XVI. Tavernengeschichten

Als Merlin die Straße aus der Stadt zum Schloss hinauf geht, ist es kurz nach Mittag und die warme Sommersonne steht hoch am Himmel. Er hat mit seinen Eltern in ihrem Haus in der oberen Stadt zu Mittag gegessen und ist nun auf der betriebsamen Straße zurück auf dem Weg ins Schloss. Als er die Zugbrücke erreicht, hört er Hufgetrappel und die Menschen gehen bei Seite, um die Reiter, die aus dem Schlosshof kommen, passieren zu lassen. Es sind jedoch keine Ritter auf Patrouille, sondern mehrere Botenreiten, genau genommen zehn an der Zahl, die das Schloss verlassen und Merlin weiß genau, wohin jeder Einzelne von ihnen unterwegs ist.

Kurz darauf betritt Merlin den Schlosshof und sieht Arthur am Fuße der Treppe stehen. Er unterhält sich mit Morgana, die einen Moment darauf nickt und dann die Stufen der Treppe ins Schloss hinauf geht.

Merlin durchquert den Schlosshof und bleibt schließlich neben Arthur stehen, der ihn bereits gesehen und auf ihn gewartet hat.

„Also tun wir das tatsächlich", sagt Merlin und Arthur legt den Kopf schief.

„Natürlich tun wir es. Wir haben diese ganzen Briefe schließlich nicht umsonst geschrieben", antwortet er.

Merlin lässt seinen Blick zum Tor wandern, das die Reiter zuvor auf ihrem Weg in die umliegenden Königreiche passiert haben, und er zuckt mit den Schultern. „Anscheinend nicht."

„Wir haben darüber geredet und entschieden, dass es die beste Vorgehensweise ist, oder nicht?"

Merlin dreht sich wieder zu Arthur um und nickt, während er tief durchatmet. „Ja, ich weiß. Ich habe nur irgendwie ein ungutes Gefühl bei der Sache."

Arthur zieht die Augenbrauen zusammen. „Was meinst du?"

Merlin zuckt erneut mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Vermutlich ist es nichts. Aber zehn Könige zu Friedensverhandlungen nach Camelot einzuladen, kommt mir so vor, als würden wir das Schicksal geradezu herausfordern. Wenigstens haben wir uns darauf geeinigt, den Sarrum von Amata nicht einzuladen. Er mag ein mächtiger Kriegsherr sein, der ein großes Gebiet regiert, aber die anderen Könige sehen ihn nicht als Gleichgestellten."

„Machst du dir Sorgen, dass jemand einen Angriff auf die Friedensverhandlungen planen könnte?", fragt Arthur und Merlin überlegt einen Moment lang.

„Nicht unbedingt", meint er schließlich. „Es wäre schon schlimm genug, wenn einer der Könige mit einer versteckten Absicht zu den Verhandlungen kommt und versucht alles zu Nichte zu machen, was wir erreichen wollen. Und es besteht immer die Möglichkeit, dass sie anfangen sich über irgendetwas zu streiten und uns die ganzen Verhandlungen um die Ohren fliegen."

Arthur legt den Kopf schief und verschränkt die Arme vor der Brust. „Oder alles läuft nach Plan und am Ende der Gespräche werden wir ein vereintes Albion haben."

Merlin sieht ihn skeptisch an. „Wie kannst du so zuversichtlich sein, wenn du zehn arrogante, selbstverliebte und aggressive Individuen nach Camelot eingeladen hast, um über die Zukunft dieses Landes zu entscheiden? Jeder von ihnen ist es gewohnt, dass ihm alle nach dem Mund reden und seine Entscheidungen nicht infrage stellen. Ein falsches Wort, und das Ganze endet damit, dass sie versuchen, sich gegenseitig mit ihren bloßen Händen umzubringen."

„Du hast wirklich ein beachtliches Vertrauen in die Herrscher der umliegenden Königreiche", bemerkt Arthur spöttisch.

Merlin schnaubt. „Nun ja wir haben nicht gerade die besten Erfahrungen mit ihnen gemacht."

„Wer bereitet dir die meisten Sorgen?", fragt Arthur schließlich gerade heraus.

Merlin sieht ihn an, als ob das nicht auf der Hand liegen würde. „Jeder von ihnen."

Arthur rollt mit den Augen. „Such dir einen aus."

„Alined", antwortet Merlin ohne zu zögern.

Arthur macht den Mund auf, um etwas zu sagen, denkt dann aber noch einmal darüber nach und nickt schließlich. „Na gut, was ihn angeht, hast du vermutlich recht."

„Danke", antwortet Merlin spitz.

„Aber nur, weil er beim letzten Mal versucht hat, die Friedensverhandlungen zunichte zu machen, muss das nicht heißen, dass er es auch dieses Mal versuchen wird", gibt Arthur zu bedenken, aber Merlin zieht die Augenbrauen nach oben und sieht ihn abschätzig an, bis Arthur einlenkt. „Na gut, vielleicht doch, aber dieses Mal werden wir es kommen sehen. Wer bereitet dir noch Kopfzerbrechen?"

Merlin braucht nicht lange über diese Frage nachzudenken, denn ihm fallen sofort zwei weitere Namen ein. „Was ist mit Olaf und Odin? Sie sind beide jähzornig und unbeherrscht."

Arthur schüttelt den Kopf. „Odin hat begriffen, dass es ihm seinen Sohn nicht zurückbringen wird, wenn er mich umbringt und er will genauso Frieden für sein Königreich wie ich. Und Olaf ist bereits seit über zwanzig Jahren Camelots Verbündeter."

„Bündnisse können sich ändern", antwortet Merlin knapp und Arthur wirft die Hände in die Luft.

„Was soll ich dann deiner Meinung nach tun? Hm? Warten, bis wir jeden von ihnen unter Kontrolle haben? Wo wird das enden? Und wie lange wird es andauern? Bis ihre Kinder den Thron besteigen?" Arthur schüttelt entschieden den Kopf. „Nein. Der einzige Weg, um Frieden in Albion zu schaffen, besteht darin, jedem Königreich und jedem Herrscher bewusst zu machen, dass es möglich ist, ihre Streitigkeiten friedlich und ohne Waffengewalt beizulegen, und dass ein Königreich nur in Zeiten des Friedens wirklich wachsen und gedeihen kann."

„Du hast ja recht", antwortet Merlin versöhnlich. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob die andere Könige in der Lage sein werden, es genauso zu sehen."

„Dann werde ich sie dazu bringen, es genauso zu sehen", entgegnet Arthur entschlossen. „Es wird etwas dauern, aber ich weiß, dass wir es schaffen können."

Merlin atmet tief durch und nickt dann. „Und ich werde dir dabei helfen dieses Ziel zu erreichen, aber ich werde auch dafür sorgen, dass du dabei die nötige Vorsicht walten lässt. Und das bedeutet, dass entweder ich oder Nimueh während der gesamten Friedensverhandlungen an deiner Seite sein werden und du wirst sämtlichen Vorkehrungen, die ich für nötig halte, zustimmen, damit diese Friedensverhandlungen genau das sein werden: friedlich."

Merlin sieht Arthur eindringlich an, aber Arthur hält seinem Blick stand. „Solange diese Vorkehrungen vernünftig sind, die Verhandlungen nicht stören und nicht darin bestehen, die anderen Könige mit Magie zu beeinflussen, werde ich allem, was du vorschlägst, zustimmen."

Merlin schützt die Lippen, nickt aber schließlich, während Arthur ihn mit einem wissenden Grinsen ansieht.

„Hast du das Gefühl, dass Mithian irgendwie unglücklich wirkt?"

Merlin sieht überrascht von seinem Buch auf, als er Arthurs Stimme über sich hört. Er sitzt an den Stamm der alten Eiche am Rande des Trainingsfeldes gelehnt und bemerkt erstaunt, dass Arthur genau vor ihm steht.

„Was?"

Arthur trägt sein Kettenhemd und seine Plattenschultern und er hat die Hände in die Hüften gestemmt. Seine blonden Haare sind verschwitzt und Merlin lässt seinen Blick über das Trainingsfeld wandern, auf dem jedoch niemand mehr zu sehen ist. Er war anscheinend so vertieft in sein Buch, dass er nicht bemerkt hat, dass das Training der Ritter schon vorbei ist.

„Mithian – kommt sie dir unglücklich vor?", wiederholt Arthur seine Frage.

Merlin zieht die Augenbrauen zusammen und überlegt kurz. „Ähm, nein", sagt er schließlich. „Nicht, dass es mir aufgefallen wäre. Warum fragst du?"

Arthur seufzt und fährt sich mit einer Hand durch die Haare. „Ich weiß nicht, sie ist irgendwie so zurückhaltend. Und manchmal sieht sie etwas und dann tritt ein abwesender Ausdruck in ihre Augen." Er zuckt mit den Schultern und schüttelt den Kopf. „Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein."

Merlin klappt sein Buch zu und legt es neben sich ins Gras. „Na ja, es ist verständlich, dass sie Nemeth vermisst. Sie ist in dieser Zeit noch ziemlich jung und sie kennt hier noch nicht wirklich jemanden. Stell dir vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du dein zu Hause verlassen müsstest, um plötzlich irgendwo anders zu leben."

Arthur nickt nachdenklich. „Ich schätze, du hast recht. Ich möchte nur, dass sie hier glücklich ist, das ist alles", sagt er und zuckt mit den Schultern.

„Es wird vermutlich etwas dauern, bis sie Camelot als ihr neues zu Hause sieht", meint Merlin. „Sie und Isolde verbringen viel Zeit miteinander und sie werden sicher bald gute Freundinnen sein, du wirst sehen."

Arthur nickt, aber er sieht noch nicht vollständig überzeugt aus. „Wahrscheinlich hast du recht. Aber es muss etwas geben, das ich tun kann, um es einfacher für sie zu machen und sie von ihrem Heimweh abzulenken. Etwas Vertrautes, das sie gern tut."

Merlin grinst, als ihm eine Idee kommt. „Na ja, ich glaube mich daran zu erinnern, dass sie gerne auf die Jagd geht."

Arthur sieht Merlin interessiert an und nickt dann begeistert. „Ja genau! Sie liebt die Jagd. Das hat sie mir letztes Mal erzählt und ich war ziemlich überrascht, als ich es gehört habe."

„Na also", antwortet Merlin. „Mach mit ihr einen Jagdausflug."

Arthur nickt entschlossen. „Genau das werde ich tun. Vielleicht in den Brechfa Wald, dort gibt es immer viele Rehe und Hasen. Ich erinnere mich daran, dass Mithian sehr gut mit einer Armbrust umgehen kann."

Merlin schnaubt. „Oh ja, das kann sie." Seine Miene verdunkelt sich unweigerlich, als er an die Jagd in der anderen Zeit zurückdenkt, bei der Morgana Gwen in ein Reh verwandelt hatte. Merlin hatte es gerade noch geschafft, Arthurs Armbrustbolzen abzulenken, aber er war nicht schnell genug gewesen, um auch zu verhindern, dass Mithians Schuss sein Ziel getroffen hat.

Arthur zieht die Augenbrauen zusammen und sieht Merlin verwirrt an. „Was soll das heißen? Verwechsle ich etwas?"

Merlin seufzt, bevor er den Kopf schüttelt. „Nein. Nein, tust du nicht." Dann sieht er Arthur jedoch forschend an. „Hat Gwen dir nie erzählt, was in der anderen Zeit im Wald wirklich passiert ist? Während du auf der Jagd mit Mithian gewesen bist?"

Arthur schüttelt verständnislos den Kopf. „Was meinst du? Was wirklich passiert ist?"

Merlin seufzt erneut, bevor er zu einer Erklärung ansetzt. „Erinnerst du dich noch daran, dass du Gwens Ring auf dem Waldboden gefunden hast?" Als Arthur nickt, spricht Merlin weiter. „Sie war an diesem Tag dort. Helios und Morgana hatten sie gefangen genommen und Morgana hat sie mit einem Zauber in ein Reh verwandelt. Das Reh, das du verfehlt hast, aber das Mithian mit ihrem Armbrustbolzen getroffen hat."

Arthurs Augen weiten sich und er sieht Merlin schockiert an. „Das war Guinevere?!"

Merlin nickt. „Ja, ich bin in der Nacht losgeritten, um nach ihr zu suchen, und als ich sie gefunden habe, habe ich ihre Wunde geheilt. Weißt du noch, dass ich dir anschließend erzählt habe, dass Agravaine die Pläne der Belagerungstunnel von Camelot gestohlen hat, und dass er mit Morgana zusammenarbeiten würde? Du hast mir nicht geglaubt, da die Pläne immer noch in deinem Schrank gewesen sind. Gwen war diejenige, die mir davon erzählt hat, dass Agravaine sich mit Morgana verbündet hat, um Camelot anzugreifen, und dass er ihr die Pläne gebracht hatte. Morgana muss die Pläne damals mit Magie kopiert haben, damit Agravaine sie zurückbringen konnte und du nichts gemerkt hast."

Arthur ist noch einen Moment lang vollkommen sprachlos, bevor er den Kopf schüttelt und dann freudlos auflacht. „Wir sind seit über einem Jahr hier und es gibt immer noch Dinge, von denen ich nichts weiß."

Merlin zuckt mit den Schultern. „Na ja wir sind seit einem Jahr hier, aber damals waren es zehn Jahre, die wir zusammen verbracht haben und währenddessen ist viel passiert."

Arthur atmet tief durch und nickt schließlich zerknirscht. „Ich weiß. Es ist nur so, dass mir jedes Mal, wenn du mir so etwas erzählst, wieder bewusst wird, wie wenig ich damals tatsächlich gewusst habe. So viele Dinge sind passiert, von denen ich keine Ahnung hatte. Wichtige Dinge. Und du hast dich um all diese Dinge alleine gekümmert und ich habe dir nicht zugehört, wenn du versucht hast mir etwas zu sagen." Ein gequälter Ausdruck tritt auf Arthurs Gesicht. „Du hast so viel getan. Du hast mich und Camelot Hunderte von Malen gerettet und ich habe nie etwas davon gewusst, geschweige denn dich dafür belohnt."

Merlin lächelt nachsichtig. „Ich habe es nicht für Anerkennung oder für eine Belohnung getan."

„Das weiß ich", entgegnet Arthur. „Aber du hättest eine Belohnung verdient."

Merlin sieht Arthur einen Moment lang an, bevor er aufsteht und sich direkt vor ihn stellt. Dann beugt sich nach vorne und küsst Arthur sanft auf die Lippen. Als Arthur immer noch gequält dreinschaut, küsst er ihn erneut und dann noch einmal und schließlich erwidert Arthur den Kuss.

Merlin löst sich wieder von ihm und sieht ihn mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen an. „Das hier – du und ich – genau hier. Das ist Belohnung genug für mich und es ist mehr, als ich je zu hoffen gewagt habe."

Arthur lächelt ebenfalls und legt seine Hände auf Merlins Hüften, um ihn an sich zu ziehen. „Dann werde ich dich, solange wir leben, für alles belohnen, was du getan hast."

Merlin grinst. „Das könnte eine ziemlich lange Zeit sein", gibt er zu bedenken und Arthur erwidert sein Grinsen.

„Das hoffe ich."

Mithian lacht ausgelassen, als sie ihr Pferd an dem Lagerplatz, den Lancelot ausgesucht hat, zum Halten durchpariert. Sie stützt sich mit den Händen auf dem vorderen Teil ihres Sattels ab und sieht Arthur kopfschüttelnd an.

„Und du hast ihm gesagt, dass du der König von Camelot bist", fragt sie noch einmal nach und Arthur nickt übertrieben.

„Ja, das habe ich, aber er hat mir einfach nicht geglaubt! Und ich habe ihm sogar versprochen, dass er mit nach Camelot kommen könnte und ich ihn als Belohnung dafür, dass er mir das Leben gerettet hat, zum Ritter schlagen würde."

Mithian lacht kopfschüttelnd, bevor sie einen Fuß über den Sattel schwingt und absteigt.

Arthur tut es ihr gleich und nachdem er abgestiegen ist, hält er Hengroen locker am Zügel und dreht sich wieder zu Mithian um.

„Als wir am nächsten Morgen zum Schloss zurück geritten sind, hat er uns begleitet", erzählt Arthur weiter. „Als die Leute auf der Straße in der Stadt sich dann vor mir verbeugt haben, ist ihm langsam klar geworden, dass er einen Fehler gemacht hat, und wirklich begriffen hat er es dann, als mich eine der Wachen ‚Sire' genannt hat."

„Warum ist er überhaupt mit euch nach Camelot geritten, wenn er dir nicht geglaubt hat, dass du der König bist?", fragt Mithian amüsiert. „Was hat er geglaubt, was passieren würde?"

„Na ja, er hat gesagt, er wollte herausfinden, ob ich als Betrüger hingerichtet werde."

Mithian lacht wieder und schüttelt den Kopf. „Ich glaube kaum, dass jemand dumm genug wäre, sich als König von Camelot auszugeben und dann tatsächlich mitten in den Schlosshof hinein zu reiten", mein sie.

Arthur zuckt mit den Schultern. „Anscheinend dachte er, dass ich tatsächlich so dumm wäre."

Elyan nimmt Arthur und Mithian ihre Pferde ab, um sie zu den anderen zu bringen, und Arthur hält zwischen den Bäumen Ausschau nach Merlin und Sir Rupert. Da Merlin kein Interesse daran hat, sich an der Jagd zu beteiligen, er aber Arthur und Mithian auch nicht alleine mit den Rittern auf die Jagd gehen lassen wollte, folgt er ihrer kleinen Jagdgesellschaft mit etwas Abstand.

Mithian stemmt derweil demonstrativ die Hände in die Hüften. „Ich glaube dir kein Wort! Du versuchst, mich an der Nase herumzuführen", beschuldigt sie Arthur schließlich.

Arthur schüttelt den Kopf und legt sich eine Hand auf die Brust. „Nein, das tue ich nicht. Ich sage dir die Wahrheit", versichert er und als Merlin auf Sir Ruperts Rücken einen Moment darauf auf die Lichtung trabt, winkt Arthur ihn zu sich und Mithian hinüber. „Merlin, komm her. Sag Mithian, dass ich nicht versuche, sie an der Nase herum zu führen."

„Sicher", antwortet Merlin bereitwillig, als Sir Rupert neben Arthur und Mithian zum Stehen kommt. Dann sieht er zwischen den beiden hin und her. „Worum geht es überhaupt?"

Arthur rollt mit den Augen. „Darum, dass wir Gwaine in einer Taverne getroffen haben und er nicht geglaubt hat, dass ich der König von Camelot bin, bis wir am nächsten Tag in den Schlosshof geritten sind."

Merlin grinst, als er sich zweifellos an diesen Tag erinnert und nickt dann. „Es stimmt. Er hat uns wirklich nicht geglaubt", sagt er und steigt dann von Sir Ruperts Rücken.

Mithian lacht erneut und schüttelt den Kopf. Dann dreht sie sich wieder zu Arthur und sieht ihn prüfend an. „Und du hast ihn mit nach Camelot genommen und wolltest ihn zum Ritter schlagen, obwohl er dir nicht geglaubt hat?", fragt sie ungläubig.

Arthur zuckt mit den Schultern. „Ja. Er sah aus wie ein anständiger Kerl. Und er hatte mir das Leben gerettet."

„Und es war einfach zu gut, dass er uns nicht geglaubt hat", ergänzt Merlin immer noch grinsend. „Wir wollten sein Gesicht sehen, wenn ihm klar wird, dass Arthur tatsächlich die Wahrheit gesagt hat."

„Und jetzt ist er der Prinz von Gwynedd und der Gemahl von Prinzessin Morgana", meint Mithian amüsiert und schüttelt noch einmal den Kopf, als ob sie die ganze Geschichte immer noch nicht wirklich glauben könnte.

Merlin lockert Sir Ruperts Sattelgurt und verknotet die Zügel, damit sie Sir Rupert nicht versehentlich herunter fallen. Sir Rupert bedankt sich bei ihm und geht dann gemächlich zum Waldrand hinüber, um dort zu grasen. Danach machen sich Arthur, Mithian und Merlin auf den Weg in die Mitte der kleinen Lichtung, auf der die Ritter bereits dabei sind, ihr Lager für die Nacht aufzubauen. In einem kleinen Kreis aus mehreren Steinen versucht Galahad gerade mit zwei kleinen Stöcken und einem Stück Schnur, das an einem der Stöcke befestigt ist, ein Feuer zu entfachen.

Arthur bleibt stehen und beobachtet ihn einen Moment lang stirnrunzelnd, bevor er verständnislos den Kopf schüttelt. „Galahad, was machst du da?"

Galahad sieht überrascht auf, als er Arthurs Stimme neben sich hört. „Ich versuche, ein Feuer zu machen, Milord", antwortet er pflichtbewusst.

„Ja, das sehe ich", antwortet Arthur trocken. „Die Frage ist, warum du es mit einem Stock und einer Schnur versuchst, anstatt Feuerstein und Zunder zu benutzen."

„Ector und Percival haben gesagt, dass ich als jüngster Ritter bei meinem ersten Jagdausflug versuchen müsste, auch ohne Feuerstein und Zunder ein Feuer zu machen", antwortet Galahad.

Arthur zieht die Augenbrauen nach oben. „Haben sie das gesagt?", fragt er und schüttelt dann mit einem Grinsen den Kopf. „Na schön, aber ich möchte irgendwann heute noch mein Abendessen bekommen. Merlin würdest du Galahad also bitte erlösen?"

Merlin grinst und er weiß genauso gut wie Arthur, dass es selbstverständlich keine Tradition gibt, die besagt, dass der jüngste Ritter bei seinem ersten Jagdausflug ohne Feuerstein und Zunder ein Feuer entfachen muss.

„Natürlich", antwortet Merlin und nachdem er sich kurz konzentriert, beginnt ein kleines Feuer auf den aufgeschichteten Zweigen zu brennen.

Galahad betrachtet das Feuer, das nun munter vor sich hin brennt, ein wenig niedergeschlagen, wirft dann aber einen dankbaren Blick zu Merlin. „Danke, Merlin."

„Gern geschehen", antwortet Merlin und Arthur sieht, wie er ihm von der Seite her einen Blick zuwirft.

Sollen wir ihm sagen, dass es keine solche Tradition gibt?"

Arthur versucht, ein Grinsen zu unterdrücken. „Nein, ich denke nicht. Sollen Ector und Percival ruhig ihren Spaß haben, und ich will sehen, was Galahad sich ausdenkt, wenn er ihnen schließlich auf die Schliche kommt."

Merlin schmunzelt und schüttelt kaum merklich den Kopf, bevor er das Thema wechselt. „Also, was gibt es zum Abendessen?"

„Was auch immer du für uns kochst", antwortet Arthur mit einem selbstzufriedenen Grinsen.

Merlin legt daraufhin skeptisch den Kopf schief. „Warum ich?"

Arthur sieht ihn an, als ob das auf der Hand liegen würde. „Weil du der Einzige bist, der etwas kochen kann, was tatsächlich essbar ist."

„Na ja, das stimmt", gibt Merlin zu. „Aber wir haben Verpflegung mitgebracht und ich weiß, dass du sehr wohl in der Lage bist einen Hasen über dem Feuer zu braten."

Arthur nickt, während er Merlin mit einem nachsichtigen Ausdruck auf dem Gesicht ansieht. „Natürlich weiß ich wie das geht, aber ich habe den ganzen Tag damit verbracht unsere Beute zu jagen, während du nur hinter uns her geritten bist und nichts getan hast. Deswegen kannst du das Abendessen zubereiten."

Er sieht Merlin auffordernd an, doch bevor Merlin antworten kann, schaltet sich Mithian ein wenig zaghaft in das Gespräch ein.

„Ich kann dir helfen, das Abendessen zu machen, Merlin", meint sie und lächelt. „Das macht mir nichts aus."

Merlin sieht Mithian amüsiert an. „Danke, das weiß ich sehr zu schätzen, aber du musst mir nicht helfen. Es geht nicht darum, dass ich es nicht machen will, es geht darum, dass dieser Haufen hier", er zeigt auf Arthur und andeutungsweise auf den Rest der Ritter auf der Lichtung, „ruhig lernen könnte, wie man sich sein eigenes Abendessen zubereitet."

Arthur verschränkt die Arme vor der Brust. „Wir können sehr wohl unser eigenes Abendessen zubereiten, aber wenn du für uns kochst, schmeckt es viel besser."

Merlin sieht ihn ungläubig an. „Nun dann hättest du diese ganze Unterhaltung damit beginnen sollen, dass du mir sagst, wie gut ich kochen kann und mich anschließend fragst, ob es mir etwas ausmachen würde das Abendessen für euch zuzubereiten."

Arthur zieht die Augenbrauen zusammen und mustert Merlin betont nachdenklich. „Ich dachte, das hätte ich getan."

„Oh nein", antwortet Merlin gedehnt und schüttelt den Kopf. „Das ist tatsächlich genau das Gegenteil davon, was du getan hast."

Gerade als Arthur zu einer Antwort ansetzen will, fällt sein Blick auf Mithian, die etwas unbehaglich neben ihm und Merlin steht und ihnen unsichere Blicke zuwirft. Bevor er jedoch etwas sagen kann, taucht Isolde neben Mithian auf und legt ihr freundschaftlich eine Hand auf die Schulter.

„Beachtet die beiden einfach gar nicht", sagt sie gut gelaunt, ohne Arthur und Merlin anzusehen. „Und lasst Euch nicht in eine ihrer Streitereien hineinziehen. Und was auch immer Ihr tut, versucht ja nicht, Merlin zu verteidigen. Dafür gibt es nämlich überhaupt keinen Grund. Die beiden lieben es, sich zu streiten, und wenn sie einmal in Fahrt gekommen sind, dann können sie stundenlang so weitermachen. Meistens ist es ziemlich unterhaltsam, aber irgendwann fängt es an, einem auf die Nerven zu gehen. Ihr werdet bald lernen, es einfach auszublenden, genau wie wir es auch tun." Sie klopft Mithian noch einmal auf die Schulter und grinst, bevor sie ihren Weg durch den kleinen Lagerplatz fortsetzt.

Mithian lächelt etwas unsicher, als sie Isolde nachsieht und schließlich fällt ihr Blick wieder auf Arthur und Merlin.

Arthur kann sehen, dass sie sich jetzt beinahe noch unbehaglicher fühlt als zuvor und er wirft einen kurzen Blick zu Merlin hinüber, bevor er Mithian mit einem aufmunternden Lächeln ansieht.

„Sie hat recht", sagt er und Merlin nickt zustimmend, während er mit den Schultern zuckt.

„Ja, wie lieben es wirklich uns zu streiten."

Mithian mustert sie beide einen Moment lang, bevor ihr klar wird, dass Merlin und er tatsächlich nicht ernsthaft miteinander gestritten haben. Sie lächelt amüsierte und schüttelt kaum merklich den Kopf über sie beide.

Arthur grinst. „Für gewöhnlich bin ich derjenige, der unsere Streitereien gewinnt."

Merlin klappt der Mund auf, als er das hört. „Nein, das bist du nicht!", antwortet er entrüstet.

Arthur sieht ihn selbstgefällig an. „Doch, bin ich."

„Ganz bestimmt nicht," entgegnet Merlin, aber keiner von ihnen schafft es noch länger sich ein Grinsen zu verkneifen.

Sie sehen sich noch einen Moment lang an, bevor Arthur sich zu Mithian hinüber beugt. „Und wie ich das bin", flüstert er hinter vorgehaltener Hand gut hörbar und Mithian lacht leise, bevor sie erneut den Kopf über Arthur und Merlin schüttelt.

In dem Moment kommt Lancelot zu ihnen hinüber. Er zieht seine Handschuhe aus und sieht dann erwartungsvoll in die Runde. „Also, wer kümmert sich um das Abendessen?"

Mithian, Merlin und Arthur fangen daraufhin gleichzeitig schallend an zu lachen, was dazu führt, dass Lancelot sie mit einem verständnislosen Gesichtsausdruck ansieht.

Die drei Kaninchen, die am Spieß über dem kleinen Feuer braten, sind fast gar, als es langsam anfängt zu dämmern. Arthur, Mithian, Merlin und die Ritter, bestehend aus Galahad, Lancelot, Tristan, Isolde, Elyan, Percival und Ector sitzen in einer entspannten Runde um das Feuer herum und teilen die letzten Reste des mitgebrachten Proviants unter sich auf, während sie Mithian mit amüsanten Geschichten unterhalten.

„Ich schwöre, ich habe noch nie gesehen, dass jemand so viel trinken kann und anschließend immer noch aufrecht steht. Ganz zu schweigen davon, dass er beinahe alle drei Angreifer alleine ausgeschaltet hat", erzählt Merlin und macht eine ratlose Geste.

Er sitzt neben Arthur auf einer Decke und die anderen in der Runde lachen, während das Feuer in ihrer Mitte in der warmen Abendluft knistert.

Elyan, der Merlin gegenüber sitzt, schnaubt amüsiert und schüttelt den Kopf, als er sich ebenfalls an diesen Abend erinnert. „Und am Ende war er der Einzige von uns, der noch auf seinen Beinen stand. Ich habe keine Ahnung, wie er das gemacht hat. Jedes Mal, wenn die Bardame an unserem Tisch vorbei gekommen ist, hat er eine neue Runde bestellt. Ich weiß nicht mal wie ich es geschafft habe, an dem Abend überhaupt noch geradeaus zu laufen."

„Das hattest du mir zu verdanken", meint Merlin mit einem verschmitzten Grinsen.

Elyan sieht ihn erstaunt an und Merlin zuckt mit den Schultern. „Na ja, nachdem ich mich zu euch gesetzt hatte, habe ich dir in jeden neuen Becher einen Tropfen eines ganz bestimmten Trankes getan. Die Flüssigkeit ist geschmacklos und farblos und neutralisiert jedes Gift. Und da Alkohol so etwas wie ein Gift ist, hast du die letzten zwei Stunden an diesem Abend das Äquivalent zu Wasser getrunken."

Während die anderen anfangen zu lachen und Percival Elyan auf die Schulter klopft, sieht Elyan noch einen Moment lang erstaunt aus, doch dann stimmt er ebenfalls mit ein.

„Dann sollte ich dir wohl danken, Merlin", meint er schließlich. „Du hast mir wahrscheinlich an diesem Abend das Leben gerettet. Andernfalls wäre ich wohl vollkommen betrunken von meinem Stuhl gefallen und hätte mir den Hals gebrochen." Er blickt in die Runde und sieht die anderen fragend an. „Wie macht Gwaine das überhaupt? Wie kann er so viel trinken und immer noch laufen?"

„Jahrelange Übung", antwortet Percival mit einem Grinsen und die anderen lachen wieder.

„Gwaine scheint der Hauptcharakter in den meisten eurer Geschichten zu sein", bemerkt Mithian von ihrem Platz neben Elyan aus interessiert.

„Natürlich ist er das", antwortet Isolde neben Tristan mit einem Grinsen. „Er hat sich vor seiner Heirat mit Morgana ständig in irgendwelchen Tavernen herumgetrieben und genau wie unser König scheint er Ärger geradezu magisch anzuziehen."

„Ich war noch nie wirklich in einer Taverne", antwortet Mithian und sie lächelt verlegen, als sich alle Blicke in der Runde daraufhin auf sie richten.

„Du warst noch nie in einer Taverne?", fragt Arthur erstaunt.

Mithian schüttelt mit einem amüsierten Lachen den Kopf. „Nein, mein Vater hätte mir niemals erlaubt, in eine Taverne zu gehen. Und auf unseren Jagdausflügen oder auf Reisen haben wir immer irgendwo unser Lager aufgeschlagen."

Ein Grinsen, das Merlin nur allzu gut kennt, erscheint auf Arthurs Gesicht. „Das müssen wir unbedingt ändern und ich schlage vor, dass wir das sofort in Angriff nehmen."

Lancelot, der auf Arthurs anderer Seite sitzt, wirft Arthur einen verwirrten Blick zu. „Du willst, dass wir zu einer Taverne reiten? Jetzt? Wir haben schon unser Lager aufgeschlagen und die Hasen sind beinahe fertig."

„Und aus diesem Grund wirst du zusammen mit den anderen hier bleiben, während ich, Merlin und Mithian zur nächsten Taverne reiten", entgegnet Arthur, sichtlich zufrieden mit sich und seinem Einfall.

Ein Ausdruck blanken Entsetzens tritt auf Lancelots Gesicht, als er das hört. „Nein, Arthur. Das kannst du nicht tun."

Arthur betrachtet Lancelot jedoch mit einem überlegenen Grinsen. „Du wirst sehen, dass ich das sehr wohl kann. Ich bin immerhin der König."

„Ja, aber – Arthur bitte!", sagt Lancelot verzweifelt. „Du kannst nicht einfach ganz alleine nur mit deiner zukünftigen Königin zu einer Taverne mitten im nirgendwo reiten!"

„Wir sind nicht alleine. Merlin kommt mit uns", entgegnet Arthur leichthin.

„Das ändert nichts und das weißt du!", widerspricht Lancelot und wirft einen hilfesuchenden Blick zu den anderen Rittern hinüber. Keiner von ihnen scheint jedoch ein Interesse daran zu haben sich einzumischen und auch wenn Galahad noch unschlüssig aussieht, sagt er nichts.

Lancelot stöhnt gequält. „Leon wird mir den Kopf abreißen, wenn er herausfindet, dass ich euch drei ganz alleine ohne uns Ritter zu irgendeiner Taverne habe reiten lassen. Und er wird es herausfinden. Du weißt, dass er Nimueh mit diesem magischen Spiegel nach dir suchen lässt, wenn du nicht im Schloss bist und er in Camelot bleiben muss."

Merlin sieht aus den Augenwinkeln, wie Arthur ihm einen Blick zu wirft.

Würdest du mir freundlicherweise helfen?", fragt Arthur ihn in Gedanken.

Merlin überlegt einen Moment lang und obwohl er durchaus Mitleid mit Lancelot hat, spürt er durch seine Verbindung mit Arthur hindurch, wie gerne er Mithian das ausgelassene Treiben einer Taverne zeigen möchte. In Camelot kann er das nur bedingt tun, er ist immerhin der König und jeder kennt dort sein Gesicht, aber in einer kleinen Taverne mitten im nirgendwo, wie Lancelot es so treffend formuliert hat, könnten sie vollkommen unerkannt ein paar Becher Met trinken. Außerdem hofft Arthur, Mithian damit weiter von ihrem Heimweh ablenken zu können und Merlin glaubt, dass das eine gute Idee ist.

„Ich kann Nimueh blockieren", sagt er deshalb und er sieht, wie Arthur ihm einen dankbaren Blick zuwirft.

Lancelot hingegen funkelt Merlin betrogen an und hebt einen Zeigefinger. „Wenn Nimueh euch nicht finden kann, dann wird Leon Camelots gesamt Armee mobilisieren und losziehen, um euch zu suchen, und dann bin ich ein toter Mann."

„Ich will ja kein Spielverderber sein", meldet sich Percival zu Wort. „Aber damit hat Lancelot nicht ganz unrecht. Wir alle kennen Leon."

Ector schnaubt amüsiert und Isolde grinst, während Tristan nur abfällig den Kopf schüttelt.

Arthur rollt mit den Augen. „In Ordnung, Merlin wird Nimueh nicht blockieren. Aber wir werden trotzdem zu der Taverne reiten. Und wenn Leon dich dafür bestrafen will, dass du uns nicht aufgehalten hast, Lancelot, dann nehme ich das auf mich, in Ordnung?"

Lancelot sieht Arthur flehentlich an und gibt einen gequälten Laut von sich, aber er scheint einzusehen, dass er Arthur nicht von seinem Vorhaben abbringen kann. Schließlich seufzt er und stützt den Kopf in seine Hände.

Arthur nickt daraufhin zufrieden, bevor er von seinem Platz aufsteht und Lancelot auf die Schulter klopft. „Gut. Dann lasst uns losreiten. Wir sind für einen Jagdausflug gekleidet, also nicht zu edel, was bedeutet, dass wir nicht zu sehr auffallen sollten. Östlich von hier gibt es ein Dorf, das wir im Handumdrehen erreichen können."

Arthur sieht Mithian und Merlin auffordernd an und während Merlin ein Grinsen auf dem Gesicht hat, sieht Mithian noch etwas zurückhaltend aus, erhebt sich aber ebenfalls von ihrem Platz und folgt Arthur und Merlin zu ihren Pferden.

Das kleine Dorf, das westlich des Brechfa Waldes liegt, ist eine Ansammlung von etwa zwei Dutzend Häusern und etwa halb so vielen Ställen, in deren Mitte sich ein kleiner Marktplatz mit einem Brunnen befindet. Die Gebäude sind aus Holz und Stein gebaut und die hohen, spitzen Dächer sind mit Reet gedeckt, um ihre Bewohner vor den Elementen zu schützen.

Als Merlin hinter Arthur und Mithian auf der staubigen Straße in das Dorf hineinreitet, ist die Nacht bereits hereingebrochen und der runde Mond wirft sein helles Licht durch vereinzelt vorbeiziehende Wolkenfetzen. Auf der Straße ist niemand mehr unterwegs und die Tiere sind für die Nacht bereits in ihre Ställe gebracht worden. Obwohl in den meisten der Häuser noch Licht brennt, ist es still auf der Straße und nur aus der Taverne, einem hell erleuchteten Gebäude am Ende des Platzes, ist das Geräusch von Stimmen und Gelächter zu hören.

Arthur, Mithian und Merlin binden ihre Pferde an einem Balken neben der Taverne an und Arthur geht voraus und öffnet die Tür. Aus dem Inneren schlägt ihnen lautes Stimmengewirr und der Geruch von Alkohol entgegen und Merlin sieht wie einige der Gäste kurz aufsehen, als er, Arthur und Mithian die Taverne betreten, aber einen Moment später wenden sie sich wieder ihren Getränken, Mahlzeiten oder ihren Würfelspielen zu.

Die Taverne scheint an diesem Abend gut besucht zu sein und Merlin lässt seinen Blick durch den rechteckigen Raum wandern. Ein großer Leuchter, der in der Mitte des Raumes von den dunklen Holzbalken unter der hohen Decke hängt, sowie einige Kerzen an den Wänden spenden ein warmes Licht und über einer Kochstelle auf der rechten Seite des Raumes hängt ein großer Kessel über einem kleinen Feuer. Etwas weiter hinten in der Nähe des Tresens entdeckt Merlin einen freien Tisch an einem der Stützbalken und Arthur hat den Tisch anscheinend ebenfalls gesehen, denn er geht bereits darauf zu. Von den Holzstühlen, die um den runden Tisch herumstehen, passt keiner zum anderen und Merlins Stuhl wackelt beträchtlich, als er sich darauf setzt, bricht jedoch nicht unter ihm zusammen.

Ein junges Mädchen mit langen braunen Haaren und einer Schürze um die Hüften kommt einen Moment darauf bereits an ihren Tisch und Arthur bestellt einen Becher Met für jeden von ihnen. Aus den Augenwinkeln sieht Merlin, wie der graubärtige Wirt hinter dem Tresen – vermutlich der Vater des Mädchens – sie aufmerksam beobachtet und Merlin vermutet, dass er jedem, der versuchen sollte, seine Tochter unsittlich zu berühren, den Hals umdrehen würde. Mit seiner kräftigen Statur und dem breiten Kreuz zweifelt Merlin auch nicht daran, dass er dazu in der Lage ist und sämtliche Gäste der Taverne, die bei dem Mädchen etwas bestellen, behandeln sie respektvoll.

Während Merlin die Menschen an den Tischen einen Moment lang beobachtet, sendet er seine Magie aus, um die oberflächlichen Gefühle und Absichten der Gäste zu streifen. Zwar ist die Stimmung in der Taverne auf den ersten Blick friedlich und heiter, aber er möchte kein Risiko eingehen und er hat keine Lust auf unliebsame Überraschungen. Er kann jedoch keine Unruhestifter ausmachen und so lehnt er sich schließlich auf seinem Stuhl zurück, um den Abend zu genießen.

Nachdem das Mädchen drei Tonbecher mit Met auf einem kleinen Tablett herüber gebracht hat, stößt Merlin mit Mithian und Arthur an und der honigfarbene Met schmeckt überraschend süß und fruchtig. Merlin trinkt noch einen weiteren Schluck, während er Mithian dabei beobachtet, wie sie ihren Blick durch die Taverne wandern lässt.

„Nicht, dass ich enttäuscht wäre", sagt sie schließlich. „Aber mit einem Becher in der Hand in einer Taverne zu sitzen ist bis jetzt noch nicht sonderlich ereignisreich."

Arthur schnaubt belustigt und Merlin schmunzelt, während er seinen Becher hin und her dreht. „Na ja meistens passiert tatsächlich nichts wirklich Ereignisreiches", meint er. „Man trinkt und redet und wenn man Glück hat, ist das Bier nicht allzu dünn oder der Met schmeckt nur ein wenig nach Essig. Tavernenschlägereien sind eigentlich eher selten und ich glaube auch nicht, dass der Großteil der Tavernenbesitzer von Banditen auf Schutzgeld erpresst wird, es ist nur einfach so, dass Arthur und Gwaine, wo auch immer sie auftauchen, Ärger geradezu magisch anziehen."

„Das ist nicht fair", beschwert sich Arthur augenblicklich. „Es ist ja nicht so, als ob ich irgendetwas dagegen tun könnte. Es ist nicht meine Schuld, dass sich sämtliche Banditen in Camelot immer gerade die Taverne aussuchen, in der ich gerade sitze."

Merlin wiegt den Kopf hin und her, als ob er darüber erst eingehender nachdenken müsse, während Mithian hinter vorgehaltener Hand anfängt zu lachen. Bevor Arthur jedoch etwas erwidern kann, taucht eine Gestalt neben ihrem Tisch auf.

„Merlin, bist du das?"

Merlin dreht erstaunt den Kopf, als er eine vertraute Stimme neben sich hört und findet sich mit einem Mal seinem alten besten Freund Will aus Ealdor gegenüber. Will steht neben ihrem Tisch und er sieht genauso aus, wie Merlin ihn in Erinnerung hat.

Merlin starrt ihn einen Moment lang einfach nur an und es kommt ihm vor wie eine halbe Ewigkeit, dass der Will aus der anderen Zeit in Ealdor in seinen Armen gestorben ist. Will hatte Arthur damals bei einem Angriff des Banditen Kanen auf Ealdor vor einem tödlichen Treffer gerettet und dabei selbst sein Leben verloren. Mit seinen letzten Worten hatte er Arthur erzählt, er sei der Zauberer gewesen, der ihnen im Kampf gegen Kanens Männer geholfen hatte und damit Merlins Geheimnis bewahrt. Will ist der Einzige neben Merlins Mutter gewesen, der von Merlins Magie gewusst hatte und ohne ihn wäre Merlins Kindheit sehr einsam gewesen.

„Ja, ich bin es", antwortet Merlin schließlich, als er seine Stimme wiedergefunden hat und als er realisiert, dass tatsächlich sein alter Freund Will vor ihm steht, tritt ein breites Grinsen auf sein Gesicht. „Es ist schön, dich wieder zu sehen."

Merlin steht von seinem Stuhl auf und zieht Will kurzerhand in eine Umarmung. Will erwidert die Umarmung und wenn Merlin ihn ein wenig fester drückt und ein wenig länger in seinen Armen hält, als es für eine kurze Begrüßung üblich gewesen wäre, scheint es Will nicht aufzufallen.

Als sie sich wieder voneinander lösen, ist Merlin klar, dass er wie ein Idiot grinst, aber er kann einfach nicht anders. „Was machst du hier?", fragt er Will, denn es ist das Erste, was ihm einfällt.

Will zuckt mit den Schultern. „Das Gleiche könnte ich dich fragen", erwidert er und mustert Merlin in den braunen Lederstiefeln, der schwarzen Hose, und seinem dünnen Wildlederwams über einem dunkelblauen Hemd. Will hingegen trägt einfache Schuhe, eine braune Hose, die schon an mehreren Stellen geflickt wurde und ein ausgewaschenes Hemd und Merlin wird sich mit einem Mal des Unterschiedes zwischen ihnen nur allzu deutlich bewusst.

Für Will ist ihre letzte Begegnung gerade mal eineinhalb Jahre her, aber in dieser Zeit ist so viel passiert. Zweifellos hat Merlins Mutter allen in Ealdor erzählt, dass Merlin zuerst der persönliche Diener des Prinzen von Camelot geworden ist und kurz nach Arthurs Krönung und der geänderten Gesetze in Bezug auf Magie, offiziell den Titel des Hofzauberers von Camelot verliehen bekommen hat.

Will zieht die Augenbrauen zusammen, und als Merlin bewusst wird, dass er auf eine Antwort wartet, räuspert er sich. „Ähm, wir sind auf einem Jagdausflug", sagt er ein wenig unbeholfen. „Und Arthur wollte Mithian zeigen, wie es ist einen Abend in einer Taverne zu verbringen, weil sie vorher noch nie in einer Taverne gewesen ist."

Als Merlin Arthur erwähnt, wandert Wills Blick zuerst zu Arthur und dann zu Mithian hinüber und erst jetzt scheint er sich Merlins Begleiter genauer anzusehen. Wills Augen weiten sich, als ihm klar wird, dass Arthur in seinem braunen Hemd und seiner Lederweste niemand anderer als König Arthur Pendragon sein muss.

Merlin verzieht das Gesicht, als ihm sein Fehler bewusst wird, denn er erinnert sich noch gut daran, dass Will keine besonders hohe Meinung von Adligen hat. Ganz zu schweigen von Königen. Zumindest ist es in der Taverne laut genug und alle anderen Gäste sind weit genug entfernt, dass niemand sonst etwas von ihrer Unterhaltung mitbekommt.

„Ihr seid König Arthur?", fragt Will skeptisch und Arthur nickt freundlich, bevor er von seinem Stuhl aufsteht und Will eine Hand entgegenstreckt.

„Ja, der bin ich. Es freut mich dich kennenzulernen, Will. Merlin hat mir schon viel von dir erzählt."

Will mustert Arthur noch einen Moment lang verdutzt und wirft einen kurzen Blick zu Merlin, der ihm zunickt. Schließlich zuckt Will mit den Schultern und schüttelt Arthurs Hand.

„Ähm ja, es freut mich auch Euch kennenzulernen", antwortet er, sichtlich amüsiert und immer noch ein wenig überfordert von der ganzen Situation in der er sich mit einem Mal wiederfindet.

„Bitte, setz dich zu uns", bietet Arthur Will einen Moment darauf an und deutet auf den freien Stuhl an ihrem Tisch.

Will sieht wieder zu Merlin, der ihm erneut bestätigend zunickt. „Ja, komm schon, setz dich. Wir haben uns immerhin ewig nicht gesehen."

„Ewig ist etwas übertrieben", entgegnet Will mit einem gutmütigen Schnauben. „Es ist gerade einmal etwas mehr als ein Jahr vergangen, seit du Ealdor verlassen hast."

Will setzt sich jedoch auf den freien Stuhl neben Merlin, und Merlin und Arthur nehmen ebenfalls wieder auf ihren Stühlen Platz. Schließlich fällt Wills Blick auf Mithian, die bisher noch nichts gesagt hat und sie lächelt freundlich, als Will sie interessiert ansieht.

„Hallo, mein Name ist Mithian. Es ist schön einen von Merlins alten Freunden kennenzulernen."

Will nickt und erwidert die Begrüßung, aber Merlin kann sehen, dass er sich nicht ganz sicher ist, wie er Mithian behandeln soll. Sie hat sich ihm nicht mit einem Titel vorgestellt, aber ihre Kleidung, bestehend aus einem dunkelgrünen langen Wildledermieder über ihrem hellen Hemd und ihrer Hose sowie ihre ganze Erscheinung sagen ihm, dass sie von hohem Stand ist. Dass sie jedoch nicht darauf besteht, auch diesem Stand gemäß behandelt zu werden, verwirrt Will offensichtlich. Er mustert Mithian noch einen Moment lang, bevor er seinen Blick zurück zu Arthur wandern lässt und dann die Augenbrauen nach oben zieht.

„Ihr seid ganz allein hier? Wo sind Eure Ritter?", fragt er und ein spöttischer Tonfall begleitet seine Stimme.

„Sie sind an unserem Lagerplatz geblieben", antwortet Arthur, ohne auf Wills Unterton einzugehen. „Wir wollten keine Aufmerksamkeit erregen und wir haben Merlin hier bei uns, also sind wir vollkommen sicher."

„Dann bleibt ihr nicht lange", schlussfolgert Will und Merlin zuckt mit den Schultern.

„Nein, nicht allzu lange", antwortet er. „Aber wir haben trotzdem genug Zeit die letzten Neuigkeiten auszutauschen."

Will lacht amüsiert. „Ich bin mir nicht sicher, ob es da viele Neuigkeiten auszutauschen gibt. In Ealdor passiert nie etwas und deine Mutter hat jedem, der es hören wollte – und auch jedem, der es nicht hören wollte – alles über dein Leben in Camelot erzählt, bevor sie gegangen ist. Ich wage zu bezweifeln, dass es viel gibt, was ich noch nicht weiß."

Arthur lacht leise und Merlin will dazu ansetzen, Will zu sagen, dass im letzten halben Jahr, seit seine Mutter in Camelot wohnt, einiges passiert ist, von dem er noch nichts wissen kann, aber er stockt, als ihm nicht so Recht etwas einfallen will, dass Will tatsächlich interessieren könnte.

„Wir haben jetzt einen Drachen in Camelot", sagt er schließlich, als ihm Aithusa einfällt.

Will zieht die Augenbrauen nach oben und sieht Merlin mit großen Augen an. „Ihr habt was?"

„Einen Drachen", wiederholt Merlin. „Ähm, einen kleinen Drachen. Ich meine, sie ist noch ein Baby und noch nicht größer als ein Pony. Ihr Name ist Aithusa."

Will scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob er diese Geschichte glauben soll und er sieht zweifelnd zu Arthur und Mithian hinüber.

Arthur nickt bestätigend. „Das stimmt. Wir haben das Drachenei letzten Herbst gefunden. Ein Zauberer hat es vor Hunderten von Jahren in einem Turm versteckt."

Mithian nickt ebenfalls und Will schüttelt mit einem verblüfften Schnauben den Kopf. „Also gut, diese Geschichte hat es noch nicht bis nach Ealdor geschafft. Ich dachte, es gäbe keine Drachen mehr."

„Nun ja, sie ist der letzte weibliche Drache, aber es gibt noch einen weiteren Drachen, einen männlichen, also hoffen wir, dass es irgendwann wieder Drachen in Albion geben wird."

Will sieht Merlin daraufhin skeptisch an. „Großartig, damit sie Jungfrauen fressen und Dörfer niederbrennen können", meint er abfällig.

Merlin schüttelt den Kopf. „Das sind alles nur dumme Geschichten", antwortet er. „Drachen sind keine wilden Bestien, sie sind sehr intelligent und sie sprechen unsere Sprache. Und mit einem Drachenlord, der sie unter Kontrolle hält, stellen sie keine Gefahr dar."

Merlin sieht Will gespannt an, aber Will schüttelt nur verständnislos den Kopf.

„Was ist ein Drachenlord?", fragt er misstrauisch.

Das ist nicht die Antwort, die Merlin erwartet hat und er versucht seine Enttäuschung darüber zu verbergen, dass Will von der Aussicht, wieder Drachen in Camelot zu haben, nicht ebenso begeistert ist wie er selbst. Es führt ihm nur ein weiteres Mal deutlich vor Augen, wie weit er und Will sich voneinander entfernt haben. In Wills Welt gibt es keine Drachen, sondern nur das einfache Leben eines Bauern. Merlin schluckt schwer und versucht dann ein unbeschwertes Lächeln zustande zu bringen, während er abwinkt.

„Das ist jemand, der den Drachen mit Magie Befehle erteilen kann", antwortet er betont beiläufig. „Aber das ist jetzt nicht weiter wichtig. Warum erzählst du mir stattdessen nicht, warum du hier bist? Ealdor ist einen ganzen Tagesritt von hier entfernt", fragt er dann, um das Thema zu wechseln.

Will zuckt gleichmütig mit den Schultern. „Ich bin gerade auf dem Rückweg nach Ealdor. Die alte Gilda ist letzte Woche gestorben und sie wollte vor ihrem Tod, dass jemand Philip die Nachricht überbringen würde", antwortet Will und Merlin nickt verständnisvoll, bevor er kurz zu Arthur und Mithian hinübersieht.

„Philip ist Gildas Sohn", erklärt er. „Er ist vor drei Jahren nach Aeston gegangen, um dort das Schmiedehandwerk zu erlernen."

Will nickt bekräftigend. „Ja und er hat in Aeston die Tochter des Müllers geheiratet. Sie bekommen bald ihr erstes Kind. Er war ziemlich niedergeschlagen, als ich ihm die Nachricht überbracht habe, dass seine Mutter gestorben ist."

„Wenigstens hat ihn jemand benachrichtigt", meint Merlin.

Will nickt. „Wir waren gute Freunde, deswegen habe ich mich bereit erklärt, nach Aeston zu gehen, um es ihm zu sagen. Alle haben zusammengelegt damit ich hier übernachten kann und Warner hat mir seinen Esel gegeben, damit ich nicht den ganzen Weg über laufen muss", sagt er, bevor mit einem Mal ein breites Grinsen auf sein Gesicht tritt. „Hey, weißt du noch damals, als Philip in dieses Schlammloch gefallen ist, und du dachtest, du hättest ein Schlammmonster erschaffen und angefangen hast zu schreien wie ein kleines Mädchen?"

Merlin stöhnt gequält auf und vergräbt sein Gesicht in den Händen, als Will ihn daran erinnert.

„Du hast geschrien wie ein kleines Mädchen? Wirklich, Merlin?", fragt Arthur augenblicklich mit hämischer Freude und Merlin rollt mit den Augen.

„Ich war acht Jahre alt", verteidigt er sich, aber Arthur ignoriert ihn gekonnt und wendet sich an Will.

„Warum erzählst du uns nicht noch mehr von Merlins Kindheit in Ealdor und ich lade dich dafür zu ein paar Bechern Met und einem Abendessen ein?"

Der Rest des Abends vergeht wie im Flug, während Will Geschichten erzählt, wie Merlins Magie sie ein ums andere Mal in Schwierigkeiten gebracht, ihnen aber mindestens auch genauso oft den Hals gerettet hat. Zu Merlins Leidwesen hat Arthur großes Interesse an jeder dieser Geschichten und nachdem Will seine anfängliche Skepsis Arthur gegenüber überwunden hat, beantwortet er bereitwillig jede Frage, die Arthur ihm stellt. Merlins Einwände, dass Wills Erzählungen maßlos übertrieben seien und man ihm kein Wort glauben dürfe, werden von Arthur gekonnt ignoriert.

Mithian amüsiert sich ebenfalls köstlich und während sie ausgelassen lachen und scherzen, sorgt Arthur dafür, dass ihre Becher stets gefüllt bleiben. Merlin hat die trüben Gedanken von vorher schnell vergessen und keinem von Ihnen fällt auf, wie die Zeit vergeht, bis die Tochter des Wirts neben ihrem Tisch auftaucht und ihnen ein entschuldigendes Lächeln zuwirft.

„Es tut mir leid, aber wir würden die Schankstube jetzt gerne schließen."

Merlin sieht sich in der Taverne um und stellt überrascht fest, dass sie bis auf einen alten Mann, der auf seinem Tisch eingeschlafen ist und gerade von dem Wirt geweckt wird, die einzigen Gäste sind, die noch in der Taverne sitzen.

„Natürlich", antwortet Arthur höflich. „Wir haben anscheinend ganz übersehen, wie spät es schon ist. Wir machen uns gleich auf den Weg." Dann greift er in seine Gürteltasche und gibt dem Mädchen eine großzügige Menge Silber für ihre Getränke und das Essen.

Das Mädchen macht für einen Moment große Augen, bevor sie sich bei Arthur bedankt und dann davongeht, um einem der anderen Tische abzuräumen.

Merlin trinkt den letzten Schluck aus seinem Becher, während Arthur und Mithian von ihren Stühlen aufstehen. Als er seinen eigenen Stuhl zurück schiebt und aufsteht, wird ihm bewusst, dass es schon weit nach Mitternacht sein muss und er verzieht das Gesicht.

„Lancelot macht sich bestimmt schon Sorgen, weil wir noch nicht zurück sind", vermutet er, aber Arthur rollt nur mit den Augen.

Will ist ebenfalls aufgestanden und er presst kurz die Lippen aufeinander, bevor er seinen Blick über Arthur, Mithian und Merlin wandern lässt. „Dann nehme ich an, verabschieden wir uns hier."

Arthur nickt und reicht Will seine Hand. „Gute Heimreise, Will. Und danke für die Geschichten über Merlin und seine Abenteuer."

Arthur wackelt mit den Augenbrauen und Will grinst, als er Arthurs Hand schüttelt. „Es war mir ein Vergnügen."

„Auf Wiedersehen Will, es war schön dich kennenzulernen", verabschiedet sich Mithian ebenfalls und schließlich ist Merlin an der Reihe.

Er beißt sich auf die Unterlippe, unsicher was er sagen soll und Will zieht ihn kurzerhand in eine feste Umarmung.

„Pass auf dich auf, Merlin. Und vergiss niemals, wo du herkommst."

Merlin nickt abgehackt, während er Will an sich drückt. „Das werde ich nicht, versprochen", sagt er leise, bevor er Will wieder loslässt, und entschieden die Tränen weg blinzelt, die ihm in die Augen gestiegen sind.

Will grinst ihn noch einmal an, bevor er zu einer Tür im hinteren Teil der Taverne geht und Merlin sieht ihm noch einen Moment lang hinterher. Dann macht er sich mit Arthur und Mithian auf den Weg nach draußen.

Die Nacht ist klar und die Luft ist kühl, als sie die Taverne verlassen und auf den kleinen Marktplatz hinaustreten. Merlin fühlt sich, als ob er gerade aus einer anderen Welt wieder in die Wirklichkeit treten würde. Es hat gut getan Will wieder zu sehen und die Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend in Ealdor, haben Erinnerungen in Merlin geweckt, an die er gerne zurückdenkt. Was für Will jedoch erst wenige Jahre zurückliegt, ist für Merlin bereits fast zwanzig Jahre her. Es war eine schöne Zeit, in der die Dinge einfacher und unbeschwerter waren, aber Merlin kommt es vor, wie ein anderes Leben.

Ein wenig melancholisch schließt er die Tür der Taverne hinter sich, während Arthur vor ihm stehen geblieben ist, um sich kurz zu strecken und herzhaft zu gähnen.

Mithian zieht derweil ihren Umhang enger um den Körper. „Obwohl es keine Tavernenschlägerei gegeben hat und auch sonst nichts von dem passiert ist, was in euren Geschichten über Gwaine vorgekommen ist, fand ich den Abend in der Taverne sehr unterhaltsam."

„Nun, dann sollten wir das öfter machen", entgegnet Arthur grinsend und Merlin kann sich ein Schnauben nicht verkneifen.

„Lass das nicht Leon hören", sagt er. „Er bekommt einen Herzanfall, wenn du dich mit deiner zukünftigen Königin in regelmäßigen Abständen aus dem Staub machst, um einen Abend in einer Taverne zu verbringen."

Mithian lacht, aber Arthur rollt mit den Augen. „Leon ist eine alte Glucke. Er ist sogar noch schlimmer als Morgana. Aber genug davon. Ich will jetzt nicht an die Standpauke denken, die ich mir anhören muss, wenn wir zurück ins Schloss kommen. Die ganzen Geschichten, die Will über dich erzählt hat, waren einfach zu komisch. Mir persönlich hat die Geschichte mit der Ziege und dem gestohlenen Korb am besten gefallen, und dir Mithian?"

Merlin stöhnt hörbar auf, aber zu seiner endlosen Dankbarkeit hat Mithian die Güte Arthur nicht zu antworten, sondern lediglich zu grinsen, während sie zu ihren Pferden gehen, um sie loszubinden und zurück zu ihrem Lagerplatz zu reiten.

Als sie am Nachmittag des nächsten Tages begleitet von ein paar Regentropfen durch die Tore in den Schlosshof hineinreiten, rechnet Arthur fest damit, dass Leon bereits mit vor der Brust verschränkten Armen und einem grimmigen Gesichtsausdruck am Absatz der Treppe steht. Zu seiner Überraschung ist Leon jedoch nicht dort und auch sonst ist niemand im Schlosshof, um sie zu empfangen.

„Huh", sagt Arthur stirnrunzelnd, als er Hengroen anhält und den Blick durch den leeren Schlosshof wandern lässt.

Merlin bleibt auf Sir Ruperts Rücken neben Arthur stehen und wirft ihm einen fragenden Blick zu, woraufhin Arthur mit den Schultern zuckt.

„Ich hätte meine Krone darauf verwettet, dass Leon hier stehen und auf uns warten würde", sagt er.

„Vielleicht hat er Nimueh gestern ja überhaupt nicht mit dem magischen Spiegel nach uns suchen lassen", meint Merlin und Arthur legt den Kopf schief, während er darüber nachdenkt.

„Oder vielleicht ist er gar nicht wütend auf dich", schlägt Mithian vor, die ihren dunkelbraunen Hengst auf Arthurs anderer Seite angehalten hat.

Arthur schüttelt den Kopf. „Du kennst Leon nicht so gut wie ich. Er ist über die Maßen um meine Sicherheit besorgt", antwortet er und schnaubt dann. „Als ob mir irgendetwas passieren könnte, wenn Merlin bei mir ist."

„Ganz genau", entgegnet Mithian daraufhin.

Arthur betrachtet sie einen Moment lang zweifelnd, bevor er einen Blick zu Merlin hinüberwirft.

Merlin legt den Kopf schief. „Sie könnte recht haben", meint er nachdenklich. „Leon weiß mittlerweile wie mächtig ich wirklich bin und er weiß, dass du sehr gut auf dich aufpassen kannst."

Arthur denkt einen Moment lang darüber nach. Es stimmt, dass Leon genauso wie Lancelot und Gwaine am ehesten erahnen können, über welche Kräfte Merlin verfügt. Sie alle wissen, dass Merlin seine und Arthurs Seele aneinandergebunden hat und Arthur damit auf Merlins Magie zugreifen kann, um sich zu verteidigen - immerhin haben sie lange genug blaue Flecken von ihrem Trainingskampf auf der Lichtung im Wald gehabt. Leon hatte jedoch früher bereits gesehen, wie Merlin mühelos die Elemente kontrollieren konnte und das hat ihn nicht davon abgehalten Arthur das letzte Mal, als er und Merlin alleine losgezogen sind, eine Standpauke zu halten.

Arthur schüttelt den Kopf. „Nein, du kennst Leon, du weißt, wie er ist. Vermutlich ist er nur deswegen nicht hier, weil irgendetwas Wichtiges passiert ist, um das er sich kümmern muss. Sobald ihm jemand berichtet, dass wir wieder da sind, wird er sich zuerst Lancelot vorknöpfen und dann mir eine Predigt halten."

Hinter sich hört Arthur ein verzweifeltes Stöhnen und als er sich umdreht, sieht er Lancelot, dessen Gesichtsausdruck deutlich macht, dass er die Situation genauso einschätzt wie Arthur.

Die übrigen Ritter sind bereits abgestiegen und Merlin, Arthur und Mithian sitzen ebenfalls ab. Sie bringen ihre Pferde zurück zu den Stallungen, während die Ritter sich um das erlegte Wild kümmern und Arthur die Augen offenhält, für den Fall, dass Leon doch noch auftauchen sollte. Das tut er jedoch nicht und nachdem die Stallburschen ihnen die Pferde abgenommen haben und Mithian, Arthur und Merlin zurück zur Treppe gehen, betritt Morgana aus einem der Seitengänge den Schlosshof.

Als sie sie entdeckt, wirft sie einen kurzen Blick zu den dunklen Wolken am Himmel, bevor sie Arthur ein Lächeln zuwirft. „Oh gut. Ihr seid wieder da. Es sieht aus, als ob es bald anfangen würde stärker zu regnen. War eure Jagd erfolgreich?"

„Ja, das war sie", antwortet Arthur, während er seine Handschuhe auszieht. „Wo ist Leon?"

Morgana zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung. Warum? Brauchst du ihn für irgendetwas?"

Arthur stockt kurz. „Nein", antwortet er schließlich. „Ich habe mich nur gewundert, dass er nicht hier war, um uns zu empfangen. Ist irgendetwas passiert, während wir weg waren?"

Morgana sieht ihn verwirrt an. „Nein, alles ist in bester Ordnung. Warum hast du gedacht, dass Leon kommen würde, um euch zu empfangen? Ihr wart doch nur auf der Jagd."

„Ja, schon", antwortet Arthur, während er überlegt, warum Morgana nichts davon weiß, dass er, Merlin und Mithian ohne die Ritter einen kleinen Ausflug unternommen haben. Anscheinend hat Leon es ihr nicht erzählt und Arthur beschließt es dabei zu belassen, denn Morgana kann, was seine Sicherheit angeht, ebenso starrköpfig sein, wie Leon. Schließlich schüttelt er den Kopf und versucht ein unbeschwertes Lächeln aufzusetzen. „Du hast natürlich recht."

Morgana mustert ihn noch einen Moment lang, scheint dann jedoch zu dem Schluss zu gelangen, dass sie darauf verzichten kann, Arthurs seltsamen Verhalten auf den Grund zu gehen, und nickt, bevor sie den Schlosshof durchquert in ihren Weg fortsetzt.

Arthur sieht Morgana noch kurz hinterher, bevor er mit Merlin und Mithian die Treppe hinauf geht und das Schloss betritt. Merlin öffnet seinen Reisemantel und streckt die Schultern nach hinten durch.

„Wenn wir jetzt also keine Standpauke von Leon bekommen, dann werde ich ein heißes Bad nehmen", verkündet er mit einem zufriedenen Grinsen.

Mithian nickt zustimmend. „Das ist eine hervorragende Idee. Wir können etwas essen, während die Diener das Wasser erhitzen."

Arthur wirft ihr einen verwirrten Blick zu und als Merlin sie ebenfalls von der Seite her ansieht, zieht Mithian fragend die Augenbrauen nach oben.

„Was ist?"

„Du musst nicht warten, bis das Wasser erhitzt wird", antwortet Merlin amüsiert. „Ich kann das übernehmen."

Mithian sieht Merlin einen Moment lang erstaunt an, aber dann schüttelt sie den Kopf und lacht über sich selbst. „Natürlich kannst du das. Ich schätze, ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, dass so etwas mit Magie viel schneller geht."

Merlin gibt eine übertriebene Verbeugung zum Besten. „Ich stehe stets zu Diensten, Milady."

„Wie überaus zuvorkommend von Euch, Milord", antwortet Mithian und macht ihrerseits einen kleinen Knicks.

„Die Diener sollen deine Wanne zuerst füllen, dann werde ich das Wasser für dich erwärmen, während sie das Wasser für Arthurs Wanne bringen", sagt Merlin. „Und sag Tilda, dass die Diener die Eimer mit den kleinen Kupferringen an den Griffen benutzen sollen. Ich habe die Ringe mit einem Zauber belegt, der den Inhalt der Eimer so gut wie schwerelos macht."

Mithian zieht die Augenbrauen nach oben. „Wann hast du das denn gemacht?"

„Kurz bevor wir losgeritten sind", antwortet Merlin. „Du kannst mir glauben, dass ich genau weiß wie schwer diese Eimer werden können, wenn sie bis zum Rand mit Wasser gefüllt sind und man sie durch das ganze Schloss schleppen muss. Ich habe es nur noch nicht geschafft, den Zauber permanent zu machen, was bedeutet, dass ich ihn immer wieder erneuern muss."

Arthur beobachtet, wie Mithian Merlin noch einen Moment lang mit einem Ausdruck voller Erstaunen und Bewunderung ansieht.

„Das ist wirklich unglaublich, Merlin", sagt sie schließlich. „Ich bin sicher, die Diener wissen es sehr zu schätzen, dass du ihnen ihre Arbeit mit Magie erleichterst."

Ein Lächeln erscheint auf Merlins Gesicht und er sieht sehr zufrieden mit sich aus. Dazu hat er auch allen Grund und Arthur weiß, wie viel es Merlin bedeutet, dass Mithian ihm ihre Anerkennung für seine letzten Bemühungen, Magie in das Leben aller Menschen in Camelot zurückzubringen, zollt. Im Moment experimentiert noch mit verschiedenen Zaubern herum, aber sein Plan ist es in nicht allzu ferner Zukunft Menschen mit magischen Kräften von überall aus dem Reich darin zu unterrichten, wie sie mit einfache Zaubern den Menschen in ihren Dörfern das Leben erleichtern können.

Als Merlin, Arthur und Mithian schließlich die Treppe erreichen, die zu Mithians Gemächern in eines der Turmzimmer führt, verabschiedet sie sich von ihnen und steigt dann die Treppe nach oben, während Arthur und Merlin ihren Weg zu Arthurs Räumen fortsetzen.

Kurz darauf öffnet Arthur die Tür zu seinen Gemächern und als er eintritt, sieht er eine Bewegung im hinteren Teil des Zimmers. Für einen Moment denkt er, dass es Leon sein könnte, doch dann entdeckt er Dagonet, der vor dem großen Schrank steht und gerade dabei ist, eines von Merlins Hemden zusammenzulegen.

„Oh, Milords, ihr seid zurück", sagt Dagonet und nachdem er das Hemd in den Schrank gelegt hat, kommt er zu ihnen in den vorderen Teil des Raumes. „Wie war die Jagd?"

„Gut", antwortet Arthur abwesend, während er immer noch versucht zu verstehen, warum Leon ihn bis jetzt noch nicht abgefangen hat. „Wir haben viel erlegt."

„Das freut mich, Sire", entgegnet Dagonet. „Soll ich ein Bad für Euch und Lord Emrys vorbereiten lassen, oder wollt ihr zuerst etwas essen?"

Merlin streift sich seinen Reisemantel von den Schultern und lässt ihn über die Lehne eines der Stühle am Tisch fallen. „Nein, ein Bad ist genau das, was wir jetzt brauchen."

Dagonet nickt eifrig und er will sich bereits zum Gehen wenden, aber Arthur hält ihn kurz entschlossen auf.

„Zuerst möchte ich, dass du Leon suchst und ihm sagst, dass ich ihn sehen will. Dann kannst du dich um das Wasser für das Bad kümmern."

Dagonet nickt erneut. „Natürlich, Sire. Ich werde mich sofort darum kümmern."

Er geht zur Tür und legt eine Hand auf die Klinge, als Arthur Merlins Stimme neben sich hört.

„Und vergiss nicht den Dienern zu sagen…"

„… dass sie die Eimer mit den Kupferringen nehmen sollen, um das Wasser zu tragen, selbstverständlich, Milord", beendet Dagonet Merlins Satz mit einem Grinsen. Dann verbeugt er sich und verschwindet zur Tür hinaus.

Merlin sieht ihm noch einen Moment lang hinterher, dann schnaubt er amüsiert und schüttelt den Kopf. Schließlich sieht er zu Arthur hinüber und mustert ihn kritisch. „Warum willst du, dass Dagonet Leon hierher bringt? Ich dachte, du würdest die nächsten Tage damit verbringen, ihm so gut du kannst aus dem Weg zu gehen."

„Ich kann ihm nicht für immer aus dem Weg gehen, so groß ist das Schloss auch nicht. Und wenn ich ihm irgendwann gegenübertreten muss, dann kann ich das genauso gut auch gleich tun", entgegnet Arthur. „Außerdem will ich wissen, warum er nicht schon im Schlosshof auf uns gewartet hat."

Merlin gibt einen nachdenklichen Laut von sich, bevor er sich auf einen der Stühle setzt und seine Stiefel auszieht. Er ist gerade damit fertig und Arthur überlegt, ob er doch einen der Diener schicken soll, um ihnen etwas zu Essen aus der Küche zu holen, während sie warten, als es bereits an der Tür klopft.

Arthur runzelt die Stirn. „Herein", sagt er laut und als die Tür geöffnet wird, betritt Leon das Zimmer. Er trägt sein Kettenhemd und seinen Umhang und verschränkt abwartend die Hände hinter dem Rücken, während er vor Arthur stehen bleibt und ihn erwartungsvoll ansieht.

„Du wolltest mich sehen?"

„Ja", antwortet Arthur, während er Leon skeptisch ansieht. „Wie konntest du so schnell hier sein?"

Leon lächelt amüsiert. „Ich habe Dagonet auf dem Gang ein Stockwerk tiefer getroffen. Was gibt es denn?"

Arthur antwortet nicht, sondern mustert Leon lediglich nachdenklich. Anscheinend weiß er nicht, warum Arthur ihn hat rufen lassen. Arthur wirft einen Blick zu Merlin hinüber, der jedoch abwehrend die Hände hebt und Arthur damit zu verstehen gibt, dass er sich aus diesem Gespräche heraushalten wird.

„Ist alles in Ordnung?", fragt Leon besorgt, während er zwischen Merlin und Arthur hin und her sieh.

Arthur räuspert sich. „Ja, alles in Ordnung", antwortet er. „Ich habe mich nur gefragt, warum du nicht im Schlosshof warst, um uns zu empfangen."

Leon sieht ihn verwirrt an. „Warum sollte ich das tun? Es ist ja nicht so, als ob du wichtige Neuigkeiten von einer Jagd mitbringen würdest. Oder etwa doch?"

Arthur schüttelt den Kopf. „Nein, aber ..." Er macht eine Pause und sieht Leon forschend an, bevor er verständnislos den Kopf schüttelt. „Bist du denn überhaupt nicht wütend?"

Leon starrt Arthur einen Moment lang an, bis ihm schließlich klar zu werden scheint, worauf Arthur hinaus will und er die Augenbrauen nach oben zieht. „Du glaubst, ich bin wütend auf dich, weil du mit Mithian und Merlin zu dieser Taverne geritten bist, ohne deine Ritter mitzunehmen?"

Arthur nickt und hebt die Hände zu einer vielsagenden Geste. „Ja! Das letzte Mal, als wir etwas Vergleichbares getan haben, hast du mir fast den Kopf angerissen."

Zu Arthurs Überraschen lacht Leon leise und schüttelt belustigt den Kopf. „Nun beim letzten Mal hatte ich noch nicht begriffen, was es bedeutet, dass Merlin der mächtigste Zauberer aller Zeiten ist. Jetzt weiß ich es und obwohl es mich schmerzt es zu sagen, ist Merlin besser dazu in der Lage dich und Mithian zu beschützen, als alle deine Ritter zusammen. Und du hast jetzt auch Magie, also nein, ich bin nicht wütend auf dich und ich bin auch nicht wütend auf Lancelot. Ich bin sicher er hat sein Bestes gegeben, um dich von dieser Idee abzubringen, aber ich weiß, wie du bist, wenn du dir etwas in den Kopf gesetzt hast. Und wir wissen beide, dass Lancelot niemals einen direkten Befehl von dir verweigern würde."

„Huh", antwortet Arthur und er weiß nicht recht, was er dazu sagen soll. Es stimmt natürlich, dass Merlin für Arthurs Schutz sorgen kann, wie niemand sonst es könnte, und Arthur selbst kann sich neben seinem Schwert nun auch mit Magie verteidigen, aber Arthur hätte nicht gedacht, dass Leon das genügen würde.

Leon wiederum scheint es sehr amüsant zu finden, dass Arthurs der Meinung gewesen ist, Leon wäre wütend auf ihn, denn er versucht, sich ein Grinsen zu verkneifen. „Gibt es noch etwas, worüber du mit mir reden willst?"

Arthur schüttelt den Kopf. „Nein, das war alles", antwortet er.

Leon nickt immer noch sichtlich amüsiert. „Gut."

Damit dreht Leon sich um und verlässt das Zimmer, wobei er Arthur zurücklässt, der immer noch ungläubig dreinblickt und Merlin, der anfängt zu lachen, als die Tür hinter Leon ins Schloss fällt.