Veränderte Perspektive
von Callista Evans
Kapitel 6: Gefährlich
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.
A/N.: Sorry, dass es diesmal etwas länger gedauert hat. Wie immer geht ein herzliches Danke schön an Simone fürs Beta-Lesen. Auch meinen vielen Reviewern möchte erneut danken, dass sie mir ihre Meinung mitgeteilt haben. Dies gilt besonders denjenigen, die ich per Mail nicht erreichen konnte, da ich keine Mail-Addy gefunden habe. Bei melethveril hätte ich gerne gewusst, was sie/er mir mitteilen wollte. Da hat wohl die Review nicht richtig übertragen. Wie immer viel Spaß beim Lesen! Eure Callista
---
Am nächsten Morgen trafen Harry, Ron und Hermione auf dem Weg in die Kerker mit Susan Bones und Terry Boot zusammen, die genau wie sie, zum Unterricht für Zaubertränke wollten. Seit dem sechsten Schuljahr waren die verbliebenen Schüler dieses Fachs zu einem Kurs zusammen gelegt worden, sehr zur Erleichterung der Gryffindor. Die Zahl der Schüler dieses Unterrichtsfachs hatte sich um einiges reduziert, was wohl, unter anderem, mit dem nicht gerade freundlichen Lehrer zusammen hing. Es fehlte nicht nur Neville, sondern auch Crabbe und Goyle und einige andere nicht so Begabte, was die Anzahl der Explosionen auf ein Minimum reduzierte.
McGonagall hatte ihr Versprechen wahr gemacht, Harry zu helfen ein Auror zu werden. Sie vollbrachte das schier Unmögliche und überzeugte Snape, dieses Mal auch Schüler in seine NEWT-Klasse aufzunehmen, deren Leistungen unter seinen normalen Voraussetzungen lagen. So durfte nicht nur Hermione, sondern das gesamte Potter-Trio weiterhin unter der markanten Hakennase von Snape ihre Tränke brauen und sich unter den sarkastischen Worten des unbeliebten Lehrers winden. Doch inzwischen hatten selbst Harry und Ron eingesehen, dass er ihnen viel beibrachte. Die OWL-Prüfungen hatten es damals bewiesen. Selbst die schlechtesten Schüler waren in diesem Fach nicht durchgefallen.
Draco Malfoy war einer der Slytherins, die weiterhin am Zaubertränkeunterricht teilnahmen. Ohne seine beiden Bodyguards war der blonde, junge Mann aber viel zurückhaltender mit seinen provozierenden Bemerkungen. Allerdings sah er Hermione mit einem merkwürdig beobachtenden Blick an, so dass es sogar Susan auffiel. Sie und Hermione arbeiteten an einem Kessel zusammen und in der Zeit, die zwischen den einzelnen Arbeitsschritten lag, tauschten sich die zwei jungen Frauen flüsternd aus.
Auch Professor Snape beobachtete den jungen Mann aus seinem Haus genau. Er wollte endlich heraus bekommen, was die Todesser planten und Malfoy Junior schien der Schlüssel dazu zu sein. Gleichzeitig hatte er vor, Miss Granger für ihren Auftritt bei der Sitzung des OdP (1) einen Denkzettel zu verpassen. Fachlich war ihr nicht beizukommen, da sie sich immer korrekt an die Vorschriften hielt. Als sie aber dann mit ihrer Arbeitspartnerin zu tuscheln begann, war seine Gelegenheit gekommen.
„Miss Granger, können Sie ihre spitze Zunge nicht im Zaum halten, Sie sind hier im Unterricht und nicht bei einer Teeparty! Miss Bones, auch von Ihnen hätte ich mehr erwartet. Jeweils 15 Punkte Abzug für Gryffindor und Hufflepuff." Nach der ersten Genugtuung fiel ihm auf, wie doppeldeutig diese Bemerkung für Hermione gewesen sein musste. Um eventuell aufkommende Verlegenheit von seiner Seite zu vermeiden, drehte er sich schnell um, um nach dem nächsten Opfer Ausschau zu halten. Es war sein Lieblingsfeind. Potter.
„Mister Potter, ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, als ich sagte dreimal im Uhrzeigersinn herum rühren, nachdem Sie die Krötenaugen hinzugefügt haben. Sie können weder zuhören, noch Rezepte in der richtiger Reihenfolge abarbeiten, ich frage mich, was Sie eigentlich noch hier wollen. Noch einmal 10 Punkte Abzug für Gryffindor."
Hermione hatte die Doppeldeutigkeit der Bemerkung wohl erfasst, wusste sie aber nicht einzuordnen. Sie hatte damit gerechnet, dass er es heute darauf anlegen würde ihr Punkte abzuziehen, weil sie es gewagt hatte, ihn zu foppen. Nur gut, dass ihre beiden Freunde nicht alle Details von ihrer Begegnung mit Severus kannten, sonst hätten sie sich jetzt wohl durch erstaunte Gesichter verraten. Den Rest der Stunde blieb sie verschont, so dass sie danach sicher war, dass er diese Bemerkung unabsichtlich gemacht hatte.
---
Draco Malfoy fühlte sich unwohl in seiner Haut. Obwohl er stets nach außen eine große Klappe hatte, war er doch nur halb so mutig, wie er tat. Sein Vater wollte ihn nun bald im Kreise der Todesser aufnehmen und der Gedanke daran ließ ihn innerlich erzittern. Er hatte Zuhause immer zu hören bekommen, wie unwürdig die Schlammblüter seien und dass sie dumm wären und niemals dazu gehören sollten. Doch auf Hogwarts hatte er beobachtet, dass viele der angeblich so dummen, unwürdigen Muggelgeborenen nicht nur bessere Zauberer und Hexen, sondern auch nettere Menschen waren, als die Kinder der Reinblüter. Wäre er, Malfoy, kein Slytherin und Nachkomme eines alten Zauberergeschlechts, könnte er sich seine Freunde selber aussuchen und wäre nicht gezwungen, sich mit Idioten wie Goyle und Crabbe abzugeben. Und dann war es ihm passiert. Er hatte sich verliebt. Sie war sogar eine Reinblütige. Doch leider aus dem absolut falschen Haus. Es war Ginevra Weasley aus Gryffindor. Sie war jetzt die Freundin seines Erzfeindes. Er fühlte wie der Hass auf Potter sich vertiefte. Doch er durfte sich nichts anmerken lassen. Die Todesser wollten ihn bei der nächsten Aktion dabeihaben, als eine Art Initiation, und sein Auftrag lautete, Potter und seine Freunde genau zu beobachten und alles wichtige an seinen Vater zu berichten. Bis jetzt hatte er gezögert, von Potters neuer Liebschaft zu erzählen, wohl wissend, dass das Ginny in Gefahr bringen würde. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis er diese Information weiter geben musste. Er schob diesen unangenehmen Gedanken beiseite und ging zu Crabbe und Goyle hinüber.
---
Am Abend wartete Severus Snape im Labor auf Hermione. Der nächste Schritt ihres Projektes erforderte wieder die Anwesenheit von zwei Personen. Es war noch Zeit bis die junge Frau erscheinen würde und er grübelte vor sich hin. Er hatte sich an ihre Gegenwart gewöhnt. Er war sogar inzwischen fähig sich weitestgehend zu entspannen, obwohl sie anwesend war (oder vielleicht auch weil?). Sie hatte ihre Angewohnheit Fragen zu stellen radikal reduziert, da sie wusste, dass er es nicht mochte. Im Gegenzug hatte er sie mit Informationsmaterial versorgt, so dass nur wenige Fragen blieben. Er hatte längst gemerkt, dass sie die beste Hilfe war, die er hätte haben können. Ihr ungebrochener Optimismus und ihre unverbrauchte, intelligente Perspektive ergänzten sich ausgezeichnet mit seiner Erfahrung und seinen besonderen Fähigkeiten. Bald würde es soweit sein. Sie würden nicht mehr lange brauchen, bis das Endprodukt ihrer Forschung an Personen ausgetestet werden konnte. Das würde der schwierigste und langwierigste Prozess bei dem ganzen Projekt sein. Es wurde auch langsam Zeit. Bis zum nächsten Anschlag konnte es nicht mehr lange dauern.
Es klopfte. Pünktlich auf die Minute. Fast hätte er gelächelt. Hermione kam herein. Ein schelmisches Lächeln auf ihrem Gesicht überzeugte ihn davon, dass sie gerade an seinen Fauxpas vom Morgen gedacht hatte. Sofort begannen sie mit dem schwierigsten Teil der Arbeit. Nach einer halben Stunde fing das dunkle Mal auf seinem Arm zu schmerzen an, und er legte den Rührstab beiseite, um nicht den bereits halb fertigen Trank zu verderben.
„Ich muss sofort weg, bitte informieren Sie den Schulleiter, sobald Sie hier fertig sind!"
Ohne darüber nachzudenken, welches Ausmaß an Vertrauen er in die Schülerin setzte, verschwand er durch die gegenüberliegende Tür. Er ließ eine besorgte Hermione zurück.
Mechanisch erledigte sie die notwendigen Schritte und begab sich danach zum Eingang von Dumbledores Büro. Wie der Zufall es wollte, hatte sie schnell Glück mit dem Passwort. Dumbledores Schwäche für Muggelsüssigkeiten würde ihm noch einmal zum Verhängnis werden.
„Ah, Hermione, was führt dich zu mir?"
„Ich... es... Severus wurde zu Voldemort gerufen", stotterte sie schließlich und fragte sich gleichzeitig, was der Direktor jetzt wohl denken würde. Albus' Gesicht wurde sofort ernst. „Danke, dass du mich informiert hast. Es ist jetzt wohl besser du gehst zurück in den Gryffindor-Turm." Hermione nickte und sah den alten Zauberer dann zögernd an. „Ich hätte da eine Bitte. Könntest du mich informieren, wenn er zurück gekommen ist?"
„Du machst dir wirklich Sorgen um Severus und ich dachte, alle Schüler würden ihn hassen." Dumbledore wollte der jungen Hexe ein wenig auf den Zahn fühlen.
„Ja, ich mache mir Sorgen um Severus. Im Gegensatz zu vielen anderen Schülern weiß ich, dass er zwar ein strenger, aber auch ein sehr guter Lehrer ist. Als Doppelagent setzt er für die gute Sache ständig sein Leben aufs Spiel. Er hat zwar einen schwierigen Charakter, aber mit seiner Vergangenheit kann man ihm das nicht verdenken. Wenn er nicht gerade versucht Schüler zu quälen, kann er ganz nett sein."
Sie beendete ihren kleinen Monolog mit dem Gedanken, dass sie ein wenig zu viel preisgegeben hatte, doch da war es bereits zu spät. In Dumbledores Augen erschien wieder das allseits bekannte Zwinkern. „Ich bin froh, dass es jemanden gibt, der so positiv über ihn denkt. Severus hat es verdient, dass man ihn respektiert. Er hat die schwierigste Aufgabe von allen, vielleicht einmal abgesehen von Harry. Er hat sich allerdings nach vielen schlechten Erfahrungen so weit zurück gezogen, dass es schwer ist ihn zu erreichen. Wenn du es schaffen solltest, um so besser! Natürlich werde ich dir Bescheid geben, wenn er zurück gekehrt ist." Hermione verabschiedete sich und ging nun in ihr Zimmer, wo sie ungestört sein würde.
---
Den Rücken tief gebeugt wartete Snape darauf, dass der dunkle Lord ihn begrüßte. Erst dann durfte er sich erheben, um sich zu den anderen Todessern zu gesellen. Wie immer trugen sie alle ihre Masken. Der Meister schien noch immer schlechter Laune zu sein. „Verdammt, Todesser, haltet ihr mich eigentlich für bescheuert oder warum erfahre ich erst heute von Potters neuer Freundin? Severus, warum unterrichtest du an dieser Schule, wenn du mir nicht wenigstens berichten kannst, was dort passiert?"
„Verzeiht mir, Meister, doch ich wusste ja, dass Malfoys Sohn den Auftrag hatte, Potter und seine Freunde zu beobachten, deshalb ging ich davon aus, er habe seinen Vater und damit Euch längst in Kenntnis gesetzt." Das war Severus' Chance sich endlich einmal bei den beiden Malfoys für frühere Gemeinheiten zu revanchieren. Er hatte das Zögern des jungen Malfoys registriert und gehofft, dass dies eine Gelegenheit war, Malfoy auf den richtigen Weg zu bringen. Dieses Mal ging sein Wunsch auf Rache an Lucius in Erfüllung. Malfoy, der bisher in Voldemorts Gunst gestanden hatte, musste nicht nur den Cruciatus-Fluch ertragen, er wurde auch noch vor allen anderen gedemütigt. Snapes Laune verbesserte sich schlagartig. Leider konnte er auch heute nicht herausbekommen, was der schwarze Magier plante. Anscheinend ließ dieser ihn absichtlich im Unklaren, doch das war nichts Neues. Für seine Verhältnisse auffallend zufrieden, kam er zwei Stunden später wieder im Schloss an.
---
Hermione erwachte am nächsten Morgen und war gut gelaunt. Gestern Abend hatte sie noch Besuch von der Hauselfe Winky gehabt. Diese war vom Schulleiter beauftragt worden, Hermione die Nachricht von der Rückkehr ihres Herrn zu überbringen. Beim Frühstück bestätigte ihr ein kurzer Blickaustausch mit Snape, dass es ihm wirklich gut ging. Er nickte ihr unmerklich zu und sie lächelte zurück. Selbst die heute anstehende Prüfung in Verwandlung konnte ihrer guten Laune nichts anhaben. Nachmittags scherzte sie mit ihren Freunden herum wie schon lange nicht mehr. Ihr Pensum an Hausaufgaben erledigten die drei Freunde gemeinsam, um dann über ihr neustes Projekt in ihrem Club zu diskutieren. Am Abend fand das nächste Treffen statt und es war noch einiges zu recherchieren, wenn sie das Geplante in die Tat umsetzen wollten.
Am frühen Abend tauchte auf einmal Professor McGonagall auf und nahm Harry und Ginny mit. Der Vorwand, es handele sich um etwas, das den Unterricht beträfe, war so fadenscheinig, dass selbst der Dümmste es gemerkt hätte. Während Ron und Hermione unruhig auf den Sesseln hin und her rutschten und überlegten, was da gerade ohne sie besprochen wurde, hatten Harry und Ginny eine kleine Besprechung mit dem Oberhaupt des Ordens. Ohne Umschweife kam Dumbledore zum Thema. „Harry, ich möchte nicht um den heißen Brei herumreden. Mir ist aus zuverlässiger Quelle bekannt geworden, dass sich Voldemort sehr für deine Freundschaft mit Miss Weasley interessiert. Ich möchte deshalb, dass ihr beide sehr vorsichtig seid, was euer öffentliches Auftreten angeht. Miss Weasley, ich muss Ihnen wohl nicht erzählen, dass Sie ab sofort unter ständiger Beobachtung stehen, genauso wie Harry. Molly wird mich sonst persönlich lynchen!
Bitte sprecht außer mit Ron und Hermione zu niemandem darüber. Ich hoffe bald mehr zu erfahren.
So das war schon alles. Viel Spaß heute Abend im Club!" Mit einer Leichtigkeit, als hätte er über das Wetter gesprochen und nicht über so wichtige Dinge wie die Sicherheit der beiden Schüler, entließ der alte Zauberer die beiden Gryffindor wieder und begann ein Pergament zu entrollen, dass vor ihm auf dem Schreibtisch lag.
---
Snape war sehr froh, beim Treffen am letzten Abend so glimpflich davon gekommen zu sein. Er war mit den neuen Nachrichten sofort zu Albus gestürzt und beide hatten sich gemeinsam daran erfreut, dass Malfoy Senior endlich einen Denkzettel bekommen hatte. Die Freude hielt allerdings nicht lange vor, denn die Situation war ernst genug. Potter und Miss Weasley mussten sofort informiert werden. Severus selber würde sich um Malfoy Junior kümmern. Es hatte den Anschein als sei bei dem selben noch nicht alles verloren. Doch er musste die Sache diplomatisch angehen. Draco würde von seinem Vater einiges ertragen müssen für den Fehler, den er begangen hatte. Lucius Malfoy konnte höllisch unangenehm werden, wenn er ärgerlich war. Er machte dann selbst vor Familienmitgliedern nicht Halt. Auch Snape selber würde sich vorsehen müssen vor dem arroganten, und leider auch sehr cleveren Oberhaupt des Malfoy Clans. Doch bis zur nächsten Versammlung würde noch einige Zeit vergehen und bis jetzt hatte er noch bei jeder Auseinandersetzung mit dem blonden Zauberer die Oberhand behalten. Überrascht hatte er beim Frühstück die Besorgnis im Gesicht von Hermione gesehen, als sie zu ihm herüber sah und er konnte nicht anders als ihr zuzunicken. Etwas anderes konnte er nicht tun, es wäre aufgefallen, wenn er, der die Schüler von Gryffindor hasste, plötzlich Freundlichkeit gegenüber einem Mitglied dieses Hauses zeigte.
---
Der Raum der Wünsche war angefüllt mit lautem Stimmengewirr. Diesmal waren Harry und seine Freunde die Letzten die dort ankamen. Sie wurden lautstark begrüßt, dann verstummten alle Stimmen, weil Harry beide Hände gehoben hatte, um zu signalisieren, dass er etwas wichtiges mitzuteilen hatte.
„Wir", dabei deutete er auf eine kleinere Gruppe von Leuten, die zusammen standen, „haben uns überlegt, was ein Zauberer oder eine Hexe tun kann, wenn sein bzw. ihr Zauberstab nicht verfügbar ist.
Denkt nur an den Spruch 'Expelliarmus', der einem den Stab entwendet!
Und was passiert dann, wenn man vor einer Horde bewaffneter Gegner steht? Ist man denen hilflos ausgeliefert oder kann man auch dann sogenannte 'Wandless-Magic' oder besser Magie ohne Zauberstab anwenden?"
Hier übernahm Hermione das Wort: „Einige von uns, nämlich diejenigen, die bereits volljährig sind, konnten schon die Erfahrung von Zauberstabloser Magie machen, als uns der Apparationstest abgenommen wurde. Dazu kommt die Tatsache, dass die meisten von uns die ersten Erfahrungen mit Magie in der Zeit vor Hogwarts ohne Zauberstab bewältigt haben. Auf Grund dieser Basis wollen wir erforschen, wie viel Magie wir ohne den Zauberstab ausüben können. Dieses Projekt ist zusätzlich zum normalen Clubtreffen geplant und wir hoffen, dass sich recht viele von euch dazu melden werden. Überlegt es euch gut, und sagt uns in der nächsten Woche Bescheid!"
Kaum hatte sie ausgesprochen, so wurde es wieder laut im Saal. Alle fingen an, neue Ideen und Vorschläge zu diskutieren, keiner wollte von dem neuen Experiment ausgeschlossen sein. An den normalen Ablauf der sonstigen Übungsstunde war nicht zu denken, und deshalb gab Harry es bald auf und ließ sich auf eine Diskussion mit Blaise Zabini ein. Immer mehr Mitglieder beteiligten sich an dieser Diskussion und es wurde klar, dass sie so schnell wie möglich versuchen wollten, ein Konzept zu erstellen. Diese Arbeit wurde Hermione überlassen, da jeder wusste, dass sie darin ungeschlagen war. Der Abend war ein voller Erfolg und zufrieden verließen alle Schüler die Räumlichkeiten, um sich zu ihren unterschiedlichen Häusern zu begeben.
---
Draco Malfoy war erstaunlich freundlich gewesen, als Snape ihn am nächsten Tag traf. Der Hauslehrer hatte erwartet, dass sein Schüler zornig über ihn wäre, immerhin war Severus der Grund, warum Lucius Malfoy seinem Sohn 'das Fell über die Ohren gezogen hatte'. (Das dies geschehen war wusste er aus zuverlässiger Quelle.) Der blonde Vertrauensschüler hatte Snape in einer hausinternen Angelegenheit aufgesucht. Severus war ein zu guter Legilimentor um zu erkennen, falls jemand ihn hinterging. (Das würden höchstens Dumbledore oder Voldemort selber schaffen). Draco schien verunsichert zu sein. Er fing vorsichtig an, seinen Lehrer über seine persönliche Meinung in Bezug auf die Reinblütigkeit der Zauberer und Hexen auszufragen, wohl wissend, dass er sich auf einem schmalen Pfad bewegte. Wäre es ein anderer als Snape gewesen, hätte er die Absicht des Schülers nicht so schnell erkannt, Malfoy war nicht umsonst in Slytherin, doch der Doppelagent in Severus reagierte sofort und begann nun seinerseits den Schüler auszufragen, um herauszufinden, auf welcher Seite er stand. Allein durch seine längere Lebenserfahrung hatte Snape bessere Karten, doch der junge blonde Mann war nicht einfach zu schlagen. Nach einer Stunde musste Draco zurück in sein Haus und Severus hatte Zeit nachzudenken. Anscheinend war Malfoy Junior endlich aufgewacht und hatte angefangen für sich selbst zu denken. Es war noch abzuwarten, wie der junge Mann sich auf Grund der neuen Erkenntnis entwickeln und welche Entscheidungen er fällen würde. Aber es war ein Anfang.
---
Hermione war mit ihren Gedanken wieder einmal bei dem Ehrenprojekt. Die Fortschritte, die sie und Severus gemacht hatten, waren so gut, dass sie demnächst eine Testreihe starten konnten. Sie brauchten nur noch vertrauenswürdige Testpersonen, die bereit waren, auch eine kleine Übelkeit in Kauf zu nehmen, wenn der Trank eine zu konzentrierte Form annahm oder wenn die Kapsel sich nicht schnell genug auflöste. Sie hatte sich bereits für einige Mitschüler entschieden, war jedoch zu Recht im Zweifel, ob Snape gerade mit diesen Personen einverstanden war. Zur Not musste sie Albus bitten zu intervenieren, es ging schließlich nicht um eine Schularbeit, sondern um die Sicherheit der Schüler.
Die Haare wie so oft wirr im Gesicht hängend, stand Snape am Abend in seinen kleinen Privatlabor, um letzte Vorbereitungen für die Abschlussarbeit an dem Stärkungstrank für die Kapseln zu treffen. Seine Gedanken waren allerdings völlig woanders. Sie beschäftigten sich, wie in letzter Zeit öfter, mit Hermione Granger. Sie war erstaunlich. Er hatte sie in der ganzen Zeit, seit sie auf dieser Schule war, immer ungerecht behandelt. Stets hatte er ihre Leistung im Unterricht herabgesetzt und sie härter behandelt als viele andere. Erst jetzt, wo sie zusammen für den Orden arbeiteten, war er nicht mehr so gemein zu ihr gewesen. Zumindest nicht wenn sie alleine waren. Offiziell konnte er sie nach wie vor nicht ausstehen, denn dass wäre aufgefallen und seine Tarnung war zu wichtig. Sie war wirklich besorgt um ihn. Er hatte mitbekommen, wie Albus nach seiner Rückkehr von Voldemort seine Hauselfe Winky zu Hermione geschickt hatte, um ihr mit zuteilen, dass er in Sicherheit war. Er kannte kaum Jemanden, der sich wirklich Gedanken um sein Wohlergehen machte. Wenn man mal von Dumbledore absah.
Schon als kleiner Junge hatte er herausgefunden, dass seine Eltern sich nicht wirklich darum kümmerten, ob es ihm gut ging. Sie waren zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt. Die Ehe der beiden war arrangiert worden, wie es in den Familien der Reinblutzauberer üblich war. Leider waren Severus Eltern so unterschiedlich, dass sie gar nicht miteinander klar kamen. Als er noch zu klein war das zu verstehen, hatte er die Schuld für die Streitigkeiten meistens bei sich gesucht. Schuldbewusst hatte er sich immer weiter in sich selbst zurück gezogen. Mit zunehmendem Alter war ihm dann klar geworden, dass seine Eltern unabhängig von ihm, niemals lange ohne Streit sein konnten. Damals war er aber bereits zu sehr Eigenbrötler gewesen und konnte und wollte aus seiner Haut nicht mehr heraus. Der frühe Tod seiner Mutter war zwar sehr schmerzhaft für ihn, doch er brachte eine gewisse Ruhe in die Familienstruktur. Nicht umsonst war Severus ein leichtes Opfer für die dunkle Seite gewesen. Sein Wunsch nach Anerkennung zusammen mit seiner bereits vorhandenen Kenntnis von Flüchen und nicht zuletzt sein besonderes Talent in Zaubertränke waren seine Eintrittskarte in den Kreis um Voldemorts Gefolgsleute gewesen. Er brauchte einige Zeit bis er erkannte, auf was er sich eingelassen hatte. Es war beinahe zu spät gewesen, als er sich endlich an Dumbledore wandte, um diesem Grauen zu entfliehen. Oder fast zu entfliehen, denn wirklich frei würde er erst wieder sein, wenn der dunkle Lord endgültig gefallen war.
Mit gehobenem Kinn und einem Blick voll Kampfeslust, betrat die Schulsprecherin das kleine Labor.
„Ich habe genau die richtigen Testpersonen für unsere Versuchsreihe ausgesucht. Sie sind entweder eingeweiht oder verschwiegen genug, um kein Risiko auszulösen. Anders herum sind sie jung genug, um die Kapsel, die ja für Schüler entwickelt wird, unter recht realen Bedingungen zu testen.
Es sind Harry, Ron, Ginny und...", hier machte sie eine kurze Pause,
„... Neville!"
Die Worte waren ausgesprochen. Sie holte tief Luft und wartete gespannt auf seine Erwiderung. Snape hatte bei der Nennung der ersten Namen resigniert aufgeseufzt, vorausahnend, wen sie ausgesucht hatte. Doch als er hörte, dass er sich mit dem Schüler, der in seiner Berufslaufbahn einen neuen Negativ-Rekord aufgestellt hatte, freiwillig wieder zusammen arbeiten sollte, schüttelte er zunächst den Kopf. Hermione hatte mit Widerstand gerechnet und war darauf eingestellt.
„Meine Wahl war rein logisch, da Harry und die Weasleys bereits für den Orden arbeiten, obwohl Ginny noch kein Mitglied ist. Durch Gespräche zwischen Arthur und Albus weiß ich, dass Nevilles Großmutter die Arbeit des Ordens unterstützt. Neville hat seine Loyalität gegenüber Harry mehrfach bewiesen, also schien er mir ebenfalls eine gute Wahl zu sein."
„Reden wir über den gleichen jungen Mann oder gibt es noch einen anderen Neville als Mr. Longbottom?" Mit diesem zwar sarkastischen, aber für Snape noch harmlosen Tonfall, wollte er Hermione aus der Reserve locken. Er wollte das Projekt nicht durch die Unfähigkeit des jungen Zauberers gefährden, doch er wusste, dass die Schulsprecherin nicht ohne guten Grund diesen Schüler ausgewählt hatte. So in Gedanken, waren seine nächsten Worte nicht so kontrolliert wie sonst.
„Hermione, glauben Sie wirklich, dass Longbottom uns eine Hilfe sein kann oder wollen Sie mich einfach nur provozieren?" Erst als er ihren fragenden Gesichtsausdruck sah, wurde ihm bewusst, dass er sie, wie schon mehrfach in Gedanken, mit Vornamen angesprochen hatte.
„Ich würde mir nie erlauben Sie zu provozieren, Severus" ein leicht amüsiertes Lächeln strafte ihre Worte Lüge.
„Neville hat sich sehr verändert, besonders seit er nicht mehr gezwungen ist Unterricht in Zaubertränke zu nehmen. Selbst seine Ungeschicklichkeit hat nachgelassen und im DA-Club hat er sich als überdurchschnittlich gutes Mitglied herausgestellt. Er ist eine optimale Testperson, denn auch ungeschickte Schüler sollen ja fähig sein mit Hilfe der Kapseln zu überleben!"
„Vielleicht hat er doch mehr von Frank und Alice geerbt, als ich dachte", murmelte der Zauberer vor sich hin. Natürlich, er kannte Nevilles Eltern. Beide waren damals Mitglieder im Phönix-Orden gewesen, bevor ihr Leben von Todessern zu der Daseinsform reduziert wurde, die sie bis heute innehielten. Ein Körper ohne Geist, zu oft dem unverzeihlichen Fluch unterworfen.
Seit einiger Zeit war der jüngste Spross der Longbottom Familie fähig, über das Schicksal seiner Eltern zu reden. Hermione überlegte, ob die Bekanntschaft zwischen den Longbottoms und Snape eine Brücke schlagen könnte, zwischen dem Zaubertränkemeister und dem Schüler, der die meiste Angst vor ihm hatte. Es war ohnehin ihr 'Nebenprojekt' gewesen, Neville von seiner Furcht vor dem Lehrer zu kurieren.
„Mein Vorschlag ist, dass wir es mit den Leuten versuchen sollten. Wenn es nicht klappt, bin ich mit jedem einverstanden, den Sie mir vorschlagen!" Snape war zu sehr Slytherin, um nicht auf diesen Vorschlag einzugehen. Trotzdem war sich Hermione sicher, dass er in diesem Fall nicht versuchen würde ihr daraus einen Strick zu drehen. Sie wusste nicht, woher sie diese Gewissheit nahm, aber sie war da.
---
Draco Malfoy saß in seinem Zimmer, den Kopf voller Widersprüche. Er wollte es eigentlich nicht, aber der Druck, den sein Vater auf ihn ausübte, wurde immer größer. Er sollte sich kurz nach Ostern, zu seinem Geburtstag, dem Initiationsritual der Todesser unterziehen. Niemals gewohnt, sich etwas erkämpfen zu müssen (ein Malfoy erkaufte sich alles, was er sonst nicht bekam), fiel es ihm schwer sich gegen die Übermacht seines Erzeugers zu wehren. Circe sei Dank, hatte er noch Zeit, bevor es Ernst wurde. Bis dahin würde er so tun, als sei er nur zu gerne bereit, seinem Vater zu folgen. Nach seinem Fehltritt gab er jede gewünschte Information an Lucius weiter, ohne zu ahnen, was der dunkle Lord zu tun plante.
---
Nach der ruhigen Zeit zum Jahreswechsel war es wie ein kaltes Erwachen, als auf einmal wieder Nachrichten vom plötzlichen, unerklärlichen Tod einer Reihe von Muggeln und Mitgliedern aus nicht reinrassigen Familien in den Zeitungen erschienen. Ganz Hogwarts war starr vor Schock, als Lucindia Aberknoth, eine muggelgeborene Fünftklässlerin aus Ravenclaw eines Morgens per Eulenpost erfuhr, dass ihre Eltern bei einem Überfall auf ihr Haus ums Leben gekommen waren. Die im Tagespropheten veröffentlichten Bilder bestätigten die Annahme, dass die Todesser ihre Hände im Spiel gehabt hatten. Das dunkle Mal war deutlich zu erkennen. Lucindia verfiel in hysterischen Schluchzen und wurde von Professor Flitwick und ihren Freund Dennis Creevey zur Krankenstation gebracht, wo Madame Pomfrey sie mit einem Zaubertrank ruhig stellen musste.
Eine allgemeine Unruhe war mit einem Mal im ganzen Schloss zu spüren. Hermione Granger bangte um das Wohl ihrer Eltern. Obwohl Arthur Weasley und Remus Lupin sofort reagierten und sich mit den Grangers in Verbindung setzten, um diverse Schutzzauber zu aktivieren, konnte das die junge Hexe nicht beruhigen. Sie was sich immer bewusst gewesen, dass sie durch ihre Freundschaft zu Harry besonders gefährdet war, doch dass dies auch ihre Eltern betreffen könnte und würde, hatte sie nicht erwartet. Erst als Albus persönlich einen dem Fidelius ähnlichen Zauber auf das Haus der Granger aussprach, war sie zufrieden. So schien es zumindest.
Die Testreihe der Stärkungskapsel ging gut voran und sollte Hermione unter normalen Umständen von ihren Sorgen ablenken, doch die sonst so akribisch genaue Schülerin war nicht immer so aufmerksam wie früher, so dass sie einige Fehler machte. Severus beobachtete sie sorgfältig. Ihr Verhalten gefiel ihm nicht, mal abgesehen von der unprofessionellen Art, die sie auf einmal an den Tag legte. Er machte sich Sorgen um sie. (Seit wann war ihm das Wohl eines Schülers, besonders das eines Gryffindors, wichtig?) Er würde sie nach dem nächsten Treffen bitten, noch etwas länger zu bleiben, unter einem Vorwand, denn er wollte ihr seine Hilfe anbieten.
(1) OdP – Orden des Phönix
Ende des Kapitels
A/N.: Hat es euch gefallen oder war es total blöd? Bitte seid so nett und gebt mir eine kurze (oder gerne auch lange) Review, wie dieses Kapitel angekommen ist. Ihr wisst doch, Reviews sind die einzige Belohnung der ff-Autoren :-).
Für diejenigen, denen es in dieser Story nicht schnell genug voran geht, habe ich die Kurz-Geschichte 'Celebration of Life' geschrieben. Ich hoffe, dass ihr da auf eure Kosten kommt.
