Altersfreigabe: ab 18
Setting: AU fünf Jahre nach Hermines Abschluss
Inhalt: Severus wird so schwer verletzt, dass er zwischen Leben und Tod schwebt. Hermine rettet ihm mit einem unbekannten Trank das Leben, aber plötzlich gibt es eine Verbindung zwischen ihnen, die vor allem Severus so gar nicht gefällt.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine/Severus
Disclaimer: Nichts gehört mir, alles ist Eigentum von J. K. Rowling.
Kommentar: Im Zuge meiner großen Überarbeitungsaktion hat auch diese Geschichte ein Make-over erhalten. Wesentliche Änderungen im Plot gibt es nicht, ich hab nur ein paar Plotholes gestopft und alles ein bisschen sprachlich überarbeitet.
Wer an der unbearbeiteten Version der Geschichte interessiert ist, kann mir gern seine E-Mail-Adresse schicken. Ich hab sie vorher als epub-Datei runtergeladen.
Grundlage der Story ist mein Drabble ‚Status Quo', das in leicht abgewandelter Form als Prolog dient.
Warnings: Hurt/Comfort, NC-17


Siehst du mich?
Spürst du mich?
Wo lebst du, verstehst du?
Was suchst du?
Warum liebst du mich?
(Eisbrecher – Frage)

- Prolog -

Mit verschränkten Armen stand sie am Bett des zum Tode Verurteilten. Severus Snape … Der Fluch tötete ihn langsam. Necare conctanter. Gestern Abend hatte er das Bewusstsein verloren. Nur dieser Trank konnte ihn vielleicht noch retten.

Blut. Das ist die letzte Zutat. Blut eines Menschen, der ihn liebt." Diese Worte von Professor Dumbledore schienen sein Schicksal zu besiegeln.

Das war vor zwei Stunden gewesen. Seitdem stand sie hier.

Es gibt nichts, absolut nichts, das uns verbindet, Hermine!" Diese Worte von Severus hätten sein Schicksal schon sehr viel eher besiegeln sollen. Die Worte und dass er ihr keine Chance gegeben hatte, darauf zu antworten. Dass sie ihn dennoch retten wollte, war ihr Beweis dafür, dass sie wirklich die richtige Person war.

Mit ernstem Gesicht entkorkte sie die Phiole mit dem unfertigen Trank und nahm die Nadel in die Hand. Ihr Blick flog zu dem blassen Gesicht des Mannes, der Glück und Leid gleichermaßen bedeutete. Bis vor zwei Tagen liebte er sie noch nicht.

„Komm zurück, Severus! Komm her und sage mir noch einmal, dass uns nichts verbindet!", zischte sie, während sie die Nadel in ihren Finger stach und das Blut in den Trank tropfen ließ. Er brodelte ein bisschen, nahm die Farbe des Meeres an einem warmen Sommertag an.

Bis vor zwei Tagen liebte er sie noch nicht. Doch vielleicht würde sich das irgendwann ändern.


- Kapitel 1 -

Er hatte die Tür zu seiner Kerkerwohnung kaum hinter sich geschlossen, als es zweimal klopfte. Mit einem missmutigen Grunzen stellte Severus den Stärkungstrank, den Poppy ihm in die Hand gedrückt hatte, auf seinen Schreibtisch. Sie war nicht begeistert gewesen, dass er sich selbst entlassen hatte. Er hingegen fand, sie konnte froh sein, dass er zwei Tage geblieben war. Für einen Ausflug ins Jenseits und zurück musste das reichen. Er drehte sich um und öffnete die Tür so grob, dass der Klopfer laut gegen sein metallenes Gegenstück schlug.

„Was?", fragte er scharf, als er Hermine sah.

„Ich wünsche dir auch einen schönen Tag." Sie ging einfach an ihm vorbei in seine Räume.

Severus sah ihr finster nach und schlug die Tür zu. Sie zuckte nicht mal. „Was willst du?" Er hatte Kopfschmerzen, er war müde und seine Laune war unterirdisch. Das waren schlechte Voraussetzungen für ein Gespräch mit Miss 'Es ist mir egal, ob du es hören willst, ich muss das loswerden'. Severus grollte leise.

Ja, ihre letzte Unterhaltung war ihm noch lebhaft in Erinnerung. Daran hatte auch sein Beinahe-Umzug ins Jenseits nicht geändert. Und als ob ihr Irrglaube nicht schlimm genug gewesen wäre, hatte sie ihm auch noch das Leben gerettet! Gegen seinen Willen! Mit einem Trank, der … mindestens mal haarscharf an der Schwarzen Magie entlang schrammen musste, wenn er diesen Fluch auflösen konnte. Poppy hatte ihm nicht sagen können, was für ein Trank es gewesen war. Nur dass Albus ihn ihr gegeben und Hermine ihm ihr Blut hinzugefügt hatte.

Blutmagie! In der Tat … Am liebsten würde er seine Finger um ihren schmalen Hals legen und fest zudrücken. Oder um Albus'. Am besten bei beiden. Albus war ihm jedenfalls ein paar Antworten schuldig, sobald er wieder im Schloss war. Morgen. Spätestens übermorgen.

Hermine drehte sich um und sah ihn für seinen Geschmack viel zu gelassen an. „Ich wollte sehen, wie es dir geht."

Severus rümpfte die Nase. Warum hatte er noch mal zugestimmt, dass sie sich duzten? Das gab ihr sogar das Recht dazu, ihm Fragen dieser Art zu stellen, oder? „Es geht mir bestens!"

Ohne seinem gereizten Tonfall Beachtung zu schenken, sagte sie: „Freut mich zu hören."

Severus wandte sich ab und setzte sich an seinen Schreibtisch. Er war immer noch schwach auf den Beinen und vielleicht würde sie ja wieder gehen, wenn er sie nur hartnäckig genug ignorierte. Punkte konnte er ihr schließlich keine mehr abziehen, sie war keine Schülerin mehr. Sie wohnte nur wieder im Schloss, weil das praktischer war. Weil sie für den Orden zusammenarbeiten mussten und Albus auf die wunderbare Idee gekommen war, dass noch ein Zimmer im Gryffindorturm frei war. Sie hatte sich gleich auf unbestimmte Zeit einquartiert. Wieder zuckte ein Muskel auf seinem Nasenrücken.

Seit einem halben Jahr arbeitete er nun schon mit ihr zusammen und … es musste an seiner Mehrfachbelastung liegen. Das Unterrichten, Voldemort, Tränke entwickeln, sich um die Dummköpfe in seinem Haus kümmern – er wurde nicht jünger, das alles setzte ihm zu. Anders konnte er sich jedenfalls nicht erklären, dass er es gar nicht so schlimm gefunden hatte, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie war entspannter als früher im Unterricht. Sie stellte gute Fragen. Sie gab präzise Antworten. Sie tat, was er ihr sagte. Das hatte ihm anscheinend das Hirn vernebelt, denn ja, er hatte ihr erlaubt, ihn zu duzen!

Severus rieb sich die Stirn. Sie stand immer noch da, er konnte ihre Füße sehen.

Sie hatte es darauf angelegt, seine Erlaubnis dafür zu bekommen. Sie hatte den richtigen Moment abgepasst. Nach einem wirklich anstrengenden Tag. Und drei Gläsern Wein. Merlin, wie oft hatte er das jetzt schon bereut? Aber er würde nicht von ihr verlangen, ihn wieder zu siezen. Das kam einer Kapitulation gleich! Er würde schon mit ihr fertig werden.

Während er überaus desinteressiert in seinen Papieren blätterte – jenen, an denen er gearbeitet hatte, als der Ruf ihn ereilt hatte – wanderte Hermine gelassen durch seine Räume. Sie war schon öfters hier gewesen. Hauptsächlich zum Recherchieren. Manchmal aber auch für eines dieser fatalen Gläser Wein nach einem anstrengenden Tag. Es war kein Wunder, dass sie sich hier wohl fühlte. Aber es störte ihn.

Liebe. Er schnaubte. Hermine sah sich nach ihm um. Er ignorierte sie. Wie kam sie bloß auf diese absurde Idee? Es gab absolut nichts Liebenswertes an ihm. Gar nichts. Sie musste verrückt sein, sich in ihn zu verlieben. Er sah sie aus dem Augenwinkel an. Vielleicht war sie verrückt. Die Mehrfachbelastung und so. Vielleicht bildete sie sich das nur ein, weil … er halt da war. Im Gegensatz zu anderen Männern. Zu Männern in ihrem Alter. Wie dem auch sei. Sie würde schon noch merken, wie absurd dieser Gedanke war.

Nach einigen Minuten legte er schließlich die Feder beiseite (seine Hand zitterte so sehr, dass er seine eigene Schrift nicht mehr lesen konnte) und sah sie an. Hermine wanderte an seinem Bücherregal entlang und las mit schief gelegtem Kopf die Titel. Nicht zum ersten Mal. Das war ihre Strategie, wenn er sie ignorierte. Verdammt, ja! Das war nicht das erste Mal, dass er das tat! Und wenn sie diese Titel nur noch ein paar Mal lesen würde, dessen war er sich sicher, würde sie alle auswendig aufzählen können.

„Hermine, was willst du hier?", wiederholte er seine Frage also.

Sie drehte sich zu ihm um. „Ich warte darauf, dass du mir einen Tee anbietest."

Er zog eine Augenbraue hoch. „Und warum sollte ich das tun?"

„Weil es höflich ist. Und weil du es immer getan hast."

In ihrem Blick stand etwas, das ihn traf. Irgendwo hinter seinem Brustbein, da traf es ihn. Severus sah sie finster an. Warum war sie hier? Was wollte sie von ihm? Bestimmt keinen Tee. Hatte sie sich ihm nicht schon genug aufgedrängt?

Und das war ja nicht mal der einzige Grund, aus dem er sie gerade nicht in seiner Nähe ertragen konnte. Sie hatte ihm das verdammte Leben gerettet!

Sah er aus wie jemand, dem man das Leben rettete?!

Dieser Zwischenfall war die perfekte Gelegenheit für ihn gewesen, diesem ganzen Irrsinn zu entkommen! Er hatte sich nicht vor diesen Fluch geworfen, das nicht. Aber es war ja nicht so, dass er etwas dagegen hätte tun können, wenn er doch erwischt wurde.

Und sie hatte es verbockt. Sie hatte ihn zurückgeholt in dieses Leben, das nichts als Pflichten zu bieten hatte. Es würde niemals aufhören. Egal, was er tat, egal, was er opferte – Albus würde immer eine neue Aufgabe für ihn einfallen, solange der Dunkle Lord am Leben war. Und vermutlich würde er auch danach nicht damit aufhören. Sofern Severus denn das Danach erlebte. Er hatte einen verdammten Fehler gemacht und Albus würde dafür sorgen, dass er das niemals vergaß. Nein, es hätte ihn nicht gestört zu sterben.

Hermine sah ihn immer noch an, er sah aus schmalen Augen zurück. „Patty!", rief er, nur weil er wusste, wie sehr sie das hassen würde.

Die Elfe erschien mit einem Plopp vor Severus' Schreibtisch. „Mister Snape, Sir?"

„Bring uns Tee", sagte Severus, ohne den Blick von Hermines Gesicht abzuwenden. Sie presste die Lippen aufeinander, bis sie nur noch zwei schmale weiße Striche in ihrem Gesicht waren.

„Natürlich, Sir", sagte Patty etwas verzögert und verschwand wieder.

„War das wirklich notwendig?", fragte Hermine gepresst.

Severus feixte. „Nein, aber befriedigend."

Sie verdrehte die Augen und seufzte. Aber bevor sie etwas dazu sagen konnte, kehrte Patty zurück. Sie balancierte ein Tablett auf den Händen, auf dem sich eine große Kanne Tee, zwei Tassen, ein Teller mit Scones, Milch und Zucker aneinander drängten. „Stell es auf den Tisch", sagte Severus, „und dann kannst du gehen."

Patty tat, was er ihr gesagt hatte, verbeugte sich und verschwand wieder. „Der Tee", knurrte Severus und deutete auf das Tablett.

„Danke", fauchte sie. Und als wollte sie ihm heimzahlen, was er eben getan hatte, ging sie zum Tisch, goss sich Tee ein und nippte daran – alles nahezu ohne ihn aus den Augen zu lassen.

Severus' Augenbrauen zuckten.

Dann setzte sie sich und rieb sich die Stirn. „Severus, was bezweckst du damit?"

„Womit?", fragte er unschuldig.

„Du versuchst, mich wütend zu machen."

Wieder zuckten seine Augenbrauen.

„Dabei wirkst du gereizt genug für uns beide", murmelte sie.

„Tue ich das?", fragte er spitz.

„Ja. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich der Grund dafür bin."

„Das muss die Musterschülerin in dir sein."

„Soll die Musterschülerin noch mehr Gefühle äußern oder wirst du endlich wieder mit mir reden?"

Severus sah sie scharf an, während er sich auf seine Schreibtischplatte lehnte. „Ich habe in letzter Zeit genug … Gefühle von dir gehört." Sein Herz begann so heftig zu pochen, dass ihm für einen Moment die Luft wegblieb. Severus holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. Er hätte den Stärkungstrank nehmen sollen, als er die Gelegenheit dazu gehabt hatte.

Hermine schloss kurz die Augen. „Darum geht es also?", fragte sie sehr müde.

Severus antwortete nicht. Er starrte sie nur verbissen an.

Sie runzelte die Stirn. „Wenn du mir nicht sagst, was dir so entsetzlich auf die Nerven geht, kann ich nichts daran ändern! Du bist doch immer so wortgewandt." Sie stellte die Tasse weg und kam langsam zu ihm. Direkt vor seinem Schreibtisch blieb sie stehen.

Severus knackte mit den Fingerknöcheln. „Erstens nervt es mich, dass du so mit mir redest", sagte er ruhig, sehr ruhig.

„Ich dachte, darüber wären wir hinaus", wandte Hermine ein.

Er ignorierte sie: „Zweitens nervt es mich, dass du herkommst und so tust, als wäre nichts geschehen."

„Was sollte ich denn deiner Meinung nach tun? Dir aus dem Weg gehen, nur weil du mir eine Abfuhr erteilt hast?"

„Es wäre ein Anfang", grollte er. Er hatte das getan, nachdem Lily … Egal.

Hermine lachte kurz auf und reckte ein bisschen das Kinn vor. „Dafür haben wir keine Zeit. Falls du es in deinem zweitägigen Urlaub vergessen haben solltest, wir befinden uns im Krieg. Und dummerweise liegt ein Großteil von Professor Dumbledores Hoffnungen auf uns. Ich würde liebend gerne einen großen Bogen um dich machen, aber es geht nicht."

Severus sah sie verdrossen an. Sein Herzschlag wummerte in seinem Schädel. Hatte er noch was von dem Schmerztrank da? Doch, da mussten noch ein paar Phiolen sein. Er würde ihn später brauchen. „Warum hast du mir dann das Leben gerettet? Wenn du wirklich von mir weg willst, wäre das eine einmalige Chance für dich gewesen."

Jetzt rümpfte sie die Nase. „Du kannst so abscheulich sein, Severus Snape!" Sie ballte die Hände zu Fäusten und beugte sich über den Tisch hinweg zu ihm. „Glaubst du wirklich, ich könnte damit leben, dich sterben zu lassen?", sagte sie und ihr stiegen Tränen in die Augen. „Vielleicht könntest du so etwas tun, ich kann es nicht!"

Bevor er wusste, was er tat, stand er auf den Beinen. „Und schon lässt du wieder die Gryffindor raushängen", entgegnete er verächtlich.

„Was hat das mit Gryffindor zu tun? Hättest du den Tod etwa vorgezogen?"

„Allerdings!"

Sie keuchte. Dann nickte sie bitter. „Fein, nächstes Mal werde ich dich krepieren lassen!"

„Ich bitte darum!" Er stützte sich mit den Händen auf der Tischplatte ab, als ihm schwindelig wurde. Zum Glück schien sie es in ihrem Zorn nicht zu bemerken.

„Wie konnte ich jemals glauben, dass du auch nur einen Funken Anstand in dir hast?", schrie Hermine und jetzt lief ihr tatsächlich eine verdammte Träne über das Gesicht!

Severus schnaubte. „Das weiß ich nicht! Mir ist es auch vollkommen unbegreiflich, wie du auf die verdrehte Idee kommen konntest, mich zu lieben." Er warf seine Arme in in die Luft. Blöde Idee, seine Muskeln waren immer noch verletzt vom Fluch. Er verzog das Gesicht.

Hermine schüttelte den Kopf, wirbelte herum und während sie zur Tür ging, sagte sie: „Weißt du, dieser Trank benötigte das Blut eines Menschen, der dich liebt. Da er hervorragend gewirkt hat, kannst du davon ausgehen, dass das keine verdrehte Idee ist. Und davon abgesehen könntest du einfach mal auf den Innerstes hören!" Sie hatte die Tür auf den Gang bereits ein Stück geöffnet, als er ihr folgte und sie an der Schulter herum wirbelte. Mit der flachen Hand stieß er die Tür zurück ins Schloss.

„Und was sollte es mir bringen, wenn ich … auf mein Innerstes höre?" Er war ihr so nahe gekommen, dass sein Gesicht nur ein kleines Stück von ihrem entfernt war.

Hermine schluckte. Er konnte den Puls an ihrem Hals rasen sehen, als sie seinen Blick stur erwiderte. Dann senkte sie ihn allerdings. Dorthin, wo er widerwillig seinen Herzschlag spürte. Immer noch viel zu schnell. Allein das war ihm schon unangenehm. Aber dann hob sie auch noch ihre Hand und legte sie auf genau diese Stelle. Er wollte zurückweichen, er wollte ihre Hand wegschlagen, er wollte … Abstand zu ihr bekommen! Aber Hermine hielt ihn mit ihrer freien Hand zurück und presste die andere nur noch fester auf sein Hemd.

„Sei still und spüre!", sagte sie eindringlich und fing wieder seinen Blick ein. Ein wilder Ausdruck stand in ihren haselnussbraunen Augen.

Severus hatte gar keine andere Wahl, als genau das zu tun. Er hörte auf sich zu wehren und konzentrierte sich auf die Wärme ihrer Hand auf seiner Brust. Die Berührung schien ihn selbst durch das Hemd hindurch zu verbrennen. Seine Haut kribbelte, sein Puls raste. Und dann war das Kribbeln nicht mehr nur auf seiner Haut. Es breitete sich in ihm aus und erinnerte ihn an etwas, das er vor langer Zeit mal empfunden hatte. Etwas, das sich gleichzeitig gut und quälend anfühlte. Und etwas, das sich einfach nur schlecht anfühlte. Aber hauptsächlich gut und quälend. Hauptsächlich das.

Das waren nicht seine Gefühle. Sie fühlten sich fremd an. Es waren … ihre Gefühle. Severus sah es in ihren Augen und in ihren verkniffenen Lippen. Sie schluckte, als seine Augen größer wurden.

„Was soll das?", fragte er hohl. Auch die letzte Kraft schien aus seinem Körper zu weichen. Seine Beine zitterten und wenn sie ihn nicht festgehalten hätte mit ihrer Hand an seiner Schulter und ihren Blicken, dann hätten sie vielleicht unter seinem Gewicht nachgegeben. „Warum tust du das?"

Hermine schüttelte den Kopf. „Ich tue es nicht freiwillig. Es liegt an dem Trank. Er hat eine Verbindung zwischen uns geschaffen."

Es gibt nichts, absolut nichts, das uns verbindet, Hermine!

Severus schluckte. „Nein, das kann nicht sein." Seine Stimme war nicht mehr als ein Hauch und als sie ihn losließ, schwankte er kurz, bis seine Hand die Tür wiederfand. Die Tür, die ihm ein bisschen Halt gab. Ihre Gefühle in ihm wurden schwächer, aber nun, da er sie wahrgenommen hatte, spürte er, dass sie nach wie vor da waren.

„Wenn du dich nicht die ganze Zeit an deiner Wut festgehalten hättest, hättest du es schon eher bemerkt", sagte sie leise und wischte sich über das Gesicht. Ihre Finger zitterten.

„Spürst du auch, was ich …"

Wieder schüttelte sie den Kopf. „Es ist eine Einbahnstraße. Du bist mir so unverständlich wie immer." Sie schloss die Augen.

Severus atmete auf. Nicht auszudenken, wenn …

Aber wie konnte das sein? Was war das für ein verdammter Trank, den Albus ihr gegeben hatte?

„Es tut mir leid, dass der Trank auch diese Wirkung hat. Ich wusste nichts davon. Aber ich habe gespürt, dass etwas anders war, von dem Moment an, wo der erste Tropfen in deinen Mund fiel. Wenn du nicht mehr mit mir zusammen arbeiten willst, musst du es sagen. Wir werden sicherlich einen Weg finden."

Severus starrte sie an. Er wollte etwas sagen, aber weder wusste er was, noch gehorchte ihm sein Mund.

„Ich sollte jetzt besser gehen." Mit diesen Worten wandte sie sich um. Severus nahm die Hand von der Tür und beobachtete schweigend, wie Hermine auf den Gang schlüpfte und verschwand.


„Was war das für ein verdammter Trank?"

Albus sah von dem Brief auf, den er gerade las, als Severus ohne zu klopfen sein Büro betrat. Er ließ das Pergament sinken. „Setz dich, Severus!" Und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Severus folgte der Aufforderung ungeduldig.

Ungeduldig vor allem, weil er in den letzten beiden Tagen die halbe Bibliothek durchsucht und trotzdem nicht herausgefunden hatte, was für einen Trank Albus Hermine gegeben hatte. Es gab keinen Trank, der die Macht hatte, diesen Fluch aufzulösen und als Nebenwirkung diese grässliche Verbindung erschuf! Und schon gar keinen, für den man das Blut eines Menschen brauchte, der einen liebte! Oder zumindest glaubte, das zu tun. Er verdrehte die Augen. Die Standleitung zu Hermines Gefühlswelt war bestenfalls lästig, schlimmstenfalls unerträglich und sein Körper machte immer noch nicht das, was er sollte. Er war erschöpft. Sehr erschöpft.

„Nun?", sagte er also und hob die Augenbrauen.

Albus sah ihn an mit diesem Blick … Severus wurde nie so richtig schlau daraus. Sie hatten kein freundschaftliches Verhältnis zueinander, er war aber auch nicht nur sein Vorgesetzter. So richtig konnte Albus ihn nicht leiden, aber manchmal, wenn er ihn so ansah … Severus wurde nicht schlau daraus.

„Ich bin froh, dass der Angriff so glücklich ausgegangen ist", sagte er schließlich.

Severus konnte sich nur schwer ein Schnauben verkneifen. Natürlich war er das. Schließlich hatte er dafür gesorgt und Albus liebte es, wenn ein Plan funktionierte. Offensichtlich hatte er geahnt, was Hermine für ihn zu empfinden glaubte. Sonst wäre er nicht auf die Idee gekommen, einen Trank zu brauen, für dessen Fertigstellung eine Zutat fehlte. Sonst wäre er nicht auf die Idee gekommen, Hermine von dem Potential dieses Trankes zu erzählen und sie damit allein zu lassen. Albus hatte mal wieder Schach gespielt und das Spiel war genau so ausgegangen, wie er sich das ausgerechnet hatte.

„Welcher Trank?", knurrte Severus.

Er überging Severus' Frage und fuhr fort: „Aber du solltest dich noch nicht wieder voll belasten, Severus. Madam Pince hat mir erzählt, dass du in den letzten Tagen kaum die Bibliothek verlassen hast. Das tut dir nicht gut."

„Dann sag du mir, was für ein Trank das war", wiederholte er gepresst.

Albus zog die Augenbrauen hoch. „Möglicherweise zahle ich dir zu viel Gehalt, wenn du das nicht alleine rausfinden kannst."

Für einen Moment war er tatsächlich sprachlos. Dann rümpfte er die Nase. Offensichtlich war das mal wieder eine dieser Informationen, derer er nicht würdig war. Die Wut wich aus ihm und machte etwas anderem Platz. Etwas … Resignierterem. „Schön. Aber dann beklage dich nicht darüber, dass ich meine Zeit in der Bibliothek verbringe."

„Warum ist dir das so wichtig, Severus? Gibt es etwas, von dem ich wissen sollte?"

Er schüttelte den Kopf. „Nein, Albus. Reines Interesse." Das war eine Information, derer Albus nicht würdig war.

Er schwieg eine Weile und sah Severus an. Genau genommen schien er ihn mit seinen Blicken zu durchbohren. Severus kniff die Augen zusammen. Er hasste es, wenn Albus auf diese Art Legilimentik bei ihm anzuwenden versuchte. Als ob er nicht wüsste, was er da tat. Wie immer leerte Severus seinen Geist und ließ ihn nichts sehen. Es reichte, wenn ein Despot in seinem Geist herumwühlte.

„Also gut. Ich verlange trotzdem, dass du dich in nächster Zeit schonst. In den nächsten zwei Wochen wirst du nicht unterrichten. Danach sehen wir weiter."

„Wie du meinst", sagte er und neigte den Kopf.

„Du und Miss Granger solltet die Zeit nutzen, um an den Tränken weiter zu arbeiten, sofern du dich dazu in der Lage fühlst."

„Natürlich", grollte Severus.

„Gut. Ich werde Alastor bitten, sie vorerst vom Kampftraining zu entbinden. Ihr braucht Zeit." Dabei sah er ihn wieder so an.

Severus runzelte die Stirn. Er musste unbedingt herausfinden, was das für ein unsäglicher Trank gewesen war. Aber Albus hatte recht; sie mussten auch an den Tränken zur Vernichtung des Dunklen Lords weiterarbeiten.

„Wirst du Miss Granger darüber in Kenntnis setzen?", fragte er.

Severus kniff die Augen ein bisschen zusammen, aber er nickte. „Das sollte kein Problem sein." Es behagte ihm nicht, in ihrer Nähe zu sein. Aber die Zusammenarbeit fortzusetzen, würde zwangsläufig Nähe bedeuten. Er konnte also auch gleich damit anfangen, sich daran zu gewöhnen.

„Gut. Hast du noch Fragen?" Albus sah ihn abwartend an.

„Nein." Severus stand auf und deutete ein Nicken an, das Albus erwiderte. Dann verließ er das Büro.