Veränderte Perspektive

von Callista Evans

Kapitel 3:Verkrampft

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.

A/N: Und wieder gilt mein besonderer Dank meinen Beta-Lesern Simone und Sandra. Auch meinen Reviewern ein herzliches Danke schön. Ich freue mich, wenn euch das gefällt, was ich schreibe und bin dankbar für jede Kritik. Doch nun viel Spaß beim Lesen. Eure Callie.

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Es war inzwischen Nachmittag geworden, als Hermione, Ron und Harry im Gemeinschaftsraum mit Ginny zusammen trafen. Rons Schwester war die Einzige von den anderen Schülern, die von dem Aufnahmetest gewusst hatte und auf Grund dessen natürlich neugierig wissen wollte, wie die Prüfung gelaufen war. Nun erzählt schon wie es war!, forderte die rothaarige junge Frau ungeduldig. Ihr Bruder grinste sie an und sagte dann mit prahlerischem Grinsen: Natürlich haben wir uns hervorragend geschlagen und waren in kurzer Zeit am Ziel.

Oh Ron, nun gib doch nicht so an, war Ginnys Kommentar dazu. Sie wandte sich an ihre Freundin. Von der wusste sie, dass diese nicht nur viel ausführlicher, sondern auch wahrheitsgetreuer (und das nicht nur auf Grund geringerer Testosteronwerte) berichten würde, was die drei alles bewältigen mussten. Doch es war Harry, der erzählte, wie er und seine Freunde zuerst gemeinsam gegen Remus Lupin, Kingsley Shacklebolt, Alastor Moody und Tonks hatten kämpfen müssen. Alle vier hatten gleichzeitig Zaubersprüche und -flüche gegen die drei Prüflinge geschleudert und versucht, sie davon abzuhalten vorwärts zu kommen. Bis auf die Unverzeihlichen, war so ziemlich jeder Zauberspruch dabei gewesen, den sie kannten und noch ein paar mehr.

Später waren die drei getrennt worden, um so im Einzelkampf zu beweisen, wie gut sie waren. Jeder musste verschiedene Gegner entwaffnen oder kampfunfähig machen. Jetzt erzählte Hermione, die bis dahin ungewohnt wortkarg gewesen war, wie sie McGonagall mit einem ziemlich unbekannten Spruch dazu gebracht hatte, ihre Animagusform anzunehmen, um dieser dann den Zauberstab zu entwinden. Alles in allem, haben wir uns tatsächlich sehr gut geschlagen, vor allen Dingen als Team. Ich glaube Mad- Eye wird für euch beide, sie wandte sich nun zu den beiden Jungen, ein gutes Wort einlegen, wenn ihr euch als Auroren bewerbt. Zumal ihr es im letzten Jahr tatsächlich geschafft habt, eure Noten zu verbessern. Mit diesen Worten brach sie ab, denn es näherten sich Neville und Seamus, um sich zu ihnen zu gesellen. Durch die beiden Neuankömmlinge wurde das Gespräch schnell in eine andere Richtung gebracht und der Rest des Nachmittags verging mit Gesprächen über die neuen Zaubersprüche, die der DA-Club demnächst üben wollte.

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Die Siebtklässler waren auf dem Weg zum Dinner. Bei dieser Gelegenheit schaffte es Harry endlich Ginny unter eine der Mistelzweige zu ziehen, und unter dem Beifall der anwesenden Gryffindors, küssten die beiden sich. Der Lärm schwoll an, als beide nicht bereit waren, sich wieder voneinander zu lösen. Mitten in diesem Gebrüll war auf einmal eine wohl bekannte Stimme zu hören.

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Oh, dieser elende Tag würde niemals ein Ende nehmen. Mit diesem Gedanken schritt Snape von der steinernen Treppe herunter, vorbei an dem Wasserspeier, auf den Gang. Er hatte den Nachmittag damit verbracht, bei Dumbledore Tee zu trinken. Dieser hatte ihn dabei geschickt versucht auszufragen, um heraus zu bekommen, was mit ihm geschehen war. So viel zum Thema er sei ein guter Schauspieler. Vor dem alten Zauberer konnte er nichts verbergen. Er hatte versucht, sich herauszureden und Albus war scheinbar darauf eingegangen. Auf dem Weg zum Kerker, er wollte endlich einmal in Ruhe und alleine zu Abend essen, hörte er schon von weitem das laute Geschrei der Schüler. Er würde für Ordnung sorgen müssen.

Natürlich, wer sonst würde eine solche Unruhe anstiften. Professor Snapes Stimme triefte nur so von Hohn und Spott. Typisch Gryffindor! Potter und Weasley sofort auseinander! Widerwillig löste sich Harry von Ginny. Die anderen Schüler zerstreuten sich rasch, um nicht auch noch in die Schusslinie des finsteren Lehrers zu geraten. Innerhalb weniger Sekunden waren, außer den Angesprochenen, alle bis auf Ron und Hermione verschwunden. Die nächsten Worte des Lehrers überraschten niemanden. Das kostet Gryffindor 50 Punkte Abzug für jeden von ihnen beiden.

Als Hermione das hörte, wurde sie plötzlich sauer. Hatte er ihr nicht gestern Nacht erst so viele Punkte abgezogen, obwohl sie kooperativ und diskret in einer, für beide unangenehmen Situation, gewesen war. Bevor sie es verhindern konnte, platzte es aus ihr heraus: Ja und die Aufsicht über die Strafarbeit, die ihr sicherlich auch noch bekommt, kann dann wieder Filch übernehmen. So ist unser Professor fein raus. Zwar hatte sie sehr leise gesprochen, doch anscheinend hatten alle Anwesenden sie verstanden, denn jeder sah sie mit verwundertem Blick (und teilweise mit offenem Mund) an. In solch einem Ton hatte sie noch nie in Gegenwart eines Lehrers gesprochen. Wenn man mal von Trelawney absah, doch die zählte nicht wirklich als Respektperson. Sie reckte trotzig das Kinn nach oben, auch wenn sie merkte, dass ihre Wangen anfingen zu brennen und schaute Snape in die Augen.

Auch Snape war im ersten Augenblick ganz verdutzt. Er fing sich jedoch schnell wieder. Sein Gesicht nahm einen noch finsteren Ausdruck an und dann sprach er zu der Schulsprecherin: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendeinem Schüler jemals erlaubt hätte, meine Handlungsweise zu kritisieren. Da Sie so erpicht darauf zu sein scheinen, dass ich die verteilten Strafarbeiten selber beaufsichtige, wird es Sie freuen zu hören, dass Mr. Filch vom Direktor anderweitig eingesetzt wurde und Sie so ihre Strafarbeit bei mir persönlich abarbeiten dürfen. Damit diese Impertinenz nicht noch einmal vorkommt, werden Sie nicht nur einen einzigen Abend, sondern eine ganze Woche abends in den Kerkern bei mir verbringen! Mit diesen Worten drehte er sich herum und verschwand Richtung Kerker.

Hermione, das war echt cool! Ron stand da und sah sie bewundernd an. Harry und Ginny, noch etwas atemlos von ihrer Küsserei, nickten nur. Ich hätte nicht erwartet, dass ausgerechnet du dich trauen würdest, dem Ekelpaket die Stirn zu bieten. Sonst mussten wir uns immer anhören, dass unsere Lehrer alle mit Respekt zu behandeln seien. Selbst bei Snape hast du keine Ausnahme gemacht. Was hat deine Meinung geändert? Oh, Ron, hast du nicht mitbekommen, was mir das Ganze eingebracht hat? Ich darf eine ganze Woche lang abends bei Snape in den Kerkern hocken und wahrscheinlich die ekeligsten Dinge tun, wie das Ausweiden von Kröten oder das Häuten von Schlangen, nur weil ich nicht die Klappe halten konnte. Das ist wirklich cool. Auch Hermione konnte sehr sarkastisch klingen. Lasst uns nicht weiter davon reden, ich habe Hunger. Mit diesen Worten lief sie voraus und setzte sich auf ihren gewohnten Platz am Gryffindor Tisch.

Nach dem Essen ging sie auf ihr Zimmer und warf ihre Sachen in die nächste Ecke. Sie stampfte mit dem Fuß auf, um ihre Frustration heraus zu lassen. Wie konnte sie nur so einfältig sein. Sie kannte diesen Mann (ihren Lehrer verbesserte sie sich gedanklich) seit mehr als sechs Jahren und wusste genau, was sie mit ihrer Bemerkung auslösen würde. Zugegeben sie hatte erreicht, dass er ihre Bestrafung selbst beaufsichtigen würde. War es nicht das, was sie eigentlich wollte? Aber dann gleich eine ganze Woche! Allein in den Kerkern mit Snape! Hatte es etwas zu sagen, dass er ihr dieses Mal keine Hauspunkte abgezogen hatte? Nein sie würde nicht länger zuhören, wie ihre innere Stimme ihr merkwürdige Dinge einflüsterte. Zur Ablenkung ging sie in den Gemeinschaftsraum. Sie würde mit Ron eine Partie Zauberer-Schach spielen.

Ich finde, Hermione verhält sich etwas merkwürdig. Harry und Ron hatten sich nach dem Essen im Gemeinschaftsraum zurückgezogen, als der dunkelhaarige Zauberer diese Feststellung machte. Ginny hatte während der Mahlzeit verlegen beiseite geschaut, wenn Harry versucht hatte aus ihren Blicken zu erkennen, was sie über die Sache unter den Misteln dachte. Er wurde aus den Mädchen nicht schlau. Aber das war eine Angelegenheit, die er nicht mit Ron besprechen konnte. Obwohl die beiden so gute Freunde waren, konnte er Rons Reaktion nicht einschätzen, wenn es um dessen kleine Schwester ging. Um sich beide abzulenken, hatte er ein neutrales Thema gesucht und Hermiones untypisches Benehmen bot die ideale Gelegenheit. Ich glaube, unser Verhalten ist endlich auf sie abgefärbt. Ich fand's gut, dass sie sich getraut hat Snape zu provozieren. Das Ekelpaket kann ruhig wissen, dass nicht alle vor ihm kuschen. Das meine ich nicht unbedingt, Ron, aber woher hat sie von den verzauberten Misteln gewusst und wann hat Snape ihr eine Strafarbeit aufgegeben? Und nicht zuletzt: ist dir aufgefallen, dass unser Punktestand gestern Nacht noch deutlich höher war? Das ist den meisten wohl in dem Trubel um die Mistelzweige entgangen. Harry hatte in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Seine Sinne hatten sich geschärft (nicht zuletzt aus diesem Grund hatte er das letzte Jahr überlebt) und deshalb beobachtete der junge Mann seine Umwelt sehr viel genauer als er sie glauben machte.

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Severus war unruhig. Wie ein Tiger im Käfig ging er in seinem Zimmer auf und ab. Sein Dinner hatte aus einem kurzen und frugalen Mahl bestanden, denn die Hauselfen servierten nur eine geringe Anzahl von Gerichten in die Privaträume. Wahrscheinlich hatte Albus diese Anweisung gegeben, damit sich nur selten jemand zum Essen zurück zog. Diesen Gedanken griff er auf. Der Unmut gegenüber Dumbledore war genau die richtige Ablenkung von der Person, an die er nicht denken wollte. Dabei fiel ihm ein, dass er den Schulleiter als Ausrede benutzt hatte, um sich keine Blöße vor den Schülern zu geben. Er hatte nämlich völlig vergessen, Filch von Miss Grangers Strafarbeit zu erzählen. Das konnte er jedoch niemals zugeben. Dann hatte er sich auch noch von ihr provozieren lassen und jetzt musste er eine ganze Woche ihre Strafarbeit beaufsichtigen. So viel zur Ablenkung vom Thema, Severus.

Da er schon dabei war, konnte er sich schon einmal ausdenken, welche gemeinen Arbeiten er der Schulsprecherin auferlegen würde. Doch halt, da viel ihm ein, dass er eine Assistentin beim Brauen verschiedener Tränke für den Orden gut gebrauchen konnte. Noch dazu eine so begabte. Nicht, dass er sie je wissen lassen würde, dass er sie für begabt hielt. Trotzdem, er musste ihr eine Lektion erteilen, sonst glaubte Miss Granger womöglich, sie könnte sich etwas herausnehmen, nur wegen jenes merkwürdigen Zwischenfalls. Sofort machte er sich auf den Weg zu seinem Arbeitszimmer, um die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen.

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Als Hermione das Klassenzimmer für Zaubertränke betrat, war es Punkt acht Uhr. Sie hatte keine Sekunde früher erscheinen wollen als unbedingt notwendig. Der Raum schien leer zu sein, doch als sie sich umschaute, bemerkte sie Licht in einem kleinen Nebenraum. Unsicher trat sie ein. Kommen Sie herüber, nachdem Sie die Tür geschlossen haben! Komischerweise gaben ihr die barschen Worte ihres Lehrers eine gewisse Sicherheit. Es war so, als wäre sie im Unterricht. Mit einem letzten, tiefen Atemzug ging sie in die 'Höhle des Löwen' (obwohl hier wohl besser Schlange gepasst hätte). Zu ihrer Überraschung fand sie sich in einem privaten Labor wieder, dass Snape wohl für eigene Experimente benutzte. Neugierig betrachtete sie die vielen Regale, in denen sich noch seltsamere Dinge befanden, als in des Professors Büro.

Miss Granger, wenn Sie ihre Besichtigungstour beendet haben, können wir vielleicht beginnen. Ich erwarte von Ihnen, als neues Mitglied des Ordens selbstverständlich absolute Geheimhaltung über die Arbeit, die Sie hier verrichten. Der Lehrer beobachtete seine Schülerin genau und als ihre Augen zu leuchten anfingen, konnte er sich nicht verkneifen zu sagen: Sie werden nichts anrühren, ohne meine ausdrückliche Erlaubnis, ich brauche bei gewissen Vorbereitungen ein Paar helfende Hände und da Sie gerade verfügbar sind, werden Sie mir helfen. Ich hoffe, dass die Zaubertränke trotz der Tatsache, das eine Schülerin sie zu brauen hilft, gelingen werden. Er wollte ihren Stolz treffen und behandelte sie deshalb wie eine unwissende Erstklässlerin und nicht wie die beste Schülerin, die die Schule seit längerer Zeit hatte (denn das war sie!).

Hermione musste schlucken. Für ein paar Minuten hatte sie gehofft, der Abend würde nicht schlimm, sondern im Gegenteil interessant und lehrreich werden. Mit dem letzten Satz, den ihr Lehrer ausgesprochen hatte, war ihr klar geworden, dass es noch furchtbarer werden würde als gedacht. Den ganzen Abend über mäkelte er an ihr herum, obwohl sie selbst die schwierigsten Handgriffe perfekt beherrschte. Nach drei Stunden war sie so erschöpft, das sie den Tränen nahe war. Doch sie hielt ihren Kopf aufrecht. Sie würde ihm nicht die Genugtuung geben und vor seinen Augen in Tränen auszubrechen. Die junge Hexe konnte sich nicht vorstellen, das vor ihr der gleiche Mann stand, der sie gestern Abend ... Oh nein sie wollte doch nicht mehr daran denken. Vor allem nicht jetzt!

Snape merkte sehr wohl, dass Hermione ('Miss Granger' korrigierte er sich streng) versuchte, ihren emotionalen Zustand vor ihm zu verbergen. Seltsamerweise empfand er dabei nicht die gleiche Befriedigung, die er sonst verspürte, wenn er Schüler herunterputzte, und das beunruhigte ihn. So, Miss Granger, für heute ist es genug. Wenn Sie alles aufgeräumt haben, können Sie gehen. Wir sehen uns am Tag nach Weihnachten wieder, um Punkt acht Uhr. Mit diesen Worten drehte er sich um und ging aus dem Raum. In Rekordzeit räumte Hermione die restlichen Zutaten und benutzten Utensilien wieder an Ort und Stelle. Auf schnellstem Wege verließ sie die Kerker, um sich zum Gryffindor-Turm zu begeben, in dem ihr Zimmer lag.

Was hast du erwartet, Granger? Dass er plötzlich freundlich ist? Dass er dich, nur weil du jetzt auch im Orden bist, nicht mehr wie eine kleine unwissende Schülerin behandelt? Du kannst froh sein, dass du ihm helfen darfst und keine Kloschüsseln putzen must! So schimpfte Hermione mit sich selbst. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte sie gehofft, wenn sie mit ihm allein war, würde sich die Atmosphäre entspannen. Beide würden den Vorfall vom Vortag einfach als 'nicht passiert' abtun. Doch Snape benahm sich ihr gegenüber noch schlimmer als je zuvor. Dabei hatte sie angefangen, ihn zu beobachten und dabei festgestellt, dass er ihr nicht mehr so unsympathisch war wie früher. Im Gegenteil, der Gedanke an seine Lippen auf den ihren ... doch darüber nachzudenken, hatte keinen Zweck bei seinem Verhalten. Am besten wäre es gewesen, er hätte sie mit dem Vergessenszauber belegt, dann müsste sie sich nicht mit ihrer Erinnerung quälen. Die Schulsprecherin beschloss, sich über den Obliviate-Zauber zu informieren, um diesen bei sich selbst anzuwenden.

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Severus Snape griff nach dem Buch, das aufgeschlagen auf einem kleinen Tisch in seinem Wohnraum lag. Es war eins von vielen Büchern, die im Besitz des Zaubertränke-Meisters waren. Sein privates Reich war voller Regale und alle waren gefüllt mit Büchern jeder Art. Da der Besitzer dieser Räume kontaktscheu war, verbrachte er seine knapp bemessene Freizeit meistens mit Lesen. Da standen wissenschaftliche Bücher der Zauberer- und Muggelwelt, klassische Werke von Shakespeare oder Goethe und sogar einige Science-Fiction- und Fantasy-Romane wie zum Beispiel 'Herr der Ringe' in den Regalen. Es herrschte die gleiche peinlich genaue Ordnung wie schon in den Vorratsregalen des Klassenzimmers.

Snape konnte sich nicht lange auf das Buch konzentrieren. Sicherlich überlegte sie, wieso er sich heute so merkwürdig verhalten hatte. Verdammt! Dass er sich von dem Zwischenfall am Vortag so hatte aus dem Konzept bringen lassen. Sie hatte den Kuss sicher schon vergessen. Er sah ständig, dass irgendwelche Schüler sich küssten, nicht nur zu Weihnachten und Valentin. Allerdings schien es ihr auch gefallen zu haben. AUCH! Ja, wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, musste er zugeben, dass er sie gerne geküsst hatte. Und er erinnerte sich an die andere junge Frau, die er vor vielen Jahren geküsst hatte. Es war das einzige Mal in seinem Leben, dass er jemanden an sich heran gelassen hatte. Doch ihre Beziehung hatte nicht lange gehalten, obwohl sie beide gut zueinander gepasst hatten. Sie war eine Ravenclaw und beide hatten sich des öfteren in der Bibliothek getroffen. Erst durch Zufall, dann hatten sie dort zusammen gelernt, bis er sich dann getraut hatte, sie nach Hogsmeade einzuladen. Für fünf Monate hatte er geglaubt, dass das Leben doch seine schönen Seiten hatte, bis sie ihn verließ, wegen eines Gryffindors. Damals hatte sein Hass für die 'ach so tapferen und tollen Gryffindor Schüler' neue Nahrung gefunden und er war bis heute nicht ganz darüber hinweg. Und jetzt brachte eine Schülerin aus genau diesem Haus ihn und seine ganze Selbstbeherrschung durcheinander. Er warf das Buch wieder auf den Tisch zurück und ging in sein Schlafzimmer. Er holte einen warmen Umhang heraus und stürmte nach draußen, um sich mit einem Spaziergang durch den Wald abzulenken.

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Im Gryffindor Gemeinschaftsraum hatten sich die Mitglieder des DA-Clubs spontan dazu entschlossen, eine private Weihnachtsfeier zu veranstalten. Alle anderen wurden mit Hilfe der falschen Galleone über den neuen 'Termin' informiert. Am nächsten Abend wollten sie sich im Verwandlungs-Klassenraum treffen. Professor McGonagall hatte ihnen den Raum zur Verfügung gestellt. Harry und Ron wurden beauftragt, den notwendigen Proviant zu organisieren. Da die beiden sich entschlossenen hatten, ihre beste Freundin über Weihnachten vom Lernen und anderen Grübeleien fern zu halten, würden sie sie mitnehmen, wenn sie ihre Freunde, die Hauselfen, besuchten. Voller Vorfreude auf die verschiedenen Feiern, die bevor standen, gingen Harry und Ron schlafen.

Als Hermione am nächsten Tag versuchte ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen, stellte sie fest, dass ihre beiden Freunde sich immer an ihre Fersen hefteten, und sie von der Bücherei abzulenken versuchten. Nach dem dritten Versuch gab sie auf und es gelang den beiden Freunden endlich, die junge Hexe auf andere Gedanken zu bringen. Die kleine Feier würde sicher nett werden und wenn nicht, könnte sie sich immer noch wegschleichen. Als die drei auf dem geheimen Weg in die Küche waren um besagten Proviant abzuholen, freute sie sich darauf, sich mit den Hauselfen zu unterhalten. Nachdem Hermione die Idee aufgegeben hatte für die Freiheit der Elfen zu kämpfen, war auch sie wieder ein gern gesehener Gast in der Küche.

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Die Tür zu Snapes Privatquartier öffnete sich und eine Hauselfe trat ein. Sir, Winky bringen Ihre Wäsche, Sir, mit diesen Worten stellte die Hauselfe einen großen Korb mit frisch gewaschener, glatter und fein säuberlich gefalteter Wäsche in den Raum. Soll Winky sie gleich in den Schrank sortieren? Mit ihren großen Augen sah die kleine Elfe den dunklen Mann fragend an. Seit einem Jahr war sie für den Professor tätig und was kein Dobby oder Dumbledore fertig bringen konnte, Snape erreichte es, ohne es zu merken. Sie hatte mit dem Trinken aufgehört und arbeitete hart dafür, den strengen Herrn zufrieden zu stellen. Die anderen Hauselfen wollten mit ihrem Herrn möglichst wenig zu tun haben. Mit flinken Fingern packte sie die Wäsche aus dem Korb in den Schrank. Der Herr legte viel Wert auf Ordnung. Seine Unterhosen, die er mehrmals täglich wechselte, wie sie wusste, mussten in Reih' und Glied aufgestapelt werden. Er kontrollierte das nach dem Einsortieren. Winky ist fertig, Sir! Er warf einen Blick in den Schrank und nickte dann. Du kannst gehen, es ist alles in Ordnung. Winky machte sich auf den Weg in die Küche, um den anderen bei den Vorbereitungen für das große Festmahl zu helfen.

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Um nicht erwischt zu werden, benutzten Ron, Harry und Hermione den Tarnumhang auf dem Weg zur Küche. Das war nicht mehr so leicht wie früher, da alle gewachsen waren, besonders die beiden Jungen. Doch durch vielfaches Benutzen desselben, hatten sie sich daran gewöhnt. Sie waren bereits in der Küche und wollten gerade wieder sichtbar werden, als sie einige Gesprächsfetzen der Hauselfen mitbekamen und nicht widerstehen konnten zu lauschen. ... hockt immer nur in seinen Kerkern herum, erschreckt einen, weil er immer erst im letzten Moment zu erkennen und machen uns jede Menge mehr Arbeit. Allein die Menge an Unterwäsche, andere Zauberer einen Monat mit der Menge auskommen, die er in einer Woche verbraucht ... ... sein er viel zu streng mit Winky. Das halblaute Gerede der Hauselfen erstaunte die drei Eindringlinge. Harry nahm den Umhang von ihnen herunter und räusperte sich. Die Elfen stoben auseinander und liefen wieder zurück an ihre Arbeit. Dobby kam auf das Trio zu: Harry Potter, Sir, welche Ehre, dass Sie uns besuchen.

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Albus Dumbledore machte sich viele Gedanken um das Wohlergehen seiner Schülerschaft und seiner Lehrer. Einer seiner besonderen Schützlinge war Severus. Er kannte den jungen Mann seit seinem elften Lebensjahr und war mit dessen Vergangenheit wohlvertraut. Er wusste, dass er sich voll und ganz auf seinen Zaubertränke-Meister verlassen konnte. Doch zur Zeit legte dieser ein Verhalten an den Tag, dass selbst für ihn merkwürdig war. Minerva hatte Albus von ihrem Gespräch mit Snape erzählt und Dumbledore beschloss nun in seine Trickkiste zu greifen, um seinem Kollegen zu helfen, denn das Wohl des zerrissenen und meist unglücklichen jungen Menschens lag ihm am Herzen.

Der große, runde Raum indem der Schulleiter sein Büro hatte, war so interessant, durch die vielen sonderbaren Dinge, die dort herum standen, dass niemand die unscheinbare Tür im Hintergrund bemerkte. Doch selbst wenn jemand sie gesehen und versucht hätte sie zu öffnen, wäre er gescheitert, denn nur eine Person konnte dieses Zimmer betreten. Es war nicht besonders groß, doch angefüllt mit so merkwürdigen Gegenständen, dass selbst ältere und erfahrene Zauberer und Hexen ins Staunen geraten wären. Ganz hinten in der Ecke stand der von Albus gesuchte Gegenstand.

Es war ein auf den ersten Blick zwar sehr hässlicher, aber unscheinbar wirkender Spiegel. Er war mit einem riesigen Tuch bedeckt. Der Erbauer dieses einzigartigen Zauberutensils war einst ein mächtiger Magier gewesen, der den Spiegel mittels längst vergessener Zaubersprüche dazu brachte, die Ereignisse der nahen Umgebung zu speichern Die Technik erinnerte ein wenig an ein Denkarium. Der Besitzer konnte den Spiegel bitten, jene gespeicherten Daten wieder zugeben, wobei eine geschickt mit eingebundene Ethikformel verhinderte, dass die Privatsphäre der betroffenen Personen gewährleistet war. Wie Albus' Familie in den Besitz des Spiegels gelangt war, wusste er nicht mehr. Dumbledore betrat den kleinen Raum und nahm das Tuch von dem Spiegel ab. Zeig mir die besonderen Ereignisse des letzten Tages an! Mit diesen Worten, der Spiegel reagierte nur auf seine Stimme, nahm er sich einen Stuhl aus der Ecke und setzte sich vor den Spiegel.

In der Welt der Zauberer und Hexen wurde von Dumbledore behauptet er wäre so gut wie allwissend. Nur wenige wussten, das diese vermeintliche Allwissenheit sich zum Teil durch den Besitz jenes Spiegels erklären ließ. Natürlich hatte er das entsprechende Charisma, eine gute Beobachtungsgabe und ein überdurchschnittliches Einfühlungsvermögen. Auch die Tatsache, dass er ein so begabter Zauberer war hatte dazu beigetragen. Aber der Spiegel machte es ihm möglich ,Dinge zu wissen, die er sonst nie in Erfahrung gebracht hätte. Es war auch nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen, den Spiegel für eigennützige Zwecke einzusetzen., Doch er wusste, dass dieser dann sofort zerschellen würde und dafür war diese einmalige, nicht wiederherzustellende Rarität zu schade. Albus verbrachte den Abend damit die Ereignisse des Vorabends durchzusehen und den Schlüssel für Severus Verhalten zu finden.

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Mit Leckereien aus der Küche vollbeladen (trotz angewandtem Verkleinerungszaubers), erreichten die drei Gryffindor das schon festlich geschmückte Klassenzimmer, in dem bereits leise Musik zu hören war. Die Proviantmeister wurden mit lautem Hallo begrüßt und sofort umringt. 'Dumbledores Armee' hatte sich mit jedem Jahr verändert, die abgehenden Schüler waren durch neue Freunde aus allen Häusern ersetzt worden, selbst ein paar Slytherin waren jetzt mit dabei, obwohl es ihnen am Anfang nicht leicht gemacht wurde. Doch Hermione hatte überzeugend auf die anderen eingewirkt und jeder war sicher, die Schulsprecherin hatte Mittel und Wege, Verräter diesmal im Vorfeld zu enttarnen.

Als Ron einige Zeit später mit Punsch zu Harry und Hermione hinüber kam, konnten sie sich unterhalten ohne belauscht zu werden. Der Lärmpegel, er war nur nach außen mit einem schalldichten Abblockzauber versehen, war so groß, dass sie ihren eigenen Silentiumzauber aussprechen mussten, um sich zu verständigen zu können. Merkwürdig, ich habe noch nie zuvor erlebt, dass Hauselfen sich negativ über einen Zauberer oder eine Hexe äußern. Selbst bei Hermione haben sie das nicht getan, obwohl sie Angst vor ihren selbst gestrickten Sachen hatten. Was muss Snape für ein Ekel sein, um so eine Reaktion bei ihnen auszulösen! Ron konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Was mich bloß wundert ist, dass die sonst so ungepflegte, stinkende Fledermaus so pingelig ist, was ihre Unterwäsche angeht. Auch Harry grinste, er sagte allerdings kein Wort. Er konnte sich vorstellen, welches Erlebnis in Snapes Vergangenheit für diesen Tick verantwortlich war, (seine Eltern waren schließlich nicht ganz unbeteiligt daran gewesen), doch er hatte nicht vor, sein zu Unrecht erworbenes Wissen mit seinen Freunden zu teilen. Snapes Erinnerungen aus dem Denkarium waren nicht für ihn bestimmt gewesen und er schämte sich inzwischen, der Versuchung nicht widerstanden zu haben. Er hatte sich selbst geschworen, niemals etwas davon weiter zu erzählen.

Hermione hatte gedankenverloren den Zuckerrand von ihrem Glas geleckt und antwortete ohne zu überlegen: Du irrst dich, Ron. Er stinkt nicht, im Gegenteil, er riecht sehr angenehm! Kaum hatte sie das gesagt, viel ihr auf, was sie preisgegeben hatte. Sie merkte wie ihr Wangen ganz warm wurden und versuchte aufzustehen. Zwei Paar Hände hielten sie zurück und zwei Paar Augen sahen sie fragend an. Harry fand zuerst die Sprache wieder: Hier geblieben, Hermione, du möchtest uns doch bestimmt erzählen, woher du diese Information hast. Mit Oberlehrermanier und einem Funkeln in den Augen klopfte seine Hand auf den Sessel auf dem sie zuvor gesessen hatte. Ja, Snape ist dafür bekannt, einen unsichtbaren Abstandhalter zu besitzen. Wie hast du es geschafft, den zu überbrücken? Auch Ron tat so, als ginge es um eine wissenschaftliche These, die es zu überprüfen galt. Das war zuviel für die junge Frau. Mit einem Ich glaub' mir wird schlecht, riss sie sich los und rannte schnell zur Tür und verließ die Party.

Ende des Kapitels

A/N.: Ich weiß, die Aufnahme-Prüfung ist nicht detailliert beschrieben, doch ich fand sie nicht so wichtig für den Verlauf der Story. Ich hoffe, dass ihr die Geschichte trotzdem noch mögt. Bitte schreibt mir, was ihr denkt. LOL Callista