Epilog

Arthur trinkt den letzten Schluck seines Espressos, bevor er die aktuelle Ausgabe der Times zuschlägt und damit noch einmal einen Blick auf die Titelseite wirft. Mit einem Kopfschütteln stellt er die kleine Espressotasse vor sich zurück auf den Tisch.

Er und Merlin sitzen draußen in einem kleinen Café nicht weit der St. Pauls Kathedrale in London entfernt. Die Sonne scheint und ein kurzer Blick auf seine Omega Armbanduhr sagt Arthur, dass es kurz nach 8 Uhr in der Früh ist.

„Wenigstens ist sie intelligent", sagt er, bevor er die Times in der Mitte faltet und auf den Tisch legt.

Merlin wirft ihm einen amüsierten Blick zu. „Für eine Bürgerliche meinst du."

„Was?", fragt Arthur erstaunt, bevor er entschieden den Kopf schüttelt. „Nein, es interessiert mich nicht, dass sie eine Bürgerliche ist. Vielleicht ist es dir in den letzten eintausend Jahren entgangen, aber ich mache mir nichts aus Klassenunterschieden. Ich habe in der anderen Zeit immerhin Guinevere geheiratet."

Merlin grinst. „Ich wollte nur sichergehen."

Arthur rollt daraufhin mit den Augen. Merlin schafft es immer noch, ihn an der Nase herum zu führen, und daran wird sich, so wie es aussieht, auch nie etwas ändern.

„Was hast du dann für ein Problem mit ihr?", fragt Merlin schließlich.

Arthur macht eine vielsagende Handbewegung. „Sie ist Amerikanerin."

Merlin schnaubt belustigt und schüttelt den Kopf, bevor er einen Schluck von seinem Cappuccino trinkt. „Du wolltest für die Hochzeit nach London kommen."

„Ja, ich weiß. Nenn mich sentimental."

„Dir ist aber schon klar, dass kein Angehöriger der britischen Königsfamilie tatsächlich mit dir verwandt ist, oder?"

Arthur zuckt als Antwort lediglich mit den Schultern. Natürlich weiß er das. Die Herrscher über Großbritannien haben in den vergangenen Jahrhunderten viel zu oft gewechselt, als das auch nur noch ein Tropfen von seinem und Mithians Blut in der britischen Königsfamilie fließen könnte.

Merlins Galaxy S9 vibriert auf dem Tisch vor ihnen und Merlin greift danach und entsperrt den Bildschirm. Er liest die Textnachricht, die er gerade bekommen hat und grinst, bevor er das Smartphone wieder zurück auf den Tisch legt. „Es ist Leon. Er hat gerade den neuesten König Arthur Film auf Blu-ray gekauft und er will wissen, ob wir ihn zusammen anschauen wollen."

Arthur schnaubt verächtlich. „Nein danke, ich passe."

„Er soll aber ziemlich gut sein", meint Merlin mit einem unschuldigen Grinsen.

Arthur legt den Kopf schief. „Ach wirklich? Sie stellen mich als Straßenschläger dar, der in einem Bordell aufgewachsen ist. In dem Film davor war ich wenigsten noch ein römischer Soldat. Der einzige Film, der es bis jetzt halbwegs richtig hinbekommen hat, war der Merlin Film mit Sam Neill aus den 90ern."

Merlin zieht die Augenbrauen nach oben. „Sie haben Mordred zu deinem Sohn gemacht, der gezeugt wurde, als du während eines Beltane Rituals mit Morgana geschlafen hast."

„Ich sagte halbwegs", entgegnet Arthur missmutig und schüttelt dann den Kopf. „Manchmal frage ich mich wirklich, warum wir den alten Geoffrey von Monmouth als Chronisten beschäftigt haben. Er hat sich bei seiner Historia Regum Britanniae ziemlich viele Freiheiten herausgenommen. Vielleicht hätten wir einfach alles selbst aufschreiben sollen."

Merlin lacht amüsiert. „Niemand hätte uns geglaubt, was wirklich passiert ist. Besonders den Teil mit der Zeitreise hätte man für komplett erfunden gehalten."

Arthur seufzt und zuckt mit den Schultern. „Ja, da hast du vermutlich recht", gibt er zu.

„Ich habe immer recht", erwidert Merlin daraufhin und Arthur legt den Kopf schief.

„Nein, das hast du wirklich nicht. Du hast in den letzten eintausend Jahren ziemlich oft falsch gelegen. Darf ich dich daran erinnern, dass du dir absolut sicher warst, dass Großbritannien niemals dafür stimmen würde die Europäische Union zu verlassen und sieh dir an, was passiert ist."

Merlin macht eine wegwerfende Handbewegung. „Was zählt, ist, dass ich die meiste Zeit über recht habe."

Arthur nickt nicht sonderlich überzeugt, lässt es aber auf sich beruhen. Sein Blick fällt wieder auf die Titelseite der Times und er sieht einen Moment nachdenklich auf die Zeitung.

„Was glaubst du, wie lange es dauern wird, bis die nächste Überschrift auf der Titelseite verkündet, dass die Monarchie in Großbritannien abgeschafft wird, so wie es im Rest von Europa schon passiert ist?", fragt er, aber Merlin schüttelt den Kopf, noch bevor Arthur zu Ende gesprochen hat.

„Großbritannien wird die Monarchie niemals abschaffen. Das Volk liebt ihre Könige und Königinnen. Die königliche Familie hat die richtige Entscheidung getroffen nur noch eine zeremonielle und repräsentative Funktion einzunehmen, anstatt das Land tatsächlich zu regieren. Es ist sehr viel leichter, ein neues Parlament zu wählen, als einen schlechten König abzusetzen. Zwar haben viele Herrscher, die nach dir kamen, schrecklich Entscheidungen getroffen und Kriege und Not verschuldet, aber am Ende hat sich alles zum Guten gewendet, würde ich sagen."

Merlin sieht mit einem Lächeln auf den Lippen nach links zum Gehweg und Arthur folgt seinem Blick. Drei junge Frauen gehen an ihnen vorbei und jede von ihnen hat eine kleine Union Jack Fahne in der Hand und einen überdimensionalen blauen Samtzylinder mit der Landesfahne auf dem Kopf, während sie vergnügt ihres Weges gehen.

„Das ist dein Vermächtnis", sagt Merlin leise. „Du warst der Erste, der dieses Land vereint hat und auch wenn es jetzt Großbritannien heißt und nicht mehr Albion, hat es bis heute überdauert und es wird auch noch für viele Hundert Jahre bestehen bleiben."

Arthurs Blick bleibt noch einen Moment lang auf die drei Frauen gerichtet und auch wenn es ihm nach all den Dingen, die er über die unzähligen Jahre hinweg gesehen hat, manchmal schwer fällt, weiß er, dass Merlin Recht hat.

Schließlich greift Arthur nach seiner Lederjacke, die über dem Stuhl neben ihm hängt und steht auf, bevor er Merlin auffordernd ansieht.

„Also dann. Lass uns gehen und einer königlichen Hochzeit beiwohnen."

The End