Rückblick 1
Drei Jahre früher. März 2002.
Fast sechs Jahre nach dem Tod von Albus Dumbledore.
Hermine presste ihre Zähne vor Frustration zusammen, als sie Gegengift Tränke in Flaschen abfüllte. Sie ist gerade erst aus einem weiteren sinnlosen Ordens Treffen gekommen.
Manchmal fragte sie sich, ob sie die Einzige war, die bemerkte, dass sie dabei waren den Krieg zu verlieren.
Als sie die Flaschen in die Regale räumte, steckte sie ein paar in ihre Taschen und eilten in das Zimmer nebenan, wo Madame Pomfrey arbeitete. Die Kranken Abteilung, die den ersten Stock des Grimmauld Platzes einnahm, war unheimlich still.
Niemand, der sich momentan in dem Raum befand, hatte eine Verletzung, die leicht heilen würde.
Lee Jordan lag auf einem Bett. Gehirnmasse kam noch immer aus seinen Ohren, tröpfchenweise. Hermine hat einen Weg gefunden, den Fluch zu beseitigen aber der Gegen-Zauber wirkte langsam. Sie konnte nur hoffen, dass das Tropfen in der nächsten Stunde aufhören würde. Es war zu bezweifeln, dass seine mentale Funktion sich wieder erholen würde. Der Schaden an seinem Gehirn war schwer und irreversibel. Sie kannte die genaue Ausdehnung nicht. Sie musste warten, bis er aufwachte.
Falls er aufwachen sollte.
Höchst wahrscheinlich würde der Orden, angenommen er war nicht Gehirntod, wenn das Tropfen aufhörte, einen Abstecher zum St Mungos machen müssen, wenn sie jemanden entbehren konnten.
George Weasley saß in einem der Betten neben seinem Freund. Er war blass vor Schmerz und Verzweiflung. Er ist an der rechten Wade von einem schnell wirkendem Nekrose Fluch getroffen worden. Bis er es endlich geschafft hatte den Schmerz zu überwinden und zurück zu apparieren, hatte sich der Fluch schon bis zur Hüfte ausgebreitet. Es gab keine Gegen-Zauber für einen Nekrose Fluch. Hermine ist gerade so noch in der Lage gewesen seine lebenswichtigen Organe zu verschonen, als sie sein gesamtes Bein abschneiden musste. Sie hatte nicht mal die paar Sekunden Zeit gehabt, um ihn zu betäuben. Seine Hände zitterten immer noch, egal wie viele Beruhigungs- und Schmerztränke Hermine ihm verschrieb.
Katie Bell lag in einem Bett am anderen Ende des Raumes. Sie schlief. Sie würde hoffentlich bald entlassen werden. Ein widerlicher, kreativer Todesser hatte einen Stachelschwein in ihre Brust hinein gezaubert. Die Stachel hatten ihre Lungen und ihren Magen zerrissen und zerstört und nur wie durch ein Wunder ihr Herz verfehlt. Sie ist fast an ihrem eigenen Blut ertrunken, bevor Hermine und Madame Pomfrey dazu in der Lage gewesen sind, die Kreatur verschwinden zu lassen und sie zu stabilisieren. Katie war schon fast drei Wochen hier. Auch wenn sie fast wieder ganz gesund war, zierten ihren Brustkorb immer noch hunderte kleine runde Narben. Ihr Atem gab ein leises Rasselgeräusch von sich, wenn sie sich bewegte.
Hermine ging durch den Raum und füllte einen Gegengifttrank in Seamus Finnegans Mund. Er ist in ein Nest voller Vipern gefallen und ist sechsunddreißig Mal gebissen worden, bevor er es geschafft hatte raus zu apparieren. Er hatte es nur rechtzeitig zurück geschafft, bevor er gestorben war, weil Zauberer gegen manche Muggel Verletzungen fast immun waren.
Es gab noch ein Dutzend mehr Patienten in der Kranken Abteilung, aber Hermine kannte die Namen der Widerstandskämpfer nicht und sie waren zu verletzt, um sie ihr zu sagen.
Als Hermine in dem Raum stand und über die ruhigen, verletzten Körper blickte, fühlte sie sich verloren.
Sie kam gerade von einem weiteren Treffen, in welchem sie den Orden dazu angehalten hatte, effektivere Flüche während dem Kämpfen zu verwenden. Sie wurde mundtot gemacht. Schon wieder.
Es gab einen bizarre Art von Optimismus unter den Mitgliedern des Ordens, dass sie den Krieg gewinnen konnten, ohne die Dunklen Künsten zu benutzen. Die meisten der Widerstandskämpfer benutzen immer noch Betäubungs- oder Versteinerungszauber, wenn sie umstellt waren, so als ob Todesser diese Zauber nicht in wenigen Sekunden abwehren konnten, nur um sie dann in der nächsten Sekunden grausam zu töten oder zu verstümmeln.
Es gab ein paar Wenige, die angefangen hatten, bösartigere Sprüche zu verwenden. hauptsächlich diejenigen, die auf der Seite waren, die einen Fluch abbekommen hatten, der sie fast umgebracht hätte. Es war wie ein schlecht gehütetes Geheimnis innerhalb des Widerstands; jeder schaute weg, tat so, als ob es nicht der Fall war.
Jedes Mal, wenn Hermine an einem wichtigem Ordens Treffen teilnahm, legte sie dar, warum allen Kämpfer effizientere Wege zum Duellieren beigebracht werden sollten. Jedes Mal fand sie sich den ungläubigen Blicken der anderen gegenüber.
Anscheinend bedeutete es auf der Seite ‚des Lichts' zu kämpfen, gegen völlig hochgestapelte Chancen zu gewinnen. Ganz zu schweigen, dass ihre Feinde sie alle töten wollten, um dann die Muggel in ganz Europa zu ermorden und zu versklaven. Anscheinend war selbst das nicht genug ausreichend, um einen Todesser in Notwehr zu töten.
Jedes Mal bekam sie die gleiche Antwort. Sie war eine Heilerin, wusste nicht wie es eine Person verändern kann, wenn sie die dunklen Künste benutzte? Wenn Ordens und Widerstandsmitglieder die persönliche Entscheidung trafen diese Art von Zaubern zu verwenden, dann war das deren Entscheidung. Der Orden würde es jedoch niemals von jemandem verlangen. Niemals jemanden beibringen.
Außerdem wies irgendjemand Hermine immer vage darauf hin, dass sie ja kaum wissen konnte, wie es sei draußen auf einem Schlachtfeld zu sein, wo man die Entscheidung treffen musste, das Leben von jemanden zu beenden. Sie war ja immer hier im Grimmauld Platz und funktionierte als Heilerin, Zaubertrank Meisterin und Wissenschaftlerin für den Orden. Dass ist das, wofür man sie benötigte. Sie sollte die Leute, die sich aufs Kämpfen spezialisiert haben, die Entscheidungen treffen lassen, die die Kriegsstrategien betrafen.
Hermine wollte einfach nur schreien vor Frustration.
Als sie brodelnd neben Lee Jordan stand, hörte sie das kratzende Geräusch von Holz am Boden und drehte sich um, um zu sehen, wie Mad-Eye Moody den Raum betrat. Er schaute sie direkt an.
„Auf ein Wort, Granger.", sagte er.
Sie fasste sich selbst wieder, drehte sich um und folgte ihm den Gang hinunter. Sie hoffte, dass sie nicht schon wieder getadelt werden würde, dafür dass sie die Dreistigkeit besaß, die Strategie des Ordens zu hinterfragen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Mad-Eye das tun würde; er war einer der wenigen Ordensmitglieder, die ihr nicht widersprachen.
Moody führte sie zu einem kleinen Zimmer und als sie drinnen waren, drehte er sich um und sprach eine Reihe von komplexen und mächtigen Vertraulichkeitszaubern.
Als er fertig war schaute er sich aufmerksam im Zimmer um. Sein magisches Auge drehte sich in alle Richtungen, als er jeden Winkel genau untersuchte. Nach einer Minute schaute er zu ihr hinab.
Er schien angespannt, sogar für jemanden der öfter „Immer wachsam" sagte, als irgendetwas anderes.
Er schien unbehaglich.
„Wir verlieren den Krieg.", sagte er nach einem kurzen Moment.
„Ich weiß.", sagte Hermine mit bleierner Stimme. „Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich die einzige bin, der das klar ist."
„Manche Leute – können nur kämpfen, wenn sie von Optimismus angetrieben werden.", sagte Moody langsam. „Aber – uns geht langsam der Optimismus aus."
Hermine schaute ihn einfach weiter an. Er musst ihr das nicht erklären. Sie wusste es bereits.
Sie war diejenige, die die Leute auf dem Bett festhalten musste, während sie vor Quale starben, weil sie einen Fluch nicht umkehren konnte. Die dann in ein Besprechungszimmer gehen musste und die Leute auflisten musste, die gestorben und verletzt waren, die darlegen musste, wie lange die Genesung ungefähr dauern würde und ob man erwarten konnte, dass diese Leute wieder in der Lage sein würden, um zu kämpfen, wenn sie wieder gesund waren.
„Es hat sich eine Gelegenheit ergeben.", sagte Moody mit tiefer Stimme. Er beobachtete sie vorsichtig. „Eine die die Richtung des Krieges ändern könnte."
Hermine hatte kein Fünkchen Hoffnung mehr übrig, um sich über diese Worte zu freuen. Wenn man die Umstände betrachtete, unter denen Moody mit ihr sprach, konnte man davon ausgehen, dass der Preis, der dafür gezahlt werden musste, hoch genug sein musste, um bedenklich zu sein.
„Oh?"
„Während Voldemorts Macht immer weiter gewachsen ist, ist Severus Einsicht immer eingeschränkter geworden. Er ist hauptsächlich damit bedacht Forschungen zu betreiben und neue Flüche mit Dolohov zu entwickeln. Sie informieren ihn nicht über Angriffsstrategien."
Hermine nickte. Ihr ist das in den letzten Monaten auch schon aufgefallen. Einige der anderen Ordensmitglieder haben es dazu benutzt, Snapes Loyalität wieder in Frage zu stellen.
„Wir haben die Möglichkeit einen neuen Spion hinzuzuziehen. Jemand mit hohem Rang in Voldemorts Armee hat sich dazu bereit erklärt, die Seiten zu wechseln."
Hermine blickte Moody skeptisch an. „Jemand mit hohem Rang will jetzt die Seiten wechseln?"
„Unter Vorbehalt.", sagte Moody, sein Auge drehte sich wieder in alle Richtungen. „Der Malfoy Junge will die Seiten wechseln, um sich für seine Mutter zu rächen. Unter der Zusicherung einer vollen Begnadigung und –", er zögerte und räusperte sich. „Er will dich. Jetzt und nach dem Krieg."
Hermine stand erstarrt da. Wenn Moody sie einfach verhext hätte, wäre sie vermutlich nicht so verwundert gewesen, wie sie es gerade war.
„Severus denkt, dass sein Angebot legitim ist. Er sagt, dass der Malfoy Junge schon in der Schule eine Art Faszination mit dir hatte. Es gibt nichts, was darauf schließen lässt, dass er angewiesen wurde, das Angebot zu machen."
Hermine nahm die Worte kaum wahr, als sie da stand und innerlich abwog.
Sie hatte Draco Malfoy seit der Schule nicht mehr gesehen.
Das sechste Jahr hatte kaum angefangen, als er den Krieg begonnen hatte, indem er Dumbledore hingerichtet hat und dann abgehauen ist. Sie hat immer wieder mal etwas über ihn gehört, wenn Severus über Voldemorts Militär Struktur berichtet hat. Malfoy ist über die Jahre hinweg stetig in den Rängen aufgestiegen.
Warum sollte Malfoy die Seiten wechseln? Der Krieg war wortwörtlich seine Schuld. Es gab keinen einleuchtenden Grund, so spät die Gefolgschaft zu wechseln.
Vielleicht war Voldemorts Macht nicht so sicher, wie sie gedacht hatten. Vielleicht fingen die Ränge an zu bröckeln. Es schien zu gut um wahr zu sein.
Aber warum wollte er dann sie haben?
Sie kann sich nicht daran erinnern, dass ihre Schulrivalität etwas war, das von Bedeutung gewesen ist. Er hat immer viel mehr Aufmerksamkeit darauf verschwendet Harry zu schikanieren. Sie ist immer eher nur eine Fußnote gewesen; ein hinzugefügter Seitenhieb, weil sie eine Muggel-Geborene war. Sie ist nie das wahre Ziel seiner Boshaftigkeiten gewesen.
Außer... sie einzufordern, war eine Art Rache an Harry.
Vielleicht dachte er, dass Sie und Harry zusammen waren. Mistkerl.
Sie stand da und dachte nach, bis Moody wieder das Sprechen anfing.
„Es gibt nicht viel, was ich nicht tun würde, um an die Informationen zu kommen, die er uns anbietet. Aber du musst zustimmen. Er will, dass du es freiwillig machst."
Nein. Nein. Niemals.
Sie schluckte ihre Verweigerung runter. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, bis sie die Umrisse ihres Mittelhandknochens unter ihrer Haut spüren konnte.
„Ich werde es tun.", sagte sie, sie erlaubte es ihrer Stimme nicht zu zittern. „Unter der Bedingung, dass er nichts tut, was meinen Fähigkeiten, dem Orden zu dienen, in die Quere kommt. Ich werde es tun."
Moody betrachtete sie aufmerksam.
„Du solltest länger darüber nachdenken. Du kannst dir ein paar Tage Zeit nehmen. Wenn du das tust – du kannst es niemandem erzählen. Nicht bis der Krieg vorbei ist. Nicht Potter, oder Weasley oder sonst irgendjemanden. Kingsley. Severus, Minerva und ich sind die einzigen Mitglieder des Ordens sie darüber Bescheid wissen."
Hermine blickte ruhig zu ihm auf. Ein Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus, so als ob etwas in ihr zusammenschrumpfen und sterben würde, aber sie ignorierte es. „Ich brauche nicht mehr Zeit, um darüber nachzudenken.", sagte sie knapp. „Ich bin mir bewusst, was von mir verlangt wird. Je früher wir an die Informationen kommen, desto besser. Ich werde es nicht unnötig hinauszögern, um darüber nachzudenken, wenn ich meine Entscheidung schon getroffen habe."
Moody nickte knapp. „Dann lasse ich Wort schicken, dass du zugestimmt hast."
Moody entfernte die Schutzzauber von der Tür und humpelte nach draußen; er ließ Hermine alleine zurück, um zu verarbeiten, was sie gerade zugestimmt hatte.
Sie war sich nicht sicher, wie sie sich fühlte.
Sie wollte weinen. Das war ihr unmittelbares Verlangen.
Es fühlte sich so an, als ob Moody die Last des Krieges auf ihre Schultern geladen hatte.
Aber gleichzeitig auch – Hoffnung – zu mindestens vielleicht. Soweit man sich hoffnungsvoll fühlen konnte, wenn man zugestimmt hat, der Kriegspreis für einen Todesser zu sein.
Hermine hat sich schon seit langer Zeit nicht mehr hoffnungsvoll gefühlt.
Irgendwie hatte sie gedacht, bis zu dem Zeitpunkt wo Dumbledore gestorben war und noch etwas darüber hinaus, dass der Krieg einfach und kurz sein würde. Harry ist dem Tod in der Schule schon so viele Male entkommen. Er, Ron und sie sind dem Schicksaal schon so oft entkommen.
Also hatte sie angenommen, dass schlau zu sein, gut zu sein – dass Freundschaft und Mut und die Kraft der Liebe genug waren, um den Krieg zu gewinnen.
Aber es war nicht genug.
Schlau zu sein war nicht genug. Ihre Gütigkeit wurde zu Staub zermahlen unter dem Gewicht all der Leben, die verloren gingen oder ruiniert wurden, ohne etwas Bahnbrechendes erzielt zu haben. Freundschaft verhinderte es nicht, dass jemand schreiend vor Qual starb. Mut gewann keine Schlachten, wenn dein Feind eine Vielzahl an Methoden hatte, um dich für immer aus dem Krieg zu entfernen und du versuchst die mit Erstarrungszaubern zu verhexen. Liebe besiegte nicht Voldemorts Hass.
Jeden Tag, den der Krieg Andauerte schienen ihre Chancen ein bisschen mehr zu sinken.
Harry zerbrach unter dem Druck und der Schuld. Er war so dünn und erschöpft, sie befürchtete, dass er jeden Tag zusammenbrechen könnte.
Er zog sich immer weiter und weiter in sich selbst zurück. Dumbledores Tod so kurz nach Sirius Tod schienen ihn so aus der Bahn geworfen zu haben, dass er sich nie ganz davon erholt hat. Jeder Tod und jede Verletzung unter seinen Freunden schien ihn immer weiter auf einen Abgrund zuzutreiben, und sie war sich nicht sicher, ob er noch umdrehen konnte.
Harry klammerte sich an die Hoffnung, dass der Krieg auf so eine Art Enden würde, dass ein normales Leben danach möglich wäre. Es war dieser unmögliche Glaube, der ihn weiter antrieb.
Er war derjenige, der am meisten darauf bestand, dass der Orden und der Widerstand keine dunkle Magie benutzten. Wenn sie das taten, argumentierte er, dann gab es kein Zurück mehr. Sie würden für den Rest ihres Lebens damit befleckt sein. Kein Bisschen besser, wie die Todesser.
Hermine war dazu gezwungen dem Orden und den meisten des Widerstandes dabei zu zusehen, wie sie sich auf seine Seite schlugen, und sie musste dann ihren Freunden dabei zusehen, wie sie auf der Krankenstation unter ihrer Betreuung starben. Sie verließen sich alle auf Harry. Wenn er verzweifeln würde, würde er komplett zerbrechen und aufgeben.
Der Orden benötigte dringend einen Erfolg. Ein bisschen Informationen. Um es vorher zu wissen, wann ein Angriff kommen würde. Wo Schwachstellen lagen. Irgendetwas.
Malfoy konnte ihnen das geben.
Er ist persönlich von seiner Tante Bellatrix ausgebildet worden, bevor sie Seite an Seite mit seiner Mutter gestorben ist. Er ist hoch aufgestiegen.
Jetzt hat er ihnen ein Angebot gemacht, das sie nicht ausschlagen konnten.
Dass sie nicht ausschlagen konnte.
Er wusste es offensichtlich, verhielt sich wie ein König, verlangte ein Tribut.
Weil er von ihr fasziniert war...
Hermine zerbrach sich den Kopf darüber.
Wenn Severus diese Aussage nicht bekräftigt hätte, hätte sie so etwas niemals geglaubt.
Um seine Mutter zu rächen. Für eine Begnadigung. Für sie jetzt und nach dem Krieg. Was waren seine Wirklichen Motive? Waren es irgendwelche davon? Oder gab es einen ganz anderen Blickwinkel, mit dem er spielte?
Seine Mutter ist schon vor über einem Jahr gestorben, in einem blöden Unfall an der Seite von Bellatrix Lestrange, als ein Todesser versucht hatte Harry und Ron davon abzuhalten, vom Lestrange Anwesen zu entkommen. Es ist nicht wirklich die Schuld von nur einer Seite gewesen, dass sie gestorben ist. Wenn ihr Tod seine Gefolgschaft beendet hätte, dann wäre es dann passiert und nicht jetzt. Nicht ein Jahr später. Nicht, nachdem er das Vermächtnis seiner Tante dazu verwendet hat, zu eine noch höhere Macht Position aufzusteigen.
Wie auch immer – eine Begnadigung zu wollen schien seltsam. Außer es gab irgendeinen unglaublichen Vorteil, von dem sie nichts wusste, schienen die Chancen, dass der Orden gewann, sehr gering.
Also wegen ihr? Vielleicht hat er sie mehr gehasst, als ihr bewusste gewesen ist. Oder mehr gewollt –
Sie erschauderte vor Ekel und versuchte den Gedanken von sich weg zu schieben, bevor sie sich wieder fasste und sich dazu zwang es nicht mehr in Erwägung zu ziehen.
Wenn es seine Motivation war, dass er sie wollte... dann hing die Gelegenheit von mehr ab als nur ihrer Zustimmung. Wenn er sie einmal gehabt hat, oder vielleicht ein Paar mal – wenn es nur durch Rache angetrieben wurde – würde er sie irgendwann satt haben.
Vielleicht war das alles nur ein Spiel für ihn.
Für eine kurze Zeit den Spion spielen, die Gelegenheit bekommen, sie auf ihre Knie zu zwingen. Zu wissen, dass sie für ihn auf allen vieren kriechen würde, wenn es Harry retten würde. Den Orden retten würde. Dann – wenn er erreicht hatte was er wollte – würde er ihr den Rücken zukehren. Er würde sie beiseite werfen und ihnen allen beim Sterben zusehen.
Ihre Kehle zog sich zusammen und sie fühlte sich, als ob sie sich gleich übergeben musste. Sie zwang ihre Furcht in die hinterste Ecke ihrer Gedanken und ignoriert das ziehende, sich verknotende Gefühl in ihrem Magen.
Sie musste einen Weg finden um faszinierend für ihn zu sein. Seine Aufmerksamkeit und sein Interesse aufrecht zu erhalten.
Würde das überhaupt möglich sein?
Sie glitt aus dem Zimmer, fühlte sich gefroren und ging zur Krankenstation zurück. Der Raum war noch immer still.
„Poppy, brauchst du mich gerade? Oder ist es okay, wenn ich kurz raus gehe?", fragte sie mit leiser, fast rauer Stimme.
„Natürlich meine Liebe. Du solltest dich etwas ausruhen. Du bist schon seit zwölf Stunden auf den Beinen.", sagte ihr Pomfrey sanft. „Falls irgendetwas passieren sollte, werde ich dich rufen lassen."
Hermine spielte mit dem Armband um ihr Handgelenk. Es beinhaltete einen Wechsel Zauber, den der Orden benutzte um sie zu den Sicherheitshäuser zu rufen, wo sie am dringendsten gebraucht wurde.
Sie verließ die Krankenabteilung und ging nach oben zu ihrem Zimmer. Sie hatte nicht die Absicht sich auszuruhen. Sie ging und zog sich frische Klamotten an, ging nach unten vor die Haustür und disapparierte.
Sie Zauber Welt hatte nicht das, was sie benötigte.
Sie machte sich auf den Weg zum nächsten Waterstones Laden.
Sie ging durch die Abteilungen. Nahm sich Bücher heraus; aus der Philosophy Abteilung, aus der Psychologie Abteilung, aus der Beziehungsabteilung und aus der Geschichtsabteilung, bis sie ihre ganzen Arme voll hatte.
Die Kassiererin, die den Stapel scannte zog eine Augenbraue nach oben. Einige Geschichtsbücher und Biographien von weiblichen Spionen; ein dickes Handbuch über Sex; Die Kunst des Krieges von Sun Tzu; Handorakel und Kunst der Weltklugheit von Baltasar Gracian; Der Fürst von Machiavelli. Die Psychologie des Überzeugens: Wie Sie sich selbst und Ihren Mitmenschen auf die Schliche kommen von Robert Cialdini; ein Buch zur Körpersprache. Sie musste zugeben, es war eine recht seltsame Auswahl an Büchern.
„Die sind für einen Aufsatz.", log Hermine impulsiv, sie hatte das Gefühl, sich erklären zu müssen.
„Ein paar von ihnen werden wohl auch von persönlichem Nutzen sein." Die Kassiererin zwinkerte ihr frech zu, als sie die Bücher in eine Tüte packte.
Hermine spürte, wie sie rot wurde, aber zwang sich dazu zu lachen.
„Nun ja, ich kaufe sie, also.", sagte sie mit leichter Stimme, aber die Worte schmeckten wie Sand in ihrem Mund.
„Wenn du mal wieder kommst, musst du es mich wissenlassen, wie dieser Aufsatz bei deinem Tutor angekommwn ist. Und ob ein paar der Bücher auch für außerschulische Aktivitäten von Nutzen waren."
Hermine nickte unbeholfen, während sie bezahlte und trug die Tüte aus dem Laden. McGonagalls Gesicht ist ihr bei den Worten des Mädchens in den Sinn gekommen. Minerva wusste auch Bescheid.
Aber Moody ist derjenige gewesen, der auserwählt wurde, um mit Hermine zu sprechen. Sie fragte sich warum.
Sie fühlte sich, als ob ihr schlecht werden würde, als sie auf die Auswahl an Büchern blickte, die sie nun besaß. Sie wollte eine Tasse Tee haben. Nun, eigentlich wollte sie in ein Loch kriechen und dort sterben, aber eine Tasse Tee war ihre zweite Wahl.
Sie fand einen kleinen Laden in der Nähe und fischte das Buch heraus, dessen Titel sie am wenigsten beunruhigte, während sie wartete.
„Arbeite auf deine Ziele hin – sowohl indirekt als auch direkt. Das Leben ist ein Kampf gegen die menschliche Bosheit des Menschen. Die Klugheit führt ihn, indem sie sich der Kriegslisten, hinsichtlich ihres Vorhabens, bedient. Nie tut sie das, was sie vorgibt, sondern zielt nur, um zu täuschen. Mit Geschicklichkeit macht sie Luftstreiche; dann aber führt sie in der Wirklichkeit etwas Unerwartetes aus, stets darauf bedacht ihr Spiel zu verbergen. Eine Absicht läßt sie erblicken, um die Aufmerksamkeit des Gegners dahin zu ziehen, kehrt ihr aber gleich wieder den Rücken und siegt durch das, woran Keiner gedacht. Jedoch kommt ihr andrerseits ein durchdringender Scharfsinn durch seine Aufmerksamkeit zuvor und belauert sie mit schlauer Überlegung: stets versteht er das Gegenteil von dem, was man ihm zu verstehen gibt, und erkennt sogleich jedes falsche Miene machen. Die erste Absicht läßt er immer vorüber gehen, wartet auf die zweite, ja auf die dritte. Indem jetzt die Verstellung ihre Künste erkannt sieht, steigert sie sich noch höher und versucht nunmehr durch die Wahrheit selbst zu täuschen: sie ändert ihr Spiel, um ihre List zu ändern, und lä0t das nicht Erkünstelte als erkünstelt erscheinen, indem sie so ihren Betrug auf vollkommenste Aufrichtigkeit gründet. Aber die beobachtende Schlauheit ist auf ihrem Posten, strengt ihren Scharfblick an und entdeckt die in Licht gehüllte Finsterniß: sie entziffert jenes Vorhaben, welches je aufrichtiger, desto trügerischer war. Auf solche Weise kämpft die Arglist des Python gegen den Glanz der durchdringenden Strahlen Apollo's."
Hermine nagte an ihrer Unterlippe, als sie sich selbst eine Tasse Tee einschenkte und noch einmal über Malfoy nachdachte. Ihre Hand wanderte nach oben zu ihrem Nacken und sie spielte nervös mit der Kette ihrer Halskette, formte sie zu Spiralen und wickelte sie um ihren Finger.
Dann wühlte sie durch ihre Tasche und benutzte ihren Zauberstab unauffällig dazu, ihre Schreibfeder und ihr Pergament in einen Kugelschreiber und ein kleines Notizbuch zu verwandeln. Das Notizbuch war voller Notizen als sie die Tasse Tee leer getrunken hatte.
Als sie die Bücher in ihre magisch vergrößerte Umhängetasche stopfte, überdachte sie die Situation noch einmal.
Sie konnte die Sache nicht mit voreingenommenen Annahmen angehen. Wenn sie das tun würde, wäre es wahrscheinlicher, dass sie etwas übersehen würde.
Nach fast sechs Jahren als Todesser, war Malfoy vermutlich ein sehr gut ausgebildeter Manipulierer.
Severus Berichte über die Geschehnisse in Voldemorts inneren Kreis, deuteten darauf hin, dass es ein skrupelloses politisches Milieu war. Voldemort war ein grausamer Anführer und schonungslos mit seinen Bestrafungen. Todesser hatten wenig Loyalität füreinander übrig. Sie waren erpicht darauf, die die sich ihnen im Weg stellten aus dem Weg zu schaffen, wenn es dabei half ihren eigenen Platz in den Rängen zu verbessern oder mehr Macht und Schutz für sich zu erlangen.
Malfoys Angebot konnte genauso gut eine Taktik sein, um noch höher aufzusteigen. Um ein Doppel-Agent für Voldemort zu werden, auf die gleiche Art und Weise, wie Snape einer für den Orden war. Um sie an einem ausschlaggebenden Punkt mit falschen Informationen zu füttern, das dann zu ihrem Untergang führen könnte.
Wie auch immer unterstützte Severus jedoch die Idee, weil er anscheinend die Meinung vertrat, dass Malfoys Angebot seriös war. Sie würde mit ihm sprechen müssen. Sie will wissen, was genau er beobachtet hat, um das zu glauben.
Sie schlüpfte in eine Seitengasse und apparierte zurück zum Grimmauld Platz. Als sie nach oben zu ihrem Zimmer lief, bemerkte sie wie Lavender Brown das Zimmer verlies, das sich Ron mit Harry und Fred teilte.
Ron und Lavender waren nicht wirklich in einer Beziehung. Ron hatte ungefähr fünf Mädchen, durch die er durchwechselte, je nach Verfügbarkeit nach einer Mission oder Auseinandersetzung. Der Krieg hat ihn wütender gemacht und angespannter. Er war immer nervös, wenn er Überfälle und Kämpfe plante. Sein Talent für Zauberschach hat sich zu einem Talent für Strategien entwickelt, aber er neigte dazu jedes Todesopfer als sein persönliches Verschulden zu sehen. Wenn er nicht gerade jemanden vögelte, neigte er dazu vor Wut zu explodieren.
Alle hatten verschiedene Bewältigungsstrategien.
Neville Longbottom und Susan Bones rauchten so viel Boomslang im Dachboden, dass sie noch danach rochen, nachdem sie einen Rauch Verschwindungs- und Frischezauber angewandt haben.
Hannah Abbott kaute ihre Nägel, bis sie bluteten.
Charlie hatte einen Flachmann, bei dem Hermine vermutete, dass er einen unaufspürbaren Vergrößerungszauber hatte, gegeben der Umstände, dass sein Gift der Wahl niemals auszugehen schien.
Harry rauchte Zigaretten und fand immer Mal wieder seinen Weg in illegale Muggel- Kämpfe.
Hermine zögerte im Flur und blickte Lavender für einen kurzen Moment lang nach, bevor sie hinüber lief und leise and er Schlafzimmer Tür klopfte.
„Es ist offen."
Hermine spitzelte nach drinnen und sah wie Ron sich ein Shirt über den Kopf zog.
„Alles klar?", fragte er und schaute zu ihr rüber.
„Ja.", sagte sie verlegen. „Ich habe mich nur – gefragt, ob du mir erzählen kannst was passiert ist, als das Lestrange Anwesen abgebrannt ist. Ich untersuche gerade ein paar Sprüche. Es war Dämonsfeuer, oder?"
Ron schenkte ihr einen eigenartigen Blick.
„Das ist schon eine Weile her. Aber ja, nachdem Harry und ich von den Sucher aufgegriffen wurden. Ich hab ihn mit einem Brandzauber im Gesicht erwischt, damit sie ihn nicht gleich erkennen würden. Sie haben uns zu Bellatrix gebracht und ihre Schwester war auch da. Sie haben nach Malfoy schicken lassen, um Harry zu identifizieren, bevor sie Voldemort rufen wollten. Aber bevor er angekommen ist, hat Luna es zurück zum Orden geschafft und sie, Moody, Tonks und Charlie sind auf einem Drachen aufgetaucht und direkt durch das verdammte Fenster gekracht."
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und Hermine stellte erschrocken fest, dass es von grauen Strähnen durchzogen war.
„Wie auch immer, danach ging alles ganz schnell. Zaubersprüche flogen umher und, ich glaube es war Crabbe, versuchte uns mit Dämonsfeuer zu verfluchen und hat die Kontrolle verloren. Er ist schon immer ein Idiot gewesen. Es hat das ganze Haus innerhalb weniger Minuten niedergebrannt. Wir wären vermutlich alle getötet worden, wenn da nicht Charlies Drache gewesen wäre. Aber – wir haben es nicht mehr geschafft Luna zu erreichen. Sie war zu weit weg... eine der Feuerzungen hat sie verschlungen." Als er sprach schien Rons Ausdruck immer weiter in die Ferne zu wandern und er schien gequält.
„Und so sind auch Bellatrix und Narcissa gestorben?", sagte Hermine, ihre Stimme klang beiläufig.
„Ja. Sie hätten wahrscheinlich vom Anwesen wegapparieren können, wenn sie es rechtzeitig bemerkt hätten. Aber Crabbe stand direkt hinter ihnen als er gezaubert hat. Es hat sie als erstes getroffen, deshalb hat er wahrscheinlich auch die Kontrolle verloren. Ist vermutlich panisch geworden, als ihm bewusste geworden ist wie viel Scheiße er gebaut hatte, indem er Bellatrix umgebracht hat."
„Vermutlich.", sagte Hermine und nickte.
„Dämonsfeuer ist kein Witz Hermine." Ron schaute sie mit ernster Miene an. „Ich weiß das immerzu davon redest, dass du willst, dass der Orden anfängt gefährlichere Zauber zu verwenden, aber nur weil es keine dunkle Magie ist, macht es sie noch lange nicht harmloser. Wenn du versuchen willst Dämonsfeuer auf dem Schlachtfeld einzusetzen, werde ich der erste sein, der das verhindern wird."
Hermine presste ihre Lippen zusammen und umfasste den Türknauf so fest, dass er leicht rüttelte. Sie lockerte schnell ihren Griff.
„Ich bin kein Idiot, Ronald. Ich brauche nur Aschwinderin Eier zum Tränke brauen und ich versuche herauszufinden, welches der beste Feuer Zauber dafür sein wird." Es war eine lächerliche Lüge, aber es ist Jahre her, seit Ron das letzte Mal einen Trank gebraut hat.
„Oh. Nun – vermutlich nicht Dämonsfeuer."
Sie nickte knapp mit Zustimmung.
„Nun, ich muss dann wohl ein paar Forschungen betreiben.", sagte sie und zog sich aus dem Schlafzimmer zurück.
Als sie die Zimmertür zu ihrem Schlafzimmer aufstieß, wichen Harry und Ginny auseinander und schauten schuldig weg.
„Sorry.", entschuldigte sich Hermine. „Unterbreche ich gerade etwas?"
„Nein.", sagte Harry schnell. „Ich habe Ginny nur gerade über mehr Details ihrer Mission mit Dean gefragt, von der sie gerade zurück gekommen ist."
Er ging schnell aus dem Zimmer.
Hermine beäugte Ginny. „Details deiner Mission?"
Ginny wurde rot. „Wir haben nur geredet. Er will immer noch – nicht. Er kommt nur – manchmal zum Reden."
Harry und Ginny tänzelten schon seit Jahren umher. Ihr Interesse war offensichtlich, aber Harry weigerte sich eine Beziehung einzugehen. Er sagt es war zu gefährlich. Das es Ginny eine Zielscheibe auf den Rücken malen würde.
Aber jedes Mal, wenn Ginny jemand anderen gedatet hatte, ist Harrys Tendenz sich ins Muggel London zu schleichen höher geworden und er kam mit ausgeschlagenen Zähnen, gebrochenen Nasen, aufgeplatzten Knöcheln, sowie gebrochenen Augenhöhlen und Rippen wieder zurück.
Ginny hat schon seit über einem Jahr niemanden mehr gedatet. Wie ein schwarzes Loch schien ihre Erreichbarkeit ihn mit sich zu ziehen. Es schien, als ob er sich nicht von ihr fernhalten konnte, aber er konnte sich dennoch nicht dazu bringen sein Interesse zuzulassen.
„Immerhin redet er mit dir.", sagte Hermine, ein Hauch Verbitterung schwang in dem Satz mit.
Hermine und Harry hatten sich – auseinander gelebt. Ihr pochen darauf, dunkle Magie zu verwenden, wurde von ihm als ein Fehlen von Glaube an ihn und Dumbledore wahrgenommen. Vielleicht sogar als Betrug, obwohl weder Harry noch Ron tatsächlich diese Wort benutzten würden. Jedes Mal, wenn sie etwas über das Thema dunkle Magie sagte, redete er mehrere Tage nicht mehr mit ihr.
Sie schob den Gedanken beiseite. Sie konnte nicht darüber nachdenke. Sie hatte so schon mehr wie genug über das sie sich den Kopf zerbrechen musste.
