XVIII. Frieden in Albion
Nachdem Arthur die Tür zu seinen Gemächern hinter ihnen geschlossen hat, bleibt er stehen und beobachtet Merlin dabei wie er damit anfängt, im Zimmer auf und ab zu gehen - einen nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht und die Stirn in Falten gelegt.
Als Merlin bemerkt, dass Arthur ihn beobachtet, wirft er ihm einen auffordernd an. „Also, was tun wir jetzt?"
Arthur muss nicht fragen, was Merlin meint und er presst die Lippen aufeinander, während er nachdenkt.
Es ist kurz vor Mitternacht und sie kommen gerade von dem Bankett im Thronsaal, bei dem alle zehn Herrscher der umliegenden Königreiche, die Arthur zu den Friedensgesprächen eingeladen hat, feierlich begrüßt wurden. Die Feierlichkeiten anlässlich Mithians Krönung zur Königin von Camelot, liegen nun bereits einen Monat zurück und die Bewohner des Schlosses hatten nach der Abreise der Delegation aus Nemeth gerade lange genug Zeit, um wieder ein wenig zur Ruhe zu kommen, bevor die Vorbereitungen für die Friedensgespräche das alltägliche Leben am Ende des Sommers wieder durcheinanderbrachten.
Nach dem Festessen und Arthurs Rede, in der er die Bedeutung dieser Gespräche für ganz Albion noch einmal betonte, bot König Alined seinen Diener, Hofzauberer und Gaukler Trickler an, um die versammelten Edelleute und Ritter mit einer Darbietung zu unterhalten. Arthur ist kein plausibler Grund eingefallen, um dieses Angebot abzulehnen, und genau genommen hat es auch keine solchen Grund gegeben. Sie wussten nicht, ob König Alined auch dieses Mal versuchen würde einen Keil zwischen die Königreiche zu treiben und einen Krieg anzuzetteln, auch wenn Merlin genau das vermutet hat.
Und so sahen die versammelten Könige auch dieses Mal Trickler dabei zu, wie er seine Kunststücke vollführte, Feuer aus dem Nichts aus seinem Mund spuckte und schließlich mehrere blaue Schmetterlinge erscheinen ließ, die durch die Halle flatterten. Prinzessin Vivian klatschte begeistert Beifall und auch Mithian, Morgana und die anderen Gäste zollten der Darbietung ihren Respekt. Einen Moment darauf machte Trickler jedoch große Augen und ging zu Prinzessin Vivian hinüber. Er streckte eine Hand nach ihr aus und holte einen weiteren blauen Schmetterling hinter ihrem Ohr hervor, bevor er verkündete, dass der Schmetterling Vivian wohl mit einer wunderschönen Blume verwechselt haben müsse. Die Anwesenden lachten und applaudierten und Vivian sah angesichts dieses Kompliments höchst zufrieden aus.
Weder Arthur noch Merlin entging es jedoch, dass Trickler Vivian dabei unbemerkt eine Locke ihrer hellblonden Haare abgeschnitten hat, genau wie er es in der andern Zeit während genau derselben Darbietung auch getan hatte. Alineds Plan damals hatte darin bestanden die Haarsträhne dazu zu verwenden Trickler einen Liebestrank brauen zu lassen, woraufhin sich Arthur unsterblich in Prinzessin Vivian verliebt hatte. Anschließend hatte Trickler eine von Arthurs Haarsträhnen benutzt, um mit einem weiteren Liebestrank auch Vivian glauben zu lassen, sie sei ihrerseits unsterblich in Arthur verliebt.
Arthur erschaudert, als er daran zurückdenkt. Vivian ist eine fürchterliche Person gewesen, herablassend, selbstverliebt und oberflächlich und nach allem, was Arthur während des Festmahls in dieser Zeit von ihr gesehen hat, ist sie das noch immer. Alined hatte es damals so arrangiert, dass König Olaf, Vivians Vater, aus dem Königreich Deira, seine Tochter und Arthur beinahe in flagranti erwischte und Arthur zu einem Duell auf Leben und Tod herausforderte, um die Ehre seiner Tochter wiederherzustellen. Erst nachdem Guinevere Arthur durch einen Kuss wahrer Liebe von dem Liebeszauber befreit hatte und Arthur sich geweigert hatte Olaf am Ende ihres Zweikampfes zu töten, konnte ein Krieg zwischen Deira und Camelot verhindert werden.
Arthur atmet ein Mal tief durch und geht zum Tisch hinüber, wo er seine Krone vom Kopf nimmt und sie auf die Tischplatte legt. Dann fährt er sich mit den Fingern durch die Haare und sein Blick ruht noch einen Moment lang auf dem goldenen Reifen. Als kleiner Junge hat er die Krone seines Vaters immer mit großen Augen angesehen und sich vorgestellt, wie großartig es sein würde, diese Krone eines Tages selbst tragen zu dürfen und über ganz Camelot zu herrschen. Jetzt kann Arthur es gar nicht erwarten, sie nach einem langen Tag endlich wieder abzusetzen.
„Ich denke nicht, dass wir etwas tun sollten", sagt er schließlich um Merlins Frage zu beantworten.
Merlin, der unablässig im Zimmer auf und ab gegangen ist, bleibt mit einem Mal stehen.
„Ist das dein Ernst?", fragt er ungläubig. „Alined verfolgt denselben Plan wie letztes Mal, nur dass die Auswirkungen dieses Mal noch viel schlimmer wären, weil du mit Mithian verheiratet bist. Abgesehen davon, dass Olaf darauf bestehen würde, die Ehre seiner Tochter zu verteidigen, würde Rodor Camelot den Krieg erklären, weil du Mithian betrügen würdest und wenn deine Verbündeten zu ihrem Wort stehen, dann wird ganz Albion in einen Krieg gestürzt."
Mit dieser Einschätzung hat Merlin vollkommen Recht, aber Arthur sieht ihn lediglich gelassen an. „Dazu wird es aber nicht kommen."
Merlin schnaubt abfällig. „Natürlich nicht. Es ist völlig ausgeschlossen, dass Trickler mit dem Zaubertrank in deine Nähe kommt und selbst falls er es doch irgendwie schaffen sollte, kann ich den Zauber mit einem Kuss brechen, bevor du anfängst, Vivian anzuhimmeln. Aber darum geht es nicht. Alined will Krieg und wenn sein Plan fehlschlägt, dann wird er sich etwas anderes einfallen lassen."
Arthur sieht Merlin ungerührt an. „Diese Unterhaltung haben wie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal geführt", erinnert er ihn. „Der einzige Weg dafür zu sorgen, dass Frieden in Albion herrscht, besteht darin, jedem König klar zu machen, dass es möglich ist, Streitigkeiten ohne Waffengewalt zu lösen."
„Und darin stimme ich dir zu", antwortet Merlin mit einem Nicken. „Aber Alined hat gerade bewiesen, dass er keinen Frieden will."
Arthur zieht die Augenbrauen zusammen und schüttelt den Kopf. Er versteht nicht, was für eine Antwort Merlin von ihm erwartet. „Worauf willst du hinaus?"
„Darauf, dass wir gewusst haben, dass uns Alined Schwierigkeiten machen würde und dass wir trotzdem nichts getan haben, um es zu verhindern."
„Wir haben es nicht mit Bestimmtheit gewusst", gibt Arthur zu bedenken, aber Merlin sieht ihn mit schief gelegtem Kopf an.
„Es war sehr wahrscheinlich."
Arthur seufzt und rollt mit den Augen. „Na gut, von mir aus. Aber wir können nicht auf eine bloße Ahnung hin handeln."
Merlin seufzt schwer, bevor er zum Tisch hinüber geht, einen der Stühle am Tisch ein Stück heraus zieht und sich darauf fallen lässt. „Aber vielleicht sollten wir das. Es fühlt sich so an, als ob jedes Mal, wenn wir eine Gefahr für den Frieden in Albion aus dem Weg geräumt haben, etwas Neues passiert, das all unsere Anstrengungen aufs Neue bedroht."
Arthur lächelt traurig. Genau dasselbe Gefühl hat er in letzter Zeit auch gehabt und mit einem Mal spürt er das Gewicht seiner Krone noch deutlicher als zuvor, obwohl er sie gar nicht mehr aufhat. Er geht zu Merlin an den Tisch hinüber und setzt sich ebenfalls auf einen der Stühle.
„Ich fürchte, so wird es immer sein", sagt er und zuckt mit den Schultern. „Es wird immer jemanden geben, der glaubt aus einem Krieg mehr Vorteile ziehen zu können, als aus einer Zeit des Friedens."
Arthur sieht, wie die Krone auf dem Tisch schwach im Schein des Feuers im Kamin schimmert, aber er wendet seinen Blick ab und greift nach dem Krug auf dem Tisch und einem Becher. Er gießt den gewässerten Wein in den Becher und trinkt einen Schluck, bevor er den Becher wieder abstellt und einen Moment lang betrachtet.
„Das letzte Mal, als wir Alineds Plan durchkreuzt haben, hat er keine weiteren Versuche unternommen die Friedensverhandlungen zu boykottieren", gibt Arthur schließlich zu bedenken.
Merlin wirft ihm einen geringschätzigen Blick zu. „Die Verhandlungen waren ohnehin schon fast vorbei, es gab nichts, was er noch hätte tun können."
„Das stimmt", antwortet Arthur. „Aber auch im Nachhinein, hat er keinen Versuch mehr unternommen einen Krieg anzuzetteln."
Merlin legt den Kopf schief und überlegt einen Moment lang, bevor er ein unentschlossenes Brummen von sich gibt. „Mir gefällt das Ganze trotzdem nicht."
Arthur schmunzelt widerwillig, denn er weiß genau, was Merlin meint. „Es gefällt dir nicht, keine Kontrolle über die Situation zu haben, weil du dich daran gewöhnt hast, genau zu wissen, was passieren wird."
Merlin verzieht das Gesicht. „Wir sind so nahe dran die Prophezeiung zu erfüllen und eine Zeit des Friedens in Albion zu schaffen." Er wirft Arthur einen beinahe flehentlichen Blick zu und Arthur lächelt müde.
„Das sind wir", antwortet er. „Aber das bedeutet nicht, dass der Frieden zwischen den Königreichen zwangsläufig andauern muss. Die Prophezeiung sagt nichts darüber wie lange diese Zeit des Friedens, die wir einläuten sollen, bestehen wird. Vermutlich nicht für immer."
Merlin sieht Arthur für einen Moment lang so an, als ob er daran noch nie einen Gedanken verschwendet hat, bevor er die Augen schließt und den Kopf über seine eigene Kurzsichtigkeit schüttelt. „Vermutlich nicht", sagt er resigniert. „Aber ich würde mir wünschen, dass wir dafür sorgen könnten, dass der Frieden für immer bestehen bleibt."
Arthur lächelt schmal. „Vielleicht müssen wir nur unseren Teil dazu beitragen, dass er lange genug bestehen bleibt."
„Lange genug wofür?", fragt Merlin, aber Arthur zuckt mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht. Was immer das Schicksal im Sinn gehabt hat, als es jemanden diese Prophezeiung hat aussprechen lassen."
Ein unbefriedigter Ausdruck tritt auf Merlins Gesicht. „Also tun wir einfach, was wir für richtig halten und hoffen auf das Beste?"
Arthur zuckt mit den Schultern. „Ja, wahrscheinlich. Das ist alles, was wir tun können. Das ist alles, was irgendjemand überhaupt tun kann. Wir hatten die letzten eineinhalb Jahre nur einen kleinen Vorteil."
Als die Worte seinen Mund verlassen haben, schüttelt Arthur mit einem kleinen Schnauben den Kopf. Er kann kaum glauben, dass bereits eineinhalb Jahre vergangen sind, seit er und Merlin zusammen in dem Bett in Gaius' Kammer aufgewacht sind. So viel ist seitdem passiert.
„Ich schätze wir müssen einfach darauf vertrauen, dass das Schicksal es uns wissen lassen wird, wenn es anderen Pläne für uns hat", fährt Arthur schließlich fort. „Vielleicht gibt es einen Grund, warum du unsterblich bist, vielleicht aber auch nicht. Ich bezweifle, dass wir es jemals herausfinden werden. Wenn wir allerdings ewig leben, dann wird eines Tages der Tag kommen, an dem wir Camelot verlassen müssen."
Merlin sieht ihn eindringlich an. „Aber wann wird das sein?"
Arthur schmunzelt traurig und schüttelt den Kopf, während er die Hände ausbreitet. „Ich weiß es nicht, Merlin. Ich habe nicht mehr Antworten, als du. Ohne die Prophezeiung wüssten wir nicht einmal, warum wir in der Zeit zurückgeschickt wurden. Ich denke wir müssen einfach abwarten, was die Zukunft bringt."
„Also tun wir das, was wir für richtig halten, ohne dabei überheblich oder größenwahnsinnig zu werden. Klingt doch ganz einfach." Merlin grinst gezwungen und Arthur schnaubt daraufhin leise.
„Ja genau, ganz einfach."
Arthur sieht Merlin an und er versucht ein zuversichtliches Lächeln zustande zu bringen, was ihm sogar gelingt. Trotzdem kann Arthur seine wahren Gefühle und die Ungewissheit, die ebenfalls schwer auf ihm lastet, nicht vor Merlin verbergen, nicht, dass er es denn überhaupt gewollt hätte.
„Sie ist eine fürchterliche Person!", verkündet Mithian, nachdem sie die Tür zu Arthurs Gemächern mit etwas mehr Schwung als nötig hinter sich zugeworfen hat.
Mithian trägt bereits ihr Nachtgewand über das sie einen roten Morgenmantel gezogen hat. Sie durchquert das Zimmer, das nur vom Schein des Feuers im Kamin und mehreren Kerzen an den Wänden erhellt wird und als sie das große Himmelbett erreicht, wirft sie sich mit dem Gesicht voraus neben Merlin in die Kissen.
Arthur, der an seinem Schreibtisch sitzt, sieht erstaunt auf und wirft dann einen kurzen Blick zu Merlin, der an das Kopfteil des Bettes gelehnt sitzt und Mithian über den Rand seines Buches hinweg mit zusammengezogenen Augenbrauen betrachtet.
Arthur muss nicht fragen, wen Mithian meint und Merlins Blick zufolge weiß er es auch ganz genau. Während Arthur nämlich an diesem ersten Tag der Friedensgespräche mit den Herrschern der anderen Königreiche und deren engsten Beratern verhandelt hat, ist es Mithians und Morganas Aufgabe gewesen Prinzessin Vivian zu unterhalten, während Gwaine sich, soweit es seine Pflichten zuließen, um Prinz Owain gekümmert hat. Mit einem unweigerlichen Schmunzeln erinnert sich Arthur daran, dass er damals, nach seinem ersten Zusammentreffen mit Prinzessin Vivian, etwas ganz Ähnliches zu Merlin gesagt hat.
Merlin legt sein Buch bei Seite und beugt sich zu Mithian hinüber, um ihre einige Strähnen ihrer offenen Haare, die ihr übers Gesicht gefallen sind, bei Seite zu streichen. Einen Moment darauf dreht Mithian sich um und seufzt schwer, bevor sie sich an Merlins Seite schmiegt und einen Arm über seinen Bauch legt.
Arthur betrachtet die beiden und lächelt liebevoll. Merlin und Mithian haben eine ganz besondere Beziehung zueinander entwickelt, seit Mithian Merlin in ihrer Hochzeitsnacht dazu eingeladen hat das Bett mit ihr und Arthur zu teilen. Da Mithian bewusst ist, dass Merlin immer ein Teil ihrer Beziehung zu Arthur sein wird, scheint sie beschlossen zu haben, diese Tatsache nicht nur zu akzeptieren, sondern Merlin vielmehr von sich aus zu einem Teil ihrer Beziehung zu machen. Merlin und Mithian verbindet seitdem eine stetig wachsende Freundschaft und Vertrautheit. Die Art wie sie miteinander umgehen, hätte Arthur eifersüchtig gemacht, wenn er sich Merlins Gefühlen nicht vollkommen sicher sein könnte und Mithians Zuneigung für sie beide nicht so ehrlich und aufrichtig gewesen wäre.
„Du hast Recht, sie ist eine fürchterliche Person", bestätigt Arthur schließlich, während er von seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch aufsteht.
Mithian verzieht das Gesicht und schnaubt abfällig. „Sie mag ja schön sein, aber sie ist unglaublich unhöflich und arrogant und sie hat Gwen beleidigt. Ihr hättet hören sollen, was sie gesagt hat: Sie würde um Camelot fürchten, nachdem er Dienstmädchen es geschafft habe, Hofmeisterin des Schlosses zu werden. Morgana hat für einen Moment lang so ausgesehen, als ob sie Vivian in irgendeinen Käfer verwandeln würde."
Merlin streicht Mithian mit einer Hand über den Rücken und Arthur geht zum Bett hinüber, wo er sich auf Mithians andere Seite auf die Bettkante setzt. Seine Königin hat ein großes Herz und ein freundliches Wesen und gerade deshalb ist es schwer für Mithian, nachzuvollziehen, wie manche Menschen andere verletzen können, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden.
„Wenn die Friedensverhandlungen vorbei sind, ist Vivian wieder weg und mit etwas Glück wirst du sie nie wiedersehen", meinte Arthur aufmunternd. „Bis dahin würde ich es allerdings sehr begrüßen, wenn du weiterhin versuchen könntest, nett zu ihr zu sein."
Mithian gibt ein Brummen von sich und Arthur beugt sich zu ihr hinunter, um sie sanft auf die Wange zu küssen. Daraufhin dreht Mithian den Kopf und reckt demonstrativ das Kinn empor. Arthur schmunzelt, bevor er ihrer Aufforderung folgt und sie auf die Lippen küsst.
Schließlich schmiegt Mithian sich wieder an Merlins Seite. „Ich werde mein Bestes geben", verspricht sie und ergibt sich ihrem Schicksal. „Ich werde sie einfach so oft wie möglich mit Prinz Owain alleine lassen. Er scheint sehr von ihr angetan zu sein, vermutlich deshalb, weil er noch ein halbes Kind ist."
Arthur verzieht das Gesicht. „Wenn das so ist, dann solltest du die beiden besser nicht allzu oft alleine lassen", sagt er.
Mithian sieht ihn daraufhin verwirrt an, und es ist Merlin, der ihr einen eindringlichen Blick zuwirft und ihr antwortet.
„Olaf ist sehr empfindlich, was die Tugendhaftigkeit seiner Tochter angeht", erklärt er. „Wenn Owain Vivian zu nahekommt, wird Olaf ihm den Kopf abreißen und ich meine das nicht im übertragenen Sinn."
Mithian stöhnt und schließt die Augen, als sich ihre Idee in Luft auflöst.
„Tut mir leid", sagt Arthur mitfühlend.
Mithian zieht einen Schmollmund. Einen Moment darauf wandert ihr Blick zu Merlin hinauf. „Merlin, kannst du nicht irgendetwas tun, damit ich sie während der nächsten drei Tages ein wenig besser leiden kann?"
Merlin zieht die Augenbrauen nach oben. „Willst du das wirklich?", fragt er skeptisch und nachdem Mithian einen Augenblick lang darüber nachgedacht hat, schüttelt sie den Kopf.
„Nein, eigentlich nicht."
Merlin schmunzelt und streicht ihr über die Haare. „Warum bleibst du heute Nacht nicht hier? Morgen ist wieder ein neuer Tag."
Mithian gibt ein zweifelndes Brummen von sich und schmiegt sich enger an Merlin, der sie mit einem sanften Lächeln betrachtet.
„Ich sollte allerdings langsam besser zurück in meine Gemächer gehen", sagt Merlin einen Moment darauf. „Wir wollen zumindest versuchen den Schein zu wahren, also müsst ihr ohne mich auskommen."
Mithian brummt erneut, dieses Mal missbilligend, reckt aber den Kopf, um einen Abschiedskuss zu bekommen. Merlin beugt sich zu ihr hinunter und küsst sie kurz auf die Lippen, bevor er schließlich aus dem Bett steigt. Er greift nach seinem Buch und geht anschließend zu Arthurs Schreibtisch hinüber, wo er die Pergamente einsammelt, über denen Arthur zuvor gesessen hat. Auf seinem Weg Richtung Tür macht er einen Umweg zurück zu Arthur, der immer noch auf dem Bett neben Mithian sitzt und gibt ihm ebenfalls einen Kuss.
„Schlaf", sagt Merlin bestimmt. „Es ist spät. Ich werde das hier fertigmachen."
Arthur lächelt, dankbar, dass er sich nicht länger durch die Aufzeichnungen der heutigen Gespräche quälen muss, um heraus zu finden, welche Könige sich am ehesten auf bestimmte Themen einigen könnten. Das einzig Positive an den Aufzeichnungen ist, dass man die Schrift der magischen Feder, die alles aufgeschrieben hat, was gesprochen wurde, klar und deutlich lesen kann. Der erste Tag der Verhandlungen ist jedoch alles in allem anstrengender gewesen, als Arthur es erwartet hat und er hat das Gefühl, dass es morgen nur noch schlimmer werden wird.
Während Merlin zur Tür geht, zieht Arthur sein Hemd und seine Stiefel aus und als Merlin die Tür hinter sich schließt und die Kerzen mit Magie löscht, hat Arthur bereits die Decke über sich und Mithian gezogen.
Nur ein paar Stunden später wird Arthur durch ein lautes Klopfen an der Tür zu seinen Räumen aus dem Schlaf gerissen. Als er die Augen öffnet, sieht er durch die immer noch geöffneten Vorhänge, dass es draußen gerade begonnen hat zu dämmern und er stöhnt vernehmlich, bevor er sich aufsetzt. Mit einer unbewussten Handbewegung entzündet er mithilfe von Merlins Magie einige Kerzen in den Wandhalterungen, bevor er die Decke zurückschlägt.
„Was ist?", fragt er laut, während er sich bereits daran macht, aufzustehen. Wenn ihn jemand zu dieser frühen Stunde aus dem Bett holt, dann muss es etwas Wichtiges sein.
Die Tür geht auf und Leon betritt das Zimmer. Er ist in sein Kettenhemd und den roten Umhang der Ritter gekleidet und er lässt die Tür hinter sich offenstehen, als er den Vorraum durchquert und schließlich kurz hinter dem Tisch stehen bleibt.
„Es gab einen Zwischenfall, um den du dich am besten selbst kümmern solltest", sagt er. „Einer von Bayards Rittern bezichtigt eine von Lots Dienerinnen in der Nähe von Bayards Gemächern herumgeschlichen zu sein."
Arthur braucht einen Moment, bis die Worte bei ihm angekommen sind und er starrt Leon ungläubig an. Obwohl er mehrere Stunden geschlafen hat, fühlt er sich immer noch ausgelaugt und es sieht ganz danach aus, als ob der neue Tag genauso weitergeht, wie der gestrige Tag aufgehört hat.
Leon zuckt entschuldigend mit den Schultern und Arthur seufzt schwer, bevor er sich auf den Rand der Matratze setzt, um seine Stiefel anzuziehen.
Hinter sich spürt er wie sich die Matratze bewegt, als Mithian sich ebenfalls aufsetzt und Arthur bemerkt Leons überraschten Gesichtsausdruck, als er Mithian entdeckt. Vermutlich hat er Merlin dort erwartet, auch wenn er eigentlich wissen sollte, dass Merlin während der Friedensgespräche in seinen eigenen Gemächern schläft.
Leon starrt Mithian einen Moment lang an, bevor er seinen Blick auf den Boden richtet und den Kopf zu einer Verbeugung neigt. „Meine Königin."
„Guten Morgen, Sir Leon", antwortet Mithian freundlich, ohne auf Leons Verlegenheit einzugehen.
Arthur dreht sich zu ihr um und als er die Besorgnis in ihrem Blick sieht, lächelt er schwach. „Schlaf weiter. Das Ganze ist vermutlich nur ein Missverständnis. Ich bin bald wieder da", sagt er leise und Mithian nickt, bevor Arthur aufsteht, nach seinem Hemd greift, es überstreift und Leon aus dem Zimmer folgt.
Arthur unterbricht die Gespräche im Laufe des Tages gegen Mittag, nachdem sich König Llywarch und Königin Annis über die territoriale Zugehörigkeit eines kleinen Waldes am Rande eines Flusses, der laut König Llywarch eindeutig die Grenze zu seinem Königreich Dyfed markiert, zu streiten beginnen. Arthur musste sich zusammenreißen um seinen Kopf nicht auf die Steinplatte der runden Tafel zu schlagen und schließlich hielt er es für das Beste, die Gespräche zu unterbrechen, damit sich König Llywarch und Königin Annis wieder ein wenig beruhigen konnten.
Er hat geglaubt, dass es länger dauern würde, bis sich die einzelnen Herrscher an Camelots Tafel wegen unbedeutender Kleinigkeiten in die Haare bekommen würden, aber anscheinend ist dieser Punkt bereits nach nur einem Tag erreicht. Etwas Ähnliches ist auch an diesem Morgen passiert, als Leon ihn geweckt hat. Einer von Bayards Rittern ist fest davon überzeugt gewesen, dass eine von Lots Dienerinnen sich absichtlich in der Nähe von Bayards Gemächern herumgetrieben habe und dabei irgendetwas im Schilde geführt hätte. Das Mädchen hat beteuert, dass es reiner Zufall gewesen sei und dass sie etwas vergessen habe und schließlich waren Bayard und Lot hinzugekommen und fingen an sich gegenseitig zu beschuldigen dem anderen Schaden zu wollen. Am Ende hat es so lange gedauert, die beiden wieder zu beschwichtigen, dass Arthur nur noch Zeit gehabt hat, sich schnell in seinen Gemächern etwas anderes anzuziehen, bevor die Gespräche in der Ratshalle an diesem Morgen bereits weitergingen.
Jetzt sitzt Arthur auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch in Merlins rundem Arbeitszimmer und fährt sich mit einer Hand übers Gesicht, bevor er seine Krone abnimmt und sie vor sich auf die Tischplatte legt. War ihm der goldene Reif vorgestern noch schwer vorgekommen, erdrückte er ihn nun förmlich.
„Vielleicht hattest du recht", sagt Arthur mit einem Seufzen. „Vielleicht war das hier wirklich eine dumme Idee."
„Unter anderen Umständen würde ich dir nur zu gerne sagen, dass ich es dir ja gesagt habe, aber wir brauchen diese Friedensverhandlungen", antwortet Merlin, der Arthur gegenüber am Tisch sitzt. „Der einzige Weg, um für Frieden in ganz Albion zu sorgen, besteht darin, alle Könige an einen Tisch zu bekommen, damit sie ihre Streitigkeiten beilegen können, ohne gegeneinander in den Krieg zu ziehen. Und sieh es mal so: bis jetzt hat noch keiner versucht, einen der anderen umzubringen."
Als Arthur alarmiert aufsieht, findet er sich Merlins aufmunterndem Grinsen gegenüber und er kann nicht glauben, dass Merlin das gerade wirklich gesagt hat. Er wartet förmlich darauf, dass jemand in genau diesem Moment die Tür aufreißt und verkündet, dass es einen Mordanschlag gegeben hat.
Doch der Augenblick verstreicht und die Tür bleibt geschlossen, und Arthur ist unendlich dankbar dafür. Er atmet ein Mal tief durch und hebt dann drohend seinen Zeigefinger.
„Fordere das Schicksal ja nicht noch einmal auf diese Weise heraus, hörst du?"
Merlin wirft ihm einen skeptischen Blick zu. „Ich hätte nicht geglaubt, dass du so abergläubisch bist."
„Das bin ich auch nicht", verteidigt sich Arthur. „Es ist nur so, dass immer dann, wenn man glaubt, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, irgendetwas passiert, das die ganze Situation noch viel schlimmer macht." Er verschränkt die Arme vor der Brust und sieht Merlin herausfordernd an, aber Merlin widerspricht ihm nicht.
„Wenn etwas passieren sollte, dann kümmern wir uns darum", sagt Merlin stattdessen zuversichtlich. „Meine größte Sorge im Moment ist eigentlich, dass Dagonet während seiner Darbietung heute Abend beim Bankett das Schloss niederbrennt. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es keine gute Idee ist, auf Aithusa und ihre Fähigkeiten im Feuerspucken zu vertrauen. Sie bringt zwar normalerweise noch kaum mehr als ein paar Funken zustande, aber wer weiß, ob sich das nicht gerade heute Abend ändert."
Arthur schmunzelt unweigerlich und schüttelt den Kopf. Dagonets Vorstellung an diesem Abend bereitet ihm im Vergleichen zu den Friedensgesprächen keinerlei Kopfzerbrechen.
„Wir haben vier Zauberer am Tisch sitzen, mich nicht eingeschlossen", sagt er. „Wenn etwas in Flammen aufgehen sollte, dann bin ich sicher, dass wir es löschen können, bevor wichtige Teile des Schlosses anfangen zu brennen."
Merlin grinst, sichtlich zufrieden mit Arthurs Antwort. „Das ist die richtige Einstellung."
Gerade als Arthur etwas darauf erwidern will, klopft es jedoch mehrere Male schnell hintereinander an der Tür. Für einen Moment fragt er sich, ob sie nun doch nicht ungeschoren davonkommen würden, was den Mordanschlag angeht, aber das Klopfen klingt nicht nach Leon oder einem der Ritter, der seinen König in höchster Eile über einen Mord informieren will.
Merlin und Arthur werfen sich einen kurzen Blick zu.
„Herein", sagt Merlin schließlich laut und als die Tür einen Spalt breit geöffnet wird, streckt Mithian ihren Kopf hindurch.
„Hallo Merlin, hast du zufällig – Oh, da bist du ja." Ein erfreutes Grinsen tritt auf Mithians Gesicht, als sie Arthur auf der anderen Seite von Merlins Schreibtisch sitzen sieht. Sie betritt das Zimmer und schließt die Tür hinter sich, bevor sie mit beschwingten Schritten den runden Raum durchquert. Anscheinend hat sie an diesem Morgen ausgesprochen gute Laune.
„Arthur, du kannst dir nicht vorstellen, was gerade passiert ist!", sagt sie begeistert und Mithians Augen glänzen förmlich. Bevor Arthur jedoch etwas erwidern kann, redet sie bereits weiter. „Vivian hat mich angelächelt, ist das zu glauben?"
Arthur wartet darauf, dass Mithian dem noch etwas hinzufügt, aber sie sieht ihn und Merlin lediglich freudestrahlend an und Arthur schüttelt verwirrt den Kopf. „Was soll das heißen?"
„Es ist unglaublich, ich weiß", entgegnet Mithian und ein träumerischer Ausdruck tritt auf ihr Gesicht. „Ihr Lächeln ist einfach atemberaubend schön."
Arthur tauscht einen verwirrten Blick mit Merlin, der ebenfalls die Augenbrauen zusammengezogen hat und Mithian ungläubig anstarrt.
„Mithian, geht es dir gut?", fragt Merlin skeptisch, aber Mithian nickt, scheinbar ohne seinen Tonfall zu bemerken.
„Ja, natürlich. Mir geht es hervorragend!", verkündet sie. „Wem würde es nicht hervorragend gehen, wenn er ein Lächeln von Vivian geschenkt bekommt."
Mithian strahlt über das ganze Gesicht und Arthur hat nicht die geringste Ahnung, was hier vor sich geht. Während er noch überlegt, was er auf Mithians seltsames Verhalten hin sagen soll, weiten sich ihre Augen mit einem Mal und ein begeisterter Ausdruck tritt auf ihr Gesicht.
„Oh, Merlin! Du hast nicht zufällig ein Buch über Liebesgedichte hier oder?"
Merlin schüttelt den Kopf, die Stirn in Falten gelegt. „Nein, das habe ich nicht."
Mithian sieht enttäuscht aus, doch dann zuckt sie gleichmütig mit den Schultern. „Nun ja, dann werde ich eben Geoffrey fragen. In der Bibliothek gibt es mit Sicherheit haufenweise Gedichtbände, oder?"
Merlin zuckt mit den Schultern. „Ich schätze schon", antwortet er vage, aber Mithian nickt bereits voller Tatendrang.
„Ganz bestimmt. Ich werde mich gleich auf den Weg dorthin machen", verkündet sie und bevor Merlin oder Arthur noch etwas sagen können, verschwindet Mithian auch schon wieder zur Tür hinaus.
Arthur starrt auf die Holztür, bevor er sich wieder zu Merlin dreht und verständnislos den Kopf schüttelt. „Was ist hier gerade passiert?"
„Ich habe nicht die geringste… Oh nein", sagt Merlin und ein unheilvoller Unterton schwingt in seiner Stimme mit. „Ich glaube ich weiß, was hier los ist."
Merlin sieht Arthur mit einem gequälten Ausdruck auf dem Gesicht an und Arthur bedeutet ihm mit einer ungeduldigen Geste weiter zu sprechen.
„Ich glaube, Alined hat Trickler wie beim letzten Mal den Liebestrank mit Vivians Haarsträhne brauen lassen, aber anstatt dich damit zu treffen, hat er irgendwie versehentlich Mithian erwischt."
Arthur kann kaum glauben, was Merlin gerade gesagt hat. „Soll das etwa heißen Mithian glaubt jetzt, dass sie unsterblich in Vivian verliebt ist?"
„Sieht ganz danach aus."
Arthur schüttelt den Kopf, um seine Gedanken zu ordnen. „Aber wie ist Mithian mit dem Trank in Berührung gekommen?"
„Keine Ahnung", antwortet Merlin mit einem Schulterzucken. „Das müssen wir noch herausfinden. Aber das Gute daran ist, dass sich der Zauber durch einen Kuss wahrer Liebe aufheben lässt, also musst du nur deine Frau finden und sie küssen."
Merlin grinst, als ob das selbstverständlich wäre, aber Arthur sieht ihn skeptisch an. „Du glaubst, dass ich Mithians wahre Liebe bin?"
„Nein - na ja schon – vielleicht. Aber darum geht es gar nicht", antwortet Merlin. „Das letzte Mal hat Gwen den Zauber gebrochen, als sie dich geküsst hat. Ich hätte es aber ganz genauso tun können, nur dass du mich anschließend vermutlich in den Kerker geworfen hättest. Die Sache ist die, du musst nicht Mithians einzig wahre Liebe sein, du musst Mithian nur wahrhaftig und aufrichtig lieben, um den Zauber zu brechen."
Arthur beginnt zu verstehen, worauf Merlin hinaus will. „Und man kann mehr als eine Person aufrichtig lieben", stellt er fest.
Merlin nickt bestätigend. „Ja, ganz genau. Es heißt ‚Kuss der wahren Liebe', nicht ‚Kuss der einzig wahren Liebe'. Es gibt viele Formen von Liebe und jede davon kann wahrhaftig und aufrichtig sein. Eine Mutter kann ihr Kind und ihren Ehemann gleichzeitig lieben. Du zum Beispiel liebst mich und du liebst Morgana und deinen Vater und du liebst Mithian."
Arthur sieht auf die Tischplatte, während er über diese Worte nachdenkt. „Mithian bedeutet mir sehr viel, aber ich bin mir nicht sicher, ob es bereits Liebe ist", sagt er nach einem Moment.
„Na ja, wenn es noch nicht reichen sollte, dann müssen wir ihren Vater dazu bringen, dass er sie küsst", entgegnet Merlin leichthin. „Es gibt immerhin keinen Zweifel daran, dass Rodor seine Tochter aufrichtig liebt."
Das stimmt und Arthur ist in diesem Moment sehr froh darüber, dass König Rodor in Camelot ist und den Zauber brechen könnte, falls Arthur es nicht schaffen sollte. Gleichzeitig fühlt er sich jedoch schuldig, denn er hat Rodor versprochen, dass er Mithian als seine Frau lieben und ehren wird.
„Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du es nicht schaffen solltest den Zauber zu brechen", sagt Merlin leise, denn er kann Arthurs Unsicherheit durch ihre Verbindung hinweg zweifellos spüren. „Es braucht Zeit jemanden aufrichtig lieben zu lernen."
Arthur verzieht das Gesicht. „Ich weiß. Ich habe nur irgendwie das Gefühl, dass ich es Mithian schuldig bin sie aufrichtig zu lieben. Sie verdient es aufrichtig geliebt zu werden."
„Es war trotz allem eine politische Heirat", ruft Merlin ihm ins Gedächtnis. „Mithian war sich darüber im Klaren und du schuldest ihr nur deinen Respekt und deine Achtung. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass ein Kuss von dir genügen wird, um den Zauber zu brechen."
Arthur lächelt schmal und nickt, auch wenn er noch nicht vollständig überzeugt ist. „Ich sollte jetzt zurück in die Ratshalle gehen", sagt er schließlich, auch wenn es ihm widerstrebt nicht sofort etwas zu unternehmen, um Mithian von dem Zauber zu befreien.
„Das solltest du", antwortet Merlin. „Ich denke nicht, dass es schaden wird, wenn Mithian Vivian noch bis heute Abend anhimmelt. Wir können den Zauber brechen, nachdem die Gespräche für heute beendet sind. Als du damals unter dem Liebeszauber gestanden hast, hast du den ersten Tag über nichts anders getan, als nach Möglichkeiten zu suchen wie du Vivian am besten zeigen könntest, dass du unsterblich in sie verliebt bist. Erst nachdem Trickler auch Vivian mit dem Liebestrank erwischt hat, wurde es wirklich ernst. Wenn Geoffrey Mithian ein paar Bücher mit Liebesgedichten gibt, wird sie den ganzen Tag damit beschäftigt sein das perfekte Gedicht für ihre große Liebe Vivian auszuwählen."
Arthur reibt sich die Augen, während er an der Wand des Korridors zu Mithians Räumen lehnt und darauf wartet, dass Merlin die Treppe hinauf kommt. Mit einem tiefen Seufzen lässt er seine Hand wieder sinken und lehnt seinen Kopf hinter sich an die Steinmauer, während er die Augen schließt.
Es ist ein langer Tag gewesen und auch wenn er erleichtert ist, dass die Gespräche für heute beendet sind, graut es ihm schon vor den kommenden zwei Tagen, die er noch mit den Königen Albions an Camelots runder Tafel verbringen wird. Wenn diese Gespräche jedoch tatsächlich dazu führen, dass in Albion nachhaltig Frieden herrscht, dann wäre das letzten Endes jedoch sämtliche Anstrengungen wert gewesen. Und genau danach sieht es bisher aus. Zwar gibt es eine Menge Reibungspunkte und Unstimmigkeiten, aber niemand ist bereit, deswegen in den Krieg zu ziehen. Damit hat Arthur bereits genau das erreicht, was er beabsichtigt hat: Es wird miteinander gesprochen, um auf friedlichem Weg Lösungen zu finden.
Als Arthur Schritte hört, öffnet er die Augen und sieht einen Moment darauf Merlin, auf dem Absatz der Treppe erscheinen.
„Wie lange stehst du schon da?", fragt Merlin mit zusammengezogenen Augenbrauen, während er kurz stehen bleibt und Arthur mustert.
Arthur spürt Merlins Besorgnis durch ihre Verbindung hindurch mehr, als dass er sie Merlins Tonfall entnehmen kann, aber er weiß bereits, dass Merlin sich Sorgen um ihn macht. Es stimmt, dass die Gespräche an der runden Tafel Arthur viel Kraft kosten, aber es ist nichts, womit er nicht fertig wird und Merlin vertraut letztendlich darauf, dass Arthur seine Grenzen kennt.
Arthur zuckt mit den Schultern, während er sich von der Wand abstößt. „Nicht lange."
Merlin sieht ihn noch einen Moment lang prüfend an, belässt es aber dabei. „Also gut, dann lass uns diesen Zauber brechen, damit wir Mithian nicht während des ganzen Abendessens dabei zusehen müssen wie sie Vivian anschmachtet."
Arthur und Merlin gehen das letzte Stück den Korridor entlang und bleiben schließlich vor der Tür zu Mithians Räumen stehen. Merlin klopft an und einen Moment darauf ertönt Mithians helle Stimme, die sie hereinbittet. Als Arthur hinter Merlin das Zimmer betritt, entdeckt er Mithian, die mit einem kleinen, in Leder gebundenen Buch in der Hand auf und ab geht. Als ihr Blick auf Arthur fällt, bleibt sie stehen und ein erfreutes Lächeln tritt auf ihr Gesicht.
„Arthur, du kommst gerade richtig", sagt sie. „Ich habe den ganzen Nachmittag damit verbracht Liebesgedichte zu lesen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welches Vivian wohl am besten gefallen würde."
Erst jetzt entdeckt Arthur den kleinen Stapel verschieden großer Bücher auf Mithians Schreibtisch und als er zu Merlin hinüber sieht, wirft dieser ihm einen vielsagenden Blick zu. Anscheinend hat Mithian tatsächlich, genau wie von Merlin vorhergesagt, den gesamten Nachmittag damit verbracht, nach dem perfekten Liebesgedicht zu suchen, während Morgana mit Vivian und Prinz Owain in Begleitung von mehreren Rittern und Morgause einen Ausritt um das Schloss herum unternommen hat.
Mithian blättert in dem kleinen Buch in ihrer Hand ein paar Seiten nach vorne. „Wie gefällt dir das hier?" Sie holt Luft, um eines der Gedichte vorzulesen, aber Arthur ist mit ein paar Schritten bei ihr.
„Mithian, ich bin sicher, die Gedichte sind alle sehr schön, aber wir müssen zuerst noch etwas Wichtiges mit dir besprechen", sagt Arthur, bevor er ihr sanft das Buch aus der Hand nimmt und es auf den Tisch legt.
Mithian sieht ihn verwirrt an. „Ich verstehe nicht ganz."
„Das wirst du gleich, zumindest hoffe ich das." Dann umfängt Arthur Mithians Gesicht mit seinen Händen und beugt sich zu ihr hinunter, um sie zu küssen.
Mithian versteift sich, als Arthurs Lippen auf ihre treffen und er befürchtet schon, dass es nicht funktionieren wird, doch dann beginnt Mithian den Kuss zu erwidern. Arthur atmet innerlich auf und die Anspannung, die ihn seit heute Nachmittag begleitet hat, verschwindet mit einem Mal. Er küsst Mithian noch einen Moment länger, bevor er sich wieder von ihr löst.
Mithian blinzelt mehrere Male und schüttelt den Kopf. Dann wird ihr Blick wieder klar, so als ob sie aus einem Traum aufwachen würde, und sie starrt Arthur verwirrt an.
„Arthur was…?" Sie bricht ab und sieht sich im Zimmer um, bis ihr Blick auf das Buch auf dem Tisch fällt und sie legt die Stirn in Falten. „Warum habe ich ganzen Nachmittag damit verbracht Liebesgedichte zu lesen, um sie Vivian vorzutragen?"
Arthur grinst erleichtert. Mithian ist wieder sie selbst.
„Ich habe dir doch gesagt, dass es funktionieren wird", sagt Merlin zufrieden und Arthur nickt, bevor er eine immer noch verwirrte Mithian in seine Arme zieht und sie auf die Haare küsst.
„Was ist hier los?", fragt Mithian misstrauisch, und Arthur lässt sie schließlich wieder los.
„Du hast unter einem Liebeszauber gestanden, der dich seit heute Morgen hat glauben lassen, dass du unsterblich in Vivian verliebt bist", erklärt Merlin. „Wir glauben, dass der Liebestrank eigentlich für Arthur bestimmt gewesen ist und dass Alined dahintersteckt. Er wollte, dass Arthur sich unsterblich in Vivian verliebt und dass König Olaf und dein Vater Camelot den Krieg erklären würden, weil Arthur dich betrügen und Vivian in Olafs Augen ihre Unschuld rauben würde. Und damit wäre dann ganz Albion in einen Krieg gezogen worden."
Mithian starrt Merlin einen Moment lang an, während sie das alles verarbeitet. „Huh", sagt sie schließlich und schüttelt langsam den Kopf. „Ich erinnere mich daran, wie glücklich ich gewesen bin, als Vivian mich heute Morgen angelächelt hat, und ich wollte euch unbedingt sofort davon erzählen. Das ist so seltsam."
„Du kannst uns glauben, dass es für uns auch ziemlich seltsam war", entgegnet Arthur und Merlin nickt bekräftigend, bevor er wieder ernst wird.
„Hast du irgendeine Ahnung wie du versehentlich mit dem Liebestrank in Berührung gekommen sein könntest?", fragt er. „Hat Trickler heute Morgen mit dir geredet oder hat er dir etwas gegeben?"
Mithian sieht ihn verständnislos an. „Trickler? Alineds Diener?"
Merlin nickt. „Ja. Er hat während seiner Vorstellung am ersten Abend eine Locke von Mithians Haaren abgeschnitten und damit den Liebestrank gebraut."
Mithian schüttelt den Kopf. „Ich hatte nie etwas mit Alineds Diener zu tun. Ich würde nicht einmal seinen Namen kennen, wenn Alined sich nicht ständig darüber beschweren würde, wie faul und ungeschickt er ist."
„Sag uns einfach, was du den Vormittag über gemacht hast, seit du heute Morgen aufgewacht bist", schlägt Arthur vor und Mithian nickt gleichmütig.
„Na gut", antwortet sie und denkt kurz nach. „Ich bin heute Morgen in deinen Gemächern aufgewacht, als Sir Leon gekommen ist, um dich zu wecken. Nachdem ihr gegangen seid, habe ich weitergeschlafen. Dann ist Dagonet gekommen und ich bin aufgestanden und zurück in meine Gemächer gegangen. Tilda hat mir beim Anziehen geholfen und meine Haare geflochten. Dann bin ich zum Frühstück mit Morgana, Gwaine, Owain und Vivian in das Speisezimmer neben der Ratshalle gegangen. Und anschließend haben wir beim Training der Ritter zugesehen, wobei Morgana in ihrer Rüstung dafür gesorgt hat, dass Vivian genau weiß, was sie erwartet, wenn sie Gwaine noch länger schöne Augen macht, was mir zu diesem Zeitpunkt nur recht war."
Arthur schnaubt kurz amüsiert und er hat sich, was das angeht, bereits von Morgana anhören müssen, dass sie Vivian einen Kopf kürzer machen würde, wenn sie nicht damit aufhören sollte, Gwaine anzuschmachten.
„Etwas im Essen?", überlegt Arthur schließlich laut, nachdem er noch einmal über Mithians Tagesablauf nachgedacht hat.
Merlin schüttelt jedoch den Kopf. „Nein. Der Zaubertrank war für dich bestimmt, nicht für Mithian. Es muss irgendetwas in deinen Gemächern gewesen sein."
„Hast du in meinen Räumen etwas gegessen oder getrunken, bevor du gegangen bist?", fragt Arthur, nachdenklich.
Mithian überlegt angestrengt, bis sich ihre Augen mit einem Mal weiten. „Ja, das habe ich. Ich habe einen Becher Most getrunken. Dagonet hat den Krug mitgebracht, als er in deine Räume gekommen ist, um mich zu wecken."
„Das ist es", sagt Arthur überzeugt. „Trickler muss den Liebestrank in den Krug geschüttet haben, als Dagonet nicht hingesehen hat. Das ist die einzige plausible Erklärung dafür, wie der Liebestrank versehentlich Mithian treffen konnte."
Merlin nickt nachdenklich. „Alined ist vermutlich klar gewesen, dass Trickler nicht an dich herankommen würde, also hat er den Umweg über Dagonet in Kauf genommen."
„Das ist alles schön und gut", wirft Mithian ein. „Aber wie konnte ein Kuss von Arthur den Zauber brechen?"
Sie sieht zuerst Arthur und dann Merlin fragend an, woraufhin Merlin Arthur einen auffordernden Blick zu wirft.
Arthur zögert einen Moment lang, bevor er Luft holt, und dann zu einer Erklärung ansetzt. „Na ja, ein Liebeszauber kann nur durch eine Sache gebrochen werden: einen Kuss der wahren Liebe."
Es dauert einen Augenblick, bis sich Erkenntnis in Mithians Augen zeigt. „Das heißt, du liebst mich?", fragt sie schließlich erstaunt.
Arthur lächelt sanft. „Ja, das tue ich."
Er weiß, dass es keine Rolle spielen sollte, ob Mithian ebenfalls Gefühle für ihn hat, aber er kann die Hoffnung, die in ihm aufsteigt, nicht ganz unterdrücken.
Es dauert noch einen Moment, doch dann tritt ein strahlendes Lächeln auf Mithians Gesicht. „Ich liebe dich auch", sagt sie sanft.
Arthur spürt, wie sich ein warmes Gefühl in ihm ausbreitet und ein glückliches Lächeln tritt auf sein Gesicht. Er weiß, dass er vermutlich aussieht wie ein Idiot, aber das ist ihm egal. Mithian ist eine einzigartige Frau und Arthur könnte nicht glücklicher darüber sein, sie als seine Königin an seiner Seite zu haben. Die Liebe zwischen ihnen ist noch neu und zart, aber Arthurs glaubt fest daran, dass sie mit den Jahren immer stärker werden wird.
Mithian sieht Arthur noch einen Moment lang glücklich an, bevor ihr Blick zu Merlin hinüber wandert. „Und dich habe ich auch sehr gerne, Merlin." Ein verlegener Ausdruck tritt auf ihr Gesicht, so als ob sie sich schuldig fühlen würde, weil sie nicht die gleichen Gefühle für Merlin hat wie für Arthur.
Merlin begegnet ihr jedoch mit einem verständnisvollen und zufriedenen Lächeln. „Ich habe dich auch sehr gerne Mithian."
Mithian lächelt erleichtert und Arthur beobachtet die beiden überglücklich. Er weiß, dass Mithian und Merlin keine romantische Liebe verbindet und das wird vermutlich auch nie der Fall sein, aber das ist in Ordnung. Jede Form von Zuneigung ist auf ihrer eigenen Art und Weise etwas Besonderes.
Dann ist der Moment, den sie zusammen teilen, vorüber und Mithian wendet sich wieder an Arthur.
„Also, was tun wir jetzt?", fragt sie schließlich.
Arthur zuckt mit den Schultern. „Nichts", sagt er und wirft einen Blick zu Merlin hinüber. Merlin sieht ihn einen Moment lang an und Arthur weiß, dass er an das Gespräch denkt, dass sie vor einiger Zeit im Schlosshof und erst vor ein paar Tagen in ihren Gemächern geführt haben und bei dem Arthur gute Gründe dargelegt hat, warum sie nicht alle Könige Albions unter ihre Kontrolle bringen können.
„Nichts?", fragt Mithian ungläubig.
„Nichts", bestätigt Merlin schließlich mit einem Nicken.
Mithian starrt zuerst Merlin und dann Arthur verständnislos an. „Aber wir müssen etwas tun", sagt sie schließlich entschlossen. „Was ist, wenn Alined es doch noch schafft, Arthur den Zaubertrank zu verabreichen, und er sich daraufhin in Vivian verliebt?"
„Dann kann einer von uns beiden den Zauber mit einem Kuss wieder brechen", antwortet Merlin leichthin.
Mithian schüttelt jedoch entschieden den Kopf. „Wir können Alined nicht einfach damit durchkommen lassen. Außerdem wird es vermutlich nicht allzu lange dauern, bis er sich etwas Neues einfallen lässt, um den Krieg zu bekommen, den er haben will."
„Eher nicht", antwortet Arthur und auf Mithians zweifelnden Blick hin, spricht er weiter. „Alined ist ein Feigling. Er will, dass jemand Krieg führt, damit er Waffen an beide Seite verkaufen kann, aber er wird es nicht riskieren selbst in diesen Krieg mit hinein gezogen zu werden. Er wird nichts tun, das man zu ihm zurückverfolgen könnte."
„Na schön, aber wir können ihn trotzdem nicht damit durchkommen lassen", entgegnet Mithian und verschränkt demonstrativ die Arme vor der Brust. „Wir sollten wenigstens dafür sorgen, dass er Tricklers Magie nicht noch einmal dazu benutzen kann die anderen Königreiche gegeneinander auszuspielen." Ihr Blick wandert zu Merlin hinüber. „Kannst du nicht, ich weiß auch nicht, ihm irgendwie seine Magie nehmen, damit er niemandem mehr damit Schaden kann?"
Merlin macht den Mund auf, um ihr zweifellos zu antworten, dass er das nicht kann, doch dann tritt ein nachdenklicher Ausdruck auf sein Gesicht und schließlich zuckt er mit den Schultern. „Doch, das könnte ich."
Arthur sieht ihn erstaunt an. „Das kannst du?"
„Ja, ich schätze schon", antwortet Merlin. „Ich meine, es gibt Artefakte um die Magie eines Zauberers zu beschränken. Wie die magischen Fesseln zum Beispiel, die auf der Insel der Gesegneten geschmiedet wurden."
„Haben wir so ein Artefakt?", fragt Mithian augenblicklich interessiert. „Oder vielleicht ein Artefakt, dass Trickler nur noch Magie benutzen lässt, wenn er keine bösen Absichten verfolgt? Und wenn wir so etwas nicht haben, könntest du so ein Artefakt machen?"
Merlin legt den Kopf schief und denkt kurz darüber nach. „Mit Nimuehs Hilfe müsste das machbar sein. Vermutlich wäre es nicht so mächtig wie die Fesseln, die wir bereits haben, aber für Trickler sollte es reichen."
Arthur sieht, wie sich Merlins Blick erwartungsvoll auf ihn richtet und er muss zugeben, dass Mithians Vorschlag etwas für sich hat. Zwar gibt es auch andere Wege einen Krieg anzuzetteln als mit Magie, aber es ist wohl der Einfachste und vor allem der unauffälligste Weg dieses Ziel zu erreichen. Wenn sie Trickler jedoch seine Magie nehmen, dann wird Alined es kaum riskieren einen Krieg auf andere Weise heraufzubeschwören, und er wird es schwer haben, einen weiteren Magier mit vergleichbaren Fähigkeiten wie Trickler zu finden. Außerdem gefällt auch ihm die Vorstellung nicht, Alined ungeschoren davon kommen zu lassen.
„Na gut", sagt er schließlich. „Sobald Merlin etwas einfällt, wie wir Tricklers Magie einschränken können, werden wir Alined zur Rede stellen und dafür sorgen, dass er nicht noch einmal versuchen kann, mit Magie einen Krieg auszulösen."
Merlin nickt und Mithian sieht sehr zufrieden mit sich aus. Arthur mustert die beiden noch einen Moment lang und atmet dann ein Mal tief durch.
„Und jetzt sollten wir zum Abendessen in den Thronsaal gehen. Wir wollen unsere Gäste schließlich nicht warten lassen." Er setzt ein betont fröhliches Lächeln auf und Merlin schnaubt daraufhin nur abfällig.
Dann gehen sie zur Tür, um sich auf den Weg in den Thronsaal hinunter zu machen, doch Merlin bleibt mit der Hand auf der Türklinke noch einmal stehen und dreht sich zu Arthur um. Das Grinsen auf seinem Gesicht verheißt dabei nichts Gutes.
„Und vergiss nicht Arthur, du musst Vivian während des Abendessens unentwegt anschmachten. Wir wollen schließlich, dass Alined glaubt, dass sein Plan funktioniert hat, damit er nicht misstrauisch wird."
Arthur wirft Merlin einen geringschätzigen Blick zu, während Mithian amüsiert schnaubt und ihm beschwichtigend eine Hand auf die Schultern legt, als sie nach draußen auf den Gang treten.
Arthurs Theorie, nach der Trickler den Krug mit Most, den Dagonet in Arthurs Gemächer gebracht hat, mit dem Liebestrank versetzt haben musste, bestätigt sich am nächsten Tag. Dagonet erzählt ihnen, dass er Alineds Diener an diesem Morgen auf seinem Weg durch das Schloss in einem der Korridore getroffen hat. Er erinnert sich deswegen noch so genau daran, weil er aus unerfindlichen Gründen gestolpert ist und mit dem Krug in der Hand um ein Haar der Länge nach hingefallen wäre, wenn Trickler ihn nicht am Arm festgehalten hätte. Arthur ist sich sicher, dass Trickler dabei den Liebestrank in den Krug geschüttet haben muss.
Bei ihrem Gespräch mit Nimueh stellt sich kurz darauf heraus, dass Merlin sich nicht erst etwas einfallen lassen muss, wie sie Trickler seine Magie nehmen können, denn ein Artefakt, was genau das bewerkstelligen kann, befindet sich bereits in Camelot.
„Wie konntest du das nicht wissen?", fragt Arthur und schüttelt ungläubig den Kopf, während er und Merlin einen Korridor entlanggehen. „Als Hofzauberer ist es deine Aufgabe zu wissen, welche magischen Artefakte wir in Camelots Verliesen aufbewahren."
Es ist kurz nach Mittag, aber statt der Sonne sind nur dicke Wolken am Himmel zu sehen, die alles in ein trübes Grau tauchen. Die Gespräche an diesem Tag dritten Tag der Friedensverhandlungen sind genauso zäh und kräftezehrend weitergegangen, wie sie am Abend zuvor aufgehört haben. Kurz vor Mittag haben sich alle in ihre Gemächer zurückgezogen, um etwas zu essen und sich mit ihren engsten Vertrauten zu beratschlagen, ehe die Gespräche am Nachmittag weitergehen.
„Ich bin aber nicht derjenige, der jeden Tag dort unten ist", verteidigt sich Merlin. „Die meiste Zeit über ist es an Nimueh, meinem Vater und Ruadan herauszufinden, wofür die Artefakte verwendet werden, wenn es denn überhaupt magische Artefakte sind. Ich bin für gewöhnlich zu beschäftigt damit deinen königlichen Hintern zu retten, um ihnen zu helfen."
Arthur rollt mit den Augen. „Wir haben bereits festgestellt, dass du meinen königlichen Hintern liebst, also hör auf dich zu beschweren."
Merlin gibt ein unterdrücktes Prusten von sich und versetzt Arthur mit Gehen einen Stoß mit seinem Ellbogen, woraufhin Arthur ihn mit der Schulter anrempelt. Dann grinsen sie beide.
„Wie geht es eigentlich mit den Artefakten voran?", fragt Arthur, als sie weiter den Korridor entlanggehen. „Nimueh ist nicht gerade ausführlich, was ihre Berichte angeht und dein Vater auch nicht. Erzählen sie dir mehr als mir?"
Merlin zuckt mit den Schultern. „Na ja, oft gibt es nicht viel zu berichten. Wie gesagt, manche der Gegenstände dort unten sind nicht einmal magisch. Nimueh hat mir erzählt, dass Ruadan einen ganzen Tag damit verbracht hat ein kleines Kästchen zu untersuchen, nur um dann festzustellen, dass es eine ganz gewöhnliche Schmuckschatulle ist. Sigan hat keine Gebrauchsanweisungen auf den Gegenständen hinterlassen, die er als Vorbereitung für seine Rückkehr von den Toten gesammelt hat, und dein Vater hatte meistens keine Ahnung, wofür die Artefakte, die er beschlagnahmt hat, tatsächlich gut sind, nur dass es Gerüchten zufolge magisch Artefakte gewesen sein sollen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir uns alles dort unten angesehen haben. Es besteht schließlich immer die Gefahr, dass ein Gegenstand mit einem Abwehrzauber oder einer Falle versehen ist, also geht es nur sehr langsam voran."
Arthur gibt nur ein nachdenkliches Brummen von sich und als sie um die nächste Ecke biegen, sieht er bereits Mithian, die am Ende des Ganges steht und auf sie wartet. Mithian begrüßt sie mit einem schmalen Lächeln, bevor sie sich ihnen anschließt und sie gemeinsam die Stufen zu dem Teil des Schlosses hinaufsteigen, in dem König Alined und sein Gefolge untergebracht sind.
Arthur beobachtet Mithian aus den Augenwinkeln heraus, während sie einen weiteren Korridor entlang gehen. Sie hat darauf bestanden dabei zu sein, wenn sie Alined konfrontieren und Arthur ist kein guter Grund eingefallen es ihr zu verbieten. Immerhin ist sie das Opfer des Liebeszaubers gewesen.
Als Arthur, Merlin und Mithian schließlich Alineds Gemächer erreichen, öffnet ihnen Trickler auf ein Klopfen hin die Tür. Seine Augen weiten sich, als er sieht, wer gekommen ist, um mit seinem Herrn zu sprechen, doch bevor er etwas sagen kann, um Alined zu warnen, leuchten Merlins Augen bereits golden auf und Trickler greift sich an die Kehle, als ihm die Stimme wegbleibt. Arthur schiebt ihn bei Seite und betritt gefolgt von Mithian das Zimmer, während Merlin hinter ihnen die Tür schließt und mit Magie verriegelt. Dann packt er Trickler am Kragen und zieht ihn mit sich, als er neben Arthur und Mithian tritt.
Alined starrt sie überrascht an und erhebt sich von seinem Stuhl hinter dem Tisch, auf dem sein Mittagessen steht. Er wirft einen raschen Blick zu Merlin und Trickler, ignoriert Mithian und funkelt schließlich Arthur ungehalten an. „Was hat das zu bedeuten? Ich verlange eine Erklärung!"
„Und die werdet Ihr bekommen, König Alined, gleich nachdem Ihr mir sagt, warum Ihr Euren Diener angewiesen habt einen Liebestrank zu brauen, der bewirken sollte, dass ich mich in König Olafs Tochter Vivian verliebe", antwortet Arthur und sieht Alined dabei mit offenem Interesse an.
Alined beißt die Zähne zusammen und wirft Trickler, der immer noch von Merlin festgehalten wird, einen verärgerten Blick zu.
„Gebt nicht Trickler die Schuld daran, dass Euer Plan fehlgeschlagen ist", sagt Arthur. „Er hat Eure Anweisungen äußerst gewissenhaft umgesetzt. Es war Euer Fehler, dass Ihr geglaubt habt, so etwas direkt unter den wachsamen Augen meines Hofzauberers tun zu können."
Alined schweigt und er besitzt nicht die Frechheit, Arthurs Anschuldigung abzustreiten. Schließlich schnaubt er verächtlich und sieht Arthur mit einem abfälligen Blick an. „Eure Vision von Frieden in Albion ist ohnehin vollkommen lächerlich. Es ist nur eine Frage der Zeit bis jemand den Frieden, den Ihr aushandeln wollt, wieder bricht. Kriege sind viel profitabler als Frieden."
Arthur mustert Alined unverwandt, denn er hat nichts anderes von ihm erwartet. Arthur weiß auch, dass Alined mit dieser Einschätzung der Menschen durchaus recht hat, aber er hofft, dass die übrigen Herrscher der Königreiche in Albion ein wenig mehr Weitsicht an den Tag legen werden.
„Es tut mir leid, dass Ihr das so seht", sagt Arthur schließlich leidenschaftslos. „Denn damit werdet Ihr zu einem Hindernis für meine Pläne ein geeintes und friedliches Albion zu erschaffen."
Alined verzieht seine Lippen zu einem höhnischen Lächeln. „Ihr könnt mich nicht töten. Nicht während der Friedensverhandlungen."
„Ich habe nicht die Absicht, Euch zu töten. Und Ihr habt recht. Ich brauche Euch als König von Deorham, um den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Ich habe niemanden, den ich über Nacht als König einsetzen könnte."
Jeder der Könige, die Arthur eingeladen hat, weiß darüber Bescheid, dass Lot es nur mit Arthurs Hilfe geschafft hat, König von Essetir zu werden. Zwar weiß niemand genau, wie es Arthur gelungen ist, Cenred in seinem eigenen Schloss inmitten seiner gesamten Armee zu töten und Lot die Tore zu öffnen, aber das ist auch gar nicht nötig. Der Umstand, dass es Arthur gelungen ist und das nur mit einer Handvoll Männer, hat ausgereicht, damit jeder König des Landes Arthurs Aufruf, zu Friedensverhandlungen nach Camelot zu kommen, gefolgt ist. Arthur wollte nie jemand sein, der von anderen gefürchtet wird, aber in seinen langen Jahren als König von Camelot hat er einsehen müssen, dass Furcht ein sehr wertvoller Verbündeter sein kann.
„Ihr werdet daher also König von Deorham bleiben", gesteht Arthur Alined zu. „Ihr werdet am Ende der Gespräche den Friedensvertrag unterzeichnen und Ihr werdet Eure Versuche, einen Krieg heraufzubeschwören, aus dem Ihr Profit schlagen könnt, einstellen."
Alined funkelt Arthur wütend an und entweder ist er noch arroganter, als Arthur gedacht hat, oder einfach nur ein Narr.
„Ich werde mich nicht von Euch einschüchtern lassen, Arthur Pendragon!", zischt Alined. „Ich habe keine Angst vor Camelots Armee."
Arthur schmunzelt amüsiert und schüttelt den Kopf. „Es ist nicht Camelots Armee, vor der Ihr Angst haben solltet."
„Wenn du ihn bitte bewegungsunfähig machen würdest", sagt er in Gedanken zu Merlin und er hätte es liebend gern selbst getan, aber das goldene Aufleuchten in seinen Augen hätte verraten, dass er nun ebenfalls Magie wirken kann. Als Arthur einen Moment darauf spürt, wie Merlin den Zauber wirkt, geht er langsam auf Alined zu.
Alineds Augen weiten sich, als er bemerkt, dass er seine Gliedmaßen mit einem Mal nicht mehr bewegen kann und blankes Entsetzen tritt auf seine Züge. Sein Blick wandert angstvoll zu Merlin hinüber und Arthur gibt Alined einen Moment Zeit um zu realisieren, dass er mit Magie daran gehindert wird sich zu bewegen. Schließlich bleibt Arthur direkt vor ihm stehen.
„Und jetzt stellt Euch vor, ich würde Merlin befehlen das hier mit Euren gesamten Truppen zu machen. Und ich versichere Euch, dass er dazu sehr wohl in der Lage ist", sagt Arthur leise, doch Alined hat keine Probleme damit ihn zu verstehen.
Schließlich entfernt Arthur sich wieder von Alined und gibt Merlin mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass er den Zauber wieder auflösen soll. Im nächsten Augenblick gehorcht Alined sein Körper wieder und er stolpert unwillkürlich einen Schritt rückwärts, wobei er fast das Gleichgewicht verliert und sich an der Lehne eines Stuhls festhält, um nicht umzufallen.
„Kommen wir noch einmal auf das zurück, was ich zuvor gesagt habe", fährt Arthur ungerührt fort. „Ihr werdet damit aufhören zu versuchen die Könige Albions gegeneinander aufzuhetzen. Und damit es Euch leichter fällt, Euch daran zu halten, werde ich dafür sorgen, dass es von nun an nicht mehr so einfach sein wird."
Arthur hält seinen Blick auf Alined gerichtet, während Merlin Trickler loslässt und dann in die Innentasche seiner Robe greift. Er holt eine Manschette aus Gold hervor, die aus mehreren ineinander geflochtenen Strängen besteht.
„Streck deinen rechten Arm aus", fordert Merlin Trickler auf und Trickler wirft einen verängstigten Blick zu Alined hinüber, der ihm jedoch unwirsch zunickt.
„Na los, tu es!", zischt er und Trickler streckt zögerlich seinen rechten Arm aus.
Merlins Augen leuchten golden auf, bevor er die Manschette um Tricklers Handgelenk legt. In dem Moment, als das Metall Tricklers Haut berührt, erwacht die Manschette zum Leben und wickelt sich um Tricklers Arm. Dabei verschmelzen die Enden der Metallstränge miteinander, sodass kein Übergang in der geflochtenen Struktur zurückbleibt und die Manschette eng an Tricklers Handgelenk anliegt.
„Diese Manschette wird verhindern, dass du Magie benutzt, wenn deine Absichten nicht aufrichtig und ehrbar sind", informiert Merlin Trickler anschließend. „Nur ich kann sie wieder abnehmen, und jeder Versuch sie mit einem Zauber zu entfernen, wird dazu führen, dass du für mehrere Stunden das Bewusstsein verlierst, also versucht es gar nicht erst."
Trickler starrt die Manschette einen Moment lang an, bevor er ungläubig zuerst zu Merlin und dann mit einem verzweifelten Ausdruck in den Augen zu Alined hinüber sieht. „Bitte Herr, bitte schickt mich nicht weg. Ich kann Euch immer noch nützlich sein, das verspreche ich!", fleht er Alined an und fällt vor ihm auf die Knie.
Alined antwortet nicht, aber sein Gesicht ist zu einem grimmigen Ausdruck verzogen.
„Ihr solltet auf ihn hören, Alined", rät Arthur. „Und falls Ihr daran denken solltet Trickler den Arm abzuhacken, versichere ich Euch, dass ich es erfahren werde. Genauso wie ich es erfahren werde, wenn Ihr versuchen solltet, einen anderen Zauberer in Eure Dienste zu stellen, damit er die Drecksarbeit für Euch erledigt."
Arthur sieht Alined noch einmal eindringlich an, und er ist sich ziemlich sicher, dass die Demonstration von Merlins Fähigkeiten den gewünschten Effekt gehabt hat. Wie Arthur schon zu Mithian gesagt hat, ist Alined im Grunde seines Herzens ein Feigling.
Dann dreht Arthur sich um und verlässt ohne ein weiteres Wort zusammen mit Merlin und Mithian den Raum.
Als sie sich nach rechts wenden und den Korridor entlanggehen, beobachtet Arthur Mithian aus den Augenwinkeln heraus. Alined hat sie keines Blickes gewürdigt und sie hat die ganze Zeit über nichts gesagt. Arthur fragt sich, was ihr gerade durch den Kopf geht, doch bevor er sich überlegen kann, was er sagen könnte, wendet Mithian sich an Merlin.
„Merlin, kannst du das wirklich?", fragt sie zögerlich. „Eine ganze Armee einfach so erstarren lassen?"
Merlin sieht sie mit Bedacht an und schließlich nickt er. „Ja, das kann ich. Es gibt tatsächlich nur sehr wenig, was ich nicht tun kann."
Er lächelt schief und Mithian nickt nachdenklich. Arthur fragt sich für einen Augenblick, ob es nicht vielleicht ein Fehler gewesen ist, Mithian zu erlauben sie zu begleiten, doch dann tritt ein schmales Lächeln auf Mithians Lippen.
„Dann bin ich sehr froh darüber, dass du und Arthur über diese Kräfte verfügt und niemand sonst", sagt sie leise und Arthur weiß, dass er sich keine Sorgen hätte machen müssen.
Arthur beißt die Zähne zusammen und er muss sich beherrschen, um nicht mit der Faust auf die runde Tafel zu schlagen und seinem Zorn darüber Luft zu machen, dass die versammelten Könige sich mit belanglosen Streitereien aufhalten, anstatt zu versuchen Gemeinsamkeiten zu finden und Kompromisse zu schließen, um Frieden in Albion zu ermöglichen. Gerade jetzt ist König Edmund dabei König Rodor zu beschuldigen es seit Jahren auf einen Landstrich im Süden an der Grenze zwischen Kent und Nemeth abgesehen zu haben. Jeder der Anwesenden weiß allerdings genau, dass König Edmund König Rodor nur deshalb nicht ausstehen kann, weil seine Schwester einen von Rodors Ritter geheiratet hat, anstatt seinen Wünschen entsprechend einen Lord zu ehelichen, den Edmund bereits für sie ausgesucht hatte.
Mit jedem neuen tatsächlichen oder vorgeschobenen Streit, der über die runde Tafel hinweg ausgetragen wird, sieht Arthur seine Vision von einem geeinten und friedlichen Albion mehr und mehr in weite Ferne rücken. Ihm ist von Anfang an klar gewesen, dass es nicht einfach sein würde und er weigert sich einfach zu glauben, dass der einzige Weg zu einem geeinten Albion darin bestehen soll, sämtliche Herrscher unter seine Kontrolle zu stellen und sie dazu zu zwingen sich miteinander zu verbünden. Denn wie er zu seinen Rittern bereits gesagt hat, das wäre kein Frieden, sondern Tyrannei.
Arthur versucht, König Edmunds vollkommen haltlose Anschuldigungen und König Rodors abfälliges Schnauben auszublenden, während er sich fragt, wie er es bis zum Ende der Gespräche an diesem Abend, dem nunmehr vierten Tag der Verhandlungen, doch noch schaffen könnte, alle versammelten Herrscher dazu zu bringen ihre Streitigkeiten zum Wohle Albions beizulegen. Andernfalls würde es vor dem Festmahl morgen Abend keinen Friedensvertrag geben, den sie als Abschluss der Gespräche feierlich unterzeichnen könnten.
Arthur wird aus seinen Gedanken gerissen, als er sieht, wie die Tür der Ratshalle geöffnet wird und Leon so unauffällig wie möglich hereinkommt. Er geht um die Tafel herum und tritt schließlich hinter Arthur, wo er sich zu ihm hinunter beugt.
„Eine Gruppe von Bayards Rittern kam gerade in den Schlosshof geritten", sagt er leise. „Sie haben einen Gefangenen bei sich und wollen unverzüglich mit ihrem König sprechen."
Arthur sieht Leon überrascht an. Er kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, was so wichtig sein könnte, dass Bayards Ritter mit einem Gefangenen den ganzen Weg nach Camelot auf sich genommen haben. Leon zuckt jedoch nur mit den Schultern, bevor er sich wieder aufrichtet.
Arthur zögert einen Moment, bevor er sich von seinem Platz erhebt. Die anderen Könige drehen ihre Köpfe zu ihm und König Edmund verstummt schließlich ebenfalls, als er bemerkt, dass er nicht länger die Aufmerksamkeit der anderen hat.
„Darf ich vorschlagen, eine kurze Pause einzulegen und eine Erfrischung zu uns zu nehmen. Wir haben noch einen langen Tag vor uns. König Bayard, wenn Ihr mir bitte folgen würdet. Ich wurde gerade darüber informiert, dass eine Gruppe Eurer Ritter eingetroffen ist."
Bayards Miene verdüstert sich augenblicklich, als er diese Neuigkeiten hört und er steht von seinem Stuhl auf. Während einige der anderen Könige ebenfalls aufstehen, bleibt Lot jedoch sitzen und sieht Bayard neugierig an. „Ihr seht aus, als ob Ihr jemandem den Kopf abschlagen wollt, Bayard. Habt Ihr auf schlechte Neuigkeiten gewartet?"
Bayard bedenkt Lot mit einem kalten Blick. „Das geht Euch nichts an und ich möchte Euch nahelegen, Euch um Eure eigenen Angelegenheiten zu kümmern, König Lot."
Lot zieht die Augenbrauen nach oben, ohne sich von Bayards abfälligem Tonfall beirren zu lassen. „Nun, jetzt bin ich aber neugierig. Welche dringenden Angelegenheiten wollen Eure Ritter denn mit Euch besprechen? Sie sind immerhin den ganzen Weg von Mercia hierher geritten. Warum empfangt Ihr sie nicht hier? Es sei denn natürlich, Ihr habt etwas zu verbergen."
Lot grinst selbstgefällig. Er hat es erfolgreich geschafft, dass die Aufmerksamkeit der anderen Herrscher nun einzig Bayard gilt und Arthur sieht, wie Bayard die Zähne zusammenbeißt. Beinahe erwartet er, dass Bayard sein Schwert zieht, doch dann wendet er seinen Blick von Lot ab und wendet sich an Arthur.
„Ich möchte ohne weitere Verzögerungen mit meinen Rittern sprechen. Lasst sie hierher bringen."
Arthur nickt und wirft Leon einen kurzen Blick zu, der sich daraufhin auf den Weg macht, um Bayards Ritter in die Ratshalle bringen zu lassen.
Als Leon gegangen ist, richtet Bayard das Wort an die versammelten Könige. „Ich wollte diese Angelegenheit nicht ohne weitere Informationen zur Sprache bringen. Ein paar Tage vor meiner Abreise nach Camelot habe ich Berichte darüber erhalten, dass die Sachsen Dörfer an der Grenze zwischen Mercia und Anglia angegriffen haben. Ich habe eine Gruppe meiner Ritter losgeschickt, um dem nachzugehen, und anscheinend bringen sie wichtige Neuigkeiten."
Erwartungsvolle Stille herrscht in der Halle und Arthur sucht mit seinem Geist nach Merlin. „Merlin, du solltest besser herkommen."
Er berichtet Merlin kurz was er soeben erfahren hat, was in Gedanken sehr viel schneller geht, als mit tatsächlichen Worten und Merlin macht sich daraufhin sofort auf den Weg.
Als die Tür der Ratshalle das nächste Mal geöffnet wird, betreten Leon, Percival und Lancelot zusammen mit vier von Bayards Rittern in blauen Waffenröcken den Raum. Zwei der Ritter eskortieren einen Mann, dessen Hände vor dem Körper mit einem Seil zusammengebunden sind. Der Gefangene trägt einen Lederharnisch unter einem Fellüberwurf und sein Schädel ist kahl rasiert bis auf einen blonden Bart an seinem Kinn, der zu einem Zopf geflochten ist.
Die Ritter bleiben mit einigem Abstand vor Bayard stehen und drücken ihren Gefangenen auf die Knie. Einer der Ritter tritt nach vorne und wirft einen kurzen Blick zu den umstehenden Königen, bevor er sich vor Bayard verbeugt. Er sieht Bayard unsicher an und Bayard gibt ihm mit einem Nicken zu verstehen, dass er sprechen soll.
„Sire, die Patrouille, die Ihr ausgeschickt hattet, um Informationen über die Umtriebe der Sachsen einzuholen, wurde angegriffen, aber die Männer konnten die Angreifer überwältigen. Dieser Mann hat sich gefangen nehmen lassen, nachdem die anderen Sachsen tot waren und er behauptet, dass er eine wichtige Nachricht hat, die er nur an Euch übermitteln wird, mein König."
Bayard betrachten den gefangen genommenen Sachsen mit offener Verachtung. „Ich bin König Bayard von Mercia. Sprich."
Der Mann sieht Bayard an und verzieht dann sein Gesicht zu einem gehässigen Lächeln. „Die Angriffe auf Mercia waren nur der Anfang. Ihr habt unseren großen Anführer Hengist getötet und dafür werdet Ihr mit Eurem Blut bezahlen!" Der Mann spuckt Bayard vor die Füße und funkelt sämtliche der versammelten Könige hasserfüllt an. „Ihr alle! Wir werden eure Städte plündern, eure Dörfer niederbrennen und eure Söhne vor Euren Augen töten, bevor wir jedes eurer Länder für uns beanspruchen!"
Arthur bemerkt, wie sich mehrere der Umstehenden, vor allem die Herrscher der kleineren Länder, besorgte Blicke zuwerfen. Ganz gleich wie unbeeindruckt Bayard sich gezeigt hat, die Sachsen haben ihm bereits Verluste zugefügt, sonst hätten seine Ritter nicht wegen eines einzelnen gefangen genommenen Sachsen den weiten Weg bis nach Camelot auf sich genommen, anstatt noch zwei weitere Tage auf die Rückkehr ihres Königs zu warten.
Die Sachsen sind in ganz Albion für ihre Stärke im Kampf berüchtigt und gefürchtet und ihre Anzahl ist in den letzten zehn Jahren stetig angewachsen, während sie ganz Anglia und Tír-Mòr unter ihre Kontrolle gebracht haben. Mercia verfügt abgesehen von Camelot über die größte stehende Armee und aufgrund des Bündnisses zwischen den beiden Ländern würde Arthur Seite an Seite mit Bayard kämpfen. Wenn es die Sachsen schaffen sollten, Camelot und Mercia zu durchqueren, dann stünde nichts mehr zwischen ihnen und den restlichen Ländern Albions. Zwar können die versammelten Könige erahnen über welche Kräfte Merlin verfügt, aber ein einzelner Zauberer kann nur etwas gegen eine Armee ausrichten, die geschlossen angreift. Wenn die Strategie der Sachen jedoch darin bestehen sollte, sich aufzuteilen und an mehreren Stellen gleichzeitig anzugreifen, dann würde Camelot in Bedrängnis geraten. Davon gehen die versammelten Herrscher zumindest aus. Dass Arthur sich auch auf die Unterstützung von sechs weiteren mächtigen Zauberern, sowie auf die Hilfe der Druiden und noch dazu auf das Eingreifen eines ausgewachsenen Drachen verlassen kann, können sie schließlich nicht ahnen.
Bayard hat einen starren Ausdruck auf dem Gesicht, als er den Sachsen vor sich fixiert. Arthur beobachtet derweil die anderen Könige, und sein Blick bleibt an Lot hängen, der aussieht, als ob er nicht weit davon entfernt ist, dem Sachen mit bloßen Händen das Genick zu brechen. Arthur kann es ihm angesichts des höhnischen Grinsens auf dem Gesicht des Mannes nicht einmal verdenken. Essetir grenzt direkt an Anglia und im gesamten Südosten an Tír-Mòr und Blutmagie oder nicht, Lot wird seine Krone bis zum letzten Atemzug verteidigen.
Die Sachsen rechnen zweifellos damit, dass jedes Königreich versuchen wird sich selbst zu retten. Arthur hat es jedoch bereits geschafft, alle Herrscher zu Friedensgesprächen an einem Tisch zu versammeln und obwohl die Gespräche an der runden Tafel bisher von Uneinigkeit geprägt waren, stellt die Bedrohung durch die Sachen die einmalige Gelegenheit dar, alle Königreiche gegen einen gemeinsamen Feind zu vereinen. Zwar würden die alten Streitereien zwischen ihnen zweifellos wieder aufflammen, wenn die Sachen besiegt wären, aber bis dahin würden sie zusammen kämpfen. Und kaum etwas schafft mehr Vertrauen, als Seite an Seite in die Schlacht zu ziehen.
„König Bayard, wenn Ihr erlaubt", sagt Arthur und Bayard sieht auf. Er mustert Arthur einen Moment lang, bevor er kaum merklich nickt und Arthur fährt fort. „Sir Leon würdet Ihr diesen Mann bitte in den Kerker bringen und ihn in eine Zelle sperren."
Leon wartet noch einen Augenblick lang ab und gibt Bayard die Möglichkeit zu widersprechen, doch Bayard tut es nicht und schließlich nickt Leon. „Ja, Sire." Er bedeutet Bayards Rittern, den Sachsen auf die Beine zu ziehen, und nach einem kurzen Blick auf Bayard, der ihnen mit einem Nicken zu verstehen gibt, dass sie Leon folgen sollen, ziehen sie den Sachsen hoch.
„Mich in eine Zelle zu werfen wird euch nichts nützen!", stößt der Mann hervor. „Ich werde euch nichts erzählen, ganz gleich was ihr mir antut und sobald meine Brüder und Schwestern die Mauern dieses Schlosses niederreißen und mich befreien, wird jeder von euch tot sein!" Seine Lippen verziehen sich zu einem höhnischen Grinsen, bevor einer von Bayards Ritter ihm einen Stoß in den Rücken versetzt. Dann schleifen sie den Mann zur Tür und als Lancelot und Percival die Tür öffnen, entdeckt Arthur, dass Merlin gerade den Korridor entlang kommt.
„Geh mit Leon in den Kerker und versuch, ein paar Informationen aus dem Sachsen heraus zu bekommen", sagt Arthur in Gedanken. „Ich glaube ich weiß, wie ich diese Friedensverhandlungen doch noch retten kann."
Merlin nickt, bevor er sich umdreht und dann Leon und den anderen folgt.
Die Tür der Ratshalle wird wieder geschlossen und für einen langen Moment herrscht Stille, bis Lot ein Schnauben von sich gibt.
„Wenn die Sachsen wirklich glauben, dass sie Essetirs Armee besiegen können, dann sollten sie sich auf eine Überraschung gefasst machen", meint er, aber Bayard wirft ihm einen abschätzigen Blick zu.
„Ihr solltet die Sachsen nicht unterschätzen. Sie sind furchtlos und kämpfen ohne jeden Skrupel."
Lot zieht die Augenbrauen nach oben und er will etwas erwidern, aber Arthur kommt ihm zuvor, bevor Lot Bayard gegen sich aufbringen kann.
„König Bayard hat Recht, König Lot. Man sollte seinen Feind niemals unterschätzen. Ganz gleich wie unzivilisiert er erscheinen mag", gibt Arthur zu bedenken. „Der einzige Weg, die Sachsen zu besiegen, bevor sie unsere Königreiche verwüsten können, besteht darin, uns zu verbünden, und Seite an Seite zu kämpfen."
Arthur lässt seinen Blick über die anderen Könige wandern und er sieht jeden von ihnen einen Moment lang an. Zu Arthurs Überraschung ist es Königin Annis, die das Wort ergreift.
„König Arthur hat recht. Wir müssen die Sachsen zusammen bekämpfen, um zu verhindern, dass sie ganz Albion einnehmen. Sie haben bereits Siedlungen in Tír-Mòr und Anglia. Wir müssen dafür sorgen, dass es ihnen nicht gelingt, in die benachbarten Königreiche einzufallen."
Annis' Worte bringen mehrere der anderen Könige dazu, zustimmend zu nicken. Sie alle sind derselben Ansicht, doch Annis ist die Erste gewesen, die es ausgesprochen hat. Arthur weiß, dass der Großteil der Sachsen, die über das Meer auf die Insel gekommen sind, bisher mit den Menschen an der Küste friedlich zusammengelebt hat, aber einzelne Fraktionen, wie Hengist und seine Männer, haben immer wieder Dörfer geplündert und gebrandschatzt. Dennoch wurde Handel mit den Sachsen getrieben, genauso wie mit den misstrauisch beäugten dänischen Wikingern im nördlichen Teil von Northumbria. Außerdem ist sich Arthur sicher, dass man mit den Sachsen und den anderen Volksgruppen, die in den kommenden Jahren noch auf die Insel kommen werden, unter den richtigen Umständen durchaus Frieden schließen kann. Beim letzten Mal ist ihm das jedoch durch Morganas Zutun und den Sarrum von Amata, der sich mit den Sachsen gegen Camelot verbündet hatte, nicht möglich gewesen.
„Ich danke Euch, Königin Annis", sagt Arthur nach einem Moment. „Angesichts dieser neuen Entwicklungen schlage ich vor, dass wir uns wieder zusammen setzen um zu besprechen, wie wir auf diese Bedrohung reagieren wollen."
Arthur geht zum Tisch zurück und setzt sich wieder auf seinen Platz. Die anderen Könige und Königin Annis tun es ihm gleich und Arthur holt einmal tief Luft, bevor die Gespräche weitergehen.
Als Arthur spät an diesem Abend seine Gemächer betritt, wartet Merlin dort bereits auf ihn. Er sitzt mit einem Buch in der Hand auf dem Bett und sieht auf, als Arthur die Tür hinter sich schließt. Ihre Blicke treffen sich und Merlin lächelt sanft, während er das Buch bei Seite legt. Worte sind nicht nötig und Arthur muss Merlin nicht erst erzählen, was während der Verhandlungen, die bis jetzt angedauert haben, geschehen ist. Seit die Gespräche nach der Unterbrechung durch die Ankunft von Bayards Rittern und dem gefangen genommenen Sachsen, weiter gegangen sind, hat er Merlin in Gedanken immer wieder über die Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten.
Arthur geht im Schein der Kerzen im Zimmer zum Bett hinüber, streift sein dunkelblaues, verziertes Lederwams und seine Stiefel ab und klettert auf das Bett. Merlin stellt die Füße vor sich auf die Matratze und Arthur folgt der Aufforderung und setzt sich zwischen Merlins Beine. Er lehnt sich mit dem Rücken an Merlins Brust und Merlin umfängt ihn mit seinen Armen.
Die Anspannung des Tages fällt von Arthur ab und er atmet tief durch, schließt die Augen und lässt seinen Kopf gegen Merlins Schulter fallen. Es ist ein langer Tag gewesen. Merlin hebt eine Hand und streicht Arthur sanft durch die Haare und Arthur wünscht sich für den Rest seines Lebens hier sitzen zu können und der Welt dort draußen keine Beachtung schenken zu müssen.
Einige Zeit vergeht, während sie einfach nur so dasitzen, ohne dass einer von ihnen ein Wort sagt. Irgendwann hört Arthur jedoch Merlins leise Stimme an seinem Ohr.
„Haben wir es geschafft?"
Arthur atmet tief ein und lässt die Luft dann wieder entweichen, während er die Augen öffnet und den Kopf wieder etwas hebt. Er sieht die vertrauten Umrisse seines Zimmers im Schein der Kerzen vor sich und der Rest der Welt schiebt sich wieder an seinen angestammten Platz in den Vordergrund seines Bewusstseins. Merlin spricht von der Prophezeiung und davon, ob sie es geschafft haben, sie zu erfüllen, und Arthur denkt einen Moment lang über diese Frage nach.
„Ich weiß es nicht", antwortet er schließlich. „Wir haben es geschafft alle Herrscher Albions zu einen, aber die Sachsen bedrohen unsere Grenzen im Osten und es wird Krieg geben. Noch herrscht also nicht überall Frieden und ich bin mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt möglich ist, dass in allen Teilen Albions zur gleichen Zeit Frieden herrscht."
Merlin gibt nur ein nachdenkliches Brummen von sich, aber Arthur weiß, was er meint. Sie haben in den vergangenen eineinhalb Jahren auf ein Ziel hingearbeitet, von dem sie nicht genau wissen, wann sie es erreicht haben würden. Sie haben bereits darüber gesprochen, wie lange diese Zeit des Friedens, die von der Prophezeiung vorhergesagt wurde, andauern soll und sind zu dem Schluss gekommen, dass sie es nicht wissen. Sie müssen darauf vertrauen, das Richtige zu tun und hoffen, dass sich ihnen der Weg, dem sie folgen sollen, rechtzeitig offenbart. Genauso wenig wissen sie, ab wann sie tatsächlich von einer Zeit des Friedens in Albion sprechen können, und wann sie es damit geschafft haben würden, die Prophezeiung zu erfüllen.
Arthur seufzt vernehmlich und er fragt sich nicht zum ersten Mal, wie Merlin es all die Jahre über geschafft hat, das Schicksal von ganz Albion auf seinen Schultern zu tragen, ohne darunter zusammenzubrechen.
Schließlich spürt er, wie Merlin hinter sich mit den Schultern zuckt. „Dann lass uns einfach beschließen, dass wir es geschafft haben", sagt Merlin entschieden. „Wenn morgen Abend der Friedensvertrag zwischen allen Herrschern Albions unterzeichnet worden ist, haben wir die Prophezeiung erfüllt."
Arthur schmunzelt leise. Es klingt so einfach. Er denkt einen Moment lang über Merlins Vorschlag nach und darüber, dass sie mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages die Prophezeiung erfüllen würden und es fühlt sich richtig an. Außerdem bedeutet es nicht, dass sie damit am Ende ihrer Reise angelangt sind, vielmehr ist es erst der Anfang.
Arthur nickt bestimmt. „Du hast recht", antwortet er. „Und wir werden weiterhin unser Bestes tun, um dafür zu sorgen, dass dieser Frieden in Albion Bestand hat."
„Natürlich werden wir das", stimmt Merlin ihm zu. „Du bist der König von Camelot und deine Regentschaft hat gerade erst begonnen. Und Camelot wird immer unsere Heimat bleiben, ganz gleich was auch passiert."
„Ja, das wird es", antwortet Arthur. „Und wir werden dieses Land beschützen, so lange wir können."
„Das werden wir", sagt Merlin leise und zieht Arthur fester an sich.
Arthur lässt einen Kopf wieder nach hinten auf Merlins Schultern fallen und ganz gleich was die Zukunft auch bringen mag, für den Moment sind sie beide hier, zusammen und das ist das Einzige, was zählt.
Arthur taucht den langen, dunkelbraun gemusterten Federkiel in das Tintenfass vor sich auf dem Tisch und streift die Spitze sorgfältig am Rand ab. Dann setzt er als letzter der Elf Könige seinen Namen unter den ausgearbeiteten Friedensvertrag.
Als er sich wieder aufrichtet und die Feder bei Seite legt, blickt er in die Gesichter der andere neun Könige und Königin Annis, die um den großen, runden Holztisch in der Mitte des Thronsaals herum versammelt sind. Anschließend lässt er seinen Blick über die Menschen in der Halle, bestehend aus seinen treuesten Rittern, den Mitglieder seines Rates und den Berater der anderen Könige wandern. Er spürt die Bedeutung dieses Augenblicks und er hält für einen Moment inne, um sich noch einmal bewusst zu machen, was sie erreicht haben. Dann greift er nach dem silbernen Kelch, den einer der Diener für ihn auf einem Tablett bereithält, und hebt ihn in die Höhe.
„Möge das der Beginn einer neuen Ära sein", sagt er laut. Noch einmal betrachtet er jeden einzelnen der anderen Herrscher kurz, während sie ebenfalls ihre Kelche heben. „Auf Frieden in Albion!"
„Auf Frieden in Albion!", antworten die neun Könige und Königin Annis zusammen, bevor jeder von ihnen seinen Kelch an die Lippen führt und einen Schluck daraus trinkt.
Die versammelten Menschen in der Halle applaudieren und Arthur lässt seinen Kelch wieder sinken. Sein Blick wandert zu Morgana, die neben Gwaine steht und ein breites Lächeln liegt auf ihren Lippen. Anschließend sieht Arthur zu Mithian und auch sie lächelt glücklich und nickt Arthur kurz zu.
Einen Moment darauf hört Arthur Merlins Stimme in seinem Kopf. „Auf Frieden in Albion."
Arthur lässt seinen Blick einen Platz weiter zu Merlin wandern und Merlin nickt ihm mit einem überglücklichen Ausdruck auf dem Gesicht zu.
Ein breites Lächeln erscheint auf Arthurs Lippen, als er das Nicken erwidert und seinen Kelch ein weiteres Mal kaum merklich anhebt. „Auf Frieden in Albion."
Auf den Tag genau vier Monate später an einem sonnigen, aber klirrend kalten Wintertag, beugt Horsa, der Anführer der Sachen, nach einer weiteren Niederlage gegen die vereinten Armeen der Königreiche von Albion unterstützt von Merlin, Nimueh und Morgause auf einer schneebedeckten Kuppe am Rande des Schlachtfelds, das rot vom Blut der Gefallenen gefärbt ist, das Knie vor Arthur und die verbliebenen Krieger der Sachsen legen ihre Waffen nieder.
