Alejandro hatte Diegos Zimmer verlassen und wartete.
Schon nach kurzer Zeit öffnete sich die Türe und Felipe stürmte nach draußen, mit einem Bündel unter dem Arm. Ganz so, wie Alejandro es erwartet hatte.
Der Junge schien ein genaues Ziel zu haben und eilte an Alejandro, der sich etwas im Schatten aufhielt vorbei, ohne ihn zu bemerken.
Der alten Don fluchte leise und rief: „Felipe!"
Was natürlich völlig sinnfrei war, schließlich war der Teenager taubstumm.
Zu seinem Erstaunen jedoch zuckte Felipe erschrocken zusammen, blieb zögernd stehen und drehte sich schließlich zu ihm um.
Unter anderen Umständen hätte Alejandro diesem verdächtigen Verhalten mehr Aufmerksamkeit geschenkt – die Sorge um Diego jedoch war zu groß und so ignorierte er seine Beobachtung für den Moment.
„Das ist seine Verkleidung, die du da mit dir trägst, nicht wahr?"
Felipe nickte zögernd.
„Hör zu." Alejandro senkte seine Stimme. „Ich kann mir denken, was ihr vorhabt. Nur leider ist das ein dummer Plan. Den Soldaten wird ein stummer Zorro sofort auffallen."
Der Junge starrte seinen Großvater fassungslos an, ehe er heftig den Kopf schüttelte und mit Gesten erklärte, dass der alte Vega die völlig falschen Schlüsse zog.
Alejandro seufzte vernehmlich. „Mein Enkel, wir haben keine Zeit. Gib mir das Kostüm und zeige mir, wo ich Toronado finden kann. Am besten sattelst du ihn, während ich mich verkleide, dann sparen wir Zeit. Danach solltest du Diego helfen, schließlich ist er verletzt und Victoria wartet draußen im Garten auf ihm."
Felipe erstarrte und schien unschlüssig, wie er reagieren sollte. Hilflos suchten seine Augen die des alten Dons.
„Felipe. Ich habe mir die letzten Tage einiges zusammenreimen können. Bitte, es geht um Diegos Sicherheit", drängte Alejandro. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sein Alter Ego aufgedeckt wird. Hilf mir, ihn zu schützen."
Es war dem Teenager anzusehen, dass ihm tausend Dinge durch den Kopf gingen und es ihm nicht leicht viel, eine Entscheidung zu treffen. Nach einer scheinbaren Ewigkeit, wie es Alejandro schien – in Wirklichkeit waren jedoch nur ein paar Minuten vergangen – nickte Felipe zögerlich und deutete dem alten Vega, ihm zu folgen.
Neugierig folgte er dem Jungen, der ihn direkt zur Bibliothek führte.
Victoria war nirgends zu sehen – offensichtlich hatte sie sich bereits nach draußen in den Garten begeben, wie Alejandro vorgeschlagen hatte.
„Was wollen wir denn hier?", fragte der Caballero verwundert. Felipe lächelte unsicher, ehe er sich dem Kamin näherte und an dem versteckten Hebel zog.
Alejandro hielt den Atem an. Ungläubig starrte er auf den Geheimgang, der nun erschien.
‚Natürlich! Zorros Versteck musste sich hier befinden, sonst hätte ich nicht dorthin gelangen können. Ich muss unabsichtlich an den Hebel gekommen und dadurch in die Höhle gekommen sein. Wie auch immer das passiert ist', kombinierte er in Gedanken.
Er sprach diesen Gedanken jedoch nicht laut aus, sondern beeilte sich, Felipe zu folgen, der bereits den Gang betreten hatte und nicht mehr zu sehen war.
