März 2002
Hermine hing, in jeder freien Minute, die sie finden konnte, über den Büchern. Sie verwandelte sie so, dass es aussah, als ob es Texte über Arithmantik Runen und Heilkunde waren und niemand wunderte sich, wenn sie durch diese, während sie am Brauen war, in ruhiger Momenten auf der Krankenstation oder während dem Essen, hindurch blätterte.
Sie war sich nicht sicher, ob ihr die Informationen tatsächlich helfen würden, aber sie hatte keine andere Ideen, wie sie sich sonst vorbereiten sollte. Bücher waren die einzigen Quellen, die sie hatte. Also las sie und machte sich Gedanken und Sorgen und sie bemerkte, wie sie abwehrend Leute anschnauzte.
„Es tut mir leid Fred.", sagte sie kleinlaut, als er vorbeikam, um George zu besuchen. Er hatte versucht ihre Stimmung aufzuheitern, indem er vorgeschlagen hatte eine unartige Krankenschwestern Routine an den Tag zu legen, während sie sich um seinen Bruder kümmerte. Hermine, die dieses Thema gerade etwas sensibel fand, ist ausgerastet und hätte ihm fast eine gescheuert.
Sie schaute weg. „Es ist nur – Ich hab in letzter Zeit nicht besonders viel geschlafen."
Es war eine erbärmliche Entschuldigung.
Niemand schlief noch sehr viel und das schon seit langem nicht mehr.
Egal in welchem Sicherheitshaus, es gab immer ein paar Leute die wach waren, egal zu welcher Stunde; die Karten spielten, rauchten und irgendetwas taten, um die langen nächtlichen Stunden tot zu schlagen.
Harry war fast immer einer der Leute, die an Schlaflosigkeit litten. Er schien mit einer ungesunden Menge an Schlaf zu überleben. Er war sich nicht einmal mehr sicher, ob die Albträume von Voldemort kamen oder einfach nur von seinem eigenen Stress und seinen Schuldgefühlen. Wenn er anfing in Wände zu laufen und dazustehen und ausdruckslos in die Ferne zu starren, dann schleppte Hermine ihn auf die Krankenstation und dosierte ihm den Schlaftrunk für traumlosen Schlaf.
Hermine hatte ihre eigenen Albträume, meistens handelten sie davon, dass Harry und Ron starben, während sie es nicht schaffte sie zu retten.
Die Gesichter der Toten verfolgten sie.
All die Leute, bei denen sie nicht schnell genug gewesen ist; nicht schlau genug gewesen ist; nicht erfahren genug gewesen ist, um sie zu retten.
Colin Creevey tauchte oft in ihren Träumen auf.
Colin ist die erste Person gewesen, die unter Hermines Aufsicht gestorben ist. Es war kurz nachdem Voldemort die Kontrolle über das Ministerium übernommen hatte, bevor der Orden dazu gezwungen war Hogwarts aufzugeben. Madam Pomfrey ist los gegangen, um neue Tränke zu kaufen, als Colin rein gebracht wurde. Harry ist auch dort gewesen, hat Hermine Gesellschaft geleistet an einem ruhigen Nachmittag.
Colin ist von einem Häutungsfluch getroffen worden. Es gab keinen Gegenzauber dafür.
Hermine konnte Colin nicht betäuben.
Der Fluch zwang ihn dazu bei Bewusstsein zu bleiben. Stupor. Traumloser Schlaf. Nicht einmal der Trank der lebenden Toten. Nichts davon funktionierte. Der Fluch zog sich durch ihn durch und hielt ihn bei Bewusstsein. Hermine versuchte alles, dass ihr in den Sinn kam, um den Fluch umzukehren. Ihn zu verlangsamen. Ihn hinauszuzögern. Die Haut wurde immer weiter weggeschnitten. Collin hörte nicht das Schreien auf. Wenn sie die Haut an einer Stelle wieder herstellte, wurde sie wieder abgezogen. Wenn sie die Haut nicht wieder herstellte, dann wanderte der Fluch tiefer. In die Muskeln und das Gewebe.
Der Fluch hörte nicht auf, bis er seine Knochen erreicht hatte.
Colin Creevey starb umgeben von einem Haufen aus hauchdünnen Scheiben seines Fleisches und einer Pfütze aus Blut, während Hermine schluchzte und alles versuchte das ihr in den Sinn kam, um ihn zu retten.
Er ist ein perfektes Skelett gewesen, als Madam Pomfrey wieder zurück gekommen ist.
Hermine hat sich nie davon erholt.
Sie rauchte nicht, sie trank nicht, sie fing keine Kämpfe an, sie hatte keinen Gelegenheitssex. Sie arbeitete einfach härter und länger. Sie hatte keine Zeit zu trauern oder zu bereuen. Es gab immer einen neuen Körper, der zu ihr gebracht wurde und sie hatte keine Zeit dazu ihre Fähigkeiten anzuzweifeln.
Sie schlief, wenn sie zu erschöpft zum Träumen war.
Sie starrte zu Fred nach oben. „Es ist einfach ein beschissener Tag."
Er schenkte ihr ein knappes Lächeln. „Ist schon gut, Mione, du hast genauso das Recht darauf solche Tage zu haben, wie jeder anderen von uns. Um ehrlich zu sein, kann ich beim besten Willen nicht verstehen, wie du das hier immer weiter machen kannst."
Hermine drehte sich um und schaute über die Krankenstation und fühlte sich hoffnungslos.
„Wenn ich es nicht tue – wer würde es dann tun?"
Der Orden war darauf angewiesen, dass sie hier war.
Sie wollte sich nicht einfach nur wichtigmachen. Es war einfach nur ein Fakt. An diesem Punkt im Krieg, war Hermine besser darauf spezialisiert dunkle Magie und Flüche zu heilen, wie jeder andere in fast ganz groß Britannien.
Als Voldemort die Macht über das Zaubereiministerium übernommen hat, ist der Orden dazu gezwungen gewesen sich von St Mungos fern zu halten. Jeder Widerstandskämpfer, der ins Krankenhaus geschickt wurde, wurde sofort wegen terroristischen Aktivitäten festgenommen und verschwanden dann in einem von Voldemorts Gefängnissen.
Die Übernahme des Ministeriums ist sorgfältig geplant gewesen. Das erste Gesetzt, dass in Kraft trat war der Muggel-Erfassungs-Akt. Voldemort verstand, welche ausschlaggebende Rolle die Heilkunst während eines Krieges spielte und so ist das St Mungos der erste Ort gewesen, der unter dem neuen Gesetzt gesäubert wurde. Alle Muggel-Geborenen und Halbblüter Heiler sind sofort festgenommen worden und ihre Zauberstäbe sind zerbrochen worden, bevor sie zum Orden flüchten konnten.
Poppy Pomfrey war plötzlich die erfahrenste Heilerin des Widerstandes. Hermine ist von ihr ausgebildet worden und hat exzessive studiert, seit Dumbledore gestorben war. Als Europäische Heiler, die mit dem Widerstand sympathisierten, heimlich Kontakt aufgenommen haben, um Training anzubieten ist Hermine die einzige Person mit genug Heilkundewissen gewesen, die sich dafür qualifiziert hat und die der Orden entbehren konnte.
Sie hat jeden zurück gelassen. Hat sich verabschiedet und wurde durch Europa von Krankenhaus zu Krankenhaus geschmuggelt, um so viel fortgeschrittene Heilungsmagie zu lernen, wie sie konnte. Sie kam nach fast zwei Jahren wieder zurück, nachdem das Krankenhaus des Ordens, während einer Schlacht zerstört wurde und alle Heiler, die sie rekrutiert hatten, zusammen mit Horace Slughorn getötet wurden. Severus hat Hermine in Zaubertränke unterrichtet, bis sie weg musste und sie hat ihre Forschungen, während ihres Trainings in Europa, weiter verfolgt, da es mit der Heilkunde verbunden war. Als sie zurück kam, war Hermine beides, eine komplett ausgebildete Notfall Heilerin und eine medizinische Zaubertrank Meisterin. Ihr Fachgebiet war es, Flüche zu dekonstruieren, um Gegenzauber zu entwickeln.
Den ersten Gegenzauber, den sie entwickelte war für den Häutungsfluch.
Durch Voldemorts Fluch-Entwicklungsabteilung, die ständig neue experimentelle Zauber in jeder Schlacht hervorbrachte, wurden ihre Fähigkeiten dringend benötigt.
Hermine unterrichtete so viele Widerstands Mitglieder, wie unterrichtet werden wollten. Leider war Heilkunde eine sehr genaue und hoch raffinierte Kunst. Man benötigte enorme Aufmerksamkeit und Hingabe, um erfolgreich zu sein. Der Orden versucht mindestens eine Person mit Feld-Heilungsfähigkeiten in jeden Angriff mit unterzubringen, damit sie die Kämpfer lange genug am Leben hielten, um sie in die Krankenabteilung zu bringen. Aber wegen dem häufigen Aufkommen, sie in Schlachten zu schicken, waren die Feld Heiler überarbeitet und hatten die höchste Sterberate im Orden.
Die meisten Kämpfer bevorzugten es ihre freie Zeit damit zu verbringen, noch mehr Verteidigungsmagie zu üben, anstatt zu glauben, dass sie irgendetwas über grundlegende erste Hilfe Heilkunst wissen sollten. Der sture Optimismus, den sie an den Tag legten, ließ Hermine vor Frustration erschaudern, wenn sie sich selbst erlaubte, sich Gedanken darüber zu machen.
Der Orden hatte schlicht und ergreifend nicht genügend Leute, um sie richtig nutzen können. Die Fehler der Führerschaft sickerten nach unten und beeinflussten den gesamten Widerstand.
Sie sind nicht auf den Krieg vorbereitet gewesen. Dumbledores Tod hat ihnen den Boden unter den Füßen weggerissen und seitdem haben sie Probleme zu überleben.
Es war Malfoys Werk.
Sein Mord an Dumbledore hat sie verstümmelt. Sie verdammt.
Jetzt versuchte er wie ein Retter dazustehen, gewillt dazu die Wunde zu heilen, die er verursacht hat.
Hermine hasste ihn. Mehr als sie sonst irgendjemanden hasste außer Voldemort. Antonin Dolohov, der Kopf der Fluch-Entwicklungsabteilung, kam knapp auf den dritten Platz.
Malfoy hat den Krieg angefangen, hat all den Schmerz verursacht und jetzt musst sie all ihren Groll hinunterschlucken und –
– es freiwillig machen.
Die Furcht ihrer ursprünglichen Unterhaltung mit Moody, verschlang sie jetzt schon.
Sie wusste nicht, wie sie aufhören konnte Malfoy zu hassen. Sie glaubte nicht, dass sie als Schauspielerin gut genug war, um so zu tun, als ob sie aufgehört hatte ihn zu hassen. Der Gedanke daran im selben Zimmer mit ihm zu sein, ohne ihn zu verfluchen – ihn für all das zu bestrafen, für das er verantwortlich war – sie war sich nicht sicher, ob sie sie Selbstkontrolle dafür hatte.
Hermine knirschte mit den Zähnen und presste ihre Stirn gegen ein Fensterscheibe, während sie versuchte nachzudenken, sich selbst zu durchatmen zwang und sich davon abhielt irgendetwas kaputt zu machen oder das Weinen anzufangen.
Sie konnte nicht zusammenbrechen. Sie musste es aufteilen. Sie musste all ihren Hass auf Malfoy in eine Box zwingen und irgendwo verstauen, wo er nicht raus sickern konnte und all ihre Interaktionen mit ihm verderben konnte. Sie würde nicht klar denken können, wenn sie dauerhaft alles mit Rage sehen würde.
Sie musste einen weiteren Blickwinkel einnehmen.
Ihn als Spion zu benutzen war wichtiger als eine kurzzeitige Befriedigung ihres Hasses auf ihn.
Sie brauchten ihn.
Dennoch wollte ein Teil von ihr ihn leiden sehen. Sie konnte sich nicht davon abhalten zu hoffen, dass wenn sie erst einmal das von ihm hatten, was sie brauchten, dass sie ihn dafür bezahlen lassen konnte.
Aber – wenn sie den Krieg gewinnen würden, dann war der Sieg ihm zu verdanken. Hermine hatte zugestimmt der Preis dafür zu sein. So sehr sie ihn auch verabscheute, wenn er sie alle retten würde, wusste sie, dass sie sich verpflichtet fühlen würde ihren Teil des Abkommens einzuhalten.
Egal was er mit ihr vor hatte.
Ihr wurde auf einmal schlecht. Sie zitterte und ihr war gleichzeitig heiß und kalt.
Sie zog ihre Stirn vom Glas zurück.
Ihr Atem hatte einen Kondensationskreis auf dem Fenster kreiert.
Nach einem kurzen Moment setzte sie eine Fingerspitze aufs Glas und zeichnete die Rune Thuriaz: für Abwehr, Selbstprüfung und Focus. Daneben zeichnete sie ihr Gegenteil, Merkstave: für Gefahr, Wehrlosigkeit, Böswilligkeit, Hass und Gehässigkeit.
Sie selbst.
Und Malfoy.
Sie Beobachtete wie die Runen langsam auf der Scheibe verblassten, als die Kondensation wieder in die Luft verdunstete.
Sie drehte zu ihren Büchern zurück.
Moody suchte sie an diesem Abend auf. „Wir haben eine Zeit und einen Ort."
„Wo?"
„Im Forest of Dean. Freitag. Acht Uhr abends. Ich werde es ausspähen und dich das erste Mal zu der Adresse apparieren."
Hermine nickte, sie erwiderte Moodys Blick. Es gab einen verbitterten Teil in ihr, der wollte, dass er sich an diesen Moment erinnerte. Dass es sich in seiner Erinnerung festsetzte, wie sie davor ausgesehen hat.
Er schien zu zögern, sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Du musst sein Interesse so lange wie du es schaffst aufrecht erhalten."
Hermines Mund verzog sich aber sie nickte.
„Dem bin ich mit bewusst.", sagte sie, sie fuhr mit der Fingerspitze den Rand ihres Buches entlang, bis sie spürte, wie die scharfen Kanten des Buches fast in ihre Haut schnitten. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich es schaffe, aber ich werde mein Bestes geben. Gibt es die Möglichkeit vor Freitag noch mit Severus zu sprechen? Ich habe ein paar Fragen für ihn."
„Ich werde etwas arrangieren.", sagte Moody. Dann drehte er sich um und ging weg.
Freitag.
In zwei Tagen.
So wenig Zeit sich vorzubereiten.
Aber so viel Zeit, um Angst zu haben.
Sie hat seit der ersten Unterhaltung mit Moody nicht mehr gegessen. Sie konnte sich selbst nicht dazu überwinden. Immer wenn sie versuchte einen Bissen zu nehmen, zog sich ihre Kehle zusammen. Sie lebte momentan nur von Tee.
Hermine schloss ihre Augen und zwang sich dazu gleichmäßig zu atmen.
Sie schloss das Buch, das sie in der Hand hielt und konzentrierte sich auf ihre Okklumentik.
Laut Severus hatte sie ein Talent dafür.
Sie ging durch ihre eigenen Erinnerungen und Gedanken, sortierte und organisierte sie. Sie verstärkte die Mauern um wichtige Ordens Treffen. Um die Horkruxe. Dann schob sie all die Erinnerungen weg, an die sie versuchte nicht zu denken.
Es gab so viele Erinnerungen an Leute, die starben.
Sie schob sie nach ganz hinten in ihrem Kopf und versuchte sie zusammen zu quetschen, sodass sie die sterbenden Schreie, mit denen sie gefüllt waren nicht mehr hören konnte.
Sie filterte ihren Hass auf Malfoy heraus und stopfte ihn vorsichtig in eine Ecke, wo er sie nicht mehr ablenken oder sie übermannen konnte.
Okklumentik durchzuführen wars das Einzige was sie tun konnte, was mentalem Frieden am nächsten kam.
Es war ein Teil davon, was sie eine so talentierte Heilerin sein ließ. Sie konnte ihre Sympathie und Empathie wegsperren und sich einfach auf den Vorgang und das Prozedere des Heilens konzentrieren.
Es schien eine verbreitete Eigenschaft unter Heilern zu sein.
Eines Tages, wenn der Krieg vorbei war, konnte Hermine vielleicht eine Studie dazu machen, die Zahl der Okklumenten im Feld der Heilkunst.
Sie vermutete, dass die meisten Trauma Heiler, zu mindestens einen gewisse, unbewusste Neigung dafür haben mussten. Okklumentik wurde so selten unterrichtet, dass die meisten es vermutlich nicht einmal merkten, wenn sie sie benutzten. Hermine hatte es nicht bemerkt.
Für eine lange Zeit hat sie einfach nur gedacht das sie kalt war. Als die Jahres des Krieges vorbeigezogen sind, wurden ihre Tendenzen ihre Emotionen abzuschalten immer stärker und einfach rational zu sein stellte einen großen Kontrast zu Rons und Harrys emotionalem Antrieb dar.
Die wahr nicht gefühlslos – sie konnte Dinge spüren. Aber ihre Emotionen waren ergänzend. Sie trafen keine Entscheidungen für sie.
Es war immer der Verstand zuerst, das Herz folgte.
Es hat angefangen, nachdem Colin gestorben ist. Sie konnte nicht wie Harry sein. Sein Tod wurde zu einem ausschlaggebendem Punkt für sie beide.
Nachdem Harry Hermine dabei beobachtet hatte, wie sie versucht hatte Colin zu retten, ist er absolut von dem puren Bösen von dunkler Magie überzeugt gewesen. Er wird davon angetrieben, dass das was er fühlte, dass das Richtige ist; wie er glaubte, dass die Dinge sein sollten.
Bei Hermine hatte es das Gegenteil bewirkt. Sie bemerkte den unnachahmlichen Vorteil, den die Todesser über den Orden hatten. Es hat ihr die Augen geöffnet, für den Preis des Scheiterns. Sie ist davon überzeugt, dass fast alles gemacht werden sollte, um Voldemort zu stoppen. Die Kosten, um an idyllischen Moralen festzuhalten und zu verlieren, waren zu hoch. Es war einfach die logische Schlussfolgerung. Je länger der Krieg anhielt, desto mehr gute und unschuldige Menschen würden leiden und sterben.
Die unterschiedlichen Schlussfolgerungen kreierten eine Spaltung wischen ihr selbst und Harry.
Dunkle Magie war schuld daran, dass er seiner Eltern, Sirius, Dumbledore, Colin beraubt wurde... Sie sind ihm alle geraubt worden durch die Dunklen Künste. Das Hermine gleiches mit gleichem bekämpfen wollte, war für Harry undenkbar.
Harry war entschlossen: sie würden keine Mörder werden. Der Orden würde nicht so sein. Liebe hatte den Todesfluch schon zuvor besiegt. Sie würde auch Voldemort besiegen.
Die zynischen und pragmatischen Mitglieder des Ordens wurden einfach von allen anderen mundtot gemacht. Selbst als der Krieg schlimmer wurde, die Überzeugung wurde nur tiefer verwurzelt mit jedem neuen verlorenen Leben.
Die die an das Licht glaubten, konnten ihre Ansichten nicht aufgeben, denn das würde bedeuten, dass jeder Tod umsonst gewesen wäre. Dass sie Leute darum gebeten hatten, für ein Ideal zu sterben, das letztendlich gescheitert ist.
Anstatt der bittere Wahrheit ins Gesicht zu schauen, wurden sie immer mehr und mehr überzeugt davon, dass die Opfer und Verluste so gewaltig wurden, dass sie es wert sein mussten. Dass das Gleichgewicht der Waagen zwischen Gut und Böse bald auf ihre Seite kippen würde, einfach – weil es das musste.
Es bracht Hermine so weit, dass sie Ordens Treffen verlies und sie vor Frustration fast das Weinen anfing. Sie hat sogar darauf zurück gegriffen eine Prästation zu erstellen, um die Denkfehler bei versunkenen Kosten, irrationale Steigerung von Einsatz und die Rechtfertigungs-Theorie zu erklären. Als sie versucht hatte Muggel Psychologie zu erklären, wurde es abgetan und als sie versucht hatte weiter zu machen, wurde sie behandelt, als ob sie eine Art feiges Monster wäre; das versucht Psychologie zu benutzen, um Mord zu rechtfertigen.
Sie hat einmal dreizehn Stunden auf der Krankenstation verbracht, um akribisch Professor Flitwickts Lungen zu rekonstruieren. Als sie direkt danach in ein Ordens Treffen gerufen wurde, ging sie erschöpft hin und thematisierte das Problem der dunklen Magie mit erneuerter Rage. Sie wurde wütend von einem genauso wütendem und erschöpftem Ron informiert, dass sie sich wie eine Bitch verhielt und dass sie den Sinn des Ordens nicht zu verstehen schien.
Mehrere andere Mitglieder des Ordens nickten zustimmend. Harry hatte zwar nicht genickt, er weigerte sich aber sie anzuschauen und er klopfte Ron auf die Schulter, als er das Treffen verließ.
Sie hatte danach geweint.
Severus hat sie in der Abstellkammer gefunden, als sie einen emotionalen Zusammenbruch hatte. Nachdem er für mehrere Minuten dazwischen geschwankt ist sie nur leicht und die anderen Mitglieder des Ordens auf grobe Weise zu beleidigen, hat er es geschafft, dass sie sich wieder gefasst hat.
Sie fühlte sich geschmeichelt durch die Art der Zurückhaltung.
Das nächste Mal, als er an einem Ordens Treffen teilnahm, hat er ihr ein Buch über Okklumentik gegeben. Er hat keine Zeit gehabt sie zu unterrichten, aber Hermine hat auch keinen Unterricht gebraucht. Allein durch das Lesen der Konzepte, konnte sie die Techniken verinnerlichen.
Severus hat ihr dann später gesagt, dass er das schon vermutet hatte. Sie war eine natürliche Okklumentin. Es war ein Grund dafür, dass sie so eine talentierte Heilerin und Zaubertrank Meisterin war. Sie besaß die Fähigkeit, ihre Gedanken komplett in einzelne Teile aufzuspalten, wenn es sein musste.
Nach fünf Jahren Krieg hatte Hermine das Gefühl, dass ihr gesamtes Leben allmählich in verschiedene kleine Boxen aufgeteilt war. Ihr ewig frustrierende Beziehung mit Ron und Harry lag sorgfältig in einer Ecke vergraben, wo sie es nicht fühlen konnte. Das meiste ihrer Freundschaft fühlte sich so an, als ob es weggepackt wäre. Im Zentrum ihrer selbst, war ein riesiger Raum, den die Freundschaft mit Ron und Harry so lange ausgefüllt hatte, jetzt war da nur noch eine Grube, die sie pflichtbewusst mit Arbeit vollstopfte.
Nach ein paar Minuten öffnete sie wieder ihre Augen und fing wieder das Lesen an. Sie hatte nur noch zwei Tage Zeit, um sich vorzubereiten.
Minerva McGonagall kam unerwartet am nächsten Nachmittag im Grimmauld Platz an, als Hermines Krankenhaus Schicht endete. Die ehemalige Schulleiterin von Hogwarts verließ Schottland nur sehr selten. Nachdem Hogwarts verlassen wurde, hatte McGonagall die Vormundschaft für all die minderjährigen Hexen und Zauberer übernommen, die zu Weisen geworden sind oder deren Eltern im Krieg kämpften. Sie ist zum Anwesen ihres Vaters nach Caithness zurückgekehrt und nachdem sie Erweiterungszauber bis zu einem unmöglichen Ausmaß ausgenutzt hatte, war das Haus groß genug, um über hundert Kinder unterzubringen.
Sie betrachtete jeden ohne Eltern als ihren Schützling. Mit Hermines Eltern obliviiert und versteckt in Australien, bedeutete das, dass Minerva auch Hermine als einen davon ansah.
Sie gingen, um Tee in Muggel London zu trinken.
Als sie sich hingesetzt hatten, starrte sie Hermine, ohne etwas zu sagen für eine lange Zeit an.
„Ich hatte gehofft, du würdest ablehnen.", sagte Minerva endlich.
„Hast du wirklich gedacht das ich das tun werde?", fragte Hermine, ihre Stimme war ruhig, als sie sich Tee einschenkte.
„Nein., sagte Minerva steif. „Meine Hoffnungen und Annahmen sind zwei unterschiedliche Dinge schon seit längerem. Deshalb habe ich auch gesagt, dass es skrupellos ist."
„Der Orden braucht es."
Es herrschte Stille, als die zwei Frauen sich gegenseitig beobachteten. Die Anspannung zwischen ihnen vibrierte; wie das Kreischen eines Geigenbogens, der rücksichtslos über die Seiten gezogen wurde. Schneidend. Ächzend. Der bis ins Mark ging.
Nach einer Minute fing Minerva wieder das Sprechen an.
„Du ... bist eine der außergewöhnlichsten Schülerinnen gewesen, wo ich jemals das Privileg haben durfte, sie zu unterrichten. Deine Unnachgiebigkeit in Hochwarts ist immer etwas gewesen, das ich bewundert habe –"
Minerva machte eine Pause.
„Aber –?", presste Hermine hervor, sie wappnete sich selbst für die scharfe Kritik, die am anderen Ende des Kompliments wartete.
„Aber –", Minerva setzte ihre Teetasse wieder auf der Untertasse mit einem Klick Geräusch ab, „die Art wie du diese Tendenz mit in den Krieg getragen hast, besorgt mich. Ich frage mich manchmal wo für dich die Grenze ist. Wenn du überhaupt eine hast."
Irgendwann einmal – hätte so eine Zurechtweisung Hermine erröten lassen und sie hätte sich selbst in Frage gestellt. Aber jetzt blinzelte sie nicht einmal.
„Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Maßnahmen.", sagte sie. „Für extreme Erkrankungen braucht man extreme Wege der Heilung, die hinsichtlich der Einschränkungen am besten geeignet sind."
Minervas Gesichtsausdruck spannte sich an, ihre Lippen pressten sich zu einer Linie zusammen.
„Und was ist mit ‚Erstens, richte keinen Schaden an'? Oder denkst du das der Eid nicht für dich gilt, wenn du dir selbst Schaden zufügst?"
„Hippokrates hat das nie gesagt.", Hermine nippte an ihrem Tee mit mehr Gleichgültigkeit, als sie verspürte. „Primum non noctere. Es wurde im siebzehnten Jahrhundert auf Münzen geprägt. Man kann es am Latein erkennen. Außerdem – ich mache das nicht als Heilerin."
„Das Moody dich das überhaupt gefragt hat, macht ihn so verdorben, wie der Verstand, der sich das ganze ausgedacht hat." Minervas schottischer Akzent wurde deutlicher, durch die Emotionen, die in ihrer Stimme mitschwangen. „Ich habe gedacht es würde Grenzen geben. Wann wird der Preis des Sieges zu hoch? Das ist ein Krieg, der sowieso schon mit dem Blut von Kindern bezahlt wird. Verkaufen wir sie jetzt auch noch?"
Hermine seufzte. „Ich bin kein Kind mehr, Minerva. Das ist eine Entscheidung, die ich treffe. Niemand zwingt mich dazu."
„Jeder der dich kennt, weiß das du zustimmen würdest. Draco Malfoy wusste es ohne Zweifel, als seine Wahl auf dich fiel. Denkst du wirklich, dass es für jemanden von deiner Natur jemals eine Wahl gab?"
„Genauso viel wie ich es hatte, als ich eine Heilerin geworden bin oder mit allem andern was ich jemals getan habe." Hermine fühlte sich plötzlich erschöpft. „Harte Entscheidungen zu treffen – irgendjemand muss es machen. Irgendjemand muss leiden. Ich bin gewillt diejenige zu sein. Ich kann es ertragen. Warum sollte ich versuchen es jemanden aufzuzwingen, der es nicht kann?"
„Du bist so sehr wie Alastor.", sagte Minerva mit einem verbitterten Unterton. Es schien, als ob sie Tränen in den Augen hatte. „Als er mir davon erzählt hat, habe ich nein gesagt. Ich sagte, niemals. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden können, denn wenn wir nach diese Dingen fragen, sind wir kein Stück besser. Und dann hat er mir gesagt, dass er mir dies nicht erzählte, um sich mit ihr zu beraten. Die Entscheidung ist schon getroffen worden, von ihm und Kingsley. Er erzählte es mir einfach nur, damit es jemand wusste, der sich um dich sorgte – für den Fall, das Draco Malfoy dir etwas antun könnte –"
Minervas Stimme brach plötzlich ab.
Hermine fühlte sich überwältigt von einer Woge der Zuneigung, aber sie zwang sich dazu nicht zu reagieren. Nicht einzuknicken.
„Er hat Albus umgebracht.", sagte Minerva nach einem Moment, ihre Stimme zittere vor Gefühlen.
„Ich weiß. Ich habe es nicht vergessen."
„Er ist damals kaum sechzehn Jahre alt gewesen. Er hat einen der mächtigsten Zauberer unserer Zeit kaltherzig, in einem Flur voller Erstklässler, umgebracht. Sogar Tom Riddle war älter als er, das Töten angefangen hat und er hat mit einem Schulmädchen angefangen, im Geheimen, in einem Badezimmer. Was für eine Art Mensch glaubst du, dass Draco Malfoy jetzt ist? Sechs Jahre später."
„Er ist unsere beste Chance, den Krieg noch herum zu reißen. Wir brauchen diese Chance, Minerva. Du siehst die Weisenkinder, aber ich sehe die Leichen. Wir können es uns nicht leisten, irgendwelche Möglichkeiten verstreichen zu lassen. Ich werde nichts ablehnen, was dem Orden auch nur ein Bruchteil mehr Chancen verschaffen kann den Krieg zu gewinnen. Kein einziger Mensch ist mehr wert als der ganze Krieg."
„Du würdest alles dafür tun, um den Krieg zu beenden."
„Das würde ich."
„James Potters hat früher immer gesagt, dass der Krieg die Hölle ist. Ich habe ihm immer zugestimmt. Aber jetzt – ich glaube das er falsch lag. Krieg ist viel schlimmer als die Hölle. Du bist kein Sünder; das ist kein Schicksal, das du verdienst. Und dennoch scheinst du so versessen darauf zu sein dich selbst zu verdammen, wenn es bedeutet, dass wir den Krieg gewinnen können."
„Krieg ist Krieg. Hölle ist Hölle. Und von den beiden ist der Krieg um einiges schlimmer.", zitierte Hermine und lächelte traurig. „Mein Vater hat das immer gesagt. Es ist aus einer Muggel Fernsehserie."
Hermine zögerte für einen kurzen Moment, bevor sie hinzufügte. „Du hast recht. Ich bin gewillt alles zu tun, um diesen Krieg zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob ich das Richtige tue. Ich bin mir sicher, dass die meisten Leute sagen werden, dass ich es nicht tue. Ich weiß das es für mich kein zurück, von dem Ganzen gibt – zu mindestens nicht was Harry und Ron betrifft, selbst wenn es uns am Ende einen Sieg verschafft. Aber – sie zu retten ist es mir wert. Ich hab mich schon immer darauf vorbereitet den Preis zu bezahlen, den es kostet, um so weit zu gehen, wie ich gewillt bin zu gehen. Ich hab die Konsequenzen nie ausgeblendet."
Minerva antwortete nicht. Sie nippte an ihrem Tee und schaute Hermine an, als ob sie erwartete sie nie wieder zu sehen.
Hermine erwiderte ihren Blick und fragte sich, ob sie damit wohl recht hatte.
