Alejandro fand die beiden draußen im Garten. Sie saßen jedoch nicht mehr auf der Bank, sondern hatten am naheliegenden Tisch Platz genommen. Der alte Caballero entdeckte einige Gläser und diverse Getränke – die Angestellten mussten diese bereitgestellt haben, bevor sie sich diskret zurückgezogen hatten.

„Vater! Schön, dass du schon wieder zurück bist!" Diego wirkte entspannt, aber er spürte, dass dies nur Fassade war und sein Sohn mehr als nur erleichtert war, dass alles gut gegangen war. Vermutlich wäre der junge Mann auch gerne aufgestanden, um ihn zu umarmen. Er hielt sich jedoch zurück – was vermutlich nicht nur an seiner Verletzung lag. Viktoria, die direkt neben Diego saß, wirkte nachdenklich und ungewöhnlich ruhig. Sie nickte ihm kurz zu, ehe sie sich wieder ihrem Getränk widmete.

Der alte Caballero nahm gegenüber den beiden Platz. Was sollte er sagen, wenn Viktoria ihn fragen würde, wohin er geritten war?

Die Frau stellte ihr Glas auf den Tisch zurück. „Sagt mir, Don Alejandro, wohin seid Ihr geritten, um Hilfe zu holen? Offensichtlich wart Ihr wenig erfolgreich, da Ihr nun wieder alleine zurückkommt?"

Er zögerte kurz und wechselte einen kurzen Blick mit seinem Sohn, ehe er erwiderte: „Ich wollte zu Adolfo Pérez."

„Zu den Pérez? Aber die Entfernung ist doch viel zu weit. Das hätte nie gereicht, um rechtzeitig zurückzukehren!"

„Die Perez wollten uns heute besuchen, wenn ich mich recht erinnere, nicht wahr, Vater?", sprang ihm Diego zur Hilfe. „Du hattest sicher gehofft, sie auf dem Weg hierher anzutreffen."

„Ja, du vermutest richtig!", bestätigte er erleichtert. Ihm selbst wäre auf die Schnelle wohl keine gute Ausrede eingefallen.

„Ihr seid aber allein zurückgekommen."

„Si, Viktoria."

Er schluckte.

Glücklicherweise kam ihm rasch die passende Antwort. „Ich traf jedoch nur auf einen seiner Vaqueros, der ausrichten sollte, dass die Pérez heute leider doch nicht kommen können. Daher bin ich auf dem schnellsten Wege wieder zurückgeritten."

Er wagte nicht, ihr direkt in die Augen zu sehen, sondern fixierte einen imaginären Punkt in der Mitte ihrer Stirn. Er mochte die Frau einfach zu gerne und es war ihm zuwider, sie anzulügen. Wie konnte sein Sohn dies täglich tun, und das nun schon über viele Jahre?

Viktorias Gesichtsausdruck war schwer zu deuten. Nachdenklich blickte sie auf ihr Glas und zeichnete kleine Kreise auf der Tischplatte nach, ehe sie sich direkt an den jungen Vega wandte: „Schon verblüffend, nicht wahr? Schnell zu verschwinden und erfolglos zurückzukommen, das ist sonst eigentlich eher deine Art, nicht wahr, Diego?"

Weder Vater noch Sohn antworteten sofort; die Tavernenbetreiberin fuhr jedoch schon mit ihrer Rede fort: „Wobei ich auch nicht wirklich weiß, warum Ihr meintet, jemand um Hilfe bitten zu müssen? Ich wollte Euch vorwarnen, damit Diego nicht überhastet aus dem Bett springen muss, schließlich ist er doch krank?"

Sie starrte auf ihr Glas und schüttelte resigniert den Kopf. Ihre Stimmung drohte zu kippen.

„Was ist los, Viktoria?!", wollte Diego besorgt wissen. „Seit … Zorro davongeritten ist, hast du kaum ein Wort gesprochen."

Sie hob ihren Kopf und wandte sich dem jungen Mann zu: „Wie ich schon sagte, ich wollte auf Don Alejandro warten."

Nun blickte sie in die Augen des alten Mannes. „Ich habe den Fehler damals gemacht und hab geschworen, ihn nicht noch einmal zu machen."

Eine kurze Pause, dann fuhr sie fort: „Beantwortet mir nur eine Frage, Don Alejandro – seit wann trägt Zorro einen grauen Bart?"