„Bleib am besten in deinem Zimmer, Diego! Ich spreche mit ihr. Felipe, kannst du die Zorroverkleidung erst einmal zurück in den Schrank legen?"

Alejandro ließ den beiden keine Zeit, zu antworten, sondern eilte rasch davon. Felipe war Diego einen fragenden Blick zu und tat, wie geheißen, nachdem sein Vater zögerlich genickt hatte.

Die Diener hatten die Frau ins Kaminzimmer begleitet. Alejandro fand sie im Sessel sitzend, als er eintrat.

„Victoria! Ist alles in Ordnung? Was ist passiert?"

Sie erhob sich. „Don Alejandro. Wie geht es Diego?"

Er zögerte kurz. Offensichtlich hatte sich die „Krankheit" seines Sohnes herumgesprochen. „Besser. Er ist auf seinem Zimmer."

Kurz huschte ein Lächeln über ihre Züge. „Das beruhigt mich. Die Soldaten sind nämlich auf den Weg hierher."

Alejandro nickte resigniert. „Es geht um Diego, nicht wahr? Ich hatte es befürchtet. Beim Sohn von Don Pablo waren sie auch schon."

„Es ist absolut lächerlich", schimpfte Victoria. „Plötzlich stehen alle größeren Männer unter Generalverdacht, Zorro zu sein. Sogar Diego! Bisher hatte DeSoto Guillermo Ruiz ausgelacht, als dieser Euren Sohn untersuchen wollte. Aber vorhin hat unser Alkalde erfahren, dass Diego krank ist."

„Wann werden sie hier sein?", fragte der alte Mann, ohne auf ihre Rede direkt einzugehen.

„Aktuell sind sie noch in der Taverne. Sie werden aber bald hier sein. Pilar versucht, sie etwas aufzuhalten." Sie zögerte. „Nicht mehr sehr lange, denke ich."

„Gracias, auch für die Warnung", erwiderte der Don, während er sie nachdenklich anblickte. „Weshalb habt ihr eure Bedienstete eigentlich angehalten, den Aufbruch der Soldaten zu verzögern? Hat das einen bestimmten Grund?"

„Eigentlich nicht", gab sie zu. „Ich wollte euch ein wenig Zeit verschaffen. Die Männer DeSotos gehen bekanntlich nicht gerade zimperlich vor. Es ist besser, wenn Ihr vorbereitet seid und Diego halbwegs in Ruhe aufstehen kann. Es wäre sicher seiner Gesundheit nicht förderlich, wenn er plötzlich aus dem Schlaf gerissen wird, weil die Soldaten in sein Zimmer stürmen."

Die Gedanken des alten Dons arbeiteten fieberhaft. Er musste mit aller Gewalt verhindern, dass jemand Diegos nackigen Oberkörper zu sehen bekam. Dazu fiel ihm nur eine Lösung an.

Sie durften keine weitere Zeit verlieren.

„Senorita Escalante, nochmals vielen Dank. Ich werde mich um alles kümmern. Entschuldigt mich bitte. Soll ich einen meiner Vaqueros bitten, Euch zum Pueblo zurückzubringen?"

Der alte Vega war sich bewusst, dass er damit nicht gerade höflich handelte und Victoria fast schon hinauswarf. Aber sie mussten nun rasch handeln und er wollte auf keinen Fall, dass die Frau dadurch hinter Diegos Geheimnis kam. Dieses zu lüften, war Aufgabe seines Sohnes.

Victoria machte jedoch keine Anstalten, seiner indirekten Bitte nachzukommen. „Don Alejandro! Ich kann doch jetzt nicht einfach zurückreiten! Vor allem in dieser Situation. Lasst mich Euch und Diego helfen!"

Der alte Vega unterdrückte ein Seufzen. Die Angelegenheit war zu dringend, als dass er lange mit Victoria diskutieren konnte – dafür war die Zeit einfach zu knapp. Die Soldaten konnten jeden Moment auftauchen. Er kannte schließlich ihren starken Willen.

In diesem Fall war es wohl sinnvoller, nachzugeben, trotzdem aber sicherzustellen, dass sie von dem folgenden Geschehen nichts mitbekam.

Er räusperte sich, bevor er antwortete: „Ihr erinnert Euch daran, dass wir den Garten neu eingerichtet haben?"

Die Frau blickte ihn verwundert an. „Natürlich kann ich das, ich verstehe nur nicht, warum…"

„Die Soldaten werden nicht lockerlassen und auf die Anwesenheit Diegos bestehen", erklärte er leicht ungeduldig. „Es lässt sich wohl nicht vermeiden, dass er aufsteht und sich ihnen zeigt. Da es ihm besser geht, er sich aber immer noch etwas krank fühlt, ist es besser, wenn er dies langsam tut. Auch ein wenig frische Luft würde ihm guttun. Könnt Ihr deshalb draußen im Garten warten, bis ich meinen Sohn zu Euch schicke?"

Sie starrte ihn verblüfft an. Ein solches Benehmen passte nicht zu dem alten Herrn. Irgendetwas jedoch – vielleicht war es der drängende und leicht verzweifelte Unterton, der in Alejandros Rede mitzuschwingen schien– hinderte sie jedoch daran, ihm zu widersprechen. Deshalb erwiderte sie mit einem Achselzucken: „Also gut, einverstanden. Aber wir müssen uns unbedingt über alles unterhalten, wenn die Soldaten hier waren."

„Versprochen. Nun aber entschuldigt mich."