„Zorro loswerden?!", wiederholte Diego und starrte seinen Vater irritiert an. „Ich habe dich bisher für einen Unterstützer unseres schwarzen Reiters gehalten."
„Natürlich bin ich das", entgegnete Alejandro energisch. „Verzeihe mir bitte, Sohn, ich habe mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Ich meinte wir sollten dafür sorgen, dass Zorro nicht mehr reiten muss. Er hat etwas Glück an der Seite Victorias verdient. Oder wie siehst du das?"
Sein Sohn räusperte sich unbehaglich. „Sicher hat er das. Nur weiß ich nicht, auf was du hinauswillst."
„Sieh mal!" Alejandro nahm den Sessel und rückte ihn näher an das Bett seines Sohnes, ehe er sich hinsetzte. „Du hast einen klugen Kopf. Daher bin ich sicher, dass es dir selbst schon aufgefallen ist. Zorro ist ein herzensguter Mensch, der wissentlich niemand etwas zuleide tun möchte – da ändern auch seine harmlosen Spiele mit DeSoto nichts daran. Nur leider ist er auch Teil des Problems – ohne dass er selbst etwas dafür kann. Du verstehst, was ich meine?"
„Nicht ganz."
„Unser Alkalde möchte Zorro fangen. Was tut er – heute erfindet er eine neue Wuchersteuer. Morgen wird er Victoria drangsalieren – mal wieder – in der Hoffnung, dass Zorro ihr zur Hilfe kommt und er ihm eine Falle stellen kann. Und so geht es immer weiter. Viele Repressalien, die sich DeSoto ausdenkt, dienen alleine dazu, seine Nemesis zu besiegen. Ein Ende ist nicht abzusehen und Zorros Kampf wird nie aufhören, solange Ignazio in Los Angeles regiert."
„Ja, Vater", bestätigte Diego sofort. Es war offensichtlich, dass ihm diese Gedankengänge nicht fremd waren. „Er steckt in seiner eigenen Falle fest."
Alejandros Stimme klang fest entschlossen. „Genauso ist es. Und deshalb braucht er Hilfe von außen."
„Das klingt, als hättest du bereits einen Plan?", mutmaßte sein Sohn.
„Ich habe heute lange darüber nachgedacht", verriet Alejandro. „Und ich schäme mich ein wenig, dass ich erst jetzt nach Lösungen suche, nachdem ich weiß, dass… nun ja, ich schaue schon viel zu lange zu, wie … der junge Mann sein Leben riskiert, um das Pueblo zu schützen, ohne Aussicht, dass das jemals aufhört."
Der alte Caballero hielt inne und blickte seinem Sohn fest in die Augen. Dieser schwieg, nickte ihm jedoch aufmunternd zu.
„Eigentlich ist die Sache erschreckend einfach. Wenn wir Caballeros alle fest gegen DeSoto zusammenstehen, hat er auf Dauer keine Chance. Los Angeles ist die Neue Welt – trotzdem gelten die alten Machtstrukturen auch hier, egal ob uns das gefällt oder nicht. Wir haben uns viel zu lange hinter Zorro versteckt und ihm unsere Arbeit machen lassen, weil es so viel bequemer und ungefährlicher für uns war."
„Es dürfte schwer werden, alle davon zu überzeugen, Vater", gab Diego zu bedenken.
„Wir haben es nie versucht, mein Sohn. DeSoto treibt schon viel zu lange sein Unwesen. Und wenn alle Caballeros Los Angeles die finanzielle Unterstützung entziehen, dann helfen auch keine neuen Steuern. Don Pablo ist mit Sicherheit dabei, und die versuchte Festnahme seines Sohnes könnte der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt."
„Ja, du hast mir ja davon erzählt. Vielleicht hast du sogar recht", bestätigte sein Sohn, ohne wirklich überzeugt zu klingen.
„Wenn ich mir nicht Sorgen machen würde, dass die Soldaten hier auftauchen, um auch dich zu untersuchen, hätte ich mich heute schon auf den Weg gemacht", ergänzte Alejandro. „Ich habe mir aber etwas überlegt, sollten die Soldaten…"
Er sollte nicht dazu kommen, seinen Satz zu beenden, da es in diesem Moment an der Türe klopfte. Es war Felipe, der ihnen mit seinen Gesten erklärte, dass Victoria gerade bei ihnen eingetroffen war.
„Victoria?! Das ist nicht gut!", meinte Diego mit besorgter Miene. „Ihre Taverne hat zu dieser Zeit Hochbetrieb. Irgendetwas Unvorhergesehenes muss passiert sein, dass sie uns gerade jetzt aufsucht."
