Veränderte Perspektive
von Callista Evans
Kapitel 2: Verwirrt
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.
A/N.: Ein herzliches Danke schön an Simone und Sandra, die so fleißig für mich Korrektur gelesen haben. Auch bei meinen vielen Reviewern möchte ich mich noch mal ganz lieb bedanken. (Sind alle E-Mails angekommen?) Einen besonders lieben Gruß an lucie, SweetChrisi und isi, die ich nicht anders erreichen kann! Es ist sehr motivierend von euch allen zu hören. Ich hoffe, ihr bleibt mir treu und schreibt, wie euch die Fortsetzung gefällt. Übrigens weiß ich noch nicht, wie lang die Story wird. LOL Callista
Hermione lief barfuß über eine Wiese. Sie trug ein leichtes Sommerkleid aus blauer Seide. Ihre Haare waren zu einer komplizierten Frisur eingeflochten und auf dem Kopf trug sie eine Krone. Als sie hinter sich blickte, sah sie ein Schloss, ganz anders als Hogwarts, aber nicht weniger interessant. Ein paar Meter entfernt rief eine krächzende Stimme: „Prinzessin, Ihr habt es versprochen!". Auf dem Rand eines alten Brunnens saß ein großer dunkelgrüner Frosch mit silberner Sprenkelung. Er hatte schwarze Augen und sein Tonfall kam ihr merkwürdig bekannt vor.
Wie unter Zwang stehend, nahm sie ihn hoch. Er versprach ihr, sich in einen Prinzen zu verwandeln, sobald ihre Lippen sich berührten und spitzte diese voller Erwartung . Den Ekel unterdrückend, schloss sie die Augen und drückte ihren Mund auf den seinen. Gespannt öffnete Prinzessin Hermione die Augen wieder. Doch nichts war geschehen. Er blieb ein Frosch.
Severus Snape lag die halbe Nacht wach in seinem Bett. Seine Gedanken ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Was hatte er getan? Hatte er richtig gehandelt? Zuerst musste er eine Schülerin küssen, durch missliche Umstände gezwungen, und dann hatte er sich darauf verlassen, dass diese über das Ereignis schweigen würde. Er vertraute sonst keinem anderen Menschen außer dem Schulleiter, und doch hatte er gezögert Miss Granger mit dem Obliviate–Zauber zu belegen, jenen Zauber, den dieser Schnösel Lockhart vor ein paar Jahren so leichtsinnig benutzt hatte, bis er ihm zum Verhängnis geworden war. Doch er wollte jetzt weder über ehemalige, unfähige Kollegen noch über impertinente Schülerinnen nachdenken, sondern einfach nur schlafen. In seinen Vorräten befand sich noch etwas Dreamless-Sleep-Potion. Mit einem kleinen Schluck würde er wenigstens einige Stunden schlafen können. Bevor er einschlief, dachte er noch, wie ärgerlich es sei, dass er den Direktor wegen dieser Geschichte nicht belangen könnte, ohne sich selbst eine Blöße eingestehen zu müssen.
Schreiend erwachte Hermione Granger aus ihrem Schlaf. Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war. Dann erkannte sie, dass sie in ihrem Himmelbett im Gryffindor-Turm lag. Es war alles nur ein böser Traum. War es das wirklich? Ein Blick auf die Uhr besagte, dass es ohnehin gleich Zeit zum Aufstehen sei. Sie schüttelte innerlich den Kopf und beschloss, sofort ins Bad zu gehen, um zu duschen. Als sie vor dem Spiegel stand, fiel ihr wieder ein, was sie letzte Nacht erlebt hatte und wurde glühend rot. Wie sollte sie jemals wieder am Zaubertrankunterricht teilnehmen ohne im Erdboden zu versinken? Zumindest erklärte sich so der absurde Traum, den sie gehabt hatte.
Voller Unruhe erledigte die junge Frau ihre Morgentoilette. Beim Bürsten ihrer wirren Haare, dem Zauberspruch zu diesem Zweck fehlte noch der letzte Schliff, war sie so ungeduldig, dass nicht viel fehlte, und sie hätte zur Schere gegriffen. Nein. Ihre Freunde würden sofort bemerken, dass etwas nicht in Ordnung war und sie war heute definitiv nicht in der Lage ihnen Rede und Antwort zu stehen. Sie biss die Zähne zusammen, band ihre Haare in einem losen Knoten hoch, dass tat sie des öfteren, und ging hinunter in den Gemeinschaftsraum, um ihre zwei Freunde dort zu treffen..
Auf dem Weg zum Frühstück achtete Hermione peinlichst genau darauf, wo sie her ging. Sie wollte nicht noch einmal in solch ein Dilemma geraten. Harry und Ron sahen sie verwundert an, als sie jedes Mal einen Bogen schlug, wenn Misteln auch nur in der Nähe waren. Erst als sie die große Halle erreichten, war den Jungen klar geworden, weshalb die Freundin das getan hatte.
An den Tischen der einzelnen Häuser ging es hoch her. Überall hörte man Getuschel und Gelächter und diverse freiwillige und unfreiwillige Paare standen sich gegenüber, manche nicht wissend was mit ihnen geschehen war und wie sie reagieren sollten. Nur am Tisch der Slytherins ging es ruhiger zu, da die meisten Schüler nach Hause gefahren waren. Als die drei Freunde an Seamus und Parvati vorbei liefen, riss sich Hermione endlich etwas zusammen. Sie lächelte etwas gezwungen und rief dann laut: „Du must sie nur küssen, Seamus!" sie wusste von Parvatis Gefühlen für den jungen Mann.
„Woher hast du gewusst, dass die Misteln verzaubert sind, Hermione?" wollte Ron zwischen zwei Bissen wissen und auch Harry sah sie fragend an. „Frag mich nicht, Ron ich wusste es eben!" knurrte ihre Freundin und knabberte ohne großen Hunger auf ihrem Toast herum. Nervös sah sie zum Lehrertisch hinüber, doch Morgaine sei Dank, war ER nicht anwesend. Die beiden jungen Männer grinsten sich nur an, sie kannten die Stimmungen ihrer Freundin zu genau, um sich in so einem Fall mit ihr zu streiten. Wahrscheinlich hatte sie Angst vor der Aufnahmeprüfung.
Der Orden des Phönix hatte sich entschlossen, die Drei nun doch noch während der Schulzeit aufzunehmen. Nachdem mit Rons Geburtstag vor zwei Wochen nun alle volljährig waren, hatten selbst Mollys Einwände nichts mehr genützt. Fred und George hatten ihnen allen bewiesen, dass Schulwissen nicht alles war, was die Mitglieder des Ordens gebrauchen konnten. Der Laden der Zwillinge in der Winkelgasse war nicht nur sehr erfolgreich, er diente auch als zentraler Treffpunkt, wo neuste Informationen des Ordens ausgetauscht werden konnten. Die Beiden hatten im letzten Jahr entscheidend in den Kampf eingegriffen, ohne sich selbst eine Blöße zu geben. Damit hatten sie bewiesen, dass sie trotz fehlender NEWTs (UTZ) ernst zu nehmende Zauberer sein konnten (wenn sie wollten!). Außerdem waren Harry, Ron und Hermione so wesentlich beteiligt am Kampf gegen Voldemort, dass es wenig Sinn machte, sie weiterhin vom Orden auszuschließen. Man konnte schließlich jede Hilfe gebrauchen, die man bekommen konnte. Allerdings wollte Dumbledore keine Schüler aufnehmen, die sich nicht anständig verteidigen konnten. Deshalb beschloss man, eine Aufnahmeprüfung einzuführen. Diese würde heute stattfinden.
„Eine blöde Idee, die Prüfung gerade einen Tag vor Weihnachten abzuhalten" flüsterte Ron in das Ohr seines besten Freundes. Bis zum Zeitpunkt des Treffens war noch Zeit. Also beschlossen die zwei jungen Männer noch etwas nach draußen zu gehen, um an einer der zahlreichen Schneeballschlachten teilzunehmen, die bei diesem Wetter stattfanden. So etwas war allerdings nichts für Hermione, besonders nicht, wenn eine Prüfung anstand.
Snape frühstückte in seinen Räumen, das hieß, er trank mehrere Tassen schwarzen Kaffee und aß lustlos einige Mund voll Rührei. Er hatte morgens selten Appetit. Merlin sei Dank, während der Ferien musste er wenigstens keine unfähigen und nervigen Schüler ertragen. Bis auf die besonderen Weihnachtsfeiern war es den im Haus verbliebenen Lehrern (zu denen er seit gestern wieder zählte) erlaubt, ihre Mahlzeiten nach eigenen Wünschen einzunehmen. Er hasste diese traditionellen Weihnachtsfeiern, wenn alle dem 'Fest der Liebe' huldigten und so taten, als wäre die Welt in Ordnung. Morgen würden wieder alle, die Schüler und die Kollegen, so tun als wären sie Freunde, auch wenn sie sich in Wirklichkeit nicht leiden konnten. Er musste sich jedes Jahr sehr zusammen nehmen, um nicht irgendjemandem an die Kehle zu springen, wenn dieser so scheinheilig freundlich war. Dumbledore hatte bestimmt noch mehr 'tolle Ideen', um das Fest zu 'versüßen'. Einen Moment lang hegte er die Hoffnung, dass er dieses Jahr von den Festlichkeiten verschont bliebe, da niemand wusste, dass er wieder da war. Doch nach seiner Erfahrung mit dem nahezu allwissenden Direktor war das wohl Utopie.
Ihm fiel wieder ein, dass heute ein Treffen des Phönix-Ordens stattfinden sollte, nichts wirklich wichtiges, sonst wäre seine Anwesenheit Pflicht gewesen, aber es ging einmal wieder um den Jungen-der-überlebte und seine Freunde. (Natürlich brachte der Sohn von James Potter sich erneut in den Vordergrund. Wie immer!!). Wenn er ehrlich zu sich selbst war, musste er eingestehen, dass er Potter Junior keineswegs mehr so sehr hasste wie früher. Zuerst hatte Severus geglaubt, Harry wäre wie sein Vater, arrogant und immer darauf aus im Mittelpunkt zu stehen. Auch ihm schien alles leicht zu fallen (bzw. er nahm alles leicht), er fand schnell Freunde und wirkte wie ein normaler glücklicher Junge.
Seit vor zwei Jahren der Schuldirektor Snape mit Harrys Sonderunterricht zur Verschließung des Geistes vor fremdem Eindringen beauftragt hatte, konnte der Lehrer einen wirklichen Einblick in Potters Leben nehmen. Überraschenderweise stellten beide dabei fest, dass sie sich nicht so unähnlich waren, wie sie es vermutet hatten. Potters Vergangenheit war um keinen Deut besser als seine eigene. Außerdem musste er seinem meist verhassten Schüler zu gute halten, dass dieser keine Informationen über die Kindheit des Zaubertranklehrers an seine Freunde weiter gegeben hatte. Das hätte er am Verhalten von Weasley oder Granger gemerkt.
Granger. Wieder war er gedanklich an dem Punkt angelangt, der ihn schon in der Nacht nicht zur Ruhe kommen ließ. Zur Ablenkung entschloss Severus sich, einige Arbeiten der Schüler, die er im Lehrerzimmer hatte liegen lassen, zu holen, um sie zu korrigieren. Es war still in dem großen Raum; niemand schien anwesend zu sein. Schnell ergriff er seine Papiere und war schon fast wieder aus dem Zimmer, als eine weibliche Stimme seinen Namen rief: „Severus!"
Minerva McGonagall war ein Morgenmensch. Sie wachte morgens früh auf und konnte sofort aufstehen und den Tag genießen. Auch heute war sie schon früh auf den Beinen gewesen, und hatte als eine der Ersten die große Halle zum Frühstück betreten. Ein anderer Grund für ihre frühes Erscheinen war der Streich, den Albus verübt hatte. Sie wollte da sein, um eventuelle Katastrophen zu vermeiden. Doch die Idee, die hinter dem Scherz stand, ging auf. Es herrschte ausgelassene Stimmung unter den Schülern und die Kollegen, alle von Dumbledore persönlich mit den Gegenzauber ausgerüstet, verfolgten mit lachenden Gesichtern, die Wortgefechte, die zwischen den Jungen und Mädchen quer Beet durch alle Häuser stattfanden. Nicht einmal am Valentinstag war die Stimmung so romantisch und dabei doch so lustig gewesen. Selbst als die Lehrerin für Verwandlung längst im Lehrerzimmer saß, war auf ihrem Gesicht noch immer ein Schmunzeln. Und erneut kam ihr der Gedanke, dass Kollege Snape dies gar nicht lustig finden würde. Gut für ihn, dass er nicht da ist, dachte sie noch als die Tür sich öffnete. Wenn man vom Teufel spricht, ..., ging es ihr durch den Kopf. Mit für ihn typischen eleganten Bewegungen, ging Snape in den Raum zu seinem Platz, nahm einige Papiere heraus und ging dann schnell wieder zur Tür.
„Severus, du bist ja schon zurück!" war alles was McGonagall so schnell heraus brachte. Obwohl sämtliche Schüler sowohl von Gryffindor als auch von Slytherin dagegen gewettet hätten, waren die beiden Hauslehrer, zwar nicht gerade befreundet (so etwas würde Severus nicht zulassen), aber sie verstanden und respektierten sich gegenseitig sehr wohl. Beide hatten ihren heimlichen Spaß an den Rivalitäten der Häuser (besonders im Bereich Quidditch) und spielten vor den Schülern die perfekten Gegner.
„Wolltest du nicht die Ferien außer Haus verbringen?" Sie lächelte ihn an, obwohl sie wusste, dass er das Lächeln nicht erwidern würde. Snape war sich darüber im Klaren, dass sie nicht wirklich eine Antwort auf diese Frage erwartete, dazu kannten sie sich viel zu gut. Er würde keine Erklärungen über seine plötzliche Anwesenheit abgeben; sie wollte nur mit etwas Smalltalk ein Gespräch einleiten, bei dem sicher dieser dumme Streich von Albus zur Sprache käme. Er seufzte innerlich auf und wappnete sich mental, um sich keine Blöße zu geben. „Ich weiß, es entspricht nicht nicht deiner Art von Humor (sehr gut erkannt, Minerva, waren seine Gedanken), aber unser verehrter Direktor wollte die Schüler und Schülerinnen aufheitern und hat ..."
Sie erzählte ihm die ganze Geschichte, nicht wissend, dass er einen Teil schon durch eigene Erfahrung heraus gefunden hatte. „... und deshalb sollte Albus dir, bevor du wieder durch das Schloss läufst, den Gegenzauber geben." Er hatte nur die halbe Zeit zugehört, doch der letzte Satz hing noch in der Luft, und die Wut, so hereingelegt worden zu sein, nahm wieder überhand. Seine Miene verfinsterte sich. „Albus wird allmählich etwas infantil!" mit diesen Worten fiel die Tür ins Schloss.
Was ist dem denn für eine Laus über die Leber gelaufen? fragte sich Minerva verwundert. Das klang ja fast so als wäre er persönlich beleidigt, ja persönlich betroffen. Dann winkte sie ab. Wenn der Kollege Snape tatsächlich küssenderweise unter einer Mistel angetroffen worden wäre, gäbe es in Hogwarts wohl kein anderes Gesprächsthema mehr. Bei dieser Vorstellung erschien wieder ein Lächeln auf ihrem Gesicht.
Hermione, Ron und Harry trafen sich kurz vor der verabredeten Zeit im Gemeinschaftsraum. Die beiden Jungen hatten von der Kälte und dem vielen Schnee, der in ihren Gesichtern gelandet war, ganz rote Wangen. Hermione dagegen wirkte sehr blass. Sie war sehr nervös, und das nicht einmal wegen der Prüfung. Diese würde nur eine Formsache zur Bestätigung der Fähigkeiten der beiden Zauberer und der Hexe sein. Das hatte ihr Remus Lupin erst bei seinem letzten Besuch bestätigt, nein sie fühlte sich, als könne jeder sehen, was letzte Nacht mit ihr passiert war.
Was war denn eigentlich mit ihr passiert? Sie hatte in einer Notlage die richtige Entscheidung getroffen, entsprechend gehandelt und nun sollte die Sache erledigt und vergessen sein. Warum musste sie also ständig über diesen Kuss mit Snape nachdenken. Er hatte ihn wahrscheinlich schon lange vergessen beziehungsweise verdrängt. Sie war schließlich aus Gryffindor und damit eine der SchülerInnen, die er am wenigsten ausstehen konnte. Und er würde sich niemals vorstellen können in ihr etwas anderes als eine Schülerin zu sehen. Moment mal wohin verirrten sich da gerade ihre Gedanken.
Hatte er geglaubt, er könne den Peinlichkeiten entfliehen? Nein, Kollegin Minerva streute, wenn auch unbewusst, noch Salz in seine Wunden. Er konnte nur hoffen, dass er Granger heute nicht über den Weg lief. In Dumbledores Büro angekommen (ohne den Gegenzauber müsste er die nächsten Tage Slalom durch die Burg laufen), wurde Snape von seinem Vorgesetzten zuerst genötigt die ganze Geschichte aus dessen Perspektive anzuhören. Dann wurde er natürlich auch gleich dazu verdonnert am Treffen des Ordens teilzunehmen. Dabei erfuhr er von der Aufnahmeprüfung der neuen Mitglieder.
„Das hat mir gerade noch gefehlt, dass meine Schüler, noch dazu ausgerechnet diese, mir auch außerhalb des Unterrichts den letzten Nerv rauben! Warum bin ich nicht eher darüber informiert worden? Oder ist das eines ehemaligen Todessers, dem ohnehin nicht jeder vertraut, nicht würdig?" gab er seinem Frust Ausdruck. Ihm war bewusst, dass ihm Dumbledore zwar in jeder Hinsicht traute, aber das traf nicht gleichzeitig auch auf den Rest der Mitglieder des Ordens zu. Er hatte bemerkt, wie einige ihm mit Blicken folgten und jede seiner Bewegungen genau beobachteten.
„Mein lieber Severus, du weißt genau, dass ich dir vertraue. Ich habe dir noch nichts gesagt, weil ich wusste, dass du nicht glücklich sein würdest, mit meiner Entscheidung, diese drei Schüler aufzunehmen. Aber Harry hat eine zentrale Position im Kampf gegen Voldemort, genau wie du, und es ist so einfacher, ihn auf seine Rolle im Krieg vorzubereiten." Mit diesen Worten schob ihn Albus zur Tür.
„Potter ja, aber müssen Weasley und Granger auch wieder ihre Hände im Spiel haben?" diese Frage konnte sich Snape nicht verkneifen. Dumbledore sah seinen Zaubertränke-Meister erstaunt an. War da eine gewisse Unruhe in der Stimme des Mannes zu hören? Er kannte Severus nun schon so lange Zeit. Dieser hatte seine gesamte Körpersprache fast perfekt unter Kontrolle, ja er nutzte das geschickt aus, um Schülern das Fürchten zu lehren oder bei Kollegen Unbehagen zu verbreiten, um sie auf Distanz zu halten. Es war, unter anderem, diese Fähigkeit die ihn in seiner Position als Doppelagent am Leben hielt.
Jemand anderes hätte wohl keinen Unterschied bemerkt, aber er, Albus Dumbledore, der Zauberer der als allwissend galt, hörte den besonderen Unterton heraus. Er beschloss, später darüber nachzudenken und schob den widerstrebenden Snape die Wendeltreppe hinunter, um sich mit ihm auf den Weg zum Raum der Wünsche (Room of Requirement) zu begeben.
Um Punkt 11.00 Uhr betraten die drei Gryffindor den Raum der Wünsche. Diesmal wirkte der Raum wie eine große Höhle, die nur im Eingangsbereich beleuchtet wurde. Hermione verglich das Szenario in Gedanken mit dem Holodeck aus einer Sci-Fi Serie, die sie in den Ferien des öfteren ansah. Die Mitglieder des Phönix-Ordens, die an der Prüfung teilnehmen würden, waren bereits anwesend. Molly und Arthur waren von Dumbledore gebeten worden, sich zurück zuhalten, um weder Ron noch die beiden anderen, die auch fast ein Teil der Familie waren, zu verunsichern.
„Schau mal, wer dabei ist, unser Lieblingslehrer" sagte Ron ironisch und entsetzt zugleich. „Na das gibt ja 'ne Katastrophe", war Harrys Kommentar dazu. „Wir können es gleich lassen, der lässt uns nie bestehen". Einzig Hermione schwieg, aber sie biss sich auf die Unterlippe und wurde noch etwas bleicher als vorher. „Professor Dumbledore wird das zu verhindern wissen" mit diesen Worten versuchte der junge Mann mit dem unordentlichen, dunklen Haaren sie alle zu beruhigen. „Stellt euch Snape einfach in Unterhose vor!" Er hatte von diesem Trick zur Überbrückung von Prüfungsängsten in einen Muggelbuch gelesen. Das dies seine Freundin alles andere als beruhigen würde, konnte er nicht ahnen.
Snape in Unterwäsche ist das Letzte, an das du jetzt denken solltest. Du schaffst das schon. Es war Hermiones innere Stimme, die ihr half sich wieder zu fassen. Allen Mut zusammen nehmend, schaute sie vom Boden auf. In diesem Moment bemerkte sie Remus' aufmunternden Blick und lächelte ihn an.
„Da seit ihr drei ja!" Mit diesen Worten ging Lupin auf die drei Jugendlichen zu, um sie einen nach dem anderen zu umarmen. Er hatte nach Sirius' Tod versucht, Harry den Patenonkel zu ersetzten und stand mit allen dreien auf freundschaftlichem Fuß. Auch Remus nahm Hermiones Nervosität wahr und begrüßte sie darum besonders herzlich. „Remus, wie schön, dass du dabei bist. Ein freundliches Gesicht zur Beruhigung." Rons Worte und die Anwesenheit des väterlichen Freundes beruhigten die Nerven der Hexe tatsächlich etwas.
Natürlich, wo sentimentale Gryffindor zusammen treffen, ist gleich großes Gruppenkuscheln angesagt. Selbst seine Gedanken waren sarkastisch und Severus gestattete seinen Gesichtszügen diesen Sarkasmus nach außen zu tragen. Remus nutzt selbstverständlich die Gelegenheit schamlos aus, eine junge Frau in den Armen zu halten. Stop, wann hatte er angefangen, in seiner Schülerin eine Frau und kein Mädchen mehr zu sehen? Das klang ja fast so, als wäre er eifer.... Nein. Er würde es nicht einmal denken. Hoffentlich beginnt diese Prozedur endlich.
„Meine lieben Mitgliedsanwärter des Ordens" begann Albus Dumbledore in diesem Moment seine Rede. "Um die Aufnahmeprüfung zu bestehen, müsst ihr nur den Weg durch die Höhle bis zu dem Raum mit dem Bild von dem Zentaur auf der Tür kommen. Wir sind eure Feinde. Ihr werdet euch so gut es geht gegen uns verteidigen. Es geht einfach nur um das 'Überleben'. Viel Erfolg!" Mit diesen kurzen Worten waren alle verschwunden.
Die Prüfung stellte sich als einfacher heraus, als sie erwartet hatten. Dank des speziellen Trainings im DA-Club hatten weder die Jungen noch Hermione Schwierigkeiten mit den Gegenzaubern und -flüchen, so dass ihr Ziel schnell erreicht war. Keiner hatte sich verletzt und zur Erleichterung der Schulsprecherin war ihr eine direkte Konfrontation mit dem Zaubertranklehrer erspart geblieben.
Jetzt wollten alle gratulieren, von Moody bis zu Tonks, und eine Eule war unterwegs, um die Weasleys zu benachrichtigen. Nach einer kurzen Feier, bei der nur wenige fehlten, es gab schließlich trotz Weihnachten Aufgaben für einige Mitglieder zu erledigen, ging es zum Alltag über. Einen Tag vor Weihnachten gab es noch genügend zu tun.
Harry und Ron mussten noch diverse Geschenke verpacken und versenden. Also gingen die frisch gebackenen Mitglieder des OdP zurück zum Gryffindor Turm.
Ende des Kapitels
A/N.: Ich sollte noch erwähnen, dass die Redewendung 'Erledigt und vergessen' aus den Schreckenstein-Büchern (von Oliver Hassencamp) stammt, die als Kind gerne gelesen habe. Die Serie mit dem Holodeck ist natürlich Star Trek oder Raumschiff Enterprise - die nächste Generation, wie sie in Deutschland heißt. Und den Froschkönig, aus Hermiones Traum, habe ich mir aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm ausgeliehen :-).
