Seine Hoffnung, vor den Soldaten anzukommen, erfüllte sich nicht. Alejandro zählte etwa fünfzehn Soldaten, die sich offenbar vor Diego aufgestellt hatten – leider verdeckten sie ihm die Sicht, so dass er seinen Sohn nicht direkt sehen konnte. Alejandro nahm sich nicht die Zeit, genau durchzuzählen, aber es waren etwa fünfzehn Männer, die DeSoto geschickt hatte.
Er durfte jetzt keinen Fehler machen.
Langsam näherte er sich der Gruppe. Er konnte nicht verstehen, was gesagt wurde, bemerkte jedoch, dass die Soldaten auf Diego zugingen.
Zeit zu handeln.
„Gibt es ein Problem, Señores?", rief er laut und versuchte, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Auch war es wichtig, sich nicht weiter den Soldaten zu nähern.
Überrascht drehten sich die Männer zu ihm um. Dabei veränderten sie leicht die Position und gingen in seine Richtung.
„Halt! Kommt nicht näher!" Routiniert – Don Alejandro hoffte zumindest, dass es auf die anderen so wirkte – zog er den bekannten Degen hervor und richtete die Klinge der Waffe auf die Gruppe. „Habt Ihr mal wieder nichts Besseres zu tun, als unschuldige Bürger zu belästigen?!"
Mit einer kleinen Erleichterung bemerkte er, dass sich DeSoto nicht unter den Soldaten befand. Dies bedeutete wohl, dass der Alkalde selbst nicht wirklich an die Schuld Diegos glaubte. Vermutlich war der Trupp auf Initiative von Guillermo Ruiz hier.
Sein Verdacht schien sich zu bestätigen, da eben dieser Soldaten ihn zornig anblickte und schnaubte: „Wie könnt Ihr hier sein?"
Alejandro riskierte einen Blick auf seinen Sohn. Dieser stand neben Viktoria vor der kleinen Gartenbank. Offensichtlich hatten beide zuvor darauf Platz genommen und sich unterhalten, bevor sie von den Männern bedrängt worden waren.
Der junge Caballero blieb ruhig und schien nicht überrascht von seinem Erscheinen. Ihre Augen trafen sich und Alejandro wusste, dass es Felipe war, der seinen Sohn vorgewarnt hatte. Ein kaum wahrnehmbares Nicken, welches man nur gewahr wurde, wenn man Diego genau beobachtete, signalisierte das Einverständnis des jungen Mannes.
Es galt nun für beide, diese Scharade gekonnt zu Ende zu bringen.
Ganz anders jedoch war Viktorias Reaktion. Ungläubig starrte sie ihn an, ehe sie den Blick abwandte und sich mit einem Stirnrunzeln Diego zuwandte. Alejandro meinte, sowohl Verwirrung wie auch Zorn ihren Augen zu erkennen.
Er kam jedoch nicht dazu, sich darüber weiter Gedanken zu machen, da sein Sohn nun das Wort ergriff: „Sergeant?"
Mendoza hatte sich im Hintergrund gehalten, daher war er bisher von Alejandro auch nicht beachtet worden. Offensichtlich war ihm diese ganze Aktion unangenehm und er wirkte erleichtert, dass ‚Zorro' erschienen war.
„Diego?!"
„Wie wir alle sehen, ist unser maskierter Reiter hier. Wie kann ich also er sein? Was meint Ihr, Mendoza?"
„Natürlich seid ihr nicht Zorro", bestätigte der Angesprochene eifrig. „Diese Anschuldigung war von Anfang an lächerlich."
„Ihr solltet zukünftig Euren Eifer zügeln, Senor Ruiz", sprach Alejandro den betreffenden Soldaten an. Als Zorro durfte er nicht zu passiv agieren. Er zwang sich, möglichst ruhig zu bleiben, auch wenn ihm das äußerst schwerfiel. „Nicht nur, dass Ihr mich verletzt habt – nun fangt Ihr auch noch an, Unschuldige zu bedrohen."
Guillermo starrte ihn wütend an. „Ich hatte euch getroffen, aber das scheint Euch nicht viel ausgemacht zu haben. Ihr sitzt im Sattel, als sei nichts gewesen."
„Das ist Zorro", ergriff nun Viktoria das Wort und musterte irritiert, wie es Alejandro schien, sein Gesicht. Auch wirkte ihre Stimme seltsam rau und sie musste sich räuspern, ehe sie fortfahren konnte: „So ein leichter Kratzer kann ihm nichts anhaben."
„Das war mehr als nur ein Kratzer", widersprach Ruiz.
„Ihr hattet mich weniger schwer getroffen, als Ihr es gedacht hattet, Senor", log Alejandro. „Ohne Zweifel hattet Ihr es Euch jedoch gewünscht."
„Was noch nicht ist, kann ja noch werden", rief der andere voller Wut. „Was soll überhaupt dieses Gerede? Es wird Zeit, Euch endlich der gerechten Strafe zuzuführen."
