Es war für Alejandro immer eine Freude, wenn Pablo zu Besuch kam. An diesem Tag jedoch war der alte Vega mehr als nur erleichtert, als sein alter Freund endlich die Hacienda verließ. Er war ihm zusehends schwerer gefallen, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Diese Ungewissheit, gepaart mit einer großen Angst nagte an ihm und er brauchte dringend einige Minuten, um über all das nachzudenken und zu entscheiden, was weiter zu tun war.
Er hatte sich auf sein Zimmer zurückgezogen und zählte in Gedanken all die Punkte auf, die er sicher wusste.
‚Zuerst zu Zorro – es muss sich um einen jüngeren Mann handeln, sonst könnte er sich nie so flink und geschickt bewegen. Er ist ungewöhnlich groß, trägt einen Schnurrbart und hat blaue Augen. Er reitet oft nachts und bringt dem Alkalden am frühen Morgen irgendwelche Banditen. Dies ist sicher oft mühselig und eine Sache von Stunden. Gestern wurde er dazu verwundet.'
Seine Überlegungen gingen weiter.
‚Mein Sohn dürfte in etwa gleich groß sein – auch trägt er, wie Zorro, einen Schnurrbart und hat blaue Augen. Er schläft oft bis mittags, angeblich aufgrund irgendwelcher Experimente. Und er hat eine Verwundung an der gleichen Stelle.'
Er seufzte laut. Es gefiel ihm nicht wirklich, in welche Richtungen seine Schlussfolgerungen gingen. Gab es keine Argumente dagegen?
‚Wenn mir keiner einfällt, der sonst körperlich in Frage kommt, heißt das nicht, dass nur Diego übrigbleibt. Ramon und seine Familie könnten schon vorher heimlich in der Nähe gelebt haben, oder unser Held wohnt gar nicht im Pueblo. Vielleicht versteckt er sich auch abseits auf einer Hacienda oder in einem Tal. Es ist nicht sicher, dass wir ihn überhaupt jemals ohne Maske gesehen haben.'
Er kombinierte weiter.
‚Zorro ist ein Meister im Degenkampf. Wir wissen nicht, ob er sich das selbst beigebracht hat oder ausgebildet wurde. Ich würde letzteres vermuten. Tatsache ist, dass ich Diego nach Spanien geschickt und Kendall als seinen Lehrer verpflichtet habe. Als Edmund uns besuchte, sprach er sehr hochachtungsvoll von meinem Sohn, was ein wenig im Widerspruch zu dem steht, wie sich Diego sonst im Pueblo so verhält. Im Kampf gegen Gilberto vor einem halben Jahr kämpfte Diego mit seiner linken Hand wie der Teufel. So etwas kommt nicht plötzlich und geht auch nicht ohne Übung. Er muss also regelmäßig gefochten haben und hat uns das verschwiegen.'
Sein Magen rebellierte. Es musste eine andere Erklärung geben.
‚Diegos Bemühen, dass ich nichts über meinen Zorro-Auftritt erfahre. Natürlich kann es auch sein, dass er mich wirklich nur schützen wollte. Aber es würde sehr viel mehr Sinn ergeben, sollte er unser maskierter Held sein. Ich kann mich leider noch immer nicht daran erinnern, wie ich in diese Höhle gekommen bin… aber wenn mein Sohn Zorro ist, so wird er sein Kostüm und das Pferd in der Nähe von hier verstecken. Und ich bin irgendwie darüber gestolpert. Dafür spricht auch, dass ich … so viel weiß ich noch… nach dem Anlegen der Verkleidung direkt ins Pueblo geritten bin. Auch wenn ich den Weg nicht mehr genau weiß, es war keine völlig fremde Umgebung, das ist sicher.'
Alejandro hielt inne und starrte einige Minuten vor sich hin.
Plötzlich jedoch sprang er auf und verließ sein Zimmer.
Er musste dringend mit jemandem sprechen.
