Veränderte Perspektive
von Callista Evans
Kapitel Nr. 16: Schön
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Die Stories allerdings sind mein Eigentum.
A/N: Nach langer Pause geht es endlich weiter. Herzlichen Dank an meine Betalinen Simone und Mariacharly!
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Kombination aus Sedativum specialis und Veritelus interrogatis
- Specialis - entdeckt in der Zeit als DL Forschungen wollte,
entwendet von Medihexe aus St. Mungos
weiterentwickelt, aber nie eingesetzt
- Interrogatis – fast unbekannte Variation von Veritasserum, Einsatz subtiler, kann von Nichteingeweihten nicht ohne weiteres bemerkt werden
Erfolgreiche Mischung 9+1 (Ss/Vi)
Gebräu zur Inhalation geeignet
Reaktionen:
aggressive Probanden jetzt ruhig und friedlich; keine Kampfbereitschaft
subtile Befragung möglich; ergab interessante, überzeugende Antworten (Wahrheitsgehalt überprüft und bestätigt)
Severus Snape sah von seinem Notizbuch auf und legte die Feder aus der Hand. Seine Mundwickel zuckten ein wenig nach oben. Es war ein seltener Anblick: der Zaubertränkemeister mit einem solch zufriedenen Lächeln im Gesicht. Kam ein Schüler hatten diesen Ausdruck je bei ihm gesehen und auch jetzt war niemand da, der es mitbekam.
Der Zaubertränkemeister überflog das Geschriebene noch einmal schnell, während die Tinte trocknete. Dann schloss er das abgegriffene Buch sorgfältig, ergriff den Zauberstab und murmelte ein paar leise Worte. Wie aus dem Nichts erschien ein braunes Band und wand sich zweimal um das Buch, um dann gleich einem Chamäleon mit dem Einband zu verschmelzen. Von außen sah das Notizbuch genauso unscheinbar aus wie zuvor, doch es war jetzt nur noch Severus möglich, den Bann wieder zu lösen und den Inhalt zu lesen.
Trotzdem nahm der vorsichtige Magier es in die Hand und ging zu seinem Schreibtisch. Er öffnete die unterste Schublade und hob zwei genau gleich aussehende Notizbücher hoch, steckte das gerade benutzte dazwischen und richtete alles wieder so, wie es vorher gewesen war.
Severus verließ sein Quartier und begab sich in die Große Halle. Es war natürlich reiner Zufall, dass er sich an diesem Morgen neben Poppy Pomfrey setzte. Obwohl er sonst morgens jede Unterhaltung vermied, versuchte er, ein Gespräch mit ihr anzufangen.
Die Medihexe sah ihn für einen Augenblick verwundert an. „Danke, Severus, im Moment habe ich noch genügend Vorräte des Skelegro. Aber wenn es dir nichts ausmacht, könntest du mir noch einen neuen Vorrat an Heilpaste für Verbrennungen herstellen."
Im dem Moment kam Albus an ihren Platz. „Poppy, wie geht es den beiden Mädchen?", fragte er leise. Severus musste sich anstrengen, um die Unterhaltung zu verstehen.
„Ich verstehe immer noch nicht so ganz, was die beiden gemacht haben, um in so einen Zustand zu geraten. Es wäre leichter, wenn ich wissen würde, was ihren Schwächeanfall ausgelöst hat", schimpfte die Medihexe. Doch Dumbledores Gesicht zeigte eine Verschlossenheit, die Poppy resigniert aufseufzen ließ. „Beide Mädchen sind wohlauf. Es wird noch ein wenig dauern und zur Kontrolle werden sie noch bis zum Nachmittag bleiben, aber sie sind wieder genesen."
Auf dem Gesicht des Schulleiters war nun deutliche Erleichterung zu erkennen und auch Severus bemerkte, dass sich die Spannung, die sich bei Albus' Frage in ihm angesammelt hatte, langsam löste. Jetzt schmeckte ihm das Frühstück einfach besser.
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Ein heftiges Klopfen an der Tür ließ Severus Snape ein paar Stunden später aus seinen Studien aufschrecken. Er fragte sich, wer es wagen könnte, ihn in einer seiner wenigen Freistunden zu stören. Er ging zur Tür, um heraus zu finden, wer dort so gnadenlos auf das Holz einschlug.
Beinahe hätte er den Fehler begangen, die Tür einfach zu öffnen, doch sein Instinkt warnte ihn. Ein Schlenker seines Zauberstabes ließ die Oberfläche kurzfristig durchsichtig erscheinen und sein Blick erfasste Molly Weasley, deren vor Wut verzogenes Gesicht nichts Gutes verhieß. Er war einfach nicht bereit für eine dieser ‚Warum hast du nicht besser aufgepasst?'-Angriffe der Hexe, für die sie so berüchtigt war. Es reichte aus, ab und zu mitzubekommen, wie Arthur einen solchen abbekam.
„Zeit für deinen Einsatz, Winky!", rief der Zauberer leise und klatschte in die Hände. Es ging doch nichts über gut instruierte Bedienstete.
Nur wenige Sekunden später erschien die Hauselfe und begab sich zu der immer noch vibrierenden Tür. Währenddessen konnte Snape durch einen geheimen Seitenausgang flüchten.
Mit einer für seine Verhältnisse guten Laune hatte er das Mittagsessen eingenommen. Diese gelungene Flucht vor Molly spielte bestimmt eine Rolle dabei.
Dazu kam, dass sich, wie bei seinem Können nicht anders zu erwarten gewesen war, der Einsatz des neuen Zaubertrankes als großer Erfolg herausgestellt hatte. Dort, wo sich die Schüler seines Hauses bis vor kurzem noch bis ans Messer bekämpft hatten, herrschte nun eine Ruhe, wie sie schon seit Jahren nicht existiert hatte. Es hatte ihn gefordert und auch amüsiert, als er sich mit den Schülern seines Hauses auseinander gesetzt hatte, um heraus zu finden, wie es um ihre wahren Absichten bestellt war. An die Erleichterung, die er seit dem beim Frühstück erlauschten Gespräch verspürte, wollte er lieber erst gar nicht denken.
Wenn er jetzt noch von seiner Untätigkeit und seiner Ungeduld befreit werden könnte, wäre es ein guter Tag.
Doch beim Abendessen bereute er diesen Gedanken auch schon fast wieder. Als hätte sein Wunsch eine schon lang erwartete Reaktion ausgelöst, orderte ihn Albus während des Essens aus der Großen Halle. Selbst ohne genaue Kenntnis wusste der Zaubertränkemeister, dass es sich um etwas Wichtiges handeln musste.
Die Information, dass der Dunkle Lord mit seinen Truppen in der Nähe war, kam für ihn nicht überraschend. Genauso wenig schockte es ihn, dass bei ihrer spontanen Besprechung neben McGonagall auch das berüchtigte goldene Trio auftauchte und Albus dies als völlig selbstverständlich hinnahm.
Verwundert nahm er für sich zur Kenntnis, dass es auch ihn nicht mehr störte, dass diese drei dabei waren.
Wo war sein Hass auf Potter und seine nervigen Freunde geblieben? Wurde er langsam weich?
Doch die Nachricht, dass der Dunkle Lord sich im verbotenen Wald aufhielt, verdrängte bald solche müßigen Gedanken. Eine Welle von Emotionen, Angst, Erleichterung, Sorge und noch ein paar nicht näher beleuchtete Gefühle, drohten ihn zu überrollen. Doch er schob sie ganz weit weg in den hinteren Teil seines Bewusstseins. Darin hatte er gutes Training; diese Fähigkeit hatte ihm schon mehr als einmal das Leben gerettet.
Jemand anderes hatte nicht so viel Selbstbeherrschung. Er hatte Hermione, seit sie den Raum betreten hatte, beobachtet, hatte den innerlichen Kampf gesehen, den sie durchmachte. Auch wenn sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, er erkannte, wie sehr sie sich fürchtete. Severus Snape war eben ein ausgezeichneter Beobachter.
Die anderen waren schon mit Aufträgen aus dem Raum gegangen, als er zu ihr trat, um ihr Mut zuzusprechen. Leider hatte Weasley das Intermezzo mitbekommen. Bei dem Blick des Schülers verengte sich Snapes Hals. Die Mimik des Rothaarigen war eine Beleidigung.
Als Severus den Raum verließ, konnte er sich eine Bestrafung für dieses Verhalten nicht verkneifen. Auch wenn es auf einmal gar nicht mehr wichtig war, welches Haus den Pokal bekommen würde, den Gryffindor-Schüler würde der Punktabzug wurmen!
Mit schnellen Schritten begab sich der Zaubertränkemeister in die Abgeschlossenheit seiner Räume, um den versprochenen Kontakt zu Lupin und den Weasleys aufzunehmen. Er zog ein kleines Päckchen aus einer der verborgenen Taschen seines Umhangs. Das Päckchen stellte sich als ein in der Zaubererwelt beliebtes Kartenspiel heraus. Doch als der Magier mit seinem Daumen über die Außenseite strich, verwandelte sich die Seite in das Abbild eines Phönixes.
Snape blätterte die Karten auseinander. Bekannte Gesichter erschienen vor seinen Augen und rasch zog er die Blätter mit dem Abbild von Remus, Molly und Arthur hervor.
„Remus?", rief der Zauberer. Einen Moment geschah nichts, doch dann hörte er eine leise Stimme in seinem Ohr. „Severus? Bist du das?"
„Ja, es gibt Neuigkeiten …" Er wollte gerade berichten, als er von dem Werwolf unterbrochen wurde. „Ich weiß schon, Tonks hat mich bereits informiert. Bin soeben in Hogsmeade gelandet und stoße so rasch wie möglich zu euch."
Das ging ja schnell! Severus legte diese Karte weg und nahm die nächste. Aber auch hier war sein Einsatz zu spät. Auch die Weasleys wussten schon Bescheid.
Zur Weitergabe der Neuigkeiten an die Kollegen war er nicht nötig, dass würde Minerva erledigen. So blieb Snape noch Zeit, sich mit ein paar Utensilien auszustatten, die ihm später vielleicht einen Vorteil verschaffen könnten. Er machte sich auf den Weg ins Labor.
Als der Zaubertranklehrer eine halbe Stunde später auf dem Weg zum Lehrerzimmer war, um dort mit den anderen zusammen zu treffen, hörte er Stimmen im Treppenhaus. Eine ganz bestimmte, ihm vertraute Stimme hob sich deutlich unter den anderen hervor.
Ihr lauter, schriller Tonfall verriet ihm, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.
„Was wir jetzt machen sollen, Ron? Das ist doch klar. Einer von uns – das machst du am Besten – geht zu Albus und erzählt ihm von Harrys sonderbarem Verhalten. Ginny und ich werden ihm vorsichtig folgen und versuchen, ihn aufzuhalten. Er darf auf keinen Fall in den Verbotenen Wald laufen!" Das Gespräch, dem er lauschte, fand einige Etagen weiter oben statt. Es würde eine Zeit dauern, bis Hermione und Ginny es bis zum Ausgang schaffen würden.
Snape, der sich ganz in der Nähe des Hauptausgangs befand, konnte gerade noch einen Blick auf einen davon rennenden Harry Potter werfen, bevor dieser aus seinem Blickfeld verschwand.
Was fiel diesem unreifen Jungen ein? Hatte er denn gar nichts im Laufe der Jahre gelernt? In letzter Zeit hatte er doch den Eindruck vermittelt, nicht ganz der Dummkopf zu sein, für den Severus ihn immer gehalten hatte. Doch: was hatte Hermione da gesagt? Merkwürdiges Verhalten?
Egal, er, Severus Snape, musste dem Schüler nach, um ihn von dem abzuhalten, was auch immer er vorhatte.
„Potter, bleiben Sie stehen, Sie Idiot!", stieß er hervor, während er sich mit raschen, fast rennenden Schritten bemühte, den Abstand zwischen sich und dem jungen Mann zu verringern. Doch der Angesprochene reagierte nicht im Geringsten darauf.
Sie erreichten die Grenze zwischen Hogwarts und dem Verbotenen Wald. Severus hatte es geschafft, in Zauberstab-Reichweite des Jungen zu gelangen und richtete seinen Stab auf sein Ziel.
„Stup …" setzte er an - und brach im gleichen Moment auch schon wieder ab. Harry lief unterdessen unbeirrt weiter.
Snapes Kopf hob sich. Was war das für eine Musik, die er, wenn auch ganz leise, von dort hinten vernahm? Er vergaß, weshalb er ursprünglich hierher gekommen war. Er musste einfach lauschen. Die Melodie war einfach betörend. So wunderbare, ihn in seinem Inneren berührende Musik hatte er noch nie zuvor gehört.
Alles, was ihn jemals bewegt hatte, war vergessen. Es war nur noch eins wichtig für ihn. Er musste dieser Musik folgen, musste herausfinden, wo sie herkam. Er wusste nur noch eins. Er wollte, dass sie nie wieder aufhörte.
Stumm, mit völlig entspanntem, zufriedenem Gesichtsausdruck und leicht glasigen Augen, nahm er denselben Weg wie noch wenige Augenblicke zuvor Harry Potter.
Ende des Kapitels
A/N: Aufgrund nachlassender Reviews dachte ich zuerst, das Interesse an der Story sei nicht mehr da, aber meine Statistiken zeigen mir, dass ihr die Story doch mögt. Es wäre schön, wenn ihr mir schreibt, wie gut oder schlecht es euch gefällt und ob der Cliffhanger zu gemein ist ;)
