Veränderte Perspektive

von Callista Evans

Kapitel 7: Erwischt

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.

A/N.: Wie immer geht ein Danke schön an meine liebe Beta-Leserin Simone. Auch meinen Reviewern möchte ich mitteilen, wie klasse ich es finde, dass ihr alle euch die Zeit für einen Kommentar genommen habt. Einzelne Danksagungen wie immer per Mail. Die Leute, die ich mangels fehlender Mail-Addy nicht erreicht habe, erwähne ich hier einmal, damit ihr nicht denkt, ich habe euch vergessen. Danke primax, Kissymouse (die Mail an dich kam zweimal zurück), Kiwi 123, Maria3261102 und Jeanne für die Review. Alle anderen sollten eine Mail von mir bekommen haben, sonst dürft ihr euch gern beschweren. Viel Spaß beim Lesen! Callista

Wieder einmal war die kleine Gruppe Gryffindors auf dem Weg zu dem unbenutzten Klassenzimmer, das sich auf halbem Weg zum Astronomieturm befand. Besondere Schutz- und Abwehrzauber verhinderten, dass andere Schüler außer den Eingeweihten diesen Raum jemals beachteten. Ginny und Harry gingen, wie meistens, Händchen haltend voraus, während sich Hermione sowohl bei Ron als auch bei Neville eingehakt hatte und so beide zu einem schnelleren Schritt zwang, als sie ihn normalerweise gehabt hätten.
„Wie gut, dass die Testreihe bald abgeschlossen ist! Hättest du mir vorher gesagt, wie oft mir dabei schlecht werden würde, hätte ich es mir noch einmal überlegt. Bist du dir auch ganz sicher, dass Snape nicht doch ein wenig an den Lösungen verändert, nur um uns leiden zu sehen? Du kannst sagen, was du willst, der Kerl genießt es, uns so zu quälen!"

„Klar, Ron, er kann wahrscheinlich seine Schadenfreude über dein grünes und mitunter schmerzverkrümmtes Gesicht kaum komplett unterdrücken. Denk mal daran, wie sehr du es damals genossen hast, als Moody bzw. Crouch Malfoy in ein Frettchen verwandelt und durch die Gegend geschleudert hatte, in unserem vierten Schuljahr. Auch wenn unser Zaubertranklehrer wenigstens den Anstand hat, es dieses Mal nach außen nicht so zu zeigen. Professor Snape kann die Gryffindors, besonders uns, nun einmal nicht sehr gut leiden und es ist logisch, wenn er sich über unsere Misslagen freut. Er würde allerdings niemals so unprofessionell sein, und eine Versuchsreihe aus diesem Grund manipulieren!"

Hermione klang sehr überzeugt. Es war nicht untypisch für sie ihren Lehrer zu verteidigen, doch die Art und Weise wie sie es tat, gab doch mehr preis, als ihr bewusst wurde. Auch war sie sich unsicher, ob die Aussage über die Gryffindors tatsächlich so korrekt war. Aber das wollte sie Ron nicht gerade unter die Nase reiben. Sonst käme der noch auf merkwürdige Rückschlüsse. Dank mangelnder Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet, fiel ihre veränderte Haltung ihren beiden Begleitern nicht weiter auf. Zum Glück war Harry zu weit weg und zu sehr mit seiner Freundin beschäftigt, um es zu hören. Die Schulsprecherin wunderte sich schon eine ganze Weile, dass die ungleiche Gruppe, die sich zusammengefunden hatte, so erfolgreich und ohne große Schwierigkeiten miteinander auskam. Für gerade diese Personen grenzte das fast schon an ein Wunder. Neville hatte am Anfang große Probleme, seine Angst gegenüber Snape zu überwinden. Doch Hermione hatte ihn überzeugen können, dass die Wichtigkeit des Projekts alle persönlichen Abneigungen in den Hintergrund stellen würde.

Auf der anderen Seite bewegte sie Snape dazu, sich zivil gegenüber ihren Freunden zu benehmen. Wie sie das fertig gebracht hatte, wusste sie selber nicht genau. Tatsache war, dass er sich so neutral verhielt, wie es ihm möglich war. Nicht, dass er freundlich war, dass hätte nicht zu seinem Naturell gepasst, doch er verbiss sich die meisten giftigen Kommentare und reduzierte seine bedrohlichen Gebaren auf ein Minimum.
Sie war ihrem Zaubertranklehrer sehr dankbar. Nicht nur aus diesem Grund. Als sie anfing, sich so große Sorgen um ihre Eltern zu machen, hatte er von sich aus das Gespräch zwischen ihnen auf dieses Thema gelenkt. Allerdings ließen seine Kommentare nur den einen Schluss zu,. er tat es deshalb, weil er die Effektivität ihrer gemeinsamen Arbeit nicht durch fehlende Konzentration seiner Assistentin ruinieren wollte. Sie meinte jedoch in seinen Augen so etwas wie Mitgefühl erkennen zu können. Nicht zuletzt sein Versprechen, im Falle eines Falles einzugreifen, oder wenigsten für Hilfe zu sorgen, wenn er von entsprechenden Plänen der anderen Seite erfuhr, beruhigten sie, zumal durch Albus' Eingreifen schon eine gewisse Sicherheit gegeben war. So war sie wieder fähig, klar zu denken und ihr normales Leben wieder aufzunehmen.

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Severus Snape war ebenfalls froh, dass die Testreihe bald ein Ende finden würde. Zum einen war er es Leid, sich mit diesen unmöglichen Gryffindors abzugeben. - Mit Ausnahme von Hermione, an die junge Hexe hatte er sich doch tatsächlich gewöhnt. (Und mehr als das, flüsterte eine innere Stimme!) Nein die Lage spitzte sich allmählich bedenklich zu. Voldemort schien ihm nicht mehr zu vertrauen, er konnte keine wirklich hilfreiche Information über zukünftige Pläne weitergeben und das, was die Auroren, im besonderen Moody und Tonks, herausbekommen hatten, verhieß nichts Gutes. Die Zahl der toten Muggelgeborenen stieg an. Er tat sein Bestes dagegen zu arbeiten. Irgendetwas Sinnvolles musste er tun. Seine alten Kontakte gaben ihm die Möglichkeit. Die schmutzige Arbeit mit den 'Schlammblütern' und ihren Eltern überließ der dunkle Lord eher den einfacheren Leuten. Doch es war eine merkwürdige Stimmung unter den Todessern. Bald, sehr bald, würde etwas passieren und die Konsequenzen würden furchtbar sein.

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In eine lautstarke Unterhaltung verstrickt, betraten die Jugendlichen den Versuchsraum. Hermione stürmte sofort zu ihren Unterlagen, um sie für die nächste Versuchsreihe zu sortieren. Ron hatte derweil Harry und dieses mal auch Ginny in eins dieser unvermeidlichen Quidditch Gespräche verwickelt. Neville stand ein wenig abseits. Er hatte sich inzwischen zwar soweit an Snapes Gegenwart gewöhnt, aber völlig wohl war ihm wohl immer noch nicht in der Gegenwart des Zaubertränkemeisters. Hermione hatte sich in den Kopf gesetzt zwischen Neville und Snape zu vermitteln, sie dazu zu bringen auf neutralen Level miteinander umzugehen. Und was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, verfolgte sie mit einer Hartnäckigkeit, die schon fast bewundernswert war. Als Anhaltspunkt diente ihr in diesem besonderen Fall die Tatsache, dass Severus Nevilles Eltern so kennen gelernt hatte, wie es dem jungen Mann niemals möglich gewesen war, bei voller geistiger Gesundheit und im Kampf gegen die dunkle Macht. Doch bei den fehlenden oder ungeübten sozialen Fähigkeiten des einen und der noch nicht ganz verschwundenen Angst des anderen, wurde selbst Hermiones Geduld auf eine harte Probe gestellt.

Trotzdem war es der ungleichen Gruppe gelungen, so gut zusammen zu arbeiten, dass sie sich nun fast am Ende einer erfolgreichen Testreihe befanden. Mit einem Grinsen im Gesicht dachte sie an all die Bemerkungen, die ihre Freunde, allen voran Ron, über den einzigen Slytherin im Bunde gemacht hatten, wenn sie auf dem Rückweg zum Turm waren. Harry hatte sich merklich zurück gehalten, wenn Ron und Ginny mit Neville über Snape hergezogen hatten. Ihre Gedanken wurden unterbrochen, von der diesmal nur leicht sarkastischen Stimme des Zaubertranklehrers:
„Können wir anfangen, oder brauchen Sie eine Extraeinladung, Miss Granger?" Mit einem unhörbaren Seufzen fing Hermione mit der vorletzten Testreihe an.

Harry Potter konnte sich nicht wie sonst auf die genaue Beschreibung der Auswirkungen der Kapsel konzentrieren. Genau wie Dumbledore und Snape wusste er, dass bald etwas passieren würde. Nur mit Mühe kritzelte er seine Empfindungen auf das Pergament vor ihm. Auch beim praktischen Teil vorher war er nicht hundert Prozent bei der Sache gewesen. Den Schmerz durch die Narbe nahm er inzwischen als fast selbstverständlich wahr, so dass es ihm nur dann auffiel, wenn dieser einmal nicht vorhanden war. Er wurde allmählich ungeduldig. Es musste etwas geschehen und da sicher war, dass er als der Junge-der-überlebte, einen Hauptteil bestreiten würde, wünschte er, es endlich hinter sich zu haben. Doch zunächst freute er sich auf das Wochenende. Es würde eine Abwechslung vom normalen Alltag auf Hogwarts bedeuten, denn es sollte ein Ausgangswochenende sein.

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Trotz des Krieges, der draußen tobte, versuchten die Lehrer auf Hogwarts einen normalen Ablauf des Schuljahres aufrecht zu erhalten. So hatten sie beschlossen, das Wochenende vor dem Valentinstag, wie jedes Jahr, zum Hogsmeade Wochenende zu erklären. Die Schüler hatten eine kleine Aufmunterung verdient und mit besonderen Sicherheitsmaßnahmen konnte man das Risiko eingehen, die Dritt- bis Siebtklässler ins Dorf zu schicken. Hogsmeade war bis zu dem Zeitpunkt unbeschadet vom Krieg geblieben, was nicht wenige dem Fakt zuschrieben, dass das Dorf im Einzugsbereich von Dumbledore lag.

Von oben aus seinem Büro beobachtete Albus Dumbledore durch eines der magischen Fenster, wie fast die gesamte Schülerschaft sich auf den Weg machte, um Einkäufe zu erledigen oder bei Madame Rosmerta, der Besitzerin des Gasthauses 'Drei Besen' ein Butterbier zu trinken. Er hatte kein gutes Gefühl dabei, doch das hieß schon lange nichts mehr. Die letzten Wochen waren nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Normalerweise war seine 'innere Stimme' ein guter Wegweiser, doch er war zu aufgewühlt, um sich darauf verlassen zu können. Zu viele Dinge gingen ihm im Kopf herum.
Seine zunehmende Sorge um Snape, der bereits von einem Misstrauen Voldemorts ihm gegenüber sprach.
Seine Angst, dass der junge Harry durch seine Freundin Ginny zu sehr abgelenkt wurde, und dem dunklen Lord so eine Blöße zeigte.
Seine Ohnmacht, nicht jeden seiner Schützlinge (bzw. ihre Angehörigen) im gleichen Maß beschützen zu können.
Und nicht zuletzt das Wissen um die Machtlosigkeit. Trotz seines Wissens und seiner magischen Fähigkeiten, war nicht er derjenige, der den letzten Kampf führen würde. Das Schicksal der magischen Welt lag in der Hand eines jungen Mannes, der gerade einmal siebzehn Jahre alt war. Mehr als diesen jungen Zauberer zu unterstützen und ihn zu lehren, was er wissen musste, im Kampf gegen seinen Feind, stand ihm, Albus Dumbledore, in diesem Fall nicht zu. Das Schicksal ließ sich nicht austricksen.

Es war voll in Hogsmeade. Das war allerdings nicht ungewöhnlich, wenn die Schüler von Hogwarts Ausgang hatten. Es hatte strenge Instruktionen gegeben, sich nur zu Gruppen von mindestens vier Personen zusammen zu tun und alles gemeinsam zu erledigen. Des Weiteren bestand die Warnung bei ungewöhnlichen Vorkommnissen sofort den Aufsicht habenden Lehrer zu informieren. Noch vor einen Jahr hätten solche Anweisungen mindestens ein halbes Dutzend Schüler dazu verleitet, sie zu übertreten. Doch der Ernst der Lage ließ selbst die leichtsinnigsten Teenager allen Instruktionen Folge leisten, so gut sie es vermochten. Zwischen den Schülergruppen befanden sich diverse Erwachsene. Es sah so aus, als ob es in Hogsmeade eine besondere Attraktion gäbe, die viele Leute anzog. Das 'Potter-Team' zog mit Ginny und Neville im Schlepptau von Laden zu Laden, um Vorräte aufzufüllen oder interessante Dinge im Fenster anzuschauen. Dabei begegneten sie diversen Mitgliedern des Ordens, die hier für die Sicherheit der Schüler zuständig waren und aufmerksam beobachteten, was auf der Straße vor sich ging. Kurz nickend grüßten die Jugendlichen Hestia Jones und eine Frau mit sehr auffälliger Frisur, wie Tonks sie gerne trug. Sie wollten keine Aufmerksamkeit auf die Erwachsenen lenken. Der Grund für ihr Hiersein war schließlich inoffiziell.

Leicht genervt, standen die jungen Frauen im Laden für Quidditch-Artikel, von denen die Jungen, um es genauer zu sagen Harry und Ron, sich nicht losreißen konnten. Na wartet ihr Zwei, dafür werden wir uns rächen, dachte Hermione bei sich und fing an, etwas in Ginnys Ohr zu flüstern. Die Rothaarige kicherte leise vor sich hin und nickte ihrer Freundin dann begeistert zu. Neville fühlte sich hin und her gerissen, denn sein Interesse für den Zauberersport hielt sich in Grenzen, aber er wollte sich auch nicht in 'Mädchenkram' hineinziehen lassen. Endlich waren auch die letzten Bedürfnisse an sportlichen Artikeln der beiden Gryffindor-Spieler abgedeckt und man konnte zum nächsten Laden weiter gehen.

Severus Snape war vom Schulleiter für heute offiziell vom Dienst freigestellt worden. Das hieß nicht, dass er seine Freizeit zur persönlichen Verfügung hatte. Allerdings war er froh, nicht im Dorf patroullieren zu müssen. Er zermarterte sich zum wiederholten Male den Kopf, wie er die Zurückhaltung des dunklen Lords ihm gegenüber zu deuten hatte. Hätte Voldemort Snapes wahre Absichten herausbekommen, würde er wohl schon nicht mehr leben. Normalerweise wurden Verräter kurzerhand beseitigt. Obwohl das Wort kurz nicht ganz zutreffend war. Mit Schaudern erinnerte sich der ehemalige Todesser an das letzte Mal als er dabei war, um an der Bestrafung eines Verräters teil zu nehmen. Er machte sich auf den Weg ins Dorf. Mit einem Unsichtbarkeitszauber geschützt, konnte er sich dort unbemerkt bewegen, ohne dass es auffiel. Trotz der Tatsache, dass der 'Meister' ihn nicht eingeweiht hatte, war er sich sicher, dass hier heute etwas Ungewöhnliches stattfinden sollte. Kurz vorher konnte er Draco Malfoy dabei beobachtet, wie dieser mit Pansy Parkinson flüsterte und ihr dabei einen Gegenstand übergab, der nach Lucius' beliebten Spielzeugen aussah, mit denen der blonde Todesser schon des öfteren Verwirrung und mehr angestiftet hatte. Er folgte dem Slytherin-Pärchen bei ihrer Einkaufstour und stellte dabei fest, dass sie versuchten, möglichst unauffällig zu sein, was sie aus demselben Grund auffällig erscheinen ließ. Doch das ging bei dem Trubel, der in Hogsmeade herrschte, unter.

Hermione und Ginny hatten die protestierenden Jungen zu einer Boutique, die vor nicht all zu langer Zeit eröffnet hatte, gezerrt. 'Nuts & Shippy' stand auf dem Ladenschild geschrieben. Die Auslagen in den Fenstern sahen sehr vielversprechend und einladend aus. Da Ginny ohnehin vorhatte, ihr Taschengeld, das sie durch ihre Mithilfe im Scherzartikel-Laden der Zwillinge aufgebessert hatte, für neue Kleidung auszugeben, war ihr Hermiones Vorschlag nur recht. Als sie das Geschäft betraten, wurden sie sogleich von einer der beiden Besitzerinnen, Miss Nuts, angesprochen und auf ihren Wunsch hin beraten. Mit einer für die zwei Hexen gar nicht so typischen Ausführlichkeit, besprachen sie mit der Dame jede Kleinigkeit an den Kleidern und Roben, die beide junge Frauen anprobierten. Da es inzwischen Nachmittag geworden war, fing es draußen bereits an zu dämmern und die beiden waren immer noch nicht fertig.
Schließlich wurde es Ron zuviel und er zog Harry mit nach draußen, wo sie warten wollten. Neville war unterdessen in einem Stuhl, der extra für zuschauende Begleiter in der Ecke stand, eingeschlafen. Was den beiden jungen Frauen ein Lächeln entlockt hatte. Hermione hatte eine neue Hose entdeckt, die sie unbedingt noch anprobieren wollte und stürmte zum erneuten Male in die Umkleidekabine. Sie war gerade dabei, die Knöpfe ihrer neuen Entdeckung zu schließen, die magische Welt kannte nämlich keinen Reißverschluss, als plötzlich ein lauter Tumult draußen auf den Straßen zu hören war.

Ron Weasley war von einem Fuß auf den anderen getreten. Er war dafür bekannt, dass es mit seiner Geduld nicht weit her war. In diesem Fall wurde sie geradezu überstrapaziert. 'Über Klamotten gackernde Weiber' waren für ihn das Allerletzte. O.K. - Nicht das allerletzte, aber ziemlich nahe daran. Nur Nachsitzen bei Filch oder erzwungene Freundlichkeit gegenüber den Malfoys könnten diese Situation noch toppen. Die Idee, dass beide Hexen dies alles in Szene setzten, um sich bei ihren Begleitern für die erlittenen Qualen der Langeweile im Quidditch-Laden zu revanchieren, kam ihm überhaupt nicht in den Sinn. Er wusste nur eins, er musste hier raus! Er rollte die Augen und gab seinem Freund zu verstehen, dass er sich nach draußen verziehen würde. Mit einem „Wir sind vor der Tür und warten dort auf euch!" waren beide durch die Tür hinaus geeilt, wo sie ihre Unterhaltung über die besten Rennbesen wieder aufnahmen. Ihr Gespräch wurde nach einigen Minuten, durch heftigen Lärm weiter hinten in der nächsten Gasse, gestört.

Draco Malfoy war sehr nervös und kribbelig. Es war das erste Mal, dass er einen Anteil an den Plänen der Todesser hatte. Er wusste darüber Bescheid, was geschehen sollte, nicht im Detail, doch genug, um sich schon jetzt unwohl in seiner Haut zu fühlen. Keiner schien auch nur den geringsten Zweifel daran zu haben, dass der Sohn von Lucius Malfoy in die Fußstapfen seines Vaters treten und bei den Todessern eine wichtige Rolle spielen würde. Keiner, außer ihm selber! Doch selbst sein inneres Zögern hatte es nicht verhindert, dass er wie schon sein ganzes Leben, genau das tat, was sein Familienoberhaupt von ihm wollte, sprich ihm befahl. Sein Gehorsam war fast schon eine automatische Reaktion, wie eine Konditionierung oder ein Reflex. Es war schwer, sich dagegen zu wehren, er fühlte sich nicht stark genug dafür. Als Konsequenz dafür stand er jetzt mit Pansy in Honeydukes und kaufte Süßigkeiten, wie jeder andere, um nicht aufzufallen. Zum Glück brauchten sie nur dann einzugreifen, falls Plan A nicht funktionierte, doch wie es aussah, lief alles wie am Schnürchen.

Euan Abercrombie, Rose Zeller und Holly Page waren sehr aufgeregt. Für die Drittklässler war es etwas ganz besonderes in Hogsmeade zu sein. Schließlich war es das erste Jahr, in dem sie 'Ausgang' hatten. Sie alberten ausgelassen herum und bemerkten nicht, dass sie sich dabei vom Rest ihrer Gruppe trennten. So waren sie ziemlich erstaunt, als plötzlich, wie aus dem Nichts mehrere dunkle Gestalten vor ihnen auftauchten. Starr vor Schreck, blieben sie stehen. Die Männer waren vermummt und aus vielen Zeitungsberichten und den Erzählungen einiger Klassenkameraden wussten sie sofort, wem sie hier gegenüber standen. Plötzlich kam hinter den Gestalten Bewegung auf. Erst jetzt bemerkten sie hinter den dunkelgekleideten Männern die wallenden Roben einiger Dementoren. Das reichte aus, um ihre eingefrorenen Lebensgeister wieder zu aktivieren.

Sie fingen an, aus Leibeskräften zu schreien. Sofort zogen sich die Männer zurück, so dass die wesenlosen Hüllen der Dementoren sich den Schülern der dritten Klasse bis auf wenige Zentimeter nähern konnten. Niemandem fiel das leise Geräusch auf, mit dem die Todesser wieder verschwanden. Nur die Dementoren waren noch dort.
Das Schreien der Schüler war weit im Dorf zu hören. Nach kürzester Zeit kamen aus allen Richtungen Leute an, die alle auf das Schreien reagiert hatten. Auch wenn viele der herbeigelaufenen Schüler Angst vor den nur aus Hüllen bestehenden Wesen hatten, so waren doch genügend Erwachsene und ältere Teenager dabei, um sich gegen die Emotionsvampire zu wehren. Schon bald waren die Dementoren von diversen Patroni verjagt worden. Nachdem sich die Aufregung wieder etwas gelegt hatte und auch die Jüngeren wieder getröstet worden waren, suchte man nach dem Grund für diesen Zusammenstoß.
Auch Harry und Ron waren dem Lärm gefolgt und standen nun mit Remus und Tonks zusammen und versuchten, sich einen Reim auf diese Angelegenheit zu machen. Dabei hatten sie völlig vergessen, dass Ginny und Hermione nun alleine mit dem schlafenden Neville in dem Bekleidungsgeschäft waren. Erst nach weiteren 10 Minuten wurde Harry plötzlich unruhig und beschloss, nach den beiden jungen Frauen zu schauen.

Snape war sich inzwischen fast sicher, dass er bei seinen beiden Slytherin-Schülern auf 'das falsche Pferd' gesetzt hatte, doch da die beiden sein einziger Anhaltspunkt waren, wollte er nicht so ohne weiteres aufgeben. Erst als er in einiger Ferne das Schreien von mehreren, wohl noch jüngeren Schülern, vernahm, beschloss er, zu schauen, was dort geschehen war. Ein Pochen an der Stelle des Unterarms, wo sonst das dunkle Mal erschien, zeigte ihm an, dass sich andere Todesser in näherem Umkreis befanden. Alarmiert hielt der Zaubertranklehrer nach Potter und seinen Freunden Ausschau, nur um festzustellen, dass dieser zusammen mit Weasley zwar anwesend war, aber weder Hermione noch Miss Weasley sich bei ihm befanden. Sein Gehirn fing an auf Hochtouren zu arbeiten. Natürlich das war der Plan seines 'Meisters' gewesen. Und allem Anschein nach hatte dieser Plan funktioniert. Zumindest der erste Teil. Severus musste nun schnell reagieren, um durch sein Eingreifen vielleicht Schlimmeres zu verhindern. Bevor er jedoch irgendetwas unternahm, galt es die anderen zu warnen und jemanden abzustellen, der dafür sorgte, dass weder Potter noch Weasley die Nerven verloren und total über reagierten.

So schnell es ihr möglich war, hatte Hermione die Knöpfe ihrer Hose geschlossen. Sie eilte aus der Kabine, in der sie sich umgekleidet hatte. Ginny und Miss Nuts waren merkwürdig still gewesen, als der Lärm draußen begonnen hatte. Als beide nicht auf ihre Frage, was denn geschehen sei und woher dieser Tumult käme, antworteten, war sie davon aus gegangen, man wäre schon hinaus geeilt, um nach dem Rechten zu sehen. Doch weder von Ginny noch von Miss Nuts war eine Spur zu sehen. Zu ihrem großen Entsetzen stand sie einem Mann gegenüber, dessen Gesicht mit einer silbernen Maske bedeckt war. Seine Haltung und sein Gebaren kamen ihr bekannt vor, doch erst als sie die leicht verzerrte Stimme hörte, war sie sich sicher.
„Da ist ja das Schlammblut, dass sich immer in Potters Nähe aufhält. Dann haben wir ja alles, was wir brauchen!" Hermione hatte die Bekanntschaft dieses arroganten Mannes schon vor ein paar Jahren gemacht und war deshalb nicht weiter erstaunt über seine rüden Worte. Er sollte ja nicht meinen, sie ließe sich so leicht von ihm einschüchtern. Der Vater von Draco Malfoy hatte schon des öfteren versucht, für Unfrieden zu sorgen, doch sie würde es ihm nicht leicht machen. Sie suchte in ihren Kleidern nach ihrem Zauberstab. Leider waren es die neuen Kleidungsstücke und das so wichtige Zauberutensil lag noch in mitten des Haufens ihrer alten Sachen.
„So leicht habe ich mir das gar nicht vorgestellt", kam es prompt von der verhüllten Gestalt und ein tiefes, gehässig klingendes Lachen erfüllte den ganzen Raum. Sie bekam noch mit, dass die Ladenbesitzerin mit blutendem Gesicht in einer Ecke lag, bevor ein geflüsterter Zauberspruch ihr das Bewusstsein raubte und sie zu Boden ging.

Snape erinnerte sich an ein Gespräch, dass Hermione mit Miss Weasley geführt hatte. Er hatte nur die Hälfte mitbekommen, als die beiden Hexen sich während eines Treffens kurz privat unterhalten hatten. Da es um typischen 'Frauenkram' ging, hatten die beiden es wohl nicht für nötig gehalten besonders leise zu reden, denn welcher Mann hört da freiwillig zu? Durch diesen glücklichen Zufall wusste er, dass beide den neuen Laden in der 'Dreischemelgasse' aufsuchen wollten. Von dort würde er seine Suche starten. Mit nicht wenig Schadenfreude, man gönnt sich ja sonst nichts, hatte er Lupin aus dem nichts heraus angesprochen. Schließlich war er ja noch immer unsichtbar. Der Lehrer gab die notwendigen Informationen und Instruktionen weiter und machte sich dann auf den Weg. Er apparierte direkt neben dem besagten Geschäft.
Gerade rechtzeitig, denn er sah Lucius Malfoy, diesen Mann erkannte er Nachts im Dunkeln unter Tausend anderen, und ein paar andere Gefolgsleute des dunklen Lords mit ihrer 'Beute' nach draußen kommen. Als er die bewusstlos Schulsprecherin erblickte, handelte er, ohne an das Risiko zu denken, in das er sich gerade hinein manövrierte. Schließlich wollte der dunkle Lord nicht, dass er bei dieser Sache dabei war, sonst wäre er eingeweiht worden. Doch darüber dachte er nicht weiter nach. Er entfernte den Unsichtbarkeitszauber und lief geradewegs auf den blonden Todesser zu, während er die silberne Maske aus einer versteckten Tasche zog.

Ende des Kapitels

A/N.: Muss ich erwähnen, dass ich ganz wild auf Reviews bin? :-) Bitte schreibt mir doch eure Meinung! Es darf auch ganz kurz sein. Danke!