Die beiden älteren Männer saßen nebeneinander im Salon. Maria, die Köchin, hatte beiden einige Erfrischungen, verdünnten Rotwein sowie einige kleine Leckereien auf den kleinen Beistelltisch bereitgestellt, ehe sie sich zurückgezogen hatte.
„Alejandro, mein Freund, du machst dir viel zu viele Umstände", protestierte Pablo, was ihn jedoch nicht davon abhielt, beherzt zuzugreifen. „Ich muss aber zugeben, deine Maria versteht ihr Handwerk."
Sein Freund lächelte. Don Pablo war ein gern gesehener Gast und besuchte ihn regelmäßig. Beide kannten sich aus ihrer Militärzeit und liebten es, in alten Erinnerungen zu schwelgen. Vor gut einem Jahr war Pablo nach Los Angeles gezogen und beide Männer stellten immer wieder verblüfft fest, wie viele Dinge sie gemeinsam hatten. Beide hatten ihre große Liebe verloren; Pablo hatte jedoch wieder geheiratet und erfreute sich seiner zwei Kinder, die beide aus der ersten Ehe stammten. Pablos Sohn, Ramon, war einer der wenigen Männer in Los Angeles, der an Diegos Körpergröße herankam… allerdings war Diego mit seinen 1.93 m immer noch einige Zentimeter größer.
„Ja, ich bin sehr glücklich über meine Köchin. Sie sorgt dafür, dass wir immer etwas vorrätig haben, wenn unerwartet Besuch kommt."
„Apropos …" Pablos Mine wurde ernst. „Es hat einen Grund, warum ich dich aufgesucht habe… also neben den Koch- und Backkünsten deiner Angestellten."
„Um was geht es?", fragte Alejandro beunruhigt.
„Keine Sorge. Es dürfte euch nicht betreffen. Ich wollte dich aber trotzdem vorwarnen." Eine kurze Pause, dann fuhr der Mann fort: „Vorhin waren Soldaten bei mir und wollten meinen Sohn sprechen. Sie kamen auf Geheiß DeSotos."
„Wenn der Alkalde seine Männer schickt, hat das meistens nichts Gutes zu bedeuten. Was wollten sie?"
„Überprüfen, ob mein Sohn eine Verletzung in Bauchhöhe hat."
„Wie bitte?! Was fällt dem Alkalden ein und warum?", rief Alejandro empört. Kaum hatte er diese Worte jedoch ausgesprochen, kam ihm auch schon die Antwort. Hatte Mendoza nicht erwähnt, dass Zorro letzte Nacht verletzt worden war?
Der Sergeant hatte nicht erzählt, was genau passiert war – Alejandro hatte auch nicht weiter gefragt – aber offensichtlich war der Bandit während seines Kampfes mit den Soldaten am Bauch verletzt worden. An der gleichen Stelle, wo sich auch Diegos Verband befand.
Ein ungeheuerlicher Gedanke überkam Alejandro.
Nein, das konnte nicht sein. Sein Sohn würde nie… oder doch?
Er versuchte, das aufkommende ungute Gefühl wegzudrücken. Das war schlicht unmöglich. Wie kam er nur auf diesen lächerlichen Verdacht?!
Sein Gesprächspartner unterbrach seine Gedanken: „Guillermo Ruiz – du weißt doch, dieser übereifrige Jungspund – hat Zorro mit seinen Degen gestern Nacht scheinbar getroffen. Wohl aus purem Glück. Ob schwer oder leicht, kann man nicht sagen. Aber nun ist junge Soldat ganz erpicht darauf, den Outlaw zu finden und natürlich unterstützt DeSoto dieses Vorhaben. Scheinbar verdächtigten sie Ramon."
Alejandro schluckte. Er durfte sich seine Unruhe nicht anmerken lassen.
„Dein Sohn? Hat Ignacio den Verstand verloren? Zorro erschien hier lange bevor du mit deiner Familie zu uns gezogen bist – wie kommt er dann darauf, ihn zu verdächtigen!", fragte er und bemühte sich, seiner Stimme einen empörten Klang zu geben. Und es war auch durchaus Verärgerung, die er über DeSots Verhalten empfand – aber noch mehr überwiegte diese neue Furcht, von der Alejandro immer noch hoffte, dass sie unnötig war und sich sein Verdacht als Hirngespinst entpuppte.
„Ja, in der Tat. Der Alkalde scheint wirklich nach jedem Strohhalm zu greifen, um den Maskierten zu fangen. Wie lange reitet Zorro denn jetzt schon? Ich habe gehört, drei Jahre, stimmt das?"
„Si, drei Jahre mittlerweile." Das kam ziemlich genau hin. Don de la Vega würde dieses Datum nie vergessen – schließlich war er zusammen mit Victoria verhaftet worden, und Zorro war zum ersten Mal erschienen, um sie zu befreien.
Und kurz davor war Diego aus Spanien zurückgekommen.
Madre de Dios!
Er musste sich irren! Das durfte nicht sein!
Nicht sein Sohn!
„Du siehst besorgt aus." Pablo klopfte seinem Freund beruhigend auf die Schulter. „Ich wollte dich nicht beunruhigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du von den Soldaten Besuch bekommst, ist äußerst gering. Schließlich weiß jeder im ganzen Pueblo, dass dein Sohn Diego nie und nimmer Zorro sein kann."
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A/N:
Ich weiß, dies erscheint ein wenig konstruiert, die Geschichte mit Don Pablo. Auch verwitwet und auch einen großgewachsenen Sohn. Ich fand diese Idee, die übrigens sehr spontan entstanden ist, trotzdem ganz gut und sie deshalb kurzfristig eingebaut. Ursprünglich sollte Pablo Alejandro nur an Zorros Verletzung erinnern und ihm mitteilen, wo diese vermutet wird.
