Rückblick 6
April 2002
Draco schaute sie mit schneidendem Blick an, etwas, das sie nicht einordnen konnte, flackerte in seinem Blick auf.
„Passt schon.", sagte er mit angespannter Stimme. „Als ich gesagt habe, dass ich will das du es freiwillig tust, war darin auch inbegriffen, dass du nein sagen kannst. Auch wenn du es das nächste Mal vielleicht einfach sagen solltest, anstatt mich mit Absicht zu provozieren."
Hermine starrte ihn geschockt an.
Er ballte seine Hand zu einer Faust und drückte sie gegen seine Stirn, als ob er Kopfweh hatte.
„Willst du mit Okklumentik weiter machen?", fragte er.
Hermine verlagerte ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen, aber antwortete nicht. Das hatte sie nicht erwartet. Die Unterhaltung hatte nicht – sie hätte nicht –
Was meinte er?
War es vielleicht eine List, um sie unvorbereitet zu erwischen?
Wenn es ihr erlaubt war nein zu sagen, dann hatte er sich bis jetzt offensichtlich nicht die Mühe gemacht, ihr das mitzuteilen. Um ehrlich zu sein hat er sogar sehr deutlich das Gegenteil angedeutet. Obwohl – er hat nicht wirklich viel getan, was nicht hauptsächlich dazu gedient hat sie zu provozieren.
So –
Sie beäugte ihn misstrauisch.
Etwas, dass sie zu ihm an diesem Abend gesagte hatte, hatte unabsichtlich einen Nerv getroffen. Tief im Innern.
Was hatte sie gesagt?
Dass Macht ihn anturnt. Jemandem weh zu tun, der sich nicht wehren kann – oder sich nicht – wehren wird. Dass zu verwenden, worum sich Menschen sorgen, um sie zu foltern und sie zu Dingen zu zwingen. Dass er genauso war wie Voldemort...
Das er genauso war wie Voldemort.
Das muss es gewesen sein. Er sah sich vermutlich als etwas Besseres als sein Meister. Vielleicht dachte er, dass wenn er dem Orden helfen würde Voldemort zu stürzen, dass es ein Vacuum an Macht hinterlassen würde, dass er füllen konnte.
Der Gedanke verknotete ihr Inneres.
War es wirklich das? Spielte er beide Seiten gegeneinander aus, weil er dachte er konnte während der Nachwirkungen die Macht an sich reißen?
Vielleicht hatte er etwas gegen Voldemorts Terror Herrschaft einzuwenden; die Attacken, um sie dem Orden anzuhängen und all die Folter und Experimente. Malfoy sah sich vermutlich als schonenderen Herrscher, wo Frauen anscheinend ‚gewillt' waren und Hinrichtungen zeremoniell abgehalten wurden.
Und dennoch – es schien, als ob er sich mehr als nur beleidig gefühlt hatte. Seine Wut – die Wut, die er in sich trug ging weit über nur Ego und Ehrgeiz hinaus.
Ihr abschätzender Ausdruck schien ihn zu nerven. Er zischte leicht und sie konnte seine Zähne sehen.
„Ich kann dir versichern, dass ich dir nicht weh tun werde.", stieß er hervor. „Also hör auf mich anzuschauen, als ob ich dich verfluchen werde, sobald du mir den Rücken kehrst."
Die Worte ließen Hermine zusammenzucken. Wenn sie nicht so verzweifelt versuchen würde, dass er weiter für sie spionierte, hätte sie ihn angefahren, warum er bei Dumbledore nicht so viel Nachsicht gezeigt hatte. Er schien ihren Gesichtsausdruck bemerkt zu haben und sein Kiefer zuckte.
Sie biss sich auf die Zunge und schaute sich unbeholfen in der Hütte um. „Ich will weiter Okklumentik lernen."
„Also gut."
Sein Ton war knapp und er schien seinen Ärger in einer Box weggepackt zu haben. Sein Gesicht glättete sich und er setzte wieder seine kalte, undurchschaubare Maske auf. Aber seine silbernen Augen beobachteten sie weiter. Sie konnte seinen Blick fast auf ihrer Haut spüren.
Er ging auf sie zu.
Er schien gleichzeitig der gleiche zu sein, aber er schien dennoch anders. Als ob er dieselben Bewegungen machte wie in der Vergangenheit, aber vorsichtiger. Sie hatten etwas leicht Überpräzises an sich.
Er beugte ihren Kopf mit seinen Fingerspitzen nach hinten. Als sie ihm tief in die Augen schaute, konnte sie eine Verbitterung darin erkennen, die sie glaubte zuvor noch nicht in ihnen gesehen zu haben.
Er sank schmerzlos in ihr Bewusstsein hinein.
Die nächsten zwei Wochen verliefen genau gleich. Mehr Okklumentik und ein reservierter Malfoy. Unterhaltungen waren gestelzt, jedoch stellte er ihnen weiter großzügig und zuverlässig Informationen zur Verfügung.
Hermine schimpfte jede Woche über sich selber, in der er disapparierte, nachdem er weniger als ein Dutzend Wörter mit ihr gewechselt hat.
Seine psychologische Skizze von ihm stand still. Jede Woche, fügte sie mehr Fragen aber keine Antworten hinzu. Die Liste an potentiellen Motiven ging von großzügig bis monströs.
Sie merkte, dass sie fast mit ihrem Okklumentik Training fertig war. Malfoys Invasionen wurden mehr und mehr quälend, schmerzhaft und aggressiv, als er ihre Techniken und Fähigkeiten austestete.
Sie wollte ihn fragen, ob er immer noch vor hatte sie im Duellieren zu unterrichten, aber sie hatte zu viel Angst davor das Thema anzusprechen.
Sie fing an sich verzweifelt zu fühlen.
Als sie in der Hütte ankam, stiefelte sie nervös umher, sie versuchte etwas zu finden, mit dem sie die unbeholfene Befangenheit durchbrechen konnte. Es musste einen Weg geben, auf dem sie zu ihm durchdringen konnte. Eine Schwachstelle, die sie finden konnte um hinein zu kommen.
Malfoy tauchte mit einem plötzlichen Plopp vor ihr auf und schien leicht zusammenzuzucken, als er sich aufrichtete.
Hermine hatte diesen versteckten Gesichtsausdruck schon oft genug gesehen, um ihn sofort zu identifizieren, egal wie sorgfältig derjenige versuchte ihn zu versteckt. Ohne überhaupt nachzudenken, zog sie ihren Zauberstab hervor und führte rasend schnell einen Diagnostik Zauber über ihm aus.
Bevor sie überhaupt auf die Ergebnisse schauen konnte, warf sich Malfoy nach vorne, schlug ihr den Zauberstab aus der Hand und drückte sie gegen die Wand.
„Was tust du?", zischte er.
Richtig. Er ließ vermutlich sonst niemanden Sprüche in seine Richtung zaubern.
Sie traf ruhig seinen Blick. „Du bist verletzt."
Er riss seine Hände von ihr los und ging einen Schritt zurück.
„Es ist nichts.", sagte er. „Ich werde es später versorgen lassen."
Hermines Blick fiel nach unten zu den Farben und Details, die ihren Zauberstab umgaben, der ein paar Meter entfernt von ihr auf dem Boden lag und las die offensichtlichen Dinge.
„Du hast mehrere angebrochene Rippen, eine Gehirnerschütterung und innere Blutungen. Ich werde vielleicht zehn Minuten brauchen, um es zu heilen. Und –" Sie schenkte ihm einen spitzen Blick. „Apparieren wird das nächste Mal nur noch mehr weh tun. Wenn du die Rippen so lässt und weiter machst, dann könnten sie komplett brechen. Du könntest deine Lunge durchstoßen. Wenn es splittert, dann müssten deine Rippen komplett entfernt werden und wieder neu wachsen."
Er starrte sie für einige Momente an, bevor er seine Augen verdrehte. „Also gut."
Sie kniete sich hin und griff nach ihrem Zauberstab. „Zieh dich aus – von der Hüfte aufwärts."
Er wurde für einen Moment still.
„Ich dachte das war mein Spruch.", sagte er, als er steif nach oben griff und seinen Mantel auf machte, er ließ in unachtsam zu einem Haufen auf den Boden fallen. „Wenn du mich so sehr willst, hättest du nur fragen müssen."
Er sah sie übermäßig anzüglich an.
Jeder hatte Methoden, um mit Schmerzen fertig zu werden. Harry wurde sehr still, während Ron, wie Fred und George es nannten, „bitchy" wurde. Seamus und Charlie fluchten so laut und unaufhörlich, dass sie ruhig gestellt werden mussten.
Schmerz machte Malfoy offensichtlich noch sarkastischer, wie er es eh schon war.
Immerhin bedeutete das, dass er wieder mit ihr redete.
Hermine verdrehte die Augen. „Ja. Nichts bringt mich so sehr in Fahrt, wie der Anblick eines Abdomens das mit lilanen und grünen Hämatomen übersäht ist."
„Ich wusste schon immer, dass du ein sadistisches Miststück bist."
Der Kommentar traf Hermine so unerwartet, dass sie laut das Lachen anfing.
Malfoy schien verwundert von seinem Erfolg und fing an sein Shirt aufzuknöpfen und versuchte unbeholfen es sich auszuziehen.
Er hatte auch noch eine Schulter Verletzung.
Sie streckte langsam ihre Hand aus, so als ob sie auf ein verschrecktes Tier zu ging. Er zuckte nicht zurück, also zog sie vorsichtig das Shirt hinunter und begutachtete den Schaden.
Er schien extrem gewaltsam in – etwas – hinein geschleudert worden zu sein.
Seine Schulter ist ausgerenkt gewesen, aber er musste sie zurück gezogen haben. Seine komplette rechte Seite war voller blauer Flecken. Es war erstaunlich, dass sein Arm nicht zertrümmert war.
„Was ist passiert?", fragte sie mit aufrichtiger Neugierde.
„Neues Rudel Werwölfe.", antwortete er knapp. „Es gab Anführer Probleme."
„Und jetzt? Hast du mit einem Werwolf Alpha gekämpft?", fragte sie skeptisch und fing an seine Rippen zu heilen.
„Nun, er durfte nicht kratzen oder beißen und ich durfte ihn nicht umbringen. Aber – wenn du Kreaturen mit einer Rudel Hierarchie hast und versuchst die anzuführen, ohne ihnen vorher ihre Unterlegenheit aufzuzeigen, dann wartet man praktisch nur auf einen Aufstand.", erklärte Malfoy, so als ob diese Dinge gewöhnliches Allgemeinwissen waren.
„Kommt das hier alles vom Gewinnen oder Verlieren?", fragte sie, als sie den Bruch einer anderen Rippe heilte.
Er schenkte ihr einen kurzen Blick. „Gewinnen, offensichtlich. Ich wäre nirgendwo mehr hinappariert, wenn ich verloren hätte. Dämliches Tier hat nicht einmal daran gedacht seinen Zauberstab zu benutzten. Sie verwildern alle, sobald sie anfangen in Rudeln zu rennen."
Er verdrehte seine Augen und fügte hinzu. „Jetzt bin ich anscheinend der Alpha eines Werwolf Rudels. Ich finde das schmeichelt meinem natürlichen Charm."
„Der Alpha wird bestimmt versuchen dich zu töten.", meinte Hermine.
Malfoy schnaubte. „Er kann es gerne versuchen. Ich würde nicht mal eine Minute brauchen, um ihn zu töten, wenn ich ihn tatsächlich töten darf." Er grinste höhnisch.
Hermine antwortete nicht. Mit einem nonverbalen Spruch rief sie ihre Umhängetasche herbei und zog das Notfall-Kit heraus, dass sie immer mit sich trug.
„Setz dich hin und trink das.", wies sie ihn an, als die ihm einen Trank reichte. „Es ist für die Gehirnerschütterung, die du hast."
Als er den Trank entleerte, rieb sie ihre Hände zusammen, um sie aufzuwärmen und tunkte ihre Finger dann in ein kleines Glas mit einer Paste.
Sie beäugte ihn nachdenklich für einen Moment, bevor sie ihre Hand leicht auf seine Schulter legte.
Er sprang vor Schreck fast in die Luft.
„Entspann dich.", sagte sie, sie spürte, wie sich die Muskeln in seiner Schulter unter ihren Fingern anspannten. „Es wird nicht gut einziehen, wenn du zu angespannt bist."
Malfoy entspannte sich nicht auch nur ein bisschen.
Sie verdrehte die Augen.
Sie striff mit ihren Fingern leicht über seine Schulter, verteilte die Paste und ließ ihn sich an die Berührungen gewöhnen. Die Muskeln in seiner Schulter zuckten leicht. Es erinnerte Hermine daran ein schreckhaftes Pferd zu streicheln.
All die Möglichkeiten, die sie sich vorgestellt hatte, bei denen sie Malfoy halbnackt in ihrer Präsenz haben würde, beinhalteten überraschenderweise kein Heilen. Aber- sie konnte es benutzen, um die Dinge wieder gerade zu biegen und an ihrer ursprünglichen Strategie weiter zu arbeiten.
Er war offensichtlich einsam. Er schien durch körperlichen Kontakt, der nicht gewaltsam oder sexueller Natur war, verunsichert.
Sie nahm an, dass das nicht überraschend war. Wen gab es schon der nett zu ihm war? Laut seinen Andeutungen ist sein brutales Training mit Bellatrix von niemand verhindert worden, nicht mal von seiner Mutter. Der Gedanke ließ sie leicht erschaudern.
Einen sechzehnjährigen mit dem Crutiatus zu foltern, um ihm Okklumentik beizubringen und ihn dann zurückzulassen, bis er davon bewusstlos wurde.
Sie konnte diese Leere benutzen. Die Einsamkeit. Das Bedürfnis nach Toast war in der menschlichen Psyche verankert. Er war sich über die Abwesenheit vielleicht nicht mal genug bewusst, um abwehren zu reagieren. Wenn sie dieses Bedürfnis erweckte –
- dann wäre sie drinnen.
Nicht sexueller körperlicher Kontakt war etwas, mit dem sie sich wohlfühlte. Körper zu berühren. Beruhigend und trösten zu sein. Es war ein unerwarteter Vorteil, den sie gegenüber Malfoy hatte. Er mochte klare Linien. Sie würde sie verschwimmen lassen und dann durch die Lücken schlüpfen.
Sie lehnte sich nach vorne nur ein kleines bisschen, so dass ihr Mund in der Nähe von seinem Ohr war. Seine Haut roch leicht nach Salz zusammen mit einem leichten, beißenden Unterton von Eichenmoos und dem scharfen Geruch von grünem Papyrus.
„Das wird jetzt ein bisschen weh tun.", sagte sie leise.
Dann fing sie an die Muskeln zu massieren, damit die Heilungspaste tief in das Gewebe einziehen konnte, um die überdehnten Sehnen zu reparieren. Wenn sie sie nicht dazu brachte komplett einzuziehen, dann könnte der Schaden dauerhaft werden und Malfoy könnte anfällig dafür werden, seine Schulter auszurenken.
„Fuck.", stöhnte er. „Du bist ein Miststück."
Ihre Hände hielten für einen Moment still, bevor sie weitermachte.
„Das wurde mir schon öfter gesagt", merkte sie leise an.
Die Antwort schien Malfoy leicht unerwartet zu treffen. Er ließ sich nach hinten sinken und spannte seinen Kiefer an, während sie weiter machte. Innerhalb einer weitere Minute war sie fertig, aber sie machte damit weiter seine Schulter zu massieren. Sanft. Auf eine Art - die streng genommen- nicht medizinisch notwendig war.
Nach einer weiteren extra Minute stoppte sie und ließ ihre Hände sanft auf seiner Schulter liegen.
„Ich muss jetzt mit deinen Rippen weitermachen. Es wäre einfacher, wenn du dich zurück legst."
Er seufzte und legte sich auf den Boden. Sie stopfte seinen Mantel unter seinen Kopf und verlagerte ihr Gewicht so dass sie neben ihm saß.
Er starrte sie mit intensiven Misstrauen an.
Sie bereitete sich selbst mit ihrem Notfall-Kit vor und holte ein großes Fläschchen mit Serum heraus. Nach einem schnellen Spruch, um die Paste von ihren Händen verschwinden zu lassen, schüttete sie die Flüssigkeit in ihre Handfläche. Sie verteilte sie, mit kleinen kreisförmigen Bewegungen, über seinen Arm, auf seiner Seite und seiner Brust. Sie merkte sich, wo es am schnellsten verschwand und fügte dort noch eine extra Schicht Serum hinzu.
Mit ihrer freien Hand zauberte sie einen neuen Diagnostik Zauber. Er hatte auch noch ein Nierenprellung. Sie seufzte leicht.
„Du hast eine geprellte Niere. Ich hab den Trank dafür nicht dabei, also wirst du dafür ein Heiler aufsuchen müssen. Es ist nichts Schlimmes, aber es wird für ein paar Tage weh tun, wenn du es nicht behandeln lässt."
Die blauen Flecken auf seiner Brust verschwand langsam unter ihren Fingern. Als sie dies taten, wurden ihre kreisförmigen Bewegungen langsamer, während sie ihn betrachtete.
Er war – recht attraktiv. Rein körperlich.
Er musste gute körperliche Gene haben was einen niedrigen Körperfettanteil anging, denn die Muskeln in seinem Oberkörper und seinen Armen stachen mit starker Definition hervor. Sein ganzer Körper war hart und angespannt ohne auch nur das kleinste Anzeichen von Sanftheit. Er war kein Bodybuilder, aber er war – fit.
Die meisten Männer hatten zumindest eine kleine Schicht Fett, die sie polsterte, bevor die Muskeln kamen. Egal wie stark all die Weasley Jungs waren, ihre Muskeldefinition war nur leicht unter ihrer Haut zu erkennen. Harry war schon immer eher schlaksig veranlagt gewesen, egal in welche körperliche Verfassung er sich befand.
Es war nicht überraschend, nahm sie an. Lucius Malfoy war gut gebaut und auch weit entfernt davon korpulent zu sein, während Narcissa schon immer dünn, wie ein Zaunpfahl, gewesen ist.
Sie beobachtete Malfoy gedankenverloren.
„Starrst du alle deine Patienten an oder bin ich besonders?", sagte Malfoy plötzlich affektiert.
Sie schreckte auf und errötete.
„Das habe ich nicht getan.", sagte sie abwehren. „Ich hab mich nur über deinen Körperfettanteil gewundert."
„Natürlich hast du das getan.", sagte Malfoy und schnaubte.
Sie zog ihre Hände zurück.
„Du bist fertig.", teilte sie ihm leise mit.
Er setzte sich auf und rotierte seine Schulter, als er ihre Heilungsarbeit an seinen Rippen begutachtete. Dann zog er sich sein Shirt an und knöpfte es schnell wieder zu.
Hermine schaute weg und fing an ihr Notfall-Kit zusammenzupacken.
„Also - wie besiegt man ein Werwolf, ohne ihn zu töten?", erkundigte sie sich.
„Ein Bombarda Maxima mit der Zauberstab Spitze gegen seinen Augapfel gerichtet, scheint den Zweck zu erfüllen.", sagte Malfoy beiläufig, als er seinen Mantel aufhob und aufstand. „Aber man muss sie auf so nah an sich ran lassen. Was offensichtlich nicht so gelaufen ist wie geplant."
Sie starrte ihn an.
„Du hast sein Auge in die Luft gejagt?"
„Es hätte einen Zauberer getötet, aber Werwölfe scheinen nie zu wissen, wann es an der Zeit ist zu sterben."
„Er wird ziemlich sicher versuchen dich zu töten", teilte Hermine ihm mit ernster Miene mit.
„Ich hoffe darauf.", sagte er
Sie verdrehte die Augen und stand auf.
„So. Mehr Werwölfe also. Irgendwelche anderen Informationen?"
Er rief ohne Zauberstab eine Schriftrolle herbei.
„Ein paar neue nicht tödliche Flüche, zu denen sich dein Orden vielleicht herablassen kann, ohne deren wertvolles Gewissen zu belasten, sie zu benutzen. Details zu einem neuen Gefängnis in Cornwall. Außerdem zieht es der Dunkle Lord in Betracht, seinen Namen ein Tabu werden zu lassen. Du solltest vielleicht all deine tollkühnen Kämpfer davor warnen, mit dem Namen, als Demonstration ihres Gryffindor Mutes, um sich zu werfen."
Hermine nahm die Schriftrolle entgegen und er wandte sich ab, um zu gehen.
„Danke fürs zusammenflicken, Granger."
Er verschwand.
Hermine sah sich in der Hütte noch einen Moment lang um, bevor sie die Schriftrolle in ihre Umhängetasche verschwinden ließ.
Sie hat Draco Malfoy geheilt.
Sie hat schon viele Leute zuvor geheilt, aber irgendwie hat es sich anders angefühlt ihn zu heilen.
Für ein paar Minuten hatte er sich nicht wie ein Todesser angefühlt. Er ist einfach nur eine Person gewesen, die Schmerzen hatte.
Eine Person.
Sie war es nicht gewohnt über ihn als das nachzudenken.
Es fühlte sich sicherer an, ihn unpersönlich zu machen. Ein Konzept in ihrem Kopf.
Todesser. Mörder. Spion. Zielscheibe. Werkzeug.
Das war, wie sie im bevorzugt kategorisierte.
Nicht eine verletzte Person. Nicht jemand der zusammenzuckte, weil seine Rippen gebrochen waren. Nicht jemand der es so nicht gewohnt war körperlich berührt zu werden, dass er reflexartig zurückzuckte. Nicht jemand - attraktives.
Die Interaktion schien die Unbeholfenheit überwunden zu haben; eine Brücke über die Kluft gebaut zu haben, die entstanden war. Aber es hatte genauso auch die „Andersartigkeit" weggeschnitzt, die sie bis jetzt in ihm gesehen hatte; ihr Feind der Albus Dumbledore umgebracht hatte. Eine Perspektive, die es erlaubt hatte, ohne zu zögern darüber nachzudenken ihn für seinen potenziellen Untergang zu manipulieren.
Über ihn als Person nachzudenken, ließ ihn weniger wie ein Monster erscheinen.
Sie konnte sich das nicht erlauben. Es ließ die vierzehnjährige Hermine aus Hogwarts wieder auferstehen, die Hüte gestrickt hat und eine Organisation gestartet hat, um Elfenrechte zu unterstützen. Diese rechtsschaffende Teenagerin würde sich vor ihrem Zukunfts-Ich fürchten, die die strategische Notwendigkeit rechtfertigte, Draco Malfoy intellektuell zu dehumanisieren.
Hermines Hände zittern leicht, als sie diesen Gedanken in den hinteren Bereich ihres Bewusstseins verdrängte.
Und - er ist zu ihr gekommen, sobald sie in der Hütte angekommen war. Trotz seiner Verletzungen. Er ist dennoch gekommen.
Sie fragte sich, ob das etwas zu bedeuten hatte.
Hermine apparierte zum Grimmauld Platz zurück und ging sofort nach oben zu ihrem Zimmer. Bevor sie hineinging späte sie vorsichtig durch die Tür, um sicherzustellen, dass das Zimmer leer war.
Harry und Ginny waren „nicht" zusammen. Ginny war ein paar Wochen vorher auf Hermine zu gekommen, um dieses Detail klarzustellen. Es ist einfach nur ein unbedeutendes Liebesabenteuer. Es war in der Hitze des Moments entstanden.
Es gab anscheinend viel Hitze, gegebene Umstände, dass Hermine seitdem ein Dutzend Mal fast in so eine Situation reingeplatzt wäre.
Hermine, zusammen mit allen anderen im Grimmauld Platz ignorierten glimpflich Harrys dramatisch bessere Laune. Er sprang durch das Haus wie ein fröhlicher Hirsch.
Hermine zog ihr Notizbuch unter dem Bett hervor und murmelte die Gegenzauber für ihre Sicherheitsmaßnahmen, die sie darauf platziert hatte.
Sie blätterte vorsichtig durch die Seiten. Sie schaute nochmal über alles, was sie niedergeschrieben hatte, sie las sich durch, wie sich ihre Meinungen und Theorien entwickelt und erweitert hatten. Sie knabberte am Ende ihrer Schreibfeder herum, als sie einen Kommentar unterstrich, den sie Wochen vorher gemacht hatte.
Einsam. Isoliert.
Sie wurde immer überzeugt davon, dass dies ein zentrale Punkt von ihm war. Tote Mutter. Verrückter Vater. Ehrgeizige Freunde, die sich alle der Selbsterhaltung verschrieben haben.
Was auch immer Malfoy antrieb, sich von Voldemort abzuwenden und sich auf die Seite des Ordens zu schlagen, war vermutlich ein Geheimnis, das keiner kannte.
Es gab nicht genügend Raum für Ehrlichkeit und Freundschaft, während man unter der größenwahnsinnigen Herrschaft eines der mächtigsten Legilimenten in der Zauberwelt diente.
Hermine war sich ziemlich sicher, dass keiner auf Voldemorts Seite wusste, dass Malfoy ein Spion war. Er würde es nicht wagen es zu riskieren.
Hermine konnte ein sicherer Aufbewahrungsort für seine Geheimnisse sein. Wenn sie sein Vertrauen gewann. Wenn ihre Okklumentik gut genug war, würde er dazu in der Lage sein sie zu rationalisieren. Sie würde seine Stärken zu seinen Schwächen machen, die sie zu ihrem Vorteil nutzen konnte.
Sie steckte ihren Kopf unter ihr Bett, um nach einem Psychologie Buch zu suchen, in dem sie etwas nachschlagen wollte. Als sie über die Bücher schaute, die sich angesammelt hatten stoppte sie –
sie sind bewegt worden.
Der Unterschied war nur gering, aber sie war sich sicher. Jemand hatte unter ihrem Bett rumgeschnüffelt. Sie vollführte einen Aufspürungszauber, der ohne Ergebnis zurückkam.
Sie schaute ihr Notizbuch an. Sie führte eine Reihe an Sprüchen und Analysezaubern durch, um zu schauen, ob damit hantiert wurde. Es gab keine Anzeichen.
Sie starrte wieder unter ihr Bett und im Zimmer umher.
Kreacher.
Der verdammte Elf tat kaum mehr als zu schmollen und Leute zu beleidigen, aber ab und zu machte er sich zu einer halbherzigen Reinigungstour durch das Anwesen auf.
Das Zimmer schien abgestaubt worden zu sein. Ginnys Bett, das normalerweise immer ungemacht war, schien etwas geglättet worden zu sein.
Hermine entspannte sich leicht, aber sie führte einige extra Sprüche über den Büchern aus und ein Schutzzauber, der sie benachrichtigen würde, wenn nochmals jemand an ihre Bücher gehen würde. Sie fügte außerdem, dem Notizbuch, einen sehr sorgfältigen Selbstzerstörungszauber hinzu, falls sich jemand daran zu schaffen machen sollte.
Als sie aufstand, um zugehen kam Ginny ins Zimmer.
„Du bist früh zurück.", sagte Ginny.
Hermine schaute nach unten auf ihre Uhr. Das war sie. Ihr Treffen mit Malfoy überschritt normalerweise immer die angestrebte halbe Stunde. Es war das erste Mal, dass sie vor halb neun zurück gekommen ist. Normalerweise musste sich Hermine beeilen, um die Zaubertrank Zutaten zu verstauen, bevor ihre Schicht um halb zehn auf der Krankenabteilung anfing.
„Ich hatte Glück heute.", sagte Hermine.
„Ja", sagte Ginny und sah leicht unbehaglich aus. „Uhm. Ich wollte dich – wegen etwas Fragen."
Hermine wartete.
Ginny strich sich nervös die Haare aus dem Gesicht. Sie hielt es zu einem kurzen Bob geschnitten, der nur knapp bis über ihr Kinn reichte, seit ihr langer Pferdeschwanz einmal während einer Schlacht ergriffen wurde und sie fast von einer Sabberhexe ermordet wurde.
„Ich – also – du weißt ja offensichtlich von Harry und mir.", sagte Ginny.
Hermine nickte kurz.
„Richtig. Also. Die Sache ist die, ich wollte vorsichtig sein. Ich benutze schon den Zauberspruch dafür. Aber – da ist etwas an der Prewett Familie, sie sind nicht wie andere Zauberer Familien. Sie werden einfach irgendwie schwanger. Ron und ich waren beides Unfälle nach den Zwillingen. Also – habe ich mich gefragt, ob du mir einen Verhütungstrank machen könntest. Wenn du Zeit dafür hast. Ich war nie gut in Zaubertränke. Wenn du keine Zeit hast – dann ist das auch okay. Dann kann ich Padma fragen. Ich weiß du hast wahnsinnig viel zu tun. Ich wollte nur – ich wollte nicht das du denkst, dass ich dich nicht fragen will."
„Natürlich. Ich wollte sowieso heute Abend ein paar Tränke brauen. Es ist einfach diesen Trank auch noch zu machen. Hast du irgendwelche Vorlieben für den Geschmack? Die effektivsten schmecken nicht so gut."
„Es ist mir egal wie er schmeckt solange er funktioniert.", sagte Ginny sofort.
„Nun, ich hab schon ein paar Fläschchen von einer Sorte da. Ich kann sie dir gleich geben, wenn du möchtest."
„Du hast schon welche?" Ginny blinzelte und schaute Hermine misstrauisch an. „Hast du –?"
Hermine konnte sehen wie Ginny die Liste an möglichen Männern in Hermines Leben durchging.
„Du hats nichts – mit Snape, oder?", stieß Ginny plötzlich hervor.
Hermine starrte sie mit offenem Mund an.
„Oh Gott – Nein!", spuckte sie aus. „Ich bin eine Heilerin! Ich hab viele Dinge auf Vorrat. Du liebe Zeit! Was – wie kommst du überhaupt –"
Ginny sah etwas verlegen aus.
„Es wirkt nur so, als ob er die einzige Person ist, mit der du dich mal länger unterhältst. Außer Fred, aber er ist mit Angelina zusammen. Mit allen anderen streitest du dich immer nur. Und nicht auf eine heiße und genervte Verwöhnungssex Art und Weise."
„Das heißt noch lange nicht, dass ich mit ihm ins Bett steige.", murmelte Hermine, sie hatte das Gefühl, das ihr Gesicht gleich in Flammen aufgehen würde. „Er ist ein Kollege. Ich beratschlage mich mit ihm über Zaubertränke."
„Du wirkst nur so einsam.", sagte Ginny und schaute Hermine lange an.
Hermine stutzte und starrte Ginny an.
„Du redest heutzutage mit niemanden mehr.", sagte Ginny. „Du bist früher immer mit Ron und Harry zusammen gewesen. Aber sogar bevor du weggegangen bist, um eine Heilerin zu werden, schienst du immer und immer mehr alleine zu sein. Ich dachte – vielleicht hast du ja jemanden. Zugegeben, Snape wäre eine fragwürdige Wahl aus so vielen Gründen – aber, es herrscht Krieg. Es ist zu viel, egal für wen, um damit alleine fertig zu werden."
„Rum zu vögeln, um zu vergessen, das ist Rons Ding. Nicht meins.", sagte Hermine steif. „Außerdem ist es ja nicht so, als ob ich kämpfen würde."
Ginny sah sie für einen Moment nachdenklich an, bevor sie sage: „Ich finde das die Krankenstation schlimmer ist als das Schlachtfeld."
Hermine schaute weg. Sie hatte sich schon öfter gefragt, ob das nicht der Fall war, aber sie hatte niemanden, dem sie diese Frage stellen konnte.
Ginny fuhr fort. „Ich muss jedes Mal daran denken, wenn ich hier bin. Auf dem Schlachtfeld – ist alles fokussiert. Selbst wenn jemand verletzt ist. Dann appariert man sie einfach weg und kommt zurück. Man gewinnt manche Schlachten. Man verliert manche. Manchmal wird man getroffen. Dann schlägt man zurück. Und man bekommt Tage frei, um sich davon zu erholen, wenn es schlimm war, oder wenn dein Kampfpartnern gestorben ist. Aber in der Krankenabteilung, da ist es so, als ob man jede Schlacht verliert. Ich bin jedes Mal mehr traumatisiert, wenn ich dort war, als ich es nach dem Kämpfen bin."
Hermine blieb still.
„Und du bekommst nicht mal frei.", sagte Ginny. „Du hast bei jeder Auseinandersetzung Dienst. Sie können dich nicht entbehren, nicht mal, um zu trauern. Ich weiß, von Harry und Ron, dass du immer noch drauf drängst die dunklen Künste zu verwenden, wenn du zu den Ordens Treffen gehst. Ich stimme dir nicht zu – aber ich verstehe es. Ich verstehe, dass du den Krieg aus einem andern Blickwinkel siehst. Vermutlich aus dem schlimmsten. Deswegen – ich mein ja nur, wenn du jemanden hast, dann würde es mich sehr für dich freuen. Auch wenn es Snape ist."
Hermine verdrehte ihre Augen.
„Du solltest jetzt wahrscheinlich das Reden aufhören, wenn du immer noch den Verhütungstank haben willst.", sagte Hermine mit einem strengen Blick.
Ginny schloss schnell ihren Mund. Hermine schnappte sich ihre Umhängetasche vom Bett.
„Komm. Sie sind im Zaubertränke Vorratsschrank.", sagte Hermine, während sie aus dem Schlafzimmer lief.
Die Fläschchen waren alle auf dem obersten Regal in einer kleinen Schachtel verstaut. Hermine zog ein Dutzend heraus und legte sie in eine kleine Tasche für Ginny.
„Einer pro Tag. Es ist am besten, wenn du ihn immer zur gleichen Tageszeit einnimmst. Ich werde eine weitere Portion Diese Woche machen und dir einen monatlichen Vorrat geben."
„Danke Hermine."
Ginny huschte davon und Hermine packte die Schachtel wieder auf das oberste Regal.
Sie hatte gelogen. Verhütung war kein Trank, den sie normalerweise zur Hand hatte. Es ist Hermines persönlicher Vorrat gewesen, den sie vorsorglich genommen hat, seit dem Tag nachdem Moody wegen Malfoy auf sie zugekommen war.
Die Woche darauf war Malfoy bereits in der Hütte als Hermine ankam. Als sie die Tür öffnete starrte er sie mit einem Ausdruck der leichten Gereiztheit an.
Sie schaute ihn verwirrt an.
„Bin ich zu spät?", fragte sie als sie nach unten auf ihre Uhr schaute.
„Nein.", sagte er mit knappen Ton.
Sie schloss unbeholfen die Tür und wartet.
„Ich denke wir sind fertig mit Okklumentik.", sagte er nach einer Minute.
„Okay."
Sie fing an ihren Mund aufzumachen, um zu fragen, ob er vorhatte, sie im Duellieren zu unterrichten, aber sie schloss ihn dann wieder und wartete. Etwas in seiner Stimmung schien leicht unbefriedigend zu sein.
„Wir werden mit dem grundlegenden Duellieren anfangen, damit ich sehen kann, wie schlecht du darin bist.", verkündete er.
Hermine verdrehte die Augen.
„Gut.", sagte sie. „Was sind die Regeln?"
„Es gibt keine für dich. Mach was immer du willst.", sagte er. „Ich werde mich selbst auf Brandzauber beschränken. Ich will sehen, wie lang du standhältst."
Hermine errötete.
„Ich sage dir lieber gleich, dass ich grottenschlecht bin.", sagte sie.
„Ja. Das habe ich schon erwartet."
Sie schaute kurz zu ihm rüber, legte ihre Umhängetasche auf dem Boden in der Nähe der Tür ab und platzierte einen Schutzzauber darüber. Dann drehte sie sich um, um ihn anzuschauen.
Er ging durch das Zimmer und lehnte sich gelangweilt gegen die Wand.
„Also gut."
Er griff in seine Roben und zog seinen Zauberstab heraus. Sie legte ihren Kopf auf die Seite.
„Das ist nicht der Zauberstab, den du in der Schule hattest, oder?", fragte sie.
Er schaute nach unten und drehte ihn in seinen Fingern umher.
„Nein", gab er zu. „Mein Einhornsschwanzhaar kam mit den dunklen Künsten nicht so gut zurecht, also musste ich ihn ersetzen. Es ist immer noch Weißdornholz, weniger federnd, mit Drachenherzfaser. Er ist außerdem ein paar Zentimeter länger."
Er zog seine Augenbrauen anzüglich nach oben, als er den letzten Satz sagte.
Sie filterte die Informationen für zukünftige Analysen heraus. Sie glaubte, dass es ein Buch über Zauberstab Theorien im Grimmauld Platz in der Black Bibliothek gab.
Sie stellte sich in duellier Position auf.
Malfoy richtete sich auf und nahm die gleiche Position ein wie sie.
Hermine hatte versucht das Duellieren zu üben, wann immer sie die Zeit dafür finden konnte, um in den Übungsraum zu schleichen. Sie schoss einen nonverbalen Schockzauber auf ihn und er wies ihn leicht mit einem Schild zurück, als er eine Reihe an Brandzaubern auf sie schoss.
Sie zauberte schnell ihr eigene Schild herbei und verstärkte es mit einem Fianto Duri Zauber.
Malfoy zauberte einen unendlichen Strom aus Sprüchen und wehrte ohne Mühen jeden Zauber ab, den sie in seine Richtung schickte, ohne sich überhaupt zu bewegen.
Trotz des harmlosen Zaubers, den er benutzte, ließ die Schnelligkeit, mit der er die Zauber in ihre Richtung schickte, Hermines Schild schwächer werden.
Bevor sie ein neues Schild errichten konnte, schoss er einen Zauber auf ihre Füße. Sie schrie leicht auf, als er ihren Knöchel traf.
Von da an ging es blitzschnell bergab. Sie sprangen nach hinten, ohne nachzudenken und sie blieb weiter schutzlos stehen. Er traf sich sofort mit weiteren fünf Sprüchen.
„Alles klar!", schrie sie. „Du hast gewonnen. Hör auf!"
„So funktioniert das nicht, Granger.", sagte er affektiert, während er weitermachte und nonverbale Sprüche auf sie schoss. „Auf dem Schlachtfeld heißt es gewinn oder stirb oder renn weg."
Hermine bückte sich, um seinen Sprüchen auszuweichen und schaffte es endlich ein neues Schild zu errichten. Sie stand behutsam auf einem Fuß. Die Seite, wo er sie wiederholt getroffen hatte, schwoll an und brannte.
Sie schoss wütend einen leicht dunklen Fluch auf ihn. Nichts Tödliches aber etwas das wesentlich ernster war als ein Schockzauber.
Malfoy wehrte ihn ab und zog eine Augenbraue nach oben.
„Das Kätzchen hat Krallen.", sagte er mit spöttischem Unterton.
„Oh, halts Maul.", zischte sie als sie eine Reihe an nonverbalen Sprüchen in seine Richtung schickte.
„Guter Gott, Granger, deine Treffsicherheit ist grauenhaft.", sagte er zu ihr, während er immer noch Maschinengewehr artig Brandzauber auf sie schickte. „Ich beweg mich nicht mal und du triffst mich nicht mal."
„Dem bin ich mir auch bewusst."
„Kein Wunder, dass sie dich aus den Schlachten zurückgezogen haben."
„Sei still!"
„Hab ich da ein Nerv getroffen?", fragte er trocken. Seine grauen Augen glitzerten und ihr wurde klar, dass er sie für irgendetwas bestrafte. Was auch immer es gewesen ist, was in irritiert hat als sie angekommen ist, er rächte sich dafür.
Passiv-aggressiver Wichser.
Er gab sich nicht mal Mühe. Er wusste, dass sie schlecht war. Er tat es nur für seine eigene persönliche Unterhaltung.
Sie drehte sich von seinen Sprüchen Weg und errichtete wieder ihr Schild. Sie wurde schon leicht erschöpft von der Kombination aus Abwehren und Zaubern.
Sie umfasste fest ihren Zauberstab und machte weiter, bis er ihre Zauberstab Hand mit so vielen Sprüchen getroffen hatte, dass sie ihn nicht mehr halten konnte.
In Zauberstab viel auf dem Boden. Anstatt zu versuchen auszuweichen stand sie einfach nur da, als er ihren Brustkorb und ihre Beine mit einem Dutzend mehr Zaubersprüchen traf.
Dann hört er endlich auf und sie schaute ihn an.
„Fühlst du dich jetzt besser?", erkundigte sie sich.
Er grinste und packte seinen Zauberstab wieder weg.
„Ich wollte dich schon seit Jahren verhexen.", sagte er mit einem zufriedenstellenden Glitzern in seinen Augen.
„Ich hab dir schon vorher gesagt, dass du das tun könntest.", sagte sie mit hölzerner Stimme, als sie gedanklich anfing zu kategorisieren, wo an ihrem Körper er sie getroffen hatte. „Aber Ich nehme an das es dir gefällt, wenn du so tust, als ob du mir eine echte Chance gegeben hättest."
„Es ist nicht meine Schuld, dass deine Abwehr erbärmlich ist."
„Nein. Das ist meine Schuld.", sagte sie leise, sie hob ihre Hand an und wimmerte leicht, als sie versuchte ihre Finger zu bewegen.
Der Brandzauber hinterließ keine bleibenden Schäden, aber er konnte auch nicht magisch rückgängig gemacht werden. Durch Häufigkeit und Geballtheit, mit der Malfoy ihn verwendet hatte, würde es länger als einen Tag dauern, bis die Schmerzen von all den Quaddeln verschwunden sein würde. Sie war sich sicher, dass er den Zauber genau deshalb ausgewählt hatte.
„Um eins klar zu stellen.", sagte sie, sie versuchte ihre Stimme vom Zittern abzuhalten. „Das hier fällt darunter meine Arbeit für den Orden zu beeinträchtigen. Also, vielleicht benutzt du das nächste Mal einen umkehrbaren Zauber, oder versuchst es auf eine Stelle einzugrenzen."
Malfoy sagte nichts.
„Also –", fragte sie nach einer Minute. „Darf ich wissen warum?"
„Wenn es darum geht, dich zu verfluchen, Granger, dann ist deine bloße Existenz schon genug Grund dafür."
Sie presste ihre Lippen zusammen von schluckte schwer. Das schmerzende Gefühl verteilte sich über ihre Nase und Wangen und sie blinzelte es weg.
„Hast du diese Woche irgendwelche Informationen?"
„Nein."
„Nun. Dann werde ich jetzt gehen.", sagte sie, kniete sich hin und sammelte steif ihren Zauberstab mit der linken Hand auf. Dann ging sie nach drüben und hob ihre Umhängetasche auf ihre Schulter, sie zuckt leicht zusammen, als der Träger auf einigen Blasen landete.
Malfoy sagte kein Wort als sie nach draußen lief.
Sie stand vor der Hütte und fühlte sich verloren. Nicht wegen Malfoys Grausamkeit, aber wegen dem was sie tun sollte. Sie konnte nicht zum Grimmauld Platz zurück und es riskieren, dass jemand bemerkte, dass sie verhext worden ist. Sie hatte keine Erklärung dafür.
Sie ging behutsam zu den Baumstumpf rüber und setzte sich auf die Kante.
Mit einem Seufzen zog sie die Umhängetasche von ihrer Schulter und fing an Säckchen und Flaschen herauszuziehen. Sie würde alle ihre Zaubertrank Vorräte, die sie gesammelt hatte, wegschmeißen müssen. Sie benötigten vorsichtige Lagerung, um ihre magischen Fähigkeiten zu behalten. Sie würde die notwendigen Sprüche nicht durchführen können, mit dem Zustand, in dem sich ihre Zauberstab Hand momentan befand.
Traurig ließ sie die Murtlap Tentakeln auf dem Boden fallen. Sie würde eine neue Falle bauen und noch einen töten müssen. Die Feenflügel. Dann leerte sie den ganzen Rest aus, bis sie nichts mehr übrig hatte, außer einem Bund Brennnessel.
Mit einer Grimasse hob sie sie nach oben und drückte sie gegen beide ihre Knöchel und gegen beide Hände und Handgelenke. Dann striff auch leicht mit dem Bündel über ihr Gesicht. Sie ließ die Nesseln auf den Boden fallen und beobachtete, wie eine Vielzahl an kleinen Blasen sich auf ihre Haut ausbreitete und all die Verdächtigen Zauber überdeckte, die ihre Klamotten nicht verdeckten.
Mit einem Seufzen stand sie auf und hielt ihre Zauberstab Hand leicht fest, als sie zum Grimmauld Platz zurück apparierte.
„Hermine? Was ist mit dir passiert?", erkundigte sich Angelina mit aufgerissenen Augen als sie zur Tür herein lief.
„Ich bin gestolpert und in ein Brennnesselbusch gefallen.", log Hermine.
„Du Menschenskinder." Angelina starrte Hermines Gesicht an, bis sie anfing leicht rot zu werden. „Gibt es irgendwas, was du dagegen tun kannst?"
„Leider nicht. Es gibt keine Zaubersprüche gegen Brennnesseln. Es sollte in einem Tag wieder verblassen. Aber ich konnte nicht sehr gut Zutaten sammeln. Also werde ich morgen noch einmal gehen müssen."
„Das ist blöd gelaufen. Dein armes Gesicht."
Hermine zuckte leicht mit den Schultern. „Meine Hand hat es schlimmer erwischt. Ich muss gehen und es Pomfrey erzählen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich heute eine große Hilfe in der Krankenabteilung wäre."
Dank Malfoys Zaubern, fand sich Hermine mit einem unerwartet freien Tag wieder. Nicht dass sie ihn wirklich genießen konnte, da sie ihre Hände nicht wirklich benutzen konnte. Sie konnte ihre Finger nicht mal mehr genug abknicken, um eine Seite in einem Buch festzuhalten und sie umzublättern.
Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal einen freien Tag gehabt hat. All die Zeit, die sie normalerweise abseits des Heilens verbrachte, benutze sie dazu, um ein paar der komplizierteren Zaubertränke zu brauen oder um ihre Zaubertrank Zutaten aufzustocken.
Sie setzte sich hin und starrte aus dem Fenster im Dachboden, sie beobachtete die Muggel, die vorbeiliefen.
Sie fragte sich was es war, das Malfoy provoziert hatte.
Sie fragte sich ob von ihm verhext zu werden vielleicht sogar ein gutes Zeichen war. Dass es hieß, dass sie an ihn ran kam und dass er aus Abwehr ausgerastet war. Ihn die Woche davor zu heilen, hatte ihren Umgang miteinander verändert; sie zu verhexen war vermutlich sein Weg, um sie wieder zurück an ihren Platz zu verweisen.
Er war so rachsüchtig.
Okklumentik Training hat viel mehr wehgetan, aber es ist wenigstens konstruktiv gewesen. Es hat einen Grund für den Schmerz gegeben. Es gab Tränke, die mit den Migränen halfen.
Sie zu verhexen ist einfach nur seine Boshaftigkeit gewesen.
Es war ein beschissener Weg, um ihre Kampffähigkeiten einzuschätzen, da sobald er sie mit einem Zauber traf sie nicht mehr dazu in der Lage sein würde von vorne anzufangen und sie bis nächste Woche warten musste. Wenn er ihre Zielsicherheit und Ausdauer testen wollte, dann hätte er einfach schnell hintereinander Betäubungszauber oder Immobilisierungszauber oder Versteinerungszauber benutzen können.
Er hatte keine schlimmen oder permanenten Zauber verwenden, vermutlich weil es nicht seinem moralischen Code entsprach, mit dem er es so wichtig hatte. Seine ‚ethische Grenze'. Er möchte es nicht, sich selbst als sadistisch oder boshaft zusehen. Er redete sich vermutlich selbst ein, dass er ihr eine ernsthafte Chance gegeben hat. Dass sie es verdiente, jedes Mal, wenn sie getroffen wurde, weil sie den Sprüche hätte ausweichen sollen.
Er wollte nicht von sich selbst denken, dass er grausam war.
Er dachte vermutlich, dass er besser war als das.
Hermine starrte auf ihre eigenen Hände hinunter.
Auf einer Skala für Schmerzen und Grausamkeit wurden Brandzauber kaum registriert. Emotional jedoch fand sie das Erlebnis niederschmetternder, als sie es sich selbst eingestehen wollte.
Sie presste ihre Augen in ihre Armbeuge und versuchte nicht zu weinen.
Die Tränen bahnten sich dennoch einen Weg nach draußen.
