Veränderte Perspektive
von Callista Evans
Kapitel Nr. 11 Möglich
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.
A/N.: Hallo liebe Leser, endlich gibt es was Neues von mir (außer den Drabbles, die mir so zwischen durch einfallen). Es tut mir Leid, dass ich so lange gebraucht habe, aber mir fehlte oft die Ruhe zum Schreiben und die Muse-Knutsch-Phasen waren meistens zu kurz. Ich hoffe, ihr mögt die Story trotzdem noch. Ich freue mich schon auf eure Reviews. Eine Runde Weihnachtskekse an alle. Vielen Dank für eure Reviews!
Ich danke Nici1807 und Simone für ihre fleißige Betaarbeit.
Ach ja, liebe Schwarzleser, ich freue mich auch über kurze Reviews, die mir einfach zeigen, dass ihr die Story lest.
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Trotz der neuen Situation waren da Pflichten, die sie erfüllen musste und so kam Hermione nicht darum herum, sich um die Abschlussarbeiten ihres Sonderprojektes zu kümmern. Die Testphase war gekürzt worden, denn es gab ja Beweise für den Erfolg der Kapsel. Doch letzte Verfeinerungen und Ausarbeitungen waren noch notwendig und die mussten sie und Sev ... Professor Snape gemeinsam vornehmen. Albus erwartete, dass sie dies möglichst schnell erledigten und so blieb kein Aufschub mehr. Um auf dem Weg zum Labor nicht ständig auf kampflustige Slytherin zu treffen, benutze sie inzwischen Seitenwege, die fast unbekannt waren und warf einen Scheinzauber über sich, der die Aufmerksamkeit von ihr ab lenkte. Die Benutzung der privaten Bibliothek des Schulleiters zeigte weitere Vorteile für die fleißige Gryffindor-Schülerin. Dort hatte sie den Zauber nämlich aufgetan.Wie schon so oft betrat die Schulsprecherin den Raum und fragte sich, ob es dem Zaubertranklehrer genau so schwer fiel wie ihr, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. So hart er sie im Unterricht behandelte, so scheinbar gleichgültig verhielt er sich hier. Fast hatte sie den Eindruck, dass sie Luft für ihn wäre. Nur wenn es sein musste, redeten sie über ihre Arbeit. Den Rest der Zeit verbrachten sie schweigend. Für sie, Hermione, bedeutete das, endlose Grübeleien über seine wahren Beweggründe, während ihre Hände mechanisch die notwendige Arbeit verrichteten. Aus den Augenwinkeln konnte sie ihn oft beobachten, wie er konzentriert und effektiv seine Handgriffe ausführte. Wenn sich in solchen Momenten ihre Augen einmal begegneten, konnte sie seinem Blick nicht lange standhalten und musste sich schnell abwenden. Dann meinte sie in seinen Augen so etwas wie Bedauern erkannt zu haben - für eine Sekunde - dann war dieser Ausdruck wieder verschwunden.
Daraufhin versuchte sie sich von ihren Emotionen zu lösen, wollte ihm zeigen, dass sie fähig war andere Prioritäten zu setzen. Doch sie merkte, dass die Gedanken immer wieder zu ihm zurückkehrten. So hatte die so friedlich wirkende Zusammenarbeit eine innere Spannung in sich, welche sich zum Glück jedoch nicht auf die Qualität derselben widerspiegelte. Heute war Hermione besonders nervös, erforderten die nun folgenden Schritte doch noch einmal vier Hände zur Durchführung. Dies wiederum bedeutete, dass sie die Nähe ihres Professors ertragen musste und Körperkontakt nicht ganz zu vermeiden war. Unter anderen Umständen wäre dies kein Problem gewesen, aber in ihrer besonderen Situation wünschte sie sich nichts mehr als eine gewisse Distanz zu ihm, allein um ruhig bleiben zu können.
Severus hatte mit einem unbehaglichen Gefühl in der Magengegend auf seine Assistentin bei diesem Projekt gewartet. Schon als Hermione den Raum betrat, bemerkte der Zaubertränkemeister ihre Anspannung und ohne dass er es verhindern konnte, übertrug sie sich auf ihn. Verdammt, Severus, das ist unprofessionell, versuchte er sich selbst zurecht zu weisen. Doch auch dieser Hinweis half ihm nicht, sich von den Emotionen frei zu machen. So tat er das, was er sonst auch gemacht hatte Er ignorierte sie, soweit es ging. Als der Zeitpunkt gekommen war, wo beide einer engeren Zusammenarbeit nicht ausweichen konnten, räusperte der Magier sich. Hermione zuckte bei dem unerwarteten Geräusch zusammen und blickte ihn zögernd an.
„Miss Granger..., Hermione". Severus' Stimme, die zuerst einen harten Klang hatte, wurde ein wenig weicher, als er ihren Vornamen aussprach. „Diese Situation ist nicht ganz einfach ... für uns beide." Ein fragender Blick aus ihren Augen bestätigte ihm, dass er sich – erneut – auf dünnes Eis begab. Dennoch war die Arbeit hier zu wichtig, als dass sie durch unkontrolliertes Verhalten aufs Spiel gesetzt werden konnte. „Das Produkt unserer Arbeit ist ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den dunklen Lord und persönliche Dinge müssen zurückstehen. Ich ... möchte, dass wir beide dies hier jetzt durchführen, als hätte es jenen 'Moment' nicht gegeben. Wir sind mitten im Krieg und brauchen alle unsere Kräfte für den Kampf. Später, wenn dies alles vorüber ist und wir mit viel Glück überlebt haben werden, werden Sie dankbar sein, dass es so verlaufen ist. Sie werden Ihren Weg machen und keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was vorher passiert ist." Severus beobachtete seine Schülerin genau. Er bemerkte, wie seine Worte sie trafen und sie sich alle Mühe gab, die Kontrolle zu bewahren. Ohne dass er es wollte, empfand er so etwas wie Stolz für sie, dass sie es schaffte, ihre Haltung zu bewahren. Schweigend deutete er auf den Arbeitsbereich, der nur darauf wartete, dass sie mit ihrer Tätigkeit anfingen. Die Schulsprecherin nickte nur und schritt als erste hinüber.
Mit einer Selbstbeherrschung, von der sie nicht wusste, dass sie sie überhaupt besaß, hatte Hermione die letzten Stunden verbracht. Nun war sie wieder in ihrem Raum angekommen und warf ihre mitgebrachten Unterlagen in die nächste Ecke. Ihre zwiespältigen Gefühle ließen sie einfach aufs Bett sinken, unfähig richtig zu reagieren. Sie wusste nicht, ob sie vor Kummer weinen oder vor Wut schreien sollte. Am liebsten hätte sie sich jemandem anvertraut und sich in seinen oder ihren Armen ausgeweint, doch das war leider nicht möglich. Der Gedanke an die verdutzten Gesichter von Harry und Ron oder selbst Ginny, ließ sie auflachen. Zuerst war es ein bitterer Ton, doch dann lachte sie weiter, bis sie gar nicht mehr aufhören konnte. Sie lachte, bis ihr Tränen aus den Augen schossen und sie zu einem Taschentuch greifen musste. Mit den Tränen löste sich auch ihre innere Anspannung. Erschöpft lehnte sie sich zurück und schlug mit der Hand auf ihr Bett, um Krummbein einzuladen, sich neben sie zu setzen. Er war nämlich durch die lauten Geräusche, die sein Frauchen produzierte, aufgewacht. Der Kater hatte sich verwundert vor sie gestellt und sie genau beobachtet. Der Schlafmangel und die Entspannung ließen Hermione kurze Zeit später einschlafen. Die Natur forderte hier einfach ihr Recht.
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Draco Malfoy hatte seine Privilegien als Vertrauensschüler in Anspruch genommen und sich mit Badeutensilien und Handtüchern in eins der Extra-Badezimmer begeben. Im Slytherin-Gemeinschaftsraum konnte man sich seit ein paar Wochen nicht mehr entspannen, geschweige denn in Ruhe nachdenken. Seine Mitschüler aus dem Schlafraum, Crabbe und Goyle, gingen ihm zurzeit so auf die Nerven, dass er froh war ihnen einmal zu entkommen. Während das heiße Wasser in die Wanne lief, starrte der blonde Schüler auf die Fluten, von denen sich Dampfschwaden bildeten, die langsam nach oben zogen. Aus Erfahrung hatte er das Gemälde an der Wand sofort abgedeckt. Es zeigte einen Wasserspeicher, der sofort zu sprechen anfing, sobald der Raum erleuchtet wurde.
Die neusten Entwicklungen hatten ihn noch nachdenklicher gestimmt, als er ohnehin schon gewesen war. Der Verrat von Severus Snape am dunklen Lord hatte seine Zweifel erneut vertieft und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Sein Professor und Hauslehrer hatte für ihn eine besondere Funktion. Wenn er auch nicht direkt ein Vorbild war, so hatte der junge Zauberer sich doch ein Stück weit an ihm orientiert. Es hatte Draco gefallen, wie der Zaubertranklehrer sich nicht in den Freundlichkeitswahn, den Dumbledore verbreitete, hineinziehen ließ, sondern weiterhin stur unausstehlich war, wenn er es für angemessen hielt.
Jetzt herauszufinden, dass der Professor ein doppeltes Spiel gespielt hatte, forderte seinen Respekt. Denn er wusste um die Gefährlichkeit der Situation, in der sich Snape befunden hatte beziehungsweise immer noch befand. Es hatte Draco nicht so sehr überrascht, wie er angenommen hatte. Denn auch er hatte ja schon im Inneren Zweifel an den Zielen von Voldemort und seinen Leuten gehabt. Seine Resignation gegenüber seinem Vater, die so einiges an Gewissensbissen gekostet hatte, erschien ihm auf einmal feige und falsch. Anderereits wollte er auch kein muggelliebender Anhänger von Dumbledore werden. Zu tief hatten sich die Moralvorstellungen seines Vaters in ihm festgesetzt. Er konnte sie nicht einfach abschütteln. Sie in Frage stellen ja, aber sich einfach so von ihnen lösen, nein das ging nicht. Hinzu kam noch die Tatsache, dass er im Falle eines Seitenwechsels auf der Seite von Potter stand. Potter, der schon zu Beginn ihrer Schulzeit sein Freundschaftsangebot abgelehnt hatte. Potter, der immer wieder in Situationen geriet, aus denen er als Held hervor ging, ohne viel dafür tun zu müssen. Potter, der jetzt mit dem Mädchen zusammen war, in welches auch Draco verliebt war. Potter, sein Todfeind! Draco schüttelte den Kopf, er wollte nicht über den Mitschüler nachdenken, das machte ihn aggressiv.
Er überlegte, dass es durchaus seine Vorteile hatte, dass Hogwarts mit neuen Sicherheitsmaßnahmen ausgerüstet worden war. Zwar war nichts Offizielles bekannt, doch die Korrespondenz zwischen den Schülern und der Außenwelt war radikal eingeschränkt worden. Eulen und andere Post zustellende Vögel kamen zurück und nur ganz wenige wohl neutrale Nachrichten erreichten die Schule. So gab es nicht besonders viele Informationen, was draußen in der Welt geschah. Zumindest nichts über die Kreise, in denen sich sein Vater bewegte. Nur die offiziellen Berichte des Tagespropheten dienten zurzeit als Informationsquelle. Für ihn bedeutete dies, dass sein Vater keine Möglichkeit mehr hatte, ihm 'Überraschungspakete' zu schicken. Mit Schaudern erinnerte er sich an die Post, die er bekommen hatte, als er die Neuigkeiten über Ginny und Potter zurückgehalten hatte. Eine ganze Woche hatte er die Schmerzen, die der so genannte 'Verhauler' - einer abartigen Variante des Heulers - ihm zugefügt hatte, ertragen müssen. Gegen die dunkle Magie halfen die einfachen Heilzauber nämlich nicht. Er wusste, er musste bald eine Entscheidung für sich treffen, doch heute wollte er einfach nur entspannen. Schnell zog er sich aus und begab sich in das heiße Wasser.
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Die nächsten Tage verbrachte Hermione mit intensivem Nachdenken. Das Gespräch mit Severus hatte ihr zwei Dinge ganz deutlich gemacht. Das Erste war die Tatsache, dass Severus sie und ihre Gefühle nicht ganz ernst zu nehmen schien. Das hatte sie zunächst wütend werden lassen, aber halbwegs objektiv betrachtet, konnte sie es nachvollziehen. In ihr reifte der Entschluss ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Doch dadurch kam sie zu Punkt zwei. Sie musste sich zuerst einmal selber mit ihren Gefühlen befassen und wissen woran sie war. Das brachte sie auf die Frage: Was empfand sie wirklich für ihren Zaubertranklehrer? Dass es da etwas zwischen ihnen gab, war nicht zu leugnen, doch wie tief gingen diese Gefühle? War es nur eine Schwärmerei, ähnlich der, die sie damals für Gilderoy Lockhart empfunden hatte? Nein, es war anders. Es war eine Emotion, die tiefer ging. War sie in Severus verliebt oder liebte sie ihn gar? Sie konnte sich diese Fragen nicht so leicht beantworten. Woher wusste sie, wie sich Liebe anfühlte? Und wenn es tatsächlich dieses Gefühl war, was erwartete sie von ihm? Wie stellte sie sich ihre Beziehung in der Zukunft vor (sollten sie überhaupt eine Zukunft haben)? Diese und ähnliche Fragen beschäftigten sie, während der Unterrichtsstunden, wenn sie aß, wenn sie lernen wollte oder mit ihren Freunden weiterforschte. Es kostete sie eine Menge Disziplin sich auf die anstehenden Projekte zu konzentrieren.
Auch Severus Snape war nicht fähig, seinen Kopf freizumachen und sich voll und ganz auf die anstehenden Vorbereitungen gegen den dunklen Lord zu konzentrieren. Obwohl er sich zum wiederholten Mal gesagt hatte, dass diese gedanklichen Abschweifungen ihn nicht weiterbrachten und nur ablenkten, konnte er sie nicht unterdrücken. Unwillkürlich schob sich das Bild von Hermione vor sein geistiges Auge und er bedauerte die Umstände, die sie in diese Situation gebracht hatten. Es ärgerte ihn, dass eine Schülerin fähig war, ihn derart abzulenken. Bisher hatte er es immer noch geschafft mit Hilfe von Verdrängung - darin war er ziemlich gut – den Fragen, die ihn ihm aufkamen, zu entweichen. Doch es wurde allmählich schwieriger. Er wollte sich nicht damit auseinandersetzen, was das genau für Gefühle waren, die er für diese junge Frau empfand. Sein Leben war auch so schon kompliziert genug. Gefühle waren nicht so wichtig. Oder waren sie es doch? Was für Gefühle waren das überhaupt und wie ging er damit um? Welche Erwartungen knüpfte er an die Emotionen? Es war Krieg und er stand auf Voldemorts Liste ganz weit oben. Das gleiche galt wahrscheinlich auch für sie, denn sie war nicht nur eine Muggelgeborene, sondern auch Potters beste Freundin. Er war Lehrer und sie seine Schülerin. Er war 20 Jahre älter als sie... Seine Gedanken fingen an sich im Kreis zu drehen.
Severus löste sich von diesen Überlegungen. Poppy hatte ihn gebeten, einige ihrer Vorräte aufzufüllen. Sicherlich eine wichtige Angelegenheit in Hinblick auf die nahe Zukunft. Dank Potters Initiative war es ihm tatsächlich gelungen, seine Schmerzen zu heilen. Der Trank, um Potters Blut bereichert, hatte die gewünschte Wirkung erzielt. Das Mal war zwar noch immer vorhanden und verblasste auch nicht mehr, aber der Schmerz war verschwunden. Es ärgerte den Magier immer noch, dass er diesen Gefallen hatte in Anspruch nehmen müssen. Doch er kam auch nicht darum herum, dem Gryffindor einen gewissen Respekt entgegen zu bringen. Was er allerdings eher widerwillig tat. Er erinnerte sich an die letzte Versammlung der OdP, bei der der junge Mann sehr deutlich gemacht hatte, was er vorhabe.
„Ich kann es nicht länger zulassen, dass dieser Mensch, wenn er noch immer einer ist, weiterhin so mit meinen Freunden und mit vielen anderen Hexen und Zauberern im Land umgeht. Es hat bereits zu viele Opfer gegeben." Für einen Moment war der ernste, entschlossene Ausdruck aus Harry Potters Gesicht gewichen und hatte die Trauer erkennen lassen, die er empfand. Er hatte wohl gerade an seinen Patenonkel gedacht. Zum ersten Mal hatte Severus nicht das Bedürfnis gehabt, eine spöttische Bemerkung über Sirius Black zu machen. Doch schnell hatte sich der junge Redner wieder gefasst, erneut den Rücken gestrafft und seine Gesichtszüge hatten sich wieder gespannt. „Ich werde ihm entgegen treten. Das ist meine Aufgabe und ich werde sie so gut wie möglich erledigen. Es muss eine Möglichkeit geben Voldemort zu stoppen und ich werde sie finden. Aber ich brauche jede Hilfe, die ich bekommen kann. Meine Freunde und ich haben angefangen, in alten Büchern nach einem Zauberspruch oder einem Hinweis zu suchen, wie der dunkle Lord vernichtet werden kann." Die Entschlossenheit und Tatkraft, die der junge Zauberer an den Tag gelegt hatte, hatte Severus als positiv empfunden und er hoffte, dass es die richtige Entscheidung war, die Potter getroffen hatte. Natürlich würden ihn alle unterstützen, so gut es ging. So konnte es ja schließlich nicht weitergehen und Severus war schon immer eher ein Mann der Tat als ein Mann des Abwartens gewesen.
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„Ich denke, es ist das Richtige, wenn wir den DA-Club einweihen. Wir wissen ja, dass wir uns auf die Leute verlassen können. Dann sollten wir jetzt weiter recherchieren, sonst lohnt es sich nicht mehr." Harry saß mit Hermione, Ron, Neville und Ginny in ihrem Studienraum. Sie hatten die Für und Wider abgewägt die Studien auf vertrauenswürdige Schulkollegen zu erweitern und es war mehr Zeit dabei vergangen, als Harry lieb war. Bisher hatte ihre Suchaktion nach einem Hinweis, einem Zauberspruch oder irgendeiner anderen Möglichkeit, etwas gegen Voldemort unternehmen zu können, keinen großen Erfolg gehabt. Obwohl die Bibliothek Dumbledores viele alte Bücher und Pergamente enthielt, deren Inhalte Hermione mehr als einmal hatten vor Begeisterung aufschreien lassen, gab es keine konkreten Berichte, die sich auf ihren speziellen Fall verwenden ließen. Auch direkte Bezüge auf Voldemort waren selten und enthielten meistens nur Informationen über den Schwarzmagier.
Damit die Arbeit nicht ganz umsonst war, kopierten sie mit einer magischen Feder sämtliche Zaubersprüche und -flüche, die sich zu Verteidigungszwecken nutzen ließen, auf ein Pergament um diese später auszuprobieren. Harry war froh, dass Ginny so langsam wieder zu sich selbst fand. Er bemerkte, dass ihre Beziehung sich verändert hatte. Nein, nicht die Beziehung, sie beide hatten sich verändert. Er hatte das Gefühl, nun sicherer zu sein, auch im Umgang mit Ginny und ihr schien es ähnlich zu gehen. Sie bemerkte seinen Blick, der auf ihr ruhte und lächelte ihn an. Ihm wurde ganz warm ums Herz bei diesem Strahlen und er erwiderte es herzlich.
Als er sich endlich von ihrem Anblick losgerissen hatte, wanderten seine Augen weiter zu Neville. Sein Freund und früherer Zimmergenosse war sehr eifrig bei der Sache. Einem inneren Impuls folgend, hatte Harry ihm von der Prophezeiung und den besonderen Zusammenhängen zwischen ihnen beiden erzählt. Der andere Gryffindor hatte die Neuigkeiten sehr gut aufgenommen. Er hatte zugegeben Erleichterung darüber zu empfinden, dass er nicht der 'Auserwählte' war. Dennoch wollte er sich aber auf jeden Fall mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Harry die Prophezeiung zu ihren Gunsten erfüllen konnte. Neville nahm die selbstauferlegte Verantwortung sehr ernst und unterstützte Harry, wo er nur konnte. Auch bei den langweiligen Recherchen war der schon lange nicht mehr mondgesichtige junge Mann mit vollem Einsatz dabei. Leider hatte sich bisher noch kein Schriftstück als nützlich genug erwiesen. Deshalb überlegte Harry, ob dies tatsächlich der richtige Weg war, den sie eingeschlagen hatten.
Hermione hatte den Blickwechsel von Harry und Ginny mitbekommen. Da sie gerade einen Übersetzungszauber für ihren neuen Text ausgesprochen hatte, blieben ihr ein paar Minuten Zeit, bis der Zauber den kompletten Schriftsatz in ihre Sprache übersetzt hatte. Es versetzte ihr einen kleinen Stich, die beiden so einig zu sehen. Zwar gönnte sie ihren Freunden ihr Liebesglück, aber dennoch wurde ihr dadurch umso deutlicher, wie einsam sie sich fühlte. Sie war sich inzwischen darüber klar geworden, dass die Gefühle für Severus ihr wichtig genug waren, um dafür zu kämpfen. Zuerst musste sie ihn davon überzeugen, dass sie nicht bereit war sich so von ihm abwimmeln zu lassen. Egal ob Krieg herrschte oder nicht, egal ob sie Lehrer und Schülerin waren, egal was die anderen sagen würden, wenn sie es später mitbekämen. Sie hatte beschlossen, dass es die Sache wert war. Und wenn Hermione Granger sich zu etwas entschlossen hatte, dann war es schwer sie davon abzubringen. Diese Entschlossenheit brachte eine gewisse Ruhe über sie.
Gerade als sie sich dem übersetzten Schriftstück widmen wollte, zog Neville sie am Arm. Vor Aufregung fast zappelnd, zeigte ihr der Mitschüler ein großes Buch mit Ledereinband, welches schon allein durch die Bewegung eine Wolke jenes eigentümlichen Geruchs verströmte, den alte Bücher meistens an sich haben. Neville deutete mit dem Finger auf einen handgeschriebenen Text, der schon ein wenig ausgeblichen war. Um die anderen nicht zu stören, flüsterte er ihr ins Ohr: „Ich glaube, ich habe da etwas entdeckt, das uns weiterhelfen könnte." Nachdem der Zauberer schon zweimal mit einem ähnlichen Aufruf die Freunde aufgeschreckt hatte, hatte er sich dieses Mal zuerst an Hermione gewandt, um sie die Sache überprüfen zu lassen. Seine Begeisterung löste bei Hermione noch keine Freude aus. Die anderen beiden Male hatten sich nämlich die herausgesuchten Stellen im Text als nicht durchführbar erwiesen, auch wenn sie auf den ersten Blick viel versprechende Ansätze zeigten. Die junge Hexe nahm das Buch an sich und vertiefte sich in das von Neville bezeichnete Kapitel des Buches.
Der Text nahm Hermione sofort gefangen. Voller Konzentration las sie die Zeilen wieder und wieder durch, um diese auf Schwachstellen zu prüfen. So etwas musste zunächst einmal abgeklärt werden. Auch kam ihr die Frage in den Sinn, warum dieser sehr nützlich erscheinende Zauber so in Vergessenheit geraten konnte, dass weder Dumbledore noch Voldemort auf die Idee gekommen waren, ihn für ihre Zwecke einzusetzen. Ganz unten, ziemlich klein geschrieben und damit leicht zu übersehen, fand sie einen Hinweis auf ihre Fragen. Natürlich musste es ein solches Hindernis geben. Doch dafür wusste jemand anderes vielleicht eine Lösung.
Hermione nickte dem ungeduldig wartenden Mitschüler mit einem aufmunternden Blick zu. Dann räusperte sie sich, um die Aufmerksamkeit der anderen zu erregen. „Harry, ich glaube das solltest du dir anschauen. Hier in diesem Buch könnte die Lösung für unser Problem liegen. Neville hat eine Textstelle entdeckt, die viel versprechend klingt!" Mit diesen Worten reichte sie den schweren Einband an den Freund weiter.
Ende des Kapitels
