XV. Lothars Grab, Arthurs Falle

Arthur sitzt am Tisch im vorderen Teil seiner Räume, einen Brief von König Bayard vor sich, während er mit einer Feder in der Hand auf einem Pergament seine Antwort verfasst. Morgana sitzt neben ihm, die Beine übereinander geschlagen und sie schneidet sich immer wieder ein Stück Käse von einem kleinen Laib ab, der ein Teil von Arthurs Mittagessen ist. Hinter ihnen scheint die warme Mittagssonne durch die Fenster und Arthur schreibt einen weiteren Satz, bevor er gedankenverloren nach einem Stück Braten von der Platte mit Speisen greift. Er überlegt, wie er sein nächstes Anliegen formulieren soll, und er will Morgana gerade nach ihrer Meinung dazu fragen, als Morganas Stimme ihn aus seinen Gedanken reißt.

„Sag mir Bruderherz, hat Merlin in letzter Zeit mit dir über Nimueh gesprochen?"

Arthur sieht erstaunt auf. „Was? Warum?"

Morgana zuckt betont gleichgültig mit den Schultern. „Oh, ich weiß nicht. Die zwei verbringen viel Zeit miteinander seit Beltane und seit Merlin ihr die Wahrheit über euch beide gesagt hat."

Arthur legt die Feder bei Seite und sieht seine Schwester mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Der Tonfall in ihrer Stimme verwirrt ihn und er schüttelt den Kopf. „Was willst du damit sagen?"

Morgana hebt eine Augenbraue und ein Ausdruck von Besorgnis tritt auf ihr Gesicht. „Du hast es wirklich nicht bemerkt?"

Arthur mustert sie einen Moment lang, bis ihm klar wird, worauf Morgana anspielt und er starrt sie ungläubig an. „Willst du allen Ernstes andeuten, dass Merlin an Nimueh interessiert wäre?"

Morgana lächelt unsicher, doch bevor sie etwas sagen kann, lacht Arthur amüsiert auf und schüttelt den Kopf. „Sie verbringen viel Zeit zusammen, weil sie versuchen herauszufinden, was all die magischen Artefakte, die wir in Cornelius Sigans Grab gefunden haben und die Gegenstände, die unser Vater über die Jahre hinweg beschlagnahmt hat, wirklich sind. Und wenn du mir nicht glaubst, dann frag deine Schwester. Wenn Merlin anderweitig beschäftigt ist, dann helfen Morgause oder Ruadan Nimueh bei ihrer Aufgabe."

Morgana legt die Stirn in Falten. „Und du bist sicher, dass da nicht mehr ist?"

Arthur nickt immer noch mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. „Ja, ich bin sicher. Wenn da mehr wäre, dann hätte Merlin es mir gesagt und außerdem wüsste ich es ohnehin. Durch unsere Verbindung hindurch kann er keine Geheimnisse vor mir haben, selbst wenn er es wollte. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, wenn Merlin beschließen würde Nimueh den Hof zu machen, aber so ist es nicht. Außerdem weiß ich aus zuverlässiger Quelle, dass Nimueh gestern schon zum zweiten Mal in dieser Woche einen Spaziergang mit Percival unternommen hat."

Arthur nimmt seiner Feder wieder zur Hand und liest die letzten Sätze, die er geschrieben hat, noch einmal durch, um den Brief an Bayard weiter zu schreiben.

„Mit Percival? Bist du dir sicher?", fragt Morgana neugierig. „Ich hätte nicht gedacht, dass…"

Sie bricht mitten im Satz ab und Arthur wartet darauf, dass sie weiterredet, als sie das jedoch nicht tut, rollt er mit den Augen.

„Du hättest was nicht gedacht?", fragt er und hebt schließlich den Blick erneut von seinem Brief, um seine Schwester anzusehen.

Morgana sitzt jedoch vollkommen reglos auf ihrem Stuhl und sie scheint mitten in der Bewegung erstarrt zu sein. Ihr Mund ist leicht geöffnet und ihr Blick ist vollkommen leer auf die gegenüberliegende Wand gerichtet.

„Morgana?", fragt Arthur alarmiert, aber Morgana reagiert nicht. Unwillkürlich sendet Arthur Merlins Magie aus, um sicherzugehen, dass Morgana nicht unter seinem Zauber steht, doch er kann nichts Ungewöhnliches entdecken.

„Morgana, kannst du mich hören?", fragt er als Nächstes und streckt eine Hand aus, um sie am Arm zu berühren.

In dem Moment, als Arthurs Fingerspitzen den Stoff ihres Kleides berühren, zuckt Morgana zusammen. Sie dreht den Kopf zu ihm und blinzelt mehrere Male schnell hintereinander, doch erst nach einem langen Augenblick scheint sie Arthur wirklich zu sehen.

„Tut mir leid", sagt sie leise und es klingt, wie aus weiter Ferne. „Ich hatte gerade eine Vision."

Sie schüttelt sachte den Kopf und zieht die Augenbrauen zusammen, so als ob sie versuchen würden, die Bilder ihrer Vision festzuhalten, um sie nicht zu vergessen.

„Worum ging es?", fragt Arthur behutsam, aber Morgana steht abrupt auf und streicht ihr Kleid glatt.

„Ich muss gehen", sagt sie unvermittelt.

Arthur mustert sie besorgt. „Geht es dir gut? Was hast du gesehen?"

„Ich habe Mithian gesehen, aber es ergibt alles noch keinen Sinn", antwortet Morgana. „Ich muss versuchen, die Vision noch einmal zu sehen. Wenn ich mehr weiß, sage ich es dir." Sie lächelt Arthur kurz an, bevor sie sich umdreht und mit zügigen Schritten und ohne ein weiteres Wort das Zimmer verlässt.

Arthur starrt noch einen Moment lang auf die Tür, die Morgana gerade hinter sich geschlossen hat. Alle Gedanken an den Brief für Bayard sind vergessen, während er überlegt, was Morgana wohl gesehen haben könnte. Das Einzige, das ihm in den Sinn kommt, und das Mithian betrifft, ist König Odins Versuch Nemeth zu besetzen, um Arthurs Beziehung zu Mithian dazu zu benutzen Arthur in eine Falle zu locken und zu töten. Aber mit Gewissheit würde er das erst wissen, wenn Morgana ihre Vision noch einmal herauf beschwören kann.

Es ist noch früh am Abend und draußen ist es noch hell, als Arthur mit den Rittern der Tafelrunde in der Ratskammer die Korrespondenz von König Bayard und König Lot bespricht, als die Tür aufgeht und Morgana die Halle betritt. Sie hat einen harten Ausdruck auf dem Gesicht und ihre Lippen sind zu einer dünnen Linie zusammengepresst.

„Es ist Odin, er hat Nemeth angegriffen", sagt sie, während die Türen hinter ihr geschlossen werden.

„Was?", fragt Leon verwirrt, bevor er verständnislos zu Arthur hinübersieht.

Arthur setzt daraufhin zu einer Erklärung an. „Morgana hatte heute Nachmittag eine Vision, aber sie konnte keine Einzelheiten erkennen."

Leons Augen weiten sich. „Wir müssen etwas tun, so schnell wie möglich", sagt er entschieden, aber Morgana, die bei ihnen angekommen ist, schüttelt den Kopf.

„Es ist zu spät", sagt sie mit belegter Stimme. „Es ist bereits passiert. Odin und seine Armee sind in Nemeth einmarschiert und haben das Schloss besetzt. Er hat König Rodor und Prinzessin Mithian gefangen genommen, während Mithians kleiner Bruder Edric mit einigen von Rodors loyalsten Rittern zu Lord Cromwell flüchten konnte. Odin hat sich nicht für ihn interessiert, er wollte nur Mithian und ihren Vater."

Gwaine zieht die Augenbrauen zusammen. „Was bezweckt Odin denn damit?"

„Er will Rache dafür, dass ich seinen Sohn getötet habe und er wird Mithian dazu benutzen, um mich in eine Falle zu locken", antwortet Arthur, während er bereits überlegt, was sie als Nächstes tun sollen.

„Das ist in der anderen Zeit auch schon passiert, oder nicht?", schlussfolgert Lancelot und als Arthur den Kopf hebt, sieht er, dass seine Ritter ihn aufmerksam beobachten.

„Ja, ist es", bestätigt er mit einem Nicken. „Odin wird Mithian nach Camelot schicken, wahrscheinlich mit einem seiner Männer als Aufpasser und sie wird mir erzählen, dass Odin in Nemeth einmarschiert ist und obwohl ihr Bruder in Sicherheit gebracht wurde und sie und ihr Vater entkommen konnten, ist Rodor verletzt worden und er war nicht mehr in der Lage weiter zu gehen, kurz nachdem sie die Grenze überquert hatten. Sie wird mir sagen, dass ihr Vater sich in Lothars altem Grabgewölbe versteckt hält und mich bitten, ihr zu helfen, bevor Odins Männer Rodor entdecken können."

Arthur sieht, wie die Ritter sich untereinander kurze Blicke zuwerfen, aber er ignoriert es. Es ist eine Sache zu wissen, dass jemand die Zukunft kennt, aber etwas ganz anderes sie in allen Einzelheiten vorherzusagen.

„Und was tun wir jetzt?", fragt Elyan schließlich.

Arthur zuckt mit den Schultern. „Wir werden Mithian helfen", antwortet er, als ob das auf der Hand liegen würde.

„Oh, du meinst wir werden geradewegs in Odins Falle laufen," meint Gwaine grinsend und Arthur erwidert sein Grinsen und nickt.

„Ganz genau."

Gwaine klatscht in die Hände. „Gut, dann hätten wir das geklärt."

„Bitte sag mir, dass du einen Plan hast, der nicht nur darin besteht direkt in Odins Falle zu laufen", sagt Leon beinahe flehentlich.

Arthur legt ein wenig gekränkt den Kopf schief. „Natürlich habe ich einen Plan. Wir werden Odin in dem Glauben lassen, dass wir in seine Falle laufen, Merlin wird ihn überwältigen und dann werden wir Mithians Vater befreien und Odin dazu zu bringen Nemeth wieder freizugeben."

Leon atmet ein Mal tief durch und sieht dann Arthur zweifelnd an. „Irgendetwas sagt mir, dass es nicht ganz so einfach werden wird."

„Ich habe nie gesagt, dass es einfach werden wird", entgegnet Arthur grinsend. „Odin will mich töten, aber wenn wir es geschickt anstellen, dann wird es am Ende keinen Krieg geben, sondern Frieden. Und ich werde natürlich noch am Leben sein. Ich habe es schon einmal geschafft, diesen Ausgang herbeizuführen, und ich werde es noch ein weiteres Mal schaffen."

Leon sieht jedoch immer noch nachdenklich aus. „Dann lass uns hoffen, dass es keine unvorhergesehenen Zwischenfälle gibt."

Percival schnaubt amüsiert und schüttelt den Kopf. „Du machst dir zu viele Sorgen, Leon", meint er und klopft Leon auf die Schulter.

Leon legt den Kopf schief und verschränkt die Arme vor der Brust. „Jemand muss es schließlich tun."

„Oh, Merlin und ich machen uns mehr als genug Sorgen, das kannst du mir glauben", antwortet Arthur. „Aber bis jetzt ist alles gut gegangen und es wird auch dieses Mal alles nach Plan laufen."

Merlin verlässt das Zimmer, in das Leon kurz zuvor Mithian getragen hat, und schließt die Tür hinter sich. Gaius ist noch bei ihr und Leon ist bereits nach unten gegangen, um Arthur zu informieren.

Es ist ein paar Stunden nach Mitternacht und Merlin macht sich im Schein der Fackeln an den Wänden auf den Weg zu Arthurs Räumen.

Mithian ist zusammen mit einer Frau, die sich als ihre Dienerin Kayla vorgestellt hat, kurz zuvor in den Schlosshof geritten. Nachdem Mithian von ihrem Pferd gestiegen ist, brachte sie gerade noch heraus, dass sie sich freuen würde Leon zu sehen, bevor sie vollkomm entkräftet zusammengebrochen ist. Leon hat augenblicklich Gaius und Merlin holen lassen und Gaius wies ihn an, Mithian in eines der Gästezimmer zu bringen, damit er sie untersuchen konnte. Die Dienerin Kayla hat sich geweigert von Mithians Seite zu weichen und Gaius hat ihr schließlich stirnrunzelnd erlaubt zu bleiben.

Als Merlin seine und Arthurs Räume betritt, sieht er, dass neben Arthur und Leon auch Gwaine, Percival, Elyan und Lancelot anwesend sind. Bis auf Leon und Elyan, die ihre Kettenhemden tragen, haben alle anderen nur eine Hose und Stiefel angezogen und sich ein Hemd übergeworfen.

„Geht es Mithian gut?", fragt Arthur sofort, als Merlin ins Zimmer kommt. Er sitzt mit dem Rücken zum Kamin am Tisch und ein besorgter Ausdruck liegt in seinem Blick.

„Ja, sie ist lediglich erschöpft", antwortet Merlin. „Gaius hat ihr einen Schlaftrank gegeben, dessen Wirkung bis Mittag anhalten sollte, damit sie sich ausruhen kann."

„Hat sie noch etwas gesagt?", fragt Leon, der Artur gegenüber sitzt, aber Merlin schüttelt den Kopf.

„Nein, nicht wirklich. Sie hat etwas gemurmelt, aber sie war zu entkräftet. Ich kann euch allerdings sagen, dass die Frau, die behauptet Mithians Dienerin zu sein, über Magie verfügt."

Arthur sieht ihn erstaunt an, aber Merlin hebt beschwichtigend die Hände. „Sie verfügt gerade über genug Magie um einfache Zauber zu wirken und Mithian genügend einzuschüchtern."

„Magie ist in Odins Königreich immer erlaubt gewesen", gibt Gwaine von seinem Platz, an eine der Säulen gelehnt, zu bedenken und Arthur nickt nachdenklich.

„Ist es ein Problem, dass sie Magie hat?", fragt Percival, der mit dem Rücken zu Merlin sitzt und sich auf seinem Stuhl umgedreht hat, um Merlin anzusehen.

Merlin schmunzelt leise und schüttelt den Kopf. „Nein, es ist kein Problem. Wir wussten, dass Odin jemanden schicken würde, um Mithian zu bewachen, und Kayla wird es genauso wenig merken, wie jeder andere, wenn ich sie in der Zeit einfriere."

Leon zieht die Augenbrauen zusammen und sieht zu Arthur hinüber. „Ich dachte, du wolltest dich erst um Mithians Begleitung kümmern, nachdem sie uns zu Odin gebracht hat."

„Ja und das immer noch der Plan. Aber ich werde Mithian nicht länger als absolut nötig in dem Glauben lassen, dass sie mich tatsächlich in eine Falle lockt, die damit enden wird, dass Odin mich umbringt", sagt Arthur entschieden. „Ich bin sicher, sie kann ihre Rolle überzeugend spielen."

„Also gut", meint Gwaine und stößt sich von der Säule in seinem Rücken ab. „Gibt es noch etwas, das wir wissen müssen? Wenn nicht, dann lege ich mich jetzt wieder aufs Ohr."

„Ja, niemand rührt Odin an." Arthur sieht in die Runde seiner Ritter und fasst jeden von ihnen mit einem eindringlichen Blick ins Auge. „Er wird nicht getötet, ganz gleich was er tut. Ich kann ihn davon überzeugen sich zurückzuziehen und wir brauchen ihn als König von Cornwall, wenn wir eine Chance auf Frieden in ganz Albion haben wollen. Er wird dafür bezahlen, was er getan hat, aber nicht mit seinem Leben."

Die Ritter nicken und für einen Moment herrscht Stille, bis Leon das Wort ergreift. „Was wirst du tun, wenn Odin nicht einlenkt?"

Merlin weiß, worauf Leon hinauswill und Arthur weiß es ebenfalls. Leon möchte wissen, ob Arthur Odin ebenfalls unter einen Zauber stellen wird, um ihn gefügig zu machen, so wie er es bei Lot und Caerleon getan hat.

„Ich muss darauf vertrauen, dass ich Odin dazu bringen kann Vernunft anzunehmen. Andernfalls ist alles wofür wir kämpfen, der Frieden, den ich Albion bringen will, dazu verdammt zu scheitern", antwortet Arthur, während er Leon unverwandt ansieht. „Es wird immer jemanden geben, der versuchen wird andere zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen, aber Menschen können sich ändern. Ich kann nicht jeden dazu bringen, das zu tun, was ich will, denn das wäre kein Frieden, sondern Tyrannei - auch wenn niemand den Unterschied bemerken würde."

Leon presst die Lippen aufeinander und senkt seinen Blick auf die Tischplatte vor ihm. „Vergebt mir, Sire, ich wollte nicht…", beginnt er, doch Arthur schüttelt den Kopf und unterbricht ihn.

„Nein, Leon. Es ist deine Pflicht als mein erster Ritter und mein Freund meine Entscheidungen infrage zu stellen. Nur weil man die Macht hat etwas zu tun, heißt das nicht, dass man es tun sollte, nur weil es der bequemste Weg ist." Arthur lässt seinen Blick über jeden seiner Ritter im Raum wandern und Merlin spürt, wie wichtig es für Arthur ist, dass seine Ritter verstehen, welche Aufgabe ihnen zukommt.

„Ihr alle seid mein Gewissen", fährt Arthur schließlich fort. „Ihr Ritter der Tafelrunde, Merlin und Morgana, damit ich die Macht, die ich habe, niemals missbrauche."

Die warmen Sonnenstrahlen der späten Nachmittagssonne fallen durch die hohen Fenster der Ratshalle, als Arthur Mithian auffordert zu erzählen, warum sie heute in den frühen Morgenstunden nach Camelot gekommen, und nach ihrer Ankunft im Schlosshof vollkommen entkräftet zusammengebrochen ist.

Mithian trägt nur das beige Hemd und die dunkle Hose in der sie nach Camelot gekommen ist und ihre Haare fallen ihr offen um die Schultern. Sie sitzt auf einem Stuhl gegenüber von Arthurs und Morganas Thron und die Ritter der Tafelrunde stehen zusammen mit Merlin zu beiden Seiten, als Mithian mit rauer Stimme zu erzählen beginnt. Die Frau mit den langen blonden Haaren, die zu einem dicken Zopf geflochten sind, und die Mithian als Kayla vorgestellt hat, steht neben ihr und ihre Anwesenheit sorgt dafür, dass Mithian Arthur und den Rittern der Tafelrunde genau die Geschichte erzählt, die sie bereits erwartet haben. Schließlich wirft Mithian einen Blick zu Kayla hinüber, bevor sie mit stockender Stimme weiterspricht.

„Mein Vater ist ein alter Mann. Er kann sich nicht mehr wehren. Ich kann mich an keinen anderen wenden, als an Euch Arthur. Ihr seid meine einzige Hoffnung."

„Mithian, ich verstehe, wie Ihr Euch fühlt, und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um Euch zu helfen", verspricht Arthur und Mithian versucht ein erleichtertes Lächeln zustande zu bringen, doch sie sieht gequält aus und eine Träne löst sich aus ihren Augen und rinnt ihre Wange hinunter.

„Danke Milord", antwortet sie und Arthur nickt.

Jetzt Merlin, bitte", sagt er einen Augenblick darauf in Gedanken zu Merlin und er spürt das Echo von Merlins Magie, als er Mithians angebliche Dienerin in der Zeit einfriert.

„Es ist alles in Ordnung Mithian, Ihr müsst Euch keine Sorgen machen, wir wissen von der Falle, die Odin mir stellen will", sagt Arthur beruhigend, während er sich von seinem Thron erhebt.

Mithians Augen weiten sich vor Entsetzen und sie dreht eilig den Kopf zu Kayla hinüber, während sie von ihrem Stuhl aufsteht und bereits vor Kayla zurückweicht. Als sie jedoch sieht, dass Kayla nicht reagiert und mit starrem Blick bewegungslos geradeaus starrt, sieht sie erstaunt zu Arthur zurück. „Was geht hier vor?"

„Merlin hat sie in der Zeit eingefroren. Sie kann nichts sehen oder hören und wird sich an nichts erinnern. Ihr müsst keine Angst mehr vor ihr haben", erklärt Arthur und als Mithians Blick zu Merlin wandert, wirft Merlin ihr ein aufmunterndes Lächeln zu.

Mithian starrt Arthur anschließend noch einen Moment lang an und schüttelt dann ungläubig den Kopf. „Woher wisst Ihr von Odins Plan Euch zu töten?", fragt sie mit erstickter Stimme.

Morgana wirf ihr ein gezwungenes Lächeln zu, bevor sie ihr antwortet. „Ich hatte eine Vision. in der ich gesehen habe, wie Odin Nemeth angegriffen hat, aber es war bereits zu spät, um ihn aufzuhalten. Wir wissen, dass er Euren Vater gefangen hält und dass ihr nicht wirklich entkommen seid."

Weitere Tränen laufen Mithians Wangen hinunter und Arthur geht zu ihr und legt ihr seine Hände auf die Oberarme. „Wir werden Euren Vater retten. Alles wird gut, ich verspreche es."

Mithian sieht Arthur noch für einen Augenblick an, als ob sie es kaum glauben könnte, dann schluchzt sie erstickt auf und fällt ihm um den Hals. Arthur hält sie fest und streicht ihr mit einer Hand über die Haare. Ihr ganzer Körper bebt unter seinen Händen und Arthur versucht ihr mit seiner Umarmung so viel Trost und Zuversicht zu spenden wie er kann.

Als er sie wieder loslässt, lächelt Mithian dankbar und blinzelt die Tränen weg, während ein entschlossener Ausdruck in ihre Augen tritt. „Was werdet Ihr jetzt tun?"

Die Mithian, die Arthur damals gekannt hat, war eine unglaublich starke Frau und diese Mithian, die jetzt vor ihm steht, ist es ebenfalls. Ein Lächeln breitet sich auf Arthurs Lippen aus, bevor er Mithian mit einem Zwinkern antwortet. „Wir werden geradewegs in Odins Falle laufen."

Das scheint das Letzte zu sein, was Mithian erwartet hat, denn sie sieht Arthur entgeistert an und schüttelt alarmiert den Kopf. „Das könnt Ihr nicht tun! Er wird Euch töten!"

Arthur legt Mithian beruhigend seine Hände auf die Schultern und sieht sie mit festen Blick an. „Dazu wird es nicht kommen. Das verspreche ich Euch. Wir werden Odin glauben lassen, dass ich ihm genau in die Hände spiele und dann werden wir Euren Vater retten und Odin gefangen nehmen, damit er seine Truppen aus Nemeth abzieht."

Arthur kann sehen, dass Mithian sich immer noch Sorgen macht, aber sie versucht nach einem Moment ein zuversichtliches Lächeln zustande zu bringen.

Arthur ist dankbar für ihr Vertrauen und er nickt, bevor er sie ernst ansieht. „Ihr müsst so tun, als ob das hier nie passiert wäre und Eure Rolle weiterspielen. Könnt ihr das?"

„Ja, das kann ich", antwortet Mithian mit fester Stimme. Dann wirft sie einen Blick zu Kayla hinüber. „Was passiert mit ihr?"

„Ich werde mich um sie kümmern, wenn es so weit ist", antwortet Merlin. „Aber für den Moment brauchen wir sie noch. Sie hat vermutlich die Anweisung von Odin erhalten ihn darüber zu informieren, ob alles nach Plan läuft."

Mithian nickt nachdenklich und Arthur sieht sie noch einmal eindringlich an. „Ich will, dass Ihr vorsichtig seid, Mithian. Ihr müsst Euch ganz normal verhalten und ich weiß, dass Ihr versuchen würdet einen Weg zu finden, uns zu warnen, nicht wahr?" Er grinst schief. „Aber bitte, versucht nichts dergleichen. Gebt ihr keine Chance Euch wehzutun."

„Ich verspreche es", antwortet Mithian und Arthur sieht ihr an, dass es ihr viel bedeutet, dass er glaubt, sie würde versuchen ihn unter Gefahr für ihr eigenes Leben zu warnen. Arthur wirft ihr noch einmal ein aufmunterndes Lächeln zu, bevor er sie schließlich loslässt und wieder zurück zu seinem Thron geht, um sich wie zuvor hinzusetzen. Mithian tut es ihm gleich und setzt sich ebenfalls wieder auf ihren Stuhl.

„Seid Ihr soweit?", fragt Arthur und Mithian atmet ein Mal tief ein und wieder aus, bevor sie nickt.

Arthur gibt Merlin mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass er den Zauber beenden soll und Merlins Augen leuchten für einen Moment golden auf, als er Kayla wieder frei lässt.

„Fühlt Ihr Euch stark genug, um uns zu dorthin zu bringen, wo sich Euer Vater versteckt hält?", fragt Arthur schließlich, als ob die Unterhaltung ohne Unterbrechung weitergegangen wäre.

Mithian versucht, sich nichts anmerken zu lassen, und nickt. „Ja, das tue ich."

„Gut, dann werden wir morgen bei Sonnenaufgang aufbrechen. Ihr solltet versuchen, Euch bis dahin noch etwas auszuruhen."

Draußen beginnt es gerade hell zu werden, als Arthur in sein Kettenhemd und seinen roten Umhang gekleidet an die Tür zu Mithians Gemächern klopft. Merlin steht neben ihm und er trägt seine rote wattierte Wildlederjacke und sein blaues Halstuch, anstatt eine seiner langen, verzierten Roben.

Die Tür wird ihnen von Kayla geöffnet, die den Blick senkt und sich verbeugt, als sie Arthur sieht. „Guten Morgen, Sire, Milord."

„Guten Morgen, ich möchte mit Prinzessin Mithian sprechen. Wir werden bald aufbrechen", sagt Arthur und Kayla nickt.

„Natürlich, Sire", antwortet sie und tritt bei Seite, um Arthur und Merlin herein zu lassen.

Als sie das Zimmer betreten, steht Mithian von dem Stuhl vor dem kleinen Spiegeltisch auf und verbeugt sich ebenfalls vor Arthur. „Guten Morgen, Milords."

Sie trägt bereits wieder ihre einfache Reisekleidung vom Vortag, zusammen mit einem schwarzen Umhang, und Arthur wirft ihr ein höfliches Lächeln zu. „Fühlt Ihr Euch heute Morgen schon wieder kräftiger?"

Mithian nickt und bemüht sich ebenfalls um ein Lächeln. „Ja und das verdanke ich dem Trank, den mir Euer Hofarzt gegeben hat."

„Es freut mich das zu hören", antwortet Arthur. „Gaius wird uns nicht begleiten, aber ich versichere Euch, dass Merlin sich sehr gut um Euren Vater kümmern wird, sobald wir bei ihm sind."

Mithian nickt erneut und Arthur wirft dann einen Seitenblick zu Merlin, der daraufhin Kayla wieder in der Zeit einfriert.

„Wir sind wieder unter uns", sagt Merlin mit einem aufmunternden Lächeln an Mithian gewandt und sie atmet ein Mal tief durch, bevor ein Teil ihrer Anspannung für den Moment von ihr abfällt.

Arthur geht zu ihr und legt ihr wie am gestrigen Tag auch seine Hände auf die Arme, um ihr durch seine Berührung Kraft zu geben und ihr zu zeigen, dass sie nicht alleine ist.

„Geht es Euch gut?", fragt er sanft, während er sie eingehend mustert. Ihre Haut ist blass und unter ihren Augen sind dunkle Ringe zu sehen, was Arthur daran zweifeln lässt, dass sie in der vergangenen Nacht viel geschlafen hat.

Mithian bringt jedoch ein tapferes Lächeln zustande. „Ja", antwortet sie. „Macht Euch keine Sorgen um mich."

„Ist gestern noch etwas passiert?", erkundigt sich Merlin und Mithian dreht den Kopf, während sie nickt.

„Ja, Kayla hat einen Raben mit einer Nachricht zu Odin geschickt und ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass alles nach Plan läuft. Er wird uns erwarten."

„Gut, das ist genau das, was wir wollen", erwidert Arthur mit einem zufriedenen Lächeln, aber Mithian presst die Lippen aufeinander und sieht zu Boden.

Arthur hebt eine Hand und streicht ihr über die Wange. „Was ist los?", fragt er sanft. „Was immer es ist, Ihr könnt es mir sagen."

„Ich fühle mich so schuldig", gesteht Mithian mit schwacher Stimme, während sie Arthurs Blick ausweicht. „Als ich nach Camelot gekommen bin, war ich bereit Euch zu belügen und Euch in eine Falle zu locken…", sagt sie, aber Arthur schüttelt den Kopf und unterbricht sie sanft.

„Nein, Mithian. Euch trifft keine Schuld. Das ist Odins Werk. Natürlich musstet Ihr tun, was er von Euch verlangt hat, um Euren Vater zu beschützen. Ich hätte dasselbe getan."

Mithian lächelt schwach und Arthur zieht sie an sich, um sie für einen Moment in die Arme zu schließen. Sie lehnt sich an seine Brust und Arthur spürt, wie sie tief und zittrig einatmet. Nach einigen langen Momenten lässt er sie wieder los und tritt dann einen Schritt zurück, bevor er Merlin zunickt.

Merlin geht zu Kayla hinüber und bleibt vor ihr stehen. „Dann wollen wir mal sehen, was Odin für uns geplant hat."

Er hebt die Hände und legt seine Handflächen zu beiden Seiten an Kaylas Kopf. In dieser Position verharrt er einen Moment lang, während er Kaylas Gedanken liest, und dann seine Hände wieder sinken lässt.

„Odin hat ihr befohlen mich zu vergiften, kurz bevor wie Lothars Grabstätte erreichen", sagt Merlin und als er die Besorgnis auf Mithians Gesicht sieht, grinst er. „Keine Sorge. Ich werde mich nicht vergiften lassen. Das verspreche ich", sagt er und wackelt mit den Augenbrauen.

Mithians Mundwinkel zucken unweigerlich, doch sie sieht noch nicht vollständig überzeugt aus. Arthur streicht ihr noch einmal über den Arm und Mithian dreht den Kopf zu ihm.

„Alles wird gut", versichert er ihr und als Mithian dieses Mal nickt, sieht sie ein wenig zuversichtlicher aus als zuvor.

Arthur lässt seine Hand wieder sinken. „Seid Ihr soweit?", fragt er dann und Mithian atmet noch ein Mal tief durch, bevor sie entschlossen nickt und Arthur geht wieder einen Schritt zurück.

Merlin wartet, bis sie alle wieder ihre vorherigen Positionen eingenommen haben, dann leuchten seine Augen golden auf und er entlässt Kayla aus dem Zauber.

„Wir werden im Schlosshof auch Euch warten", sagt Arthur. „Es wurde bereits alles für unsere Abreise vorbereitet."

„Wie werden in Kürze bei euch sein", verspricht Mithian und Arthur nickt, bevor er Mithian einen letzten Blick zuwirft und dann zusammen mit Merlin das Zimmer verlässt.

Draußen machen sie sich im fahlen Licht, das durch die Fenster des Korridors fällt, auf den Weg in den Schlosshof hinunter. Arthurs Gedanken sind immer noch bei Mithian, die ihre Rolle mit Bravour spielt. Er hat allerdings nichts anderes von ihr erwartet.

„Mithian ist unglaublich stark, nicht wahr?", sagt er schließlich, als er und Merlin um eine Ecke biegen.

„Ja, das ist sie", antwortet Merlin. „Und sie wird eine hervorragende Königin sein."

Arthur gestattet sich ein zufriedenes Lächeln. „Ja, das wird sie."

„Und deshalb du solltest sie so bald wie möglich zu deiner Königin machen."

Arthur bleibt stehen, als er das hört und er dreht den Kopf zu Merlin, um ihn überrascht anzusehen. „Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt damit noch zu warten?"

Merlin, der ebenfalls stehen geblieben ist, wirft ihm einen vielsagenden Blick zu. „Wenn man bedenkt, wie leicht es Odin gefallen ist Nemeth einzunehmen, dann lässt das nur den Schluss zu, dass König Rodor nicht mehr so stark ist, wie er einst war und Mithian wird ihm als Frau nicht auf den Thron folgen können. Nemeth ist nicht Gwynedd. Aber wenn du Mithian jetzt heiratest, dann kann Rodor seine Herrschaft mit Camelots Unterstützung fortsetzen, so lange bis sein Sohn Edric alt genug ist, um den Thron zu besteigen. In Nemeth kann er schon mit sechzehn Jahren König werden und das sind nur noch vier Jahre."

Merlin sieht Arthur nachdrücklich an, aber Arthur widerspricht ihm nicht, denn Merlin hat mit dem, was er gesagt hat, vollkommen recht. Arthur mustert ihn einen Moment lang, bevor ein schmales Lächeln auf seinen Lippen erscheint.

„Wann bist du so gut in Politik geworden?"

Merlin schnaubt, aber er grinst. „Ich war schon immer gut darin, du hast nur nie auf mich gehört."

„Manchmal habe ich auf dich gehört", widerspricht Arthur und Merlin rollt gutmütig mit den Augen.

„In Ordnung. Manchmal hast du tatsächlich auf mich gehört, das stimmt. Und dieses Mal wirst du auch auf mich hören, allein schon deswegen, weil ich dir nichts erzähle, was du nicht bereits selbst weißt."

Arthur atmet ein Mal tief durch. „Nein, das tust du nicht. Eine Heirat mit Mithian würde Rodors Position stärken und Camelot Nemeths fortdauernde Unterstützung sichern, aber es gibt noch andere Wege um das zu erreichen."

Merlin legt den Kopf schief. „Keiner davon ist genauso gut wie eine Heirat und da du ohnehin vorhast Mithian zu heiraten, wäre es dumm es nicht jetzt schon zu tun."

Arthur seufzt, bevor er nickt, denn Merlin hat auch damit vollkommen recht. Sie haben gedacht, dass sie noch mehr Zeit haben würden, aber es wäre töricht, diese Gelegenheit verstreichen zu lassen. Arthur muss an sein Königreich und an das Schicksal von ganz Albion denken. Er kann es sich nicht leisten, seinen eigenen Wünschen und seiner Beziehung zu Merlin den Vorzug zu geben.

„Also gut", sagt er schließlich. „Sobald wir Frieden mit Odin geschlossen haben, werde ich bei König Rodor um die Hand seiner Tochter anhalten."

Als sie an diesem Abend ihr Lager aufschlagen, hat die Dämmerung bereits eingesetzt und das letzte Licht des Tages schwindet rasch. Sie sind nicht mehr weit von der Grenze zu Nemeth entfernt und Arthur hat als Lagerplatz dieselbe Ruine am Rande des Waldes von Gedref gewählt, wie beim letzten Mal. Die zerfallenen Mauern in der Nähe des kleinen Baches sind eine strategisch gute Stelle, um das Lager aufzuschlagen, und auch wenn sie nicht mit einem Angriff von Odin rechnen müssen, will Arthur kein Risiko eingehen.

Während sich Elyan und Galahad um die Pferde kümmern, entfacht Merlin ein kleines Feuer. Als Arthur und Lancelot kurz darauf von ihrem Rundgang um das kleine Lager zurückkommen, und sich an das Feuer setzen, ist es bereits fast dunkel.

Merlin hat einen einfachen Eintopf aus getrocknetem Fleisch und etwas Gemüse zubereitet und alle sind dankbar für das warme Essen, als die Kühle der Nacht heraufzieht. Der Sommer hat noch nicht wirklich Einzug in Camelot gehalten und Merlin sieht, wie Mithian auf der anderen Seite des Feuers ihren Umhang enger um sich zieht, während sie mit leerem Blick die kleine Holzschale mit dem warmen Eintopf umklammert. Arthur scheint es ebenfalls bemerkt zu haben, denn er steht auf und nimmt eine Decke von seiner Bettrolle, um sie Mithian über die Schultern zu legen. Mithian hebt erstaunt den Kopf, als sie das Gewicht der Decke auf sich spürt, lächelt dann jedoch dankbar, als sie Arthur entdeckt. Arthur erwidert das Lächeln und setzt sich wieder auf einen der umgestürzten Felsbrocken. Niemand sagt etwas, während sie den Eintopf essen und nachdem alle Schalen eingesammelt wurden, legen sie sich schlafen, um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein.

Als Merlin eine Berührung an seiner Schulter spürt, erwacht er aus einem traumlosen Schlaf. Er öffnet die Augen und entdeckt im fahlen Licht des Morgens Percival neben sich, der ihn gerade aufgeweckt hat. Merlin lässt seinen Blick durch das Lager wandern und stellt fest, dass die anderen bereits auf den Beinen sind. Er sieht Arthur, der leise mit Mithian redet und Elyan und Lancelot, die gerade ihre Bettrollen zusammenpacken.

Merlin schlägt seine Decke zurück und reibt sich kurz die Augen, bevor er ebenfalls aufsteht. Er entdeckt Kayla, die ein Stück neben Mithian ebenfalls ihre Decken zusammenrollt und das Gespräch zwischen Arthur und Mithian aufmerksam verfolgt. Arthur sieht zu Merlin hinüber und Merlin tauscht einen kurzen Blick mit ihm, bevor Arthur ihm kaum merklich zunickt. Es ist Zeit, sich um Kayla zu kümmern.

Merlin steht auf und streckt sich kurz, bevor er nach seinem Wasserschlauch greift und sich zu Percival umdreht. „Ich werde zum Fluss hinunter gehen und meinen Wasserschlauch auffüllen. Soll ich deinen auch mitnehmen?"

Percival schüttelt den Kopf. „Nein, meiner ist noch fast voll. Soll ich dich begleiten?"

„Nein, danke. Ich werde es schon alleine schaffen", antwortet Merlin mit einem Grinsen, bevor er sich auf den Weg durch die Bäume macht.

Als er den kleinen Bach erreicht, geht er in die Knie und öffnet den Wasserschlauch, bevor er ihn in das klare Wasser taucht. Ganz wie er erwartet hat, hört er Schritte hinter sich auf dem Waldboden und als er sich umdreht, entdeckt er Kayla, die auf ihn zukommt. Sie hat ebenfalls einen Wasserschlauch, vermutlich den von Mithian, in der Hand.

„Du hättest etwas sagen können, dann hätte ich deinen Wasserschlauch auch mitgenommen", sagt Merlin, als er sich wieder aufrichtet.

Kayla lächelt schmal, während sie unschlüssig stehen bleibt. Merlin hängt den Wasserschlauch an seinen Gürtel und nimmt Kayla ihre Entscheidung ab, als er die junge Frau mit einem Gedanken mitten in der Bewegung erstarren lässt. Er sieht, wie Kaylas Augen sich weiten, während sie ansonsten keinen Muskel mehr bewegen kann.

Merlin geht auf sie zu und bleibt schließlich vor ihr stehen.

„Wir wissen, dass du nicht Mithians Dienerin bist und dass Odin dich geschickt hat, um dafür zu sorgen, dass Mithian keine Dummheiten macht, wie zum Beispiel Arthur zu warnen, dass er geradewegs in eine Falle läuft", sagt Merlin und Kayla blinzelt mehrere Male schnell hintereinander, als zweifellos ihr Puls in die Höhe schnellt. „Und du hast deine Aufgabe wirklich sehr gut gemacht", gesteht Merlin ihr zu. „Dein Fehler war nur, dass du geglaubt hast, mich täuschen zu können."

Auch wenn sich kein Muskel in Kaylas Gesicht regt, sieht Merlin die Angst in ihren Augen und obwohl sie versucht hat Arthur in eine Falle zu locken, damit Odin ihn umbringen kann, hat er Mitleid mit ihr.

„Du musst keine Angst haben. Ich werde dich nicht töten. Ich werde dir nicht einmal wehtun", verspricht Merlin. „Und wenn alles nach Plan läuft, wovon ich ausgehe, dann wird auch Odin nicht zu Schaden kommen."

Merlin greift in die kleine Beuteltasche an seinem Gürtel und holt ein Medaillon mit einem darin eingelassenen roten Edelstein heraus. Er wickelt sich die goldene Kette um die Hand und zieht anschließend mit der anderen Hand ein kleines Messer aus der Scheide an seinem Gürtel.

„Das wird nur kurz ein wenig brennen", sagt er, bevor er nach Kaylas Hand greift und sie mit der Spitze der Klinge in den Zeigefinger sticht. Er murmelt die Worte, die den Zauber aktivieren und der Edelstein beginnt sanft zu schimmern, woraufhin Merlin einen Tropfen von Kaylas Blut darauf fallen lässt. Die rote Flüssigkeit wird in den Kristall hineingezogen und für einen Augenblick färbt sich der Stein schwarz, bevor er wieder seine ursprüngliche rote Farbe annimmt.

Merlin hängt sich die Kette um den Hals und schiebt das Medaillon unter den Stoff seiner Kleider. Er sieht, wie Kaylas Augen sich abermals weiten, als er sich in ein perfektes Abbild von ihr verwandelt. Merlin beachtet Kayla jedoch nicht weiter und holt stattdessen das zweite Medaillon aus seiner Tasche. Nachdem er die Klinge seines Messers mit einem Zauber gereinigt hat, sticht er sich selbst in den Zeigefinger, spricht leise die Zauberformel und benetzt den blau schimmernden Edelstein in der Mitte des zweiten Medaillons mit seinem eigenen Blut. Nachdem der Edelstein wieder seine blaue Farbe angenommen hat, streift Merlin die Kette über Kaylas Hals und schiebt das Medaillon unter ihren Umhang und unter ihr Kleid.

Die Konturen von Kaylas Gestalt verschwimmen vor Merlins Augen und einen Moment darauf sieht er sich einem exakten Abbild von sich selbst gegenüber. Es ist mehr als nur seltsamer sich selbst gegenüber zu stehen und Merlin schüttelt für einen Moment den Kopf, um diesen verstörenden Anblick auszublenden, bevor er sein Messer wieder wegsteckt.

„Also gut. Wenn du aufwachst, wird aller Wahrscheinlichkeit nach Frieden zwischen Nemeth, Cornwall und Camelot herrschen", sagt er mit Kaylas Stimme und nimmt die Kayla dann den Wasserschlauch aus der Hand, um ihn zu einem eigenen Wasserschlauch an seinen Gürtel zu hängen. Anschließend macht er eine kurze Handbewegung vor Kaylas Gesicht und ihre Augen fallen zu, als er sie in einen tiefen Schlaf versetzt und ihre Beine unter ihr nachgeben. Merlin fängt sie auf und hebt sie in seine Arme, bevor er sich auf den Weg zurück zu ihrem Lager macht.

Auch wenn Merlin sich vergewissert hat, dass Odins Späher weit genug von ihnen entfernt sind, um sie nicht beobachten zu können, will Arthur kein Risiko eingehen. Falls jemand in der Zeit, die sie noch zu Lothars Grab unterwegs sein werden, nah genug kommen sollte, um Gwaine, Galahad und Kayla zu entdecken, dann sollten sie denken, dass alles nach Plan gelaufen ist und dass Arthur zwei von Camelots Rittern mit dem vergifteten Hofzauberer hier zurückgelassen hat, um auf ihre Rückkehr zu warten.

Als Merlin zwischen den Bäumen zu ihrem kleinen Lager zurückkommt, greifen die Ritter unwillkürlich zu ihren Schwertern, als sie Kayla sehen, die einen bewusstlosen Merlin in den Armen trägt, und Merlin muss leise schmunzeln.

„Keine Sorge, ich bin es", sagt er ihnen. „Ihr solltet langsam etwas mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten haben."

Die anderen entspannen sich wieder und Arthur rollt mit den Augen, während sie sich bereitmachen aufzubrechen. Merlin setzt Kayla in seiner Gestalt mit dem Rücken an eine der umgestürzten Mauern und nickt Gwaine zu, der zusammen mit Galahad zu ihm hinüber kommt.

„Sie wird nicht aufwachen, dafür habe ich mit einem Zauber gesorgt", verspricht er den beiden und Gwaine nickt, bevor er Merlin ein Mal von oben bis unten mustert und dann mit den Augenbrauen wackelt.

„Diese Illusion ist nicht so hübsch wie die von Gwen, aber auch nicht zu verachten."

Merlin verdreht mit einem Grinsen die Augen und lässt Gwaine und Galahad bei Kayla zurück, während er mit den anderen zu den Pferden geht, damit sie aufbrechen können. Er verstaut seinen Wasserschlauch am Sattel von Kaylas brauner Stute und übergibt den anderen Wasserschlauch an Mithian, die ihn entgegennimmt und Merlin dabei mit zusammengezogenen Augenbrauen mustert.

„Das ist wirklich mehr als seltsam", sagt sie schließlich leise.

Merlin grinst zur Antwort. „Stellt Euch nur mal vor, wie es für mich ist", sagt er und wirft einen vielsagenden Blick auf Kaylas Brüste, die sich unter ihrem Umhang und dem blauen Hemd, das Kayla trägt abzeichnen.

Mithian kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und Merlin lächelt ihr aufmunternd zu. „Alles wird gut", verspricht er ihr.

Mithian atmet tief durch und nickt dann entschlossen, bevor sie wie die anderen in den Sattel ihres Pferdes steigt und sie sich auf dem Weg zu Lothars Grab machen.

Nachdem sie die Grenze zu Nemeth überquert haben, reitet Mithian voran und führt sie in Richtung Osten durch einen dichten Wald. Merlin, der auf Kaylas Pferd sitzt, sieht wie Arthur ein Stück neben ihm den Impuls unterdrückt einen kurzen Blick zu ihm hinüber zu werfen.

Beobachten Odins Männer uns?", fragt er Merlin in Gedanken, während er sich weiterhin aufmerksam umsieht.

Merlin schließt für einen Moment die Augen und sendet seine Magie nach allen Seiten hin aus und ganz, wie er erwartet hat, entdeckt er in einiger Entfernung mehrere Späher, die ihnen folgen.

Mhm. Genau wie wir erwartet haben."

Gut. Behalte sie im Auge. Ich habe ein ungutes Gefühl", antwortet Arthur grimmig.

Es wird alles gut gehen, dafür werde ich sorgen. Genauso wie beim letzten Mal auch."

Arthur dreht nun doch den Kopf zu Merlin in Kaylas Gestalt hinüber und sieht ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Im nächsten Moment besinnt er sich jedoch eines Besseren, und lässt es so aussehen, als ob er sich lediglich nach allen Seiten umgesehen hätte.

Merlin gestattet sich ein leises Schmunzeln. „Erinnerst du dich noch an das äußerst günstige Erdbeben, das Odins Männer genau zum richtigen Zeitpunkt abgelenkt hat? Das war ich."

Natürlich warst du das", entgegnet Arthur und schüttelt kaum merklich den Kopf. „Weißt du, man sollte meinen, dass mich solche Offenbarungen, nach allem, was ich jetzt weiß, nicht mehr überraschen würden."

So bin ich eben", antwortet Merlin. „Immer für eine Überraschung gut."

Arthur kann sich ein schmales Grinsen nicht verkneifen. „Na schön. Wir werden Lothars Grabstätte bald erreichen. Denk daran, dich nicht zu verraten, bis Odin auftaucht."

Das werde ich nicht, aber wenn einer von Odins Männern dir, Mithian oder Percival zu nahe kommt, dann behalte ich mir das Recht vor ihn mit einem Zauber kampfunfähig zu machen."

Merlin lässt seinen Blick unverwandt durch die dicht beieinanderstehenden Bäume wandern und auch wenn er es nicht sehen kann, spürt er förmlich, wie Arthur mit den Augen rollt.

Percival und ich können sehr gut auf uns aufpassen, aber wenn es dich glücklich macht, dann kannst du gerne ein paar der Angreifer abwehren."

Es dauert nicht mehr lange, bis sie den Eingang zu der Höhle, in der sich Lothars Grab befindet, erreichen und sie halten ihre ein Stück davor Pferde an. Arthur sieht sich wachsam um, bevor er sich zu Mithian umdreht.

„Ist es das?", fragt er, obwohl er natürlich genau weiß, dass sie an ihrem Ziel angekommen sind.

Mithian nickt, genauso wie sie es abgesprochen haben und spielt ihre Rolle glaubhaft weiter. „Ja, wir sollten meinen Vater im Inneren finden."

„Also gut, lasst uns reingehen", sagt Arthur. „Lancelot, Elyan, ihr haltet Wache. Percival du kommst mit mir."

Arthur steigt von seinem Pferd und Percival, Mithian und Merlin in Kaylas Gestalt tun es ihm gleich. Während Elyan und Lancelot ihre Schwerter ziehen, um den Eingang zu bewachen, holt Percival eine Fackel aus seiner Satteltasche und übergib sie an Mithian. Nachdem Percival die Fackeln mit einem Feuerstein entzündet hat, geht Mithian voran in die Höhle. Merlin geht dicht hinter ihr, während Arthur und Percival ihnen mit ein paar Schritten Entfernung folgen. Ein schmaler Gang führt sie tiefer in die Höhle hinein und schließlich erreichen sie die Grabkammer. Mithian steckt ihre Fackel in eine Halterung neben dem Eingang, bevor sie unschlüssig am Rand der Kammer stehenbleibt. Arthur betritt hinter Mithian und Merlin den Raum mit dem Sarkophag in der Mitte und sieht sich um, bevor er sich mit einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht zu Mithian umdreht.

„Das verstehe ich nicht, wo ist Euer Vater?"

„Er ist nicht hier", antwortet Mithian mit schwacher Stimme und Arthur zieht die Augenbrauen zusammen.

„Und wo ist er?"

„Arthur, ich…", beginnt Mithian, doch sie bricht ab, als Schritte auf dem steinernen Boden zu hören sind.

Arthur bedeutet Mithian mit einem schnellen Blick zur Seite zu gehen und einen Moment darauf betreten mehrere bewaffnete Männer in Kettenhemden und Lederrüstungen die Kammer, ihre Schwerter und Speere erhoben. Arthur verharrt noch einen Moment lang bewegungslos, so als ob er nicht glauben könnte, dass Mithian ihn in eine Falle gelockt hat, bevor er schließlich mit einer schnellen Bewegung Excalibur zieht und zum Angriff ansetzt. Percival greift ebenfalls nach seinem Schwert und wirbelt herum, um einen weiteren von Odins Männern anzugreifen.

Mit einem Blick vergewissert sich Merlin, dass Mithian sich wie besprochen an die Wand der Kammer drückt, während er selbst am Eingang stehen bleibt. Die Kammer ist klein und der steinerne Sarkophag, der in der Mitte der Kammer steht, bietet Arthur und Percival nicht viel Platz, um sich gegen ihre Angreifer zur Wehr zur setzen. Da sich Odins Männer zudem deutlich in der Überzahl befinden, dauert es nicht lange, bis Arthurs und Percivals ohnehin nur halbherzigen Versuchen sich zu verteidigen, ein Ende gesetzt wird. Je drei der Männer packen Arthur und Percival an den Armen, und zwei weitere Männer nehmen ihnen die Schwerter ab, während die übrigen Männer ihre Speere auf sie richten.

Arthur hat die Zähne zusammengebissen, wehrt sich aber nicht mehr, als die Männer ihn und Percival auf die Knie drücken. Einen Moment darauf sind erneut Schritte auf dem steinernen Boden zu hören und Odin betritt zusammen mit weiteren seiner Männer die Kammer. Hinter ihm kommt Mithians Vater, König Rodor, durch die Öffnung und Mithian läuft zu ihm, um ihn in die Arme zu schließen. Odin hat seinen Blick auf Arthur gerichtet und beachtet Mithian und ihren Vater nicht im Geringsten.

„Arthur Pendragon. Na endlich", sagt Odin zufrieden. „Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet. Ihr habt meinen Sohn getötet. Ihr habt mir genommen, was für mich das Kostbarste war, aber jetzt werdet Ihr dafür bezahlen." Ein grimmiger Ausdruck tritt auf Odins Gesicht, bevor sein Blick zu Merlin in Kaylas Gestalt hinüber wandert.

Merlin macht einen Schritt nach vorne.

„Kayla", sagt Odin anerkennend. „Ich wusste, dass du deine Sache gut machen würdest und du hast mich nicht enttäuscht."

„Danke", antwortet Merlin. „Aber ich bin nicht Kayla."

Merlin greift nach seiner Magie und sämtliche von Odins Männern in der Kammer und im Gang dahinter fallen mit einem Mal bewusstlos in sich zusammen.

Odins Augen weiten sich ungläubig, doch bevor er reagieren kann, zerfällt das Schwert in seiner Hand zu Staub, der zu Boden rieselt.

Merlin zieht das Medaillon unter seinen Kleidern hervor und verwandelt sich wieder in sich selbst zurück, während Percival und Arthur vom Boden aufstehen. Odin starrt Arthur hasserfüllt an, als er erkennt, dass er in seiner eigenen Falle gefangen ist.

Arthur hebt Excalibur zusammen mit dem Schwert des Mannes, der er es ihm zuvor abgenommen hat, vom Boden auf und macht einen Schritt auf Odin zu, bevor er ihm das andere Schwert vor die Füße wirft. Die Klinge macht ein lautes, klirrendes Geräusch, als sie auf dem Steinboden landet.

Arthur sieht Odin auffordernd an. „Lasst und das hier beenden. Ein für alle Mal. Nur Ihr und ich."

Odin bleckt die Zähne, dann hebt er das Schwert vom Boden auf und greift Arthur noch in derselben Bewegung an. Arthur pariert den Schlag und setzt seinerseits zum Angriff an. Bereits nach ein paar Schlägen ist klar, dass Arthur Odin deutlich überlegen ist, doch der andere König kämpft verbissen und legt all seine Stärke in seine Hiebe. Schließlich lenkt Arthur Odins Schwert ab und versetzt Odin einen Tritt in die Kniekehle, der ihn zu Boden gehen lässt. Als Odin versucht, Arthur erneut anzugreifen, schlägt Arthur ihm das Schwert aus der Hand und setzt ihm schließlich die Spitze von Excalibur an die Kehle.

Odin atmet schwer, aber als Arthur keine Anstalten macht, ihn zu töten, sieht er mit einem verächtlichen Ausdruck in den Augen zu Arthur hinauf. „Na los, bringt es zu Ende."

Arthur betrachtet ihn und zieht die Augenbrauen nach oben. „Und was dann? Eure Männer werden sich rächen wollen und der Krieg wird nie ein Ende nehmen."

„Aber es geht nicht anders", entgegnet Odin mit gebleckten Zähnen.

Arthur schüttelt entschieden den Kopf. „Doch es geht anders. Ich schenke Euch das Leben, dafür setzt Ihr Rodor wieder als König von Nemeth ein und zieht Eure Armee ab."

Odin schnaubt leise. „Selbst wenn ich dem zustimmen würde, ändert das nichts. Was wäre mit uns, Pendragon?", fragt er spöttisch.

„Waffenstillstand, der beide Königreiche zum Frieden verpflichtet", entgegnet Arthur.

„Niemals", stößt Odin hervor.

Arthur schüttelt verständnislos den Kopf. „Ist es das, was Ihr wollt? Hier sterben, in dem Wissen, dass Ihr dieses Land zu einem vielleicht jahrzehntelangen Krieg verurteilt?" Arthur sieht Odin einen Moment lang eindringlich an. „Odin, so könnt Ihr das nicht enden lassen. Das Blut Hunderter würde für immer an Euren Händen kleben."

„Ihr seid der Mörder meines Sohnes", entgegnet Odin grimmig.

„Er hat mich zu einem Duell herausgefordert", antwortet Arthur. „Ich hatte keinen Streit mit ihm und ich habe ihm angeboten, seine Herausforderung zurückzuziehen, aber er hat sich geweigert. Ich wollte ihn nicht töten, aber er hat mir keine andere Wahl gelassen. Der Kampf war vorbei und ich war bereit, ihn zu verschonen, als er noch einmal nach seinem Schwert gegriffen hat. Ich habe mich verteidigt und er war tot, bevor ich wusste, was passiert ist." Arthur sieht Odin geradewegs an und der andere König hat die Lippen fest aufeinandergepresst. „Wir waren kaum mehr als Jungen, die verzweifelt versucht haben uns in den Augen unserer Väter zu beweisen. Ich bin mir sicher, dass Euer Sohn nicht gewollt hätte, dass Ihr in seinem Namen Krieg führt und ich biete Euch die Gelegenheit, es hier und heute zu beenden. Ergreift sie."

Arthur lässt Excalibur sinken und streckt Odin seine Hand entgegen. Odin sieht zu ihm hinauf, und Merlin kann sehen, wie Odin mit sich ringt. Dennoch macht Merlin sich bereit, jeden Moment die Zeit anzuhalten, um Odin auf anderem Weg dazu zu bringen, Frieden mit Camelot zu schließen. Er wartet jedoch ab und er hofft, vor allem um Arthurs Willen, dass Odin die richtige Entscheidung treffen wird.

Einige lange Momente vergehen, bis Odin schließlich kaum merklich nickt. „Dann möge es so sein", sagt er leise und ergreift Arthurs Hand. „Waffenstillstand."

Arthur zieht ihn auf die Füße und Merlin sieht, wie Odin schwer schluckt, als er zum Wohle des Landes seinen Wunsch nach Rache für den Tod seines Sohnes aufgibt.

König Odin lässt seinen Blick noch einmal über den Friedensvertrag auf dem Tisch wandern, dessen Tinte noch nicht gänzlich getrocknet ist. Zwei Tage lang haben sie in Rodors Schloss in Nemeth hinter verschlossenen Türen verhandelt, nachdem Odin seinen Truppen befohlen hat, abzuziehen und mehr als ein Mal hat es danach ausgesehen, als ob es doch noch zu einem Krieg kommen würde.

Schließlich nimmt Odin den weißen Federkiel aus dem Tintenfass, beugt sich nach vorne und setzt in kantigen Buchstaben als letzter von ihnen seinen Namen unter das Dokument. Er legt die Feder bei Seite und richtet sich wieder auf, bevor er zuerst Arthur ansieht und dann König Rodor mit einem abfälligen Blick betrachtet.

„Arthur, Rodor. Damit werde ich mich verabschieden." Mit einem knappen Kopfnicken dreht Odin sich um und verlässt die Halle, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Arthur sieht ihm nach, aber trotz Odins offensichtlicher Verachtung für Rodor, hat Arthur keinen Zweifel daran, dass der Friedensvertrag auch zwischen Cornwall und Nemeth Bestand haben wird. Keine der beiden Seiten ist als Sieger aus diesem Konflikt hervorgegangen, aber sie können dennoch beide ihr Gesicht wahren. Odin hat zwar einen beträchtlichen Streifen Land an Nemeth abtreten müssen, um Ausgleich für den unprovozierten Angriff zu leisten, aber es handelt sich dabei nur um Wald und Gras bewachsenes Gebiet, in dem sich keine Dörfer befinden.

Als die Tür hinter Odin zufällt, bleibt Rodor noch einen Moment lang stehen, dann geht er um den Tisch herum und setzt sich wieder auf seinen Stuhl. Seine Bewegungen sind langsam, so als ob ihn jeder Schritt einiges an Anstrengung kosten würde. Sein Blick wandert zu Arthur und ruht einen Augenblick lang auf ihm, bevor ein müdes Lächeln auf sein Gesicht tritt.

„Ihr habt mein Leben gerettet, das meines Sohnes und meiner Tochter und außerdem mein ganzes Königreich. Welche Gegenleistung kann ich Euch dafür jemals anbieten?"

Arthur schüttelt den Kopf. „Ich erwarte keine Gegenleistung von Euch, König Rodor", antwortet er. „Ich möchte Euch vielmehr um Vergebung bitten."

Rodor hebt fragend eine Augenbraue und Arthur spricht weiter. „Der Angriff auf Euer Königreich hat nur deswegen stattgefunden, weil Ihr ein Verbündeter von Camelot seid und weil Odin dachte, er könnte Prinzessin Mithian dazu benutzen, um Rache an mir zu üben."

„Es war nie eine Bürde ein Verbündeter von Camelot zu sein", antwortet Rodor. „Und das wird es auch in Zukunft nicht sein."

Arthur nickt dankbar und Rodor erwidert das Nicken, bevor er tief Luft holt. „Und ich möchte Euch um Vergebung bitten, dass Odins Plan beinahe Erfolg gehabt hätte."

„Ich bin sicher, Eure Männer haben tapfer gekämpft", entgegnet Arthur.

Rodor nickt nachdenklich und prasst dann die Lippen aufeinander. „Das haben sie. Aber lasst uns den Tatsachen ins Auge sehen. Ich bin ein alter Mann und mein Königreich ist nicht mehr so stark, wie es einst gewesen ist. Mein Sohn ist noch nicht alt genug, um den Thron zu besteigen und obwohl meine Tochter eine starke Frau geworden ist, weiß ich, dass ihr die adligen Familien Nemeths nicht die nötige Unterstützung gewähren würden, um das Land zu regieren." Er legt den Kopf kaum merklich zur Seite und mustert Arthur eindringlich. „Ich habe während unseres Besuches in Camelot anlässlich des Turniers diesen Frühling den Eindruck gewonnen, dass Ihr meiner Tochter sehr zugetan seid."

Es verwundert Arthur nicht, dass Rodor die Möglichkeit einer Heirat zwischen Mithian und Arthur zur Sprache bringt. Er ist ein intelligenter Mann und er weiß, dass seine Tage als König von Nemeth gezählt sind. Odins Angriff auf sein Königreich hat ihm das nur zu deutlich vor Augen geführt.

„Prinzessin Mithian ist eine wunderschöne junge Frau und ich konnte nicht umhin zu bemerken, dass sie ein gutes Herz und einen scharfen Verstand hat", antwortet Arthur höflich.

Rodor lächelt amüsiert. „Schmeicheleien sind nicht nötig, obwohl das, was Ihr sagt, sicherlich wahr ist. Ich liebe meine Tochter von ganzem Herzen und Ihr wisst, was ich Euch anbiete, nicht wahr?"

Arthur nickt und begegnet Rodors Blick mit ernster Miene. „Ja, das tue ich und ich würde mich geehrt fühlen Mithian zu heiraten. Und ich kann Euch versprechen, dass ich sie als meine Königin respektieren und schätzen werde."

Rodor sieht Arthur einen Moment lang an, dann seufzt er schwer. „Als König von Nemeth muss ich an die Vorteile denken, die eine solche Heirat für mein Königreich mit sich bringt, aber als Vater möchte ich wissen, dass Ihr meine Tochter so behandeln werdet, wie sie es verdient hat."

Arthur zieht die Augenbrauen zusammen. „Habe ich Euch einen Grund gegeben, mein Wort infrage zu stellen, wenn ich Euch verspreche, dass ich Mithian als meine Frau gebührend ehren werde?"

Rodor schüttelt unbeeindruckt den Kopf. „Ich weiß, dass Ihr ein Mann seid, der zu seinem Wort steht, Arthur Pendragon", versichert er. „Aber ich habe Euch und Euren Hofzauberer zusammen gesehen. Vergebt mir meine Direktheit im Angesicht einer politisch vorteilhaften Verbindung, aber ich bin ein sentimentaler alter Narr, der seine Tochter mehr liebt als sein Königreich."

Arthur begegnet Rodors Blick vollkommen offen „Ihr seid ein weiser Mann, König Rodor und ich will Euch nicht beleidigen, indem ich Eure Andeutung abstreite. Aber ich schwöre Euch, bei meinem Leben und meiner Ehre, dass ich Eure Tochter als meine Frau und meine Königin ehren und schätzen werde so lange wir beide leben. Ich verspreche Euch, dass ich ihr gegenüber immer aufrichtig sein werde, was meine Gefühle angeht. Mithian ist eine außergewöhnliche Frau und es entspricht der Wahrheit, dass ich ihr bereits nach der kurzen Zeit, die wir uns kennen, sehr zugetan bin, aber letztendlich muss die Entscheidung, ob sie mich heiraten will, bei ihr liegen."

Rodor nickt nachdenklich, bevor er die Augenbrauen hebt. „Würdet ihr meiner Tochter dieselben Freiheiten zugestehen, die Ihr für Euch selbst beansprucht?"

Arthur weiß, dass Odin damit fragen will, ob er es Mithian erlauben würde, das Bett mit jemanden anderem zu teilen, falls sie sich in jemanden anderen als Arthur verlieben sollte.

„Ja, selbstverständlich", antwortet Arthur. „Unter der Bedingung, dass sie mir die gleiche Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zukommen lässt, wie ich ihr und dadurch keine Zweifel an Camelots Thronfolge aufkommen kann."

Arthur ist sich sicher, dass Rodor weiß, was er damit sagen will. Er hat bereits bewiesen, dass er kein Dummkopf ist, nur ein Vater, der sich das Beste für seine Tochter wünscht.

Rodor mustert Arthur noch einen Moment lang, dann nickt er. „In Anbetracht der Umstände ist das nur vernünftig. Ich werde mit Mithian über das Angebot, das ich Euch gemacht habe und die Antwort, die Ihr mir gegeben habt, reden. Ich lasse Euch wissen, wie sie sich entschieden hat."

Damit ist das Gespräch beendet und Arthur erhebt sich von seinem Stuhl. Er respektiert Rodors Wunsch allein mit seiner Tochter zu reden und er wird Mithian so viel Zeit zum Nachdenken geben, wie sie braucht.

„Ich danke Euch, König Rodor", sagt Arthur und neigt den Kopf zu einer kleinen Verbeugung, bevor er sich umdreht und die Halle verlässt.

Arthur dreht sich überrascht um, als er ein leises Klopfen an der Tür hört und er zieht sein rotes Hemd, das er gerade ausziehen wollte, wieder herunter. Es ist bereits weit nach Mitternacht und als er kurz zuvor von Merlins zugewiesenen Gemächern ein Stück den Korridor hinunter zu seinen eigenen Gemächern zurückgegangen ist, war es im ganzen Schloss bereits still.

Arthur überlegt, ob er sich verhört haben könnte, doch da ertönt erneut ein sanftes Klopfen und im Schein der kleinen Kerze auf dem Nachttisch neben dem Bett, geht Arthur zur Tür hinüber. Als er die Tür öffnet, findet er sich Mithian gegenüber, die auf dem spärlich erhellten Korridor steht.

„Mithian?", fragt Arthur erstaunt, während er sie mustert. Sie trägt einen dunkelgrünen Morgenmantel, den sie über ein weißes Nachthemd gezogen hat und ihre Haare hängen ihr offen um die Schultern.

„Es tut mir leid", sagt sie mit einem verlegenen Lächeln. „Ich weiß, es ist später, aber ich konnte nicht schlafen und ich wollte mit Euch reden."

Arthur starrt sie einen Moment lang an, bevor ihm einfällt zu antworten. „Sicher, ich bin auch gerade erst in meine Räume zurückgekommen."

Mithian sieht Arthur abwartend an und schließlich zieht sie die Augenbrauen nach oben. „Darf ich reinkommen?"

„Oh, ja, natürlich", antwortet Arthur unbeholfen und tritt bei Seite, um sie ins Zimmer zu lassen.

Mithian betritt den Raum und Arthur schließt die Tür hinter ihr. Als er sich wieder umdreht, sieht er, dass Mithian in der Mitte des Zimmers stehen geblieben ist und ihn ansieht. Nicht recht wissend, was er tun soll, bleibt Arthur ebenfalls mitten im Zimmer stehen und einen Moment lang sehen sie sich einfach nur an. Dann lächelt Mithian wieder und Arthur kann sehen, dass sie versucht, selbstsicher zu wirken.

„Mein Vater hat mich vorhin aufgesucht und mir erzählt, dass er Euch meine Hand angeboten hat."

Arthur räuspert sich. „Ja, das hat er", antwortet er. „Und ich habe ihm gesagt, dass ich mich glücklich schätzen würde, Euch zur Frau zu nehmen, aber die Entscheidung liegt bei Euch."

Ein schmales Lächeln tritt auf Mithians Lippen. „Warum setzen wir uns nicht hin?", schlägt sie vor und Arthur nickt gleichmütig, woraufhin Mithian zum Bett hinüber geht und auf die Matratze klettert.

Arthur folgt ihr und setzt sich auf die andere Seite, während er Mithian abwartend ansieht. Ihre langen dunkelbraunen Haare fallen ihr in großen, weichen Wellen um die Schultern und der Schein der Kerze wirft flackernde Schatten auf ihr Gesicht. Mithian sieht einen Moment lang auf die dunkle Bettdecke, bevor sie ihren Blick wieder hebt.

„Ich wusste schon immer, dass ich zum Wohle meines Königreiches heiraten würde", sagt sie leise. „Ich weiß, dass mein Vater mich sehr liebt, aber ihm blieb nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass ich trotz einer politischen Heirat glücklich werden könnte." Sie lächelt schmal. „Odins Angriff auf Nemeth hat die Position meines Vaters sehr geschwächt. Mein Bruder ist noch nicht alt genug um den Thron zu besteigen und ich weiß, dass die adligen Familien in Nemeth mich nicht als ihre Königin akzeptieren würden. Die einzige Möglichkeit unser Königreich zu stärken ist eine Heirat."

Arthur glaubt zu verstehen, was sie ihm sagen will und wirft ihr ein verständnisvolles Lächeln zu. „Wir könnten einen anderen Weg finden, Mithian. Nemeth und Camelot sind Verbündete und ich verspreche Euch, dass ich alles tun werde, um Euren Vater zu unterstützen, ohne dass Ihr mich dafür heiraten müsst."

Mithian schüttelt jedoch den Kopf. „Nein, Arthur. Das ist unglaublich großzügig von Euch, aber ich habe nicht versucht, Euch meine Zurückweisung schonend beizubringen." Sie lächelt warm, als sie Arthurs zweifellos vollkommen verwirrten Gesichtsausdruck sieht. „Was ich sagen wollte, ist, dass, obwohl mir klar war, dass ich aus politischen Gründen heiraten würde, ich immer die Hoffnung gehabt habe, trotz der Verpflichtung meinem Königreich gegenüber, jemanden zu heiraten, den ich lieben könnte." Sie zögert einen Moment, aber Arthur sagt nichts und schließlich spricht Mithian weiter. „Wir kennen uns noch nicht sehr lange, aber Ihr seid ein unglaublicher Mensch und Ihr habt ein gutes Herz und je besser ich Euch kennen lernen, desto mehr denke ich, dass ich Euch lieben könnte, Artur Pendragon. Was ich also eigentlich sagen wollte, ist, dass ich damit einverstanden bin Eure Frau und Eure Königin zu werden."

Arthur mustert Mithian eindringlich. „Seid Ihr Euch sicher?", fragt er sanft, aber bestimmt. „Ihr werdet mich nicht für Euch alleine haben. Ich fühle mich sehr zu Euch hingezogen und ich verspreche Euch, dass ich Euch als meine Frau schätzen und lieben und als meine Königin respektieren werde, solange wir leben, aber mein Herz wird dennoch immer auch Merlin gehören."

„Ich weiß", antwortet Mithian mit einem schmalen Lächeln. „Und ich wusste es bereits, bevor mein Vater es mir heute gesagt hat. Abgesehen davon, dass es nicht schwer ist zu erkennen, wie viel ihr einander bedeutet, und dass es wohl das am schlechtesten gehütete Geheimnis in ganz Camelot ist, hat mich Eure Schwester nach dem Turnier diesen Frühling gebeten in ihre Räume zu kommen und sie hat mir gesagt, worauf ich mich einlassen würde, wenn die Sprache auf eine Heirat zwischen mir und Euch kommen sollte", gesteht Mithian.

Arthur schmunzelt amüsiert und schüttelt den Kopf. Er hätte sich denken können, dass Morgana etwas dergleichen tun würde.

„Sie liebt Euch wirklich sehr", sagt Mithian. „Und sie will nur das Beste für Euch und Euer Königreich."

„Das weiß ich", entgegnet Arthur. „Und es wundert mich nicht, dass sie mit Euch geredet hat."

Schließlich sieht er Mithian noch einmal eindringlich an. „Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr akzeptieren könnt, dass Merlin ein Teil unseres Lebens sein wird?"

Mithian nickt ohne zu zögern. „Ja, das bin ich. Ich mag Merlin, sehr sogar. Er hat etwas an sich, das man einfach mögen muss", meint sie mit einem Grinsen und zuckt mit den Schultern.

Arthur grinst ebenfalls. „Das stimmt", bestätigt er. „Und er mag Euch auch, nur damit Ihr es wisst." Arthur sieht Mithian vielsagend an, was dazu führt, dass sie rot im Gesicht wird, als ihr klar wird, worauf Arthur hinaus will.

„Ähm, ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll", meint sie verlegen.

Arthur lacht leise. „Ihr müsst gar nichts sagen. Ich wollte nur, dass Ihr es wisst. Und ich will, dass Ihr wisst, dass Ihr meine Erlaubnis habt, glücklich zu sein, wenn Ihr Euch in jemand anderen verlieben solltet, so lange Ihr mir gegenüber diesbezüglich ehrlich und respektvoll seid."

Mithian nickt mit ernster Miene. „Das werde ich, darauf gebe ich Euch mein Wort."

Arthur nickt und atmet dann noch ein Mal tief durch. „Also gut. Ich nehme an, Euer Vater wird unsere Heirat auf dem Fest morgen Abend bekannt geben."

Mithian nickt. „Ja, das wird er."

Arthur nickt ebenfalls und sie sehen sich noch einen Moment lang an, bis Mithian den Blick abwendet.

„Ich denke, ich sollte jetzt zurück in meine Gemächer gehen", sagt sie und Arthur nickt.

„Ja, natürlich." Er steht vom Bett auf und nachdem Mithian ebenfalls aufgestanden ist, bringt er sie zur Tür.

„Dann sehe ich Euch morgen", sagt sie, als sie vor der Tür stehen bleiben.

„Ja, morgen", antwortet Arthur und neigt dann den Kopf zu einer höflichen Verbeugung. „Ich wünsche Euch eine gute Nacht."

„Vielen Dank. Ich wünsche Euch auch eine gute Nacht." Mit einem letzten Lächeln an Arthur gewandt öffnet Mithian die Tür und schlüpft nach draußen.

Arthur bleibt noch einen Moment lang vor der geschlossenen Tür stehen, bevor er zurück zum Bett geht und sich sein Hemd über den Kopf zieht. Er wirft es achtlos auf eine Truhe am Fuße des Bettes, streift seine Stiefel ab und schlägt die Decke zurück, bevor er ins Bett steigt. Mit einem flüchtigen Gedanken und etwas Magie löscht er die kleine Kerze auf dem Nachttisch, während er die Hände hinter dem Kopf verschränkt und über all das nachdenkt, was Mithian ihm gerade gesagt hat.