,,..." jemand spricht

/.../ jemand denkt

~...~ Parsel

46. Kapitel Die Kunst der Zauberstabherstellung

* Begriffserklärung: Dryaden sind wunderschöne Baumnymphen. Langlebig aber nicht unsterblich. Ihr Leben ist mit einem Baum verbunden: Wenn der Baum stirbt, sterben auch sie.

Tom pov

Mit einem leisen Ploppen kamen sie in der Winkelgasse an. Hermine neben ihm schwankte kurz orientierungslos wie so oft nach dem Apparieren, doch er griff schnell nach ihrem Arm. Dankbar lächelte sie ihn an, bevor sie sich danach interessiert um blickte. Es war Samstagmorgen kurz vor halb acht, die Winkelgasse war noch fast menschenleer. Die meisten Geschäfte waren sogar noch geschlossen. Auch in Hogwarts schlief der Grossteil der Schülerschaft noch und so war es für sie ein leichtes gewesen sich über die Kammer Slytherins aus Hogwarts hinaus zu schleichen. Er zog die graue Kapuze von Hermines Umhang etwas weiter nach vorne, so dass man ihr Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Da es bereits seit gestern Abend regnete, würden sie damit weniger auffallen, als wenn sie als Schüler mitten im Schuljahr durch die Winkelgasse liefen.

Da sie volljährig waren, war es zwar nicht verboten, doch hatte er auch keine Lust auf Diskussionen. Ausserdem hatten sie entschieden den Lehrern nicht zu erzählen, dass sie neue Zauberstäbe benötigten. Die Frage nach dem Warum wäre gerade in seinem Falle etwas schwierig gewesen. Er hätte zwar behaupten können, dass sein Stab beim Überfall beschädigt worden war, da er aber offiziell Waise und von einem Spendenkonto der Schule abhängig war, waren sämtliche Ausgaben über die Schule immer ein lästiges Unterfangen. Deswegen hatten sie beschlossen, es geheim zu halten, nur ihre Freunde waren informiert. Tom würde seinen neuen Zauberstab einfach in seine magische Rüstung aufnehmen, so dass der Tausch Niemandem auffallen würde.

Daher hatte er auch nicht wie normalerweise, die Erlaubnis für den Besuch in die Winkelgasse Slughorn geholt. Der gutgläubige Mann war so leicht zu manipulieren, es wäre ein Kinderspiel gewesen, ihm eine einfache Ausrede für den Besuch in der Zauberergasse aufzutischen. Besonders wenn man dem Lehrer dazu ein paar kandierte Ananas als Mitbringsel versprach. Beim Gedanken an seinen Hauslehrer fiel ihm auch dessen seltsames Verhalten seit dem Überfall auf. Der sonst so gesellige Mann, war auch in dieser Woche nur während den Unterrichtszeiten anwesend gewesen und floh am Stundenende jedes Mal regelrecht aus dem Raum. Nicht einmal er als Schulsprecher hatte es geschafft ein Treffen mit ihm zu vereinbaren. Tom hoffte, dass der dickbäuchige Mann zumindest noch dieses Jahr durchstehen würde. Zu viele Lehrerwechsel im Jahr waren nicht gerade leicht, besonders da sie dieses Jahr ihre UTZ machten und sich solche Verzögerungen eigentlich gar nicht leisten konnten.

Eben so wenig konnten sie es sich leisten im Unterricht nicht anständig zaubern zu können und deswegen waren sie nun hier. ,,Komm." sagte er zur Braunhaarigen und zog sie an der Hand durch die Winkelgasse Richtung Nokturngasse. Es war nicht seine Begleitung, welche ihren Weg dorthin unterbrach. Sie hatte mittlerweile weniger Probleme mit der schwarzen Magie und er wusste aus ihren Erinnerungen, dass sie selbst schon in dieser Zeit alleine dort gewesen war. Die Nokturngasse war auch lange nicht so gefährlich wie zu ihrer Zeit. Er erschauerte bei der Erinnerung was mit dem Ruf der schwarzen Magie in der Zukunft noch geschehen würde. Sie war es also nicht, welche ihren Weg stoppte. Was ihn und sie überrascht auf Höhe des singenden Lollis stehen bleiben liess, war ein Summen.

Ein magisches Summen, welches immer lauter wurde. Hermine zog erschrocken ihren Zauberstab aus ihrem Halfter und er sah, dass das Geräusch von diesem verursacht wurde. Er glühte rot, schien zu vibrieren und zuckte hin und her, dann riss er sich wie von selbst aus ihrer Hand und flog die Winkelgasse hinab. In einem Funkenmeer explodierte er an der Fassade des Geschäftes von Ollivander. Es gab einen lauten Knall und die Funken stoben auseinander und tanzten über den Pflasterstein der Gasse. Dann auf einmal erstarrten sie, die Funken hingen starr eine Sekunde in der Luft, bevor sie sich wieder bewegten. Dieses Mal allerdings nun wieder zurück, auf dem selben Weg wie sie geflogen waren. So erschien wenige Augenblicke später die Explosion an der Wand erneut, doch der Stab flog daraufhin nicht zu Hermine zurück. Die Funken flogen in das Geschäft des Zauberstab Herstellers hinein und nach wenigen Sekunden lag die Gasse wieder so ruhig vor ihnen wie einen Moment zu vor. Ihr Zauberstab war weg, er hatte sich vor ihren Augen regelrecht aufgelöst.

Fassungslos sahen sie beide zu der nun leeren und unbeschädigten Wand. Versuchten zu verstehen was gerade geschehen war und warum es niemandem sonst aufgefallen war. Kein Fenster wurde aufgerissen oder Tür geöffnet um nach der Ursache des Geräusches zu sehen. ,,Was bei Merlin.." ,,Was war das?" Brach es dann gleichzeitig aus ihnen heraus. Hermine schien einen Moment zu überlegen zu Ollivander zu gehen, sie hatte den Fuss bereits erhoben, doch dann schien sie sich um zu entscheiden und sie drehte sich zu ihm zurück. ,,Komm wir gehen, ich musst ja sowieso einen neuen kaufen." Sein innerer Vampir war froh, dass sie nicht zu Ollivander sondern weg von dem seltsamen Vorfall gehen wollte und so ergriff er wieder ihre Hand und sie drehten der Winkelgasse den Rücken zu.

Sie hatten nicht ohne Grund die frühen Morgenstunde gewählt, einen neuen Zauberstab zu bekommen war eine Angelegenheit welche Zeit benötigte. Ausserdem gab es noch eine Sache, welche er Hermine darüber noch nicht gesagt hatte und er war sich sicher, dass sie nicht erfreut sein würde. Er bog zwischen Potages Kesselladen und der Apotheke Eiternder Knochen in eine kleine dunkle Gasse ein. Hermine schloss sofort zu ihm auf und er sah sie von der Seite an. Ihre Stirn trug wie so oft ihre Denkfalte. Sie liess sich auch eher von ihm leiten, als auf den Weg zu achten. Die Sache schien sie doch mehr zu beschäftigten als sie zugegeben hatte. Er konnte sich selbst ja auch keinen Reim darauf machen.

Um ihre Stimmung nach diesem seltsamen Vorfall wieder etwas zu heben, erzählte er ihr was er von seinem Dad über Gregorowitsch gehört hatte. ,,Mein Dad hat mir erzählt, dass Gregorowitsch und Ollivander früher gute Freunde waren. Bis sie in einen heftigen Streit über die korrekte Verarbeitung von Fichtenholz hatten. Der Streit war so gravierend, dass sie sich danach nicht mehr begegnen konnten ohne sich gegenseitig zu verfluchen. Greogorowitsch beschloss eines Tages, sein Geschäft vom Anfang der Nokturngasse ans andere Ende zu verlagern, damit er den Anblick des anderen nicht mehr ertragen muss." ,,Hat das nicht seinem Geschäft wahnsinnig geschadet?" ,,Sicherlich, doch das schien ihm egal gewesen zu sein. Jedoch verkauft er seine Stäbe anders als Ollivander nicht in fertiger Form. Zur Bestimmung des richtigen Stabes muss der Wesensmagiekern erwacht sein. Er hat also sowieso nie die Zauberstäbe für Schüler von Hogwarts oder anderen Schulen angefertigt."

Sie nickte gedankenverloren bei der Erklärung, bevor sie zu lange darüber nachdenken konnte beschloss er ihr noch etwas zu erzählen. Er lehnte sich verschwörerisch zu ihr hin und raunte ihr halb flüsternd ins Ohr. ,,Mein Vater allerdings behauptet, dass es sich bei dem Fichtenholz um den Baum einer Dryade* gehandelt haben soll, welche beiden etwas von ihrem Zauberstabholz abgab."

Der jungen Frau entfuhr daraufhin ein erheiterndes und schockiertes Lachen, welches ihr die Röte ins Gesicht trieb. Tom konnte das Bedürfnis sie zu Küssen nicht unterdrücken und so drückte er sie kurzerhand an die Steinmauer in der schmalen Gasse und legte seine Lippen auf die ihren. Ihr überraschtes aufkeuchen wandelte sich schnell in ein wohliges Seufzen und sie schmiegte sich noch näher an ihn heran. Es hätte wohl jetzt eine Horde Erumpent durch die Gasse galoppieren können, ohne dass er es bemerkt hatte. Da sie allerdings nicht viel Zeit hatten löste er sich widerwillig wieder von ihr. Ihre Augen hatten einen leicht abwesenden Eindruck und er konnte in ihnen das Gold ihres Wesens durch ihre Rüstung schimmern sehen. Dies und ihre geschwollenen Lippen halfen ihm nicht dabei, den Abstand zwischen ihnen wieder zu erweitern und ihren Weg fort zu setzten. Er zog ihre Kapuze, welche hinunter gerutscht war wieder nach oben, nicht ohne mit den Fingern über ihre wunderschön geröteten Wangen zu fahren. Dann ergriff er ihre Hand und zog sie aus der kleinen Seitengasse wieder auf die Nokturngasse. Die Läden waren mittlerweile alle geöffnet, doch durch den unterdessen stärkeren Regen waren immer noch nicht viele Personen unterwegs.

Durch ihre kleine Abkürzung hatten sie sich einiges an Weg gespart und so erreichten sie das Geschäft nach wenigen Augenblicken. Tom linste durch die Fensterfront des Geschäftes, ihn interessierten nicht die im Schaufenster ausgestellten Zauberstabhölzer und die dazugehörigen Polituren, ebensowenig hatte er einen Blick für die Zauberstabhalter oder Gehstöcke. Ihn interessierte nur das Innere des Geschäftes und da dieses wie erhofft leer war, traten sie schnell ein. Nach dem kalten Nieselregen von Draussen erschien das Innere des Ladens mollig warm und ein Geruch nach Holz und ätherischen Kräutern umhüllten sie. Er zog seine Kapuze vom Kopf, verhinderte jedoch, dass Hermine bei sich dasselbe tat. Sie traten aus dem Eingangsbereich heraus und während er sich auf die hohe Regalreihe hinter dem Tresen fixierte, sah Hermine sich interessiert um. Er kannte diesen Bereich zu genüge, sein Dad hatte ihn nach der Ankunft in der Menschenwelt und auch nach seiner Verwandlung hierher begleitet. Er und Gregorowitsch schienen alte Freunde zu sein.

Der Raum war anders als der Laden von Ollivander, nicht über und über mit Zauberstabschatullen vollgestopft. Es gab rechts neben dem Eingang genau eine Verkaufsvitriene wo solche ausgestellt waren. Wenn man nur die Zauberstabschattullen des Zauberstabmachers aus der Winkelgasse kannte, wurde diese Bezeichnung den langen und schmalen Schachteln nicht gerecht. Diese waren nicht aus Kartons und mit Seidenpapier gefüllt. Nein jede dieser Schatullen bestand entweder aus verschiedenen Hölzern, Knochen oder sogar Stein. Jede von ihnen war geschmückt mit aufwendigen Runen und Edelstein Mustern. Jede von ihnen wurde auf ihren Besitzer abgestimmt und verhinderten dass jemand anderes die Schatulle öffnen konnte. Für den richtigen Preis konnte noch ein weiterer nützlicher Zauber eingeflochten werden. Denn sie hatten die Fähigkeit die Zauberstäbe von überall her in der Schatulle zu beschwören. Der Zauberer musste dazu nur ein Wort flüstern und der Stab landete zurück in der Schatulle. Wie er wusste, wurden sie nicht selten benutzt um bei einem Todesfall den Zauberstab vor fremden Zugriffen zu schützen.

Links neben dem Eingangsbereich stand der mächtige Verkaufstresen aus dunklem Holz, es war fast schwarz und hatte weise Fasern darin. Es sah eher nach Stein, als nach Holz aus und Tom hatte nie nachgefragt was genau es für ein Holz war. Darauf lag ein grosses Buch, eine schlichte hellbraune Holzschatulle und eine abgenutzte Klingel. Sämtliche Wände ausser die Fensterfront des Ladens waren mit Deckenhohen Apothekerschränken aus dunklem Holz bestückt. Hunderte verschlossene Schubladen, welche jede etwas anderes darin beherbergten. Von der Decke hingen in Kunstvollen Halterungen kleinere helle Leuchtkugeln. Einzelne grüne Pflanzen sorgten dafür, dass das Geschäft trotz dem vielen dunklen Holz einladend wirkte. Tom wusste, dass es in den hinteren Räume des Laden noch einen grossen Kamin gab, welcher an das Flohnetzwerk angeschlossen war. Ausserdem einen Lagerraum und das Arbeitszimmer des Mannes, welcher gerade in dem Moment hinter dem Regal beim Tresen auftauchte.

Igor Gregorowitsch war ein grossgewachsener Kerl, er hatte langes dunkelbraunes Haar und ein schmales Gesicht. Der Dreitagebart und der leicht fleckige Mantel erschufen bei einer kurzen Musterung das Gefühl der Mann sei ein etwas dusseliger und gedankenverlorener Geselle. Doch die tief schwarzen und scharfen Augen zeigten den wachen und scharfen Verstand des Gegenübers. Man erkannte bei Gregorowitsch sein magisches Wesen sofort, denn bei seine Art der Zauberstab Herstellung war eine magische Rüstung eher hinderlich. Hermine, welche noch nie einen verwandelten Schattendämon erblickt hatte keuchte kurz leise erschrocken auf. Doch sonst regte sie sich nicht und so übernahm Tom das Gespräch.

,,Guten Tag Mister Gregorowitsch. Schön dass sie es einrichten konnten." ,,Guten Tag Tom. Ich wäre ein Narr wenn ich Ric solch einen Wunsch abschlagen würde. Nichts ist beängstigender als der Zorn eines sanften Mannes. Aber genug davon, schliesslich kamen sie nicht deswegen. Ric hatte von einem Problem mit ihrem Zauberstab erzählt. Sie verstehen, dass es selten vorkommt, dass jemand einen Zauberstab zurückbringen muss. Es ist nicht unüblich, aber selten. Nehme ich richtig an, dass die Ursache bei der hübschen jungen Frau in ihrer Begleitung ist?" ,,Scharfsinnig wie immer, sie haben Recht. Die junge Frau und ich sind die Bindung eingegangen und seitdem haben wir etwas Mühe mit unseren Zauberstäben. Da sie meine Geschichte bereits kennen und ich ob ihrer Verschwiegenheit weiss wäre meine folgende Bitte eigentlich unnötig, dennoch muss ich darauf bestehen, dass sie auch heute den Schattenschwur leisten." Während er gesprochen hatte, hatte er einen Brief aus seinem Umhang gezogen und reichte ihn Igor. Dieser hatte ihm aufgrund seiner Worte einen einen etwas verstimmten, wenn auch neugierigen Blick zugeworfen. Er nahm das Pergament in die Hand und brach das Siegel darauf.

Die Nachricht schien kurz, aber überzeugend gewesen zu sein, mit einem kurzen Schlenker seines Zauberstabes zogen sich die Vorhänge an den Schaufenstern zu, das Schild am Eingang wechselte selbständig auf Geschlossen und die verteilten Leuchtkugeln leuchteten heller um das fehlende Licht wieder auszugleichen. Tom zog seinen Umhang von den Schultern und legte ihn über den Verkaufstresen, er ergriff die angebotene Hand des Schattendämonen und liess seine Rüstung zerbersten. Sofort nahmen seine Augen die rote Farbe seines Wesens an, schwarzer Rauch drang aus seinem Ärmel und krochen über seine Hand, genau wie auch bei seinem Gegenüber. Der schwarze Rauch formte sich von ihren Händen als Spirale über den Körper des jeweils anderen. Während er von der schwarzen Magie des Schattendämonen eingewoben wurde, tat seine Magie dasselbe beim Gegenüber.

,,Igor Grigorowitsch, schwörst du bei deiner Magie und den Schatten, dass du weder meine Identität noch mein heutiges Begehr jemals jemand anderem mitteilen wirst?" ,,Bei den Schatten, ich schwöre." Die beiden schwarzen Magiestränge pulsierten um die Handflächen der beiden. ,,Schwörst Du bei deiner Magie und den Schatten, dass du weder die Identität, noch das Wesen meiner Bindungunspartnerin je vor jemand anderen preisgeben wirst?" ,Bei den Schatten, ich schwöre."Erneut pulsierten die schwarzen Stränge kurz auf. ,,Schwörst Du bei deiner Magie und den Schatten, das egal aus welchem Grund du ihr niemals weder ein Haar krümmen, noch sonst Hand an Sie anlegen wirst?" Trotz seinem verwirrten Gesichtsausdruck zögerte Igor keine Sekunde mit der Erwiderung und die schwarze Magie um sie herum pulsierte erneut, heftiger dieses Mal und dann zogen sie sich wieder zu ihren jeweiligen Meistern zurück.

,,Da die Förmlichkeiten nun erledigt sind, kann ich euch einen Tee anbieten?" Tom nickte auf Igors Frage und der Schattendämon verschwand in dem hinteren Teil des Ladens. Tom drehte sich um und streifte nun auch Hermine ihren Umhang ab und legte ihn neben seinen auf den schwarzen Tisch. Er sah etwas Unsicherheit in ihren Augen, war allerdings froh, dass sie immer noch schwieg. Als Igros mit drei Teetassen und einer Kanne zurückkehrte, musterte er Hermine zwar unauffällig, aber interessiert. Da diese immer noch ihre magische Rüstung trug wirkte sie wie ein normaler Mensch und er konnte somit den Grund für Toms Forderung nicht erkennen. ,,Nun, wollen wir dann beginnen? Sehr schön, könnte ich dann kurz den Zauberstab haben?" Wortlos reichte Tom ihn den seinen, Gregorowitsch umfasste ihn dem Zeigefinger und Daumen und hielt ihn so in beiden Händen. Er drehte ihn langsam mit seinen Fingern um sich selbst und betrachtete den Stab dabei aufmerksam.

,,Der Stab ist vollkommen in Takt. Das Eibenholz sollte leichte Veränderungen in der Magie ausgleichen können. Am Kern sollte es auch nicht liegen, die Drachenherzfasern sind zwar etwas eigensinnig, aber auch sie kommen gut mit Veränderungen klar." ,,Drachenherzfasern?" erklang Hermines verwunderte und leicht erheiterte Stimme und Tom sah sie leicht lächelnd an. /Ich sagte doch, es gibt Abweichungen zwischen dem Tom Riddle den du aus deiner Zeit kennst. Ich hatte nie eine Phönixfeder in meinem Stab./ Sagte er gedanklich zu ihr und laut ergänzte er ,,Wir hatten von Anfang an also eine Gemeinsamkeit." Sie lächelte ihn auf seine Worte hin liebevoll an und errötete leicht.

Er war nur froh, dass er sie mit der Tatsache, dass sie beide den selben Zauberstabkern besessen hatten, von ihren Gedanken über Lord Voldemort ablenken konnte. Kurz schweiften seine Gedanken zu ihrer Bindung ab und er fragte sich, welche Erinnerungen er abgesehen von Hermines ersten Besuch bei Ollivander aus ihrem Leben noch verpasst hatte und welche sie selbst aus seinem Leben wohl nicht gesehen hatte. Doch Grigorowitsch ergriff die Gelegenheit ebenso und wandte sich an Hermine. ,,Verstehe ich dies richtig, dass ihr Zauberstab auch einen Kern aus Drachenherzfasern hatte?" Sie nickte daraufhin. ,,Könnte ich diesen dann bitte kurz in Augenschein nehmen?" fuhr er fort, unruhig wechselte die junge Frau daraufhin ihr Gewicht von einem Bein auf das Andere. Tom kam ihr zur Hilfe. ,,Sie hat ihn nicht mehr."

Er überlegte kurz, entschloss sich dann jedoch den Drachen am Schwanz zu packen. ,,Als wir gerade auf dem Weg zu ihnen war, hat er plötzlich angefangen zu glühen und verpuffte in einem Funkenregen. Können Sie sich vorstellen, wie dies geschehen konnte? Wir haben beide noch nie so etwas gesehen." Der Schattendämon betrachtet sie daraufhin beide kurz nachdenklich bevor er zu einer Erklärung ansetzen. ,,So etwas kommt selten vor. Es kann geschehen, wenn ein Zauberstab sehr alt ist und keine Magie mehr in sich trägt. Manchmal überträgt er auch seine Kraft auf einem anderen Stab, wenn der Kern und das Stabholz sich ähneln. Doch normalerweise würde ein Stab seinen Meister nie verlassen, wenn dieser noch keinen neuen Stab besitzt. Ich bin mir daher nicht ganz sicher." Murmelte er weiter und war schon ganz vertieft in seinen Überlegungen, doch Tom betrachtete lieber Hermines Gesicht. Sie schien ernsthaft über das Gesagte nach zu denken und selbst zu einer möglichen Ursache gekommen zu sein. Tom würde sie zu einem späteren Zeitpunkt darauf ansprechen, nun hatten sie wirklich bereits genug Zeit verschwendet. ,,Können wir dann fortfahren?" fragte er den Schattendämon und irss diesen aus seinen Überlegungen. Er warf noch einen kurzen Blick zu der jungen Frau, bevor er sich zu Tom umwandte und ihn zur Mitte des Raumes bat.

Tom stellte sich auf den unscheinbaren Runenkreis, welcher in der Mitte des Verkaufsraumes auf dem Boden angebracht worden war. Durch das dunkle Holz und die Abnutzung des Holzes, fielen die Linien und Runenzeichen erst beim zweiten Hinsehen auf. Als er in der Mitte angehalten hatte, reichte ihm Gregorowitsch seinen Zauberstab zurück und Tom fügte sich mit einem ungesagten Schnittzauber eine kleine Wunde am Daumen zu. Er presste die Finger fest zusammen, bis drei Tropfen Blut von seiner Hand in den Kreis fielen. Die Reaktion erfolgte sofort. Er hörte Hermine überrascht Luftholen, doch er konzentrierte sich nur fasziniert auf die Runenkreis Linien, welche nun nach und nach aufleuchten. Er konnte die Magie um sich herum knistern hören, genau wie das leise Flüstern der Dunkelheit. Auch sein Vampir reagierte auf die Magie und er war sich sicher, dass er in diesem Moment wie der ausgewachsene Vampir aussah, welcher er eigentlich auch war. Wie beim letzten Mal versuchte er in den alten Runenzeichen, welche abwechselnd aufflackern und wieder erloschen zu erkennen, was der Zauberstabmacher in ihnen sah, doch es war viel zu schnell vorüber, als das er auf eine Antwort gekommen wäre.

,,Interessant, sehr interessant." Murmelte dieser auch bereits und hatte sich nun den Wänden mit den Apothekerschränken zugewandt. ,,hmm.. Mal sehen, nein ich denke nicht. Vielleicht… Oder doch eher.." hörte man ihn murmeln. Er lächelte Hermine spitzbübisch zu, erwartend, dass sich diese auf Gregorowitsch konzentrierte, doch in ihrem Blick sah er, dass sie nun erkannt hatte, dass ihr dieser Teil garantiert nicht gefallen würde und sie funkelte ihn wütend an, weil er sie nicht vorgewarnt hatte. Wenn er ihr erzählt hätte, dass ihre Wesensmagie die Art des Zauberstabes bestimmen würde und nicht sie selbst. ,,Tom, mein Junge, kommst du dann bitte?" fragte der Zauberstabmacher und er ergriff die Gelegenheit ihrem bösen Blick zu entkommen und trat auf den Verkaufstresen zu.

Darauf lagen nebeneinander vier verschiedene Zauberstabhölzer, Tom welcher die Prozedur bereits kannte fuhr mit seinen Händen über die einzelnen Hölzer ohne sie zu berühren. Als er ein leichtes Vibrieren unter seinen Fingern spürte senkte er seine Hand auf das dunkle Holz. Er war sich nicht ganz sicher was für eines es genau war, doch diese Frage wurde sogleich beantwortet. ,,Ebenholz, wie erwartet. Nun gut, dass bedeutet.." Murmelte der Zauberstabhersteller bereits wieder und drehte sich erneut zur Wand, die übriggebliebenen Holzarten schwebten von alleine in die Luft und auf die linke Wand zu, wo sie sich von selbst wieder in die richtigen Fächer einsortieren. Unterdessen öffneten sich an einer anderen Wand verschiedene Schubladen und deren Inhalt schwebte zu ihm herüber.

Er erkannte eine grosse goldbraune Feder, ein kleines silbernes Horn, wieder ein Drachenherz und das Horn eines Basilisken vor sich. Seine Hand wanderte nun auch diese Gegenstände ab, er war etwas enttäuscht, dass das Basiliskenhorn nicht sein neuer Zauberstabkern sein sollte, doch sein Mund wurde trocken als sie es bei der grossen Feder stehen blieb. Kurz flammte Angst in ihm auf, doch er nannte sich selbst einen Narren, er sah auf einem Blick, dass es keine Phönixfeder war. Dennoch war die Ähnlichkeit zu dem Zauberstab von Lord Voldemort nicht vom Zauberstab zu weisen und dies verursachte einen beissenden Geschmack in seinem Mund. Gregorowitsch, welcher seinen Unmut entweder nicht bemerkte, oder ignorierte fing nun wieder aufgeregt an vor sich hin zu murmeln. Anscheinend war das Ebenholz und die Donnervogelfeder keine alltägliche Kombination, doch er konnte dem Zauberstabmacher gerade nicht zuhören bei dessen Überlegungen. Zu sehr war er selbst gerade in Gedanken bei einem weissen Schlangengesicht und dessen kalten Lachen.

Eine kleine warme Hand riss ihn aus seinen düsteren Gedanken und er wandte sich an Hermien um. ,,Du bist nicht er." flüsterte sie leise und drückte seine Hand. Dann wurde ihr Blick stechender. ,,Warum hast du es mir nicht gesagt?" wollte sie anklagend wissen, er lächelte sie dankbar an, ob der Ablenkung und erwiderte nonchalant. ,,Du wärst nicht mitgekommen." Sie zog einen herrlichen Schmollmund und wollte gerade eine bissige Erwiderung ansetzten, als er sie unterbrach. Leise, so dass der immer noch vor sich hin murmelnde Gregorowitsch ihn nicht hören konnte raunte er ihr zu. ,,Vertrau mir, es wird nichts geschehen."

Hermine pov

"Vertrau mir, es wird nichts geschehen!" Äffte sie ihn giftig nach und verschränkte verstimmt ihre Arme vor der Brust, während sie ihn mit zusammengekniffenen Augen böse an funkelte. Tom unterdessen konnte sich nicht entscheiden, ob er sie weiter schuldbewusst ansehen, oder doch in Lachen ausbrechen sollte. Hermine Blick richtete sich nun wieder auf den Zauberstabmacher, doch dieser verharrte immer noch in derselben Position wie vorher. Als sie widerwillig ihre magische Banne gelöst hatte und ihr magisches Wesen zum Vorschein gekommen war, hatte dieser erschrocken aufgeschrien und war auf seinem Hosenboden gelandet. Dort hatte er sich seit dem nicht wegbewegt und starrte Hermine immer noch stumm und fassungslos an.

Nur sein Mund öffnete und schloss sich immer wieder wie ein Fisch auf dem Trockenen. Frustriert blies sie sich eine weisse Strähne aus dem Gesicht, welche aufgrund ihrer Magie leicht um ihr Gesicht herum schwebte. Zumindest ihre halbfreie Magie, welche um sie herum waberte, hätte dem Schattendämonen vor ihr verdeutlichen sollen, dass sie über sein Verhalten ganz und gar nicht erfreut war. Doch dieser regte sich immer noch nicht. Frustriert fuhr sie sich über ihr Gesicht und knabberte unruhig an ihrer Lippe herum. Die Reaktion aufgrund ihres Wesens verstimmte sie sehr und sie war kurz davor das Geschäft zu verlassen. Wenn es sein musste, auch ohne Zauberstab.

Als sie sich gerade dazu entschlossen hatte ihren neuen Zauberstab doch lieber bei Mister Ollivander zu kaufen, hatte sich Gregorowitsch endlich genug beruhigt, dass ihm sein unhöfliches Verhalten auffiel. ,,Verzeihung. Wie unhöflich von mir, doch ich habe noch nie eine Lichtelbe getroffen." Sagte er während er ungelenk aufstand, er klopfte sich den Schmutz von der Hose und wies ihr danach immer noch etwas unsicher wirkend den Platz im Runenkreis zu. Hermine zögerte nur einen Moment, bevor sie hinüber schritt und stellte sich an die gleiche Stelle stellte, an welcher Tom vorhin gestanden hatte. Sie atmete noch kurz auf und umgriff Toms alten Stab etwas fester, bevor sie sich mit diesem eine kleine Wunde zu fügte und auch drei Tropfen zu Boden fallen liess. Während sie mit ihren Augen den Leuchten auf dem Runen Kreis zuschaute steckte sie sich gedankenverloren den Finger in den Mund um die Blutung zu stoppen.

,,Interessant, sehr interessant… Mal sehen… hm… nein.. vielleicht.. nein.. und wie ist es mit.. hm... " Murmelte Gregorowitsch vor sich hin, während dieser noch nach den richtigen Hölzern für sie suchte reichte sie Tom seinen Stab zurück und wartete am Tresen darauf ihre Zauberstabhölzer in Augenschein zu nehmen. Vor ihr legte der Schattendämon nur drei Holzarten ab, weniger als bei Tom. Unsicher da sie es vorhin nur durch zuschauen beobachtet hatte, hob sie ihre Hand um sie darüber wandern. Sie wusste nicht genau, was sie tun sollte und die beiden hatten es ihr natürlich nicht erklärt. Doch da sie sich keine Blösse geben wollte, liess sie ihre Hand nun auch über die drei Holzstücke wandern. Bei einem relativ hellen Holz mit leicht rotem Hauch spürte sie plötzlich ein Kribbeln und griff nach dem Stück. Das Holz fühlte sich warm und irgendwie schmeichelnd in ihren Händen an. ,,Ah Erlenholz also. Nun gut.. Was nehmen wir denn da am Besten?" Hörte sie ihn halblaut murmeln, während sich die restlichen Holzstücke wie vorhin von selbst auf den Weg zu ihrem Platz machte.

Danach flogen einige Zauberstabkerne in ihre Richtung, doch bereits im Flug, erkannte sie ein schmales Fläschchen, deren Inhalt sie magisch anzog. Sie griff es aus der Luft, bevor es die Verkaufstheke berühren konnte. Als sie sich den Inhalt genauer ansah, stahl sich ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht. In der kleinen Phiole, welche in ihrer Hand leicht vibrierte, befanden sich eindeutig einige Thestralhaare. ,,Ah ich sehe schon, eine schnelle Wahl. Nun gut. Sehr ungewöhnlich, sehr ungewöhnlich. Aber nicht unmachbar. Ich denke, ich benötige für beide Stäbe Zeit bis morgen früh." Murmelte er erfreut, man sah ihm an, dass er am Liebsten sogleich mit seiner Arbeit beginnen wollte. Vorher hatte Hermine allerdings noch ein Anliegen, auch wenn sie bereits jetzt wusste, dass sie den armen Mann damit wahrscheinlich noch mehr aus der Fassung bringen würde.

,,Mister Gregorowitsch, kann man nur spezielle Thestralschwanzhaare verwenden?" Er sah sie überrascht an, bevor er sich die Frage genau überlegte. ,,Eigentlich nicht, es ist ein seltener Kern. Und nur wenige wollen so etwas überhaupt benutzten. Ich selbst habe bis zum heutigen Tag erst einmal einen Zauberstab mit diesem Kern erschaffen. Normalerweise verwendet bei Zauberstabkernen die Haare und Hörner von ausgewachsenen Tieren, da diese mehr Magie in sich tragen, es ist allerdings nicht zwingend notwendig." Überlegte er gedankenverloren, Hermine grinste und griff in ihre kleine Perlenhandtasche, welche sie wie immer bei sich trug.

Sie suchte etwas darin herum und zog ein schmales Glasröhrchen heraus. ,,Können sie dann diese Haare verwenden?" Fragte sie mit einem freundlichen Lächeln und streckte ihm das Röhrchen mit ein paar Haaren von Stupser hin. Auf den fragenden Blick erwiederte sie schulterzuckend. ,,Wenn ich schon Thestralschweifhaar verwende, dann lieber von einem Freund, der mir die Haare freiwillig gegeben hat." Ehrfürchtig starrte er daraufhin das Fläschchen an. ,,Die Magie ist bei freiwillig gegebenen Kernen um einiges höher, auch wenn es sich um ein eher junges Tier zu handeln scheint. Ich bin dennoch sicher, dass es ihnen gute Dienste leisten wird." Murmelte er ehrfürchtig, während er sprach schien er jedoch abzuschweifen und schliesslich auf ihren eigenen Haaren zu verweilen. Sie sah ein interessiertes, fast schon gieriges Glitzern durch seine Augen flackern, doch er schüttelte darauf bestimmt den Kopf.

Etwas ratlos sah sie zu Tom herüber, welcher seinerseits den Schattendämon teuflisch angrinste. ,,Das schlägst du dir besser gleich aus dem Kopf." Schnarrte er ihn tadelnd und doch bestimmt an. Gregorowitsch schreckte daraufhin auf und hob beschwichtigend die Hände. ,,Ich käme nie…" ,,Jaja schon gut, du könntest sie sowieso nicht verwenden, ohne dass du erklären müsstest wie du an die Haare gelangt bist und das würde gegen den Schwur verstossen." Drängte er ihn noch etwas mehr in die Ecke. ,,Natürlich. Verzeiht." Sagte er reumütig und lief um den Verkaufstresen herum, so dass er das massive Holz zwischen sich und seine Kunden bringen konnte. ,,Ich hatte mich kurz von meiner Neugier verleiten lassen. Der Gedanke mit solch einem magischen Haar zu experimentieren… Verzeiht mir meine unhöflichen Gedanken." Sagte er erneut fest. Tom unterdessen schwieg und legte Hermine nur besitzergreifend einen Arm um die Schulter, welche nun etwas peinlich lächelte. Ihr gefiel der Gedanke ganz und gar nicht, dass er ihr anscheinend am Liebsten ein paar ihrer eigenen Haare zum experimentieren entwendet hätte. Doch sie schwieg. Es war nicht an ihr über ihn für seine Neugierde zu urteilen und er hatte es ja auch nur gedacht und nicht versucht.

Gregorowitsch schien das Gespräch und damit ihren Besuch nun schnellst möglich beenden zu wollen. Er schien sich selbst sehr unwohl zu fühlen, seit er vorhin anscheinend eine Linie übertreten hatte, die nur die beiden Männer sahen. Sie verstand es nicht ganz. Es war doch nichts geschehen. Er hatte ja auch nicht einmal danach gefragt. /Männer/ Dachte sie schnaubend, was ihr eine gerunzelte Augenbraue von Tom einbrachte. /Hatte er sie schon wieder gehört? Sie hatte das mit der Gedankenübertragung noch immer nicht ganz raus./ Sein Grinsen war ihr Antwort genug und sie wendete den Blick wieder ab.

,,Nun sie erhalten ihre Zauberstäbe bis morgen." Lauschte sie dem Zauberstabhersteller, während er zwei schlichte Kartonschachteln vor ihnen beiden auf den Tisch legte. ,,Diese Boxen dienen nur zur Übertragung. Sie werden darin morgen ihren Stab darin finden. Sobald sie diesen herausnehmen, wird sich die Schachtel auflösen." Sprach der Schattendämon, er sah Hermine kurz an, wandte seinen Blick jedoch peinlich berührt sofort wieder ab. ,,Da ich einen Kern verwende, denn sie selbst mitgebracht haben und wegen meiner Unhöflichkeit, erlasse ich ihnen die Kosten für den Zauberstab." ,,Wie bitte, aber das geht doch nic…" Fing Hermine an, wurde jedoch von Tom unterbrochen, welcher selbst ein paar Münzen für seinen Zauberstab auf den Tisch legte, während er ihr zuflüsterte. ,,Sein Verhalten war sehr ungebührlich." ,Aber..." wollte sie einwerfen, doch Tom liess sie nicht aussprechen. ,,Sein Friedensangebot dir gegenüber abzulehnen wäre von deiner Seite her genauso unhöflich und würde ihn kränken." Daraufhin nickte sie Gregorowitsch mit einem etwas gequälten Lächeln zu, worauf er sich etwas entspannte.

Durch den Kamin im Hinterzimmer reisten sie bald darauf nach Slytherin Manor zurück, wo sie von Ric bereits empfangen wurden. Sie konnten allerdings nicht lange bleiben, wenn ihre Abwesenheit nicht bemerkt werden sollte. So wurden sie beide einfach kurz herzhaft von dem Gryffindor Gründer umarmt und Hermines magische Rüstung neu auf sie gezaubert, bevor sie durch die Eingangshalle wieder in der Kammer von Slytherin ankamen. Die Kammer erschien Hermine von mal zu mal weniger bedrohlich, obwohl sie ihre einschüchternde Wirkung ihr gegenüber wohl nie ganz verlieren würde. Sie hatten ihre Freunde schnell gefunden und gemeinsam machten sie sich auf in der Grossen Halle zusammen zu Mittag zu essen, bevor sie sich einen entspannten Samstagnachmittag machten.

Niklas pov

Er starrte teilnahmslos ins Leere, ohne das vor ihm liegende zu sehen. Ab und an geisterten seine grauen Augen durch den Raum ohne auf einem bestimmten Punkt zu verweilen. Es war eine karge Behausung. Das Zimmer, welches für ihn eher einer Besenkammer gleich kam, besass nichts weiter als ein dürftiges Bett, einen kleinen Tisch und einen einfachen Holzstuhl auf welchem er sass. Ein Beobachter hätte eventuell Mitleid empfunden, bei dem Anblick des schmächtigen schwarzhaarigen Jungen Mannes. Die Kleidung war einfach und sauber, doch sass so locker dass sie nicht verbergen konnte, dass er vor kurzem eine Kilos verloren hatte. Dem Beobachter würde auch die Eisenkette auffallen, welche am Knöchel befestigt waren. Was aber am verstörendsten an der Erscheinung war, war sein zerbrochener Gesichtsausdruck.

Seine Augen flackerten manchmal durch das Zimmer, verweilten ab und an an den Ketten oder der Tür im anderen Ende des Raumes. Doch eine weitere Regung erfolgte nicht von ihm. Sein Geist benötigte noch Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Er sah auch keinen Sinn darin, gegen seine Situation anzukämpfen. Er besass sowieso keinen Zauberstab und auch wenn er ihn gehabt hätte, er kannte den Zauber nicht um die magischen Fesseln zu lösen. Und falls er es dann doch wider erwarten schaffen sollte, waren immer noch seine Bewacher und sein Peiniger. Der alte Kauz, welcher manchmal hier unten war, könnte er vielleicht noch besiegen. Der alte Mann war kein Kämpfer und hatte nur seine Tränke und seine Berechnungen im Kopf. Die Gefahr, lag ausserhalb des Kellers. Das Ballen seiner Hände, war die Einzige Regung, welche sein Körper gegen Aussen zeigte, als er sich an seinen Peiniger erinnerte.

Er hatte gedacht er hätte es endlich überstanden gehabt. Nachdem er für mehrere Wochen in Gefangenschaft dieses Monsters verbracht hatte, hatte er die Hoffnung auf Rettung bereits aufgegeben gehabt. Er wusste nicht wer das Lager angegriffen hatte und wieso, doch das spielte sowieso für ihn keine Rolle und mittlerweile wünschte er sich, es wäre nie geschehen. Die zerstörte Hoffnung und der Verrat welcher darauf folgten waren schlimmer gewesen, als alles was er während seiner Gefangenschaft erlebt hatte. Doch als der Narr, welcher er war, hatte er sich blind auf die Hoffnung der Freiheit gestürzt. Sobald sein Käfig offen gewesen war, war er hinaus gestürmt und hatte sich auf die vorbei rennenden Schergen gestürzt.

Wie ein dummer Muggel hatte er seine Hände zum Kämpfen benutzt, allerdings hatte er ohne Zauberstab keine andere Wahl gehabt. Als der Tumult endlich vorüber war, wägte er sich in Sicherheit. Nicht nur hatte er es geschafft gehabt seinem Gefängnis zu entkommen, auch wurden seine Wunden behandelt und er bekam etwas zu Essen. Etwas Richtiges zu Essen. Die schlichten Sandwichs hätte er in seinem früheren Leben nicht einmal eines Blickes gewürdigt, doch nach mehreren Wochen ohne anständige Nahrung kamen sie einem Festessen gleich.

Er konnte sich noch genau erinnern, wie er dort in dem zerstörten Lager gestanden hatte mit einer Decke um die Schulter und dem Essen in der Hand. Er hatte wirklich geglaubt, dass er nun zurück zu seiner Familie kommen und sein Leben wieder wie früher werden würde. Freudig hatte er sich den anderen angeschlossen, als begonnen wurde die befreiten Gefangenen wieder nach Hause zu bringen. In seinem Übermut und seiner Scham ob seiner Kleidung hatte er sogar die Begleitung ausgeschlagen und hatte sich nach dem apparieren von den anderen verabschiedet und war allein den gepflegten Weg zu seinem Wohnhaus hinauf gelaufen. Während er an den akkurat geschnittenen Blumenbeete vorbei geschritten war, hatte er sich bereits ausgemalt, wie er sich ein heisses Schaumbad einlassen und sich die nächsten Tage von den Hauselfen bewirten lassen würde.

Das seine Rückkehr weniger erfreulich war als angenommen, erahnte er erst, als seine Mutter in der Eingangshalle ohnmächtig geworden war, nachdem sie ihn gesehen hatte. Das er besser niemals zurück gekommen wäre, wurde ihm klar, als er in das Gesicht seines Grossvaters blickte. Er wusste nicht genau was für ein Fluch ihn daraufhin getroffen hatte, doch als er erwachte stellte ihn sein Grossvater unter den Imperius und brachte ihn hier her. Er hatte sich nicht gegen den Fluch gewehrt, er hatte es nicht einmal versucht und als er erkannte wohin er gebracht wurde, war es zu spät gewesen.

Sein hoch geschätzter Grossvater, Thommes Maczassek war ein hohes Tier im Ministerium. Niklas wusste schon lange, dass sein Grossvater für sich und seine Nachkommen bessere Machtpositionen wünschte und es dem hohen Rat übel nahm, dass er nicht als Sprecher der Vampire aufgenommen worden war. Dennoch hätte er nie gedacht, dass er in seiner Machtgier sich dem gefürchtetsten Schwarzmagischen Zauberer Europas anschliessen würde. Und dass er seine Nachkommen diesem Wahnsinnigen freiwillig auslieferte.

Niklas erschauderte bei der Erinnerung, wie Grindelwald ihn daraufhin angesehen hatte. Irgendetwas musste geschehen sein, dass er in den Augen dieses Mannes an Wert gewonnen hatte. Der Ausdruck mit welchem er ihn angesehen hatte und auch die Behandlung die er seit seiner erneuten Gefangenschaft erhielt sprachen dafür. Er hatte ein Bett und Möbel bekommen, seine Wunden waren geheilt worden. Er sollte offenkundig am Leben und bei kräften bleiben, doch er hatte Angst, was diese neue Situation für ihn bedeuten würde.

Warum wollte dieses Monster, dass er bei Kräften blieb? Sollte er etwa für ihn arbeiten? Kalter Schweiss brach bei diesem Gedanken auf seiner Stirn aus, er wollte nichts mit diesem Mann zu tun haben. Er wollte nur hier weg und dann… Seine Gedanken stoppten, wohin dann? Er konnte nicht nach Hause, er hatte kein Geld und keinen Zauberstab. Wo sollte er hin? Wovon sollte er leben? Nein es hatte keinen Sinn fliehen zu wollen. Er konnte nur hoffen, dass ihm ein schneller Tod vergönnt war.

Wie um seine stummen Gedankengänge zu verhöhnen hallte ein Ploppen durch den Raum. Niklas zuckte ob des unerwarteten Geräusch wie geschlagen zusammen. Doch es war nur ein Teller auf dem Tisch erschienen. Ein schlichter Teller aus weissem Porzellan, Kartoffeln, Bohnen und ein grosses Stück Speck lagen darauf. Ein köstlicher Geruch, welcher ihm das Wasser im Mund zusammen laufen liess schwebte ging davon aus. Sein Magen knurrte ungeduldig und er griff zaghaft danach. Egal was Grindelwald auch mit ihm planen würde, er würde diese köstliche Speise geniessen. Schliesslich wusste er nicht, wie lange er in der Gunst seines Peinigers stand und welchen Preis er am Ende bezahlen würde.

Hogwarts pov

Er glaubte von sich selbst, eine in sich ruhende Persönlichkeit zu sein. Er hatte in seinem bisherigen Leben oft Geduld mit den Personen in seinen Hallen beweisen müssen. Dies war ihm nicht immer leicht gefallen, doch da er Nerven aus Stein besass, schaffte er es eigentlich immer seine Ungeduld irgendwo in seinen Kerkern zu vergraben. Doch sein sonst so harter Geduldsfaden fing langsam an zu bröckeln, während er eine Gruppe Slytherin dabei beobachtete wie sie sich gerade auf den Weg zur Grossen Halle machten. Sie lachten und scherzten miteinander und normalerweise hätte ihn es erfreut sie so fröhlich zu sehen, doch es schürte seinen Unmut sogar noch etwas mehr. Während Hermine gerade ihr Lächeln hinter der Hand versteckte, weil die junge Lestrange ihr verschwörerisch etwas zugeflüstert hatte, durchfuhr ihn kurz ein so heftiges Wut Gefühl, dass die Dachbalken im Dachstock leise anfingen zu knarren.

Er freute sich, dass sie sich alle nach ihrem Abenteuer so gut erholt hatten und auch, dass so mehr oder weniger unverletzt zurückgekommen war. Dennoch nagte ihre Unbekümmertheit an ihm. Hatte sie etwa vergessen, dass sie noch eine Aufgabe zu erledigen hatte? Seit zwei Wochen hatte es jedenfalls nicht den Anschein gemacht, dass sie überhaupt daran gedacht hatte. Was bildete sie sich eigentlich ein? Er sprach selten mit Personen, noch seltener mit solchen, die nicht den Posten des Direktors inne hielten. Sie sollte sich geschmeichelt und auch etwas ehrfürchtig fühlen, dass sie die Gelegenheit erhalten hatte mit ihm zu sprechen. Und ganz sicher, sollte sie sich mehr bemühen, hinter die Lösung des Rätsel zu kommen, dass er ihr gestellt hatte. Doch sie lachte und wanderte durch seine Flure, als hätte dieses Gespräch nie stattgefunden. Das kratzte eindeutig an seinem Stolz. Grummelnd fegte er mit einem Windstoss den Staub in einem leeren Klassenzimmer von einer Ecke in die nächste.

So etwas war ihm in seinen tausend Jahren Lebenszeit noch nicht untergekommen. Es war generell erst zweimal vorgekommen, dass jemand nicht mit Ehrfurcht und Demut auf ihn reagiert hatte, wenn er sich beschloss mit ihnen zu sprechen. Doch diese beiden zählten eigentlich nicht, war der erste doch ein Zaubertrankbrauer gewesen, welcher nach einer Explosion sein Gehör verloren hatte. Und der zweite ein Betrunkener Astronomielehrer, welcher sich getrieben von Herzschmerz von einem Turm hatte stürzen wollen. Aber die junge Frau war weder halb taub, noch betrunken gewesen als er mit ihr sprach. Er würde diese Ausrede also nicht gelten lassen.

Er grummelte weiter vor sich hin, missmutig verfolgte er halbherzig wie die Schülerschaft in der Grossen Halle Platz nahmen und anfingen das Abendessen zu verzehren. Lustlos gab er einem goldenen Kerzenständer im dritten Stock einen Stoss, so dass dieser leise klirrend hin und her schwankte. Da es niemand sah und sich dadurch auch niemand erschrak linderte es seine Frustration nicht wirklich. Er versuchte sich damit ab zu lenken, dass er die Hauselfen in ihrem Tun beobachtete und auch den Grindelohs im schwarzen See einen kurzen Besuch abstattete. Doch trotz seinen Bemühungen schaffte er es nicht, den fahlen Geschmack auf seinen Wänden zu vertreiben. Er fühlte sich nicht ernst genommen und das mochte er gar nicht. Vielleicht wurde es Zeit, ihr zu zeigen, das sie ihm und seiner Aufgabe mehr Respekt entgegenbringen sollte. Seine Fensterscheiben fingen bei diesem Gedanken etwas mehr zu glänzen an und die Fackeln in den Gängen flackerten Vorfreudig. In dieser Nacht hallte ungehört ein leises boshaftes Lachen durch die Kerkergänge, während er sich überlegte, wie er seinen Standpunkt bei der jungen White verdeutlichen konnte.

Der nächste Morgen schien dafür perfekt zu sein. Es war Sonntagmorgen und noch sehr früh, die wenigsten Schüler hatten es zu dieser Stunde überhaupt aus ihrem Bett geschafft. Hermine war jedoch wie so oft schon früh wach und wollte vor dem Frühstück noch etwas in der Bibliothek nachsehen. Er versperrte den Geheimgang im Erdgeschoss zur Bibliothek und zwang sie so den Umweg über den fünften Stock zu machen. Dieser Gang war für die meisten eher uninteressant und er wurde nur als Abkürzung verwendet, obwohl er früher mehrere Häuser Übergreifende Lehrnzimmer beinhaltet hatte. Doch die Häuser blieben schon seit längerem nur unter sich, so dass diese Räume schon länger vergessen waren. Es gab allerdings gerade hier den perfekten Gang für seinen Plan. Er mahnte sich zur Ruhe, er wollte es nicht übertreiben, schliesslich wollter er sie lediglich wachrütteln und nicht vertreiben. Aufregung flatterte durch seine Gänge, als sie das Stockwerk endlich betrat. Kurz flackerten seine Fackeln Freudigt, als sie auf den richtigen Gang einbog.

Ihre Schritte hallten laut von den leeren Gängen wieder. Durch die Stille im Schloss, klang jedes Geräusch noch etwas lauter. Ihre Schritte stoppten nicht, als sie in den ihr unbekannten Gang mit den vielen Ritterrüstungen ankam. Sie trat weiter hinein, erstarrte allerdings sofort, als sie ein leises Quietschen in ihrer Nähe vernahm. Wie erstarrt blieb sie stehen und er sah, wie sie nach ihrem Zauberstab greifen wollte, doch er wusste, dass sie ihn noch nicht erhalten hatte. Zögerlich ging sie weiter und das Quietschen setzte erneut ein. Hektisch sah sie sich um, doch sie konnte nichts erkennen und setzte noch einen Fuss nach vorne. Dieses Mal wusste sie die Richtung, aus der das Quietschen kam und erkannte nun auch von was es ausgelöst worden war. Die ersten Ritterstatuen zu ihren beiden Seiten hatten ihre Köpfe zu ihr gedreht. Sonst regte sich nichts.

Als sie einen weiteren, nun eindeutig vorsichtergeren Schritt nach vorne machte, drehten sich die Köpfe langsam mit ihrer Bewegung mit. Etwas Bewunderung flammte in ihm auf, weil sie noch nicht geflohen war. Beim nächsten Schritt wurde sie sogar schon wieder etwas sicherer. Lächelnd liess er nun alle Rüstungen im Gang zum Leben erwecken und alle drehten gleichzeitig ihren Kopf in ihre Richtung. Mit hochgezogenen Schultern lief sie nun an ihnen vorbei, während diese sie mit ihren Köpfen verfolgten, sie schien nicht zu wissen, ob sie einen Angriff erwarten sollte oder nicht.

In der Mitte des Ganges angekommen, schlug jede der Statuen einmal mit den Eisenlanzen, welche sie in den Händen hielten auf den Boden. Sie schrie erschrocken auf und ging auch etwas in die Hocke, während sie die Hände über ihrem Kopf zusammen schlug. ,,Ist gut, ich habe verstanden." Brach sie stockend und etwas atemlos heraus, als sie es wieder wagte aufzublicken. Doch so einfach würde er es ihr nicht machen. Gleichzeitig hoben nun alle ihren linken Arm und zeigten Anklagend in Richtung der Bibliothek, wohin die junge Frau ohnehin auf dem Weg gewesen war. ,,In Ordnung, in Ordnung." Sagte sie beschwichtigend und erhob sich.

Sie lief gram gebeugt weiter den Gang hinunter und die Rüstungen drehten nach und nach ihren Kopf so herum, dass sie sie stetig im Blick hatten. Bei jedem Quietschen, des alten Eisens zuckte sie zusammen und strauchelte in ihren Schritten. Und doch rannte sie nicht. Am Ende des Ganges angekommen drehte sie sich noch einmal unsicher um. Alle Rüstungen starten sie an, ein Scheppern hallte durch die Gänge, als sie alle gleichzeitig ihre Arme senkten und ihre Köpfe wieder nach vorne drehten. Der Gang sah wieder aus wie zuvor und als sei nichts geschehen. ,,Ich kümmere mich drum." Flüsterte sie mehr, als dass sie sprach und drehte sich wieder um. Und nun rannte sie. Sie rannte bis in die Bibliothek und versteckte sich dort hinter einem Regal um ihren Herzschlag zu beruhigen.

Er lachte, er musste sich schwer zusammenreissen, dass es ihn nicht zu schütteln begann, so sehr musste er lachen. Doch es war einfach ein zu amüsanter Spass gewesen und er hatte so etwas schon viel zu lange nicht mehr tun können. ,,Vielleicht sollte ich mir doch einen Poltergeist organisieren." Dachte er sich vergnügt, während er nun um einiges zufriedener, seine Täglichen Pflichten aufnahm.