Auch wenn ihr mich für dieses Kapitel vielleicht auf den Mond schießen wollt ... ich wünsche euch allen viel Spaß! Und danke an ttt für die Review!

16. Die Verhandlung

Ginny antwortete ihr nicht.

Ihre Mutter würde sie einfach nicht verstehen, sie konnte sie nicht verstehen ... ihre Liebe zu dem Todesser Snape.

Wie auch, sie konnte es ja selbst nicht verstehen, nicht wirklich.

Die junge Hexe verbrachte die kommenden Tage mit langen Spaziergängen, auf denen sie zu sich selbst finden wollte. Sie ließ die Litaneien und Spitzen ihrer Mutter über sich ergehen und freute sich wenn sie alleine war über das kleine Wunder in ihrem Bauch.

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Einsam und verlassen saß Ginny auf der Bank im Flur vor dem Gerichtssaal 10.

Alles war so schrecklich.

Albus schien nicht aufzuwachen, keiner glaubte ihr und Severus, der Vater ihres ungeborenen Kindes, hasste sie.

Kreisend rieb sie ihre Handballen über ihre Augen und die Stirn.

Ihre Mutter war wütend, dass sie Harrys Angebot, sie trotz Severus' Bastard zu heiraten, ausgeschlagen hatte, dass sie das Kind nicht wegmachen lassen wollte und dass sie den Tränkemeister verteidigte, obwohl die mentale Verbindung gekappt worden war.

Sie spürte, wie sich schon wieder Tränen in ihren Augen sammelten.

Langsame, schwerfällige Schritte waren zu hören, die direkt neben ihr endeten. Jemand setzte sich zu ihr auf die Bank. Doch sie hatte nicht mehr die Kraft, den Kopf zu heben, ihr war, als hätte sie noch nicht einmal mehr die Kraft zu atmen.

Eine Hand streichelte ihr über die Wange, eine kalte, knochige Hand.

Ginny hob nun doch ihre Augen und sah in ein altes, freundlich lächelndes Gesicht.

„Phyllis! Oh Phyllis, es ist alles so schrecklich!"

Die alte Hexe zog Ginny zu sich und schloss sie in ihre Arme.

„Armes Kind, ich habe einiges gehört von dem, was passiert ist. Du hast ihn nicht verraten, habe ich recht?"

„Nein, es … es … ich war so dumm. Ich wusste nicht, dass man Muggelpost ansehen kann, woher sie kommt.

Ich wollte doch nur, dass sich meine Mum keine Sorgen macht. Und nun glaubt er, ich hätte ihn verraten, doch ich … ich bin doch …"

„Und was wird aus meinem Urenkel?", fragte Severus Gran ernst.

„Aber du glaubst mir, dass es nicht von einem anderen ist, oder? Ich will es, ich liebe es wirklich, auch wenn sein Vater nichts mehr mit mir zu tun haben will."

„Der Sturkopf wird sich schon beruhigen, glaube mir. Ich kenne meinen Enkelsohn. Natürlich weiß ich, dass es von Severus ist, ich spüre es, wie ich schon damals bei unserem Kennenlernen spürte, dass ihr zusammengehört.

Wirst du mich besuchen kommen? So oft als möglich? Mit dem Kind?"

Grans Hand fing ganz leicht an zu zittern, genauso wie ihre Stimme.

„Gerne, wenigstens einer der mich … der uns, willkommen heißt. Meine Mutter ist so entsetzt, dass ich Severus' Kind bekommen will, dass sie nicht weiß, was sie mit mir anfangen soll. Dad akzeptiert es, doch ich spüre, dass er sich nicht wirklich freut."

„Wenn du willst … du weißt, dass mein Haus groß genug ist. Du kannst gerne kommen, wenn es dir zu viel wird."

Dankbar drückte Ginny Grans Hand. Diese wenigen Worte hatten ihr auf merkwürdige Weise wieder Kraft gespendet. Es gab außer ihr noch einen Menschen auf dieser Welt, der sich auf das kleine Leben in ihr freute! Gran erhob sich mühsam und richtete ihre Robe.

„Komm, Liebes, es ist an der Zeit hineinzugehen."

Ginny reichte ihr den Arm und führte sie in den Verhandlungsraum. Bei ihrem Eintreten verstummten die Gespräche und alle Augen blickten auf die beiden Hexen.

Gran drückte aufmunternd Ginnys Hand und die Beiden gingen zu zwei freien Plätzen in der ersten Reihe. Direkt dahinter saßen Ginnys Familie sowie Hermine und Harry.

Ginny half Gran sich zu setzen.

„Hallo Mum, Dad", grüßte Ginny.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du kommst. Zumal du heute morgen noch nicht einmal Antwort gegeben hast, als wir das Haus verließen. - Wer ist das?" Molly zeigte auf Phyllis.

Die alte Hexe drehte sich so weit es ihr möglich war auf ihrem Stuhl herum und lächelte Molly an.

"Mein Name ist Phyllis Prince."

„Sie sind Snapes Großmutter - sie wurden verhaftet, als er unser Mädchen entführt hatte. Es stand im Tagespropheten", antwortete Arthur verwundert.

„Woher kennst du Snapes Großmutter?", fragte Molly misstrauisch, ihren Blick auf ihre Tochter gerichtet.

„Wir waren auf der Flucht kurz bei ihr", antwortete Ginny.

„Kind, du tust gerade so, als wäre es normal, die Familie seines Entführers kennen zu lernen", seufzte Molly.

Das wäre wirklich ungewöhnlich, doch da er mich nicht entführt hat …"

Die Frauen wurden unterbrochen, als der Richter den Raum betrat; er hieß Prunus Petterson und Ginny war sich sicher, dass er seine Entscheidung schon getroffen hatte.

Dann wurde auch Severus hereingeschleift. Er war noch blasser als gewöhnlich, seine Augen lagen tief in den Höhlen, sein Haar war fettig und zerzaust.

Ginny traten Tränen in die Augen, als sie ihn so verwahrlost sah. Man hatte ihm nicht einmal die Gelegenheit gegeben sich umzuziehen, denn er trug immer noch den hellen Pullover mit den getrockneten Blutflecken.

Er sah Ginny kurz an und sein Blick traf sie wie ein Peitschenschlag.

Nicht die übliche Snape Miene, sondern tiefste Verachtung und Hass schlugen ihr entgegen. Phyllis nahm sachte Ginnys Hand in ihre. Sanft strich sie über den Handrücken der jungen Hexe und redete leise auf sie ein.

„Er ist nur wütend, Kleine, er fängt sich wieder."

Nachdem sie den Tränkemeister auf den Stuhl gekettet hatten, gingen die beiden Auroren, die ihn hinein begleitet hatten, nach hinten und positionierten sich neben der Tür.

Richter Prunus Petterson, ein kleiner dicklicher Zauberer mit ernstem Gesicht und einem langen Bart, klopfte mit dem Holzhammer auf sein Pult und augenblicklich herrschte Ruhe.

„Wir sind heute hier zusammengekommen um über Severus Snape zu Gericht sitzen.

Zuerst begrüße ich den Zaubereiminister", er nickte Scrimgeour zu, der den Gruß erwiderte, „und den Gamot.

Dann den Verteidiger Mr Winston Wren", ein schüchtern aussehender junger Mann mit einem großen Backenbart erhob sich kurz und setzte sich sofort wieder, unsicher in die Runde schauend.

Ginnys Hoffnung sankt auf Null. Mit diesem Verteidiger konnte Severus gleich aufgeben.

„Nun zur Anklageschrift:

Der Angeklagte wird beschuldigt, ein Mitglied der terroristischen Gesellschaft der Todesser zu sein. Als Zeugen werden die bereits inhaftierten Todesser Mr Lucius Malfoy und Mr Rudolfos Lestrange aussagen.

Des Weiteren wird ihm zur Last gelegt, den ehrenwerten Albus Dumbledore auf niederträchtige Weise hintergangen und angegriffen zu haben mit der Absicht, ihn zu töten. Als Zeuge wird Mr Harry Potter aussagen.

Erschwerend kommt hinzu, dass er die junge Hexe Ginevra Weasley, eine ehemalige Schülerin, entführt und auf brutalste Art missbraucht zu haben. Dazu werden die Heiler des St. Mungos aussagen, da der jungen Dame nicht zugemutete werden kann, dass sie hier aussagt."

Gemurmel brach aus, doch Mr Petterson klopfte erneut mit dem Hämmerchen und die Anwesenden verstummten.

„Miss Weasley ist bedauerlicherweise schwanger durch die unsagbaren Taten dieses …"

Die Bezeichnung für Severus, die der Richter auf den Lippen hatte verschluckte er lieber, um die Form zu waren.

Doch es war Ginny egal, was der Richter sagen wollte, denn der Tränkemeister hatte den Kopf zu ihr hinübergedreht und starrte sie ungläubig an.

Ginny legte die Hand auf ihren Bauch, so als wolle sie das ungeborene Leben von den neugierigen Blicken der Menschen abschotten. Severus' dunkle Augen schnellten zwischen ihrer Hand und ihrem Gesicht hin und her, als er versuchte, das soeben gehörte zu verarbeiten.

Sein Mund wurde noch schmaler und Ginny meinte, sie könnte seine Augen verdächtig glitzern sehen.

„Wir sollten zuerst mit der Anklage ob der Mitgliedschaft bei den Todessern beginnen. Würden sie bitte die Herren Malfoy und Lestrage hereinbringen!"

Die beiden Todesser sagten gegen Severus aus, sie verrieten ihren ehemaligen Mitstreiter für kleine Gefälligkeiten; doch der Tränkemeister nahm ihre Aussagen zur Kenntnis ohne die Miene zu verziehen.

„Möchte sich ihr Mandant zu den Aussagen äußern?", fragte der Vorsitzende.

Mr Wren erhob sich und erklärte auf seine Schuhspitzen starrend: „Nein, der Angeklagte beruft sich auf sein Recht zu schweigen."

„Auch gut, dann werden wir als nächstes den ehrenwerten Mr Harry James Potter in den Zeugenstand rufen."

Harry schritt an Severus vorbei und in seinem Antlitz spiegelte sich Genugtuung und auch etwas Spott wieder. (B/N: A ... loch!!!) Er berichtete über die Vorfälle auf dem Astronomieturm, von Dracos Versagen und Snapes Tat. Mit bildlichen Worten beschrieb er die Geschehnisse und Snapes Reaktionen.

Triumphierend blickte er zu Ginny hinüber und fügte hinzu: „Eine kaltblütigere Tat habe ich während meiner Kämpfe gegen Lord Voldemort nicht erlebt. Voldemort war böse, doch dort, dort auf diesem Stuhl sitzt ein gefühlloses Monster."

Ginny konnte ihm am Blick ansehen, dass Harry eigentlich nur sie damit verletzen wollte, Rache nehmen für die Schmach, die sie ihm beigebracht hatte.

Genau das verursachten seine Worte auch, sie trafen die junge Hexe mitten ins Herz. Mit versteinertem Gesicht stieg Harry vom Aussagestand und ging zurück zu seinem Platz. Doch als sich ihre Blicke nun trafen, flammte Scham in Harrys Blick auf. Er bereute seine Worte so kurz nachdem er sie ausgesprochen hatte.

Dann betraten Mr Mannig und Mrs Green den Gerichtssaal, beide in ihrer Heilerkleidung und mit betretenen Gesichtern.

Zuerst sagte die Hexe aus. Sie erklärte, dass keine Spuren der Vergewaltigung sichtbar waren, doch dass dies nichts zu bedeuten hatte, da Ginny ja eine längere Zeit gefangen gewesen war.

Außerdem würden sich die Folgen durch einfache Heilzauber beheben lassen.

Mr Mannig erklärte dann, dass eine geistige Verbindung zwischen dem Entführer und seinem Opfer bestanden habe und diese eine momentane Verwirrtheit des Mädchens hatte bewirken können.

Der Heiler endete und betretene Stille herrschte im Raum.

Der Verteidiger kratzte sich nervös an der Augenbraue und kramte hilflos in seinen Unterlagen herum. (B/N: Versager!?! Ich hoffe/vertraue in dieser Beziehung ja der Autorin ;) und hoffe, dass er sich noch als echtes As herausstellt ... seufz )

„Hat noch irgendjemand etwas vorzubringen? Wenn nicht, beenden wir hiermit die Beweisaufnahme."

Ginny erhob sich und sprach laut und deutlich: „ICH hätte noch etwas zu sagen."

„Sind sie sich sicher, Miss Weasley, dass es ihnen nicht zu viel wird?"

„Es geht schon, danke.

Leider kann ich keine Beweise anführen, die darlegen, dass die beiden ersten Anklagepunkte unwahr sind."

Atemlose Stille erfüllte plötzlich den Raum.

„Doch den dritten Punkt kann ich widerlegen.

Mr Severus Snape hat mich nicht entführt, ich habe ihm zur Flucht verholfen.

Er hat mich auch zu keiner Zeit gegen meinen Willen angefasst."

„Miss Weasley, Sie sind schwanger! Wie soll das den passiert sein, wenn er sie nicht angefasst hat? Außerdem, weshalb haben Sie denn dann den Brief mit dem Hinweis geschickt?"

Ohne zu ihm hinüber zu sehen wusste Ginny, dass Severus Blick fragend auf ihr lag. Sie bekämpfte den aufkommenden Schwindel und sprach weiter.

„Ich habe mit ihm geschlafen, das habe ich zu keiner Zeit bestritten, Mr Petterson. Nur geschah es nicht gegen meinen Willen.

Und ja, ich trage sein Kind unter meinem Herzen, doch ich wüsste nicht, was das Sie oder sonst jemanden hier im Saal außer mich, Mr Snape, eventuell noch meinen Eltern und seiner Großmutter etwas anginge!

Zum anderen habe ich den Brief nur geschrieben, um meiner Familie zu sagen, dass es mir gut geht. Ich wusste nicht, dass Muggel Post aufgrund des Stempels zurückverfolgen können."

Sie drehte sich zu Severus um. „Ich wusste es wirklich nicht, und es tut mir so leid, ich hätte dich nie verraten."

„Mr Mannig, sind sie sich sicher, dass die seelische Verbindung zwischen den Beiden zerstört wurde? Und dass Miss Weasley keine Schäden davon getragen hat?", fragte der Richter besorgt.

Der Heiler erhob sich. „Die Verbindung wurde auf jeden Fall unterbrochen. Mr Snape hat keine mentale Kontrolle mehr über Miss Weasley. Körperlich ist sie unversehrt, doch der Schock und die Schwangerschaft könnten sie etwas … verwirrt haben."

„Ich bin NICHT verwirrt! Ich sage die Wahrheit! Severus ist unschuldig! Severus ist kein Verräter!"

Mitleidig sah der Richter nun zu ihr hinunter, fassungslos schüttelte er den Kopf.

„Ich denke, Sie sollten sich nun wieder hinsetzen, Miss Weasley." Wütend ging Ginny zu ihrem Platz zurück. Hinter sich hörte sie den Richter „Das arme Ding", sagen.

„Meine Herren, ihre Plädoyers bitte."

Mr Wren stand auf und knetet seine Feder in seinen Fingern ... sie war im Verlauf der Verhandlung schon völlig zerzaust.

„Mein Mandant plädiert auf 'Unschuldig', dem ist nichts hinzuzufügen." Damit setzte sich der junge Zauberer mit den roten Flecken im Gesicht wieder.

„Hätten wir da keinen Besseren finden können?", stöhnte Ginny.

Phyllis sah sie entschuldigend an. „Severus wollte keinen anderen."

Mr Pike erhob sich raubtierhaft. Ginny hatte plötzlich das Verlangen, Severus seinen Zauberstab zu geben, nur um zu sehen, ob dieser Pike dann immer noch so überheblich über den Tränkemeister lachen würde.

„Den Aussagen der Zeugen nach ist bewiesen, dass Mr Severus Snape schuldig in allen Punkten der Anklage ist. Wie Miss Weasleys Aussage zeigte, muss er dem armen Mädchen schreckliche Dinge angetan haben, um es so zu verwirren. Ich plädiere auf lebenslänglich Askaban."

Richter Petterson und der Gamot zogen sich zu den Beratungen zurück.

Doch nur eine halbe Stunde später saßen alle wieder an ihren Plätzen und der Richter sprach Severus schuldig.

Ginny hätte am liebsten losgeweint, doch dann folgte die Straffestsetzung.

„Deshalb erwägt das Gericht aufgrund der Heimtücke dieser Verbrechen den Strafantrag von lebenslänglich Askaban auf den Kuss des Dementores zu erhöhen."

Severus Gesichtsfarbe wich und mit einer totenblassen Mine sah er hinüber zu Ginny. Diese war auf die Beine gesprungen und wollte schreien, doch aus ihrem Mund drang nur ein schmerzvoller, verzweifelter Laut wie der eines verletzten Tieres. Sie spürte kraftlose Hände, die sie zu stützen versuchten, bevor sie auf die Erde aufschlug. Nach Luft ringend lag sie auf dem Boden.

tbc

Hatte ich schon erwähnt, dass der Reviewknopf ganz furchtbar unter EInsamkeit leidet?