Veränderte Perspektive
von Callista Evans
Kapitel Nr. 17: Dunkel
Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen. Die Stories allerdings sind mein Eigentum.
A/N: Mit so einem Cliffie kann ich euch doch nicht so lange hängen lassen ;) Es geht also weiter. An Chrissy und Poetica auf diesem Weg herzlichen Dank für eure Reviews! Auch hier haben meine Betas Mariacharly und Simone wieder kräftig den Rotstift geschwungen, wofür ich sehr dankbar bin.
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Es kam ihr vor, als seien Stunden vergangen, als Hermione außer Atem zusammen mit Ginny am Eingangstor ankam. Im Mondlicht sah sie gerade noch, wie Severus Snape Harry in eiligem Tempo folgte. Seltsamerweise schien er nicht zu versuchen, Harry aufzuhalten, nein, es sah mehr so aus, als hätte er das gleiche Ziel wie der Freund.
„Professor Snape! Severus!", schrie Hermione so laut, dass es ihr in der Kehle wehtat. Doch genau wie Harry zuvor zeigte auch der Lehrer keine Reaktion, sondern lief einfach weiter. Panik stieg in der Schulsprecherin auf. Sie sah zu Ginny hinüber, die sie mit weit aufgerissenen Augen und leichtem Zittern in den Mundwinkeln anschaute.
Was jetzt?
Sie warf einen schnellen Blick über ihre Schulter zurück zum Schloss. Dann wandte sie sich an die Freundin. „Bis die da sind, ist es zu spät!" Ginny nickte und zog ihren Zauberstab aus der Seitentasche.
Hermione hatte ihren Stab bereits in der Hand.
Er fühlte sich immer noch ein wenig ungewohnt an. Nicht, dass sie nicht gut mit ihm arbeiten konnte, doch hatte sie sich im Laufe der letzten Jahre an das Gefühl gewöhnt, das die Gravuren im Griff ihres alten Zauberstabes an ihrer Handfläche auslöste, und dieses vertraute Gefühl fehlte ihr nun.
„Wir müssen ihnen folgen!"
„Doch was machen wir, wenn dieser fremde Zauber auch uns trifft?"
Diese Frage beschäftigte Hermione ebenfalls und sie ging im Geiste verzweifelt die vielen Zauber, die sie kannte, durch, um herauszufinden, welche Magie so eine Reaktion auslösen konnte. Automatisch hatten sich die beiden Gryffindors in Bewegung gesetzt. Sie folgten den beiden Männern in einigem Abstand. Man konnte ja nie wissen.
Sie hatten Schwierigkeiten, die Verfolgung aufzunehmen, denn es war dunkel draußen und im Wald würde es schwierig werden, überhaupt etwas zu erkennen.
Hermione wollte gerade „Lumos!" rufen, als sie an einen anderen Zauber dachte, der hier sinnvoller zu sein schien. „Der Katzenaugenzauber!", rief sie Ginny zu. Sie hatte diesen Zauber bei den Recherchen vor kurzem entdeckt und den Freunden davon erzählt. Die Freundin nickte und synchron ertönte: „Oculi felis!" Sofort veränderte sich Hermiones Perspektive. Sie brauchte einen Moment, um sich neu zu orientieren, aber dann konnte sie trotz der Dunkelheit deutlich sehen.
Sie beeilten sich, um die Männer nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Angst schnürte Hermione beinahe die Luft ab und sie keuchte bei der schnellen Gangart, die sie eingelegt hatten. Wenn Harry und sogar Snape auf so leichte Art manipuliert werden konnten – welche Chance hatten sie dann? Der Gedanke, dass der Mann, für den sie so intensive Gefühle entwickelt hatte, und einer ihrer besten Freunde geradewegs dem Todfeind in die Hände liefen, machten all ihre Versuche ruhig zu bleiben zunichte.
Jeder Gedanke drohte sich durch den Aufruhr in ihrem Inneren zu verflüchtigen und sie konnte sich kaum konzentrieren. Ihr Blick fiel erneut auf die wagen Umrisse des Mannes mit dem schwarzen Umhang, der unbeirrt weiter schritt. Sie erinnerte sich an das, was er ihr zuletzt gesagt hatte: Lass dich nicht von der Angst beherrschen! Sie nahm all ihren Mut zusammen und zwang sich, ruhig und tief durchzuatmen. Nach kurzer Zeit funktionierte ihr Gehirn wieder mit der gewohnten Effektivität.
„Es kann nicht der Imperius sein, der funktioniert nicht auf so eine Distanz. Außerdem scheint der Spruch, Fluch oder was auch immer das ist, entweder ansteckend zu sein oder bei jedem unterschiedlich schnell zu wirken. Da wir wissen, wer sich im verbotenen Wald aufhält, liegt die Frage nahe, ob Voldemort doch eine Möglichkeit gefunden hat, Harry über die Narbe zu erreichen … und Severus hat das dunkle Mal … "
Es wurde zu anstrengend gleichzeitig zu reden und so schnell zu laufen, also verstummte Hermione.
Auch wenn sie hin und wieder einen Blick zurück geworfen hatten, ob schon Hilfe aus dem Schloss unterwegs war, wurde dies jetzt sinnlos, denn sie waren bereits ein Stück in den Wald hineingelaufen und die gewaltigen Bäume verdeckten nun ihre Sicht.
Der Abstand zwischen Severus und Harry verkleinerte sich und die beiden Hexen konnten ein wenig aufholen.
Da! Es sah auf einmal so aus, als hätte sich Harry mit seinem Zaubererumhang in den Bäumen verfangen. Er drohte zu stolpern. Neben Hermione erklang ein Keuchen. Ginny griff nach dem Arm der Freundin, doch da hatte sich Harry schon wieder von den Zweigen, in die er sich verheddert hatte, befreit. Ungeduldig zog der Zauberer den Stoff zurück um seinen Körper, drehte sich um und schritt erneut seinem unbekannten Ziel entgegen.
Sie näherten sich dieser bewussten Stelle und Hermione sah plötzlich etwas schimmern.
Ginny schien es gleichfalls bemerkt zu haben denn sie schaute fragend hinüber. Flink liefen sie zu der Stelle. Aus der Nähe betrachtet, war gar nichts mehr zu erkennen, doch als Hermione mit der Hand über den Busch strich, fühlte sie einen feinen Stoff. Sie zog ihn aus dem Gestrüpp … und hielt Harrys Tarnumhang in der Hand.
Sie hatten keine Zeit, sich darüber weitere Gedanken zu machen. Während Ginny kurz und scharf einatmete, allerdings stumm blieb, stopfte die Hermione sich den magischen Überwurf einfach erst einmal unter ihren Umhang.
Dann hatten die beiden ihre Verfolgung wieder aufgenommen.
Hermione fröstelte, obwohl sie sich die ganze Zeit über in Bewegung befanden. Es schien stetig kälter zu werden und sie verdrängte den Gedanken daran, dass die Dementoren dafür zuständig sein könnten.
Sie suchte immer noch in ihrem Gedächtnis nach einem Zauber, der die Reaktionen von Harry und Snape erklären konnte, jedoch ohne fündig zu werden.
Warum gerade diese beiden und warum waren sie und Ginny nicht ebenfalls betroffen?
Ihre Grübeleien erforderten ihre ganze Aufmerksamkeit und sie achtete nicht besonders auf den Weg. Trotzdem schritten ihre Beine aus, als wüssten sie genau, wohin sie sich wenden mussten.
Als ihr das bewusst wurde, stutzte sie. Das war schon merkwürdig. Auch Ginny machte den Eindruck, als fände sie den Weg fast von allein. Sie zog Ginny am Ärmel ohne das Laufen zu unterbrechen. Ginny schaute überrascht auf und sah sie fragend an.
„Spürst du es auch? Diesen kaum wahrnehmbaren Sog, der dir anzeigt, wohin die beiden Männer laufen?"
Ginny brauchte einen Moment für die Antwort. Ihre roten Haare wippten im Takt, als sie bestätigend nickte. „Ja. Sind das die ersten Anzeichen?"
„Nein, ich denke nicht. Harry wirkte sofort wie hypnotisiert. Es muss etwas anderes sein", war Hermiones Antwort. Hoffentlich hatte ihre Stimme überzeugender geklungen als ihr in Wirklichkeit zumute war.
Hinter ihnen knackte es laut in den Zweigen. Vögel flogen in die Höhe. Es war ein Wunder, dass sie bis jetzt noch keinem Geschöpf aus dem Wald begegnet waren. Dieses Glück schien sie jedoch jetzt gerade zu verlassen.
Hermione fühlte, wie diesmal Ginny sie am Ärmel packte und tief in ein Gebüsch zog. Verdammt, sie würden Severus und Harry nicht mehr ohne weiteres folgen können, wenn dies ein gefährliches Wesen aus dem Wald oder gar ein Todesser war.
Nur kurze Zeit später starrten sie mit offenem Mund auf die Person, die die Geräusche verursacht hatte.
Es war Draco Malfoy.
Mit ihm hatte Hermione nicht gerechnet. War er hier, weil er doch eine Möglichkeit gefunden hatte, mit seinem Vater in Kontakt zu treten?
Als der Schulkollege sich fast auf ihrer Höhe befand, bemerkte sie seinen glasigen Gesichtsausdruck. Mit hochgezogenen Augenbrauen sahen sich die beiden Hexen an.
Sie setzten sich wieder in Bewegung, als der Slytherin an ihnen vorbei gelaufen war. Hermione starrte auf den Rücken des blonden Jungen. Sie konnte nicht verhindern, dass erneut eine Welle der Angst in ihr hochschlug. Wenn die Todesser nicht einmal Rücksicht auf ihre Familienmitglieder nahmen …
Die Hexe sann erneut nach einer Antwort auf ihre Fragen, nach einer Verbindung zwischen Severus, Harry und Malfoy. Alle drei waren Männer. Aber das konnte es nicht sein, oder doch? Die Hälfte der Bewohner von Hogwarts war männlich und bis jetzt sah es nicht so aus, als gäbe es einen Massenbefall. Also warum gerade diese drei … und warum war da immer noch dieses Ziehen zu spüren, so dass sie genau wusste, wohin Malfoy den beiden anderen folgte?
Malfoy – warum musste sie ausgerechnet in diesem Augenblick an sein merkwürdiges Verhalten von neulich denken? Gab es da einen Zusammenhang … etwas, das mit Ginny zu tun hatte? Ginny und Harry – und Draco. Aber wie passte Snape in dieses Bild?
Wie immer wenn Hermiones Gedanken bei Snape ankamen, schlug ihr Herz schneller. Sie zwang sich tief durchzuatmen. Da hörte sie plötzlich einen singenden Laut. Er ertönte von oben und vibrierte gleichzeitig in ihrem Inneren. Auch Ginny musste ihn wahrgenommen haben, denn sie blickten beide synchron in die Luft, in die Richtung, aus der der Laut kam. Der Schatten, der sich in dem Moment gegen das Mondlicht abhob, zeigte einen großen Vogel. Dank des Katzenaugenzaubers konnte Hermione rotgoldene Flügel erkennen.
„Fawkes! Sieh doch, Ginny! Dann kann Albus nicht weit sein."
Für den Bruchteil einer Sekunde wollte sie erleichtert aufatmen. Dumbledore, der Inbegriff von Magie und Macht in ihren Augen, war Harry und damit auch Severus zu Hilfe geeilt.
Oder war er selber ein Opfer des Zaubers geworden?
Als hätten ihre Gedanken ihn auf sie beide aufmerksam gemacht, setzte der Phönix zur Landung an. In schnellem Tempo näherte sich der Vogel ihrer Position und kurze Zeit später ließ Fawkes tatsächlich den Schulleiter auf den Boden gleiten, bevor er noch eine kleine Runde kreiste und sich schließlich auf dessen Schulter niederließ.
Albus schaute sie mit seinen leuchtend blauen Augen an. Sein Blick war so klar und konzentriert wie immer, auch wenn er besorgter denn je wirkte. In knappen Worten informierten die beiden Hexen den Magier. Ein Teil seiner Ruhe schien sich auf Hermione zu übertragen. Sie äußerte ihre Vermutungen bezüglich des Zaubers.
Der alte Zauberer blieb weiterhin gelassen.
„Wir müssen herausfinden, was das für ein Zauber ist. Der Orden und die Auroren sind auf dem Weg hierher. Bis sie hier sind, müssen wir extrem vorsichtig sein. Voldemort soll glauben, seine Falle würde funktionieren. Ihr beide dürft unter keinen Umständen gesehen werden. Auf mein Zeichen hin benutzt ihr Harrys Tarnumhang."
Sie setzten sich wieder in Bewegung. Obwohl niemand mehr zu sehen war, dem sie hätten folgen können, wusste Hermione dennoch genau, wohin sie sich wenden mussten. Das nahm ihr den letzten Zweifel an der Zufälligkeit ihrer Empfindung.
Albus ging neben ihnen her. Kurze Zeit später hielten sie vor einem dichten Gebüsch. Der Sog war stärker geworden. Plötzlich erschien in Hermiones Kopf ein Bild. Es war ein Abbild von Albus, der ihre den Befehl gab: Tarnumhang anlegen … So war es also, wenn jemand anders in den eigenen Geist eindrang.
Ohne zu zögern, zog Hermione den Umhang aus dem Gürtel und warf ihn über sich und Ginny. Dumbledore war bereits ein Stück weiter gegangen. Sie folgten ihm leise und durch den Umhang auch wesentlich langsamer. Nach ein paar Schritten hörte Hermione es plötzlich.
Eine leise, angenehm melodiöse Musik drang an ihr Ohr. Sie hatte eine fast hypnotische Wirkung, aber dennoch blieben ihre Gedanken klar.
Albus war stehen geblieben und zu Hermiones hellem Entsetzen waren seine Augen glasig, als sie sich zu ihm gesellten.
Ihr Herzschlag drohte auszusetzen. Doch da erklang tief in ihrem Inneren der Gesang des Phönixes. Sie fühlte sogleich die beruhigende Wirkung – und was noch wichtiger war, der Gesang übertönte die betörende Melodie und löste Albus aus seinem Zustand. Seine blauen Augen fokussierten sich wieder und ein schmales Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Dann sah er direkt in ihre Richtung, als könne er sie trotz des Umhangs erkennen. Er winkte ihnen dort zu bleiben, drehte sich behände herum und verschwand einen Augenblick später.
Ungeduldig schaute Hermione zu Ginny. Diese zog die Freundin mit sich und versuchte durch das dichte Gebüsch hindurch zu erkennen, was dahinter geschah. Mit Hilfe ihres Zauberstabes dehnte sie die Blätter so auseinander, dass man durch sie hindurch spähen konnte.
Sie blickte auf ein Feuer in der Nähe des Weihers. Ganz nahe am Feuer befanden sich mehrere Gestalten. Sie waren für den Gesang verantwortlich. Diese Wesen hatten die Gesichter von Frauen, aber der Rest … war der Körper eines Vogels. Das waren keine Frauen, es waren … Sirenen!
Sie sah genauer hin. Zwei von ihnen hielten etwas in ihren Krallen. Es sah aus wie … ein Zauberstab. Der Sog war jetzt noch stärker und der Stab sah vertraut aus. Das waren ihr eigener, alter Zauberstab … und der von Ginny.
Schon wollte sie Ginny ihre Entdeckung mitteilen, als der Gesang mit einem Mal anschwoll. Der typische Hall, der bei dem Sonorus-Zauber entstand, war zu hören. Hermione fluchte leise vor sich hin. Das würde sämtliche männliche Wesen der Umgebung hierher locken. Doch wie schützten sich die Todesser, von denen sie ebenfalls schon ein paar erspäht hatte? Es gab also einen Schutz. Sie forschte in ihrem Gedächtnis nach einer Möglichkeit.
Der Gesang von Sirenen – betörend für Männer im Allgemeinen, aber Frauen konnten ihm widerstehen. Hinzu kam dass Harry, Severus und Malfoy viel eher darauf reagiert hatten. Lag das an den Zauberstäben? Harry und auch Draco – da war Hermione auf einmal sicher- lag viel an Ginny und Severus …
Da setzten ihre Gedanken aus. Sie hatte sich weiter umgeschaut und was sie jetzt entdeckte, ließ ihren Atem aussetzen. Der Anblick hätte sie eigentlich nicht so überraschen sollen, doch ihr lief ein Schaudern über den Rücken. Harry und Severus waren beide gefesselt in der Mitte des Geschehens … und Voldemort beugte sich mit erhobenem Zauberstab über sie.
Ende des Kapitels
A/N: Was meint ihr zu diesem Kapitel? War der Cliffie besser? ;)
