Stöhnend streckte Hermine sich. Montage waren stets eine Herausforderung für sie, da sie mehrere Fächer hatte, die ihre ganze Konzentration erforderten. Danach bis spät abends noch an den Aufsätzen zu arbeiten, fiel ihr zunehmend schwerer, so gerne sie auch lernte. Heute kam erschweren hinzu, dass Tom für ein Gespräch bei Schulleiter Dippet war und vermutlich erst kurz vor zehn Uhr wiederkehren würde. So fielen Gespräche über die Aufgaben aus, was sie normalerweise immer neu motivierte und wach hielt.

Es war leer geworden im Studienzimmer der Siebtklässler. Außer ihr war nur noch Abraxas anwesend, während der Rest sich offensichtlich in den Gemeinschaftsraum verzogen hatte, um nicht länger zu arbeiten. Sie hatte bemerkt, dass er ihr immer wieder verstohlene Blicke zugeworfen hatte, doch wann immer sie ihn daraufhin selbst angesehen hatte, hatte er weggeschaut. Vielleicht war es an der Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

„Was ist los, Abraxas?" Hermine hatte ihre Schreibfeder beiseite gelegt und schaute ihren Freund aufmerksam an.

Kurz schien es ihr, als wollte der blonde Slytherin ihr nicht antworten, doch dann schien er sich zusammenzureißen. „Würdest du mich auf einen kleinen Spaziergang begleiten, Hermine?"

Überrascht zog sie eine Augenbraue hoch. Das war ungewöhnlich direkt von ihm, doch sie hatte keinen Grund, die Bitte abzulehnen. Also nickte sie bloß. Abraxas packte daraufhin seine Sachen zusammen und wies sie an, auf dem Gang außerhalb des Gemeinschaftsraums auf ihn zu warten. Wieder nickte sie, ehe sie selbst Pergament und Schreibzeug verstaute und auf ihr Zimmer brachte.

Kaum war sie aus dem Gemeinschaftsraum getreten, bedeutete Abraxas ihr mit einer Hand, ihm zu folgen. Ein Flattern erfasste Hermines Magen, doch sie zwang sich, ihm äußerlich unbeeindruckt gegenüber zu treten. Was auch immer er im Geheimen mit ihr besprechen wollte, es konnte nicht so schlimm sein.

Nachdem sie schweigend einige Treppen nach oben erklommen hatten, öffnete er eine beliebige Tür und führte sie in ein kleines, unbenutztes Klassenzimmer. Sorgsam verschloss er die Tür wieder hinter ihnen, während sie sich um Lässigkeit bemüht auf dem Lehrerpult niederließ.

„Verrätst du mir jetzt, warum du mich zu später Stunde an einen unbeobachteten Ort entführt hast?" Sie gab ihrer Stimme einen spielerischen Ton, doch die Anspannung wuchs. Dieses Verhalten war mehr als ungewöhnlich für Abraxas und sie wusste immer weniger, was sie davon halten sollte.

Abraxas stellte sich vor sie. Sie konnte in seinen Augen lesen, dass er selbst überfordert von der Situation war. Anspannung ließ seinen Mund zu einem dünnen Strich werden, während in seinem Blick etwas Suchendes lag. Schließlich, nach Minuten des Schweigens, begann er. „Du hast ein Geheimnis, nicht wahr? Etwas, was niemand weiß, nicht einmal Tom."

Hermines Mund wurde trocken. Damit hatte sie nicht gerechnet und so konnte sie nicht verhindern, dass ihr ein leises „Woher?", rausrutschte, ehe sie sich fangen konnte. Grimmig schüttelte sie den Kopf. „Was für ein Geheimnis sollte ich haben?"

Doch Abraxas hatte ihre kurzzeitige Überraschung sehr offensichtlich bemerkt. „Bitte", sagte er leise, beinahe verzweifelt, „bitte lüg mich nicht an, Hermine. Ich weiß, ich kann dich nicht haben. Ich weiß, dass du dich Tom versprochen hast. Aber bitte, sei ehrlich zu mir. Egal, was dein Geheimnis ist, es ist sicher bei mir. Lass mich dir ein Freund sein und teile es mit mir."

Ihr stockte der Atem. In Abraxas' Augen lag so viel Schmerz, aber auch so viel Aufrichtigkeit, dass ihr Herz wehtat. Dieser Junge, nein, dieser Mann öffnete ihr sein Herz, immer wieder, und so sehr sie sich danach sehnte, so wenig konnte sie wirklich ehrlich zu ihm sein. Zögerlich legte sie ihm eine Hand auf die Wange. „Ich kann nicht, Abraxas. Ich wünschte, es wäre anders, aber ich kann nicht."

Sie spürte, wie er seine Zähne aufeinanderbiss, und sah, wie er die Augen schloss, als wollte er die Wahrheit ausschließen. Unwillkürlich begann sie, seine Wange mit ihrem Daumen zu streicheln. Er zuckte zusammen unter der Berührung, doch ehe sie ihre Hand fortziehen konnte, hatte er seine auf ihre gelegt. Er öffnete seine Augen wieder und drehte leicht den Kopf, ohne seinen Blick von ihr zu nehmen. So zart, dass es kaum wahrnehmbar war, hauchte er ihr einen Kuss auf ihre Handinnenfläche.

Wärme stieg in Hermine auf. Sie las den Schmerz in seinen Augen, aber noch viel mehr stand darin aufrichtige Zuneigung geschrieben. Ob sie wollte oder nicht, das Band zwischen ihr und Abraxas wurde immer fester. So sehr sie sich inzwischen auch als Freundin von Tom war, so wenig konnte sie leugnen, dass dieser Mann vor ihr ihr Herz besaß.

„Abraxas." Sein Name kam über ihre Lippen, ohne dass sie wusste, was sie sagen sollte. Sie wollte sich ihm anvertrauen, doch sie fürchtete sich vor den Konsequenzen.

Warm legten sich seine Hände um ihr Gesicht. Für einen Moment schauten sie sich nur an, ihr Blick verwoben, ihre Herzen im Einklang. Dann lehnte Abraxas sich zu ihr hinab und presste seine Lippen sanft auf ihre. Mit einem Seufzen, das aus den Tiefen ihres Herzens kam, schloss Hermine die Augen und erwiderte den Kuss. Sie wollte diesen jungen Mann lieben und von ihm geliebt werden. Einfach ein Leben mit ihm führen, ohne auf irgendetwas oder irgendjemanden Acht geben zu müssen. Mit ihm war alles so leicht, so sicher. Er würde sie beschützen und für sie da sein, sich um sie kümmern und ihr immer zuhören. Sie konnte ihm vertrauen.

Zitternd löste sie sich von ihm. Wo vorher seine Zuneigung wie Glut in seinen Augen gestanden hatte, sah sie nun ein loderndes Feuer. Sie hörte, wie schnell sein Atem ging, und spürte, dass sie ähnlich hektisch atmete. Seine Hand zitterte leicht und Röte stieg in seine Wangen, als er unendlich langsam mit seinen Fingern über den Stoff ihrer Bluse strich, bis sie auf dem obersten Knopf zu liegen kamen.

Als wartete er auf ihre Zustimmung, hielt er dort inne und schaute sie an. Sie unterbrach den Blickkontakt nicht, weder schüttelte sie den Kopf, noch nickte sie. Sie wusste, was sie wollte, doch sie traute sich nicht, dem nachzugeben. Langsam, zögerlich, öffnete er den Knopf. Dann fuhr er mit den Fingern ein Stück runter, fand den nächsten und öffnete auch diesen. Noch immer hielt er ihren Blick gefangen, schien auf ihre Zurückweisung zu warten. Doch Hermine schaute bloß zu ihm hinauf, die Hände fest auf die Tischplatte gepresst, die Beine so geöffnet, dass er dazwischen stehen konnte.

Langsam, aber ohne weiteres Zögern, schob Abraxas Knopf um Knopf aus den Löchern, bis er am Rand ihres Rockes angekommen war. Sie sah, wie er sich über die Lippen leckte, wie seine beiden Hände zitterten, als er ihre Bluse ergriff und sie sanft von ihren Schultern schob. Der Stoff rutschte nur ein Stück hinab, doch genug, um ihren schlichten, weißen BH zu entblößen. Fasziniert beobachtete Hermine, wie sein Adamsapfel hüpfte, als er angestrengt schluckte.

Die Wärme in ihr verwandelte sich in Hitze, als Abraxas seine rechte Hand von ihrer Schulter über ihr Schlüsselbein bis hinunter zu ihrer Brust gleiten ließ. Zärtlich fuhr er mit dem Daumen ihre Rundung nach, ehe er ihre Brust ganz in die Hand nahm. Ein Stöhnen entfuhr ihr unwillkürlich und plötzlich schienen alle Dämme gebrochen.

Mit einem tiefen Stöhnen vergrub Abraxas seine linke Hand in ihren Haaren und zog sie zurück in einen Kuss, während seine rechte fortfuhr, ihre Brust zu kneten. Gierig schlang Hermine ihre Arme um seinen Nacken und öffnete ihre Beine weiter, um ihn nach näher bei sich zu spüren. Ihre Zunge fuhr über seine Lippen und dann fand sie seine, rieb sich an ihr, während Abraxas sich immer mehr an sie presste.

Sie konnte seine Erregung zwischen ihren Beinen spüren und begann, ihre Hüfte an ihm zu reiben. Ein weiteres Stöhnen entfuhr ihm und die Hand, die zuvor in ihren Haaren gelegen hatte, fuhr ihren Rücken hinab bis zu ihrem Hintern, um sie noch enger an ihn zu pressen. Keuchend ließ Hermine ihren Kopf in den Nacken fallen, während sie ungeniert den Kontakt zu seinem steifen Glied suchte.

Auch die zweite Hand von Abraxas legte sich nun auf ihren Hintern, zog sie an ihn, während er ihrer Bewegung entgegen kam. Wie getrieben rieb er sich an ihr, hatte schon längst aufgehört, sie zu küssen, die Stirn auf ihrer Schulter abgelegt. Hermine spürte, wie sich sein Körper unter ihren Händen kurz verkrampfte, dann entrang sich ein beinahe verzweifeltes Keuchen seiner Kehle und seine Bewegung stoppte.

Schwer atmend verharrte er in der Position, bis ihn plötzlich die Realität einzuholen schien. Mit einem Ruck löste er sich von ihr, taumelte einige Schritte zurück, bis er gegen einen Tisch stieß und dagegen gelehnt zum Stehen kann. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er Hermine an.

„Bei Merlin", flüsterte er, die Stimme heiser und voller Entsetzen. „Hermine… oh heilige Nimue, das wollte ich nicht. Wie konnte ich nur?" Immer wieder schüttelte er den Kopf. „Bitte verzeih mir. Ich wollte nicht… das war nicht der Grund… du musst mir glauben, Hermine, das war es nicht, warum ich dich hierher gebracht habe."

Tränen stiegen in Hermine hoch. So sollte es sein in einer echten Beziehung. Schüchterne Küsse, vorsichtiges Erkunden des anderen Körpers, plötzliche Lust, die sich in der Erregung des anderen spiegelte, bis sie zum Höhepunkt kam und beide davon spülte. So hatte sie es sich immer vorgestellt, wenn sie an Sex dachte. Und jetzt stand sie hier, mit einem Mann, den sie nicht haben konnte, weil sie einem anderen gehörte, mit sexueller Erfahrung, die sie niemals so hatte machen wollen. Abraxas, der Mann, der ihre romantische Fantasie so anstachelte, stand vor ihr und war am Boden zerstört aufgrund seiner Handlung.

Entschlossen blinzelte sie die Tränen weg. „Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen musst."

Immer wieder fuhr Abraxas sich durch seine blonden Haare. „Wie kannst du das sagen? Siehst du nicht, was ich getan habe? Ich bin nicht besser als Lestrange!"

Mit zwei langen Schritten war sie bei ihm und schlang ihre Arme um ihn. „Nein! Abraxas, sag das nicht. Du könntest niemals sein wie er."

Kurz schien er sie von sich wegschieben zu wollen, doch dann legte auch er seine Arme um sie und presste sie eng an sich. „Ich habe mich an dir vergangen, obwohl du einem anderen gehörst. Siehst du nicht, wie verabscheuungswürdig das ist?"

Hermine lehnte sich ein Stück zurück, um ihm in die Augen schauen zu können. „So funktioniert das nicht, Abraxas. Egal, ob ich mit Tom zusammen bin oder nicht, ich bin mein eigenes Wesen. Was passiert ist, hat auf Gegenseitigkeit beruht. Ich wollte, dass du mich berührst. Ich wollte, dass du mich küsst. Ich sollte das nicht wollen, weil ich Tom gehöre, aber ich wollte es. Verstehst du? Du hast nichts getan, was ich nicht wollte."

Sie blickte ihn für einen Moment länger ernst an, dann lehnte sie sich wieder vor und legte ihr Gesicht auf seiner Schulter ab. „Ich vertraue dir, Abraxas. Ohne Kompromisse. Ich weiß, dass du mir niemals wehtun würdest."

Ein Zittern ging durch seinen Körper und dann spürte sie, wie er sich langsam entspannte. Sie verweilten in der Umarmung, klammerten sich aneinander, genossen die Wärme des anderen. Während sie dem sich langsam beruhigenden Atem von Abraxas lauschte, formte sich ein neuer Gedanke in ihr. Sie wollte, dass Abraxas ihr vertrauen konnte, und sie wollte ehrlich zu ihm sein.

Sie wollte ihm die Wahrheit sagen.

„Abraxas", flüsterte sie leise, ohne die Umarmung zu unterbrechen. „Ich will ehrlich zu dir sein. Bitte, warte auf mich. Gib mir ein wenig mehr Zeit. Ich kann dir nicht sagen, welches Geheimnis ich hüte, aber ich möchte es auch nicht zwischen uns stehen lassen. Vielleicht finde ich einen Weg, es dir zu sagen, ohne dass ich alles zerstöre. Also bitte, warte auf mich."

Abraxas löste die Umarmung. Sorgsam zog er ihr die Bluse wieder hoch und schloss die Knöpfe. Dann, als sie wieder präsentabel war, schaute er ihr in die Augen. „Du musst mich darum nicht bitten, Hermine. Ich werde auf dich warten, wie lange es auch dauert. Und ich vertraue dir."

Kurz stockte er, dann fügte er kaum hörbar hinzu: „Und solltest du eines Tages Tom nicht mehr wollen, werde ich da sein. Wenn es sein muss, werde ich bis an mein Lebensende auf dich warten."