Weshalb hatte er damals, als er in Zorros Versteck aufgewacht war, nicht darauf geachtet?
Die Höhle trug eindeutig die Handschrift seines Sohnes.
Auf einem großen Tisch, der offenbar Diegos Experimentierfreude diente, erkannte er aufgereiht diverse Phiolen, die teils leer, teils mit geheimnisvollen Flüssigkeiten gefüllt waren. Weiter erblickte er drei kleine Apparate, deren Zweck ihm verborgen blieb – möglicherweise dienten sie dazu, die Flüssigkeiten zu erwärmen.
Der Eindruck, dass er sich im Reich eines an der Wissenschaft interessierten Menschen befand, wurde auch nicht durch das an der Wand hängende Kostüm – wie viele davon hatte Diego eigentlich? – und dem bekannten Degen nebst Peitsche und diversen Messern getrübt. Nur zu gut erinnerte sich Alejandro daran, wie oft ihr Held diverse technische und chemische Hilfsmittel verwendet hatte, um die Soldaten zu verwirren und sich einen Vorteil zu verschaffen.
Nüchtern betrachtet, hatte alles darauf hingedeutet, dass sich sein Sohn hinter der Maske des Fuchses verbarg. Wie viele Männer mit blauen Augen und großem Wuchs gab es in Kalifornien und Umgebung? Wer war klug genug, seine Gegner mit selbst hergestellten Hilfsmitteln zu bekämpfen, die ein grundlegendes Wissen in Physik und Chemie verlangten? Und weshalb war ihm nie aufgefallen, dass Zorros erstes Erscheinen mit der Ankunft seines Sohnes zusammenfiel?
Sie alle waren blind gewesenen, hatten sich täuschen lassen.
All diese Gedanken gingen ihm durch den Kopf, während er dabei war, die schwarze Kleidung anzuziehen. Dass Hemd und Hose etwas zu lang waren, konnte er durch die Scherbe und die Stiefel kaschieren.
Wie hatte er damals denken können, er sei Zorro? Er musste wirklich nicht recht bei Sinnen gewesen sein. Es war eindeutig, dass dieses Kostüm für einen anderen Mann gedacht war. Dazu kam, dass ihm die Stiefel drückten und er sicher Blasen bekommen würde, sollte er sie länger anbehalten müssen.
Für einen kurzen Auftritt als maskierter Held würde es jedoch gehen.
Die Maske und der Hut, die in Felipes Bündel fehlten, nahm er sich von den Haken an der Wand, ebenso die Waffen.
Ein wenig fühlte er sich wie ein Hochstapler; was er strenggenommen auch war, auch wenn dies alles notwendig war, um Diego zu schützen. De Maske behinderte dazu auch noch seine Sicht – wie um alles in der Welt konnte sein Sohn so gut damit kämpfen?
Sein Blick fiel auf den Jungen, der gerade damit fertig wurde, Toronado aufzuzäumen. Die Bewegungen zeugten von einer großen Routine – offensichtlich hatte Felipe in der Vergangenheit schon oft das Pferd für Zorro satteln müssen.
„Danke Felipe." Alejandro nickte ihm zu und versuchte ein Lächeln. Dass er sich in dem schwarzen Kostüm unbehaglich fühlte, wollte er dem Jungen nicht zeigen. Er rechnete eh damit, nach dieser Aktion eine längere Diskussion mit seinem Sohn führen zu müssen. „Gehe jetzt zu Diego und kümmere dich um ihn. Er wird Hilfe brauchen, damit keiner bemerkt, dass er nicht krank, sondern verletzt ist. Wir reden später über alles."
Es machte sich an, Toronado zu besteigen, hielt dann jedoch inne und wandte sich ein letztes Mal an den Teenager. „Ich werde den Soldaten möglichst nicht zu nahe kommen, damit sie die Täuschung nicht bemerken. Gegen eine ganze Kompanie komme ich nicht an, dazu bin ich zu alt und einfach nicht gut genug. Ich werde also nicht kämpfen, sondern versuchen, unerkannt wieder zu verschwinden. Wenn du einen von Diegos Tricks kennst, die Soldaten irgendwie aufzuhalten oder zu behindern, würde mir das sehr helfen."
