Zuerst einmal, tut es mir leid, dass ihr soooo lange warten musstet. Zu allem Überfluss habe ich mich auch noch zwei Wochen im Urlaub rumgetrieben. Doch keine Panik, die Story wird weiter geschrieben und auch beendet. Die Wartezeiten versuche ich so gering wie möglich zu halten! Doch nun schwafle ich nicht länger, sondern lasse euch lesen. Viel Spaß!
15. Die Normalität
Weshalb freute sie sich nur so?
„Du armer kleiner Wurm. Dein Vater hasst deine Mutter, deine Großmutter möchte dich am liebsten gar nicht auf die Welt kommen lassen und die gesamte Zaubererschaft wird dir mit Vorurteilen entgegen kommen.
Doch warte nur bis Albus wieder wach ist, dann wirst du stolz auf deinen Vater sein … falls Albus aufwacht …
Aber wir schaffen das! Ich werde für dich da sein!"xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Als Ginny erwachte, schien schon die Sonne durch die Nebelfelder, die sich auf der Wiese neben dem Haus gebildet hatten. Die junge Hexe blieb noch lange auf dem Rücken liegen und wollte ihre Augen nicht öffnen. Sie wollte nicht aus der beruhigenden Dunkelheit hinaus in die grelle Realität ihres durcheinander geratenen Lebens.
Doch es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, und so raffte sie ihren ganzen Mut zusammen und öffnete die Augen.
Es war ein schöner Herbsttag und die Vögel zwitscherten. Die Hexe seufzte, stieg widerwillig aus dem Bett und ging zum Fenster, um es zu öffnen. Die Sonne erwärmte ihr Gesicht, doch draußen war es kalt und beinahe frostig.
Der Vogel im großen Kirschbaum begann gerade laut zu zwitschern, endete aber empört, als ein Buch auf ihn zusauste und er entrüstet aufflog.
„Hör auf zu singen, als wäre die Welt in Ordnung und alles wunderschön", brüllte sie.
Was bei Merlin war nur mit ihr los?
„Tut mir leid, es war nicht so gemeint", rief sie dem empört davon flatternden Vogel nach.
Quälend langsam zog sie sich an, kämmte ihre Harre länger als notwendig, doch alle Verzögerungstaktiken würden nicht helfen; sie musste irgendwann nach unten zu ihrer Familie.
Mit gesenktem Kopf schlich sie zur Tür hinaus und die Treppe hinunter. So unauffällig als irgend möglich betrat sie die Küche und stöhnte auf. Am Küchentisch saß Harry Potter und trank eine Tasse Tee. Ihre Mutter räumte gerade das Geschirr in den Schrank. Sie schloss schnell die Tür, als sie Ginny sah, und lächelte sie an.
„Guten Morgen, mein Schatz, schau mal, wer zufällig vorbeigekommen ist." (B/N: Ja, klar ... purer Zufall ... und die Erde ist ne Scheibe)
Harrys leicht gequälter Gesichtsaudruck bestätigte Ginnys Vermutung, dass ihre Mutter ihn eingeladen hatte, um ihr verwirrtes Kind zu retten. Innerlich seufzend setzte sie sich Harry gegenüber. War nicht alles schon kompliziert genug? Musste jetzt auch noch Harry hier sitzen? Mit diesem "sie tut mir leid, doch ich ekle mich vor ihr" Blick? Hätte er sich nicht so dämlich angestellt, hätte sie Severus gar nicht gefunden … das alles wäre nicht passiert. Sie hielt in ihren Gedanken inne – nein, es war gut so. Sonst hätte sie nie erfahren, wie Severus wirklich war, hätte sich nie in ihn verliebt. Warum hörte sich das selbst in ihren Ohren trotzig an?
„Guten Morgen, Harry, du siehst gut aus."
„Du auch, wenn man bedenkt, was dir passiert …", bestürzt verstummte er und starrte seine Tasse an.
„Mir geht es gut, Harry, wirklich. Wenn man mich nicht ständig behandeln würde, als wäre ich irre oder verwirrt, ginge es mir sogar blendend."
Errol klopfte an die Scheibe, den Tagespropheten am Bein. Molly ließ ihn herein und auch Harry war erleichtert. Er nahm der Eule die Zeitung ab und gab ihr einen Eulenkeks.
Ginny holte sich Toast und Marmelade, während Harry begann, den Propheten zu lesen. Er senkte seine Lektüre und sah Ginny erleichtert an.
„Warum hast du denn nicht gleich gesagt, dass dein Kind von einem Muggel ist? Ginny … das kann ich dir verzeihen. Wenn du möchtest, kannst du es auch gerne behalten", stieß er aus. (B/N: Hä? Was bildet der sich denn ein?)
Ginny sah ich an als wäre er übergeschnappt. Sie schmierte sich eine zweite Scheibe Toast, ihre Mutter hatte Harry die Zeitung aus der Hand genommen und las.
„Was?", mischte sich nun auch Molly ein. Mrs Weasley überflog den Artikel und strahlte dann. „Aber Kind, das ist ja wunderbar, das Kind ist bestimmt von dem Muggel ... dann ist ja alles gut."
Nun wurde es Ginny endgültig zu bunt, was faselten die beiden da?
„Ich danke dir, Harry, für deine Großzügigkeit, dass du erlaubst, dass ich mein Kind behalten darf! Aber entschuldige, deine Erlaubnis ist absolut belanglos! Es ist mein Kind, nicht ein verletztes Kätzchen, das ich mit nachhause bringe! Dürfte ich jetzt erfahren, wie ihr auf die Idee kommt, das Kind wäre von einem Muggel?" Energisch riss sie ihrer Mutter die Zeitung aus den Händen.
Neues im Entführungsfall Weasley
Wie uns aus glaubhaften Quellen zugetragen wurde, könnte das Kind, dass die junge Miss Ginevra Weasley austrägt, von einem Muggeljungen stammen. Ersten Vermutungen zufolge geht das Ministerium momentan davon aus, dass dieses Kind durch die Schändung des Entführungsopfers durch den Todesser Severus Snape zustande kam.
Doch unser Informant erklärte, dass auch der junge Jake Perch als Vater in Frage käme. Der junge Muggel liegt zurzeit im Krankenhaus und es scheint, dass er für immer gelähmt bleibt. Versuchte das junge Glück zu entkommen und wurde von dem Todesser geschnappt? Bleibt Miss Weasley nur das Kind von ihrem beinahigen Retter als Zeichen seiner großen Liebe?
Ihre Rita Kimmkorn
„Was für ein Humbug!", rief Ginny und warf die Zeitung auf den Tisch. „Natürlich ist das Kind von Severus, ich habe mit Jake nicht geschlafen. Außerdem wurde Jake von seinem Vater so schwer verletzt, nicht von Severus!"
Ginny schnaubte empört und setzte sich wieder zurück auf ihren Stuhl. Harry sah sie erschrocken ob dieses Ausbruches an.
„Du hättest also nichts dagegen, wenn ich Jakes Kind behalte, würdest mich gnädig auch mit dem sichtbaren Makel nehmen ... Was ist mit Severus' Kind?"
„Du willst doch den Bastard dieses miesen Schweins nicht auf die Welt bringen." Harry war aufgesprungen und funkelte Ginny an. „Glaubst du, ich werde das Balg dieses Verbrechers aufziehen? Nein! Entweder das Kind oder ich, Ginny!"
Molly hielt entsetzt die Luft an und sah aus, als wollte sie am liebsten einen Zeitumkehrer aus dem Nichts heraufbeschwören. (B/N: ggg )
„Dann muss ich nicht lange überlegen: Das Kind!"
Harry starrte Ginny fassungslos an. Sein Blick, in den sich immer mehr Schmerz und Enttäuschung mischte, stach ihr tief ins Herz.
Sie mochte Harry immer noch. Sie hatte sich nie zuvor daran gestört, dass sich ihre Beziehung immer nach Harrys Interessen und Aufgaben orientierte, doch jetzt hatte sich das geändert, seit es um das Kind ging.
Sie wusste, dass Harry Severus nicht leiden konnte; der Tränkemeister machte es den Menschen um ihn herum auch oft genug schwer, ihn zu mögen. Doch was konnte dieses kleine ungeborene Leben in ihrem Bauch dafür? Außerdem würde Albus aufwachen und dann wäre Severus wieder bei ihr.
„Dann scheinst du ja doch das Liebchen dieses Monsters zu sein! Viel Spaß mit dem Balg - auf den Vater würde ich an deiner Stelle nicht zählen!", fauchte Harry.
Ginny schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht und rannte aus dem Haus über die große Wiese, an der Hecke entlang bis zur Scheune. Keuchend stand sie an das alte verwitterte Holz gelehnt und Tränen schossen aus ihren Augen. Ihre Füße schmerzten, da sie nur ihre Filzpantoffel trug, die mittlerweile völlig durchnässt waren. Es tat alles so weh - Harrys Worte, sein Hass ... er brannte so tief in ihrem Herzen, dass es zu zerspringen drohte.
Sie sehnte sich nach Severus, nach seiner Umarmung, seinem Geruch und seiner Wärme. Sie öffnete die schwere Holztür, stieg die Stufen nach oben und setzte sich an die Stelle auf dem Dachboden, an der sie Severus damals gefunden hatte.
Ihr Kopf ruhte auf ihren angezogenen Knien. Sie weinte immer noch, doch Tränen hatte sie keine mehr. Sie zitterte vor Kälte, doch ihr fehlte der Antrieb sich zu erheben.
Ein starker Arm legte sich um ihre Schulter und zog sie fest an einen Körper, der neben ihr saß. Sie erschrak, denn sie hatte niemanden kommen hören.
„Dad, es ist alles so schrecklich", schluchzte sie.
Arthur Weasley legte seinen Kopf auf den seiner Tochter und wiegte sie wie ein kleines Kind.
„Ist schon gut, mein Schatz, ich bin da. Du bist nicht alleine. Aber erschrecke mich nie wieder so, indem du wegläufst, versprich mir das!"
Ginny nickte und kuschelte sich noch enger an ihren Vater.
„Du willst das Kind behalten?" Wieder nickte sie. „Magst du ihn so?"
Sie konnte hören, wie schwer ihm diese Frage gefallen war.
Sie hob ihren Kopf und sah ihren Vater an. „Ja, Daddy, ich weiß - er ist beileibe nicht perfekt, doch ich kann … nicht anders …"
„Dann muss es Liebe sein. Ich liebe deine Mutter, obwohl sie manchmal so unbedacht sein kann wie heute mit dir und immer ihren Kopf durchsetzen will. Es ist Liebe, wenn man einen Menschen trotz seiner Fehler mag."
Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Du weißt, dass er nach Askaban kommen wird.
Und falls er dort jemals wieder herauskommen sollte und nicht gut zu dir ist, mein Engel, dann wird er sich wünschen, nie aus Askaban entkommen zu sein."
Ginny lächelte ihren Vater an. Dann fragte sie ernst: „Wird Mum es akzeptieren? Auf einen weiteren Aufmunterungsversuch wie den heute morgen kann ich verzichten. Außerdem muss ich mir eine Arbeit suchen; glaubst du Fred und George brauchen eine Verkäuferin?"
„Ich befürchte, Molly wird nicht so schnell aufgeben. Aber du brauchst doch nicht bei Fred und George arbeiten, du wolltest doch Lehrerin werden!"
„Ja, für Muggelkunde, doch ich weiß nicht ... werden sie mich im Ministerium in der Abteilung für Muggelangelegenheiten als Lehrling nehmen, wenn ich von Severus Snape schwanger bin?"
„Hillborow, der Leiter der Abteilung, ist mir noch einen Gefallen schuldig. Er wird deinen „Zustand" bei der Entscheidung außer Acht lassen, und deine Noten sind allemal gut genug. Nun lass uns nach Hause gehen, du zitterst ja wie Espenlaub."
Gemeinsam gingen sie zurück zum Fuchsbau. Molly saß in der Küche und in ihrem Blick lag eine Mischung aus Erleichterung und Wut.
„Da bist du ja! Weißt du was für Sorgen wir uns gemacht haben? Harry ist gegangen, und ich glaube nicht, dass er wieder kommt."
„Ich weiß. Ich verstehe ihn."
Molly seufzte und schüttelte den Kopf. Den Rest des Tages vermied Ginny die Konfrontation mit anderen Menschen.
xXx
Am nächsten Morgen stand im Tagespropheten, wann Severus Verhandlung angesetzt worden war.
Ginnys Hände begannen zu zittern - noch zwei Tage und alle ihre Hoffnungen waren zu Ende.
Sie wusste, dass die einzige Hoffnung in Albus Erwachen lag.
„Oh mein Kind, vergiss diesen Verbrecher doch bitte. Geh' und suche dir einen netten jungen Mann! Zerstöre dir doch nicht deine ganze Zukunft", plapperte Molly.
Ginny antwortete ihr nicht.
Ihre Mutter würde sie einfach nicht verstehen, sie konnte sie nicht verstehen ... ihre Liebe zu dem Todesser Snape.
Wie auch, sie konnte es ja selbst nicht verstehen, nicht wirklich.
Die junge Hexe verbrachte die kommenden Tage mit langen Spaziergängen, auf denen sie zu sich selbst finden wollte. Sie ließ die Litaneien und Spitzen ihrer Mutter über sich ergehen und freute sich wenn sie alleine war über das kleine Wunder in ihrem Bauch.
tbc
