnerungen zu tun. Die Idee, dass eine Schwangerschaft ihre Erinnerungen befreien würde, war theoretisch die beste. Aber wenn Malfoy etwas in ihren Erinnerungen vermutete, dass er nicht befreit haben wollte... das würde es vielleicht erklären.
Aber selbst ohne eine Schwangerschaft haben die Erinnerungen angefangen langsam zurück zu kommen.
Wenn sie schwanger wäre, würde es ihm neuen Monate verschaffen, in dem er exklusiven Zugriff auf sie hatte. Solange sie nicht schwanger war, würden eventuell willkürlich Erinnerungen auftauchen, die Voldemort finden konnte.
Warum würde er sie beide weiter durch fünf Tage monatliches Trauma zwingen?
Hermine konnte es sich nicht erklären.
Sie grübelte weiter über die Frage nach.
Das Einzige was ihr sonst noch einfiel war, dass er wusste, dass sie lieber sterben würde, als schwanger zu werden.
Würde ihm das etwas bedeuten?
Sie zerbrach sich weiter den Kopf, bis sie einschlief.
Sie fühlte sich den ganzen nächsten Tag ängstlich; nervös und zappelig, bis sie Angst bekam, dass sie sich gleich ihre eigene Haut abziehen würde. Die überflog den Tagespropheten nur ganz sporadisch, bevor sie anfing ihn in Stücke zu reißen und in alle möglichen Formen zu falten, an die sie denken konnte. Sie konnte keine Kraniche falten, aber sie konnte Flugzeuge falten und alle möglichen geometrischen Formen. Sie legte ihre ganze nervöse Energie in das Falten, bis sich ihre Fingerspitzen wund anfühlten.
Sie fing an durch den Nord Flügel zu gehen, ihre Finger streiften leicht entlang der Wand, als sie lief.
Als der Abend kam, badete Hermine, ohne dass sie die Anweisung dafür bekam. Topsy tauchte nicht auf, aber dafür das Abendessen. Hermine ignorierte es. Es war fast neun Uhr, als die Elfe plötzlich ins Zimmer ploppte.
Topsy wandte ihre Augen ab, als Hermine auf sie hinunter blickte.
„Der Meister ist zurück. Sie soll sich jetzt fertig machen."
Es entstand eine kurze Pause.
„Ich bin schon fertig.", sagte Hermine.
Topsy nickte und verschwand dann.
Hermine ging zu ihrem Bett und setzte sich am Fußende hin.
Als Malfoy in der Tür erschien starrten sie sich quer durch den Raum für einige Minuten an.
Es gab nichts zu sagen.
Er ging quer durch das Zimmer und zog ein Fläschchen Beruhigungstrank hervor, das er ihr, ohne etwas zu sagen, reichte. Sie trank den Inhalt aus und gab es ihm zurück.
Während er seinen eigenen Trank nahm, rutschte Hermine zurück auf die Matratze und legte sich hin, sie starrte bestimmt auf den Baldachin über ihrem Bett.
Sie zuckte nicht zusammen, als sie spürte, wie sich die Matratze neben ihr absenkte. Sie machte keinen Muckser, als sie spürte, wie er ihre Roben zur Seite schob und sie entblößte. Als sie spürte, wie er zwischen ihre Beine rutschte, sie biss sich auf die Lippe, während sie weiter nach oben an den Baldachin starrte. Als er den Gleitgel Zauber murmelte, ballte sie ihre Hände zu Fäusten.
Als er in sie eindrang, keuchte sie kurz auf und drehte ihr Gesicht Richtung Wand, sie wand sich innerlich vor Qual.
Ihr Körper hatte es erwartet. Sich darauf eingestellt und es erwartet. Er war bereit. Er wollte es.
Es war so ein tiefer Verrat.
Dass sie wusste, dass ihre Erregung physiologisch natürlich war, machte die Schuldgefühle nicht besser.
Wenn die Vergewaltigung klinisch war, dann war es erträglich. Wenn sie betäubt war, dann war die Vergewaltigung erträglich. Aber wenn es nur sie selbst war, ihr eigener Verstand und ihr Körper, dann war es am schlimmsten. Es drehte und riss an irgendetwas in ihrem Inneren.
Ich werde vergewaltigt und mein Körper genießt es, dachte sie verbittert und wollte sich wegdrehen.
Sie dachte, dass sie sich gleich übergeben würde.
Sie wollte nicht wissen, ob Malfoy den Unterschied spüren konnte. Oder ob er es wusste.
Sie starrte an die Wand und versuchte nicht nochmal einen Laut von sich zu geben. Als er kam, entfernte er sich sofort, riss ihre Roben nach unten, schnappte sich seine Roben und apparierte.
Sie drehte sich nicht um, um zu schauen, wie er aussah, bevor er verschwand. Sie schloss einfach ihre Beine und lag da. Sie konnte spüren, wie ihre Tränen kalte Spuren auf ihren Schläfen hinterließen.
Die nächsten zwei Tagen verliefen genau gleich.
Sie verspürte kaum Erleichterung am Morgen nach dem fünften Tag. Hermine fühlte sich einfach nur kalt.
Ihr Zimmer und Bett hatten jedes Gefühl von Trost verloren.
Sie zog ein frisches Set Roben aus ihrer Kommode und ging den Gang nach unten in das Badezimmer, um zu duschen. Sie kauerte sich zu einem Ball zusammen, sie saß auf dem Boden der Dusche und blieb einfach dort unter dem Wasser sitzen.
Es hatte keinen Zweck es weiter zu leugnen. Die Dinge hatten sich verändert. Nichts fühlte sich noch an wie zuvor. Nicht mehr.
Malfoy war nicht das Monster, für das sie ihn ursprünglich gehalten hatte. Nachdem sie erfahren hat, was die anderen Leihmütter durchmachen mussten; nachdem was Montague versucht hat mit ihr zu machen; nach Astoria; nachdem sie fürchten muss, welche Grausamkeiten Lucius Malfoy ihr antuen würde, wenn ihre Leihmutterschaft auf ihn übertragen werden würde. Die Person, für die sie Malfoy ursprünglich gehalten hat, hat sich verändert.
Von ihm ‚gerettet' zu werden hat die Dinge beeinflusst.
Er hat sie berührt. Sie ist schon so lange von niemanden mehr berührt worden.
Er hat sie viel mehr geheilt, als es notwendig gewesen wäre.
Er wollte sie nicht einmal vergewaltigen.
Auch wenn er darauf bestand, dass seine Fürsorge nur aus Selbstinteresse bestand – weil es ihm befohlen wurde – war sie sich fast sicher, dass sie wesentlich weiter ging, als was seine Verpflichtungen verlangten.
Die Einflüsse der Fesseln trugen auch dazu bei. Sie sind schon immer dazu bestimmt gewesen, Gehorsam und Abhängigkeit zu verankern. Die Fähigkeit zu Wiederstehen auszulöschen.
Wenn sie sich Malfoys Missbrauch widersetzen könnte; wenn er sie körperlich nach unten drücken müsste, wenn er sie vergewaltigte, dann wäre es einfacher für sie nicht so gleichgültig zu werden und sich nicht daran zu gewöhnen. Es war durch das leise Daliegen und es einfach nur zu erleben. Die Aussicht auf das Unausweichliche, dem sie sich nicht widersetzen konnte.
Wenn die Art wie er sie verletzte mehr freiwillig wäre und weniger verpflichtend, dann wäre es einfacher ihn für das zu sehen, was er war.
Aber selbst dann war der Verstand auf grausame Weise anpassungsfähig. Der unbewusste Wille zu überleben, war tiefer in den Menschen verankert als irgendetwas anderes. Zum Überleben musste Hermine nicht unversehrt sein. Sie musste nicht anständig sein. Sie musste nicht sie selbst sein. Ihr Überlebenswille würde all das langsam verschwinden lassen, was es schwieriger machen würde es zu ertragen.
Er würde die mentale Qual aus dem Weg räumen. Sich an jeden winzigen Schimmer von Nettigkeit klammern. Das Leben würde aufhören zu schmerzen.
Wenn sie nicht vorsichtig ist, würde ihr Überlebenswille alles was noch von ihr übrig war auslöschen, bis sie so gebrochen im Inneren ist, dass sie ihren Käfig akzeptieren würde.
Hermine erschauderte unter dem siedend heißen Wasser, das noch immer auf sie herab prasselte.
Sie musste sich von Malfoy fernhalten.
Sie würde nicht mit ihm sprechen. Sie würde sich nicht erlauben Fragen zu stellen. Wenn er sie etwas fragte, würde sie so knapp wie möglich antworten. Sie würde aufhören sich mit ihm zu beschäftigen, aufhören zu versuchen ihn zu verstehen.
Sie konnte vielleicht nicht kontrollieren, was ihr Körper tat, aber sie konnte ihren Verstand kontrollieren. Alles was er von ihr wollte, würde er sich erzwingen müssen.
Sie ließ ihren Kopf auf ihre Knie sinken und ein Gefühl von Trostlosigkeit kam über sie.
Sie hatte es so satt alleine zu sein. Sie presste ihre Lippen zusammen, als sie damit zu kämpfen hatte nicht zu weinen.
Sogar ihre Erinnerungen, waren ein einsamer Abgrund. Fast all die Jahre des Krieges ist sie alleine gewesen.
Sie hat alleine in Hogwarts studiert. Dann in Europa, dort hatte sie für nichts außer professionelle Beziehungen Zeit gehabt. Als sie zurück gekommen ist, hat sie praktisch in der Krankenabteilung gelebt.
Es gab nie Zeit für Freundschaften. Wenn sie mal Freizeit hatte, waren Ron und Harry auf Missionen unterwegs. Wenn sie zurück waren, dann hauptsächlich während den Nachwirkungen von Kämpfen, wenn Hermines Fähigkeiten am meisten gebrauch wurden. Sie hatte nur wenig Erinnerungen daran, dass sie mit einem von ihnen zusammen war, außerhalt ihrer Arbeit.
Dann nach der letzten Schlacht, Hermines Gefangenschaft in Hogwarts ist ein endloser Fall gewesen. Alleine. Alleine. Alleine. Bis ihre Erinnerungen sich selbst kannibalisiert haben.
Als Hermine endlich aus ihrer Zelle gezerrt und in das Züchtungsprogramm gezwungen wurde, ist sie auf ihre Funktion reduziert worden. Für Heilerin Stroud war sie eine Gebärmutter. Für Voldemort war sie eine eventuelle Quelle für Kriegsintelligenz.
Sie war kein Mensch.
Für niemanden außer Malfoy.
Er behandelte sie wie ein Mensch. Er beantwortete die meisten ihrer Fragen und er sah sie an, als ob er sie wirklich sehen würde. Er redete mit ihr. Er behandelte sie so, als ob sie persönlich, wichtig für ihn war. Wenn er ihr weh tat, schien es immer gezwungen und unfreiwillig.
Alle anderen taten ihre einfach nur weh, weil sie es konnten.
Sogar die Hauselfen schauten sie kaum an.
Es gab keine Arbeit, unter der sie sich in dem Malfoy Anwesen vergraben konnte. Keine Endlose Leere, in der sie sich verlieren konnte. Es war nur Hermine, wie sie da saß, nachdachte und Papier faltete; gefangen in einem kalten Haus.
Malfoy war das einzige bisschen Wärme oder Leben oder menschlicher Kontakt, den sie hatte. Ob er es mit Absicht machte oder nicht, Hermine klammerte sich an ihn in ihrer verzweifelten Isolation.
Sie konnte nicht.
Er hat jeden umgebracht. Er hat sie alle ermordet und hingerichtet. Ob freiwillig oder nicht er vergewaltigte sie. Sie war nur eine Spielfigur für ihn.
Sie würde nicht die Erinnerung an ihre Freunde, auf so eine schreckliche Art, hintergehen. Sie würde sich nicht selbst hintergehen.
Wenn sie auf dem Malfoy Anwesen sterben würde, dann würde sie sich an jedes bisschen ihrer selbst klammern, dass sie noch in sich hatte. Wie der Tod selbst, hatte Malfoy ihr alles genommen und wartete darauf noch mehr zu nehmen.
Sie konnte sich von Malfoy fern halten. Sie konnte sich weigern mit ihm zu interagieren, außer er würde sie dazu zwingen und nötigen.
Sie konnte es. Sie würde es.
Sie war daran gewöhnt alleine zu sein.
Sie verbrachte den Rest des Tages damit sich zu sammeln. Sich zu wappnen. Es war wieder eine Legilimentik Sitzung von Malfoy fällig. Er kam immer nach ihrer Fruchtbaren Periode.
Wenn es dies tat, würde er alle die Gedanken in ihrem Kopf finden. Er würde sie wahrscheinlich damit aufziehen.
Sie würde nicht darauf eingehen.
Sie verbrachte den Nachmittag damit eine Kartenhaus zu bauen.
Der Tag verging, das Abendessen erschien. Malfoy aber nicht.
Hermine versuchte nicht ängstlich zu sein. Sie versuchte nicht dauernd auf die Uhr zu schauen. Sie ignorierte das immer enger werdende Gefühl in ihrer Brust, als sie weiter darauf wartete, dass er kam.
Er tat es wahrscheinlich mit Absicht, erinnerte sie sich selbst. Vielleicht hat er ihre Gedanken gelesen, als sie vorher nachgedacht hat. Er folterte sie wahrscheinlich mit Absicht.
Sie wartete darauf, dass er endlich auftauchen würde, bis es nach elf Uhr war, wo Hermine normalerweise schon schlief. Schlussendlich ging sie schlafen.
Sie konnte nicht schlafen.
Sie lag einfach nur da und fragte sich, warum er nicht aufgetaucht war. Vielleicht ist er wieder im Ausland. Die Zeitung hatten zwar nichts berichtet, aber das muss ja nichts heißen. Vielleicht war er mit Astoria auf einer Veranstaltung, Hermine glaube nicht, dass etwas in den Gesellschaftsseiten erwähnt wurde. Vielleicht sind sie einfach nur Abendessen gegangen. Gingen er und Astoria zusammen zum Abendessen?
Hermine lag im Bett und grübelte bis die Uhr an der Wand fast zwei Uhr morgens anzeigte.
Sie stieg aus dem Bett. Der Mond war fast voll.
Sie ging zur Tür und aus dem Zimmer, die streifte durch den vom Mondlicht erleuchteten Flur des Nordflügels. Das Portrait folgte ihre wie ein blasser Geist.
Hermines Finger streiften entlang der Wand als sie lief. Sie bekam keine Panik Attacken mehr im Haus, aber das Gefühl der Wand unter ihren Fingern war beruhigend.
Das Mondlicht zeichnete lange Schatten über den Boden und die Wände.
Ein Gedanke schoss Hermine plötzlich in den Kopf. Was wenn Malfoy gestorben ist? Würde sie es überhaupt wissen? Wahrscheinlich nicht. Für mehrere Tage nicht. Heilerin Stroud würde kommen und Hermine einem anderen Legiliment zuweisen. Vielleicht würde Voldemort Snape aus Rumänien zurück bringen und ihm befehlen sie stattdessen zu schwängern.
Was wenn sie schon schwanger war? Bei dem Gedanken wurde ihr kalt. Was wenn sie schwanger war und Malfoy tot war? Würde Voldemort warten, bis sie entbunden hatte und dann die Erinnerungen selbst aus ihr heraus holen? Oder würde er Stroud befehlen das Kind abzutreiben, damit Hermine wo anders hingebracht werden kann? Wenn sie es bis zum Schluss austragen würde, was würde dann mit dem Baby passieren? Würde Voldemort das Baby Astoria geben?
Astoria würde es töten. Sie würde es zu Tode foltern. Wenn es wie Malfoy und Hermine aussah, würde Astoria ihm wahrscheinlich die Augen ausstechen und sie verbrennen, und es dann verhungern lassen...
Hermine schnappte nach Luft und fing im Flur das Hyperventilieren an.
Es gab nichts was sie tun konnte. Nichts. Sie konnte nichts tun.
Sie hatte Monate damit verbracht sich zu wünschen, das Malfoy sterben würde, aber jetzt erfüllte sie der Gedanke mit Grauen.
Was wenn er tot war?
Sie atmete immer schneller und schneller. Ihre Hände und Arme finden das Kribbeln an, als ob Nadeln durch ihre Haut stachen. Ihre Brust fühle sich zusammengedrückt an, als ob sie unter etwas erdrückt wurden. Sie konnte sich nicht dazu bringen, sich zu beruhigen.
Plötzlich war da eine Bewegung in der Dunkelheit. Hermine erstarrte, sie unterdrückte einen erschrockenen Aufschrei und sah sich um.
Malfoy trat aus der Dunkelheit hervor. Sie war sich sicher, dass er einen Moment vorher noch nicht dort gewesen ist.
Das Mondlicht reflektierte sich in seinen hellen Haaren und seiner blassen Haut und er sah furchterregend und engelshaft zugleich aus.
Sie starrte ihn an, sie spürte wie ihre ursprüngliche Panik abebbte. Das Gefühl der Erleichterung, dass sie verspürte als sie ihn sah –
Sie versuchte nicht zu sehr darauf einzugehen, als sie ihn vorsichtig beobachtete.
Da war etwas an seinem Gesicht...
Die Angespanntheit seines kalten, harten Gesichtsausdruckes schien etwas weniger zu sein, als sie es sonst gewohnt war. Er sah etwas weniger wie kurz vor dem Zusammenbruch aus.
Er kam näher zu ihr. Seine Augen wanderten langsam an ihr herunter, als er sie beobachtete.
„Granger."
Ihr Name rollte von seinen Lippen wie ein Schnurren. Sie spürte, wie ein Schauer der Ungewissheit durch sie hindurch lief. Er hat sie noch nie bei ihrem Nachnamen genannt, nicht seit sie angekommen war. Sie ist immer das Schlammblut gewesen.
Ihre Augen weiteten sich.
Er war betrunken.
Seine Schritte waren sicher und seine Stimme war nicht verwaschen, aber – sie war sich sicher.
Sie bewegte sich nicht.
Er kam näher, bis sie langsam rückwärtsging, aber er kam immer weiter auf sie zu. Bis sie an der Wand gefangen war und er nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt war.
„Oh, Granger." Er seufzte und schaute auf sie hinunter. Er hob seine Hand and und legte sie auf ihre Kehle, drückte aber nicht zu; er ließ sie einfach dort ruhen. Sie konnte spüren wie die Hitze von seiner Hand sich auf ihrer Haut ausbreitete.
Sie schaute zu ihm auf. Sogar betrunken war sein Ausdruck eine Maske. Sie war sich nicht sicher was er als nächstes vorhatte. Er striff mit seinem Daumen langsam ihren Nacken entlang und sie spürte wie ihre Haut kribbelte.
Er seufzte noch einmal. „Wenn ich gewusst hätte, was für Schmerzen du mir bereiten würdest, hätte ich dich niemals genommen."
Er stand einfach nur da, seine Hand auf ihrer Kehle. Sie konnte spüren, wie ihr Puls gegen seine Hand flatterte. Sie war sich nicht sicher, was er meinte; ob sie sich entschuldigen sollte.
Sie konnte den Alkohol in seinem Atem riechen.
„Aber.", sagte er nach einer Minute, „ich nehme an, dass ich es an diesem Punkt, verdiene zu brennen. Ich frage mich, ob du auch brennst."
Sein Gesicht war plötzlich ganz nah an ihrem, sie konnte spüren wie sein Atem beim Reden über ihre Haut striff.
Seine Lippen trafen auf ihre.
