„Einen grauen Bart?", wiederholte Don Alejandro und versuchte, möglichst unschuldig zu wirken. Er kam hier noch in Teufels Küche. Erneut fragte er sich, wie sein Sohn das durchziehen konnte, zumal Viktoria etwas zu ahnen schien.

„Nicht zu vergessen, seine Augen", fuhr diese nun unberührt fort. „Auch diese waren anders. Er hielt zwar etwas Abstand zu uns, vermutlich genau aus diesem Grund, damit wir nicht so genau hinsehen. Aber sie waren braun, nicht blau."

„Viktoria, von was redest du?", erkundigte sich Diego und gab seiner Stimme einen verblüfften Klang; offensichtlich in dem Versuch, ihm beizustehen. „Ich weiß nicht, was Felipe dir gesagt hat, Vater, aber Zorro war gerade hier. Möglicherweise hast du ihn auch gesehen?"

Alejandro bewunderte die Schauspielkunst seines Sohnes. Das war schon mehr als nur keck, ihm diese Frage zu stellen.

Bevor er jedoch seinem Sohn antworten konnte, ergriff Viktoria erneut das Wort. Ihre Mine war schwer zu deuten, als sie sich an ihn wandte: „Vermutlich nur, wenn Ihr Euch vorher im Spiegel betrachtet habt, Don Alejandro. In all den Jahren habe ich gelernt, genauer hinzusehen, wenn Zorro in Erscheinung tritt. Ich lasse mich nicht mehr so leicht täuschen, wenn andere sich als ihn ausgeben. Manche zogen sich sein Kostüm an, um daraus einen Vorteil zu ziehen – andere tuen es, um seine Identität zu schützen."

„Viktoria, ich…", begann Diego, verstummte jedoch, als er das leichte Kopfschütteln seines Vaters bemerkte.

„Bitte, mein Sohn, keine Ausflüchte mehr. Ich denke, du bist uns beiden eine Erklärung schuldig."

Der junge Vega zuckte ein wenig ratlos mit den Schultern; unschlüssig, ob er sein Geheimnis offenbaren sollte, wie es Alejandro schien. Diego suchte in Gedanken nach einem Ausweg, da war sich Don Alejandro sicher.

Nun hatten sie den Fuchs doch tatsächlich in die Enge getrieben. Der alte Mann konnte ein leichtes Schmunzeln nicht verbergen.

„Diego." Die Frau legte in einer freundschaftlichen Geste ihre Hand auf seine rechte Schulter. „Als ich erfuhr, dass die Soldaten auf dem Weg zu dir waren, weil sie Zorro suchten, war ich sehr beunruhigt. Ich sagte mir, es liege daran, dass du oft kränklich seiest und ich mir Sorgen um deine Gesundheit machen würde. Mein Herz ahnte die Wahrheit – mein Verstand jedoch sagte mir, dass das nicht sein konnte. Du warst mein bester Freund und ich glaubte einfach nicht, dass du uns alle anlügen würdest, und das über Jahre. Als vorhin jedoch dein Vater…"

Sie sprach nicht weiter. Auch Diego schienen für den Augenblick die Worte auszugehen – er nahm jedoch Viktorias Hand von seiner Schulter und nahm sie in beide Hände. Die Augen der beiden fanden einander, während er – in typischer Zorro Manier – ihr einen zärtlichen Handkuss gab.

Alejandro selbst war unschlüssig, wie er reagieren wollte. Ein Teil von ihm wollte aufstehen und dem neu gefunden Paar ein wenig Privatsphäre gönnen. Andererseits verbot ihm seine Erziehung und die Sorge um den guten Ruf der beiden, sie ohne Aufsicht alleine hier im Garten sitzen zu lassen.

Seine Entscheidung wurde abgenommen, als Felipe den Garten betrat.