Alejandro fand Felipe bei den Pferden. Der Junge striegelte Amigo – einen jungen Hengst, den sie vor kurzem in Monterey einem Händler abgekauft hatten. Ein schönes, dunkelbraunes Pferd, in welches Alejandro viel Hoffnung für seine Zucht setzte.
Diegos Sohn drehte ihm den Rücken zu, konnte ihn also nicht sehen. Er schien jedoch zu spüren, dass jemand hinter ihm stand, da er sich umdrehte und keine Überraschung zeigte, als er seinen Ziehgroßvater erblickte.
‚Erstaunlich! Manchmal verhält sich Felipe fast so, als könne er hören', wunderte sich Alejandro, vergaß den Gedanken jedoch sofort wieder. Stattdessen wandte er sich an die zwei Vaqueros, die ebenfalls im Stall beschäftigt waren.
„Ich muss mit Felipe unter vier Augen sprechen. Lasst uns bitte alleine, Senores. Gracias!"
Der alte Don genoss großen Respekt unter seinen Arbeitern, die deshalb ohne Zögern seiner Bitte nachkamen.
Der Junge sah fragend zu ihm auf.
„Felipe!" Durch Diego wusste Alejandro, dass das der jüngste der Vegas mittlerweile sehr gut von den Lippen ablesen konnte und Gesten eigentlich nicht nötig waren. Trotzdem unterstrich er seine Rede durch entsprechende Fingerbewegungen in der Hoffnung, es dem anderen dadurch leichter zu machen. „Hat Diego mit dir gesprochen?"
Felipe zuckte mit den Schultern und schaute fragend. Alejandro seufzte leise.
„Er meinte, wir sollen seine Verletzung vor den anderen geheim halten."
‚Ja, ich weiß', antwortete der Junge durch seine Gesten.
„Und das ist kein Problem?", wunderte sich Alejandro.
Der andere schüttelte als Antwort den Kopf, was den alten Don verwunderte. Er hatte Felipe immer für eine ehrliche Haut gehalten. Sicher, dadurch, dass Diegos Sohn taubstumm war, musste dieser nicht direkt „lügen" – aber es war trotzdem erstaunlich, wie einfach es Felipe zu fallen schien.
Fast so, als wäre der Junge daran gewöhnt.
Ein wirklich lächerlicher Gedanke.
Bevor Alejandro jedoch darüber nachdenken oder weitere Fragen stellen konnte, kam überraschenderweise einer der Vaqueros zurück.
„Patron, si me disculpan – ich weiß, Ihr wolltet nicht gestört werden. Aber Don Pablo ist gerade überraschend eingetroffen und wünscht, Euch zu sprechen."
