Hallo an alle LeserInnen da draußen :-)
Hier ein kurzes Vorwort zu meiner Geschichte:
Im Gegensatz zu meiner letzten FanFiction (Fünf Nächte...) ist diese zu dem Zweck entstanden, Konversationen zu üben. Aus welchem Grund auch immer, finde ich es mit die größte Herausforderung, glaubwürdige Gespräche zwischen den Protagonisten zu verfassen. Warum also nicht eine Geschichte schreiben und den Fokus darauf legen? Das Ergebnis seht ihr hier vor euch und ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen :-)
Alternate Universe:
Ein paar Infos braucht ihr noch, um das Setting zu verstehen:
Die Geschichte spielt nach dem HBP; Harry musste zusehen, wie Severus Snape Dumbledore ermordet und mit den Todessern flieht.
Snape wird später gefangen genommen und für den Mord verurteilt. Da Askaban nicht mehr sicher ist, wird er in einem anderen Gefängnis inhaftiert.
Währenddessen geht der Krieg zwischen Gut und Böse unbeirrt weiter.
Im Laufe der Geschichte werdet ihr sehen, dass ich noch einige andere Veränderungen vorgenommen habe, die sich allerdings von selbst erklären sollten.
Warnung:
Die Geschichte ist absichtlich als „M" klassifiziert. Gewalt, Sex, Charaktertod, Folter – alles möglich. Wenn jemand an solchen Dingen leicht Anstoß nimmt, rate ich vom Lesen der Story ab. Aber wo bleibt der Spaß, mit dem Paar Hermine / Severus zu spielen, wenn man sie mit Samthandschuhen anfassen muss? ^^
Sooo, nun noch das Übliche, dann kann die Reise losgehen: Die Figuren gehören der genialen JKR, ich habe sie mir nur zum Spielen ausgeliehen. Trotzdem ist die Geschichte mein Eigentum und ich bitte darum, sie nicht ohne meine Genehmigung irgendwo anders zu veröffentlichen.
Porzellan
Auferstanden
Das laute Klicken hallte von den steinernen Wänden wider. Es folgte das seufzende Quietschen von altersschwachem Eisen und ein schweres Kratzen. Wie eine grausame Choreographie konnte er jedes folgende Geräusch vorhersagen: Das Reiben von Schritten auf dem sandigen Stein, ein erneutes Klacken, wieder ein Kratzen. Dann öffnete sich die Zellentür und ein Hauch frischer Luft erkämpfte sich seinen Weg ins Innere seines Grabes.
Snape hob den Kopf, aber nicht um seine Besucher zu betrachten. Er reckte die Nase in den winzigen Luftzug und atmete tief ein. Kaum war er verschwunden, ließ er den Kopf wieder sinken. Es interessierte ihn nicht, wer in sein Loch hinabgestiegen war. Sicher war, dass er nicht mehr herauskommen würde. Und jeder der herkam, tat das nur aus einem Grund: Um ihn zu quälen.
Die leichten Schritte auf dem Fels kamen näher und blieben in gebührendem Abstand stehen. Snape wusste, dass er keinen schönen Anblick bieten konnte. Ein Wächter hatte ihm verraten, dass er sich seit mehr als drei Jahren hier unten befand. Aus seiner ehemals so gepflegten Kleidung war ein dreckiger Fetzen geworden, die Alabasterhaut war verklebt von Schmutz und Blut, das überall an ihm zu haften schien. Und obwohl die schweren Ketten, die ihn aufrecht an der Wand hielten, nur angelegt wurden, wenn sich Besuch ankündigte, hatte er sie doch oft genug getragen, damit sich die schweren Eisenringe in die Haut seiner Handgelenke hatten graben können. Zwei kreisrunde und ständig nässende Wunden waren seine Begleiter in der ewigen Finsternis dieser Höhle geworden. Hätte man ihm einen Wunsch gestattet, so wäre neben einem langen Bad sicher ein Haarschnitt unter seinen Favoriten gewesen. Bis über seine Brust fiel sein schwarzes Haar inzwischen und war ihm hier unten zum ständigen Ärgernis geworden. Verfilzt und verknotet zogen sich die fettigen Strähnen über seine Haut und blieben in allen Wunden kleben, die man ihm zufügte. Bei jeder Bewegung riss sich ein anderes Büschel frei und warmes Blut rann wieder seinen Rücken hinab.
„Ich habe gesagt, sie brauchen ihn nicht in Ketten zu legen." Eine feste Stimme schallte zu ihm hinüber und kitzelte seine Erinnerung. Er kannte sie.
„Das ist Protokoll, Miss." Snape konnte die gebeugte Haltung hören ohne hinsehen zu müssen. „Wir hatten einige Zwischenfälle, als wir ihn ohne Ketten … verhören wollten."
„Verhören?" Ein scharfer Einwand, der Snape überraschte.
„Ja, Miss." Widerlich, diese Ergebenheit. Selbst er war nicht so unterwürfig geworden, und er hing nun schon seit drei Jahren schutzlos in Ketten.
„Ich möchte, dass sie gehen." Ein Knirschen deutete eine Drehung an.
„Das ist leider nicht möglich."
„Ich mache es möglich. Verlassen sie diesen Raum, schließen sie die Tür hinter mir."
„Es tut mir Leid, aber sie tragen einen Zauberstab bei sich. Sie dürfen nicht-"
„Ich glaube kaum, dass sie in der Position sind, mir Dinge vorzuschreiben. Meinen sie nicht, York?" Ein makelloser Umschwung von befehlsgewohnt zu zuckersüß. Gefährlich süß.
„Nein, natürlich nicht. Aber Mr. Blemix -"
„Mr. Blemix ist mir unterstellt. Und jetzt verschwinden sie. Ich werde sie nicht nochmal auffordern." Eilige Schritte folgten und die Tür fiel wieder ins Schloss.
Hermine holte tief Luft und bereute es augenblicklich. Der Gestank hier unten war betäubend. Noch immer fiel es ihr schwer zu glauben, dass die abgemagerte Gestalt, die dort in den Ketten hing, tatsächlich Severus Snape sein sollte. Beinahe flammte so etwas wie Mitgefühl in ihr auf. Beinahe.
„Mr. Snape." Endlich hob er den Kopf. Wie schwarzes Wasser floss sein Haar in Strähnen über sein Gesicht und Hermine schluckte.
„Miss Hermine Granger, welch Ehre. Was führt sie in mein bescheidenes Heim?" Seine Worte badeten im Spott und sie fühlte seine Verachtung förmlich über sich hinwegspülen. Aber was sie tatsächlich erschreckte, waren seine Augen. Eine halber Ewigkeit vermoderte dieser Mann schon hier unten und die schwarzen Kugeln hatten nichts von ihrem ursprünglichen Feuer eingebüßt. Allein sein Blick machte ihr Angst.
„Sie sehen abscheulich aus." Hermine ging einige Schritte auf ihn zu und zögerte dann, als die Ketten raschelten. In einer flüssigen Bewegung richtete Snape sich zu voller Größe auf und überragte sie spielend. Nervös strich sie sich über die dunkelviolette Bluse. Ihr Zauberstab wog beruhigend schwer in ihrer Tasche.
„Sind sie gekommen, um mir Komplimente zu machen?" Im Hohn gekräuselte Lippen lachten sie aus. Wie konnte sie sich in der Defensive befinden? Er war an die Wand gekettet und sah aus wie ein Stück Scheiße, verdammt!
„Das wäre ein kurzer Besuch", bemerkte sie kalt und zog ihren Zauberstab hervor. Aus dem Nichts beschwor sie einen Holzschemel herauf. Die Unterhaltung konnte sich in die Länge ziehen – zumindest wenn sie von ihm bekommen wollte, weshalb sie gekommen war.
„Sie gestatten hoffentlich, wenn ich stehen bleibe." Snape lächelte noch immer. Aber hinter seiner Maske rasten seine Gedanken. Granger war ein hohes Tier im Ministerium. Selbst Trelawney hätte eine solche Karriere für sie vorhersagen können. Und sie war nicht gekommen, um ihn zu foltern. Das traute er der kleinen Besserwisserin nicht zu. Warum also war sie hier?
Hermine wischte ihre feuchten Hände an der dunklen Stoffhose ab, die sie trug. Sogleich bereute sie es, denn Snape nickte ihr zu. Er konnte ihre Nervosität sehen.
„Sie brauchen sich nicht zu fürchten, Miss Granger. Endlich sitzen sie am richtigen Ende des Zauberstabes. Zumindest solange ich hier fest hänge." Ein bellendes Lachen hallte von den Wänden wider. Hermines Züge verdunkelten sich. In einer geschmeidigen Bewegung stand sie auf und kam näher.
„Machen sie denselben Fehler wie ihre Todesser Freunde, Snape, unterschätzen sie mich", drohte sie. Herausfordernd neckte sie ihm ihr Kinn entgegen und für einen Moment sah sie das Lächeln von seinem Gesicht verschwinden. Aber Snape fasste sich schnell wieder.
„Wie steht es um den Krieg?" Er beobachtete sie genau, als er fortfuhr. „Wenn ich raten müsste, würde ich sagen ziemlich schlecht. Sonst würden sie mich wohl kaum in einem stinkenden Loch besuchen." Wieder rollte sein dunkles Lachen durch die Zelle. Hermine biss die Zähne zusammen. In dieser Position konnte ihr Anliegen keinen Erfolg bringen. Er musste ihre Autorität sehen und deshalb zwang sie sich, noch näher zu treten.
Die Hand ausgestreckt, fuhr sie mit ihren feinen Fingern über seine nackte Brust. Sein Körper zuckte zurück und Snape verfluchte seine Reflexe. Nach Stunden der Folter hatte sein Instinkt das Ruder übernommen. Und sein Körper reagierte auf all den Schmerz, den er hatte erleiden müssen, ohne dass sein Verstand davon berührt worden wäre. Aber die Trennung hatte seinen Preis gehabt. Einen, den er bisher nur zu gern gezahlt hatte.
Hermine verstärkte die Berührung und zeichnete eine seiner zahlreichen Narben nach. Ein leichtes Zittern begann in seiner Brust und breitete sich einer Welle gleich über seinen Körper aus. Snape fletschte die Zähne. Endlich ließ sie von ihm ab und trat zurück. Er erwartete Spott, aber Hermine sagte nichts. In ihren Augen lag beinahe so etwas wie Bewunderung.
„Ich habe ein Angebot für sie." Wieder auf dem Hocker sitzend schlug sie die Beine übereinander. „Was halten sie davon, wenn ich sie aus diesem Loch hole, Snape? Sie könnten wieder die Sonne sehen." Er spürte, wie genau sie ihn musterte. „Den Wind auf ihrem Gesicht spüren." Er zog die Augenbrauen zusammen. Das verwunschene Bild von Eiben, die sich im milchigen Mondlicht dem kalten Nachtwind beugten, bettete sich über seinen Geist und erschwerte ihm das Denken.
„Wofür?" Seine Stimme war ruhig, was ihn zufriedenstellte.
Hermine sah ihn verwirrt an. „Wofür sie wieder nach draußen sollten?" Sie hob erstaunt eine Augenbraue, eine Geste, die er an ihr bisher noch nie gesehen hatte.
„Wofür du mich brauchst, du dummes Gör." Für einen Moment sah Hermine ihn an und kämpfte um ihre Beherrschung. Ihre Zauberstabhand zitterte. Sie wollte ihm weh tun, aber das würde sie nicht an ihr Ziel bringen. Nicht mit Snape.
„Sie sollen helfen, ein Gegengift zu brauen. Die Todesser setzen einen neuen Zauber ein, der unsere Kämpfer zuerst in eine Starre versetzt und dann von innen heraus verbrennen lässt." Diese Beschreibung so gelassen vortragen zu können hatte sie viel Übung gekostet. Kein Vergleich zu dem, was ihr dieser Fluch genommen hatte.
Ein Hauch von Interesse spiegelte sich auf Snapes Gesicht. „Ist es ein Fluch?"
„Nein, ein Trank. In eine winzige Glaskugel gefüllt, sie zerbricht beim kleinsten Stoß und wenige Tropfen reichen aus, um einen Menschen zu töten."
„Faszinierend."
Hermine ließ sich ihre brennende Wut nicht anmerken. „Ich dachte mir, dass sie das sagen würden." Ihre Worte klangen kalt und gleichgültig.
„Und ich soll wem helfen, ein Gegenelixier zu brauen?"
Sie zögerte kurz. „Mir." Sofort war der Spott wieder da.
„Das ist ein schlechter Witz, Miss Granger, und sie wissen es."
Mit größter Mühe schob sie ihren Zauberstab zurück in die Tasche. Einen Unfall konnte sie sich nicht leisten. „Das ist es keinesfalls, Snape. Während sie sich hier unten ausgeruht haben, ist viel passiert. Ich erwarte kein Verständnis, aber es sind nicht mehr viele Zaubertrankmeister übrig. Selbst für sie haben ihre Freunde ein Killerkommando geschickt." Da war es wieder, das Dunkle in seinem Gesicht, als hätte jemand das Licht gelöscht. Aber Hermine konnte nicht sagen, was genau ihn getroffen hatte. Dass seine Verbündeten ihn tot sehen wollten?
„Bis zu mir ist niemand gekommen." Snape zwang sich zum Lächeln, er wusste, dass es sie störte.
„Natürlich nicht. Sie sitzen am sichersten Ort in ganz England. Wäre ihr Wissen nicht so wertvoll, hätten wir sie bereits exekutiert. Meine Stimme hatten sie." Die Ruhe, mit der sie diese dunkle Wahrheit vortrug überraschte ihn. Was war mit ihr geschehen?
„Angenommen, ich sage zu. Was passiert dann?"
Hermine schob sich eine ihrer langen Haarsträhnen hinter ihr Ohr, die sich aus ihrem festen Zopf gelöst hatte. Für einen Moment sah sie Snape an, als könne sie etwas neues in ihm erkennen. Doch dann fasste sie sich wieder.
„Das Ministerium unterstellt sie meiner Aufsicht. Ich nehme sie mit und sie arbeiten mit mir zusammen. Sollten sie Wissen verweigern, versuchen die Sache zu verraten oder überzulaufen, oder irgendetwas ungesetzliches tun, werden sie zurück in ihr Loch überführt und hingerichtet."
Ein heftiges Beben erschütterte Snapes Brust. Dieses Mal erreichte das Gelächter auch seine Augen. Brennend wie Feuer spürte sie seinen Blick auf ihrer Haut.
„Das Ministerium ist bereit, sie zu meiner Aufpasserin zu machen? Ich mag zwar in einem wirklich schlechten Zustand sein, aber das ist einfach absurd."
Hermine ließ sich von ihm nicht aus der Fassung bringen. Die vergangenen Jahre hatten viel geändert, er wusste es nur noch nicht.
„Ich bin angekettet und doch fürchtest du dich." Seine verzogenen Lippen entblößten erstaunlich weiße Zähne. „So wie du es schon immer getan hast", setzte er mit rauer Stimme nach und Hermine fühlte der Gänsehaut nach, die ihren Rücken hinab rollte. Aber sie ließ sich nichts anmerken. Stattdessen griff sie in ihre Tasche und zog ein Lederband hervor. Ohne den Blick abzuwenden näherte sie sich Snape von vorne.
„Für den Fall, dass sie zusagen, habe ich ein Präsent für sie." So nah vor ihm musste sie auf die Zehenspitzen gehen, um das Band hinter seinem Hals zu verknoten. Der schwere silberne Anhänger fiel kalt gegen sein Brustbein. Snape sah ihn nicht an, sondern vergrub seinen Blick in ihren honigbraunen Augen. Ein Hauch von Parfum tanzte durch die Luft bis zu seiner Nase. Wie eine Frühlingswiese nach einem Regenschauer.
„Was ist das?"
„Ein Amulett." Sie war zurückgetreten und öffnete den ersten Knopf ihrer Bluse. Ihre Finger zogen einen ähnlichen Anhänger hervor. „Es bindet sie an mich. Sollten sie sich zu weit von mir entfernen, reagiert es. Sollten sie mir Schmerzen zufügen, reagiert es. Sollte ich sterben, tötet es sie." Den letzten Satz sprach sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Es reagiert?" Hermine sah sich um. Als sie nichts geeignetes finden konnte, griff sie in ihre Tasche und förderte ein schmales Klappmesser mit einem Griff aus feinem Ebenholz zutage. Ohne zu zögern klappte sie es auf und schloss ihre linke Hand um die Klinge. Mit einer schnellen Bewegung zog sie das scharfe Messer aus ihrer Faust und öffnete die Hand. Der breite Schnitt klaffte weit geöffnet und helles Blut schoss hervor.
Hermine fühlte den Schmerz heiß und echt in ihrem Arm pulsieren und schloss für einen Moment die Augen. Wenige Gefühle waren so real für sie wie Schmerz. Snape beobachtete sie, dann keuchte er auf. Das Amulett glühte auf und erhitzte sich. So heiß, dass es ihn verbrannte, lag es auf seiner Haut. Dann zog sich ein schneidender Schmerz über seine linke Hand. Warmes Blut rann seinen Arm hinab. Er beugte sich leicht nach vorne, damit das Amulett den Kontakt zu seiner Brust verlor, aber es brannte an der gleichen Stelle in unverminderter Intensität weiter.
Ein Wink ihres Zauberstabes genügte, um die Wunde zu schließen. Snape atmete auf, als das Silber wieder abkühlte. Hermine konnte sich ein spöttisches Grinsen nicht verkneifen, als sie sein Amulett anhob und die Brandwunde darunter begutachtete.
„Ein beeindruckender Zauber", bemerkte Snape und verbannte den Schmerz erfolgreich aus seiner Stimme. Hermine machte keine Anstalten, ihn ebenfalls zu heilen.
„Danke. Es ist meiner." Wieder auf dem Schemel sitzend sah sie ihn auffordernd an. „Was sagen sie zu meinem Angebot?"
„Eine junge Frau kommt und bietet an, mich loszuketten und mich mitzunehmen – welch ein Tor wäre ich, ihr diesen Wunsch zu verneinen?" Die alte Überheblichkeit hatte ihren Weg zurück in seine Worte gefunden. Hermine seufze. Sie hatte, was sie wollte, aber es stimmte sie nicht glücklich.
Schreibt mir eure Gedanken zum ersten Kapitel =) Ich verspreche, jede Review einzeln zu beantworten.
Uuund ihr macht mir natürlich eine riesige Freude damit :-)
LG
