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Warnung: Spoiler zum Film Fluch der Karibik 5.

Barbossa in 3D sterben zu sehen hat etwas Groteskes, wenn man ihn so lange Zeit auf der Leinwand begleitet hat. Ich habe mich sehr an ihn gewöhnt. Aber wird er fortan einer der Geister sein, die in meinem Kopf herumspuken? Es wird nie einen Ersatz für Snape in meinem Herzen geben, soviel steht fest. Doch Barbossa verdient es, darin erwähnt zu werden.

Auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich für verrückt halten werdet, riskiere ich mit dieser Geschichte einen Ausflug in karibische Gewässer. Keine Angst, Barbossa ist mir im Laufe der Jahre sehr vertraut geworden (wenn auch nicht ganz so, wie ein gewisser Professor Snape; und ja, er fehlt mir unglaublich - in jeglicher Hinsicht). Allerdings werde ich dabei nicht auf ganze Wörter verzichten und nach Möglichkeit Einsilbigkeit vermeiden, um den sprachlichen Fluss zu gewährleisten.

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Promised

Kapitel 1

„Willkommen auf meinem Schiff, Elizabeth."

Über sein Gehabe erhaben rümpfte sie gelangweilt die Nase, was ihn wiederum zu einem Grinsen veranlasste, das seinem wettergegerbtem Gesicht einen schelmischen Ausdruck verlieh. „Spart Euch die Schmeicheleien, Barbossa."

„Hector", korrigierte er und spitzte begierig die von Sonne und salziger Luft spröden Lippen, um ihr einen überzogen Kuss auf die schmale Hand zu geben, die ihm so schnell entzogen wurde, wie sie sie ihm gereicht hatte, um sich persönlich von ihm an Bord helfen zu lassen.

„Nicht hier", raunte sie ihm störrisch zu. „Ihr wisst, dass man uns beobachtet."

Er lächelte unterschwellig in sich hinein und ließ nichts unversucht, ihren Anblick bei einer Verbeugung aus der Nähe heraus in Augenschein zu nehmen. Elizabeth kam nie grundlos zu ihm. Aus Verzweiflung hatte sie damals kurz vor der Geburt ihres Sohnes zum Schein den Gouverneur einer kleinen Insel geheiratet, einen steinalten Mann, der mit seinem Titel ihre Zukunft und die ihres Kindes sichern sollte und nichts dagegen einzuwenden hatte, im Gegenzug die Annehmlichkeiten des Alleinseins durch eine schöne, junge Braut an seiner Seite einzutauschen. Doch wie es den Anschein hatte, schien der Liebe Spross mit den Jahren ganz seinem Vater nachzueifern und Pirat werden zu wollen.

Tief in seine Gedanken versunken führte er sie über Deck in seine Unterkunft. Dort waren sie ungestört und konnten über den Handel reden, den sie zweifelsohne im Gepäck hatte. Sie war die mit Abstand wundersamste Frau, der er je begegnet war. Wohlerzogen und von heißem Blut. Eine, die stets wusste, was sie wollte.

Während er sie majestätisch hofierte und ihr frisches Obst (insbesondere die saftigen Äpfel, für die er so eine große Schwäche hatte) servierte und ein Glas Wein hinstellte, nahm sie ihren Hut vom Kopf und entspannte die steifen Muskeln. Befreit schüttelte sie ihr langes, blumig duftendes Haar.

„Ihr seht aus, als säße Euch der Kummer im Genick, meine Liebe", bemerkte er beiläufig. „Ist es vielleicht zutreffend, dass Euch das Leben an Land nicht behagt? Lasst mich raten: Ihr vermisst Euren wahren Gatten, den Piraten, und mit ihm das aufregende Leben auf See."

Wie immer entging ihm nicht das geringste Detail an ihr, so auch nicht der Sorgen behaftete Ausdruck in ihren einst so glänzenden Augen. Armes Ding. Sie hatte die Hände sittsam auf dem Schoß verschränkt und rührte keinen Bissen und auch keinen Tropfen an. Das Kleid, das sie trug, umschmeichelte perfekt ihre Figur. Ihre Haltung entsprach wie immer in so einem Aufzug der einer Edeldame. Nur die Brüste hätten nach seinem Geschmack etwas größer sein können, doch bei ihr machte er gerne eine Ausnahme. Mit ihrem liebreizenden Äußeren und dem sturen Willen war sie auch heute noch in jeglicher Hinsicht eine ernstzunehmende Herausforderung für ihn. Und das, obwohl er schon einiges gesehen hatte in seinem langen Piratenleben. Ja, er hatte sie schätzen und bewundern gelernt. Jedes Mal, wenn er sie wieder sah, zog er den Hut vor ihr. Männer wie er hatten auf See nicht oft das Vergnügen, schöne Frauen auf ihrem Schiff zu haben. Schon gar nicht, wenn diese freiwillig kamen.

„Ihr habt ja keine Ahnung", sprach sie offen heraus, so dass es voller Wehmut und Sehnsucht klang. „Vor Euch brauche ich es nicht abzutun, Ihr kennt mich zu gut."

Barbossa setzte sich ihr gegenüber an den Tisch und trank kommentarlos von dem Wein. Das Glas in den Händen mit verschleiertem Blick betrachtend hing er den Abenteuern ihrer gemeinsamen Vergangenheit nach. Was würde er geben, um seine gesamte Flotte gegen sie eintauschen zu können; es musste sie ein Vermögen gekostet haben, die Dienstboten und den Kutscher zu bestechen, damit sie das Maul hielten und die Reise zu ihren angeblichen Verwandten glaubhaft machten. Würde auch nur einer von ihnen sein Schweigen brechen, wäre sie tot. Dennoch hatte sie keine Scheu davor, dasselbe Unterfangen wieder und wieder anzugehen, um ihn zu sehen. Das Band, das sich auf diese Weise zwischen ihnen gewoben hatte, war mächtig und zollte von gegenseitigem, freundschaftlichem Respekt, obwohl er nicht leugnen konnte, dass für ihn noch etwas mehr dahintersteckte.

„Euer Sohn ist ein geborener Pirat", setzte er sanft an, nachdem er die rote Flüssigkeit mit der Zunge umspielt und in seine Kehle laufen lassen hatte. „Und Ihr seid es auch. Ihr könnt nicht Euer Leben lang in diesem Käfig verbringen und etwas anderes vorgeben."

„Aber ich muss. Wir sind eine aussterbende Art. Die Zeiten der großen Piratenfürsten sind bald vorbei."

Ein Funkeln erwachte in seinen türkisblauen Augen, so klar und stechend wie die in der Sonne glitzernde See. „Ihr wagt es, das ausgerechnet vor mir zu sagen?", rief er schon fast spöttisch aus.

„Verzeiht. Ich wollte Euch nicht kränken."

Die Falten zwischen seinen Augen wurden ernst. „Nein. Ihr wollt Euer Kind in den Dienst der Krone stellen und damit das Andenken an seinen Vater besudeln."

„Das ist eine Lüge! Seht Ihr denn nicht, dass ich gezwungen bin, ihm eine gute Bildung zuteilwerden zu lassen?"

„Ich habe Euch angeboten, ihn das Navigieren zu lernen. Er könnte es zu was bringen, wenn er auf einem meiner Schiffe fährt, deren Anzahl übrigens beachtlich gewachsen ist."

Elizabeth schwieg. Erst nach geraumer Zeit setzte sie zum Sprechen an.

„Es ist nicht alles schlecht an meinem erkauften Leben." Blinzelnd, voller Inbrunst sah sie ihn mit ihren schönen Augen an.

„Ihr hasst es dennoch, stellte er abwertend fest."

Sie zuckte mit den Achseln und wandte den Blick von ihm. Er verlor keine Minute, entledigte sich des Glases und stand auf. Humpelnd und von einer urplötzlichen Schwermut ergriffen, die den tragischen Verlust seines Beins aufleben ließ, kam er hinter ihrem Stuhl zum Stehen. Dort legte er die rauen, schwieligen Hände behutsam auf ihre zarten Schultern und hielt sie fest.

„Um der alten Zeiten willen bleibt mein Gast, solange Ihr wollt. Ich fahre mit Euch hin, wo immer Euch beliebt."

Er hatte noch nicht einmal zu Ende gesprochen, da war ihm, als würde er ihren Seufzer hören. Ihre zierliche Hand kam aus ihrem Schoß hervor und legte sich dankbar auf seine. „Ihr seid ein wahrer Freund, Hector."

Und weit mehr, dachte er bei sich. Anders als in den Jahren zuvor, wenn sie ihn aufgesucht hatte, um ihrem aufgezwungenen Leben für eine Weile zu entfliehen, wagte er diesmal nicht, es anzusprechen. Sie wirkte zu bekümmert, zu bedrückt für seine Art von Humor. Er vermutete, dass es damit zusammenhing, dass ihr Sprössling, den sie von Will bekommen hatte, langsam erwachsen wurde und seinen eigenen Weg einschlug, von dem es kein Zurück mehr gab.
Sein Blick machte sich auf ihrer kleinen, blassen Hand fest, die auf seiner ruhte. Was für ein Gegensatz. Er hatte sich seit ihrer ersten Begegnung vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, sie zu berühren oder ihren Duft zu riechen. Doch jetzt, lange nachdem der Fluch gebrochen war, war es fast unerträglich, in ihrer Nähe zu sein. Es hatte eine gewisse Ironie, dass er und Elizabeth sich öfter sahen als sie und Will es taten, deren Trauung er selbst vollzogen hatte. Die wenigen Stunden, die die beiden miteinander verbringen konnten, waren kaum nennenswert.

Er stieß ein unbedarftes Schnauben aus und trat zurück. Sacht glitten seine Hände von ihr, entzog er sich der schmerzlichen Nähe unter seinen schwieligen Fingern und ihrem wunderbaren Duft in seiner Nase. Insgeheim war er es leid, als Ersatz herhalten zu müssen, wenn die Einsamkeit sie übermannte. Ebenso gut musste er einsehen, dass das alles war, was er bekommen würde.